TENS und Wärmetherapie bei Schmerzen – welche Hilfsmittel und physikalischen Verfahren sinnvoll sind

TENS-Geräte, Wärmekissen und Wärmepflaster gehören zu den häufig genutzten Hilfsmitteln bei Schmerzen. Daneben werden weitere physikalische Verfahren wie Interferenzstrom oder therapeutischer Ultraschall eingesetzt.

Ihr Nutzen ist jedoch nicht einheitlich belegt. Entscheidend sind die zugrunde liegende Schmerzerkrankung, das therapeutische Ziel und die Frage, ob eine Anwendung kurzfristig Beschwerden lindert oder darüber hinaus einen relevanten funktionellen Nutzen bietet.

TENS: kurzfristige Schmerzlinderung ist möglich

Die transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS) überträgt elektrische Impulse über Hautelektroden. Ziel ist eine Modulation der nozizeptiven Verarbeitung.

Eine große Metaanalyse von 381 randomisierten Studien mit insgesamt 24.532 Erwachsenen untersuchte TENS bei akuten und chronischen Schmerzen unterschiedlicher Ursache. Während bzw. unmittelbar nach einer TENS-Anwendung war die Schmerzintensität gegenüber Placebo geringer. Für den Vergleich mit Placebo ergab sich eine standardisierte Mittelwertdifferenz von −0,96; die Evidenzsicherheit wurde als moderat bewertet [1].

Die Ergebnisse sprechen damit vor allem für einen unmittelbaren analgetischen Effekt während bzw. kurz nach der Anwendung. Nicht ausreichend belegt sind dagegen eine dauerhafte Schmerzreduktion, eine langfristige Verbesserung der körperlichen Funktion oder eine Beeinflussung der zugrunde liegenden Schmerzerkrankung.

TENS ist deshalb vor allem als symptomorientierte Ergänzung und nicht als eigenständige Basistherapie einzuordnen.

TENS: die Evidenz hängt von der Schmerzdiagnose ab

Die krankheitsübergreifende Evidenz darf nicht ohne Weiteres auf einzelne Schmerzsyndrome übertragen werden. Indikationsspezifische Leitlinien bewerten TENS teilweise deutlich zurückhaltender.

Chronischer primärer Kreuzschmerz

Eine für die WHO erstellte systematische Übersichtsarbeit analysierte 17 randomisierte Studien mit 1.027 Teilnehmern mit chronischem primärem Kreuzschmerz. Gegenüber Schein-TENS zeigte sich kurzfristig lediglich eine geringe Schmerzreduktion. Die Evidenz für die entscheidenden Endpunkte wurde insgesamt als sehr unsicher bewertet [2].

Die WHO empfiehlt TENS deshalb bei chronischem primärem Kreuzschmerz nicht als Bestandteil der Routineversorgung. Es handelt sich um eine bedingte Empfehlung gegen die Anwendung bei sehr niedriger Evidenzsicherheit [3].

Eine 2026 veröffentlichte Netzwerk-Metaanalyse ergab dagegen Hinweise darauf, dass hochfrequente TENS bei chronischem Kreuzschmerz die Schmerzintensität reduzieren kann, während für niedrigfrequente TENS kein signifikanter Effekt nachweisbar war [4]. Die Evidenzsicherheit war niedrig. Zudem untersuchte diese Metaanalyse chronischen Kreuzschmerz allgemein und damit nicht exakt dieselbe Population wie die WHO-Leitlinie zum chronischen primären Kreuzschmerz. Die Ergebnisse rechtfertigen daher keine unmittelbare Übertragung auf die spezifische WHO-Empfehlung [3, 4].

Arthrose

Auch bei Arthrose ist die Studienlage nicht eindeutig. NICE empfiehlt TENS wegen unzureichend nachgewiesenen klinischen Nutzens nicht routinemäßig. Dies gilt ebenfalls für therapeutischen Ultraschall, Interferenzstrom, Laser, gepulste Kurzwellentherapie und neuromuskuläre Elektrostimulation [5].

Eine Metaanalyse aus dem Jahr 2026 fand bei Kniearthrose zwar Verbesserungen von Schmerz, WOMAC-Gesamtscore und Muskelkraft unter TENS. Für Steifigkeit, Bewegungsumfang und Gehfähigkeit zeigten sich dagegen keine konsistenten Vorteile [6].

