Carnivore-Diät

Die Carnivore-Diät ist eine extrem restriktive Ernährungsform, bei der ausschließlich tierische Lebensmittel verzehrt werden. Pflanzliche Lebensmittel werden vollständig ausgeschlossen. Je nach Auslegung umfasst die Ernährung Fleisch, Fisch, Eier, tierische Fette und teilweise Milchprodukte. Wasser ist das primäre Getränk.

Einzuordnen ist die Carnivore-Diät als alternatives Ernährungskonzept ohne anerkannte medizinische oder präventive Indikation. Sie stellt weder eine therapeutische Diät noch eine wissenschaftlich fundierte Ernährungsform dar.

Entstehung und wissenschaftliche Grundlagen

Die Carnivore-Diät ist kein historisch etabliertes Ernährungskonzept, sondern ein modernes Phänomen, das vor allem durch soziale Medien, Podcasts und Einzelpersonen Popularität erlangt hat. Häufig wird argumentiert, der Mensch sei evolutionär an eine nahezu ausschließlich fleischbasierte Ernährung angepasst gewesen oder einzelne indigene Populationen hätten sich carnivor ernährt.

Diese Annahmen sind wissenschaftlich nicht haltbar. Archäologische, ethnologische und ernährungswissenschaftliche Daten zeigen vielmehr, dass der Mensch seit jeher ein Nahrungsspektrum mit erheblichem pflanzlichem Anteil genutzt hat. Eine belastbare medizinische oder naturheilkundliche Grundlage für die Carnivore-Diät existiert nicht. Die zentralen Annahmen, pflanzliche Lebensmittel seien schädlich, Kohlenhydrate grundsätzlich problematisch und tierische Produkte allein vollständig bedarfsdeckend, sind in dieser Absolutheit nicht belegt.

Zielsetzung der Diät

Mit der Carnivore-Diät sollen nach Angaben ihrer Befürworter vor allem eine rasche Gewichtsreduktion, eine subjektive Verbesserung unspezifischer Beschwerden sowie eine sogenannte „metabolische Optimierung“ erreicht werden. Häufig genannt werden dabei Zielgrößen wie Gewichtsverlust, Stabilisierung des Blutzuckerspiegels, Reduktion von Entzündungsparametern oder eine allgemeine Steigerung von Energie und Leistungsfähigkeit. Teilweise wird auch eine positive Wirkung auf Autoimmunerkrankungen, gastrointestinale Beschwerden (Magen-Darm-Beschwerden) oder psychische Symptome postuliert, ohne dass hierfür belastbare klinische Daten vorliegen.

Die Carnivore-Diät ist ausschließlich als Lifestyle-Experiment einzuordnen. Es existiert keine leitlinienbasierte medizinische Indikation, keine Definition primärer oder sekundärer therapeutischer Zielparameter und kein evidenzbasiertes Monitoringkonzept. Anders als bei medizinisch etablierten Diäten fehlt eine strukturierte Leitlinienlogik im Sinne von Indikation, Intervention, Verlaufskontrolle und Risikobewertung.

Kurzfristig kann es infolge der starken Kalorienrestriktion und der Reduktion hochverarbeiteter Lebensmittel zu einem Gewichtsverlust kommen. Langfristige gesundheitliche Zielsetzungen, etwa hinsichtlich kardiovaskulärer Prävention, metabolischer Stabilität oder Gesamtmortalität (Gesamtsterblichkeit), sind jedoch weder klar definiert noch wissenschaftlich belegt.

Grundprinzipien

Die Carnivore-Diät basiert auf dem vollständigen Ausschluss sämtlicher pflanzlicher Lebensmittel. Erlaubt sind ausschließlich tierische Produkte, vor allem Fleisch – häufig mit Schwerpunkt auf rotem Fleisch –, Fisch, Eier sowie tierische Fette. Je nach individueller Auslegung werden auch Milchprodukte toleriert, wobei deren Einsatz innerhalb der Community uneinheitlich bewertet wird. Kohlenhydrate werden nahezu vollständig eliminiert, Ballaststoffe fehlen vollständig.

