Prostataspezifische Membranantigen-Positronenemissionstomographie (PSMA-PET)
Die Prostataspezifische-Membranantigen-Positronenemissionstomographie (PSMA-PET) ist ein nuklearmedizinisches Verfahren der molekularen Bildgebung. Dabei werden radioaktiv markierte Liganden eingesetzt, die an das prostataspezifische Membranantigen (PSMA; Folat-Hydrolase 1/Glutamatcarboxypeptidase II) binden. PSMA wird bei der Mehrzahl der Adenokarzinome der Prostata (Drüsenkrebserkrankungen der Prostata) deutlich überexprimiert. Die Expression ist jedoch heterogen und nicht vollständig prostataspezifisch; PSMA kann auch in physiologischen Geweben, benignen bzw. entzündlichen Veränderungen sowie in der Neovaskularisation (Gefäßneubildung) anderer Tumoren nachweisbar sein [LL3].
In der klinischen Routine erfolgt die Untersuchung überwiegend als PSMA-PET/CT. Die PET stellt die räumliche Verteilung des PSMA-Radioliganden dar; die gleichzeitig durchgeführte Computertomographie (CT; Röntgen-Schichtuntersuchung) ermöglicht die Schwächungskorrektur und anatomische Zuordnung der PET-Befunde. Abhängig von der klinischen Fragestellung kann die CT als Low-dose-CT oder als diagnostische CT mit bzw. ohne intravenöses iodhaltiges Kontrastmittel durchgeführt werden [LL3].
Alternativ kann eine PSMA-PET/MRT durchgeführt werden. Eine vorhandene multiparametrische Magnetresonanztomographie (mpMRT; spezielle Kernspinuntersuchung der Prostata) kann insbesondere bei lokalen Befunden zur morphologischen Korrelation der PET-Information herangezogen werden. PSMA-PET und mpMRT liefern hierbei komplementäre Informationen zur intraprostatischen Tumorlokalisation und lokalen Ausdehnung [11-13].
Zu den klinisch etablierten Radiopharmaka gehören insbesondere 68Ga-PSMA-11, 18F-DCFPyL und 18F-PSMA-1007. Eine generelle klinische Überlegenheit eines einzelnen PSMA-Radioliganden ist nicht belegt [5, LL3]. 18F-markierte Liganden bieten aufgrund der längeren physikalischen Halbwertszeit logistische Vorteile. 18F-PSMA-1007 weist eine geringe renale Ausscheidung auf, wodurch störende Harnaktivität im kleinen Becken reduziert wird; gleichzeitig treten vergleichsweise häufig unspezifische fokale ossäre Traceranreicherungen auf [5, 10, LL3].
Beurteilbare Strukturen
- Prostata – Darstellung PSMA-exprimierender intraprostatischer Tumoranteile einschließlich ihrer räumlichen Verteilung. Für die detaillierte morphologische Beurteilung der lokalen Tumorausdehnung besitzt die MRT einen hohen Stellenwert [3, 11, LL1, LL2].
- Prostatakapsel (Bindegewebshülle der Prostata) und periprostatisches Gewebe – eine über die Prostatagrenze hinausreichende PSMA-positive Tumorausdehnung kann auf eine extraprostatische Extension (Tumorausbreitung über die Prostatagrenze hinaus) hinweisen. Gering ausgeprägte bzw. mikroskopische Infiltrationen können jedoch bildgebend übersehen werden [11, 12, LL1].
- Samenblasen – eine PSMA-positive Tumorausdehnung in eine oder beide Samenblasen kann eine Samenblaseninvasion (Einwachsen des Tumors in die Samenblasen) anzeigen. Eine gesicherte Samenblaseninvasion entspricht einem T3b-Stadium. Für die detaillierte morphologische Beurteilung des Übergangs zwischen Prostatabasis und Samenblasen ist die mpMRT besonders relevant [11, 12, LL2].
- Prostataloge (Bereich der operativ entfernten Prostata) – Nachweis eines Lokalrezidivs (örtlichen Wiederauftretens des Tumors) bzw. residuellen Tumorgewebes (verbliebenen Tumorgewebes) nach radikaler Prostatektomie (vollständiger operativer Entfernung der Prostata).
