Low-Carb-Ernährung

Low-Carb-Diäten sind Ernährungsformen, bei denen der Anteil der Kohlenhydrate an der täglichen Energiezufuhr reduziert wird. Eine einheitliche Definition existiert nicht. Das Spektrum reicht von moderat kohlenhydratreduzierten Ernährungsweisen mit etwa 40 % der Energiezufuhr aus Kohlenhydraten bis zu extrem kohlenhydratarmen, ketogenen Diäten mit weniger als 5-10 % Kohlenhydraten.

Ketogene Diäten stellen eine Sonderform der Low-Carb-Ernährung dar. Sie sind durch einen sehr hohen Fettanteil, einen moderaten Proteinanteil und eine stark eingeschränkte Kohlenhydratzufuhr gekennzeichnet. Ziel ist das Erreichen einer sogenannten nutritiven Ketose*, die metabolisch den Zustand des Fastens imitiert.
*Ketose ist ein Stoffwechselzustand, in dem der Körper aufgrund von stark reduziertem Kohlenhydratkonsum (z. B. durch Keto-Diät oder Fasten) Fett als Hauptenergiequelle nutzt und dabei in der Leber Ketonkörper (Ketone) produziert, die Gehirn und Organe mit Energie versorgen.

Von einer very low carbohydrate/ketogenic diet (VLCKD) spricht man bei einer täglichen Kohlenhydratzufuhr von etwa 20-50 g. In diesem Bereich kommt es im Regelfall zur Bildung von Ketonkörpern, die im Urin nachweisbar sind.

Low-Carb-Diäten sind primär als Diäten zur Gewichtsreduktion einzuordnen. In der Allgemeinbevölkerung werden sie überwiegend als Lifestyle-orientierte Ernährungsformen angewendet. Ferner existieren klar definierte therapeutische Einsatzgebiete, insbesondere für stark kohlenhydratreduzierte oder ketogene Varianten, etwa in der evidenzbasierten Behandlung der medikamentenresistenten Epilepsie [10]. Moderat kohlenhydratreduzierte Kostformen werden zudem als präventive Ernährungsstrategien zur Verbesserung metabolischer Risikofaktoren diskutiert.

Entstehung und wissenschaftliche Grundlagen

Die theoretischen Grundlagen von Low-Carb-Diäten gehen auf frühe Beobachtungen zurück, dass eine Reduktion der Kohlenhydratzufuhr den Fettstoffwechsel aktiviert und eine Gewichtsreduktion begünstigt. Bereits im 19. Jahrhundert wurden kohlenhydratreduzierte Kostformen zur Behandlung von Adipositas beschrieben. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts erlangten diese Konzepte durch populäre Diätprogramme größere Aufmerksamkeit.

Wissenschaftlich basiert der Ansatz auf der Regulation des Energiestoffwechsels durch Insulin. Kohlenhydrate stellen den stärksten Stimulus für die Insulinsekretion dar. Insulin fördert die Glucoseaufnahme in Zellen, hemmt die Lipolyse (Fettabbau) und begünstigt die Speicherung von Energie in Form von Fett.

Die zentrale Annahme lautet, dass eine reduzierte Kohlenhydratzufuhr zu niedrigeren Insulinspiegeln führt, wodurch der Fettabbau erleichtert und die Fettspeicherung gehemmt wird. Ergänzend wird angenommen, dass proteinreiche Kostformen eine stärkere und länger anhaltende Sättigung bewirken und dadurch die spontane Energieaufnahme reduzieren können.

Zielsetzung der Diät

Die Zielsetzung von Low-Carb-Diäten ist abhängig vom Anwendungskontext. Im Lifestyle-Bereich steht in der Regel die Gewichtsreduktion im Vordergrund, häufig verbunden mit der Erwartung eines raschen Abnehmerfolgs. Die Reduktion des Kohlenhydratanteils soll dabei eine Vereinfachung der Ernährungsregeln ermöglichen und über metabolische Effekte den Fettabbau fördern.

In therapeutischen Kontexten werden darüber hinaus konkrete medizinische Zielparameter angestrebt. Dazu zählen insbesondere die Senkung des Körpergewichts und des BMI (Body-Mass-Index/Körpermassenindex), die Verbesserung der glykämischen Kontrolle, messbar anhand von HbA1c- und Nüchternglucosewerten, sowie eine Reduktion erhöhter Triglyceridspiegel [12].
Sekundäre Ziele können eine Verbesserung der Insulinsensitivität, eine Reduktion kardiometabolischer Risikofaktoren sowie – in Einzelfällen – eine Verringerung der medikamentösen Therapie sein.

