Entspannungsverfahren bei Schmerzen – welche Methoden wirksam sein können

Entspannungsverfahren werden bei akuten und chronischen Schmerzen häufig ergänzend eingesetzt. Das Spektrum reicht von progressiver Muskelrelaxation und autogenem Training über Atemübungen, Achtsamkeitsmeditation und imaginative Verfahren bis zu Biofeedback und medizinischer Hypnose. Die Methoden unterscheiden sich jedoch erheblich hinsichtlich Wirkprinzip, Trainingsaufwand, untersuchter Schmerzdiagnosen und Qualität der verfügbaren Evidenz.

Eine universell wirksame Entspannungsmethode lässt sich aus der aktuellen Literatur nicht ableiten. Die nachgewiesenen Effekte sind meistens klein bis moderat und hängen wesentlich von der Schmerzform, der Vergleichsbehandlung und dem untersuchten Zielparameter ab. Entspannungsverfahren sollten daher als indikationsbezogene Bestandteile eines multimodalen Behandlungskonzepts und nicht als Ersatz für eine erforderliche Diagnostik oder kausale Therapie verstanden werden [1–5].

Einordnung der Entspannungsverfahren

Unter dem Oberbegriff werden unterschiedliche therapeutische Ansätze zusammengefasst:

  • Progressive Muskelrelaxation: Schrittweises Anspannen und anschließendes Entspannen verschiedener Muskelgruppen
  • Autogenes Training: Konzentrative Selbstentspannung mithilfe standardisierter sprachlicher Formeln und körperbezogener Vorstellungen
  • Atembasierte Verfahren: Bewusste Regulation von Atemrhythmus und Atemtiefe
  • Achtsamkeitsverfahren und Meditation: Bewusste, möglichst nicht wertende Wahrnehmung gegenwärtiger körperlicher und mentaler Erfahrungen
  • Imaginative Verfahren: Gezielte Nutzung innerer Vorstellungen zur Aufmerksamkeitslenkung
  • Biofeedback: Sicht- oder hörbare Rückmeldung physiologischer Parameter, beispielsweise Muskelaktivität oder Hautleitfähigkeit
  • Medizinische Hypnose: Fokussierte Aufmerksamkeit und therapeutische Suggestionen zur Beeinflussung der Schmerzwahrnehmung und Schmerzbewertung

Die Kategorien sind nicht trennscharf. Achtsamkeitsprogramme können Atemübungen enthalten, Biofeedback kann mit Muskelrelaxation kombiniert werden und hypnotische Interventionen nutzen häufig imaginative Elemente. In komplexen Programmen lässt sich deshalb der spezifische Beitrag einer einzelnen Komponente nur eingeschränkt bestimmen [1,4,5].

Gesamtbewertung bei chronischen Schmerzen

Eine systematische Übersichtsarbeit schloss 29 randomisierte kontrollierte Studien zu unterschiedlichen chronischen Schmerzsyndromen und Entspannungsverfahren ein. Untersucht wurden unter anderem progressive Muskelrelaxation, autogenes Training, Meditation, Atemübungen und imaginative Verfahren. Zahlreiche Studien berichteten günstige Veränderungen der Schmerzen oder weiterer Zielparameter. Aufgrund der ausgeprägten klinischen und methodischen Heterogenität war jedoch keine belastbare verfahrensübergreifende Quantifizierung der Wirksamkeit möglich. Ein bestimmtes Entspannungsverfahren konnte nicht allgemein empfohlen werden [1].

Für die Interpretation ist die Vergleichsgruppe entscheidend. Gegenüber einer Warteliste, keiner zusätzlichen Behandlung oder der üblichen Versorgung fallen Effekte häufig größer aus als gegenüber einer strukturierten aktiven Behandlung. Zudem ist eine statistisch signifikante Veränderung nicht automatisch klinisch relevant.

Neben der Schmerzintensität können je nach Verfahren und Schmerzsyndrom weitere Behandlungsziele untersucht werden:

  • Körperliche Funktionsfähigkeit
  • Schmerzbezogene Beeinträchtigung
  • Psychische Belastung
  • Lebensqualität
  • Kopfschmerzhäufigkeit
  • Perioperative Angst

Ob und in welchem Umfang sich diese Endpunkte verbessern, muss für das jeweilige Verfahren und die jeweilige Indikation getrennt beurteilt werden [1–6].

