Myalgische Enzephalomyelitis/Chronisches Fatigue-Syndrom (ME/CFS) – Differentialdiagnosen
Hinweis zur Einordnung: Myalgische Enzephalomyelitis/Chronisches Fatigue-Syndrom (ME/CFS) ist keine reine Ausschlussdiagnose, sondern eine klinische Diagnose auf Grundlage der charakteristischen Symptomkonstellation (typische Beschwerdekombination) mit post-exertional malaise (PEM; Zustandsverschlechterung nach Belastung), nicht erholsamem Schlaf, kognitiver Dysfunktion (Störung der geistigen Leistungsfähigkeit) und/oder orthostatischer Intoleranz (Beschwerden beim Stehen). Differentialdiagnostisch relevant sind vor allem behandelbare Ursachen chronischer Fatigue (Erschöpfung), Erkrankungen mit ME/CFS-ähnlicher Symptomatik (Beschwerdebild) sowie Komorbiditäten (Begleiterkrankungen), die die Symptomlast verstärken können [1-5].
Atmungssystem (J00-J99)
- Allergische Rhinitis (allergischer Schnupfen), chronische – behinderte Nasenatmung, Schlafstörung und Tagesmüdigkeit; besonders relevant bei begleitender Insomnie (Schlaflosigkeit) oder schlafbezogener Atmungsstörung (Atemstörung im Schlaf) [3]
- Chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD; chronische Atemwegsverengung) – chronische Dyspnoe (Atemnot), reduzierte Belastbarkeit, Hypoxämie (Sauerstoffmangel im Blut), Schlafstörung und systemische Inflammation (Entzündung im ganzen Körper) können Fatigue verursachen oder verstärken [3]
- Interstitielle Lungenerkrankungen (Erkrankungen des Lungenzwischengewebes) – Differentialdiagnose bei Belastungsdyspnoe (Atemnot bei Belastung), Hypoxämie, Husten und reduzierter körperlicher Leistungsfähigkeit [3]
- Schlafbezogene Atmungsstörung – insbesondere obstruktive Schlafapnoe (Atemaussetzer im Schlaf); führt zu nicht erholsamem Schlaf, Tagesschläfrigkeit, kognitiver Leistungsminderung und Fatigue [1-5]
- Virale Atemwegserkrankungen (durch Viren verursachte Erkrankungen der Atemwege), postinfektiös (nach einer Infektion) – anhaltende Fatigue nach akuter Infektion; bei zusätzlicher PEM und chronischem Verlauf Abgrenzung gegenüber ME/CFS beziehungsweise postinfektiösem Fatigue-Syndrom erforderlich [1-7]
Blut, blutbildende Organe – Immunsystem (D50-D90)
- Anämien (Blutarmut) [3]
- Aplastische Anämie – Fatigue durch Panzytopenie (Mangel aller Blutzellreihen), Infektneigung und Blutungsneigung
- Blutungsanämie, akute oder chronische – Fatigue, Belastungsdyspnoe, Tachykardie (Herzrasen) und Leistungsminderung
- Eisenmangelanämie – häufige und behandelbare Ursache von Fatigue, insbesondere bei Frauen mit Hypermenorrhoe (zu starker Regelblutung), gastrointestinalem Blutverlust (Blutverlust im Magen-Darm-Trakt) oder Malabsorption (gestörter Nährstoffaufnahme)
- Entzündungsanämie – Fatigue im Rahmen chronisch-entzündlicher, infektiöser, rheumatologischer oder maligner Erkrankungen (bösartiger Erkrankungen)
- Hämolytische Anämie – Fatigue, Ikterus (Gelbsucht), Retikulozytose (vermehrte junge rote Blutkörperchen) und Lactatdehydrogenase-Erhöhung
- Megaloblastäre Anämie – meist durch Vitamin-B12-Mangel oder Folsäuremangel; zusätzlich neurologische (das Nervensystem betreffende) beziehungsweise neuropsychiatrische Symptome möglich
- Paroxysmale nächtliche Hämoglobinurie (PNH; anfallsweiser nächtlicher Blutfarbstoff im Urin) – seltene erworbene klonale hämatopoetische Stammzellerkrankung (Erkrankung der blutbildenden Stammzellen) mit intravasaler Hämolyse (Blutauflösung in den Gefäßen), Thrombophilie (erhöhte Neigung zu Blutgerinnseln) und Zytopenien (Mangel an Blutzellen)
- Renale Anämie – Fatigue bei chronischer Niereninsuffizienz (Nierenschwäche) durch vermindertes Erythropoetin und inflammatorische Begleitmechanismen
- Tumoranämie – Fatigue bei malignen Erkrankungen, chronischer Inflammation, Knochenmarkinfiltration (Befall des Knochenmarks) oder therapieassoziierter Myelosuppression (Hemmung der Knochenmarkfunktion) [10]
- Immundefizienz (Abwehrschwäche) – chronische oder rezidivierende Infektionen können Fatigue verursachen; gezielte Abklärung bei Infektneigung, Gewichtsverlust, Fieber oder Lymphadenopathie (Lymphknotenschwellung) [3]
- Myelodysplastische Neoplasien (bösartige Knochenmarkerkrankungen mit gestörter Blutbildung) – Fatigue durch Zytopenien, insbesondere Anämie; Differentialdiagnose bei Makrozytose (vergrößerte rote Blutkörperchen), persistierenden Blutbildveränderungen oder höherem Lebensalter