- Regionäre Lymphknoten – insbesondere obturatorische, iliakale und präsakrale Lymphknoten.
- Extrapelvine Lymphknoten – insbesondere retroperitoneale, mediastinale und supraklavikuläre Lymphknotenmetastasen (Tochtergeschwülste in Lymphknoten).
- Skelett – Nachweis ossärer Metastasen (Knochenmetastasen), auch wenn noch keine ausgeprägten morphologischen Veränderungen in der CT vorliegen.
- Viszerale Organe (innere Organe) – insbesondere Lunge und Leber.
- Weichteile – Darstellung weiterer lokoregionärer bzw. disseminierter Tumormanifestationen.
Die PSMA-PET/CT weist für das Lymphknotenstaging eine hohe Spezifität auf, besitzt jedoch eine begrenzte Sensitivität für kleine Lymphknotenmetastasen. Tumormanifestationen unterhalb der räumlichen PET-Auflösung können übersehen werden. Eine negative PSMA-PET/CT schließt daher einen mikroskopischen Lymphknotenbefall nicht sicher aus [2, 3, LL2, LL3].
Lokales T-Staging
Die PSMA-PET/CT ist nicht ausschließlich eine Methode zum Nachweis von Lymphknoten- und Fernmetastasen. PSMA-positive intraprostatische Tumoranteile sowie eine makroskopische lokale Tumorausdehnung können ebenfalls dargestellt werden. Nach der deutschen S3-Leitlinie sollen zur Bestimmung der klinischen T-Kategorie der digital-rektale Untersuchungsbefund (Tastuntersuchungsbefund der Prostata über den Enddarm) und die Magnetresonanztomographie herangezogen werden [LL1]. Die PSMA-PET liefert ergänzende molekulare Informationen zur lokalen Tumorausdehnung [3, 11-13].
Besondere klinische Bedeutung besitzt die Samenblaseninvasion, da sie dem T3b-Stadium entspricht [LL2]. Ein negativer PET- oder MRT-Befund schließt eine gering ausgeprägte bzw. mikroskopische Samenblaseninvasion jedoch nicht sicher aus.
In einer direkten Metaanalyse betrug die gepoolte Sensitivität für den Nachweis einer Samenblaseninvasion 57 % für 68Ga-PSMA-PET und 70 % für die mpMRT; die Spezifität lag bei 92 % bzw. 94 %. Die Unterschiede waren statistisch nicht signifikant [11]. Die EAU-Leitlinie gibt für die MRT auf Grundlage einer separaten Metaanalyse eine Sensitivität von 58 % und eine Spezifität von 96 % für die Samenblaseninvasion an [LL2].
In einer multizentrischen Untersuchung mit 550 Patienten betrug die Sensitivität für die Samenblaseninvasion 36 % für die MRT und 44 % für die PSMA-PET/CT bei jeweils 96 % Spezifität. Die kombinierte Beurteilung erhöhte die Sensitivität auf 60 %, bei einer Spezifität von 92 % [12]. Die Befunde unterstreichen den komplementären Charakter beider Modalitäten: Ein positiver, anatomisch plausibler Befund besitzt eine hohe Aussagekraft, während ein negativer Befund eine geringe Samenblaseninvasion nicht zuverlässig ausschließt.
PSMA-PET, CT und mpMRT beim lokalen Staging
| Fragestellung | PSMA-PET | CT-Anteil | mpMRT |
|---|---|---|---|
| Intraprostatische Tumorlokalisation | Darstellung PSMA-exprimierender Tumoranteile | Eingeschränkte Weichteildifferenzierung | Hohe anatomische Detailauflösung und Gewebecharakterisierung |
| Extraprostatische Extension | Makroskopische PSMA-positive Extension darstellbar; begrenzte Sensitivität für geringe Ausdehnung | Größere morphologische Veränderungen erkennbar | Zentrale morphologische Methode zur lokalen Beurteilung |
| Samenblaseninvasion | PSMA-positive Infiltration grundsätzlich darstellbar | Anatomische Zuordnung möglich, bei Low-dose-CT jedoch eingeschränkt | Besonders geeignet zur Beurteilung der Samenblasenmorphologie und des Prostata-Samenblasen-Übergangs |
| Lymphknotenmetastasen | Hohe Spezifität; kleine Metastasen können übersehen werden | Größen- und Morphologiekriterien | Morphologische Zusatzinformation |
| Knochenmetastasen | Hohe diagnostische Relevanz | Morphologische Korrelation | Problemorientierte Zusatzdiagnostik |
Indikationen
Primärstaging bei neu diagnostiziertem Prostatakarzinom (Prostatakrebs)
Beim Primärstaging von Patienten mit erhöhtem Metastasierungsrisiko ist die PSMA-PET/CT der konventionellen Kombination aus CT und Knochenszintigraphie (nuklearmedizinische Untersuchung des Skeletts) hinsichtlich der diagnostischen Genauigkeit überlegen [1, 3, LL1, LL2]. In der randomisierten proPSMA-Studie betrug die Genauigkeit für den Nachweis pelviner Lymphknoten- bzw. Fernmetastasen 92 % gegenüber 65 % unter konventioneller Bildgebung; die Sensitivität lag bei 85 % versus 38 % und die Spezifität bei 98 % versus 91 % [1].
