South-Beach-Diät

Die South-Beach-Diät ist ein populäres, phasenbasiertes Ernährungsprogramm mit anfänglich stark reduzierter Kohlenhydratzufuhr und Fokus auf „gute“, das sind komplexe Kohlenhydrate (Polysaccharide/Mehrfachzucker), sowie einer betonten Fettqualität (v. a. ungesättigte Fettsäuren (einfach bzw. mehrfach ungesättigte Fettsäuren/MUFA bzw. PUFA)).

Einzuordnen ist sie primär als Lifestyle-Konzept zur Gewichtsreduktion und zur Verbesserung wichtiger Stoffwechsel- und Herz-Kreislauf-Risikofaktoren. Sie ist keine leitliniengestützte therapeutische Diät im engeren Sinne, kann aber Elemente enthalten, die mit leitliniennahen Prinzipien kompatibel sind (z. B. Qualität der Fette, Ballaststofffokus) [1].

Entstehung und wissenschaftliche Grundlagen

Die South-Beach-Diät wurde Anfang der 2000er Jahre als herzfreundlichere Alternative zu sehr strikt kohlenhydratarmen Diäten popularisiert und verknüpft zwei Grundideen:

  1. Frühe Kohlenhydratreduktion zur schnellen Appetit- und Glucosekontrolle
  2. Späterer Fokus auf Kohlenhydratqualität (niedriger glykämischer Index/glykämische Last) sowie ungesättigte Fettsäuren

Die medizinische Begründung stützt sich auf bekannte Zusammenhänge zwischen der Zusammensetzung der Ernährung, dem Sättigungsgefühl und der aufgenommenen Energiemenge. Zusätzlich werden die Stoffwechselreaktionen nach den Mahlzeiten berücksichtigt, insbesondere die Auswirkungen verschiedener Lebensmittel auf Blutzucker- und Insulinspiegel.

Zielsetzung der Diät

Ziel ist überwiegend eine Gewichtsreduktion (kurzfristig oft rasch), eine Verbesserung kardiometabolischer Parameter (v. a. Triglyceride, HDL-Cholesterin, Nüchternglucose, HbA1c (Langzeitblutzuckerwert) bei entsprechender Ausgangslage) sowie eine Reduktion von Heißhunger durch stabilere Blutzucker- und Insulinverläufe.

Als mögliche therapeutisch orientierte Anwendung wird die Diät häufig bei Prädiabetes oder Typ-2-Diabetes diskutiert, ohne dass sie hierfür als spezifische Intervention leitlinienbasiert empfohlen wäre.

Bei medizinischer Anwendung sollten Zielparameter (z. B. Körpergewicht/BMI (Body-Mass-Index/Körpermassen-Index), Taillenumfang, HbA1c, Nüchternglucose, Blutdruck, LDL-Cholesterin, Triglyceride) vorab definiert, Verlaufskontrollen geplant und medikamentöse Anpassungen strukturiert berücksichtigt werden [4].

Grundprinzipien

Kernprinzip ist eine Phasenlogik mit anfänglich strikter Kohlenhydratreduktion und späterer, qualitativ gelenkter Kohlenhydratzufuhr bei gleichzeitigem Fokus auf gesunde Fette und ausreichend Proteinen (Eiweiß).

Typisch ist:

  • Phase 1 (Initialphase, meist ca. 2 Wochen): sehr starke Reduktion schnell verfügbarer Kohlenhydrate (Mono- und Disaccharide (Einfach- und Zweifachzucker), z. B. enthalten in Weißmehlprodukten, Süßigkeiten), um Appetit und Blutzuckerspitzen zu senken
  • Phase 2 (Reduktionsphase): schrittweise Wiedereinführung kohlenhydratreicherer Lebensmittel in günstiger Form (v. a. ballaststoffreich, komplexe Kohlenhydrate, weil niedriger GI/GL), weiter energiereduziert zur Gewichtsabnahme
  • Phase 3 (Erhaltungsphase): langfristige Stabilisierung mit weiterhin selektiver Kohlenhydratqualität und hoher Priorität für ungesättigte Fettsäuren

In der Regel werden drei Hauptmahlzeiten plus optional ein bis zwei Snacks verzehrt. Häufig wird eine protein- und fetthaltigere Struktur genutzt, um die Sättigung zu erhöhen.

