Andullationstherapie

Die Andullationstherapie (Behandlung mit mechanischen Schwingungen) ist ein komplementärmedizinisches (die wissenschaftlich etablierte Medizin ergänzendes) physikalisches Verfahren (Behandlung mit physikalischen Reizen), bei dem mechanische Schwingungen über eine spezielle Behandlungsliege oder Matratze auf den Körper übertragen werden. Bei bestimmten Geräten wird die Anwendung mit Infrarotwärme (Wärme durch Infrarotstrahlung) kombiniert.

Die Methode wird insbesondere zur Entspannung und zur ergänzenden Behandlung muskuloskelettaler Beschwerden (Beschwerden des Bewegungsapparates) angeboten. Ein spezifischer therapeutischer oder präventiver (vorbeugender) Nutzen ist bislang jedoch nicht hinreichend durch methodisch hochwertige klinische Studien (Untersuchungen am Menschen) belegt [1-4].

Wirkungsweise der Andullationstherapie

Bei der Andullation werden mechanische Schwingungen in horizontaler Körperposition über eine Behandlungsliege oder Matratze übertragen. In einer klinischen Untersuchung wurden Frequenzen von 5-40 Hz, Amplituden von 2-8 mm und Beschleunigungen von 0,4-2 m/s² eingesetzt [1].

Eine tierexperimentelle Untersuchung (Untersuchung im Tierversuch) an Mäusen zeigte nach einer lokalen Vibrationsanwendung von 6 bzw. 10 Minuten eine Zunahme des venösen (die Venen betreffenden) Gefäßdurchmessers der untersuchten Hautgefäße. Der arterielle (die Arterien betreffende) Gefäßdurchmesser veränderte sich nicht signifikant. Aus diesen präklinischen Befunden (Befunden aus Untersuchungen vor der Anwendung am Menschen) lässt sich weder eine klinisch relevante Verbesserung der Durchblutung beim Menschen noch eine Wirksamkeit bei arteriellen oder venösen Gefäßerkrankungen (Erkrankungen der Blutgefäße) ableiten [2].

Bei Geräten mit zusätzlicher Infrarotfunktion kommt es zu einer lokalen Wärmeeinwirkung. Eine systematische Übersichtsarbeit (wissenschaftliche Zusammenfassung mehrerer Studien) beschreibt mögliche schmerzlindernde Effekte unterschiedlicher Infrarotverfahren bei verschiedenen muskuloskelettalen Erkrankungen und chronischen Schmerzen (lang anhaltenden Schmerzen). Die eingeschlossenen Studien untersuchten jedoch keine Andullationstherapie. Die Ergebnisse sind daher nicht unmittelbar auf das kombinierte Andullationsverfahren übertragbar [4].

Für postulierte biologische Resonanzschwingungen, eine Aktivierung von Selbstheilungskräften, eine allgemeine Stoffwechselsteigerung (Steigerung der körpereigenen Umwandlung von Nährstoffen und Energie) oder eine systemische Förderung des Lymphabflusses (Abtransport der Lymphflüssigkeit) liegen keine hinreichenden klinischen Nachweise vor.

Mögliche Anwendungsgebiete

Aufgrund der unzureichenden Evidenz (wissenschaftlichen Beleglage) bestehen keine wissenschaftlich gesicherten krankheitsspezifischen Indikationen (Anwendungsgebiete) für die Andullationstherapie. Die Anwendung kann allenfalls ergänzend und symptomorientiert erwogen werden bei:

  • unspezifischen muskulären Verspannungen
  • unspezifischen Rückenbeschwerden
  • allgemeinen muskuloskelettalen Beschwerden
  • subjektivem Bedürfnis nach Entspannung oder Wärmeanwendung

Auch für diese Anwendungsbereiche ist ein spezifischer Nutzen der Andullationstherapie nicht hinreichend belegt [1, 3, 4].

Für neurologische (das Nervensystem betreffende), vaskuläre (die Blutgefäße betreffende), entzündlich-rheumatische (durch entzündliches Rheuma bedingte), osteologische (die Knochen betreffende) oder metabolische (den Stoffwechsel betreffende) Erkrankungen besteht kein hinreichender krankheitsspezifischer Wirksamkeitsnachweis. Dies betrifft insbesondere Morbus Parkinson (Parkinson-Krankheit), Morbus Bechterew (entzündliche Wirbelsäulenerkrankung), Arthritis (Gelenkentzündung), Osteoporose (Knochenschwund), Lymphödem (Schwellung durch angestaute Lymphflüssigkeit), Durchblutungsstörungen (unzureichende Blutversorgung), Dekubitus (Druckgeschwür), Adipositas (starkes Übergewicht) und Varikosis (Krampfaderleiden).

