Dukan-Diät
Die Dukan-Diät ist eine stark proteinbetonte, kohlenhydrat- und phasenweise auch fettarme Reduktionsdiät, die über mehrere Stufen („Phasen“) eine rasche Gewichtsabnahme erzielen soll. Charakteristisch sind eine sehr hohe Zufuhr tierischer Eiweißquellen, eine zunächst sehr starke Einschränkung von Kohlenhydraten und Ballaststoffen sowie eine spätere, graduelle Wiedereinführung ausgewählter Lebensmittel.
Einzuordnen ist die Dukan-Diät als Lifestyle-Konzept zur Gewichtsreduktion (nicht leitliniengestützte therapeutische Diät). Sie nutzt Elemente kohlenhydratreduzierter Diäten, ist jedoch durch die strikte Phasenlogik und die starke Betonung magerer tierischer Proteine besonders restriktiv.
Entstehung und wissenschaftliche Grundlagen
Die Dukan-Diät wurde von dem französischen Arzt Pierre Dukan populär gemacht und ab den 2000er-Jahren international vermarktet. Wissenschaftliche Grundlagen werden häufig aus allgemeinen Konzepten der Kohlenhydratrestriktion, Sättigungswirkung von Protein sowie kurzfristiger Energiereduktion abgeleitet, ohne dass die spezifische Dukan-Phasenstruktur durch hochwertige Langzeitstudien abgesichert wäre.
Zentrale Annahmen sind:
- Protein erhöht die Sättigung und stabilisiert die Gewichtsabnahme.
- Starke Kohlenhydratreduktion senkt Appetit und erleichtert initiale Gewichtsverluste.
- Eine strikt vorgegebene Phasenabfolge verhindert „Rückfälle“. Für diese spezifische Kombination existiert keine robuste Evidenz, während die Effekte „Low Carb“/proteinbetonter Reduktionsdiäten insgesamt besser untersucht sind [2].
Zielsetzung der Diät
Primäres Ziel ist eine rasch sichtbare Gewichtsabnahme mit anschließender Stabilisierung. Die Diät wird häufig als Lifestyle-Intervention eingesetzt, teils auch mit dem Anspruch, kardiometabolische Risikofaktoren zu verbessern (z. B. Triglyceride, Blutdruck, Nüchternglucose).
Therapeutische Zielparameter sind (wenn medizinisch genutzt): Körpergewicht/BMI (Body-Mass-Index/Körpermassen-Index), Taillenumfang, Blutdruck, Nüchternglucose/HbA1c (Langzeitblutzuckerwert), Lipidprofil (insbesondere LDL-Cholesterin, Triglyceride) und ggf. Harnsäure.
Für eine leitlinienlogische Anwendung wären Indikationsstellung, Monitoring (Labor/Blutdruck/Verlauf), Risikoprüfung (Niere, Gicht, Essstörungstendenzen) und Abbruchkriterien erforderlich. Die Dukan-Diät liefert hierfür kein standardisiertes medizinisches Setting [1].
Grundprinzipien
Die Dukan-Diät ist typischerweise in vier Phasen organisiert:
- Initial sehr restriktiv (nahezu nur magere Proteine)
- Anschließend schrittweise Ergänzung bestimmter Gemüsesorten
- Später begrenzte Portionen stärkehaltiger Lebensmittel/Obst
- Schließlich eine Erhaltungsphase mit festen „Regeltagen“
Häufig werden zusätzlich Kleieprodukte (v. a. Haferkleie) zur Ballaststoffzufuhr empfohlen, um Obstipation (Verstopfung) zu reduzieren und Sättigung zu steigern.
Praktisch führt die frühe Phase zu einer deutlichen Kalorienreduktion durch Lebensmittelauswahl und Monotonie, nicht durch ein zwingend vorgegebenes Kalorienziel.