PSMA-PET/CT beim Primärstaging – leitlinienbezogene Indikationsübersicht
| Risikokonstellation | Gleason-Score / ISUP-Grade-Gruppe | PSA-Wert / klinisches Tumorstadium | Deutsche S3-Leitlinie Prostatakarzinom | EAU-Leitlinie |
|---|---|---|---|---|
| Niedrigrisiko | Gleason-Score ≤ 6 / ISUP 1 | PSA < 10 ng/ml und cT1-cT2a | Keine routinemäßige zusätzliche Ganzkörper-Staging-Bildgebung. | Keine zusätzliche Bildgebung zum Metastasenstaging. |
| Günstiges intermediäres Risiko | Typischerweise Gleason-Score 3 + 4 = 7 / ISUP 2 | Intermediäre Risikokonstellation ohne Kriterien des ungünstigen intermediären Risikos | Keine routinemäßige weiterführende Ganzkörper-Staging-Bildgebung bei fehlenden zusätzlichen Risikofaktoren. | Keine routinemäßige zusätzliche Bildgebung zum Metastasenstaging. |
| Ungünstiges intermediäres Risiko | Insbesondere Gleason-Score 4 + 3 = 7 / ISUP 3 | Intermediäres Risiko mit ungünstiger Risikokonstellation | PSMA-PET/CT bei mindestens einem Risikofaktor: ISUP-Grade-Gruppe ≥ 3, cT3/cT4 oder PSA ≥ 20 ng/ml. | PSMA-PET/CT bei Verfügbarkeit zur Erhöhung der Staginggenauigkeit; schwache Empfehlung. |
| Hochrisiko, lokal begrenzt | Insbesondere ISUP 4-5 bzw. entsprechende Hochrisikokonstellation | PSA > 20 ng/ml und/oder weitere Hochrisikokriterien | PSMA-PET/CT bei Vorliegen der definierten Risikofaktoren zur Ausbreitungsdiagnostik. | PSMA-PET/CT bei Verfügbarkeit zum Metastasenstaging; starke Empfehlung. |
| Lokal fortgeschritten | Jede ISUP-Grade-Gruppe | cT3-cT4 und/oder cN+ | Bei cT3/cT4 soll eine PSMA-PET/CT zur Ausbreitungsdiagnostik eingesetzt werden. | PSMA-PET/CT bei Verfügbarkeit zum Metastasenstaging; starke Empfehlung. |
Für die Indikationsstellung zur PSMA-PET/CT ist nicht der Gleason-Score isoliert entscheidend, sondern die Gesamtkonstellation aus histologischem Grad, PSA-Wert und klinischem Tumorstadium. Nach der deutschen S3-Leitlinie soll die PSMA-PET/CT beim Prostatakarzinom mit mindestens einem Risikofaktor für Fernmetastasierung – ISUP-Grade-Gruppe ≥ 3, cT3/cT4 oder PSA ≥ 20 ng/ml – zur Ausbreitungsdiagnostik eingesetzt werden [LL1].