Eine feste Mahlzeitenstruktur ist nicht vorgegeben. In der Praxis werden häufig ein bis zwei Mahlzeiten pro Tag konsumiert, teils im Rahmen von intermittierendem Fasten, ohne dass hierfür spezifische diätspezifische Vorgaben existieren.

Innerhalb des Konzepts werden unterschiedliche Ausprägungen beschrieben, die von sehr strikten Varianten mit ausschließlich Fleisch, Salz und Wasser bis zu moderat erweiterten Formen mit Eiern oder Milchprodukten reichen. Diese Differenzierungen beruhen jedoch nicht auf ernährungsphysiologischen oder medizinischen Kriterien, sondern auf individuellen Überzeugungen oder Erfahrungsberichten.

Angestrebte Wirkmechanismen

Als zentrale Wirkmechanismen der Carnivore-Diät werden eine deutliche Reduktion des Insulinspiegels, die Etablierung einer ketogenen Stoffwechsellage sowie eine daraus resultierende Appetithemmung angeführt. Diese Effekte sind grundsätzlich plausibel, da die nahezu vollständige Eliminierung von Kohlenhydraten zu einer vermehrten Fett- und Ketonkörperoxidation führt.

Pathophysiologisch belastbar ist jedoch vor allem ein unspezifischer Mechanismus: Durch den Ausschluss ganzer Lebensmittelgruppen und die damit verbundene stark eingeschränkte Lebensmittelauswahl entsteht häufig eine negative Energiebilanz, die zu Gewichtsverlust führen kann. Dieser Effekt ist nicht spezifisch für die Carnivore-Diät, sondern bei vielen stark restriktiven Diäten zu beobachten.

Darüber hinausgehende postulierte Effekte, etwa eine generelle Entzündungshemmung, eine nachhaltige Verbesserung chronischer Erkrankungen oder eine vollständige und optimale Mikronährstoffversorgung ausschließlich über tierische Lebensmittel, sind hypothetisch. Die behaupteten Wirkmechanismen gehen über das derzeit wissenschaftlich Belegbare hinaus und sind kritisch zu bewerten [1-3].

Zielgruppen und Ausschlusskriterien

Die Carnivore-Diät ist aus ernährungsmedizinischer Sicht nicht als allgemein empfohlene Ernährungsform geeignet.

Eingeschränkte Eignung

  • Gesunde Erwachsene allenfalls kurzfristig und experimentell, ohne Empfehlung

Nicht geeignet

  • Kinder und Jugendliche
  • Schwangere und Stillende
  • Ältere Menschen
  • Personen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen
  • Personen mit Stoffwechselerkrankungen
  • Personen mit Nierenerkrankungen

Aus medizinischer Sicht überwiegen die Ausschlusskriterien deutlich.

Durchführung und Ablauf der Diät

Die Durchführung der Carnivore-Diät erfordert eine vollständige und abrupte Umstellung der Ernährung auf ausschließlich tierische Lebensmittel. Sämtliche pflanzlichen Bestandteile, einschließlich Gemüse, Obst, Getreide, Hülsenfrüchte und pflanzlicher Fette, werden vollständig eliminiert. Dies stellt eine tiefgreifende Veränderung der bisherigen Ernährungsweise dar und geht in der Regel mit einer ausgeprägten Anpassungsphase einher.

In der Anfangsphase berichten Anwender häufig über eine unzureichende Energiezufuhr infolge reduzierter Essmengen, da Sättigungsmechanismen durch den hohen Protein- und Fettanteil früh einsetzen. Zusätzlich treten nicht selten Elektrolytverschiebungen auf, insbesondere Natrium-, Kalium- und Magnesiumdefizite, bedingt durch vermehrte renale Ausscheidung im Rahmen der ketogenen Stoffwechsellage. Gastrointestinale Beschwerden wie Obstipation (Verstopfung)  sind häufig, da Ballaststoffe vollständig fehlen und sich die Darmmotilität (Bewegung des Darms) entsprechend verändert.