- Myelofibrose (Knochenmarkverfaserung) – Fatigue durch Anämie, Splenomegalie (Milzvergrößerung), inflammatorische Symptome und konstitutionelle Beschwerden (Allgemeinbeschwerden)
- Thalassämie (erbliche Blutbildungsstörung) – hereditäre Hämoglobinopathie (erbliche Störung des roten Blutfarbstoffs) mit mikrozytärer Anämie; relevant bei entsprechender Herkunft, Familienanamnese (Krankheitsvorgeschichte der Familie) und fehlender Erklärung durch Eisenmangel
- Vitamin-B12-Mangel – Fatigue, megaloblastäre Anämie, Polyneuropathie (Nervenschädigung), Gangstörung und kognitive Symptome möglich [3]
- Folsäuremangel – Fatigue und megaloblastäre Anämie; begünstigt durch Malnutrition (Mangelernährung), Alkohol, Schwangerschaft, Malabsorption oder Medikamente [3]
Endokrine, Ernährungs- und Stoffwechselkrankheiten (E00-E90)
- Adipositas (Fettleibigkeit) – Fatigue durch systemische Inflammation, Schlafapnoe, metabolische Komorbidität (stoffwechselbedingte Begleiterkrankung), muskuloskelettale Belastung (Belastung von Muskeln und Skelett) und reduzierte Belastbarkeit [3]
- Conn-Syndrom (primärer Hyperaldosteronismus; krankhaft erhöhte Aldosteronbildung) – Fatigue und Muskelschwäche insbesondere bei Hypokaliämie (Kaliummangel im Blut), arterieller Hypertonie (Bluthochdruck) oder therapierefraktärer Hypertonie [3]
- Diabetes mellitus Typ 1 und Typ 2 (Zuckerkrankheit) – Fatigue bei Hyperglykämie (Überzuckerung), Hypoglykämien (Unterzuckerungen), Schlafstörungen, Depression (Niedergeschlagenheit), autonomer Neuropathie (Schädigung unwillkürlicher Nerven) oder Folgeerkrankungen [3]
- Eisenmangel ohne Anämie – häufige und behandelbare Ursache von Erschöpfung, Leistungsminderung und Restless-Legs-Symptomatik (Beschwerden unruhiger Beine); Ferritin-Bestimmung besonders bei Frauen im gebärfähigen Alter sinnvoll [3]
- Hämochromatose (Eisenspeicherkrankheit) – Fatigue, Arthralgien (Gelenkschmerzen), Leberwerterhöhung, Diabetes mellitus, Hypogonadismus (Unterfunktion der Keimdrüsen) und Kardiomyopathie (Herzmuskelerkrankung) möglich [3]
- Hashimoto-Thyreoiditis (autoimmune Schilddrüsenentzündung) – Fatigue vor allem bei manifester Hypothyreose (Schilddrüsenunterfunktion); isolierte Autoantikörper (Abwehrstoffe gegen körpereigenes Gewebe) ohne Funktionsstörung erklären Fatigue nicht sicher [3]
- Hypercalcämie (erhöhter Calciumspiegel im Blut) – Fatigue, Muskelschwäche, Polyurie (vermehrtes Wasserlassen), Polydipsie (vermehrter Durst), Obstipation (Verstopfung), kognitive Störung und Rhythmusstörungen möglich [3]
- Hyperparathyreoidismus (Nebenschilddrüsenüberfunktion) – Fatigue bei Hypercalcämie, Knochenschmerz, Nephrolithiasis (Nierensteine), gastrointestinalen und neurokognitiven Symptomen [3]
- Hyperthyreose (Schilddrüsenüberfunktion) – Müdigkeit trotz innerer Unruhe, Gewichtsverlust, Tachykardie, Tremor (Zittern), Schlafstörung und Muskelschwäche [3]
- Hypogonadismus – Fatigue, Libidoverlust, depressive Symptomatik, Sarkopenie (Muskelschwund) und Leistungsminderung; gezielte Abklärung bei klinischem Verdacht [3]
- Hypopituitarismus (Hirnanhangsdrüsenunterfunktion) – Fatigue durch sekundäre Nebenniereninsuffizienz, Hypothyreose, Hypogonadismus oder Wachstumshormonmangel [3]
- Hypothyreose – klassische behandelbare Differentialdiagnose chronischer Fatigue; TSH gehört zur Basisdiagnostik bei ungeklärter Müdigkeit [3]
- Hypovitaminose D (Vitamin-D-Mangel) – kann mit Muskelschwäche und unspezifischer Fatigue assoziiert sein; als alleinige Erklärung einer ME/CFS-typischen PEM meist nicht ausreichend [3]
- Metabolisches Syndrom (Stoffwechsel-Syndrom) – Fatigue durch Adipositas, Insulinresistenz (verminderte Insulinwirkung), Schlafapnoe, Fettlebererkrankung, Inflammation und kardiovaskuläre Komorbidität (Herz-Kreislauf-Begleiterkrankung) [3]
- Morbus Addison (primäre Nebenniereninsuffizienz; Nebennierenrindenschwäche) – Fatigue, Gewichtsverlust, Hypotonie (niedriger Blutdruck), Hyperpigmentierung (verstärkte Hautbräunung), Hyponatriämie (Natriummangel im Blut), Hyperkaliämie (Kaliumüberschuss im Blut) und gastrointestinale Symptome [3]
- Morbus Basedow (autoimmune Schilddrüsenüberfunktion) – autoimmune Hyperthyreose mit Tachykardie, Gewichtsverlust, Muskelschwäche, Schlafstörung und Fatigue [3]