Angestrebte Wirkmechanismen
Erwartet werden:
- stärkere Sättigung,
- geringere spontane Energieaufnahme,
- rascher Wasser-/Glykogenverlust (Glykogen = Speicherform der Glucose) zu Beginn,
- Erhalt fettfreier Masse durch hohe Proteinzufuhr und
- metabolische Verbesserungen durch Gewichtsabnahme.
Pathophysiologisch plausibel sind eine höhere Sättigungswirkung proteinreicher Kost und kurzfristige Effekte kohlenhydratreduzierter Strategien auf Triglyceride und glykämische Parameter. Gleichzeitig ist bei kohlenhydratarmen Mustern eine ungünstige LDL-Cholesterin-Reaktion bei Teilgruppen möglich, abhängig u. a. von Ausgangs-BMI und Fettqualität [2, 3].
Nicht belegt ist, dass die spezifische Dukan-Phasenlogik gegenüber anderen evidenzbasierten Energiereduktionsstrategien einen eigenständigen, langfristigen Vorteil bietet.
Zielgruppen und Ausschlusskriterien
Grundsätzlich richtet sich das Konzept an Erwachsene mit dem Wunsch nach rascher Gewichtsabnahme. Aufgrund der Restriktion ist eine sorgfältige Risikoprüfung erforderlich.
Geeignete Zielgruppen
- Erwachsene mit Adipositas/Übergewicht ohne relevante Komorbiditäten (Begleiterkrankungen), die eine kurzfristige strukturierte Reduktionsphase erwägen und engmaschig monitoren lassen können (Labor, Blutdruck, Symptome).
Eingeschränkte Eignung
- Personen mit kardiovaskulärem Risiko (Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen) oder Dyslipidämie (Fettstoffwechselstörung, insbesondere bei LDL-Anstieg unter Low-Carb-Mustern möglich) [2, 3]
- Personen mit Obstipationstendenz (Neigung zu Verstopfung), Reizdarm, geringer Gemüseakzeptanz oder hohem Alltags-/Sozialessensanteil (Probleme bei der Umsetzbarkeit im Alltag).
- Ältere Menschen mit erhöhtem Risiko für unzureichende Energiezufuhr, Dehydratation (Flüssigkeitsmangel) oder Sarkopenie (altersbedingter Abbau von Muskelmasse und Muskelkraft) [1]
Nicht geeignet
- Kinder und Jugendliche: Restriktive Diäten ohne klare Indikation und professionelles Setting sind nicht empfohlen [5].
- Schwangerschaft/Stillzeit: Strenge Restriktion und potentiell ketogene Phasen (Phasen sehr niedriger Kohlenhydratzufuhr mit vermehrter Ketonkörperbildung infolge erhöhter Fettverbrennung, ggf. begleitet von unerwünschten Effekten) sind zu vermeiden.
- Essstörungen/Essstörungstendenzen oder ausgeprägtes restriktives Essverhalten
Ein strukturiertes Monitoring und eine risikoarme Alternative (z. B. leitlinienorientierte, ausgewogene Energiereduktion) sind in vielen Fällen vorzuziehen [1].
Durchführung und Ablauf der Diät
Die Vorbereitung umfasst die Planung proteinreicher Lebensmittel (mageres Fleisch/Fisch, Eier, fettarme Milchprodukte), das Entfernen typischer Kohlenhydratquellen (Brot, Reis, Pasta, Süßigkeiten) sowie die Organisation alltagstauglicher Mahlzeiten (z. B. vorgekochte Proteinportionen).
Typische Startfehler sind zu geringe Trinkmenge, zu wenig Ballaststoffzufuhr (Obstipation), monotone Auswahl mit anschließendem Kontrollverlust („Rebound-Essen“) und fehlendes Labor-/Risikomonitoring.
Eine sinnvolle Übergangsphase wäre medizinisch betrachtet eine frühzeitige, geplante Rückführung zu einer ausgewogenen, ballaststoffreichen Kost mit moderatem Kaloriendefizit, da langfristig restriktive Muster die Adhärenz reduzieren.
Dauer und Zeiträume werden im Dukan-Konzept zwar vorgegeben, sind aber nicht evidenzbasiert individuell angepasst.