Progressive Muskelrelaxation und Atemübungen

Die progressive Muskelrelaxation beruht auf dem wiederholten Wechsel zwischen gezielter Muskelanspannung und anschließender Entspannung. Sie kann nach entsprechender Anleitung selbstständig durchgeführt werden.

Für chronische Schmerzen insgesamt sind die Studien jedoch zu heterogen, um einen allgemeinen, diagnoseübergreifenden Effekt der progressiven Muskelrelaxation zu quantifizieren. Positive Ergebnisse stammen teilweise aus kombinierten Programmen. In solchen Studien bleibt offen, welcher Anteil des Effekts auf die Muskelrelaxation selbst und welcher auf weitere Komponenten wie Edukation, Atemregulation oder verhaltenstherapeutische Inhalte zurückzuführen ist [1].

Für isolierte Atemübungen ist die Evidenz bei chronischen Schmerzen ebenfalls begrenzt. Die systematische Übersicht von Vambheim et al. identifizierte nur wenige und klinisch unterschiedliche Studien zu Ateminterventionen. Aus diesen Daten lässt sich weder eine allgemeine analgetische Wirksamkeit noch eine optimale Form oder Trainingsdosis ableiten [1].

Praktische Einordnung

Bei Migräne wird die progressive Muskelrelaxation in der aktuellen deutschen S1-Leitlinie als Entspannungsverfahren für die prophylaktische Behandlung eingeordnet. Die Leitlinie empfiehlt, regelmäßig und nicht ausschließlich in Abhängigkeit von aktuellen Schmerzen zu üben und die erlernte Technik in den Alltag zu übertragen [7].

Für die Behandlung einer akuten Migräneattacke liegen dagegen nur begrenzte Daten vor. In einer von der Leitlinie beschriebenen Untersuchung verbesserte eine kombinierte Intervention aus Edukation, progressiver Muskelrelaxation, Zwerchfellatmung und Imagination zusätzlich zu einem Neuromodulationsverfahren kurzfristig Schmerz und Funktion. Der Effekt kann wegen des kombinierten Programms keiner Einzelkomponente zugeschrieben werden [7].

Autogenes Training

Beim autogenen Training wird ein Entspannungszustand mithilfe wiederkehrender sprachlicher Formeln und der Konzentration auf Körperempfindungen wie Schwere oder Wärme angestrebt.

Eine Metaanalyse von 13 Studien mit insgesamt 576 Teilnehmern zeigte gegenüber passiven Kontrollbedingungen einen moderaten Effekt auf die Schmerzintensität. Gegenüber anderen psychologischen Interventionen bestand dagegen kein relevanter Unterschied [2].

Bei der Mehrzahl der eingeschlossenen Studien bewerteten die Autoren das Verzerrungsrisiko mit „some concerns“. Über alle aktiven und passiven Vergleichsbedingungen hinweg war der Gesamteffekt kleiner. Für psychische Belastung und gesundheitsbezogene Funktionsfähigkeit ergaben sich keine konsistenten Vorteile [2].

Damit ist autogenes Training einer passiven Kontrolle oder keiner zusätzlichen Behandlung wahrscheinlich überlegen. Eine Überlegenheit gegenüber progressiver Muskelrelaxation, Selbsthypnose oder anderen strukturierten psychologischen Verfahren ist dagegen nicht belegt.

Die Entscheidung für autogenes Training sollte sich deshalb vor allem an der individuellen Akzeptanz, der Möglichkeit zum regelmäßigen Üben und der Verfügbarkeit einer fachgerechten Anleitung orientieren. Belastbare Merkmale, mit denen sich ein besonders gutes individuelles Ansprechen vorhersagen ließe, sind bislang nicht etabliert [2].

Achtsamkeit und Meditation

Achtsamkeitsbasierte Interventionen zielen nicht in erster Linie darauf, Schmerzen unmittelbar auszublenden. Sie trainieren eine bewusste Wahrnehmung körperlicher Empfindungen, Gedanken und Emotionen, ohne darauf automatisch mit Bewertung oder Vermeidung zu reagieren.