- Morbus Cushing (Cortisolüberschuss) – Fatigue, proximale Muskelschwäche (körperstammnahe Muskelschwäche), Stammfettsucht, Hypertonie, Glukosestoffwechselstörung (Zuckerstoffwechselstörung), Osteoporose (Knochenschwund) und psychische Symptome [3]
- Nebennierenrindeninsuffizienz – wichtige Differentialdiagnose bei Fatigue, Gewichtsverlust, Hypotonie, Hyponatriämie, Hyperkaliämie oder rezidivierender Übelkeit [3]
- Unterernährung und Mangelernährung – Fatigue durch Energie-, Protein-, Eisen-, Vitamin-B12-, Folsäure- oder Mikronährstoffmangel [3]
Faktoren, die den Gesundheitszustand beeinflussen und zur Inanspruchnahme des Gesundheitswesens führen (Z00-Z99)
- Burnout-Syndrom (Erschöpfungssyndrom) – arbeitsbezogene Erschöpfung mit emotionaler Erschöpfung, Distanzierung und Leistungsminderung; Abgrenzung gegenüber ME/CFS durch fehlende typische PEM und andere Krankheitsdynamik [1-5]
- Chronische Überlastung und Schlafdefizit – häufige Ursache von Müdigkeit; in der Regel Besserung durch Entlastung, Schlafnormalisierung und Regeneration [3]
- Nacht- und Schichtarbeit – Fatigue durch zirkadiane Desynchronisation (Störung des Tag-Nacht-Rhythmus), Schlafrestriktion (Schlafverkürzung) und Schlafqualitätsminderung [3]
- Trauerreaktion und psychosoziale Belastung – kann Fatigue, Schlafstörung und depressive Symptome auslösen oder verstärken [3]
Herzkreislaufsystem (I00-I99)
- Arrhythmien (Herzrhythmusstörungen) – insbesondere Vorhofflimmern, Bradyarrhythmien (zu langsame Herzrhythmusstörungen) oder tachykarde Rhythmusstörungen (zu schnelle Herzrhythmusstörungen); Fatigue durch reduzierte kardiale Leistungsfähigkeit (Leistungsfähigkeit des Herzens) [3]
- Endokarditis (Herzinnenhautentzündung) – Differentialdiagnose bei Fatigue, Fieber, Nachtschweiß, Gewichtsverlust, Herzgeräusch, Embolien (Gefäßverschlüsse durch verschleppte Blutgerinnsel) oder erhöhten Entzündungsparametern [3]
- Herzinsuffizienz (Herzschwäche) – Fatigue, Belastungsdyspnoe, Ödeme (Wassereinlagerungen), Orthopnoe (Atemnot im Liegen) und reduzierte Belastbarkeit [3]
- Herzvitien (Herzfehler) – Fatigue und Belastungsintoleranz bei hämodynamisch relevanter Klappen- oder Strukturpathologie (Durchblutungswirksamer Klappen- oder Strukturveränderung) [3]
- Hypotonie – Fatigue, Benommenheit, orthostatische Beschwerden und Leistungsminderung [1-5]
- Kardiomyopathien – Differentialdiagnose bei Belastungsdyspnoe, Palpitationen (Herzklopfen), Synkopen (Ohnmachtsanfälle) oder pathologischem Elektrokardiogramm (EKG; Herzstromkurve) [3]
- Myokardinfarkt (Herzinfarkt), Zustand nach Myokardinfarkt – Fatigue und reduzierte Belastbarkeit im Rahmen kardialer Einschränkung oder postakuter Erholung [3]
- Myokarditis (Herzmuskelentzündung) – Fatigue, Belastungsintoleranz, Thoraxschmerz (Brustschmerz), Palpitationen, Dyspnoe oder Synkope nach Infekt [3]
- Perikarditis (Herzbeutelentzündung) – Fatigue, Thoraxschmerz, Fieber und Entzündungszeichen [3]
- Periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK; Schaufensterkrankheit) – eingeschränkte Gehstrecke, Belastungsschmerz und reduzierte körperliche Aktivität können Fatigue verstärken [3]
- Posturales Tachykardiesyndrom (POTS; Herzrasen beim Aufstehen) – häufige Komorbidität beziehungsweise Überlappung bei ME/CFS; orthostatische Tachykardie, Benommenheit, Palpitationen, kognitive Verschlechterung und Fatigue [1-5]
- Pulmonale Hypertonie (Lungenhochdruck) – Belastungsdyspnoe, Synkopen, Thoraxdruck und Fatigue [3]
Infektiöse und parasitäre Krankheiten (A00-B99)
- Borreliose/Lyme-Borreliose (durch Zecken übertragene bakterielle Infektion) – Differentialdiagnose bei passender Exposition (Aussetzung), Erythema migrans (Wanderröte), neurologischen, kardialen oder arthritischen Manifestationen (Gelenkentzündungszeichen); unspezifische Fatigue allein rechtfertigt keine ungezielte Serologie (Antikörperuntersuchung im Blut) [3]
- Brucellose (bakterielle Infektionskrankheit) – Fatigue, Fieber, Nachtschweiß, Arthralgien und Reise-/Tierexposition [3]
- Chronische Virushepatitis (chronische Leberentzündung durch Viren) – Fatigue, Leberwerterhöhung und extrahepatische Manifestationen (Beschwerden außerhalb der Leber) möglich [3]
