Hauttypberatung

Die medizinische Hauttypberatung bzw. Sonnenlichtberatung bezeichnet ein diagnostisches Verfahren auf dem Gebiet der Dermatologie (Hautheilkunde) und dient der Einschätzung der individuellen Hautempfindlichkeit des Patienten gegenüber Sonnenlicht. Der Hauttyp (Hautphototyphat somit direkten Einfluss auf die Einschätzung möglicher Schädigungen durch Sonnenlichteinwirkung wie z. B. die Entstehung von Hautkrebs oder die Aufenthaltsdauer in der Sonne bis zum Auftreten einer Verbrennung. Des Weiteren wird der Hauttyp durch die Talgproduktion und die Hautfeuchtigkeit charakterisiert, sodass im Rahmen der Hauttypberatung wertvolle Aussagen bezüglich der korrekten Hautpflege getroffen werden können.

Indikation (Anwendungsgebiet)

  • Hautschutz (Reduktion der Hautalterung und des Hauttumorrisikos)

Vor der Untersuchung

Vor der Untersuchung sollten weder Pflegeprodukte noch Make-up aufgetragen werden, um das Ergebnis nicht zu verfälschen.

Verfahren

Die Messung des Hauttyps erfolgt mittels eines optischen Verfahrens und beruht auf der Erfassung von Lichtreflexion und -absorption. Bezüglich der Sonnenempfindlichkeit spielt der Hautfarbstoff Melanin eine entscheidende Rolle. Melanin schützt die Haut vor der Schädigung durch UVB-Strahlung. Die Menge des Melanins bestimmt den Hauttyp. Dieses wird von Melanozyten (Pigmentzellen) gebildet. Hierbei spielen nicht nur die Menge dieser Zellen eine Rolle, sondern auch die Menge an Melanin, die von ihnen produziert wird.

Die bekannte Fitzpatrick-Hauttypklassifikation (1975) wird international weiterhin verwendet. Sie beschreibt zuverlässig Verbrennungs- und Bräunungsverhalten der Haut hellhäutiger Menschen. Es werden 6 Hauttypen unterschieden, die anhand ihrer UV-Empfindlichkeit klassifiziert sind.

Hauttyp Beschreibung UV-Empfindlichkeit Sonnenbrand-Risiko Zeit bis Hautrötung Bräunungsfähigkeit Empfohlener LSF
I – Keltischer Typ sehr hell, rotblond, Sommersprossen sehr stark immer ca. 10 min keine
  • LSF 50+ ganzjährig im Freien
  • UV-Kleidung, Hut, Brille
II – Germanischer Typ helle Haut, blond sehr stark immer ca. 10-20 min leichte Bräunung nach Sonnenbrand
  • LSF 50+ im Sommer
  • LSF 30-50 Frühjahr, Herbst
  • LSF 30 Alltag
III – Mischtyp helle bis mittelhelle Haut, dunkelblond/braun stark gelegentlich ca. 20-30 min mäßige Bräunung
  • LSF 30-50 bei intensiver Exposition
  • LSF 30 Alltag
IV – Mediterraner Typ dunklere Haut, dunkle Haare mäßig selten > 40 min starke Bräunung
  • LSF 30 bei starker Sonne oder Reisen in südliche Länder
  • LSF 20-30 Alltag
V – Dunkle Hauttypen braun bis dunkelbraun gering sehr selten intensive Bräunung
  • LSF 20-30 bei längerer Exposition
  • Wichtig: Schutz vor Photoaging und Pigmentstörungen
VI – Sehr dunkle Hauttypen sehr dunkel pigmentiert sehr gering extrem selten maximal
  • LSF 15-20 bei langer Exposition
  • Häufig reicht Basis-Schutz durch Kleidung

Hinweis:
Auch Hauttyp V-VI benötigt Sonnenschutz. Trotz geringer Sonnenbrandneigung können Pigmentstörungen, DNA-Schäden und Hautkrebs auftreten – besonders bei hoher UV-Intensität (Höhenlagen, Schnee, Äquatornähe).

Aufgrund der Hauttypbestimmung wird u. a. der für Sie geeignete Lichtschutzfaktor bestimmt und Sie erhalten Informationen zum individuellen Sonnenschutz.

Des Weiteren unterstützen wir Sie in der Auswahl geeigneter Hautpflegemittel. Die individuelle Talgproduktion hat dabei einen maßgeblichen Einfluss auf die Auswahl dieser Mittel. Eine starke Talgproduktion (Seborrhöe) ist charakteristisch für den fettigen Hauttyp, eine geringe Talgproduktion (Sebostase) hingegen bedingt den trockenen Hauttyp. Ist die Talgproduktion ausgeglichen, handelt es sich um eine Mischhaut. Für den trockenen Hauttyp eignen sich beispielsweise fettende Pflegeprodukte wie Wasser-in-Öl-Emulsionen, Cremes, weiche Pasten und Fettsalben. Die Pflege für den fettigen Hauttyp besteht in der Regel aus Öl-in-Wasser-Emulsionen, alkoholischen Lösungen, Schüttelmixturen und Pudern.

Literatur

  1. Fitzpatrick TB: Soleil et Peau. Journal de Médecine Esthétique. 1975;2:33-34.
  2. World Health Organization (WHO): Radiation: Ultraviolet (UV) radiation and skin cancer. 16 October 2017.
  3. American Academy of Dermatology (AAD): Sun protection.
  4. Köhn FM, Ring J: Fallstricke und Fehlerquellen in der Dermatologie. Springer Verlag 2004
  5. Balletshofer B, Claussen CF: Hämatologie, Rheumatologie, Dermatologie. Georg Thieme Verlag 2013
  6. Herrmann K, Trinkkeller U: Dermatologie und medizinische Kosmetik: Leitfaden für die kosmetische Praxis. Springer Verlag 2006
  7. Bob A, Bob K: Duale Reihe Dermatologie. Georg Thieme Verlag 2010