Meditation bei Rückenschmerzen

Eine Metaanalyse zu Meditation bei Erwachsenen mit Rückenschmerzen umfasste zwölf Studien mit insgesamt 1.005 Teilnehmern. Unmittelbar nach der Behandlung zeigte sich gegenüber den Kontrollgruppen eine kleine Reduktion der Schmerzintensität:

  • Standardisierte Mittelwertdifferenz: -0,27
  • 95-%-Konfidenzintervall: -0,43 bis -0,11
  • Ausgewertete Studien: 10
  • Ausgewertete Teilnehmer: 934

Zusätzlich wurde eine geringe Verbesserung der körperlichen Lebensqualität gefunden. Für körperliche Funktionsfähigkeit, Depression und weitere Zielparameter ergaben sich keine überzeugenden Effekte. Die Veränderungen wurden von den Autoren als klinisch nicht relevant bewertet und waren in längerfristigen Auswertungen nicht stabil nachweisbar [3].

Breiter gefasste achtsamkeitsbasierte Interventionen

Eine weitere Metaanalyse berichtete größere Effekte auf die Schmerzintensität bei chronischen Rückenschmerzen. Unter dem Begriff der achtsamkeitsbasierten Intervention wurden jedoch sehr unterschiedliche Behandlungen zusammengefasst, darunter:

  • Achtsamkeitsmeditation
  • Mindfulness-Based Stress Reduction
  • Mindfulness-Based Cognitive Therapy
  • Acceptance and Commitment Therapy
  • Dialektisch-behaviorale Therapie
  • Mindfulness-Oriented Recovery Enhancement
  • Kombinierte Meditations- und verhaltenstherapeutische Programme

Die Autoren verwiesen auf kleine Stichproben, Unterschiede zwischen den Interventionen und die Notwendigkeit größerer randomisierter Studien für zuverlässigere Effektschätzungen [4]. Die Ergebnisse sind daher nicht unmittelbar mit einer Metaanalyse zu reiner Meditation vergleichbar.

Klinische Bedeutung

Achtsamkeitsverfahren können als ergänzende Möglichkeit angeboten werden, wenn Patienten ein solches Training akzeptieren und regelmäßig durchführen können. Die gegenwärtige Evidenz rechtfertigt jedoch weder das Versprechen einer ausgeprägten Schmerzreduktion noch die Annahme, dass Achtsamkeitsprogramme anderen aktiven psychologischen Behandlungen grundsätzlich überlegen sind [3,4].

Imaginative Verfahren

Bei der geführten Imagination wird die Aufmerksamkeit auf strukturierte innere Vorstellungen gelenkt. Dazu können beispielsweise angenehme Orte, Wärmeempfindungen oder eine gedankliche Veränderung bestimmter Schmerzeigenschaften gehören.

Eine systematische Übersicht untersuchte Achtsamkeits- und Imaginationsverfahren bei chronischen nicht tumorbedingten Schmerzen. Berichtet wurden mögliche Verbesserungen von Schmerzintensität und weiteren patientenrelevanten Zielgrößen. Die eingeschlossenen Studien unterschieden sich jedoch erheblich hinsichtlich:

  • Schmerzdiagnose
  • Art und Umfang der Intervention
  • Kontrollbedingung
  • Behandlungsdauer
  • Untersuchten Endpunkten
  • Methodischem Verzerrungsrisiko

Ein allgemeiner Effekt geführter Imagination lässt sich deshalb aus der Übersicht nicht verlässlich quantifizieren. Zudem wurden imaginative Verfahren teilweise zusammen mit anderen psychologischen oder achtsamkeitsbasierten Komponenten eingesetzt [5].

Geführte Imagination kann somit als individuell zu prüfende Ergänzung verstanden werden. Eine Überlegenheit gegenüber anderen Entspannungsverfahren oder strukturierten psychologischen Interventionen ist nicht belegt.

Meditation und Entspannung bei perioperativen Schmerzen

Eine systematische Übersicht schloss 16 randomisierte Studien zu Meditation, Achtsamkeit und teilweise Yoga bei Erwachsenen vor oder nach invasiven Eingriffen ein. Eine statistische Metaanalyse wurde aufgrund der unterschiedlichen Interventionen und Endpunkte nicht durchgeführt.