- Cytomegalievirus-Infektion (Infektion mit dem Cytomegalievirus) – mononukleoseähnliches Krankheitsbild, insbesondere bei Immunsuppression (Unterdrückung des Abwehrsystems) oder prolongiertem Verlauf (verlängertem Verlauf) [3]
- Epstein-Barr-Virus-Infektion (Pfeiffersches Drüsenfieber, infektiöse Mononukleose) – postinfektiöse Fatigue möglich; bei chronischem Verlauf und PEM Abgrenzung gegenüber ME/CFS erforderlich [1-7]
- HIV-Infektion/AIDS – Fatigue durch chronische Infektion, opportunistische Infektionen (Infektionen bei Abwehrschwäche), Malignome (bösartige Tumoren), Anämie oder Arzneimittelnebenwirkungen [3]
- Influenza (Grippe) und andere akute Virusinfektionen – postinfektiöse Fatigue über Wochen möglich; Persistenz (Fortbestehen), PEM und Multisystemsymptomatik (Beschwerden mehrerer Organsysteme) sprechen für weiterführende Abklärung [1-7]
- Malaria (Wechselfieber) – Differentialdiagnose bei Fieber, Fatigue und passender Reiseanamnese [3]
- Parasitosen/Helminthiasis (Wurmerkrankung) – Fatigue bei Anämie, Eosinophilie (Vermehrung bestimmter weißer Blutkörperchen), gastrointestinalen Beschwerden oder Reise-/Expositionsanamnese [3]
- SARS-CoV-2-Infektion/Post-COVID-Syndrom – Fatigue und PEM können nach COVID-19 auftreten; ein Teil der Patienten erfüllt ME/CFS-Kriterien, weshalb eine strukturierte Abgrenzung und Komorbiditätserfassung erforderlich ist [4-7]
- Syphilis (Lues) – Differentialdiagnose bei neurologischen, okulären (die Augen betreffenden), dermatologischen (die Haut betreffenden) oder systemischen Manifestationen und entsprechender Risikoanamnese [3]
- Toxoplasmose (Infektion mit Toxoplasmen) – Fatigue bei akuter oder reaktivierter Infektion, insbesondere bei Immunsuppression [3]
- Tuberkulose (Schwindsucht) – Fatigue, Nachtschweiß, Gewichtsverlust, Fieber und pulmonale (die Lunge betreffende) oder extrapulmonale Manifestationen (Beschwerden außerhalb der Lunge) [3]
Leber, Gallenblase und Gallenwege – Pankreas (Bauchspeicheldrüse) (K70-K77; K80-K87)
- Chronische Hepatitis (chronische Leberentzündung) – Fatigue, Leberwerterhöhung, Ikterus, Arthralgien oder extrahepatische Manifestationen möglich [3]
- Leberinsuffizienz (Leberschwäche) – Fatigue, Ikterus, Gerinnungsstörung, Hypalbuminämie (zu wenig Albumin im Blut), Aszites (Bauchwasser) und hepatische Enzephalopathie (hirnbezogene Störung durch Lebererkrankung) [3]
- Leberzirrhose (Leberschrumpfung) – Fatigue durch chronische Entzündung, Mangelernährung, Anämie, Sarkopenie und portale Hypertension (Pfortaderhochdruck) [3]
- Nichtalkoholische Fettlebererkrankung/metabolische Dysfunktions-assoziierte steatotische Lebererkrankung (stoffwechselbedingte Fettlebererkrankung) – häufige Komorbidität bei metabolischem Syndrom; Fatigue möglich, aber unspezifisch [3]
- Primär biliäre Cholangitis (PBC; chronische Entzündung der kleinen Gallenwege) – cholestatische Autoimmunerkrankung (autoimmune Erkrankung mit Gallenstau) mit Fatigue und Pruritus (Juckreiz); besonders bei Frauen mittleren Alters relevant [3]
Mund, Ösophagus (Speiseröhre), Magen und Darm (K00-K67; K90-K93)
- Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (chronische Darmentzündungen) – Morbus Crohn und Colitis ulcerosa; Fatigue durch Entzündung, Anämie, Mangelzustände, Schlafstörung und Krankheitsaktivität [3]
- Gastrointestinale Malabsorption – Fatigue durch Eisen-, Vitamin-B12-, Folsäure-, Vitamin-D- oder Proteinmangel [3]
- Reizdarmsyndrom (nervöser Darm) – häufige Komorbidität bei ME/CFS; allein keine hinreichende Erklärung für PEM, aber relevant für Symptomlast und Lebensqualität [1-5]
- Zöliakie (gluteninduzierte Enteropathie; Glutenunverträglichkeit) – behandelbare Differentialdiagnose bei Fatigue, Eisenmangel, Diarrhoe (Durchfall), Gewichtsverlust, Blähungen, Osteopenie (verminderte Knochendichte) oder Autoimmunassoziation [3]
Muskel-Skelett-System und Bindegewebe (M00-M99)
- Fibromyalgie-Syndrom (Faser-Muskel-Schmerz-Syndrom) – häufige Überlappung mit ME/CFS; chronische generalisierte Schmerzen, Schlafstörung, kognitive Beschwerden und Fatigue, jedoch ist PEM gezielt zu erfragen [1-5]
- Kollagenosen (Bindegewebserkrankungen) [8]
- Dermatomyositis/Polymyositis (entzündliche Muskelerkrankungen) – Fatigue mit proximaler Muskelschwäche, Myalgien (Muskelschmerzen), Hautmanifestationen und Creatinkinase-Erhöhung