Biochemisches Rezidiv (erneuter PSA-Anstieg als Hinweis auf ein Wiederauftreten der Erkrankung) bzw. PSA-Persistenz (anhaltend nachweisbarer PSA-Wert nach Behandlung)
- Nach radikaler Prostatektomie – bei biochemischem Rezidiv soll primär eine PSMA-PET-Hybridbildgebung durchgeführt werden, sofern sich aus dem Befund eine therapeutische Konsequenz ergibt [LL1].
- Nach Strahlentherapie – bei Patienten mit biochemischem Rezidiv und potenziell kurativer Salvagetherapie (Behandlung eines Krankheitsrückfalls mit Heilungsabsicht) besitzt die PSMA-PET-Hybridbildgebung einen hohen Stellenwert [LL1, LL2].
- PSA-Persistenz nach radikaler Prostatektomie – die PSMA-PET/CT kann residuelle bzw. metastatische Erkrankungsmanifestationen lokalisieren und die Salvagetherapieplanung beeinflussen [LL2].
Die EAU empfiehlt nach radikaler Prostatektomie eine PSMA-PET/CT bei PSA > 0,2 ng/ml, wenn das Untersuchungsergebnis die nachfolgende Therapie beeinflusst. Nach Strahlentherapie wird die PSMA-PET/CT insbesondere bei Patienten empfohlen, die für eine kurativ intendierte Salvagetherapie geeignet sind [LL2].
PSA-abhängige 68Ga-PSMA-PET-Positivitätsrate bei biochemischem Rezidiv
Mit zunehmendem PSA-Wert zum Zeitpunkt der PSMA-PET steigt die Wahrscheinlichkeit eines positiven Befundes. Ein negativer Befund bei sehr niedrigem PSA schließt ein mikroskopisches Rezidiv nicht aus [4, LL1].
| PSA-Wert zum Zeitpunkt der PSMA-PET | 68Ga-PSMA-PET-Positivitätsrate |
|---|---|
| < 0,2 ng/ml | 33 % (95 %-KI 16-51) |
| 0,2-0,49 ng/ml | 45 % (95 %-KI 39-52) |
| 0,5-0,99 ng/ml | 59 % (95 %-KI 50-68) |
| 1,0-1,99 ng/ml | 75 % (95 %-KI 66-84) |
| ≥ 2,0 ng/ml | 95 % (95 %-KI 92-97) |
Die individuelle Detektionswahrscheinlichkeit wird zusätzlich durch PSA-Kinetik, Tumorbiologie, vorausgegangene Therapie, verwendeten Radioliganden und technische Untersuchungsparameter beeinflusst [4, LL1, LL3]. Ein höherer PSA-Wert soll nicht gezielt abgewartet werden, nur um die Wahrscheinlichkeit eines positiven PSMA-PET-Befundes zu erhöhen. Eine klinisch indizierte frühe Salvage-Strahlentherapie nach radikaler Prostatektomie soll bei negativer PSMA-PET/CT nicht allein wegen des negativen PET-Befundes verzögert werden [LL1, LL2].
Weitere klinisch relevante Einsatzgebiete
- Planung einer Salvage-Strahlentherapie – Lokalisation von Lokalrezidiven, Lymphknoten- und Fernmetastasen zur Anpassung von Bestrahlungsvolumen und Therapiekonzept.
- Metastasengerichtete Therapie – Lokalisation begrenzter metastatischer Tumormanifestationen bei oligometastatischer (auf wenige Tochtergeschwülste begrenzter) bzw. oligorezidivierender Erkrankung.
- Abklärung diskrepanter bzw. unklarer Befunde – insbesondere bei nicht eindeutiger konventioneller Bildgebung, sofern sich aus dem Befund therapeutische Konsequenzen ergeben.
- Lokales Staging – ergänzende Korrelation mit der mpMRT bei unklarer intraprostatischer bzw. lokaler Tumorausdehnung [11-13].
- Selektion für eine PSMA-Radioligandentherapie (gezielte Behandlung mit radioaktiv markierten PSMA-bindenden Substanzen) – Nachweis einer ausreichenden PSMA-Expression vor PSMA-gerichteter Radioligandentherapie, z. B. mit 177Lu-PSMA-617 [LL3].
- Therapiebeurteilung – in ausgewählten klinischen Situationen möglich; der routinemäßige Einsatz zur Verlaufskontrolle systemischer Therapien ist nicht für alle Erkrankungsstadien standardisiert [LL3].