Die Ergebnisse fielen je nach Zielparameter unterschiedlich aus:

  • Schmerzen: Fünf von acht Studien berichteten eine Verbesserung, drei fanden keinen Unterschied.
  • Angst: Neun von zehn Studien berichteten eine Reduktion, eine Studie fand keinen Unterschied [6].

Die Befunde zur perioperativen Angst waren damit konsistenter als die Ergebnisse zur Schmerzintensität. Da viele Untersuchungen gegen die übliche Versorgung und nicht gegen eine gleich intensive aktive Kontrollintervention verglichen, bleibt die Größe eines spezifischen Meditationseffekts unsicher [6].

Meditative Verfahren können perioperativ ergänzend eingesetzt werden. Aus den Daten folgt jedoch nicht, dass sie eine indizierte medikamentöse Analgesie, Regionalanästhesie oder andere etablierte Behandlungsmaßnahmen ersetzen können.

Biofeedback und Entspannungsverfahren bei Kopfschmerzen

Bei Migräne und Kopfschmerzen vom Spannungstyp besitzen Entspannungsverfahren aufgrund entsprechender Leitlinienempfehlungen einen besonderen Stellenwert.

Migräne

Die aktuelle S1-Leitlinie zur Therapie der Migräneattacke und Prophylaxe der Migräne ordnet Entspannungsverfahren vor allem der prophylaktischen Behandlung zu. Genannt werden unter anderem:

  • Progressive Muskelrelaxation
  • Autogenes Training
  • Atemtechniken
  • Biofeedbackverfahren
  • Hypnose [7]

Bei der progressiven Muskelrelaxation soll regelmäßig und nicht ausschließlich schmerzkontingent geübt werden. Die Leitlinie weist zugleich darauf hin, dass nur wenige Studien explizit die progressive Muskelrelaxation bei Migräne untersuchten [7].

Für die Akutbehandlung unterscheidet die Leitlinie zwischen allgemeinen Entspannungsverfahren und dem speziellen Blut-Volumen-Puls-Biofeedback. Allgemeine Entspannungstechniken werden während akuter Attacken seltener eingesetzt und sind hierfür weniger gut untersucht. Das Blut-Volumen-Puls-Biofeedback wird dagegen als psychologisches Akutverfahren empfohlen, wobei die zugrunde liegende Metaanalyse älter ist und keine neueren entsprechenden Studien vorlagen [7].

Kopfschmerz vom Spannungstyp

Die S1-Leitlinie „Diagnostik und Therapie des Kopfschmerzes vom Spannungstyp“ empfiehlt psychologische Verfahren zur Prophylaxe. Dazu gehören insbesondere:

  • Entspannungsverfahren
  • Elektromyographisches Biofeedback
  • Hautleitwert-Biofeedback
  • Achtsamkeitsbasierte Verfahren
  • Kognitive Verhaltenstherapie [8]

Eine in der Leitlinie berücksichtigte randomisierte Studie mit 169 Teilnehmern zeigte, dass eine Kombination aus Muskelrelaxation und Atemübungen über zwölf Wochen Kopfschmerzintensität, Kopfschmerztage, kopfschmerzbedingte Beeinträchtigung und Schlafqualität verbesserte. Wegen der Kombination beider Verfahren kann der Effekt nicht der Muskelrelaxation oder den Atemübungen allein zugeschrieben werden [8].

Biofeedback und Entspannungsverfahren werden in der Leitlinie jeweils empfohlen. Die zugrunde liegende Evidenz umfasst jedoch teilweise ältere Metaanalysen, kleinere Studien und Untersuchungen mit gemischten Kopfschmerzpopulationen. Die Leitlinienempfehlung sollte daher indikationsbezogen und nicht als Nachweis einer Überlegenheit gegenüber allen anderen Behandlungen verstanden werden [8].

Medizinische Hypnose

Die Evidenz zur medizinischen Hypnose unterscheidet sich je nach Schmerzform, Dauer der Intervention und Auswahl der eingeschlossenen Studien.

Chronische muskuloskelettale und neuropathische Schmerzen

Eine Metaanalyse aus dem Jahr 2022 schloss neun randomisierte Studien mit insgesamt 530 Teilnehmern ein. Untersucht wurden Hypnose und Selbsthypnose bei chronischen muskuloskelettalen oder neuropathischen Schmerzen.