Die Andullationstherapie darf eine leitliniengerechte Diagnostik (Krankheitserkennung nach medizinischen Empfehlungen) und Behandlung nicht ersetzen oder verzögern.

Wissenschaftliche Evidenz

In einer unkontrollierten klinischen Untersuchung erhielten 50 gesunde und 50 erkrankte Teilnehmer jeweils fünf Andullationsanwendungen. Untersucht wurden unter anderem die Druckschmerzschwelle (Druckstärke, ab der ein Schmerz empfunden wird), die subjektive Schmerzwahrnehmung, das Wohlbefinden, der Blutdruck und das Unterschenkelvolumen. Nach den Anwendungen wurden Veränderungen mehrerer Parameter beobachtet [1].

Die Aussagekraft der Untersuchung ist jedoch erheblich eingeschränkt durch:

  • das Fehlen einer Kontroll- oder Placebogruppe (Vergleichsgruppe mit Scheinbehandlung)
  • die fehlende Randomisierung (zufällige Zuteilung zu den Untersuchungsgruppen) und Verblindung (Unkenntnis der Beteiligten über die Gruppenzuteilung)
  • das heterogene Teilnehmerkollektiv (uneinheitliche Teilnehmergruppe)
  • die kurze Beobachtungsdauer
  • die überwiegend subjektiven oder physiologischen Surrogatparameter (körperlichen Ersatzmesswerte)
  • die fehlenden krankheitsspezifischen Wirksamkeitsanalysen

Ein kausaler therapeutischer Effekt (ursächliche Behandlungswirkung) lässt sich aus dieser Untersuchung daher nicht ableiten [1].

Die tierexperimentelle Untersuchung zur kutanen Mikrozirkulation (Durchblutung der kleinsten Hautgefäße) liefert ausschließlich präklinische Hinweise unter spezifischen Versuchsbedingungen. Sie stellt keinen klinischen Wirksamkeitsnachweis beim Menschen dar [2].

Eine systematische Übersichtsarbeit mit Metaanalyse (statistische Zusammenfassung mehrerer Studien) zur Ganzkörpervibration (Schwingungsbehandlung des gesamten Körpers) beschreibt mögliche Verbesserungen von Schmerzen, Funktionsbeeinträchtigungen (Einschränkungen der körperlichen Funktion), Gleichgewicht und Propriozeption (Wahrnehmung der Stellung und Bewegung des eigenen Körpers) bei Personen mit unspezifischen chronischen Rückenschmerzen. Die eingeschlossenen Untersuchungen betrafen jedoch überwiegend aktive Übungen auf Vibrationsplattformen. Diese Intervention (Behandlungsmaßnahme) unterscheidet sich wesentlich von der passiven Anwendung einer Andullationsliege. Eine Übertragung der Ergebnisse auf die Andullationstherapie ist daher nicht zulässig [3].

Auch die Ergebnisse zu unterschiedlichen Infrarotverfahren können lediglich als indirekte Evidenz für die zusätzlich eingesetzte Wärmekomponente betrachtet werden und belegen keine Wirksamkeit der Andullationstherapie als Gesamtverfahren [4].

Insgesamt fehlen ausreichend große, randomisierte, kontrollierte und verblindete klinische Studien zur Andullationstherapie. Ebenso fehlen belastbare Daten zur langfristigen Wirksamkeit, zur optimalen Dosierung (Stärke und Häufigkeit der Anwendung), zu krankheitsspezifischen Behandlungsergebnissen und zur Sicherheit.

Prävention

Eine präventive Wirkung der Andullationstherapie ist nicht belegt. Dies gilt insbesondere für die Prävention muskuloskelettaler, kardiovaskulärer (Herz und Blutgefäße betreffender), metabolischer, neurologischer und osteologischer Erkrankungen.

Eine Anwendung zur Entspannung oder zur Förderung des subjektiven Wohlbefindens ist von einer wissenschaftlich belegten medizinischen Präventionswirkung zu unterscheiden.

Kontraindikationen (Gegenanzeigen) und Sicherheitsaspekte

Verfahrensspezifische Kontraindikationen und Sicherheitsdaten sind nicht ausreichend durch klinische Studien untersucht. Maßgeblich sind daher die Gebrauchsanweisung, die Sicherheitsangaben und die Kontraindikationen des konkret verwendeten Geräts.

Vor der Anwendung ist insbesondere bei akuten oder ungeklärten Beschwerden, frischen Verletzungen oder Operationen, bekannten Frakturen (Knochenbrüchen), Schwangerschaft, implantierten elektronischen Geräten (in den Körper eingesetzten elektronischen medizinischen Geräten), schweren Herz-Kreislauf-Erkrankungen, akuten Infektionen (durch Krankheitserreger verursachten Erkrankungen), ausgeprägten Sensibilitätsstörungen (Störungen der Berührungs- und Schmerzempfindung) sowie neurologischen oder vaskulären Erkrankungen eine ärztliche Beurteilung erforderlich.