Empfohlene Lebensmittel
Die Auswahl variiert je nach Phase, typischerweise mit Fokus auf mageres Protein und später ausgewähltem Gemüse.
- Magere tierische Proteine: mageres Fleisch, Geflügel, Fisch/Meeresfrüchte, Eier
- Fettarme Milchprodukte (je nach Variante/Phase): Quark, Joghurt, Hüttenkäse
- Später:
- nicht stärkehaltiges Gemüse (z. B. Blattgemüse, Gurke, Tomate, Brokkoli)
- Ballaststoffergänzung über Kleieprodukte (v. a. Haferkleie)
- Typische Beispiele:
- Quark-/Joghurtmahlzeiten, Eierspeisen, mageres Fleisch/Fisch mit Gemüse (spätere Phasen)
- Besondere Vorgaben:
- Stark eingeschränkte Kohlenhydrate in der Anfangsphase, teils feste „Regeltage“ in der Erhaltungsphase
Für eine langfristig gesundheitsorientierte Ernährung wäre eine deutlich breitere pflanzliche Vielfalt (Vollkorn, Hülsenfrüchte, Nüsse/Samen) erforderlich [1].
Nicht empfohlene bzw. einzuschränkende Lebensmittel
Begründet wird dies in der Dukan-Logik primär mit Insulin-/Appetitsteuerung und „Stopp“ energiedichter Lebensmittel. Faktisch resultiert es in einer drastischen Kohlenhydrat- und Ballaststoffreduktion.
Ausgeschlossene Lebensmittel (v. a. frühe Phasen)
- Brot, Reis, Nudeln, Kartoffeln, viele Getreideprodukte
- Zuckerhaltige Lebensmittel/Süßwaren, gesüßte Getränke
- Viele Obstsorten (phasenabhängig)
- Hülsenfrüchte und Nüsse häufig zunächst ausgeschlossen oder stark limitiert
Eingeschränkt erlaubte Lebensmittel
- Fette/Öle teils stark begrenzt (phasenabhängig)
- Stärkehaltige Beilagen/Obst später in kleinen Mengen und nach Regelwerk
Die Restriktion ballaststoffreicher Lebensmittel ist aus gastrointestinaler Perspektive nachteilig für die normale Verdauung (z. B. Verstopfung, Blähungen) und langfristig auch kardiometabolisch ungünstig, da sie sich negativ auf Herz-Kreislauf-Gesundheit und Stoffwechsel auswirken kann [1, 2].
Praktische Tipps zur Umsetzung im Alltag
- Planung: Eine wöchentliche Essensplanung mit wenigen wiederkehrenden Gerichten reduziert Entscheidungsstress und senkt das Risiko von Abbrüchen oder unkontrolliertem Essen.
- Portionskontrolle: Auch bei proteinreichen Lebensmitteln sind realistische Portionsgrößen sinnvoll, um eine ungewollt hohe Energiezufuhr zu vermeiden.
- Flüssigkeitszufuhr: Eine ausreichende Trinkmenge ist essentiell, da proteinreiche und kohlenhydratarme Kost den Flüssigkeitsbedarf erhöhen und Obstipation (Verstopfung) begünstigen kann.
- Ballaststoffmanagement: Sobald im Phasenmodell vorgesehen, sollte der Gemüseanteil konsequent erhöht werden; dies unterstützt Verdauung, Sättigung und langfristige Umsetzbarkeit.
- Geschmack und Abwechslung: Der Einsatz von Kräutern, Gewürzen, Senf, Essig oder Zitronensaft (ohne Zuckerzusatz) verbessert die Akzeptanz trotz eingeschränkter Lebensmittelauswahl.
- Selbstbeobachtung: Regelmäßiges Wiegen, aber auch Beobachten von Wohlbefinden, Verdauung und Leistungsfähigkeit hilft, ungünstige Effekte früh zu erkennen.
