MRT-gesteuerte fokussierte Ultraschallbehandlung

Die MRT-gesteuerte fokussierte Ultraschalltherapie (engl. MR-Guided Focused Ultrasound, MRgFUS), ein fortschrittliches, nicht-invasives therapeutisches Verfahren, wird in der medizinischen Welt zunehmend anerkannt. Es kombiniert die Präzision der Magnetresonanztomographie (MRT) mit der Kraft des hochintensiven fokussierten Ultraschalls zur gezielten Behandlung verschiedener Erkrankungen.

MRgFUS ist eine innovative, thermische Ablationsmethode, die ohne Schnitte oder invasive Eingriffe auskommt. Durch die Fokussierung von Ultraschallwellen auf spezifische Gewebebereiche werden pathologische Strukturen präzise abgetragen, während umliegendes Gewebe geschont wird.

Zielsetzung und Wirkung

  • Nicht-invasive Behandlung verschiedener Krankheiten, darunter Prostatakarzinom (Prostatakrebs), Uterusmyome, Facettengelenksarthrose, Knochentumoren und -metastasen.
  • Schonung gesunden Gewebes durch präzise Thermoablation (Gewebezerstörung durch Hitze).
  • Besserung der Symptome und Verbesserung der Lebensqualität.

Indikationen (Anwendungsgebiete)

  • Prostatakarzinom*: Einsatz endorektaler Sonden zur zielgerichteten Behandlung [4-6]
  • Uterusmyome: Effektive, organerhaltende Therapie ohne Vollnarkose [2, 3]
  • Facettengelenksarthrose: Schnelle, nicht-invasive Behandlung mit potenzieller Schmerzreduktion.
  • Knochentumoren (Osteoidosteome): Besonders geeignet für Kinder und Jugendliche.
  • Knochenmetastasen (Tochtergeschwülste): Präzise Zerstörung des erkrankten Gewebes unter Vollnarkose.
  • Morbus Parkinson?**

*Langzeit-Follow-up-Studien sind erforderlich, um die Nachhaltigkeit der Therapieergebnisse und mögliche Spätfolgen zu bewerten. Die bisherigen Daten sind vielversprechend, aber eine längere Beobachtungszeit ist notwendig, um fundierte Schlussfolgerungen über die Langzeitwirksamkeit und -sicherheit zu ziehen.
**Besserung der motorischen Symptome um fast 50 % wurden durch häufige Nebenwirkungen erkauft, die zum Teil auch noch über zwölf Monate persistierten [1]. Weitere Studien in Bezug auf Sicherheit und Wirksamkeit sind abzuwarten.

Kontraindikationen (Gegenanzeigen)

  • Metallimplantate oder Geräte im Körper, die mit MRT nicht kompatibel sind.
  • Schwangerschaft.
  • Relative Kontraindikation: Kinderwunsch (bei der Behandlung von Myomen/gutartige Muskelgeschwülste der Gebärmutter).

Vor der Therapie

  • MRT-Bildgebung: Vor der Behandlung wird eine detaillierte MRT-Diagnostik durchgeführt. Diese hochauflösende Bildgebung ermöglicht es, die genaue Lokalisation und Ausdehnung des pathologischen Gewebes zu identifizieren und eine präzise Behandlungsplanung zu erstellen.
  • Behandlungsplanung: Basierend auf den MRT-Aufnahmen wird ein individueller Behandlungsplan erstellt, der die genaue Positionierung der Ultraschallwellen und die erforderliche Energieintensität festlegt.
  • Aufklärung über das Verfahren und potenzielle Risiken.
  • Individuelle Einschätzung der Eignung für MRgFUS.

Das Verfahren

Bei MRgFUS wird mittels MRT-Bildgebung die Zielregion genau definiert und während der Behandlung überwacht. Die Ultraschallwellen werden präzise auf das Zielgewebe fokussiert und erzeugen dort Wärme, die das pathologische (krankhafte) Gewebe abträgt. 

Durchführung der Therapie

  • Zielgenaue Applikation: Während der Behandlung werden die Ultraschallwellen genau auf das zuvor definierte Zielgewebe gerichtet. Die Positionierung und Intensität der Ultraschallwellen werden fortlaufend mittels MRT kontrolliert und angepasst.
  • Erzeugung von Wärme: Die fokussierten Ultraschallwellen erzeugen gezielt Wärme im pathologischen Gewebe. Diese Wärme führt zur Thermoablation, d. h., die pathologischen (krankhafte) Zellen werden durch die Hitze zerstört.
  • Schonung des umliegenden Gewebes: Durch die hohe Präzision des Verfahrens bleibt das umliegende gesunde Gewebe unbeeinträchtigt. Dies minimiert das Risiko von Nebenwirkungen und Komplikationen.

Überwachung und Anpassung

  • Echtzeit-Überwachung: Während der gesamten Behandlung wird die Zielregion mittels MRT in Echtzeit überwacht. Dies ermöglicht eine sofortige Anpassung der Therapieparameter, falls erforderlich, und erhöht die Sicherheit und Effektivität des Verfahrens.
  • Anpassung der Behandlung: Die Intensität und Fokussierung der Ultraschallwellen können jederzeit angepasst werden, um eine optimale Ablation des Zielgewebes zu gewährleisten und gleichzeitig das umliegende Gewebe zu schützen.