Diese Vorsichtsmaßnahmen beruhen überwiegend auf allgemeinen Sicherheitsüberlegungen zu mechanischen Vibrations- und Wärmeanwendungen. Sie sind nicht durch verfahrensspezifische klinische Sicherheitsstudien validiert.

Ablauf der Behandlung

Der Patient liegt während der Anwendung auf einer speziellen Liege oder Matratze. Mechanische Elemente übertragen Schwingungen auf unterschiedliche Körperregionen. Frequenz, Amplitude, Beschleunigung, Schwingungsrichtung und Behandlungsdauer sind vom verwendeten Gerät und Behandlungsprogramm abhängig.

Bei bestimmten Geräten kann zusätzlich Infrarotwärme eingesetzt werden. Wissenschaftlich allgemein anerkannte oder krankheitsspezifisch validierte Behandlungsprotokolle (festgelegte Behandlungsabläufe) existieren nicht.

Vor Behandlungsbeginn sollte geklärt werden, ob eine diagnostisch oder therapeutisch relevante Erkrankung vorliegt. Der Patient sollte über den komplementärmedizinischen Charakter, die begrenzte Evidenz und die fehlenden Nachweise für krankheitsspezifische Wirkungen der Methode aufgeklärt werden.

Mögliche Nebenwirkungen

Die Art und Häufigkeit unerwünschter Wirkungen der Andullationstherapie sind nicht ausreichend untersucht. Belastbare Häufigkeitsangaben oder ein verlässlich charakterisiertes Nebenwirkungsprofil (Art und Häufigkeit der Nebenwirkungen) liegen nicht vor.

Bei neu auftretenden oder zunehmenden Beschwerden ist die Anwendung abzubrechen. Ausgeprägte Schmerzen, neurologische Symptome, Atemnot, thorakale Beschwerden (Beschwerden im Brustkorb) oder erhebliche Kreislaufprobleme erfordern eine ärztliche Abklärung.

Fazit

Die Andullationstherapie ist ein komplementärmedizinisches Verfahren, das mechanische Schwingungen und bei bestimmten Geräten zusätzlich Infrarotwärme einsetzt. Eine unkontrollierte klinische Untersuchung und eine tierexperimentelle Studie liefern lediglich vorläufige Hinweise auf kurzfristige Veränderungen einzelner subjektiver oder physiologischer Parameter [1, 2].

Die Ergebnisse aus Studien zur aktiven Ganzkörpervibration und zu unterschiedlichen Infrarotverfahren stellen nur indirekte Evidenz dar und können nicht ohne Weiteres auf die Andullationstherapie übertragen werden [3, 4].

Ein krankheitsspezifischer therapeutischer oder präventiver Nutzen ist nicht hinreichend belegt. Die Methode kann daher allenfalls ergänzend und symptomorientiert eingesetzt werden. Sie darf keine evidenzbasierte Diagnostik oder leitliniengerechte Therapie ersetzen oder verzögern.

Literatur

  1. Parras-Moltó A, Ribas-Serna J: Improvements in Pain, Well-being, Arterial Pressure, and Lower Limb Volume Following Andullation Therapy in Healthy and Unhealthy Humans. Dose Response. 2019;17(2):1559325819840838. doi:10.1177/1559325819840838
  2. Pastouret F, Cardozo L, Lamote J, Buyl R, Lievens P: Effects of Multidirectional Vibrations Delivered in a Horizontal Position (Andullation®) on Blood Microcirculation in Laboratory Animals: A Preliminary Study. Med Sci Monit Basic Res. 2016;22:115-122. doi:10.12659/MSMBR.900654
  3. Zafar T, Zaki S, Alam MF, Sharma S, Babkair RA, Nuhmani S, Pandita S: Effect of Whole-Body Vibration Exercise on Pain, Disability, Balance, Proprioception, Functional Performance and Quality of Life in People with Non-Specific Chronic Low Back Pain: A Systematic Review and Meta-Analysis. J Clin Med. 2024;13(6):1639. doi:10.3390/jcm13061639
  4. Tsagkaris C, Papazoglou AS, Eleftheriades A, Tsakopoulos S, Alexiou A, Găman MA, Moysidis DV: Infrared Radiation in the Management of Musculoskeletal Conditions and Chronic Pain: A Systematic Review. Eur J Investig Health Psychol Educ. 2022;12(3):334-343. doi:10.3390/ejihpe12030024