- Sjögren-Syndrom (autoimmune Trockenheitserkrankung) – Fatigue, Sicca-Symptomatik (Trockenheitsbeschwerden), Arthralgien und systemische Manifestationen
- Systemischer Lupus erythematodes (SLE; Schmetterlingsflechte) – Fatigue bei Krankheitsaktivität, Anämie, Nierenbeteiligung, Schmerz, Schlafstörung oder Therapieeffekten
- Systemische Sklerose (Sklerodermie) – Fatigue bei vaskulärer (gefäßbedingter), pulmonaler, gastrointestinaler oder muskuloskelettaler Beteiligung
- Polymyalgia rheumatica (entzündlicher Muskelrheumatismus) – Fatigue, Morgensteifigkeit, Schulter-/Beckengürtelschmerz und erhöhte Entzündungsparameter, vor allem im höheren Lebensalter [3]
- Psoriasisarthritis (Schuppenflechten-Gelenkentzündung) – Fatigue durch systemische Entzündung, Schmerz, Schlafstörung und Funktionseinschränkung [8]
- Rheumatoide Arthritis (chronische Gelenkentzündung) – Fatigue durch Inflammation, Schmerz, Anämie, Schlafstörung und Komorbidität [8]
- Spondyloarthritis/Morbus Bechterew (entzündliche Wirbelsäulenerkrankung) – Fatigue, entzündlicher Rückenschmerz, Morgensteifigkeit und extraartikuläre Manifestationen (Beschwerden außerhalb der Gelenke) [8]
- Vaskulitiden (Gefäßentzündungen) – Differentialdiagnose bei Fatigue mit Entzündungszeichen, Gewichtsverlust, Fieber, Neuropathie, Haut-, Nieren-, Lungen- oder HNO-Beteiligung [3]
Neubildungen – Tumorerkrankungen (C00-D48)
- Hämatologische Neoplasien (bösartige Bluterkrankungen) – insbesondere Leukämien (Blutkrebs), Lymphome (Lymphdrüsenkrebs), myelodysplastische Neoplasien, myeloproliferative Neoplasien (Knochenmarkerkrankungen mit vermehrter Zellbildung) und multiples Myelom (Knochenmarkkrebs); Fatigue durch Anämie, Entzündung, Knochenmarkinfiltration, Infekte oder Hyperviskosität (erhöhte Zähflüssigkeit des Blutes) [10]
- Hirntumoren (Geschwülste im Gehirn) – Differentialdiagnose bei fokal-neurologischen Defiziten (umschriebenen Nervenausfällen), Kopfschmerz, epileptischen Anfällen (Krampfanfällen), Wesensveränderung oder progredienter kognitiver Störung [3]
- Solide Tumorerkrankungen (feste Krebserkrankungen) aller Art – Fatigue als Tumorsymptom, paraneoplastisches Symptom (Begleitsymptom einer Krebserkrankung) oder Folge von Anämie, Inflammation, Gewichtsverlust, Schmerz, Schlafstörung oder Therapie [10]
- Tumortherapie-assoziierte Fatigue (krebstherapiebedingte Erschöpfung) – nach Chemotherapie (medikamentöser Krebsbehandlung), Radiotherapie (Strahlentherapie), Immuntherapie (Behandlung über das Abwehrsystem), antihormoneller Therapie oder zielgerichteter Therapie; Abgrenzung gegenüber ME/CFS anhand zeitlichem Zusammenhang, Entzündungs-/Organbefunden und PEM [10]
Psyche – Nervensystem (F00-F99; G00-G99)
- Alkoholabhängigkeit und Substanzgebrauchsstörungen (Suchtstörungen) – Fatigue durch Schlafstörung, Mangelzustände, Lebererkrankung, Intoxikation (Vergiftung), Entzug oder depressive Komorbidität [3]
- Angststörungen – Fatigue durch Hyperarousal (Übererregung), Schlafstörung, vegetative Symptome (Beschwerden des unwillkürlichen Nervensystems) und Vermeidungsverhalten; PEM ist nicht typisch [1-5]
- Anorexia nervosa (Magersucht) – Fatigue durch Mangelernährung, Elektrolytstörungen (Störungen der Blutsalze), endokrine Adaptation (hormonelle Anpassung) und Muskelabbau [3]
- Depressive Störungen – wichtige Differentialdiagnose; Anhedonie (Freudlosigkeit), Morgentief, Schuldgefühle und Suizidalität (Selbsttötungsgefährdung) sprechen eher für Depression, während PEM und orthostatische Intoleranz eher ME/CFS stützen [1-5]
- Demenzielle Erkrankungen (Erkrankungen mit geistigem Abbau) – kognitive Einschränkung und Antriebsminderung; progrediente Alltagsstörung und neuropsychologisches Profil beachten [3]
- Enzephalitis/Enzephalomyelitis (Gehirnentzündung/Rückenmarkentzündung), Zustand nach – Fatigue, kognitive Störung, neurologische Ausfälle und Belastungsintoleranz möglich [3, 7]
- Insomnie – nicht erholsamer Schlaf, Tagesmüdigkeit und kognitive Leistungsminderung; Schlafanamnese obligat [1-5]
- Morbus Parkinson (Schüttellähmung) – Fatigue, autonome Symptome (Beschwerden des unwillkürlichen Nervensystems), Schlafstörung, Depression und motorische Einschränkung (Bewegungseinschränkung) [3]
