Schwere körperliche Arbeit und Ernährung

Schwere körperliche Arbeit umfasst Tätigkeiten mit über längere Zeit erhöhter Muskelarbeit, wiederholter Kraftentwicklung, Lastenhandhabung oder hoher Ausdauerbeanspruchung. Typische Tätigkeitsfelder sind Bauwirtschaft, Land- und Forstwirtschaft, Bergbau, Schwerindustrie, Logistik, Feuerwehr und Rettungsdienst.

Die physiologische Beanspruchung (körperliche Belastung) wird nicht allein durch die Berufsbezeichnung bestimmt. Entscheidend sind Arbeitsintensität, Belastungsdauer, Pausenstruktur, Körpermasse, Trainingszustand, Umgebungstemperatur, Luftfeuchtigkeit, Luftbewegung, Sonneneinstrahlung, Schutzkleidung und Akklimatisation (Anpassung des Körpers an veränderte Klimabedingungen). Besonders unter Hitze können schwere Arbeit und isolierende Schutzkleidung bereits bei mäßigen Außentemperaturen eine erhebliche thermische Belastung (Wärmebelastung des Körpers) verursachen [1-3, LL3, LL4, LL6].

Die Ernährung soll die Energiebilanz (Verhältnis von Energieaufnahme und Energieverbrauch) sichern, Kohlenhydrate (Zucker- und Stärkebausteine) für die Muskelarbeit bereitstellen, die Regeneration (Erholung und Wiederherstellung) unterstützen sowie Flüssigkeits- und Elektrolytverluste (Verluste gelöster Mineralstoffe) ausgleichen. Sie ist ein wesentlicher Bestandteil der Erhaltung von Leistungsfähigkeit und Gesundheit, ersetzt jedoch keine technischen, organisatorischen und persönlichen Arbeitsschutzmaßnahmen.

Energiebedarf

Der Gesamtenergieverbrauch setzt sich aus Ruheenergieverbrauch, nahrungsinduzierter Thermogenese (durch die Verdauung verursachte Wärmebildung) und körperlicher Aktivität zusammen. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) ordnet körperlich anstrengende berufliche Tätigkeiten orientierend einem Physical Activity Level (PAL) von 2,0-2,4 zu. Als Beispiele werden unter anderem Bauarbeiter, Landwirte, Waldarbeiter und Bergarbeiter genannt [LL1].

Der PAL-Wert ist eine populationsbezogene Orientierung und keine individuelle Dosierungsvorgabe. Der tatsächliche Energiebedarf hängt zusätzlich von Körpermasse, Körperzusammensetzung (Verteilung von Fett-, Muskel- und weiteren Körpergeweben), Alter, Geschlecht, Gesundheitszustand, Arbeitsschwere, Dauer der Belastung und Umgebungsklima ab [LL1, LL3].

Für die praktische Beurteilung sind insbesondere der längerfristige Körpergewichtsverlauf, die Arbeitsleistung, das Hungergefühl und die Regeneration relevant. Ein unbeabsichtigter Gewichtsverlust, persistierende Erschöpfung (anhaltende starke Müdigkeit), ein deutlicher Leistungsknick oder verlängerte Regenerationszeiten können auf eine unzureichende Energiezufuhr hinweisen. Da diese Symptome unspezifisch sind, müssen gegebenenfalls medizinische Ursachen ausgeschlossen werden.

Lebensmittelauswahl und Mahlzeitenstruktur

Der erhöhte Energiebedarf sollte überwiegend durch nährstoffreiche Lebensmittel gedeckt werden. Geeignet sind Vollkornprodukte, Haferflocken, Kartoffeln, Reis, Hülsenfrüchte, Gemüse, Obst, Milch und Milchprodukte oder entsprechend angereicherte pflanzliche Alternativen, Eier, Fisch, Nüsse, Samen und pflanzliche Öle [LL2].

Bei sehr hohem Energieverbrauch können energiedichte Lebensmittel (Lebensmittel mit vielen Kalorien in kleiner Menge) wie Nüsse, Nussmus, Käse, Pflanzenöle, Trockenfrüchte und energiereiche Mischmahlzeiten die Bedarfsdeckung erleichtern. Stark zuckerreiche Lebensmittel und Getränke können während lang dauernder intensiver Arbeit kurzfristig Kohlenhydrate bereitstellen, sollten jedoch nicht die Grundlage der täglichen Ernährung bilden [8, LL2].