Die Anpassung an den stark kohlenhydratreduzierten Stoffwechsel kann mit ausgeprägten vegetativen Symptomen einhergehen, darunter Müdigkeit, Leistungsabfall, Kopfschmerzen, Schwindel und Konzentrationsstörungen. Diese Symptome werden häufig als Teil einer sogenannten „Keto-Adaptation“ interpretiert, sind jedoch aus medizinischer Sicht Ausdruck einer akuten metabolischen Umstellung ohne therapeutische Notwendigkeit.

Eine strukturierte Übergangsphase, wie sie bei medizinisch eingesetzten Eliminations- oder Reduktionsdiäten üblich ist, ist für die Carnivore-Diät nicht definiert. Ebenso fehlen klare Empfehlungen zur schrittweisen Beendigung oder zur Rückführung in eine ausgewogene Ernährung, was das Risiko für erneute Gewichtszunahme, gastrointestinale Beschwerden oder metabolische Instabilität erhöht.

Empfohlene Lebensmittel

Die Lebensmittelauswahl ist extrem eingeschränkt und ernährungsphysiologisch unausgewogen. Empfohlene Lebensmittel sind ausschließlich tierischen Ursprungs:

  • Fleisch, insbesondere rotes Fleisch
  • Fisch und Meeresfrüchte
  • Eier
  • Tierische Fette (z. B. Butter, Talg)
  • Wasser

Nicht empfohlene bzw. auszuschließende Lebensmittel

Aus Sicht der Diät werden sämtliche pflanzlichen Lebensmittel ausgeschlossen:

  • Obst
  • Gemüse
  • Hülsenfrüchte
  • Vollkornprodukte
  • Nüsse und Samen
  • Pflanzliche Öle

Der vollständige Ausschluss dieser Lebensmittelgruppen widerspricht aktuellen ernährungswissenschaftlichen Empfehlungen grundlegend.

Praktische Tipps zur Umsetzung im Alltag

  • Eine konsequente Wochenplanung ist notwendig, da spontane Mahlzeiten kaum möglich sind. Einkäufe sollten im Voraus geplant und größere Mengen vorbereitet werden, um Versorgungslücken zu vermeiden.
  • Eine feste Auswahl weniger Grundlebensmittel kann helfen, den organisatorischen Aufwand zu begrenzen, führt jedoch rasch zu monotonen Essgewohnheiten.
  • Auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr sollte gezielt geachtet werden, da der Wegfall pflanzlicher Lebensmittel die Wasser- und Elektrolytbilanz zusätzlich beeinflusst.
  • Salz- und Elektrolytverluste können insbesondere zu Beginn relevant sein; dies erfordert eine bewusste Zufuhr von Natrium und gegebenenfalls Magnesium, ohne dass hierfür standardisierte Empfehlungen existieren.
  • Bei Verstopfung kann eine Erhöhung der Fettzufuhr kurzfristig Erleichterung bringen, ersetzt jedoch keine ballaststoffreiche Ernährung und ist langfristig keine Lösung.
  • Restaurantbesuche, Kantinenverpflegung und Einladungen sollten im Vorfeld bedacht werden, da geeignete Optionen meist fehlen und Sonderwünsche häufig notwendig sind.
  • Im sozialen Umfeld ist eine klare Kommunikation erforderlich, um Konflikte oder Missverständnisse zu vermeiden; dennoch ist mit Einschränkungen beim gemeinsamen Essen zu rechnen.
  • Zur Kostenkontrolle kann auf preisgünstigere Fleischstücke zurückgegriffen werden, wobei dies häufig mit höherem Fettanteil oder geringerer Qualität einhergeht.
  • Eine regelmäßige Selbstbeobachtung von Leistungsfähigkeit, Verdauung und Wohlbefinden ist sinnvoll, da objektive Monitoring-Empfehlungen fehlen.
  • Eine zeitliche Begrenzung sollte von Beginn an festgelegt werden, ebenso eine geplante Rückkehr zu einer ausgewogeneren Ernährungsform, um abrupte Umstellungen und metabolische Schwankungen zu vermeiden.