Ein individueller symptomatischer Nutzen ist damit möglich. Eine generelle Empfehlung für alle Patienten mit Arthrose lässt sich aus den derzeitigen Daten jedoch nicht ableiten.

TENS in der praktischen Schmerztherapie

Ein zeitlich begrenzter Therapieversuch kann bei geeigneten Patienten sinnvoll sein, wenn ein konkretes Therapieziel definiert wird. TENS kann beispielsweise dazu dienen, die Schmerzintensität kurzfristig zu reduzieren und dadurch Bewegung, therapeutisches Training oder Alltagsaktivitäten zu erleichtern.

Der individuelle Nutzen sollte anhand einer klinisch relevanten Schmerz- oder Funktionsverbesserung beurteilt werden. Eine dauerhaft fortgesetzte Anwendung ohne erkennbaren Effekt ist nicht sinnvoll.

Die verfügbaren Daten sprechen dafür, TENS in einer deutlich wahrnehmbaren, kräftigen, aber nicht schmerzhaften Intensität anzuwenden [1]. Einheitliche evidenzbasierte Vorgaben zu Frequenz, Sitzungsdauer, Zahl der Anwendungen oder Gesamtbehandlungsdauer lassen sich aus der heterogenen Studienlage dagegen nicht ableiten.

Sicherheit von TENS

Besondere Vorsicht ist bei Patienten mit Herzschrittmachern, implantierbaren Kardioverter-Defibrillatoren oder anderen kardialen implantierbaren elektronischen Geräten erforderlich.

Der internationale EHRA-Konsensus weist bei elektrischen Stimulationsverfahren auf mögliche elektromagnetische Interferenzen mit kardialen Implantaten hin. Bei entsprechenden Patienten sollte eine Anwendung daher nur nach individueller fachärztlicher Beurteilung und unter Berücksichtigung von Implantattyp, Stimulationsort und Abhängigkeit vom Implantat erfolgen [7].

Wärmetherapie: kurzfristige symptomatische Wirkung

Zur oberflächlichen Wärmetherapie gehören unter anderem Wärmekissen, Wärmflaschen, Körnerkissen, Wärmeauflagen und Wärmepflaster. Diese Verfahren sind von apparativen Methoden wie therapeutischem Ultraschall oder Kurzwellentherapie zu unterscheiden.

Wärme wird vor allem zur kurzfristigen symptomatischen Linderung eingesetzt. Die Evidenz ist jedoch auch hier stark von der jeweiligen Schmerzdiagnose und der Art der Wärmeanwendung abhängig.

Wärme bei Kreuzschmerzen

Für akute und subakute unspezifische Kreuzschmerzen liefert eine Netzwerk-Metaanalyse von 46 randomisierten Studien mit 8.765 Teilnehmern Hinweise auf einen kurzfristigen Nutzen von Wärmeauflagen.

Bei der unmittelbaren Nachbeobachtung war die Schmerzintensität gegenüber einer inaktiven Vergleichsbehandlung vermindert. Auch hinsichtlich der funktionellen Beeinträchtigung zeigten sich kurzfristige Vorteile. Aufgrund der Unsicherheit der Evidenz und breiter Konfidenzintervalle ist die Größenordnung des Effekts jedoch vorsichtig zu interpretieren [8].

Oberflächliche Wärme kann bei akuten bzw. subakuten unspezifischen Kreuzschmerzen daher als zeitlich begrenzte symptomatische Maßnahme eingesetzt werden.

Wärme bei Nackenschmerzen

Für nicht-spezifische Nackenschmerzen ist die aktuelle deutsche Leitlinienlage vergleichsweise klar.

Die DEGAM-S3-Leitlinie von 2025 empfiehlt die Selbstanwendung von Wärme bei nicht-spezifischen Nackenschmerzen mit Empfehlungsgrad B und Evidenzgrad 1 [9]. Eine bestimmte Form der Wärmeanwendung wird aufgrund fehlender vergleichender Evidenz nicht bevorzugt.

Dabei ist zwischen der einfachen Selbstanwendung von Wärme und verordneten passiven physikalischen Maßnahmen zu unterscheiden. Dieselbe Leitlinie rät beispielsweise von Elektrotherapie und therapeutischem Ultraschall bei nicht-spezifischen Nackenschmerzen ab [9].

Wärmebasierte Verfahren bei Handarthrose

Eine 2026 veröffentlichte Metaanalyse von neun randomisierten Studien mit 627 Teilnehmern fand für verschiedene wärmebasierte Verfahren bei Handarthrose kurzfristige Verbesserungen von Schmerz und Griffkraft [10].