Angestrebte Wirkmechanismen

Die erwarteten Effekte lassen sich überwiegend durch bekannte, pathophysiologisch plausible Mechanismen erklären:

  • Kohlenhydratreduktion in der Initialphase
    • Geringere postprandiale Glucose- und Insulinspitzen (geringerer Anstieg von Blutzucker und Insulin nach dem Essen)
    • Häufig spontane Energieaufnahme ↓ durch Sättigungszunahme und eingeschränkte Verfügbarkeit hochverarbeiteter Kohlenhydratquellen
    • Kurzfristig können sich bei Typ-2-Diabetes HbA1c und Remissionsraten verbessern.
    • Effekte nehmen langfristig oft ab und hängen stark von Umsetzbarkeit und der anschließenden Ernährungsqualität ab [2, 4].
  • Betonung von Lebensmitteln mit niedrigem glykämischen Index/glykämischer Last in späteren Phasen
    • Zusammenfassende Auswertungen hochwertiger Studien zeigen kleine, aber klinisch relevante Verbesserungen der glykämischen Kontrolle und einzelner kardiometabolischer Risikofaktoren bei Diabetes (z. B. HbA1c, Blutlipide, Entzündungsmarker) [5].
  • Hoher Fettanteil
    • Mit höherem Fettanteil verschiebt sich die physiologische und klinische Relevanz hin zum Lipidstoffwechsel.
    • Mehrfach ungesättigte Fettsäuren sind im Vergleich zu gesättigten Fetten kardiovaskulär günstiger.
    • Bei fettreicheren Mustern ist die Auswahl der Fettquellen daher besonders entscheidend [1].
  • Warum ein gewisser Kohlenhydratanteil sinnvoll ist
    • Kohlenhydrate liefern u. a. Ballaststoffe (Vollkorn, Hülsenfrüchte, Obst, Gemüse), Mikronährstoffe (Vitalstoffe) und fördern Darmgesundheit sowie langfristige Umsetzbarkeit. Die South-Beach-Logik bildet dies über die Phasen 2 und 3 (Qualität statt „Null-Carb“) ab [1, 3].

Zielgruppen und Ausschlusskriterien

Die South-Beach-Diät kann für bestimmte Personengruppen praktikabel sein, erfordert aber je nach Komorbidität (Begleiterkrankung) Anpassungen und Monitoring.

Geeignete Zielgruppen

  • Erwachsene mit Übergewicht/Adipositas ohne relevante Kontraindikationen, die von klaren Regeln und Phasen profitieren
  • Personen mit hoher Zufuhr an Zucker und raffinierten Stärkeprodukten
  • Personen mit Prädiabetes oder Typ-2-Diabetes im Rahmen eines strukturierten Ernährungskonzepts (mit Therapieanpassung/Monitoring) [4]

Eingeschränkte Eignung

  • Menschen mit ausgeprägter LDL-Erhöhung unter fettreicheren Kostformen („LDL-Responder“), insbesondere bei hoher Zufuhr gesättigter Fettsäuren [6]
  • Personen mit Essstörungen oder stark restriktionsgetriggertem Essverhalten
  • Hochbetagte, Frailty (Gebrechlichkeit im höheren Lebensalter): Risiko zu niedriger Energie- und Protein-/Mikronährstoffzufuhr bei schlecht geplanter Restriktion

Altersgruppen/Sondersituationen

  • Schwangerschaft, Stillzeit: restriktive Initialphase meist nicht sinnvoll; wenn überhaupt, dann nur als ausgewogenes Qualitätskonzept und medizinisch abgestimmt
  • Kinder, Jugendliche: restriktive Diätphasen grundsätzlich nicht ohne pädiatrische bzw. ernährungsmedizinische Indikation und Kontrolle

Je mehr Medikation (insbesondere blutzuckersenkende Therapie) und je höher das kardiovaskuläre Risiko, desto wichtiger sind Individualisierung, Zielwerte und Verlaufskontrollen [4].