Kontraindikationen und Einschränkungen
Für die diagnostische PSMA-PET bestehen nur wenige relevante Kontraindikationen (Gegenanzeigen). Eine eingeschränkte Nierenfunktion stellt keine generelle Kontraindikation für die PET-Komponente dar. Nieren- und Schilddrüsenfunktion sind insbesondere dann gesondert zu berücksichtigen, wenn zusätzlich eine diagnostische CT mit intravenösem iodhaltigem Kontrastmittel durchgeführt werden soll [LL3].
- Unfähigkeit zur ausreichend ruhigen Rückenlage – mögliche Beeinträchtigung der Bildqualität durch Bewegungsartefakte.
- Ausgeprägte Klaustrophobie (Platzangst) – relative praktische Einschränkung.
- Intravenöses iodhaltiges Kontrastmittel – kontrastmittelspezifische Kontraindikationen und Risikokonstellationen sind unabhängig von der PSMA-PET zu prüfen.
Vor der Untersuchung
- Anamnese (Krankengeschichte) – Erfassung von Histologie, Gleason-Score/ISUP-Grade-Gruppe, TNM-Stadium, aktuellen und vorausgegangenen PSA-Werten, PSA-Kinetik, vorausgegangenen Operationen, Strahlentherapien und systemischen Therapien [LL3].
- Vorbefunde – insbesondere mpMRT, CT, Knochenszintigraphie und frühere PET-Untersuchungen sollen für die Befundkorrelation verfügbar sein [LL3].
- Nüchternheit – eine mehrstündige Nahrungskarenz wie bei der 18F-FDG-PET ist im Regelfall nicht erforderlich [LL3].
- Medikamente – können grundsätzlich weiter eingenommen werden [LL3].
- Androgendeprivationstherapie (Hormonentzugstherapie) – eine Androgenrezeptor-Inhibition kann die PSMA-Expression und Traceraufnahme verändern; Zeitpunkt und Therapiekontext sind bei der Interpretation zu berücksichtigen [LL3].
- Hydratation (ausreichende Flüssigkeitszufuhr) – ausreichende Flüssigkeitszufuhr reduziert bei renal ausgeschiedenen Radioliganden störende Aktivität im Harntrakt [LL3].
- Blasenentleerung – unmittelbar vor der Bildakquisition sinnvoll, insbesondere bei renal ausgeschiedenen Radioliganden [LL3].
- Diuretikum – bei renal ausgeschiedenen Radioliganden kann Furosemid zur Reduktion störender Aktivität in Ureteren und Harnblase eingesetzt werden, sofern keine Kontraindikation vorliegt [LL3].
- Bei geplanter kontrastverstärkter CT – zusätzliche kontrastmittelspezifische Anamnese sowie risikoadaptierte Beurteilung von Nieren- und Schilddrüsenfunktion.
Das Verfahren
- Intravenöse Applikation eines PSMA-Radioliganden, z. B. 68Ga-PSMA-11, 18F-DCFPyL oder 18F-PSMA-1007.
- Uptake-Phase – der Zeitpunkt der Bildakquisition richtet sich nach dem verwendeten Radioliganden und dem Untersuchungsprotokoll [LL3].
- Zusatzaufnahmen – bei unklaren Läsionen (Gewebeveränderungen), insbesondere in unmittelbarer Nähe von Ureteren bzw. Harnblase, können verzögerte Aufnahmen hilfreich sein [LL3].
- CT-Akquisition – abhängig von der klinischen Fragestellung als Low-dose-CT oder diagnostische CT mit bzw. ohne intravenöses Kontrastmittel.
- PET-Akquisition – Ganzkörperaufnahme; Untersuchungsfeld und Akquisitionsdauer richten sich nach Radiopharmakon, Scanner und klinischer Fragestellung.
- Fusionsbildgebung – räumliche Koregistrierung der molekularen PET-Information mit der anatomischen CT.
- Auswertung – qualitative Beurteilung fokaler Traceranreicherungen unter Einbeziehung der physiologischen Biodistribution, anatomischen Lokalisation, CT-Morphologie und gegebenenfalls vorhandener MRT-Morphologie; ergänzend können semiquantitative Parameter wie der standardisierte Aufnahmewert verwendet werden [LL3].