Diese Ergebnisse dürfen jedoch nicht als Beleg für einen einheitlichen Effekt reiner oberflächlicher Wärme interpretiert werden. In den eingeschlossenen Studien wurden unterschiedliche Verfahren untersucht. In der Subgruppenanalyse schnitten multimodale Anwendungen wie Paraffin, bei dem Wärme mit mechanischen Effekten verbunden ist, und Schlammanwendungen mit thermischen sowie weiteren Wirkkomponenten günstiger ab als reine thermische Anwendungen mit beheizten Handschuhen [10].

Für die klinische Praxis bestehen damit Hinweise auf einen kurzfristigen Nutzen bestimmter wärmebasierter Verfahren bei Handarthrose. Ob einfache Wärmekissen oder andere reine Wärmeanwendungen einen vergleichbaren Effekt erzielen, ist dagegen nicht ausreichend belegt.

Welches Wärmehilfsmittel ist sinnvoll?

Aus der derzeitigen Evidenz lässt sich kein generell überlegenes Wärmehilfsmittel ableiten. Für die häusliche Selbstanwendung kommen einfach handhabbare Verfahren wie Wärmekissen, Wärmflaschen, Körnerkissen oder Wärmeauflagen infrage.

Bei Wärmepflastern ist zu beachten, dass sich die Produkte hinsichtlich ihres Wirkprinzips unterscheiden können. Pflaster mit zusätzlichen pharmakologisch wirksamen Inhaltsstoffen sind nicht mit einer reinen Wärmeanwendung gleichzusetzen.

Die Wärmeanwendung sollte angenehm sein und keine übermäßige Hauterwärmung hervorrufen. Schmerzen, Hautreizungen oder unangenehme Überwärmung sind Gründe, die Anwendung zu beenden. Eine stärkere Erwärmung bedeutet nicht automatisch eine stärkere analgetische Wirkung.

Für eine allgemeingültige optimale Temperatur, Anwendungsdauer und Behandlungsfrequenz besteht derzeit keine ausreichend belastbare, indikationsübergreifende Evidenz.

Besondere Vorsicht ist bei deutlich eingeschränktem Wärme- oder Schmerzempfinden, etwa bei sensiblen Neuropathien, sowie bei geschädigter Haut erforderlich, da hier thermische Hautschäden möglicherweise nicht rechtzeitig wahrgenommen werden.

Weitere physikalische Verfahren

Nicht jedes physikalische Verfahren mit einem theoretisch plausiblen Wirkmechanismus besitzt auch einen relevanten klinischen Zusatznutzen.

Für therapeutischen Ultraschall fehlt bei mehreren muskuloskelettalen Schmerzerkrankungen ein überzeugender Wirksamkeitsnachweis. Die DEGAM-S3-Leitlinie empfiehlt therapeutischen Ultraschall einschließlich Stoßwelle bei nicht-spezifischen Nackenschmerzen nicht [9]. Auch die WHO empfiehlt therapeutischen Ultraschall bei chronischem primärem Kreuzschmerz nicht als Routinebehandlung [3].

Ähnlich ist die Situation bei anderen Elektrotherapien. Einzelne Studien und Netzwerk-Metaanalysen berichten positive Effekte bestimmter Stimulationsverfahren, die Evidenz ist jedoch häufig niedrig, methodisch heterogen und nicht ausreichend durch langfristige Endpunkte gestützt.

Bei Arthrose empfiehlt NICE neben TENS auch Interferenzstrom, therapeutischen Ultraschall und weitere Elektrotherapien wegen unzureichender Evidenz eines Nutzens nicht [5].

Passive Verfahren nicht anstelle aktiver Therapie einsetzen

Für zahlreiche muskuloskelettale Schmerzerkrankungen gehören körperliche Aktivität, therapeutisches Training, Edukation und die Förderung des Selbstmanagements zu den zentralen Therapiebausteinen. Bei entsprechender Indikation kommen psychologische oder multimodale Behandlungskonzepte hinzu.