Durchführung und Ablauf der Diät

Die Vorbereitung umfasst das Entfernen typischer Trigger-Lebensmittel (Zuckergetränke, Süßwaren, Weißmehlprodukte), eine Einkaufsplanung für protein- und gemüsebasierte Mahlzeiten sowie das Festlegen einfacher Standardmahlzeiten für die ersten 14 Tage.

Typische Fehler zu Beginn sind zu geringe Ballaststoffzufuhr (Obstipation/Verstopfung), zu hoher Anteil gesättigter Fettsäuren (z. B. viel fettes Fleisch, Butter, Käse) sowie „versteckte“ Kohlenhydrate in Snacks und Convenience-Produkten.

Sinnvoll ist eine Übergangsphase aus Phase 1 in Phase 2 mit gezielter Wiedereinführung ballaststoffreicher Kohlenhydratquellen (z. B. Hülsenfrüchte, Vollkornanteile), um die Diät langfristig tragfähig zu machen.

Ein praktikabler Schritt-für-Schritt-Ablauf:

  1. Eine Woche Planung: Einkaufsliste, 5-7 wiederholbare Gerichte, Proteinsnacks/Notfalloptionen
  2. Phase 1: Tellerlogik (Protein + viel Gemüse + ungesättigte Fette), keine „Snack-Kohlenhydrate“
  3. Phase 2: pro Woche 1-2 Kohlenhydratportionen als „Qualitätskohlenhydrate“ hinzufügen; Zielparameter (Gewicht, ggf. Glucose) verfolgen
  4. Phase 3: individuelle Erhaltungszufuhr, Fokus auf Routinen, Portionslogik und Lebensmittelqualität

Dauer:

  • Häufig 2 Wochen strikt (Phase 1)
  • Danach mehrere Wochen/Monate bis Zielgewichtsbereich
  • Erhaltung idealerweise dauerhaft als weniger restriktives Qualitätsmuster

Bei medizinischer Anwendung (z. B. Typ-2-Diabetes) ist eine strukturierte Umsetzung mit geplanter Anpassung blutzuckersenkender Therapie sinnvoll, da der Bedarf rasch sinken kann [4].

Empfohlene Lebensmittel

Die Auswahl der Lebensmittel orientiert sich an zwei zentralen Kriterien:

  1. einem niedrigen glykämischen Index (GI) bzw. einer geringen glykämischen Last (GL) → langsamerer Blutzuckeranstieg
  2. einer günstigen Fettqualität durch überwiegend ungesättigte Fettsäuren

Zur besseren Einordnung von Punkt 1 ist ein kurzer Blick auf die Begriffe glykämischer Index und glykämische Last hilfreich: Der glykämische Index gibt an, wie schnell ein kohlenhydrathaltiges Lebensmittel den Blutzucker ansteigen lässt. Die glykämische Last berücksichtigt zusätzlich die verzehrte Menge und beschreibt damit realistischer, wie stark der Blutzucker nach einer Mahlzeit tatsächlich ansteigt. Für den Alltag ist daher die glykämische Last oft aussagekräftiger als der glykämische Index.

Beispielsweise haben Karotten oder Wassermelone zwar einen relativ hohen glykämischen Index, führen aufgrund ihres geringen Kohlenhydratgehalts pro Portion jedoch nur zu einem geringen Blutzuckeranstieg (niedrige glykämische Last). Umgekehrt verursachen große Portionen weißer Reis, Kartoffelpüree oder Weißbrot sowohl durch ihren hohen glykämischen Index als auch durch die hohe verzehrte Kohlenhydratmenge einen deutlichen Anstieg von Blutzucker und Insulin.

Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte, Gemüse sowie Obst in moderaten Portionen weisen in der Regel eine niedrigere glykämische Last auf, insbesondere wenn sie mit Eiweiß und Fett kombiniert werden, etwa in Form einer Mahlzeit mit Gemüse, Hülsenfrüchten und Olivenöl.