- Standardisierte Befundung – beispielsweise nach PROMISE/miTNM bzw. E-PSMA [8, 9, LL3].
Anatomische Zuordnung lokaler PET-Befunde
Die PET stellt primär die räumliche Verteilung des Radioliganden dar. Die Zuordnung einer fokalen Aktivität zu einer konkreten anatomischen Struktur erfolgt anhand der Hybridbildgebung und gegebenenfalls unter Einbeziehung einer vorhandenen MRT.
Insbesondere im Bereich der Prostatabasis und Samenblasen können kleine Herde aufgrund der engen anatomischen Nachbarschaft und der begrenzten räumlichen PET-Auflösung schwieriger exakt zuzuordnen sein. Bei klinisch relevanten oder diskrepanten lokalen Befunden kann deshalb eine gezielte Korrelation mit der mpMRT hilfreich sein [11-13].
CT-Anteil der PSMA-PET/CT – mit oder ohne intravenöses Kontrastmittel?
Für die PSMA-PET/CT ist zwischen einem Low-dose-CT und einem diagnostischen CT zu unterscheiden. Das Low-dose-CT dient primär der Schwächungskorrektur und anatomischen Registrierung der PET-Befunde und ist nicht als vollwertige diagnostische CT vorgesehen. Ein diagnostisches CT wird mit hierfür optimierten Aufnahmeparametern durchgeführt und kann mit bzw. ohne intravenöses Kontrastmittel erfolgen [LL3].
Ein intravenöses iodhaltiges Kontrastmittel ist keine Voraussetzung für die PSMA-Ligandenbindung oder die PET-Akquisition. Der mögliche Zusatznutzen betrifft die morphologische CT-Komponente, insbesondere Weichteilkontrast, Gefäßdarstellung und Charakterisierung bestimmter Organläsionen [6, 7, LL3].
PSMA-PET/CT – Bedeutung des CT-Protokolls
| CT-Protokoll | Primäre Funktion | Vorteile | Limitationen |
|---|---|---|---|
| Low-dose-CT ohne Kontrastmittel | Schwächungskorrektur und anatomische Zuordnung der PET-Aktivität | Geringere Strahlenexposition; kein iodhaltiges Kontrastmittel | Keine vollwertige diagnostische CT; eingeschränkte Weichteil- und Organcharakterisierung |
| Diagnostische CT ohne Kontrastmittel | Anatomische Zuordnung und detailliertere morphologische Diagnostik | Höhere morphologische Bildqualität als Low-dose-CT | Eingeschränkter Weichteil- und Gefäßkontrast |
| Diagnostische CT mit intravenösem Kontrastmittel | Diagnostische morphologische CT zusätzlich zur molekularen PET | Verbesserte Weichteil-, Gefäß- und Organcharakterisierung | Kontrastmittelspezifische Risiken und zusätzlicher Aufwand |
Der Verzicht auf intravenöses Kontrastmittel führt grundsätzlich nicht zu einer Verminderung der PSMA-Ligandenbindung. Vermindert wird – insbesondere bei Verwendung eines Low-dose-CT – die zusätzliche morphologische CT-Information [6, 7, LL3].
Für die lokale Beurteilung der Prostata und insbesondere der Samenblasen liefert eine hochwertige mpMRT aufgrund ihrer Weichteilauflösung spezifischere morphologische Informationen als der CT-Anteil einer PSMA-PET/CT [11, 12, LL1, LL2]. Eine kontrastverstärkte diagnostische CT kann zusätzliche Informationen liefern, ersetzt die MRT für das lokale T-Staging jedoch nicht.
Ein Verzicht auf intravenöses Kontrastmittel ist insbesondere vertretbar, wenn bereits eine aktuelle hochwertige Schnittbildgebung vorliegt oder die zentrale Fragestellung im Nachweis PSMA-exprimierender Tumorherde besteht. Eine diagnostische CT mit intravenösem Kontrastmittel kann insbesondere bei fehlender aktueller morphologischer Schnittbildgebung, viszeralen Metastasen, unklaren Organbefunden oder PSMA-armen Tumormanifestationen einen Zusatznutzen bieten [6, 7, LL3].