Kurzfristige Effekte sind häufig gut nachweisbar, während die langfristige Zielerreichung maßgeblich von der individuellen Umsetzbarkeit im Alltag abhängt [4].

Grundprinzipien

Das Grundprinzip aller Low-Carb-Diäten ist die bewusste Reduktion der Kohlenhydratzufuhr, insbesondere von Zucker und stärkehaltigen Lebensmitteln. Das Ausmaß dieser Reduktion variiert je nach Diätform erheblich.

Als Konsequenz steigt der relative Anteil von Protein und – je nach Konzept – auch von Fett an der Gesamtenergiezufuhr. Viele Low-Carb-Diäten verzichten bewusst auf eine explizite Kalorienbegrenzung und gehen davon aus, dass die Lebensmittelauswahl und die erhöhte Sättigungswirkung proteinreicher Mahlzeiten zu einer spontanen Reduktion der Energieaufnahme führen.

Die Mahlzeitenstruktur ist meist flexibel. Häufig wird weniger Wert auf feste Portionsgrößen gelegt als auf die Zusammensetzung der Lebensmittel.

Angestrebte Wirkmechanismen

Durch die reduzierte Kohlenhydratzufuhr sinken Blutzucker- und Insulinspiegel. Da Insulin eine zentrale Rolle bei der Hemmung der Lipolyse spielt, wird unter niedrigen Insulinspiegeln der Fettabbau erleichtert.

In der Leber werden vermehrt Fettsäuren zu Ketonkörpern umgewandelt, die als alternative Energiequelle dienen. Diese metabolische Umstellung wird als Ketose bezeichnet. Die Gewichtsreduktion wird sowohl durch die verstärkte Nutzung von Depotfett als auch durch eine mögliche Reduktion der Energieaufnahme infolge erhöhter Sättigung erklärt.

Die bei einer ketogenen Ernährung entstehende Ketose ist nicht mit der gefährlichen diabetischen Ketoazidose zu verwechseln. Bei der Ernährungsketose handelt es sich um eine kontrollierte Stoffwechselanpassung mit moderat erhöhten Ketonkörpern, während die diabetische Ketoazidose eine schwere, lebensbedrohliche Stoffwechselentgleisung bei Diabetes darstellt.

Zielgruppen und Ausschlusskriterien

Geeignete Zielgruppen

  • Personen mit Prädiabetes oder frühem Diabetes mellitus Typ 2 ohne Insulintherapie (Vorstufe bzw. frühes Stadium der Zuckerkrankheit) sowie Personen mit metabolischem Syndrom (Kombination aus Übergewicht, Hypertonie (Bluthochdruck), Hyperlipidämien (Fettstoffwechselstörungen) und gestörtem Zuckerstoffwechsel), bei denen eine kohlenhydratreduzierte Ernährung mit hohem Anteil komplexer Kohlenhydrate mit einer Senkung des HbA1c-Wertes (Langzeitblutzuckerwert) und der Nüchternglucose assoziiert ist [3, 12]
  • Übergewichtige und adipöse Erwachsene ohne Typ-2-Diabetes oder relevante Folgeerkrankungen, bei denen sowohl Low-Fat- als auch Low-Carb-Diäten zu einer vergleichbaren Gewichtsreduktion führen können, wie in der DIETFITS-Studie gezeigt wurde [4]
  • Personen mit ausgeprägter Insulinresistenz oder hohen endogenen Insulinspiegeln, bei denen die Gewichtsabnahme unter kohlenhydratreduzierter Ernährung tendentiell stärker ausfällt [11]
  • Personen mit nicht-alkoholischer Fettleber (NAFLD; Fettlebererkrankung ohne Alkoholursache), bei denen unter zucker- und kohlenhydratreduzierter Ernährung eine signifikante Verbesserung der Leberwerte beschrieben wurde [7]
  • Patienten mit medikamentenresistenter Epilepsie (Krampfanfallleiden, das auf Medikamente nicht ausreichend anspricht), bei denen eine streng ketogene Diät evidenzbasiert eingesetzt wird und die Wahrscheinlichkeit einer Reduktion der Anfallshäufigkeit um ≥ 50 % deutlich erhöht ist [10]
  • Patienten mit Diabetes mellitus Typ 1 unter intensivierter Insulintherapie, bei denen sehr kohlenhydratarme Ernährungsformen mit einer deutlich besseren glykämischen Kontrolle (HbA1c) assoziiert waren; diese Ergebnisse basieren auf Beobachtungsdaten und bedürfen einer Bestätigung durch kontrollierte klinische Studien [5]