Bevorzugte Lebensmittelgruppen

  • Gemüse (niedrige glykämische Last):
    Brokkoli, Zucchini, Paprika, Tomaten, Blattgemüse, Gurken, Auberginen, Pilze
    → hoher Ballaststoffgehalt, kaum Blutzuckerspitzen
  • Proteinreiche Lebensmittel mit neutralem glykämischem Effekt:
    Fisch (insbesondere fettreicher Seefisch), Geflügel, Eier, Hülsenfrüchte (ab Phase 2), naturbelassene Milchprodukte
    → gute Sättigung, stabiler Blutzucker
  • Fettquellen mit überwiegend ungesättigten Fettsäuren:
    Olivenöl, Rapsöl, Nüsse (z. B. Mandeln, Walnüsse), Samen (z. B. Leinsamen, Chiasamen), Avocado
    → günstig für Blutfette und Herz-Kreislauf-Risiko
  • Kohlenhydratquellen mit niedriger glykämischer Last (ab Phase 2/3):
    Vollkornprodukte in moderaten Mengen, Hülsenfrüchte, Beeren, Äpfel, Birnen
    → langsamer Blutzuckeranstieg durch Ballaststoffe und Struktur

Typische, geeignete Kombinationen

  • Gemüsepfanne mit Olivenöl und Fisch
  • Salat mit Hülsenfrüchten, Nüssen und Rapsöl-Dressing
  • Naturjoghurt/Skyr mit Beeren und Samen
  • Vollkornbeilage in kleiner Portion, kombiniert mit Protein und Fett

Je stärker Lebensmittel kombiniert werden (Kohlenhydrate + Ballaststoffe + Fett + Protein), desto niedriger fällt die glykämische Last der Mahlzeit aus.

Nicht empfohlene bzw. einzuschränkende Lebensmittel

Zu meiden – insbesondere in Phase 1

  • Kohlenhydratquellen mit hoher glykämischer Last:
    Zuckerhaltige Getränke, Süßigkeiten, Weißmehlprodukte, Gebäck, Cornflakes, weißer Reis
    → rascher Blutzucker- und Insulinanstieg
  • Stark verarbeitete Lebensmittel:
    Fertiggerichte, Snacks, Fast Food
    → Kombination aus schnell verfügbaren Kohlenhydraten und ungünstigen Fetten

Einzuschränken – auch in späteren Phasen

  • Stärkehaltige Beilagen in großen Portionen:
    Kartoffeln, Reis, Pasta
    → möglich ab Phase 2, aber portionskontrolliert und bevorzugt in Vollkornform
  • Fettquellen mit hohem Anteil gesättigter Fettsäuren:
    Fettreiches Fleisch, Wurstwaren, Butter, Schmalz, stark fetter Käse
    → möglicher LDL-Cholesterin-Anstieg bei fettreicher Gesamtzufuhr
  • Kohlenhydrat-Fett-Kombinationen mit hoher Energiedichte:
    Süßes Gebäck, Chips, Pommes
    → hohe Kaloriendichte bei geringer Sättigung

Entscheidend ist nicht das einzelne Lebensmittel, sondern die typische Mahlzeitenzusammensetzung: Hochverarbeitete Kohlenhydrate, kombiniert mit gesättigten Fettsäuren, wirken metabolisch besonders ungünstig.

Praktische Tipps zur Umsetzung im Alltag

  • Einkauf und Vorratshaltung gelingen am besten über Standardbausteine: TK-Gemüse, Salate, Eier, Fischkonserven, Joghurt/Skyr, Hülsenfrüchte (Dose/Glas), Nüsse/Samen, Olivenöl/Rapsöl, Vollkornprodukte für Phase 2 und 3
  • Für die Zubereitung sind einfache Routinen hilfreich (Blechgemüse + Protein, Salat + Protein, Pfanne mit Gemüse + Ei/Fisch).
  • Alltagstauglichkeit steigt, wenn soziale Situationen eingeplant werden: in Restaurants Gemüsebeilage priorisieren, Proteinquelle wählen, Soße separat, Brot/Beilagen nach Phase und Zielmenge
  • Beruflich bewähren sich „Notfalloptionen“ (Joghurt, Nüsse, Gemüse, hartgekochte Eier), um impulsive Snacks zu vermeiden.