Ernährungsphysiologische Bewertung

Ernährungsphysiologisch führt die Carnivore-Diät zu einer ausgeprägten und unausgewogenen Verschiebung der Makronährstoffverteilung (Verteilung der Hauptnährstoffe Kohlenhydrate, Fette, Proteine (Eiweiß)). Die tägliche Energiezufuhr stammt nahezu vollständig aus Protein und Fett, wobei der Fettanteil häufig dominiert und ein erheblicher Anteil aus gesättigten Fettsäuren besteht. Kohlenhydrate fehlen praktisch vollständig, was nicht nur die Glucoseverfügbarkeit einschränkt, sondern auch zentrale hormonelle und metabolische Regelkreise beeinflusst.

Der vollständige Verzicht auf ballaststoffhaltige Lebensmittel hat weitreichende Konsequenzen. Ballaststoffe spielen eine zentrale Rolle für die Darmmotilität, die Stuhlvolumenregulation, die Blutzuckerkontrolle und die Aufrechterhaltung einer divers zusammengesetzten Darmmikrobiota. Ihr Fehlen begünstigt eine verlangsamte Darmpassage, Obstipation (Verstopfung) und eine veränderte bakterielle Besiedlung des Darms. Diese Veränderungen können langfristig nicht nur gastrointestinale Beschwerden verstärken, sondern auch metabolische und immunologische Prozesse negativ beeinflussen.

Darüber hinaus fehlen mit dem Ausschluss pflanzlicher Lebensmittel zahlreiche sekundäre Pflanzenstoffe, darunter Polyphenole, Flavonoide und Carotinoide. Für diese Substanzen werden antioxidative, entzündungsmodulierende und kardioprotektive Effekte beschrieben. Auch wenn sie nicht als essentielle Nährstoffe gelten, tragen sie wesentlich zu den gesundheitlichen Vorteilen pflanzenreicher Ernährungsformen bei, insbesondere im Hinblick auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Stoffwechselstörungen und chronisch-entzündliche Prozesse.

Auf Mikronährstoffebene bestehen relevante Risiken für Unterversorgungen. Besonders kritisch sind Vitamin C, Folsäure, Magnesium und Kalium, die in pflanzlichen Lebensmitteln in hoher Dichte vorkommen. Zwar enthalten tierische Produkte einzelne Vitamine und Mineralstoffe in relevanten Mengen, etwa Vitamin B12, Eisen oder Zink, dennoch ist eine langfristig bedarfsgerechte Versorgung über alle essentiellen Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente hinweg nicht gewährleistet. Die Nährstoffzufuhr ist stark von der Auswahl einzelner Lebensmittel abhängig und unterliegt erheblichen Schwankungen.

Insgesamt erfüllt die Carnivore-Diät weder die Kriterien einer vollwertigen noch die einer ausgewogenen Ernährung. Sie weicht in zentralen Punkten deutlich von anerkannten ernährungswissenschaftlichen Empfehlungen ab und ist langfristig nicht geeignet, eine stabile und gesundheitsförderliche Nährstoffversorgung sicherzustellen.

Medizinische Risiken und mögliche Komplikationen

Kurzfristig kann die Umstellung auf die Carnivore-Diät mit einer Reihe unerwünschter Effekte einhergehen. Durch den abrupten Wegfall von Kohlenhydraten und die Etablierung einer ketogenen Stoffwechsellage kommt es häufig zu vermehrten Flüssigkeits- und Elektrolytverlusten über die Niere. Daraus können Elektrolytstörungen resultieren, die sich unter anderem durch Müdigkeit, Schwindel, Kopfschmerzen, Muskelschwäche oder Herzrhythmusstörungen äußern können. Zusätzlich treten nicht selten gastrointestinale Beschwerden wie Obstipation, Übelkeit oder ein diffuses abdominales Unwohlsein auf.