Eine systematische Übersichtsarbeit von 2024 untersuchte elektrophysikalische Verfahren zusätzlich zu landbasierter Bewegungstherapie bei Knie- oder Hüftarthrose. In 40 Studien mit 2.831 Patienten ergaben sich für TENS, Interferenzstrom, Wärme, Stoßwellen, Kurzwelle, therapeutischen Ultraschall, EMG-Biofeedback und neuromuskuläre Elektrostimulation keine klinisch relevanten zusätzlichen Effekte gegenüber Bewegungstherapie allein bzw. Bewegungstherapie plus Placeboverfahren [11].

Physikalische Verfahren sollten deshalb vor allem dann eingesetzt werden, wenn sie ein konkretes therapeutisches Ziel unterstützen und nicht dazu führen, dass wirksamere aktive Behandlungskomponenten vernachlässigt werden.

Praktische Einordnung

Verfahren Evidenzielle Einordnung Praktische Bedeutung
TENS allgemein Unmittelbare bzw. kurzfristige Analgesie belegt [1] Individueller Therapieversuch möglich
TENS bei chronischem primärem Kreuzschmerz WHO empfiehlt keinen Routineeinsatz [2, 3] Nicht als Standardtherapie
TENS bei Kniearthrose Neuere Metaanalyse positiv für einzelne Endpunkte, NICE empfiehlt bei Arthrose jedoch keinen Routineeinsatz [5, 6] Allenfalls individueller Therapieversuch
Oberflächliche Wärme bei akutem bzw. subakutem Kreuzschmerz Hinweise auf kurzfristige Schmerz- und Funktionsverbesserung [8] Symptomatische Selbsthilfemaßnahme möglich
Wärme bei nicht-spezifischen Nackenschmerzen DEGAM empfiehlt die Selbstanwendung [9] Niedrigschwellige Zusatzmaßnahme
Wärmebasierte Verfahren bei Handarthrose Kurzfristige Vorteile insbesondere für multimodale Verfahren; Effekt reiner Wärme weniger klar [10] Nicht auf jede Wärmeanwendung übertragbar
Therapeutischer Ultraschall Bei mehreren Indikationen keine Empfehlung für den Routineeinsatz [3, 9] Nicht routinemäßig einsetzen

Fazit

TENS und oberflächliche Wärme können als ergänzende Maßnahmen zur kurzfristigen Schmerzlinderung eingesetzt werden. Ihre Bedeutung hängt jedoch wesentlich von der jeweiligen Indikation ab.

Für TENS ist eine unmittelbare analgetische Wirkung während bzw. kurz nach der Anwendung vergleichsweise gut belegt. Ein genereller langfristiger Nutzen ist dagegen nicht nachgewiesen. Bei chronischem primärem Kreuzschmerz und Arthrose sprechen aktuelle Leitlinien gegen einen routinemäßigen Einsatz.

Oberflächliche Wärme ist insbesondere bei akuten bzw. subakuten unspezifischen Kreuzschmerzen sowie bei nicht-spezifischen Nackenschmerzen eine niedrigschwellige symptomatische Option. Bei Handarthrose bestehen zwar Hinweise auf kurzfristige Vorteile wärmebasierter Verfahren, diese sind jedoch nicht ohne Weiteres auf reine Wärmeanwendungen übertragbar.

Physikalische Verfahren sollten grundsätzlich aktive, leitliniengerechte Therapiekonzepte ergänzen und nicht ersetzen.

Literatur

  1. Johnson MI, Paley CA, Jones G, Mulvey MR, Wittkopf PG. Efficacy and safety of transcutaneous electrical nerve stimulation (TENS) for acute and chronic pain in adults: a systematic review and meta-analysis of 381 studies (the meta-TENS study). BMJ Open. 2022 Feb 10;12(2):e051073. doi: 10.1136/bmjopen-2021-051073.
  2. Verville L, Hincapié CA, Southerst D, Yu H, Bussières A, Gross DP, Pereira P, Mior S, Tricco AC, Cedraschi C, Brunton G, Nordin M, Connell G, Shearer HM, Wong JJ, Hofstetter L, Romanelli A, Guist B, To D, Stuber K, da Silva-Oolup S, Stupar M, Myrtos D, Lee JGB, DeSouza A, Muñoz Laguna J, Murnaghan K, Cancelliere C. Systematic Review to Inform a World Health Organization (WHO) Clinical Practice Guideline: Benefits and Harms of Transcutaneous Electrical Nerve Stimulation (TENS) for Chronic Primary Low Back Pain in Adults. J Occup Rehabil. 2023 Dec;33(4):651-660. doi: 10.1007/s10926-023-10121-7.
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