Ernährungsphysiologische Bewertung

Ernährungsphysiologisch ist die South-Beach-Diät durch eine anfänglich stark reduzierte Kohlenhydratzufuhr und einen relativ hohen Fettanteil geprägt, später mit Wiedereinführung hochwertiger Kohlenhydrate. Die anfängliche Kohlenhydratreduktion kann kurzfristig die Energieaufnahme senken und glykämische Schwankungen reduzieren, birgt aber das Risiko, Ballaststoffe und bestimmte Mikronährstoffe (Vitalstoffe) zu unterschreiten, wenn Gemüse, Hülsenfrüchte (später) und Vollkorn konsequent fehlen.

In der Praxis sind viele der gesundheitlich relevanten Kohlenhydratquellen gleichzeitig Ballaststoff- und Mikronährstoffträger (Vollkorn, Hülsenfrüchte, Obst, Gemüse). Eine komplette oder langfristig sehr starke Einschränkung erschwert häufig eine ausreichende Ballaststoffzufuhr und kann die Lebensmittelauswahl unnötig verengen. Das Konzept ist daher physiologisch am plausibelsten, wenn die Phasen 2 und 3 tatsächlich ballaststoffreiche Kohlenhydrate integrieren und nicht „dauerhaft Phase 1“ gelebt wird [1, 5].

Mehr Fett erhöht die Energiedichte und verschiebt die klinische Relevanz zur Fettqualität. Bei hoher Zufuhr gesättigter Fettsäuren kann das LDL-Cholesterin steigen. Bei Fokus auf ungesättigten Fettsäuren ist das kardiometabolische Profil meist günstiger. Deshalb ist „Fettqualität“ bei diesem Diätmuster nicht Nebensache, sondern zentral [1, 6].

Makro-/Mikronährstoffkritikpunkte sind individuell:

  • Ballaststoffe: häufig zu niedrig in Phase 1
  • Kalium/Magnesium/Folsäure: bei zu wenig Gemüse/Hülsenfrüchten
  • Potentiell zu hoher Anteil gesättigter Fette: bei viel Fleisch und Käse

Protein ist meist ausreichend. Bei älteren Menschen sollte dennoch auf ausreichende Gesamtenergie und proteinreiche, zugleich fettqualitativ günstige Quellen geachtet werden.

Medizinische Risiken und mögliche Komplikationen

Kurzfristig können Umstellungsbeschwerden auftreten (Kopfschmerz, Müdigkeit, Obstipation (Verstopfung), Leistungsknick), oft getrieben durch reduzierte Ballaststoffzufuhr, Flüssigkeits-/Elektrolytverschiebungen und sehr niedrige Kohlenhydratmengen in Phase 1.

Bei Typ-2-Diabetes kann die Glucose rasch sinken. Das ist therapeutisch erwünscht, erhöht aber das Risiko für Hypoglykämien (Unterzuckerungen), wenn Insulin oder Sulfonylharnstoffe ohne Anpassung weitergeführt werden [4].

Bei fettreicher Auslegung und hoher Zufuhr gesättigter Fette kann LDL-Cholesterin ansteigen. Die LDL-Reaktion auf Low-Carb-Muster ist heterogen und kann bei bestimmten Subgruppen deutlich ausfallen [6].

Langfristig stehen Risiken durch einseitige Umsetzung im Vordergrund: zu wenig Ballaststoffe, zu geringe Vielfalt pflanzlicher Lebensmittel, ungünstige Fettsäurezusammensetzung, dadurch potentiell ungünstige Effekte auf Lipide, Darmfunktion und Nachhaltigkeit.

Relevante Wechselwirkungen/klinische Punkte können sein:

  • Antidiabetika/Insulin: Dosisanpassung und engmaschige Selbstmessung (kontinuierliche Glucosemessung) in der Umstellungsphase, v. a. bei Insulin/Sulfonylharnstoffen [4]
  • Lipidmanagement: Bei LDL-Cholesterin-Anstieg Überprüfung der Fettquellen (gesättigt vs. ungesättigt), ggf. Umstellung des Musters; bei anhaltend hohem LDL-Cholesterin konsequente kardiovaskuläre Risikostratifizierung [1, 6].
  • Obstipation: Ballaststoffe und Flüssigkeit aktiv planen, Phase-2-Elemente ggf. früher einführen (Gemüse, Hülsenfrüchte in kleinen Mengen, ballaststoffreiche Beilagen) [1]

Kontraindikationen (Gegenanzeigen)

Bei folgenden Situationen ist eine ärztliche Rücksprache vor der Umsetzung sinnvoll – teils sollte auf dieses Diätmuster verzichtet werden.