Bei langen Arbeitsschichten ist häufig eine Struktur aus drei Hauptmahlzeiten und bedarfsabhängig ein bis drei Zwischenmahlzeiten zweckmäßig. Verpflegung, Trinkmöglichkeiten, Pausenzeiten, Kühlung und hygienische Lagerung sollten bereits vor Arbeitsbeginn geplant werden.

Kohlenhydrate

Kohlenhydrate sind bei länger dauernder Arbeit mittlerer bis hoher Intensität ein zentraler Energieträger. Mit zunehmender Belastungsintensität steigt die Bedeutung der muskulären und hepatischen Glykogenspeicher (Zuckerspeicher der Muskeln und der Leber). Eine unzureichende Kohlenhydratverfügbarkeit kann frühzeitige Ermüdung, eine sinkende Arbeitsgeschwindigkeit und eine verminderte Kraftausdauer begünstigen [8].

Für schwere berufliche Arbeit besteht kein einheitlicher Referenzwert in Gramm pro Kilogramm Körpergewicht. Quantitative Vorgaben aus dem Leistungssport können nicht uneingeschränkt auf alle Beschäftigten übertragen werden. Die Zufuhr muss an Arbeitsschwere, Belastungsdauer, Körpermasse und Gesamtenergieverbrauch angepasst werden.

Geeignete Kohlenhydratquellen sind Vollkornbrot, Haferflocken, Kartoffeln, Reis, Nudeln, Hülsenfrüchte und Obst. Während mehrstündiger Arbeit können leicht transportierbare Lebensmittel wie belegte Brote, Bananen, Trockenfrüchte, Haferprodukte sowie vorbereitete Kartoffel- oder Reisgerichte eingesetzt werden.

Protein

Protein (Eiweiß) unterstützt den Erhalt und die Regeneration der Muskulatur sowie die Synthese (Bildung) von Enzymen, Transportproteinen und weiteren funktionellen Körperproteinen. Schwere körperliche Arbeit begründet jedoch keinen für alle Beschäftigten identischen Mehrbedarf.

Für gesunde Erwachsene bilden zunächst die altersabhängigen DGE/ÖGE-Referenzwerte die Grundlage [LL1]. Bei regelmäßig sehr hoher muskulärer Beanspruchung, häufigem Lastentransport, zusätzlichem Krafttraining, unzureichender Energieverfügbarkeit oder in der Rehabilitation (Wiederherstellung nach Erkrankungen oder Verletzungen) kann eine höhere Proteinzufuhr sinnvoll sein.

Ein Bereich von etwa 1,2-1,6 g Protein/kg Körpergewicht und Tag kann bei gesunden Personen mit dauerhaft hoher muskulärer Beanspruchung als individualisierte Orientierung dienen [5, 8]. Dieser Bereich ist überwiegend aus der Sport- und Einsatzernährung abgeleitet und stellt keinen eigenständigen arbeitsmedizinischen Referenzwert dar. Die Metaanalyse von Morton et al. untersuchte die Wirkung der Proteinsupplementierung in Verbindung mit systematischem Krafttraining; ihre Ergebnisse sind deshalb nur eingeschränkt auf berufliche Schwerarbeit übertragbar [5].

Die Proteinzufuhr sollte möglichst auf mehrere Mahlzeiten verteilt werden. Geeignete Quellen sind Milch und Milchprodukte, Eier, Fisch, mageres Fleisch, Sojaprodukte, Hülsenfrüchte sowie Kombinationen aus Getreide und Hülsenfrüchten.

Proteinpräparate können bei sehr hohem Bedarf, eingeschränkter Verpflegungsmöglichkeit, vermindertem Appetit oder nicht ausreichender Proteinaufnahme eine sinnvolle und praktische Ergänzung darstellen. Bei bedarfsdeckender Ernährung sind sie nicht obligat.

Nahrungsfette

Nahrungsfette erhöhen die Energiedichte und können bei hohem Energieverbrauch die Bedarfsdeckung erleichtern. Bevorzugt werden sollten ungesättigte Fettsäuren (gesundheitsförderliche Fettbestandteile) aus Rapsöl, Olivenöl, Nüssen, Samen und Fisch [LL2].