- Motoneuronenerkrankungen (Erkrankungen der Bewegungsnervenzellen) – Fatigue durch Muskelschwäche, respiratorische Einschränkung (Atemeinschränkung) und Schlafstörung; progrediente Paresen (fortschreitende Lähmungen) sind wegweisend [3]
- Multiple Sklerose (MS; Erkrankung mit Entzündungsherden im zentralen Nervensystem) – häufige neurologische Ursache von Fatigue; Abgrenzung durch Schub-/Progressionsmuster, neurologische Zeichen und Magnetresonanztomographie (MRT) [3]
- Myasthenia gravis (krankhafte Muskelschwäche) – belastungsabhängige, fluktuierende Muskelschwäche, okuläre Symptome (Augensymptome), Bulbärsymptome (Schluck- und Sprechbeschwerden) und Besserung in Ruhe [3]
- Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS; Traumafolgestörung) – Fatigue durch Hyperarousal, Schlafstörung, Intrusionen (sich aufdrängende Erinnerungen) und Komorbidität [3]
- Schlafapnoe-Syndrom – siehe Atmungssystem; bei Schnarchen, Atempausen, Adipositas, Hypertonie oder ausgeprägter Tagesschläfrigkeit gezielt abklären [1-5]
- Somatische Belastungsstörung/somatoforme Störungen (körperliche Beschwerden ohne ausreichende organische Erklärung) – Differentialdiagnose bei persistierenden körperlichen Beschwerden; ME/CFS darf jedoch nicht vorschnell psychogen (seelisch bedingt) eingeordnet werden [1-5]
- Zustand nach Apoplex (Schlaganfall) – post-stroke fatigue (Erschöpfung nach Schlaganfall) mit reduzierter Belastbarkeit, kognitiver Einschränkung und affektiver Komorbidität (Begleiterkrankung der Stimmung) [3]
Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett (O00-O99)
- Schwangerschaft – Fatigue häufig physiologisch, differentialdiagnostisch aber Anämie, Schilddrüsenfunktionsstörung, Hyperemesis (starkes Schwangerschaftserbrechen), Schlafstörung und Präeklampsie (Schwangerschaftsvergiftung) beachten [3]
- Postpartale Thyreoiditis (Schilddrüsenentzündung nach der Geburt) – Fatigue bei hyperthyreoter oder hypothyreoter Phase im Wochenbett [3]
- Wochenbettdepression – Fatigue, Schlafstörung, Antriebsminderung, Affektveränderung (Stimmungsveränderung) und psychosoziale Belastung [3]
Symptome und abnorme klinische und Laborbefunde, die anderenorts nicht klassifiziert sind (R00-R99)
- Chronische Schmerzen – Fatigue durch Schlafstörung, zentrale Sensitivierung (gesteigerte Schmerzempfindlichkeit des Nervensystems), reduzierte Aktivität und psychische Komorbidität [3]
- Gewichtsverlust, unklar – Red Flag (Warnzeichen) bei Fatigue; Abklärung auf Malignität (Bösartigkeit), Infektion, endokrine, gastrointestinale oder psychiatrische Ursachen [3]
- Nykturie (nächtliches Wasserlassen) – Schlafunterbrechung mit Tagesmüdigkeit; Ursachen sind u. a. Prostatahyperplasie (Prostatavergrößerung), Diabetes mellitus, Herzinsuffizienz, Schlafapnoe und Nierenfunktionsstörung [3]
- Sinusbradykardie (langsamer Herzrhythmus aus dem Sinusknoten) – Fatigue bei symptomatischer Bradykardie (zu langsamem Herzschlag), Sick-Sinus-Syndrom (Erkrankung des natürlichen Herzschrittmachers), Hypothyreose, Medikamenteneffekt oder hoher vagaler Aktivität (Aktivität des Ruhenervs) [3]
- Untergewicht – Fatigue durch Mangelernährung, Malabsorption, chronische Entzündung, Tumorerkrankung oder Essstörung [3]
Urogenitalsystem (Nieren, Harnwege – Geschlechtsorgane) (N00-N99)
- Chronische Niereninsuffizienz – Fatigue durch Urämie (Harnvergiftung), renale Anämie, Elektrolytstörungen, metabolische Azidose (stoffwechselbedingte Übersäuerung), Schlafstörung und kardiovaskuläre Komorbidität [3]
- Chronische Harnwegsinfektion/chronische Pyelonephritis (chronische Nierenbeckenentzündung) – Differentialdiagnose bei Fieber, Flankenschmerz, Dysurie (Schmerzen beim Wasserlassen), Bakteriurie (Bakterien im Urin) oder erhöhten Entzündungsparametern [3]
- Endometriose (Gebärmutterschleimhaut außerhalb der Gebärmutter) – Fatigue durch chronischen Schmerz, Entzündung, Schlafstörung und Blutungsstörungen [3]
- Prämenstruelles Syndrom (PMS; Beschwerden vor der Regelblutung) und prämenstruelle dysphorische Störung (schwere seelische Beschwerden vor der Regelblutung) – zyklische Fatigue, Schlafstörung, affektive Symptome und somatische Beschwerden [3]
Verletzungen, Vergiftungen und andere Folgen äußerer Ursachen (S00-T98)
- Hitzschlag und Sonnenstich, Zustand nach – Fatigue im Rahmen postakuter Erholung; persistierende neurologische, renale oder thermoregulatorische Störungen (Störungen der Temperaturregulation) beachten [3]