Absolute Kontraindikationen

  • Keine „absoluten“ Kontraindikationen im engeren Sinn für jede Ausprägung, aber restriktive Phase-1-Varianten sind bei bestimmten Konstellationen medizinisch nicht vertretbar (siehe relative Kontraindikationen).

Relative Kontraindikationen (ggf. mit Monitoringbedarf)

  • Typ-1-Diabetes oder insulinpflichtiger Typ-2-Diabetes ohne engmaschiges Monitoring und strukturierte Anpassung der Therapie [4]
  • Schwangerschaft, Stillzeit (restriktive Initialphase), Wachstumsalter (Kinder, Jugendliche)
  • Ausgeprägte Hypercholesterinämie bzw. hohes Risiko für atherosklerotische Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei zu erwartender fettreicher, gesättigt-fettreicher Umsetzung (LDL-Cholesterin-Anstieg möglich) [1, 6]
  • Essstörungen oder stark restriktionsgetriggertes Essverhalten

Vorteile

Mögliche Vorteile ergeben sich vor allem dann, wenn die Diät als strukturiertes „Qualitätsprogramm“ umgesetzt wird.

  • Rasche Reduktion von Zucker/Weißmehl und dadurch häufig spontane Kalorienreduktion
  • Kurzfristige Verbesserung glykämischer Parameter bei Typ-2-Diabetes, abhängig von Adhärenz und Medikamentenmanagement [2, 4]
  • Potentiell günstige Effekte auf Triglyceride/HDL-Cholesterin unter kohlenhydratärmeren Mustern [2]
  • Kurzfristige Nutzen
    • Klare Regeln in Phase 1 können Entscheidungsstress reduzieren
    • Appetit/Heißhunger können in der Startphase abnehmen (nicht bei allen)

Der Nutzen ist am stabilsten, wenn die Phasen 2 und 3 tatsächlich ballaststoffreiche Kohlenhydrate und ungesättigte Fettquellen verankern [1, 5].

Nachteile

  • Einschränkungen:
    • Phase 1 ist restriktiv und sozial/beruflich oft schwer umsetzbar
    • Risiko von Obstipation/zu niedriger Ballaststoffzufuhr bei unzureichendem Gemüsefokus
  • Einseitigkeit:
    • Wenn „Low-Carb“ primär über tierische Fettquellen realisiert wird, steigt das Risiko ungünstiger Lipidveränderungen (LDL-Cholesterin-Anstieg) [6]
    • Gefahr, dass Qualitätskohlenhydrate dauerhaft gemieden werden und damit Vielfalt/Mikronährstoffe sinken
  • Langfristige Umsetzbarkeit:
    • Nachhaltigkeit hängt stark davon ab, ob Phase 3 als langfristig ausgewogenes Muster gelingt; sonst Jojo-Risiko wie bei anderen restriktiven Diäten

In der Praxis kippt das Konzept häufig dann, wenn Phase 1 zum Dauerzustand wird oder Fettqualität nicht konsequent gesteuert wird [1, 6].

Wissenschaftliche Einordnung

Zur South-Beach-Diät als spezifischem Markenprogramm fehlen robuste, unabhängige Langzeitstudien mit harten klinischen Endpunkten. Die Plausibilität und Bewertung stützen sich deshalb auf Evidenz zu Bausteinen: Low-Carb-Ansätze und Fettqualität. Metaanalysen zeigen, dass kohlenhydratärmere Diäten bei Typ-2-Diabetes kurzfristig Remissionen und glykämische Kontrolle verbessern können, wobei Vorteile nach 12 Monaten oft geringer werden und Adhärenz entscheidend ist [2].
Low-GI/GL-Muster zeigen in Metaanalysen kleine, konsistente Verbesserungen glykämischer Kontrolle und kardiometabolischer Risikofaktoren bei Diabetes [5] sowie teils Vorteile bei Adipositas (v. a. bei BMI ≥ 30 kg/m²) [3].