Auch unspezifische Symptome wie Leistungsabfall, Konzentrationsstörungen und reduzierte Belastbarkeit werden insbesondere in den ersten Wochen beschrieben. Diese Effekte sind Ausdruck einer ausgeprägten metabolischen Umstellung und stellen keinen therapeutischen Nutzen dar.

Langfristig sind die potentiellen Risiken deutlich relevanter. Der dauerhaft hohe Anteil gesättigter Fettsäuren kann zu einem Anstieg des LDL-Cholesterins führen und damit das Risiko für atherosklerotische Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen. Dieser Effekt ist insbesondere bei genetischer Prädisposition oder bereits bestehenden kardiovaskulären Risikofaktoren klinisch bedeutsam.

Die dauerhaft hohe Proteinzufuhr kann zudem eine zusätzliche Belastung für die Nieren darstellen. Während gesunde Nieren kurzfristig hohe Proteinmengen kompensieren können, besteht insbesondere bei vorbestehender Nierenfunktionsstörung ein erhöhtes Risiko für eine Beschleunigung der Krankheitsprogression. Auch eine erhöhte Harnsäureproduktion mit möglicher Gichtproblematik ist zu berücksichtigen.

Besonders kritisch ist der regelmäßig hohe Konsum von rotem und verarbeitetem Fleisch zu bewerten. In epidemiologischen Studien ist dieser mit einem erhöhten Risiko für kolorektale Karzinome (Dickdarmkrebs) assoziiert. Diese Zusammenhänge gelten als gut belegt [4-7].

In der Gesamtschau ist die Carnivore-Diät aus medizinischer Sicht mit relevanten kurz- und langfristigen Komplikationsrisiken verbunden. Der potentielle Nutzen steht in keinem angemessenen Verhältnis zu den bekannten und plausiblen gesundheitlichen Risiken.

Kontraindikationen (Gegenanzeigen)

Eine ärztliche Rücksprache ist zwingend erforderlich. Die Diät bleibt jedoch grundsätzlich nicht empfehlenswert.

Absolute Kontraindikationen

  • Chronische Nierenerkrankungen
  • Familiäre Hypercholesterinämie (familiär bedingt erhöhte Cholesterinwerte)

Relative Kontraindikationen (Monitoring erforderlich)

  • Gicht
  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Vorteile

Mögliche positive Effekte beschränken sich auf kurzfristige Beobachtungen:

  • Schneller anfänglicher Gewichtsverlust
  • Subjektive Appetitreduktion

Diese Effekte sind unspezifisch, zeitlich begrenzt und nicht diätspezifisch.

Nachteile

  • Extreme Einseitigkeit der Lebensmittelauswahl
  • Fehlende Langzeitevidenz
  • Erhöhtes kardiovaskuläres Risiko (Herz- und Gefäßrisiko)
  • Risiko für Mikronährstoffmängel
  • Sehr geringe Alltagstauglichkeit

Wissenschaftliche Einordnung

Im Gegensatz dazu ist die Evidenzlage für ballaststoffreiche, pflanzenbetonte und vielfältige Ernährungsformen gut etabliert. Zahlreiche große prospektive Kohortenstudien und Metaanalysen zeigen konsistent Zusammenhänge zwischen einem hohen Anteil pflanzlicher Lebensmittel und einem reduzierten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Typ-2-Diabetes, bestimmte Krebserkrankungen sowie eine niedrigere Gesamt- und kardiovaskuläre Mortalität. Diese Erkenntnisse bilden die Grundlage nationaler und internationaler Ernährungsempfehlungen.

Fachgesellschaften wie die Deutsche Gesellschaft für Ernährung, aber auch internationale Gremien, empfehlen ausdrücklich eine abwechslungsreiche Ernährung mit hohem Anteil an Gemüse, Obst, Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten und Nüssen sowie eine Begrenzung des Konsums von rotem und verarbeitetem Fleisch. Die Carnivore-Diät steht diesen Empfehlungen diametral entgegen, da sie genau jene Lebensmittelgruppen ausschließt, für die der größte präventive Nutzen belegt ist.