- Übergangsstrategie: Bereits zu Beginn sollte ein klarer Plan für den Ausstieg aus der strikten Phase bestehen, um schrittweise zu einer ausgewogenen, ballaststoffreichen Ernährung zurückzukehren.
Langfristig ist der größte Hebel nicht die strikte Phase, sondern eine realistische, dauerhaft umsetzbare Ernährungsstruktur mit moderater Energiereduktion [1].
Ernährungsphysiologische Bewertung
Die Ernährungsphysiologie der Dukan-Diät ist durch eine ausgeprägte Verschiebung der Makronährstoffverteilung (Verteilung der Hauptnährstoffe Kohlenhydrate, Fette, Proteine (Eiweiß)) gekennzeichnet. Die Energiezufuhr erfolgt überwiegend über Protein und – je nach Phase und Fettwahl – auch über Fett, während die Kohlenhydratzufuhr sehr niedrig ist. Diese Zusammensetzung kann kurzfristig die Sättigung erhöhen und die spontane Energieaufnahme reduzieren, geht jedoch häufig mit einer niedrigen Ballaststoffzufuhr, einer eingeschränkten Lebensmittelvielfalt und einem hohen Anteil tierischer Lebensmittel einher [2].
Durch den geringen Verzehr von Obst, Vollkornprodukten und Hülsenfrüchten besteht ein potentielles Risiko für eine unzureichende Zufuhr bestimmter Mikronährstoffe (Vitalstoffe), insbesondere Folsäure, Kalium, Magnesium sowie sekundärer Pflanzenstoffe. Die tatsächliche Nährstoffversorgung ist dabei stark abhängig vom Umfang und der Vielfalt der verzehrten Gemüsesorten. Insbesondere in den Anfangsphasen ist die Ballaststoffzufuhr typischerweise deutlich reduziert, was Obstipation (Verstopfung) begünstigen und sich ungünstig auf die Zusammensetzung und Funktion der Darmmikrobiota (Darmflora) auswirken kann.
Der beobachtete Gewichtsverlust beruht überwiegend auf einem – häufig unbeabsichtigten – Kaloriendefizit infolge der starken Restriktion und Monotonie der Lebensmittelauswahl und nicht auf einem spezifischen oder nachhaltigen metabolischen Vorteil der Diät [2]. Ohne einen frühzeitig geplanten und strukturierten Übergang zu einer vielseitigen, ballaststoffreichen und überwiegend pflanzenbetonten Ernährung ist die Dukan-Diät als dauerhafte Ernährungsform nicht ausgewogen und erschwert eine leitlinienorientierte Langzeittherapie der Adipositas [1].
Medizinische Risiken und mögliche Komplikationen
Die Dukan-Diät ist mit mehreren potentiellen medizinischen Risiken und Komplikationen verbunden. Durch die Restriktion ganzer Lebensmittelgruppen besteht ein erhöhtes Risiko für eine unzureichende Zufuhr ballaststoff- und mikronährstoffreicher Lebensmittel, insbesondere bei geringer Gemüsevielfalt. Dies kann sich langfristig negativ auf die Nährstoffversorgung und die Darmfunktion auswirken.
Unter kohlenhydratarmen Ernährungsformen zeigen sich zwar häufig Verbesserungen der Triglyceridwerte und der glykämischen Kontrolle, gleichzeitig kann es jedoch – insbesondere abhängig von Ausgangsprofil und Fettqualität – zu einem teils deutlichen Anstieg des LDL-Cholesterins kommen [2, 3]. Diese gegenläufigen Effekte sind klinisch relevant, vor allem bei Personen mit erhöhtem kardiovaskulärem Risiko (Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen).
Gastrointestinale Beschwerden (Magen-Darm-Beschwerden) treten vergleichsweise häufig auf. Besonders eine geringe Ballaststoff- und Flüssigkeitszufuhr begünstigt Obstipation. Zusätzlich können Übelkeit, Mundgeruch infolge einer ketotischen Stoffwechsellage sowie individuelle Unverträglichkeiten beobachtet werden.