Gleichzeitig ist die LDL-Cholesterin-Reaktion auf kohlenhydratärmere Muster heterogen und kann in bestimmten Gruppen deutlich ansteigen, was klinisch relevante Monitoring- und Anpassungsnotwendigkeit bedeutet [6]. Fachgesellschaftliche Statements zur kardiovaskulären Prävention betonen insgesamt weniger die Makronährstoff-„Etiketten“ als die Qualität des Ernährungsmusters (ungesättigte Fettsäuren, Ballaststoffe, wenig ultraverarbeitete Produkte, wenig gesättigte Fettsäuren) – damit sind „gute“ Varianten des South-Beach-Musters kompatibel, „fleisch-/käselastige“ Varianten eher nicht [1].

Fazit

Kurzfristig kann die South-Beach-Diät als strukturierende Startintervention funktionieren, besonders wenn der Fokus tatsächlich auf weniger Zucker/Weißmehl, viel Gemüse und ungesättigten Fettsäuren liegt.

Langfristig ist das Konzept nur dann sinnvoll, wenn die Phasen 2 und 3 zu einem dauerhaft ausgewogenen, ballaststoffreichen Muster führen. Andernfalls überwiegen Restriktionsnachteile, Ballaststoffdefizite und – bei ungünstiger Fettwahl – potentiell problematische LDL-Cholesterin-Anstiege.

Im Vergleich zu anderen Diäten ist sie im Kern eine Kombination aus (zeitweiser) Kohlenhydratreduktion, Kohlenhydratqualität und Fettqualitätssteuerung. Medizinisch hat sie potentielle nützliche Bausteine. Bei Diabetes mellitus und hohem kardiovaskulärem Risiko sind ein enges Monitoring und eine konsequent herzgesunde Fett- und Ballaststoffstrategie entscheidend [1, 2, 4, 6].

Literatur

  1. Lichtenstein AH, Appel LJ, Vadiveloo M et al.: 2021 Dietary Guidance to Improve Cardiovascular Health: A Scientific Statement From the American Heart Association. Circulation. 2021 Dec 7;144(23):e472-e487. doi: 10.1161/CIR.0000000000001031.
  2. Goldenberg JZ, Day A, Brinkworth GD et al.: Efficacy and safety of low and very low carbohydrate diets for type 2 diabetes remission: systematic review and meta-analysis of published and unpublished randomized trial data. BMJ. 2021 Jan 13:372:m4743. doi: 10.1136/bmj.m4743.
  3. Perin L, Camboim IG, Lehnen AM: Low glycaemic index and glycaemic load diets in adults with excess weight: Systematic review and meta-analysis of randomised clinical trials. J Hum Nutr Diet. 2022 Dec;35(6):1124-1135. doi: 10.1111/jhn.13029.
  4. Davies MJ, Aroda VR, Collins BS et al.: Management of Hyperglycemia in Type 2 Diabetes, 2022. A Consensus Report by the American Diabetes Association (ADA) and the European Association for the Study of Diabetes (EASD). Diabetes Care. 2022 Nov 1;45(11):2753-2786. doi: 10.2337/dci22-0034.
  5. Chiavaroli L, Lee D, Ahmed A et al.: Effect of low glycaemic index or load dietary patterns on glycaemic control and cardiometabolic risk factors in diabetes: systematic review and meta-analysis of randomised controlled trials. BMJ. 2021 Aug 4:374:n1651. doi: 10.1136/bmj.n1651.
  6. Soto-Mota A, Flores-Jurado Y, Norwitz NG et al.: Increased low-density lipoprotein cholesterol on a low-carbohydrate diet in adults with normal but not high body weight: A meta-analysis. Am J Clin Nutr. 2024 Mar;119(3):740-747. doi: 10.1016/j.ajcnut.2024.01.009.
  7. Chekima K et al.: Low glycaemic index or low glycaemic load diets for people with overweight or obesity. Cochrane Database Syst Rev. 2023. doi: 10.1002/14651858.CD005105.pub3.