In der Gesamtauswertung zeigte sich ein moderater Effekt auf die Schmerzintensität. Besonders deutlich waren die Ergebnisse bei Interventionen mit mindestens acht Sitzungen. Kürzere Behandlungen erreichten keinen statistisch signifikanten Effekt. Die Autoren bewerteten eine Behandlungsdauer von mindestens acht Sitzungen deshalb als möglicherweise relevant [9].

Akute und chronische Schmerzen in einer breiteren Metaanalyse

Eine Metaanalyse aus dem Jahr 2025 untersuchte zwölf randomisierte Studien zu akuten und chronischen Schmerzen. Für akute Schmerzen ergab sich gegenüber der Standardversorgung eine signifikante Reduktion mittlerer Größe. Für chronische Schmerzen wurde dagegen kein signifikanter Gesamteffekt gefunden. Die Autoren verwiesen auf hohe Heterogenität, unterschiedliche Hypnoseprotokolle und überwiegend kleine Stichproben [10].

Einordnung der unterschiedlichen Ergebnisse

Die beiden Metaanalysen beantworten nicht dieselbe Fragestellung. Die Untersuchung von 2022 konzentrierte sich auf chronische muskuloskelettale und neuropathische Schmerzen und analysierte auch die Zahl der Sitzungen. Die Metaanalyse von 2025 fasste unterschiedliche chronische Schmerzformen und Protokolle breiter zusammen.

Evidenzgerecht lässt sich daher festhalten:

  • Für akute, insbesondere perioperative Schmerzen bestehen Hinweise auf einen ergänzenden Nutzen medizinischer Hypnose [10].
  • Bei chronischen Schmerzen ist kein allgemeiner, diagnoseübergreifender Effekt nachgewiesen [10].
  • Bei chronischen muskuloskelettalen oder neuropathischen Schmerzen können längere Hypnoseprogramme wirksam sein; dieser Befund muss durch weitere hochwertige Studien bestätigt werden [9].

Medizinische Hypnose sollte durch entsprechend qualifizierte Fachpersonen durchgeführt werden. Die Ergebnisse standardisierter klinischer Interventionen lassen sich nicht auf Showhypnose oder nicht evidenzbasierte Heilangebote übertragen.

Praxisorientierte Auswahl des Verfahrens

Eine Rangfolge, nach der eine Methode allen anderen grundsätzlich überlegen wäre, lässt sich aus der aktuellen Evidenz nicht ableiten. Die Auswahl sollte sich an folgenden Kriterien orientieren:

  • Schmerzdiagnose und Therapieziel
  • Evidenz für die konkrete Indikation
  • Individuelle Akzeptanz des Verfahrens
  • Fähigkeit und Bereitschaft zum regelmäßigen Training
  • Verfügbarkeit einer qualifizierten Anleitung
  • Aufwand und Kosten
  • Einbettung in das übrige Behandlungskonzept

Evidenzbezogene Orientierung

  • Migräne und Kopfschmerz vom Spannungstyp: Entspannungsverfahren und Biofeedback sind in aktuellen deutschen S1-Leitlinien als prophylaktische Behandlungsoptionen verankert [7,8].
  • Autogenes Training bei chronischen Schmerzen: Moderater Effekt gegenüber passiven Kontrollen, aber kein Vorteil gegenüber anderen aktiven psychologischen Verfahren [2].
  • Meditation bei chronischen Rückenschmerzen: Kleine kurzfristige Effekte; klinische Relevanz und Nachhaltigkeit sind nicht gesichert [3].
  • Breitere Achtsamkeitsprogramme: Teilweise günstigere Ergebnisse, aber erhebliche Unterschiede zwischen den Interventionen und Studien [4].
  • Geführte Imagination: Möglicher Nutzen, bislang jedoch keine belastbare allgemeine Effektschätzung [5].
  • Perioperative Meditation: Hinweise auf eine Reduktion von Angst; Effekte auf Schmerzen sind weniger konsistent [6].
  • Medizinische Hypnose: Hinweise auf einen Nutzen bei akuten Schmerzen und möglicherweise bei ausgewählten chronischen muskuloskelettalen oder neuropathischen Schmerzsyndromen [9,10].

Diese Zuordnung beschreibt die verfügbare Evidenz und ist kein Prädiktionsmodell für das Ansprechen eines einzelnen Patienten.