Bei neuroendokriner Tumorbiologie (Tumoreigenschaften ähnlich hormonbildenden Nervenzellen) bzw. stark dedifferenzierter Tumorbiologie ist die morphologische Schnittbildgebung besonders relevant, da solche Tumoren eine reduzierte oder fehlende PSMA-Expression aufweisen können [LL3].
Die direkte Vergleichsevidenz spricht gegen eine obligate kontrastverstärkte diagnostische CT bei jeder PSMA-PET/CT. In einer 2025 publizierten Multi-Reader-Untersuchung unterschied sich die diagnostische Sicherheit zwischen PSMA-PET/CT ohne und mit zusätzlicher kontrastverstärkter diagnostischer CT insgesamt nicht signifikant (92 % versus 92 %; p = 0,43) [6]. Auch Daten bei biochemischem Rezidiv sprechen für einen indikationsbezogenen Einsatz des intravenösen Kontrastmittels [7].
Mögliche Befunde
- PSMA-positiver Primärtumor – fokale bzw. multifokale Traceranreicherung in der Prostata.
- Extraprostatische Extension – PSMA-positive Tumorausdehnung über die anatomische Prostatagrenze hinaus; morphologische Korrelation insbesondere mit der MRT relevant [11, 12, LL1].
- Samenblaseninvasion – PSMA-positive Tumorausdehnung in eine oder beide Samenblasen; bei gesicherter Invasion T3b [11, 12, LL2].
- Lokalrezidiv – PSMA-positive Läsion in der Prostataloge bzw. im bestrahlten Prostatagewebe.
- Regionäre Lymphknotenmetastasen – PSMA-positive pelvine Lymphknoten, auch wenn diese morphologisch nicht vergrößert sind.
- Extrapelvine Lymphknotenmetastasen – z. B. retroperitoneale, mediastinale oder supraklavikuläre Manifestationen.
- Ossäre Metastasen – fokale pathologische PSMA-Anreicherungen im Skelett unter Berücksichtigung der CT-Morphologie und tracerabhängiger Fehlermuster.
- Viszerale Metastasen – insbesondere pulmonale und hepatische Tumormanifestationen.
- Oligometastasierung – begrenzte Zahl metastatischer Herde mit potenzieller Konsequenz für eine metastasengerichtete Therapie.
- Disseminierte metastatische Erkrankung (im Körper ausgebreitete Krebserkrankung) – ausgedehnter lymphatischer, ossärer bzw. viszeraler Befall.
- Heterogene bzw. fehlende PSMA-Expression – möglich bei biologisch heterogenen, dedifferenzierten bzw. neuroendokrinen Tumoranteilen.
- Inzidentelle PSMA-positive Läsionen – Befunde außerhalb typischer Manifestationsorte, die gegebenenfalls einer zusätzlichen bildgebenden oder histologischen Abklärung bedürfen.
Diagnostische Limitationen und typische Fehlerquellen
- Mikrometastasen (mikroskopisch kleine Tochtergeschwülste) – eine negative PSMA-PET/CT schließt mikroskopische Tumormanifestationen nicht aus [2, LL2, LL3].
- Geringe extraprostatische Extension bzw. Samenblaseninvasion – kann aufgrund begrenzter räumlicher Auflösung und geringer Tumormasse bildgebend nicht sichtbar sein [11, 12, LL1, LL2].
- Anatomische Fehlzuordnung – kleine Herde im Bereich der Prostatabasis und Samenblasen können aufgrund enger räumlicher Nachbarschaft schwieriger eindeutig lokalisiert werden.
- Koregistrierungsfehler (Fehler bei der räumlichen Überlagerung von Bilddaten) – Bewegung und unterschiedliche Organfüllung können die räumliche Übereinstimmung zwischen PET und anatomischer Bildgebung beeinträchtigen [LL3].
- Low-dose-CT – besitzt nicht die lokale Weichteilauflösung einer mpMRT.
- PSMA-negative Tumoranteile – insbesondere neuroendokrine bzw. stark dedifferenzierte Tumoren können eine geringe PSMA-Expression aufweisen [LL3].
- Physiologische PSMA-Aufnahme – unter anderem in Tränen- und Speicheldrüsen, Leber, Milz, Darm, Nieren und Harnwegen [LL3].
- Sympathische Ganglien (Nervenknoten des unwillkürlichen Nervensystems) – können PSMA aufnehmen und Lymphknotenmetastasen imitieren [LL3].
