Mayo-Diät
Die Mayo-Diät, häufig auch als Eier-Diät bezeichnet, ist eine kurzfristig angelegte, stark proteinbetonte Reduktionsdiät mit sehr eingeschränkter Lebensmittelauswahl. Charakteristisch sind der tägliche Verzehr von 3-4 Eiern (entsprechend etwa 25 Eiern pro Woche), eine deutliche Reduktion der Kohlenhydratzufuhr sowie eine tägliche Energieaufnahme von etwa 1.000-1.500 kcal.
Es handelt sich um eine nicht leitliniengestützte Diät zur kurzfristigen Gewichtsreduktion ohne therapeutische Zielsetzung. Sie ist nicht mit der evidenzbasierten Mayo-Clinic-Diät zu verwechseln, die 2005 in den USA veröffentlicht wurde.
Entstehung und wissenschaftliche Grundlagen
Die Mayo-Diät ist bereits seit den 1950er-Jahren im Umlauf und wurde vor allem über populärwissenschaftliche Ratgeber und Zeitschriften verbreitet. Medizinisch basiert das Konzept auf einem stark vereinfachten Low-Carb-/High-Protein-Ansatz. Zentrale Annahmen sind, dass eine hohe Proteinzufuhr die Sättigung erhöht, den Energieverbrauch steigert und gleichzeitig einen Muskelabbau verhindert, während der Kohlenhydratverzicht die Gewichtsabnahme beschleunigt. Diese Annahmen sind überwiegend nur kurzfristig belegt und wissenschaftlich nicht ausreichend abgesichert [2, 6].
Zielsetzung der Diät
Die Mayo-Diät wird von den Entwicklern des Konzepts als kurzfristige Diät beworben, mit der innerhalb von zwei Wochen eine Gewichtsabnahme von bis zu 7 kg erreicht werden soll. Diese Zielsetzung stellt ein Werbeversprechen des Diätkonzepts dar und ist ausschließlich kurzfristig sowie Lifestyle-orientiert ausgerichtet.
Die Wahrscheinlichkeit, innerhalb dieses Zeitraums einen derart ausgeprägten Gewichtsverlust zu erreichen, ist stark von individuellen Voraussetzungen abhängig, darunter Ausgangsgewicht, Ernährungszustand, Flüssigkeitshaushalt und vorherige Ernährungsgewohnheiten. Ein schneller Gewichtsverlust in kurzer Zeit beruht in der Regel überwiegend auf vorübergehenden Veränderungen wie Wasserverlusten, der Entleerung von Glykogenspeichern sowie einer Reduktion des Darminhalts und stellt keinen belastbaren medizinischen Zielparameter dar. Ein relevanter Verlust an Körperfett ist unter diesen Bedingungen nicht zu erwarten. Zur Einordnung ist zu berücksichtigen, dass für den Abbau von 1 kg Körperfett ein Energiedefizit von etwa 7.000 kcal erforderlich ist.
Therapeutische Zielparameter wie HbA1c (Langzeitblutzuckerwert), LDL-Cholesterin oder Blutdruck werden nicht systematisch adressiert oder überwacht.
Eine leitlinienkongruente Logik aus Indikation, Intervention, Monitoring und Risikobewertung fehlt vollständig. Langfristige Ziele wie Gewichtsstabilisierung oder Verhaltensänderung sind nicht vorgesehen.
Grundprinzipien
Die Diät basiert auf einer sehr hohen Proteinzufuhr von etwa 50 % der Gesamtenergie, einer starken Einschränkung der Kohlenhydrate und einer fettarmen Zubereitung. Die Lebensmittelauswahl ist stark limitiert, Individualisierung oder Phasenmodelle sind nicht vorgesehen. Die Mahlzeitenstruktur ist starr und monoton, was die langfristige Umsetzung zusätzlich erschwert [6].
Ferner verzichtet das Konzept auf eine qualitative Differenzierung der Makronährstoffe (Hauptnährstoffe: Kohlenhydrate, Fette, Proteine (Eiweiß)). Weder wird zwischen tierischen und pflanzlichen Proteinquellen noch zwischen komplexen und einfachen Kohlenhydraten unterschieden. Aspekte wie Lebensmittelqualität, Ballaststoffgehalt oder der Anteil an ungesättigten Fettsäuren spielen keine Rolle.
Eine Anpassung an individuelle Bedürfnisse, körperliche Aktivität oder metabolische Voraussetzungen ist nicht vorgesehen. Damit handelt es sich um ein rein restriktives Diätmodell ohne ernährungsphysiologische Feinsteuerung oder didaktischen Ansatz zur langfristigen Ernährungsumstellung [1, 6].
Angestrebte Wirkmechanismen
Die Gewichtsabnahme soll durch einen erhöhten Energieverbrauch des Körpers bei der Verdauung eiweißreicher Lebensmittel (Thermogenese), eine verlängerte Sättigung sowie eine reduzierte Insulinsekretion infolge des Kohlenhydratverzichts erreicht werden.