Durchführung und Erfolgskontrolle

Die optimale Trainingshäufigkeit und Trainingsdauer lassen sich wegen der heterogenen Studien nicht allgemein festlegen. Bei der Migräne empfiehlt die Leitlinie für progressive Muskelrelaxation ein regelmäßiges, nicht ausschließlich schmerzabhängiges Training [7]. Für das autogene Training und andere Verfahren variierten Dauer und Intensität der Interventionen erheblich [1,2].

Vor Beginn sollten konkrete und überprüfbare Therapieziele vereinbart werden. Neben einer möglichen Veränderung der Schmerzintensität können dies sein:

  • Weniger Kopfschmerztage
  • Geringere schmerzbedingte Beeinträchtigung
  • Bessere körperliche Funktionsfähigkeit
  • Geringere perioperative Angst
  • Verbesserte Lebensqualität
  • Selbstständige Anwendung des erlernten Verfahrens

Die Zielparameter sollten zur Indikation und zum verwendeten Verfahren passen. Eine Methode sollte nach einer angemessenen Trainingsphase fortgeführt werden, wenn ein für den Patienten relevanter Nutzen erkennbar ist. Bleibt dieser aus, sollten Durchführung, Therapieziel und Verfahrenswahl überprüft werden.

Grenzen und Sicherheitsaspekte

Aus den herangezogenen systematischen Übersichten lässt sich keine belastbare verfahrensübergreifende Häufigkeit unerwünschter Wirkungen ableiten. Sicherheitsendpunkte wurden nicht einheitlich erhoben und standen in vielen Studien nicht im Zentrum der Auswertung [1,3–6,9,10].

Die individuelle Verträglichkeit sollte daher während des Trainings berücksichtigt werden. Entspannungsverfahren sind außerdem nicht als diagnostischer Test geeignet: Eine Veränderung von Schmerzen unter Entspannung beweist weder eine psychische Ursache noch schließt ein fehlendes Ansprechen eine stressabhängige Mitwirkung aus.

Vor allem dürfen Entspannungsverfahren nicht dazu führen, dass eine indizierte medizinische Diagnostik oder die Behandlung einer zugrunde liegenden Erkrankung verzögert wird. Bei akuten, neuen, rasch zunehmenden oder mit Warnzeichen verbundenen Schmerzen ist unabhängig von möglichen Stressfaktoren eine medizinische Abklärung erforderlich.

Fazit

Entspannungsverfahren können bei akuten und chronischen Schmerzen einen sinnvollen ergänzenden Behandlungsbaustein darstellen. Ihre Wirksamkeit ist jedoch verfahrens- und indikationsabhängig.

Für autogenes Training besteht ein moderater Effekt gegenüber passiven Kontrollbedingungen, aber kein nachgewiesener Vorteil gegenüber anderen psychologischen Verfahren. Meditation und achtsamkeitsbasierte Interventionen zeigen bei chronischen Rückenschmerzen kleine oder heterogene Effekte. Für geführte Imagination und isolierte Atemübungen bleibt die Evidenz begrenzt. Bei Migräne und Kopfschmerzen vom Spannungstyp sind Entspannungsverfahren und Biofeedback in aktuellen S1-Leitlinien verankert. Medizinische Hypnose kann insbesondere bei akuten Schmerzen und möglicherweise bei ausgewählten chronischen Schmerzsyndromen hilfreich sein.

Keines der Verfahren ist universell wirksam. Ein klinischer Nutzen ist am ehesten zu erwarten, wenn die Methode zur konkreten Indikation, zum Therapieziel und zu den Präferenzen des Patienten passt, regelmäßig trainiert und in ein multimodales Behandlungskonzept eingebettet wird.

Literatur

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  2. Kohlert A, Wick K, Rosendahl J. Autogenic Training for Reducing Chronic Pain: a Systematic Review and Meta-analysis of Randomized Controlled Trials. Int J Behav Med. 2022 Oct;29(5):531-542. doi: 10.1007/s12529-021-10038-6.
  3. Schmidt H, Pilat C. Effects of meditation on pain intensity, physical function, quality of life and depression in adults with low back pain - A systematic review with meta-analysis. Complement Ther Med. 2023 Mar;72:102924. doi: 10.1016/j.ctim.2023.102924.
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