Sehr große, stark fettreiche oder frittierte Mahlzeiten unmittelbar vor intensiver Arbeit können die Magenentleerung verzögern und Völlegefühl oder andere gastrointestinale Beschwerden (Magen-Darm-Beschwerden) begünstigen. Der Abstand zwischen größeren Mahlzeiten und intensiver Belastung sollte individuell nach Verträglichkeit gewählt werden.

Flüssigkeitsbedarf

Schwere Muskelarbeit erhöht die metabolische Wärmeproduktion (Wärmebildung durch den Stoffwechsel). Zur Wärmeabgabe steigt die Schweißsekretion (Schweißabgabe), insbesondere bei Hitze, hoher Luftfeuchtigkeit, Sonneneinstrahlung oder isolierender Schutzkleidung. Die individuelle Schweißrate kann erheblich variieren und bei besonderen Einsatzbedingungen mehr als 1 l/h betragen [3, 9, LL3].

Eine für alle Beschäftigten geltende Trinkmenge pro Stunde oder Arbeitsschicht ist daher nicht sachgerecht. Die Arbeit sollte möglichst in einem ausgeglichenen Hydratationszustand (ausreichend mit Flüssigkeit versorgten Zustand) begonnen werden. Während der Tätigkeit müssen Getränke leicht erreichbar sein und regelmäßige Trinkmöglichkeiten bestehen [9, LL3, LL4, LL6].

Die Flüssigkeitsaufnahme sollte sich an Arbeitsintensität, Schweißrate, Umgebungsklima und individuellen Faktoren orientieren. Bei thermisch isolierender Schutzkleidung empfiehlt die AWMF-Leitlinie, die Trinkmengen möglichst an die Schweißverluste anzupassen. Sofern während des Einsatzes hygienisch einwandfrei getrunken werden kann, können unter diesen besonderen Bedingungen Flüssigkeitsmengen bis zu 250 ml je 15 Minuten erforderlich sein [LL3]. Diese Angabe ist nicht als allgemeine Trinkvorgabe für sämtliche körperlich arbeitenden Personen zu verstehen.

Die individuelle Schweißrate kann näherungsweise durch Messung der Körpermasse vor und nach einer repräsentativen Arbeitsphase bestimmt werden. Dabei sind die währenddessen aufgenommenen Getränke, Speisen und die Urinmenge zu berücksichtigen [9].

Eine Metaanalyse zeigte bei einer Dehydratation (Flüssigkeitsmangel) eine geringe, jedoch signifikante Beeinträchtigung der kognitiven Leistungsfähigkeit (geistigen Leistungsfähigkeit). Besonders betroffen waren Aufmerksamkeit, Exekutivfunktionen (geistige Steuerungs- und Kontrollfunktionen) und motorische Koordination (Abstimmung von Bewegungen); bei einem Körpermasseverlust von mehr als 2 % waren die Beeinträchtigungen ausgeprägter [4].

Auch eine übermäßige Flüssigkeitsaufnahme ist zu vermeiden. Trinken deutlich oberhalb der Schweiß- und Urinverluste kann eine Verdünnungshyponatriämie (zu niedrigen Natriumgehalt im Blut durch übermäßiges Trinken) begünstigen. Das Körpergewicht sollte während einer Arbeitsschicht durch die Flüssigkeitsaufnahme nicht über den Ausgangswert ansteigen [9].

Elektrolyte

Mit dem Schweiß gehen vor allem Natrium und Chlorid verloren. Die Natriumkonzentration des Schweißes unterscheidet sich interindividuell (von Mensch zu Mensch) und nimmt im Allgemeinen mit zunehmender Hitzeakklimatisation ab. Kalium, Magnesium und Calcium werden ebenfalls ausgeschieden, quantitativ jedoch in deutlich geringeren Mengen [9, LL3].