Kurzfristig entsteht eine negative Energiebilanz. Nicht ausreichend belegt ist die Annahme, dass unter gleichzeitiger Kalorienrestriktion ein relevanter Schutz vor Muskelabbau besteht.
Langfristige metabolische Vorteile gegenüber moderaten Ernährungsformen konnten bisher nicht gezeigt werden [2, 6].
Zielgruppen und Ausschlusskriterien
Geeignete Zielgruppen
- Stoffwechselgesunde Erwachsene
- Personen mit kurzfristigem Gewichtsreduktionswunsch
- Menschen ohne relevante Komorbiditäten (Begleiterkrankungen)
- Nur bei sehr kurzer Anwendung (maximal 14 Tage)
Eingeschränkte Eignung
- Ältere Menschen mit erhöhtem Risiko für Sarkopenie (altersbedingter Muskelabbau)
- Personen mit Multimorbidität (gleichzeitiges Vorliegen mehrerer chronischer Erkrankungen)
- Menschen mit hoher körperlicher oder sportlicher Belastung
- Personen mit erhöhtem Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen [5]
Nicht geeignet
- Kinder und Jugendliche
- Schwangere und Stillende
- Personen mit chronischer Niereninsuffizienz (Nierenschwäche) [4]
- Menschen mit Hyperurikämie (erhöhter Harnsäurespiegel im Blut) und Gicht [5]
- Personen mit relevanten Fettstoffwechselstörungen
- Menschen mit Essstörungen (z. B. Bulimia nervosa/Ess-Brech-Sucht) oder gestörtem Essverhalten
Gerade bei vulnerablen Personengruppen (besonders schutzbedürftige Menschen mit erhöhtem Gesundheitsrisiko) ist die Nutzen-Risiko-Relation klar ungünstig [4, 5].
Durchführung und Ablauf der Diät
Die Diät folgt einem starren, nicht individualisierbaren Ablauf über einen Zeitraum von maximal zwei Wochen.
Charakteristisch ist eine sehr monotone Tagesstruktur mit einem hohen Eieranteil und einer insgesamt stark eingeschränkten Lebensmittelauswahl. Vorgesehen ist der tägliche Verzehr von drei bis vier Eiern bei gleichzeitig deutlich reduzierter Kohlenhydratzufuhr.
Die Zubereitung der Mahlzeiten erfolgt fettarm und in der Regel ohne den Einsatz von Ölen. Zwischenmahlzeiten sind nicht vorgesehen, und es besteht kaum Flexibilität für soziale oder berufliche Esssituationen, was die Alltagstauglichkeit erheblich einschränkt [6].
In der praktischen Umsetzung treten häufig typische Probleme auf. Trotz des hohen Proteinanteils kommt es nicht selten frühzeitig zu Hungergefühlen. Viele Personen berichten über Müdigkeit, Leistungsabfall und Konzentrationsstörungen, insbesondere in den ersten Tagen der Diät. Die sehr geringe Ballaststoffzufuhr begünstigt Obstipation (Verstopfung), während eine unzureichende Flüssigkeitsaufnahme zusätzlich verstärkend wirken kann. Hinzu kommt eine rasche mentale Ermüdung durch die monotone Kost, die häufig zu einem vorzeitigen Abbruch der Diät führt.
Eine strukturierte Übergangsphase, ein definiertes Ausstiegskonzept oder Strategien zur langfristigen Gewichtsstabilisierung sind im Konzept der Mayo-Diät nicht vorgesehen [6].
Ernährungsphysiologische Bewertung
Die Makronährstoffverteilung der Mayo-Diät ist deutlich verschoben. Der Proteinanteil liegt bei über 50 % der Gesamtenergie, während der Kohlenhydratanteil sehr niedrig und die Fettzufuhr stark reduziert ist. Eine derart ausgeprägte Verschiebung der Hauptnährstoffrelation widerspricht den Empfehlungen einer ausgewogenen Ernährung [1, 6]. Zwar kann die hohe Proteinzufuhr kurzfristig zu einer ausgeprägten Sättigung beitragen, langfristig ist jedoch von einer erhöhten metabolischen Belastung auszugehen, insbesondere bei Personen mit eingeschränkter Nierenfunktion oder entsprechender Prädisposition [4].
Die Ballaststoffzufuhr liegt deutlich unter dem Bedarf. Der ausgeprägte Ballaststoffmangel wirkt sich negativ auf die Darmmotilität und die Zusammensetzung des intestinalen Mikrobioms (Darmflora) aus und kann langfristig die metabolische Gesundheit beeinträchtigen [6].
Zudem ist die Zufuhr mehrerer essentieller Mikronährstoffe unzureichend, darunter Calcium, Magnesium, Kalium, verschiedene B-Vitamine sowie sekundäre Pflanzenstoffe.