Im Hinblick auf die Nierenfunktion ist eine hohe Proteinzufuhr bei vorbestehender chronischer Nierenerkrankung potentiell problematisch. Bei chronischer Niereninsuffizienz ab Stadium G3-G5 (GFR < 60 ml/min/1,73 m²) wird eine Proteinzufuhr von etwa 0,8 g/kg Körpergewicht/Tag empfohlen; zusätzlich soll eine individuell angepasste ernährungsmedizinische Beratung erfolgen, um Progression, metabolische Komplikationen und Mangelernährung zu vermeiden.
[4]. Auch bei Personen ohne bekannte Nierenerkrankung ist die Langzeitsicherheit einer sehr hohen, überwiegend tierischen Proteinzufuhr nicht abschließend geklärt; mögliche Effekte hängen unter anderem von der Proteinquelle, der Gesamternährung und bestehenden Komorbiditäten (Begleiterkrankungen) ab [6].
Ein weiterer potentieller Risikofaktor ist die Harnsäurebelastung. Ein hoher Anteil purinreicher tierischer Lebensmittel kann die Entwicklung oder Verschlechterung einer Hyperurikämie (erhöhter Harnsäurespiegel im Blut) begünstigen. Beobachtungsstudien zeigen Zusammenhänge zwischen dem Konsum bestimmter Lebensmittel wie rotem Fleisch, Alkohol, fruktosereichen Produkten und Meeresfrüchten und dem Risiko für Gicht [7].
Schließlich sind relevante Wechselwirkungen mit bestehenden medikamentösen Therapien zu berücksichtigen. Insbesondere bei raschem Gewichtsverlust und ausgeprägter Kohlenhydratreduktion kann eine Anpassung von Antidiabetika aufgrund eines erhöhten Hypoglykämierisikos (Risiko für Unterzuckerungen) sowie von Antihypertensiva infolge von Blutdruckabfall oder verändertem Volumenstatus erforderlich werden. Dies spricht gegen eine unkontrollierte Selbstanwendung der Diät bei entsprechender Medikation und unterstreicht die Notwendigkeit einer ärztlichen Begleitung [1].
Kontraindikationen (Gegenanzeigen)
Absolute Kontraindikationen
- Aktive Essstörung oder ausgeprägte Essstörungstendenz
- Schwangerschaft und Stillzeit (strikte Restriktion/ketogene Phasen vermeiden)
- Kinder und Jugendliche (ohne enges medizinisches Setting nicht empfohlen) [5]
Relative Kontraindikationen (ggf. mit Monitoringbedarf)
- Chronische Nierenerkrankung (CKD), Nephrolithiasis (Nierensteine) in der Anamnese, Proteinurie (Eiweiß geht über den Urin verloren) [4]
- Gicht/Hyperurikämie oder erhöhte Harnsäure
- Dyslipidämie (Fettstoffwechselstörung), hohes kardiovaskuläres Risiko (LDL-Anstieg möglich) [2, 3]
- Insulin-/Sulfonylharnstofftherapie oder komplexe Antihypertensiva-Therapie (Anpassungsbedarf) [1]
In diesen Fällen sind evidenzbasierte, individualisierte und weniger restriktive Ernährungsstrategien in der Regel sicherer [1].
Vorteile
- Rasche anfängliche Gewichtsabnahme (auch durch Glykogen-/Wasserverlust)
- Hohe Sättigung durch Protein, dadurch häufig reduzierte spontane Kalorienaufnahme [2]
- Potentielle kurzfristige Verbesserungen von Triglyceriden und glykämischen Parametern im Rahmen der Gewichtsreduktion [2]
Der Nutzen hängt stark von Umsetzbarkeit im Alltag, Lebensmittelqualität und dem geplanten Übergang in eine dauerhaft tragfähige Ernährungsform ab [1].
Nachteile
Die Nachteile ergeben sich vor allem aus Restriktion, geringer Vielfalt und unklarer Langzeitwirksamkeit.