Auch aus theoretischer Sicht ist die Plausibilität der Carnivore-Diät gering. Zentrale Annahmen des Konzepts, etwa die vollständige Entbehrlichkeit pflanzlicher Lebensmittel oder eine generelle Schädlichkeit von Kohlenhydraten, lassen sich weder evolutionsbiologisch noch ernährungsphysiologisch überzeugend begründen. Die postulierten Vorteile lassen sich weitgehend durch unspezifische Effekte restriktiver Diäten erklären und sind nicht diätspezifisch.

Demgegenüber sind potentielle Risiken, insbesondere durch hohen Konsum gesättigter Fettsäuren, fehlende Ballaststoffe und eine monotone Lebensmittelauswahl, gut dokumentiert und biologisch plausibel. Die Evidenzlage ist somit asymmetrisch: Während ein spezifischer Nutzen nicht belegt ist, sind relevante gesundheitliche Risiken aus verwandten Ernährungs- und Lebensstilfaktoren bekannt.

In der Gesamtbewertung ist die Carnivore-Diät wissenschaftlich nicht fundiert. Sie basiert nicht auf Leitlinien, nicht auf hochwertiger Evidenz und nicht auf einem schlüssigen ernährungsmedizinischen Wirkmodell. Aus Sicht der evidenzbasierten Ernährungsmedizin handelt es sich um ein nicht empfohlenes Ernährungsexperiment ohne nachgewiesenen Nutzen und mit potentiell relevanten gesundheitlichen Nachteilen.

Fazit

Die Carnivore-Diät ist aus ernährungsmedizinischer Sicht kein sinnvolles Ernährungskonzept. Kurzfristige Effekte wie Gewichtsverlust sind erklärbar, jedoch nicht nachhaltig und nicht spezifisch. Langfristig überwiegen klar die ernährungsphysiologischen und medizinischen Nachteile.

In der Gesamtabwägung handelt es sich um ein wissenschaftlich nicht fundiertes, potentiell gesundheitsschädliches Ernährungsexperiment, das weder präventiv noch therapeutisch empfohlen werden kann.

Literatur

  1. Reynolds A, Mann J, Cummings JH et al.: Carbohydrate quality and human health: a series of systematic reviews and meta-analyses. Lancet. 2019 Feb 2;393(10170):434-445. doi: 10.1016/S0140-6736(18)31809-9.
  2. Kim Y, Je Y: Meat Consumption and Risk of Metabolic Syndrome: Results from the Korean Population and a Meta-Analysis of Observational Studies. Nutrients 2018, 10(4), 390; doi: 10.3390/nu10040390.
  3. Astrup A, Magkos F, Bier DM et al.: Saturated Fats and Health: A Reassessment and Proposal for Food-Based Recommendations: JACC State-of-the-Art Review. J Am Coll Cardiol. 2020 Aug 18;76(7):844-857. doi: 10.1016/j.jacc.2020.05.077.
  4. Zhong VW, Van Horn L, Cornelis MC et al.: Associations of Dietary Cholesterol or Egg Consumption With Incident Cardiovascular Disease and Mortality. JAMA. 2019 Mar 19;321(11):1081-1095. doi: 10.1001/jama.2019.1572.
  5. World Health Organization: Red meat and processed meat. IARC Monographs. 2018.
  6. Song M, Fung TT, Hu FB et al.: Association of animal and plant protein intake with all-cause and cause-specific mortality. JAMA Intern Med. 2016 Oct 1;176(10):1453-1463. doi: 10.1001/jamainternmed.2016.4182.
  7. Dinu M, Abbate R, Gensini GF, Casini A, Sofi F: Vegetarian, vegan diets and multiple health outcomes: A systematic review with meta-analysis of observational studies. Crit Rev Food Sci Nutr. 2017 Nov 22;57(17):3640-3649. doi: 10.1080/10408398.2016.1138447.