Hinzu kommt die hohe Cholesterinzufuhr durch den regelmäßigen und hohen Eierverzehr. Bei dafür empfänglichen Personen kann dies zu einem Anstieg des LDL-Cholesterins führen und damit das kardiovaskuläre Risiko erhöhen [3, 5].
Insgesamt ist eine langfristig ausgewogene ernährungsphysiologische Versorgung mit der Mayo-Diät nicht erreichbar.
Medizinische Risiken und mögliche Komplikationen
Mögliche Risiken sind eine Ketonämie infolge der sehr niedrigen Kohlenhydratzufuhr, eine Hyperurikämie mit erhöhtem Gichtrisiko sowie eine potentielle Belastung der Nierenfunktion [4, 5].
Der hohe Eier- und Fleischverzehr kann zu einem Anstieg des LDL-Cholesterins führen und damit das Risiko für Atherosklerose (Arteriosklerose/Arterienverkalkung) und Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen [3, 5].
In großen Kohortenstudien zeigte sich, dass sowohl eine sehr niedrige (< 40 %) als auch eine sehr hohe (> 70 %) Kohlenhydratzufuhr mit einer erhöhten Mortalität (Sterblichkeit) assoziiert ist, während eine moderate Aufnahme die günstigsten Ergebnisse zeigt [2]. Zudem erhöht eine Ernährung mit hohem glykämischen Index das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse und Mortalität [3].
Kontraindikationen (Gegenanzeigen)
Absolute Kontraindikationen [4, 5]
- Chronische Niereninsuffizienz (Nierenschwäche)
- Ausgeprägte Hyperurikämie (erhöhter Harnsäurespiegel im Blut) oder Gicht
Relative Kontraindikationen [5]
- Hyperlipidämien (Fettstoffwechselstörungen)
- Diabetes mellitus
- Höheres Lebensalter mit erhöhtem Sarkopenierisiko
Eine ärztliche Rücksprache sollte erfolgen.
Vorteile
- Schneller initialer Gewichtsverlust
- Gute kurzfristige Sättigung
- Einfaches, klar strukturiertes Schema
Nachteile
- Extrem einseitige Lebensmittelauswahl
- Hohes Risiko für Nährstoffmängel
- Ungünstige Makronährstoffverteilung
- Erhöhte Belastung für Nieren und Stoffwechsel
- Potentieller Anstieg von LDL-Cholesterin
- Keine Vermittlung nachhaltiger Essgewohnheiten
- Hohes Risiko für einen Jo-Jo-Effekt
- Sehr geringe Langzeitumsetzbarkeit [6]
Wissenschaftliche Einordnung
Keine nationale oder internationale Fachgesellschaft empfiehlt die Mayo-Diät. Die Studienlage zeigt, dass extreme Makronährstoffverteilungen langfristig keinen Vorteil gegenüber ausgewogenen, leitlinienorientierten Ernährungskonzepten haben [2, 6].
Fazit
Die Mayo-Diät ist aus ernährungsmedizinischer Sicht nicht empfehlenswert. Die angestrebte schnelle Gewichtsabnahme stellt keinen verlässlichen Zielparameter dar und wird durch eine extreme und einseitige Ernährung erkauft, die relevante gesundheitliche Risiken birgt. Sie ist stark individuell geprägt und erlaubt keine belastbare Aussage über einen nachhaltigen Diäterfolg.
Langfristige Erfolge sind kaum erreichbar, während Nachteile wie Nährstoffmängel, metabolische Belastungen und Jo-Jo-Effekt deutlich überwiegen.
Literatur
- Leitzmann C, Müller C, Michel P, Brehme U, Triebel T, Hahn A, Laube H: Ernährung in Prävention und Therapie. 3. Aufl. Stuttgart: Hippokrates Verlag; 2009.
- Seidelmann SB, Claggett B, Cheng S et al.: Dietary carbohydrate intake and mortality: a prospective cohort study and meta-analysis. Lancet Public Health. 2018;3(9):e419-e428. doi: 10.1016/S2468-2667(18)30135-X.
- Jenkins DJA, Dehghan M, Mente A et al.: Glycemic Index, Glycemic Load, and Cardiovascular Disease and Mortality. N Engl J Med 2021;384(14):1312-22. doi: 10.1056/NEJMoa2007123.
- Kidney Disease: Improving Global Outcomes (KDIGO) CKD Work Group: KDIGO 2024 Clinical Practice Guideline for the Evaluation and Management of Chronic Kidney Disease.Kidney Int. 2024 Apr;105(4S):S117-S314. doi: 10.1016/j.kint.2023.10.018.
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- Morze J, Danielewicz A, Hoffmann G, Schwingshackl L: Diet Quality as Assessed by the Healthy Eating Index, Alternate Healthy Eating Index, Dietary Approaches to Stop Hypertension Score, and Health Outcomes: A Second Update of a Systematic Review and Meta-Analysis of Cohort Studies. J Acad Nutr Diet. 2020 Dec;120(12):1998-2031.e15. doi: 10.1016/j.jand.2020.08.076.