- Einschränkungen:
- Stark restriktiv, sozial und kulinarisch schwer durchzuhalten; erhöhtes Rebound-Risiko
- Phasenregeln fördern ein „Alles-oder-nichts“-Muster
- Einseitigkeit:
- Geringe Ballaststoffzufuhr und reduzierte pflanzliche Vielfalt, damit potentiell ungünstige Darm- und Mikronährstoffeffekte
- Häufig hoher Anteil tierischer Lebensmittel
- Langfristige Umsetzbarkeit:
- Keine robuste Evidenz für einen nachhaltigen Vorteil der Dukan-spezifischen Struktur gegenüber leitlinienorientierten, ausgewogenen Strategien [1, 2]
- Potentiell ungünstige Lipidreaktionen (LDL-Anstieg) bei Teilgruppen [3]
In Summe überwiegen bei langfristiger Anwendung meist die Nachteile gegenüber dem kurzfristigen Nutzen.
Wissenschaftliche Einordnung
Zur Dukan-Diät selbst liegen keine hochwertigen, unabhängigen Langzeitstudien vor, die über mehrere Jahre durchgeführt wurden und harte klinische Endpunkte wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Mortalität (Sterblichkeit) erfassen. Die oft angeführten Wirkmechanismen wie eine stärkere Sättigung oder eine kurzfristig geringere Energieaufnahme sind grundsätzlich plausibel, stellen jedoch keinen besonderen Vorteil der Dukan-Diät dar und lassen sich ebenso mit weniger strengen, evidenzbasierten Ernährungsformen erreichen.
Metaanalysen zu kohlenhydratarmen Reduktionsdiäten zeigen im Durchschnitt keine klare Überlegenheit gegenüber ausgewogenen, kalorienreduzierten Ernährungsformen im Hinblick auf eine langfristige Gewichtsabnahme. Gleichzeitig unterscheiden sich die Effekte auf kardiometabolische Risikofaktoren wie Blutfette oder Blutzucker zwischen einzelnen Personen teils deutlich [2]. Insbesondere für das LDL-Cholesterin gibt es Hinweise, dass es unter Low-Carb-Ernährungsweisen bei manchen Personen deutlich ansteigen kann, während andere kaum Veränderungen zeigen [3].
Aktuelle Leitlinien und Stellungnahmen von Fachgesellschaften zur Adipositastherapie empfehlen daher vor allem eine individuell angepasste, ausgewogene Ernährung in Kombination mit Verhaltensstrategien und einer langfristig umsetzbaren Struktur, anstatt stark restriktiver Diäten [1]. Bei bestehenden Nierenerkrankungen wird zusätzlich eine an die Nierenfunktion angepasste, eher moderate Proteinzufuhr empfohlen, was sehr proteinreiche Diäten weiter einschränkt [4].
Fazit
Kurzfristig kann die Dukan-Diät durch Restriktion und hohe Proteinzufuhr eine rasche Gewichtsabnahme erleichtern. Medizinisch-ernährungswissenschaftlich ist sie jedoch kein überzeugendes langfristiges Konzept: Sie ist stark einseitig, ballaststoffarm (v. a. initial), alltagspraktisch häufig schlecht durchhaltbar und potentiell risikobehaftet (u. a. LDL-Anstieg bei Teilgruppen, Probleme bei CKD, Hyperurikämie/Gicht, Obstipation) [2-4, 7].
Im Vergleich zu anderen Diäten ist der erwartbare Nutzen überwiegend auf das Kaloriendefizit zurückzuführen und lässt sich in der Regel mit leitlinienorientierten, ausgewogenen und langfristig tragfähigen Strategien sicherer erreichen.
Für die dauerhafte Anwendung ist die Dukan-Diät aus evidenzbasierter Sicht nicht zu empfehlen. Wenn überhaupt, dann nur sehr kurzfristig, mit geplantem Übergang in eine ausgewogene Ernährung und mit medizinischem Monitoring bei Risikokonstellationen [1]-
Literatur
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