Eingeschränkte Eignung

  • Ältere Menschen mit erhöhtem Sarkopenierisiko (erhöhtes Risiko für Muskelabbau und Kraftverlust)
  • Multimorbide Personengruppen (gleichzeitiges Vorliegen mehrerer chronischer Erkrankungen)
  • Vulnerable Personengruppen (gesundheitlich besonders empfindliche oder belastbare Personen)

Nicht geeignet

  • Personen mit eingeschränkter Nierenfunktion (verminderte Leistungsfähigkeit der Nieren)

Durchführung und Ablauf der Diät

Die Durchführung einer Low-Carb-Diät erfolgt über eine konsequente Anpassung der Lebensmittelauswahl. Kohlenhydratarme Lebensmittel stehen im Mittelpunkt, während kohlenhydratreiche Produkte weitgehend gemieden werden. Eine strukturierte Vorbereitungsphase ist häufig nicht vorgesehen, was den Einstieg erleichtert, jedoch auch das Risiko für Fehlanwendungen erhöht.

Typische Anfangsprobleme sind Müdigkeit, Kopfschmerzen, Konzentrationsstörungen und Leistungseinbußen, die im Rahmen der metabolischen Umstellung auftreten können. Ohne bewusste Planung wird die Ballaststoffzufuhr häufig unterschritten, was gastrointestinale Beschwerden (Magen-Darm-Beschwerden) begünstigt.

Langfristig stellt die soziale und berufliche Alltagstauglichkeit eine wesentliche Herausforderung dar. Viele Personen beenden die Diät nach Monaten aufgrund eingeschränkter Akzeptanz oder zunehmender Nebenwirkungen.

Empfohlene Lebensmittel

Im Rahmen einer Low-Carb-Diät werden vor allem Lebensmittel mit geringem Kohlenhydratanteil empfohlen, darunter:

  • Fleisch und Geflügel
  • Fisch und Meeresfrüchte
  • Eier
  • Milch und Milchprodukte (z. B. Käse, Quark, Joghurt)

Diese Lebensmittel liefern hochwertiges Protein, essentielle Aminosäuren und – je nach Auswahl – relevante Mengen an Fett. Sie tragen wesentlich zur Sättigung bei und ermöglichen es, die Kohlenhydratzufuhr niedrig zu halten.

Nicht empfohlene bzw. einzuschränkende Lebensmittel

Nicht empfohlene Lebensmittel sind insbesondere solche mit hohem Zucker- oder Stärkegehalt, darunter:

  • Brot und Backwaren
  • Nudeln, Reis und andere Getreideprodukte
  • Kartoffeln
  • süßes Obst
  • Süßigkeiten und Desserts
  • zuckerhaltige Getränke

Diese Lebensmittel führen zu raschen Blutzuckeranstiegen und einer vermehrten Insulinsekretion und widersprechen damit dem Grundprinzip der Low-Carb-Diät.

Praktische Tipps zur Umsetzung im Alltag

Die Umsetzung einer Low-Carb-Diät im Alltag erfordert eine bewusste Auseinandersetzung mit Einkauf, Vorratshaltung und Mahlzeitenplanung. Besonders relevant ist das Erkennen versteckter Kohlenhydrate in industriell verarbeiteten Lebensmitteln, da diese häufig unerwartete Zucker- oder Stärkeanteile enthalten. Eine sorgfältige Lektüre von Zutatenlisten ist daher essentiell.

Im beruflichen Alltag stellen Kantinenangebote, Dienstreisen oder Schichtarbeit häufig eine Herausforderung dar, da kohlenhydratarme Alternativen nicht immer verfügbar sind. Ohne Vorbereitung steigt das Risiko, von der Diät abzuweichen.

Auch im sozialen Kontext ist die Umsetzung oft erschwert. Gemeinsame Mahlzeiten, Einladungen oder familiäre Essgewohnheiten stehen nicht selten im Widerspruch zu den Diätvorgaben. Diese Faktoren tragen wesentlich dazu bei, dass Low-Carb-Diäten langfristig häufig nicht konsequent eingehalten werden.