Für kürzere Arbeitseinsätze bei moderaten Temperaturen ist Wasser in der Regel ausreichend. Bei mehrstündiger schwerer Arbeit mit starker Schweißbildung können natriumhaltige Getränke oder salzhaltige Mahlzeiten zweckmäßig sein [9]. Eine ausgewogene Ernährung deckt unter üblichen Bedingungen die Verluste von Kalium und Magnesium ab. Die AWMF-Leitlinie sieht elektrolythaltige Getränke bei einzelnen kurzzeitigen Hitzeexpositionen nur in Ausnahmefällen als erforderlich an [LL3].

Salztabletten sind für die routinemäßige Prävention nicht erforderlich. Bei arterieller Hypertonie (Bluthochdruck), Herzinsuffizienz (Herzschwäche), Niereninsuffizienz (Nierenschwäche), Leberzirrhose (narbigem Umbau der Leber) oder ärztlich angeordneter natriumarmer Ernährung müssen Flüssigkeits- und Natriumzufuhr individuell festgelegt werden.

Mikronährstoffe

Schwere körperliche Arbeit begründet keinen pauschalen Mehrbedarf an sämtlichen Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen (Mineralstoffen, die nur in sehr kleinen Mengen benötigt werden). Ebenso lässt sich aus starkem Schwitzen keine generelle Indikation für hoch dosierte B-Vitamine, antioxidative Kombinationen oder eine ungezielte Zufuhr von Magnesium, Zink, Selen, Kupfer, Mangan oder Coenzym Q10 ableiten.

Bei einer höheren, bedarfsdeckenden Energiezufuhr steigt in der Regel auch die absolute Mikronährstoffzufuhr, sofern die zusätzliche Energie aus nährstoffreichen Lebensmitteln stammt. Eine gezielte Supplementierung (ergänzende Einnahme von Nährstoffpräparaten) ist sinnvoll, wenn ein Mangel nachgewiesen wurde, eine relevante Risikokonstellation besteht oder der Bedarf durch die Ernährung nicht zuverlässig gedeckt werden kann [LL1, LL2].

Eisen – Eisenmangel und Eisenmangelanämie (Blutarmut durch Eisenmangel) können die Sauerstofftransportkapazität und damit körperliche Leistungsfähigkeit, Konzentration und Ausdauer beeinträchtigen. Besonders zu berücksichtigen sind menstruierende Frauen mit starken Blutungen, häufige Blutspender, Personen mit gastrointestinalen Blutverlusten, Malabsorption (gestörter Nährstoffaufnahme im Darm) oder überwiegend pflanzlicher Ernährung.

Eine Metaanalyse randomisierter Studien zeigte bei Frauen im reproduktionsfähigen Alter unter Eisensupplementierung Verbesserungen maximaler und submaximaler körperlicher Leistungsparameter. Die Studien waren jedoch hinsichtlich Populationen und Qualität heterogen [6]. Eine Eisensubstitution sollte daher durch Anamnese (Erhebung der Krankengeschichte) und geeignete Labordiagnostik, insbesondere Blutbild, Ferritin (Speichereisenwert) und gegebenenfalls einen Entzündungsmarker, begründet werden. Bei gesichertem Eisenmangel ist die gezielte Supplementierung sinnvoll [6].

Vitamin B12 – bei veganer Ernährung ist eine regelmäßige und zuverlässige Supplementierung erforderlich, da eine bedarfsdeckende Zufuhr mit üblichen rein pflanzlichen Lebensmitteln nicht sichergestellt werden kann [LL1]. Weitere Indikationen können Malabsorption oder bestimmte gastrointestinale Erkrankungen und Operationen sein. Schwere körperliche Arbeit allein begründet keine Vitamin-B12-Supplementierung.

Vitamin D – schwere körperliche Arbeit begründet keinen eigenständigen Vitamin-D-Mehrbedarf. Bei fehlender oder unzureichender endogener Synthese (körpereigener Bildung) gelten die allgemeinen DGE/ÖGE-Referenzwerte. Eine gezielte Supplementierung ist insbesondere bei nachgewiesen unzureichendem Status oder entsprechender medizinischer Risikokonstellation sinnvoll [LL1].

Magnesium – eine routinemäßige Magnesiumsupplementierung verbessert bei ausreichend versorgten Personen nicht nachgewiesenermaßen die berufliche Leistungsfähigkeit. Eine gezielte Substitution (Ausgleich eines Mangels) ist bei nachgewiesenem Mangel, relevanten gastrointestinalen Verlusten, bestimmten Arzneimitteltherapien oder anderen medizinischen Indikationen sinnvoll. Muskelkrämpfe allein beweisen keinen Magnesiummangel.