- Schädel-Hirn-Trauma (SHT; Kopf-Hirn-Verletzung), Zustand nach – posttraumatische Fatigue (Erschöpfung nach Verletzung), Kopfschmerz, Schlafstörung, kognitive Einschränkung und affektive Symptome [3]
Operationen
- Größere Operationen, Zustand nach – postoperative Fatigue (Erschöpfung nach Operation) über Wochen bis Monate möglich; Ursachen sind Blutverlust, Anämie, Entzündung, Schmerz, Schlafstörung, Immobilisation (Ruhigstellung), Mangelernährung und Komplikationen [3]
- Intensivmedizinische Behandlung, Zustand nach – Post-Intensive-Care-Syndrom (Beschwerden nach Intensivbehandlung) mit Fatigue, Muskelschwäche, kognitiver Störung, Schlafstörung und psychischer Belastung [3]
Medikamente
- Antidepressiva (Medikamente gegen Depressionen) – insbesondere trizyklische Antidepressiva, sedierende Antidepressiva, Mirtazapin, Trazodon und einzelne Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (Medikamente mit Wirkung auf Botenstoffe im Gehirn); Fatigue durch Sedierung (Dämpfung), Schlafarchitekturveränderung (Veränderung der Schlafstruktur) oder orthostatische Effekte [3]
- Antiepileptika/Antikonvulsiva (Medikamente gegen Krampfanfälle) – z. B. Carbamazepin, Gabapentin, Pregabalin, Valproat, Levetiracetam, Phenytoin, Phenobarbital; Müdigkeit, Schwindel und kognitive Verlangsamung möglich [3]
- Antihistaminika (Allergiemedikamente) – insbesondere sedierende H1-Antihistaminika wie Diphenhydramin, Dimenhydrinat, Doxylamin, Promethazin, Clemastin oder Hydroxyzin [3]
- Antihypertensiva (Blutdrucksenker) – Betablocker, Alpha-Blocker, zentrale Alpha-2-Agonisten, Methyldopa und Vasodilatatoren (gefäßerweiternde Medikamente) können Müdigkeit, Hypotonie oder Leistungsabfall verursachen [3]
- Antipsychotika (Neuroleptika; Medikamente gegen Psychosen) – insbesondere sedierende Substanzen wie Quetiapin, Olanzapin, Clozapin, Melperon oder Promethazin; Fatigue durch Sedierung, Gewichtszunahme, metabolische Effekte oder extrapyramidale Symptome (Bewegungsstörungen) [3]
- Antitussiva (Hustenstiller) und Opioide (starke Schmerzmittel) – Codein, Dihydrocodein, Morphin, Oxycodon, Hydromorphon, Fentanyl, Tramadol, Tilidin und weitere Opioide; Sedierung, Schlafstörung, Atemdepression (verminderter Atemantrieb) und endokrine Effekte möglich [3]
- Benzodiazepine (Beruhigungsmittel) und Z-Substanzen (Schlafmittel) – Tagesmüdigkeit, kognitive Einschränkung, Sturzrisiko und Abhängigkeitspotential [3]
- Cannabinoide (cannabisähnliche Wirkstoffe) – Cannabidiol, Dronabinol, Nabilon und Nabiximols; Sedierung, Schwindel und kognitive Beeinträchtigung möglich [3]
- Checkpointinhibitoren (Immuntherapie-Medikamente gegen Krebs) – Fatigue als Nebenwirkung oder als Hinweis auf immunvermittelte Endokrinopathien (hormonelle Erkrankungen durch Immunreaktion), Myokarditis, Hepatitis, Pneumonitis (Lungenentzündung) oder andere immune-related adverse events (immunvermittelte Nebenwirkungen) [10]
- Hormontherapien – Antiandrogene (Medikamente gegen männliche Geschlechtshormone), Gestagene (Gelbkörperhormone), GnRH-Analoga (Hormonsteuerungsmedikamente) und antihormonelle Tumortherapien können Fatigue, Schlafstörung, depressive Symptome und metabolische Effekte verursachen [10]
- Immunmodulatoren (Medikamente zur Beeinflussung des Abwehrsystems) und Interferone – ausgeprägte Fatigue, grippeähnliche Symptome, Depression und Blutbildveränderungen möglich [3, 10]
- Onkologische Systemtherapien (medikamentöse Krebsbehandlungen) – Zytostatika (zellwachstumshemmende Medikamente), Tyrosinkinaseinhibitoren (zielgerichtete Krebsmedikamente), monoklonale Antikörper (künstlich hergestellte Abwehrstoffe) und antihormonelle Therapien; Tumor- und therapieassoziierte Fatigue häufig [10]
- Protonenpumpenhemmer (Säureblocker) – keine typische direkte Fatigue-Ursache; bei Langzeitanwendung indirekt über Hypomagnesiämie (Magnesiummangel im Blut), Vitamin-B12-Mangel oder Eisenmangel zu prüfen [3]
- Sedierende Phytotherapeutika (beruhigende pflanzliche Arzneimittel) – Baldrian, Passionsblume und sedierende Kombinationspräparate können Tagesmüdigkeit verstärken [3]
Umweltbelastungen – Intoxikationen