Ernährungsphysiologische Bewertung

Aus ernährungsphysiologischer Sicht sind Low-Carb-Diäten differenziert und insgesamt kritisch zu bewerten. Durch die bewusste Einschränkung kohlenhydratreicher Lebensmittel – insbesondere von Vollkornprodukten, Obst und teilweise auch Gemüse – kommt es häufig zu einer verminderten Zufuhr essentieller Nährstoffe. Betroffen sind vor allem Ballaststoffe sowie eine Reihe von Vitaminen, Mineralstoffen und sekundären Pflanzenstoffen, die für eine langfristig ausgewogene Ernährung von zentraler Bedeutung sind.

Insbesondere die Versorgung mit B-Vitaminen, Vitamin C, Calcium, Eisen und Zink ist bei vielen Low-Carb-Diäten unzureichend. Diese Mikronährstoffe spielen eine wichtige Rolle für den Energiestoffwechsel, die Immunfunktion, die Knochengesundheit sowie die Blutbildung. Eine dauerhaft reduzierte Zufuhr kann daher zu funktionellen Einschränkungen und klinisch relevanten Mangelzuständen beitragen. Der gleichzeitige Mangel an Ballaststoffen wirkt sich zudem ungünstig auf die Darmfunktion aus und kann zu einer verminderten Diversität der Darmmikrobiota führen.

Charakteristisch für Low-Carb-Diäten ist darüber hinaus eine im Vergleich zu einer ausgewogenen Mischkost erhöhte Proteinzufuhr. Kurzfristig kann dies durch eine ausgeprägte Sättigungswirkung zur Reduktion der Energieaufnahme beitragen. Langfristig sind jedoch mögliche Nachteile zu berücksichtigen, insbesondere wenn der Proteinanteil überwiegend aus tierischen Quellen stammt. Eine hohe Zufuhr tierischer Proteine wird in neueren Studien mit einem erhöhten Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen sowie für einen Diabetes mellitus Typ 2 in Verbindung gebracht [2].

Aufgrund dieser Aspekte ist die langfristige ernährungsphysiologische Ausgewogenheit vieler Low-Carb-Diäten eingeschränkt. Ohne gezielte Lebensmittelauswahl und sorgfältige Planung besteht das Risiko, dass die Ernährung nicht alle notwendigen Nährstoffe in ausreichender Menge liefert.

Medizinische Risiken und mögliche Komplikationen

Die möglichen medizinischen Risiken von Low-Carb-Diäten ergeben sich sowohl aus der veränderten Nährstoffzusammensetzung als auch aus den metabolischen Anpassungsprozessen. Eine verminderte Ballaststoffzufuhr kann zu Obstipation führen und langfristig die Darmgesundheit beeinträchtigen. Zusätzlich werden bei kohlenhydratarmen Ernährungsformen häufiger erhöhte LDL-Cholesterin- und Homocysteinspiegel beobachtet, was das kardiovaskuläre Risiko erhöhen kann.

Durch die reduzierte Kohlenhydratzufuhr und die vermehrte Fett- und Proteinzufuhr kann es zu einer Erhöhung der Harnsäure kommen, wodurch das Risiko für Hyperurikämie und Gicht steigt. Die bei sehr kohlenhydratarmen Diäten entstehende ketogene Stoffwechsellage kann zudem die Nieren belasten, insbesondere bei Personen mit bereits eingeschränkter Nierenfunktion oder anderen prädisponierenden Faktoren.

Beobachtungsstudien zeigen darüber hinaus einen Zusammenhang zwischen einer sehr niedrigen Kohlenhydratzufuhr und einem erhöhten Risiko für Vorhofflimmern. Daten aus der ARIC-Studie deuten darauf hin, dass mit abnehmendem Kohlenhydratanteil in der Ernährung das Risiko für Herzrhythmusstörungen zunimmt [8]. Als mögliche Mechanismen werden unter anderem eine geringere Aufnahme entzündungshemmender pflanzlicher Lebensmittel sowie ein erhöhter oxidativer Stress bei protein- und fettreicher Ernährung diskutiert.