- Benigne bzw. entzündliche Veränderungen – PSMA-Anreicherungen sind nicht vollständig tumorspezifisch [LL3].
- Benigne Knochenveränderungen – Frakturen (Knochenbrüche), degenerative Veränderungen, fibröse Dysplasie, Hämangiome und weitere benigne Prozesse können fokale Traceranreicherungen verursachen.
- 18F-PSMA-1007 – vergleichsweise häufig unspezifische fokale ossäre Aufnahmen; sorgfältige morphologische Korrelation erforderlich [5, 10, LL3].
- Urinaktivität – renal ausgeschiedene Liganden wie 68Ga-PSMA-11 und 18F-DCFPyL können kleine Läsionen im Becken überlagern oder ihre anatomische Zuordnung erschweren [LL3].
- Lebermetastasen – PSMA-arme Läsionen können aufgrund physiologischer Leberaktivität schwieriger erkennbar sein [LL3].
- Nichtprostatäre Tumoren und benigne Erkrankungen – PSMA-Expression kann auch außerhalb des Prostatakarzinoms auftreten [LL3].
- Therapieeffekte – systemische Therapien können Tumorlast und PSMA-Expression verändern [LL3].
Die PSMA-PET/CT stellt keinen histologischen Tumornachweis dar. Befunde müssen unter Einbeziehung von Lokalisation, Intensität der Traceraufnahme, Morphologie, klinischer Situation, Tumorbiologie und Voruntersuchungen interpretiert werden [LL3]. Bei diskrepanten lokalen PET- und MRT-Befunden kann eine gezielte bildgebende Korrelation sinnvoll sein [11-13].
Nach der Untersuchung
- Eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr und regelmäßige Blasenentleerung unterstützen die Ausscheidung renal eliminierter Radiopharmaka.
- Die individuellen strahlenschutzrechtlichen Verhaltenshinweise der nuklearmedizinischen Einrichtung sind zu beachten.
- Nach intravenöser Kontrastmittelgabe gelten zusätzlich die kontrastmittelspezifischen Empfehlungen der durchführenden Einrichtung.
- Der PET/CT-Befund soll mit Histologie, PSA-Verlauf, vorausgegangenen Therapien und vorhandener Schnittbildgebung korreliert werden [LL3].
- Therapierelevante Befunde sollten bei komplexer klinischer Situation interdisziplinär bewertet werden.
Mögliche Komplikationen
- Radiopharmakon – klinisch relevante akute Nebenwirkungen diagnostisch verwendeter PSMA-Radioliganden sind selten.
- Injektionsstelle – selten lokale Reaktionen bzw. Extravasation (Austritt der Injektionslösung in das umliegende Gewebe).
- Ionisierende Strahlung – die effektive Dosis ist abhängig von Radiopharmakon, applizierter Aktivität und insbesondere vom verwendeten CT-Protokoll [LL3].
- Intravenöses iodhaltiges Kontrastmittel – bei kontrastverstärkter CT bestehen zusätzliche kontrastmittelspezifische Risiken.
- Falsch-positive bzw. falsch-negative Befunde – diagnostische Limitationen und keine körperlichen Komplikationen des Verfahrens.
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- Li Y, Yang J, Chen B et al.: Head-to-Head Comparison of mpMRI, PSMA, GRPR PET/CT, and PET/CT Plus MRI for Local Staging of Primary Prostate Cancer and Their Prognostic Value. J Nucl Med. 2026;67(4):560-567. doi: 10.2967/jnumed.125.271410.
Leitlinien, Referenzwerte und Protokolle
- S3-Leitlinie: Prostatakarzinom. Version 8.1, Stand August 2025. (AWMF-Registernummer 043-022OL). August 2025 Langfassung. [LL1]
- European Association of Urology: EAU Guidelines on Prostate Cancer. 2026. Leitlinie. [LL2]
- Fendler WP, Eiber M, Beheshti M et al.: PSMA PET/CT: joint EANM procedure guideline/SNMMI procedure standard for prostate cancer imaging 2.0. Eur J Nucl Med Mol Imaging. 2023;50(5):1466-1486. doi: 10.1007/s00259-022-06089-w. [LL3]