- Arsenexposition (Arsenbelastung) – chronische Fatigue bei langfristiger Exposition möglich; zusätzlich Hautveränderungen, Polyneuropathie, gastrointestinale Beschwerden und Leber-/Nierenbeteiligung beachten [3]
- Blei- und Cadmiumexposition (Blei- und Cadmiumbelastung) – Fatigue durch Anämie, Neuropathie, Nierenbeteiligung oder systemische Toxizität (Giftwirkung im ganzen Körper) [3]
- Kohlenmonoxidexposition (Kohlenmonoxidbelastung) – Fatigue, Kopfschmerz, Schwindel, kognitive Störung und Belastungsintoleranz; relevante Differentialdiagnose bei häuslicher oder beruflicher Exposition [3]
- Lösungsmittel und Kohlenwasserstoffe – Fatigue, neurokognitive Beschwerden (Beschwerden von Nerven und geistiger Leistungsfähigkeit), Kopfschmerzen und Polyneuropathie bei relevanter beruflicher oder häuslicher Exposition [3]
- Quecksilberexposition (Quecksilberbelastung) – Fatigue, Tremor, neuropsychiatrische Symptome, Gingivitis (Zahnfleischentzündung) und Nierenbeteiligung bei relevanter Exposition; Amalgam allein ist ohne Expositions- und Befundkonstellation keine ausreichende Erklärung [3]
Weiteres
- Bewegungsmangel/Dekonditionierung (Abbau der körperlichen Belastbarkeit) – kann Fatigue verstärken, erklärt aber eine typische PEM nicht ausreichend; bei gesichertem ME/CFS keine starre aktivitätssteigernde Therapie nach Dekonditionierungsmodell [1, 4, 5]
- Primäre chronische Fatigue ohne ME/CFS-Kriterien – chronische Fatigue ohne typische PEM, ohne multisystemische Symptomkonstellation und ohne ausreichende Kriterien für ME/CFS [1-5]
Klinischer Hinweis: Ein spezifischer, in der Routine etablierter diagnostischer Biomarker (Messwert zur Krankheitserkennung) für ME/CFS steht weiterhin nicht zur Verfügung. Neue biomarkerbasierte Ansätze, darunter epigenetische Bluttests (Bluttests zu Genregulationsmustern), sind wissenschaftlich relevant, benötigen aber unabhängige externe Validierung (Bestätigung) in breiteren Patientenkollektiven und sind derzeit nicht als alleinige Routinediagnostik anzusehen [1, 2, 9].
Literatur
- National Institute for Health and Care Excellence (NICE). Myalgic encephalomyelitis (or encephalopathy)/chronic fatigue syndrome: diagnosis and management. NICE guideline NG206. Published 29 October 2021; last reviewed 24 January 2025. https://www.nice.org.uk/guidance/ng206
- Centers for Disease Control and Prevention (CDC). Diagnosing ME/CFS. Updated 13 May 2024. https://www.cdc.gov/me-cfs/hcp/diagnosis/index.html
- Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM). Müdigkeit. S3-Leitlinie. AWMF-Register-Nr. 053-002. Version 5.0, Stand 23.12.2022, gültig bis 22.12.2027. https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/053-002
- Bateman L, Bested AC, Bonilla HF, Chheda BV, Chu L, Curtin JM et al.: Myalgic Encephalomyelitis/Chronic Fatigue Syndrome: Essentials of Diagnosis and Management. Mayo Clin Proc. 2021;96(11):2861-2878. https://doi.org/10.1016/j.mayocp.2021.07.004
- Grach SL, Seltzer J, Chon TY, Ganesh R. Diagnosis and Management of Myalgic Encephalomyelitis/Chronic Fatigue Syndrome. Mayo Clin Proc. 2023;98(10):1544-1551. https://doi.org/10.1016/j.mayocp.2023.07.032
- Davis HE, McCorkell L, Vogel JM, Topol EJ. Long COVID: major findings, mechanisms and recommendations. Nat Rev Microbiol. 2023;21(3):133-146. https://doi.org/10.1038/s41579-022-00846-2
- Choutka J, Jansari V, Hornig M, Iwasaki A. Unexplained post-acute infection syndromes. Nat Med. 2022;28(5):911-923. https://doi.org/10.1038/s41591-022-01810-6
- Dures E, Farisoğulları B, Santos EJF, Molto A, Feldthusen C, Harris C et al.: 2023 EULAR recommendations for the management of fatigue in people with inflammatory rheumatic and musculoskeletal diseases. Ann Rheum Dis. 2024;83(10):1260-1267. https://doi.org/10.1136/ard-2023-224514
- Hunter E, Alshaker H, Bundock O, Weston C, Bautista S, Gebregzabhar A, et al.: Development and validation of blood-based diagnostic biomarkers for Myalgic Encephalomyelitis/Chronic Fatigue Syndrome (ME/CFS) using EpiSwitch® 3-dimensional genomic regulatory immuno-genetic profiling. J Transl Med. 2025;23:1048. https://doi.org/10.1186/s12967-025-07203-w
- Fabi A, Bhargava R, Fatigoni S, Guglielmo M, Horneber M, Roila F et al.: Cancer-related fatigue: ESMO Clinical Practice Guidelines for diagnosis and treatment. Ann Oncol. 2020;31(6):713-723. https://doi.org/10.1016/j.annonc.2020.02.016