Nach der Therapie

  • Nachbeobachtung: Nach Abschluss der Behandlung wird eine abschließende MRT-Untersuchung durchgeführt, um den Erfolg der Ablation zu bewerten und eventuelle unerwünschte Effekte zu identifizieren.
  • Follow-up: Regelmäßige Nachuntersuchungen und Follow-up-Bildgebungen sind wesentlich, um den langfristigen Therapieerfolg zu überwachen und eventuelle Rezidive frühzeitig zu erkennen.

Mögliche Komplikationen

Prostatakarzinom

  • Frühkomplikationen: Schmerzen oder Beschwerden im Bereich der endorektalen Sonde, leichte Blutungen oder Infektionen, akute Entzündungsreaktionen, vorübergehende Harnretention.
  • Spätkomplikationen: Potenzielle Beeinträchtigung der Sexualfunktion (z.B. erektile Dysfunktion), langfristige Harninkontinenz, Striktur der Harnröhre, Rezidiv des Tumors​​​​​​.

Uterusmyome

  • Frühkomplikationen: Krämpfe, leichte Blutungen, vorübergehende Schmerzen im Beckenbereich.
  • Spätkomplikationen: Potenzielle Veränderungen der Menstruationsblutung, seltene Fälle von Myomnekrose, langfristige Auswirkungen auf die Fruchtbarkeit sind noch unklar​​​​.

Facettengelenksarthrose

  • Frühkomplikationen: Vorübergehende Schmerzverstärkung, lokale Hautreaktionen oder Schwellungen.
  • Spätkomplikationen: Mögliche Verschlechterung der Gelenkfunktion oder anhaltende Schmerzen, Risiko einer langfristigen Nervenbeschädigung.

Knochentumoren (Osteoidosteome)

  • Frühkomplikationen: Lokale Schmerzen oder Schwellungen, vorübergehende Hautreaktionen.
  • Spätkomplikationen: Langfristige Veränderungen im Knochenwachstum bei Kindern und Jugendlichen, Risiko eines Rezidivs des Tumors.

Knochenmetastasen

  • Frühkomplikationen: Schmerzen oder Unwohlsein nach der Vollnarkose, lokale Reaktionen am Behandlungsort.
  • Spätkomplikationen: Möglicherweise langfristige Auswirkungen auf umliegende Strukturen, Risiko der unvollständigen Behandlung des Tumors, was zu einem Wiederauftreten der Erkrankung führen kann.

Morbus Parkinson

  • Frühkomplikationen: Verschlechterung der motorischen Funktion, akute neurologische Symptome.
  • Spätkomplikationen: Langfristige Verschlechterung der motorischen Kontrolle, potenzielle kognitive Beeinträchtigungen, anhaltende Nebenwirkungen auch nach mehr als zwölf Monaten​​.

Es ist wichtig zu betonen, dass die genannten Komplikationen von Patient zu Patient variieren können und von vielen Faktoren abhängen, einschließlich der Art und Weise, wie die Behandlung durchgeführt wird, der individuellen Patientencharakteristika und der zugrunde liegenden Erkrankung. Daher ist es entscheidend, dass Patienten vor der Behandlung eine umfassende Aufklärung und individuelle Beratung erhalten.

Fazit

MRgFUS ist eine sichere, effektive und nebenwirkungsarme Therapieoption für eine Vielzahl von Erkrankungen. Es bietet eine nicht-operative, ambulante Behandlungsmöglichkeit, die besonders für Patienten mit Prostatakarzinom, Uterusmyomen, Facettengelenksarthrose, Knochentumoren und -metastasen geeignet ist.

Literatur

  1. Martínez-Fernández R, Máñez-Miró JU, Rodríguez-Rojas R et al.: Randomized trial of focused ultrasound subthalamotomy for parkinson's disease. New Engl J Med 2020; 383: 2501-13 doi: 10.1056/NEJMoa2016311
  2. Beck A, David M, Kröncke T: Magnetresonanz-geführte fokussierter Ultraschall zur Myom-Behandlung – Ergebnisse des ersten radiologisch-gynäkologischen Expertentreffens. Fortschr Röntgenstr 185 (2013) 464-466
  3. Bohlmann MK, Hunold P et al.: Neue diagnostische und therapeutische Optionen bei Patientinnen mit Myomen – hoch intensivierte fokussierter Ultraschall. J Reproduktionsmed Endokrinol 10 (2013) 266-272
  4. Harris J: Men with Intermediate-Risk Prostate Cancer Experience Improved Sexual Function, Urinary Continence Following MRgFUS Therapy Oncology Nursing News September 24, 2021
  5. Ehdaie B, Tempany C, Holland F, et al.: MRI-guided focused ultrasound (MRgFUS) focal therapy for intermediate-risk prostate cancer: final results of a phase IIb multicenter study. Presented at: 2021 American Urological Association Annual Meeting; September 10-13, 2021; virtual. Abstract LBA02-12.
  6. Alabousi M et al.: Magnetic resonance imaging-guided ultrasound ablation for prostate cancer - A contemporary review of performance Front Oncol . 2023 Jan 4:12:1069518. doi: 10.3389/fonc.2022.1069518. eCollection 2022.