In großen Kohortenanalysen zeigte sich zudem eine U-förmige Beziehung zwischen Kohlenhydratzufuhr und Mortalität. Sowohl eine sehr niedrige Kohlenhydrataufnahme (< 40 % der Energiezufuhr) als auch eine sehr hohe Zufuhr (> 70 %) waren mit einer erhöhten Gesamtmortalität (Gesamtsterblichkeit) assoziiert, während eine moderate Kohlenhydratzufuhr mit dem geringsten Risiko verbunden war [9].

Unter streng ketogener Ernährung wurden außerdem Einzelfälle von Kupfermangel beschrieben, die mit einer Anämie (Blutarmut) einhergingen. Diese seltene, aber klinisch relevante Komplikation verdeutlicht, dass bei stark restriktiven Ernährungsformen auch ungewöhnliche Mikronährstoffdefizite auftreten können [6].

Insgesamt erfordern Low-Carb-Diäten – insbesondere in ihrer strengen Ausprägung – eine sorgfältige medizinische Abwägung und regelmäßige Kontrolle, um potenzielle Risiken frühzeitig zu erkennen und zu vermeiden.

Kontraindikationen (Gegenanzeigen)

Absolute Kontraindikationen

  • Niereninsuffizienz (Nierenschwäche)

Relative Kontraindikationen

  • Multimorbidität (gleichzeitiges Vorliegen mehrerer chronischer Erkrankungen)
  • Vulnerables höheres Lebensalter (Lebensalter mit erhöhter körperlicher und gesundheitlicher Anfälligkeit)
  • Erhöhtes Sarkopenierisiko (Muskelabbau und Muskelkraftverlust)

Eine ärztliche Rücksprache ist dringend empfohlen.

Vorteile

  • Signifikante anfängliche Gewichtsreduktion, insbesondere in den ersten sechs Monaten, die sich positiv auf die Motivation auswirken kann
  • Gute sättigende Wirkung protein- und teilweise fettreicher Lebensmittel, was die kurzfristige Umsetzbarkeit im Alltag unterstützt
  • Senkung der Triglyceride im Blut
  • Erhöhung des HDL-Cholesterins
  • Zunahme der Insulinsensitivität (Insulinempfindlichkeit), insbesondere relevant für Patienten mit Typ-2-Diabetes
  • Positive Effekte auf die nicht-alkoholische Fettleber (NAFLD) bei zuckerarmer Ernährung mit Verzicht auf raffinierten Zucker und Süßgetränke, einschließlich einer Verbesserung der Leberenzyme (ALT, AST, γ-GTP) [7]
  • Evidenzbasierter Einsatz streng ketogener Diäten in der Therapie der medikamentenresistenten Epilepsie (Krampfanfallleiden, das nicht durch Medikamente beeinflussbar ist) [10]

Nachteile

  • Unzureichende Zufuhr von Ballaststoffen sowie Vitaminen, Mineralstoffen und sekundären Pflanzenstoffen infolge des stark eingeschränkten Verzehrs von Vollkornprodukten, Gemüse und Obst; besonders betroffen sind B-Vitamine, Vitamin C, Calcium, Eisen und Zink, häufig verbunden mit Darmträgheit und Obstipation (Verstopfung)
  • Erhöhte Proteinzufuhr im Vergleich zu einer ausgewogenen Mischkost, insbesondere aus tierischen Quellen, die mit einem erhöhten Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen (Herz-Kreislauf-Erkrankungen) und Diabetes mellitus Typ 2 assoziiert ist [2]
  • Assoziation zwischen sehr niedriger Kohlenhydratzufuhr und einem erhöhten Risiko für Vorhofflimmern, möglicherweise vermittelt durch geringere entzündungshemmende Effekte pflanzlicher Lebensmittel und erhöhten oxidativen Stress bei protein- und fettreicher Ernährung [8]
  • Erhöhtes Mortalitätsrisiko sowohl bei sehr niedriger (< 40 %) als auch bei sehr hoher (> 70 %) Kohlenhydratzufuhr im Vergleich zu einer moderaten Aufnahme [9]
  • Belastung der Nieren durch ketogene Stoffwechsellagen sowie erhöhtes Risiko für Hyperurikämie (erhöhte Harnsäurespiegel im Blut) und Gicht
  • Anstieg von LDL-Cholesterin- und Homocysteinspiegeln bei langfristig kohlenhydratarmer Ernährung, insbesondere bei hoher Zufuhr gesättigter Fettsäuren und rotem Fleisch, mit potentiell erhöhtem Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Karzinome (Krebserkrankungen)
  • Mögliche Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen und Verstopfung sowie im Verlauf häufige Aversion gegenüber fett- und proteinreichen Lebensmitteln und verstärkter Heißhunger auf Kohlenhydrate, was die Langzeitumsetzbarkeit erheblich einschränkt
  • Seltene, aber relevante Mikronährstoffmängel unter streng ketogener Ernährung, darunter Kupfermangel mit Anämie (Blutarmut) in der Folge [6]