Antioxidative Mikronährstoffe – Gemüse, Obst, Hülsenfrüchte, Nüsse, Samen, Vollkornprodukte und pflanzliche Öle liefern Vitamin C, Vitamin E, Carotinoide (pflanzliche Farbstoffe), Polyphenole (bioaktive Pflanzenstoffe) und weitere bioaktive Substanzen. Eine generelle beruflich bedingte Indikation für hoch dosierte antioxidative Einzelsubstanzen besteht nicht.

Arbeit unter Hitzeeinwirkung

Hitze erhöht die thermoregulatorische (die Wärmeregulation betreffende) und kardiovaskuläre Beanspruchung (Belastung von Herz und Kreislauf). Das Risiko wird nicht allein durch die Lufttemperatur bestimmt, sondern zusätzlich durch Luftfeuchtigkeit, Luftbewegung, Wärmestrahlung, Sonneneinstrahlung, Arbeitsschwere, Bekleidung, persönliche Schutzausrüstung und Akklimatisation [2, 3, LL3, LL4, LL6].

Metaanalysen dokumentieren bei beruflicher Hitzeexposition relevante gesundheitliche Belastungen und Produktivitätseinbußen. Für Beschäftigte im Baugewerbe ergab eine aktuelle Metaanalyse einen hohen Anteil hitzebedingter Produktivitätseinbußen, wobei die starke Heterogenität (Unterschiedlichkeit) der eingeschlossenen Studien zu berücksichtigen ist [1]. Eine berufsübergreifende Metaanalyse bestätigte den Zusammenhang zwischen beruflicher Hitzebelastung, physiologischer Beanspruchung und verminderter Produktivität [2].

Ernährung und Flüssigkeitszufuhr sind nur Teil eines wirksamen Hitzeschutzes. Vorrangig sind Gefährdungsbeurteilung, Verschattung, technische Kühlung, Anpassung von Arbeitszeiten und Arbeitsintensität, zusätzliche Pausen in kühler Umgebung, geeignete Schutzkleidung, Akklimatisation und ein betriebliches Notfallkonzept [3, LL3, LL4, LL6].

Warnzeichen einer relevanten Hitzeerkrankung sind ungewöhnliche Schwäche, Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit, Erbrechen, Muskelkrämpfe, Koordinationsstörungen, Verwirrtheit, Kollaps oder Bewusstseinsstörungen. Bei neurologischen Symptomen (Anzeichen einer Störung des Nervensystems), Bewusstseinsstörung oder Verdacht auf Hitzschlag sind die Arbeit sofort zu unterbrechen, unverzüglich Kühlungsmaßnahmen einzuleiten und der Rettungsdienst zu alarmieren.

Arbeit unter Kältebedingungen

Das Ausmaß der Kältebelastung hängt von Lufttemperatur, Wind, Nässe, Expositionsdauer, Arbeitsintensität, Bekleidung und individuellen Faktoren ab [LL3, LL5]. Bei unzureichender Isolation kann der Energieumsatz durch Muskelzittern und eine gesteigerte Wärmeproduktion zunehmen.

Warme Mahlzeiten und Getränke können den thermischen Komfort unterstützen. Sie ersetzen jedoch keine geeignete, trockene Schutzkleidung, geschützte Aufwärmbereiche und ausreichende Erholungsphasen. Alkohol ist zur Erwärmung ungeeignet, da er die periphere Vasodilatation (Erweiterung körperferner Blutgefäße) und damit den Wärmeverlust fördern sowie die Risikowahrnehmung beeinträchtigen kann.

Zusätzliche Schicht- oder Nachtarbeit

Bei gleichzeitiger Schicht- oder Nachtarbeit müssen Mahlzeiten und Getränke besonders sorgfältig geplant werden. Während der Nacht werden kleinere, leicht verdauliche Mahlzeiten häufig besser vertragen als sehr große, stark fettreiche Speisen. Die ausreichende Energie- und Nährstoffzufuhr über 24 Stunden bleibt entscheidend.