Wissenschaftliche Einordnung

Die Studienlage zeigt kurzfristige Vorteile hinsichtlich Gewicht und Stoffwechselparametern. Langfristig gleichen sich die Effekte häufig anderen Ernährungsformen an, wobei die Umsetzbarkeit im Alltag der entscheidende Erfolgsfaktor ist [4]. Fachgesellschaften empfehlen Low-Carb-Diäten nicht pauschal, sondern nur indikationsbezogen.

Fazit

Low-Carb-Diäten können kurzfristig wirksam sein, sind jedoch mit relevanten Risiken und Unsicherheiten verbunden. Ein langfristiger gesundheitlicher Nutzen ist bislang nicht eindeutig belegt. Die Anwendung sollte individuell abgewogen und – insbesondere bei Vorerkrankungen – ärztlich begleitet erfolgen.

Literatur

  1. Leitzmann C, Müller C, Michel P, Brehme U, Triebel T, Hahn A, Laube H: Ernährung in Prävention und Therapie – Ein Lehrbuch, 3. Vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage. Hippokrates Verlag, Stuttgart, 2009
  2. Micha R et al.: Unprocessed red and processed meats and risk of coronary artery disease and type 2 diabetes – an updated review of the evidence. Curr Atheroscler Rep 2012; 14: 515-524.
  3. Hauner H et al.: Adipositas und Diabetes mellitus. SpringerLink August 2019.
  4. Gardner CD et al.: Effect of Low-Fat vs Low-Carbohydrate Diet on 12-Month Weight Loss in Overweight Adults and the Association With Genotype Pattern or Insulin Secretion The DIETFITS Randomized Clinical Trial. JAMA. 2018;319(7):667-679. doi: 10.1001/jama.2018.0245.
  5. Lennerz BS et al.: Management of Type 1 Diabetes With a Very Low-Carbohydrate Diet. Pediatrics. 2018;141(6):e20173349.
  6. Chin A: Copper Deficiency Anemia and Neutropenia Due to Ketogenic Diet. Pediatrics 2018; 141 (5).
  7. Schwimmer JB, Ugalde-Nicalo P, Welsh JA, Angeles JE, Cordero M, Harlow KE, Alazraki A, Durelle J, Knight-Scott J, Newton KP, Cleeton R, Knott C, Konomi J, Middleton MS, Travers C, Sirlin CB, Hernandez A, Sekkarie A, McCracken C, Vos MB.: Effect of a Low Free Sugar Diet vs Usual Diet on Nonalcoholic Fatty Liver Disease in Adolescent Boys: A Randomized Clinical Trial. JAMA. 2019 Jan 22; 321 (3): 256-265. doi: 10.1001/jama.2018.20579.
  8. Zhuang X et al. U-shaped Relationship Between Carbohydrate Intake Proportion And Incident Atrial Fibrillation. 68th Annual Scientific Session and Expo 2019.
  9. Seidelmann, SB et al.: Dietary carbohydrate intake and mortality: a prospective cohort study and meta-analysis. Lancet Public Health Published: August 16, 2018 doi: 10.1016/S2468-2667(18)30135-X.
  10. Martin-McGill KJ et al.: Ketogenic diets for drug‐resistant epilepsy. Cochrane Systematic Review - Intervention Version published: 24 June 2020 doi: 10.1002/14651858.CD001903.pub5.
  11. Röhling, M et al.: Weight Reduction by the Low-Insulin-Method—A Randomized Controlled Trial. Nutrients 2020;12,10:3004; doi: 10.3390/nu12103004.
  12. Dorans KS, Bazzano LA, Qi L, et al.: Effects of a Low-Carbohydrate Dietary Intervention on Hemoglobin A1c. A Randomized Clinical Trial. Diabetes and Endocrinology. October 26, 2022. doi: 10.1001/jamanetworkopen.2022.38645.

Leitlinien

  1. S1-Leitlinie: Ketogene Diäten. (AWMF-Registernummer: 022 - 021), April 2014 Langfassung