Koffein kann vorübergehend Wachheit und Aufmerksamkeit verbessern. Eine Metaanalyse zeigte jedoch, dass Koffein die nachfolgende Gesamtschlafzeit verkürzt, die Schlafeffizienz (Anteil der tatsächlichen Schlafzeit an der im Bett verbrachten Zeit) vermindert und die Einschlaflatenz (Zeit bis zum Einschlafen) verlängert [7]. Dosis und Einnahmezeitpunkt sollten daher so gewählt werden, dass vor der geplanten Schlafphase ein ausreichend langer koffeinfreier Zeitraum verbleibt. Koffein ersetzt weder Schlaf noch eine bedarfsgerechte Ernährung.

Praktische Umsetzung

Vor Arbeitsbeginn – vor einer längeren Belastung eignet sich eine kohlenhydrat- und proteinhaltige Mischmahlzeit mit individuell verträglichem Fett- und Ballaststoffanteil. Beispiele sind Haferflocken mit Joghurt und Obst, Vollkornbrot mit Ei oder Quark, Reis mit Gemüse und Fisch sowie Kartoffeln mit Hülsenfrüchten.

Während der Arbeit – bei langen Arbeitsschichten sind planbare Ess- und Trinkpausen erforderlich. Geeignete Zwischenmahlzeiten sind belegte Brote, Naturjoghurt, Obst, Nüsse, Haferprodukte oder vorbereitete Reis-, Kartoffel- und Hülsenfruchtgerichte. Bei Hitze müssen Getränke jederzeit leicht erreichbar sein [LL2, LL4, LL6].

Nach Arbeitsende – eine Mahlzeit aus Kohlenhydraten, einer hochwertigen Proteinquelle und Flüssigkeit unterstützt die Wiederauffüllung der Energiespeicher und die muskuläre Regeneration. Bei ausgeprägten Schweißverlusten kann eine normale salzhaltige Mahlzeit zur Wiederaufnahme von Natrium und Chlorid beitragen.

Ernährungsmedizinische Diagnostik

Eine weiterführende medizinische oder ernährungsmedizinische Abklärung ist insbesondere angezeigt bei:

  • unbeabsichtigtem Gewichtsverlust
  • anhaltender Erschöpfung oder deutlichem Leistungsknick
  • Belastungsdyspnoe (Atemnot bei körperlicher Belastung) oder rezidivierenden Schwindelzuständen (wiederkehrendem Schwindel)
  • ungewöhnlich langer Regenerationszeit
  • wiederholten Muskel- oder Sehnenverletzungen
  • starken Menstruationsblutungen
  • gastrointestinalen Beschwerden oder chronischer Diarrhoe (anhaltendem Durchfall)
  • restriktiver Lebensmittelauswahl
  • wiederholten Symptomen einer Hitzeerkrankung

Die Labordiagnostik sollte hypothesengeleitet (an einer konkreten Verdachtsdiagnose orientiert) erfolgen. Je nach Anamnese und klinischem Befund kommen Blutbild, Ferritin zusammen mit einem Entzündungsmarker, Vitamin B12, Folat (Folsäure), Elektrolyte, Kreatinin (Nierenfunktionswert), Leberwerte (Laborwerte zur Beurteilung der Leberfunktion), Schilddrüsenparameter (Laborwerte der Schilddrüsenfunktion) und gegebenenfalls 25-Hydroxyvitamin D (Speicherform von Vitamin D im Blut) in Betracht. Ungezielte umfassende Mikronährstoffprofile ohne klinische Fragestellung haben eine begrenzte Aussagekraft.

Fazit

Schwere körperliche Arbeit erfordert in erster Linie eine individuell ausreichende Energie-, Kohlenhydrat-, Protein- und Flüssigkeitszufuhr. Der tatsächliche Bedarf wird durch Arbeitsschwere, Belastungsdauer, Körpermasse, Klima, Schutzkleidung und Regenerationsmöglichkeiten bestimmt.

Bei starker Schweißbildung sind insbesondere Flüssigkeits-, Natrium- und Chloridverluste relevant. Die Trinkstrategie muss individualisiert werden und sowohl eine relevante Dehydratation als auch eine übermäßige Flüssigkeitsaufnahme vermeiden.

Ein pauschaler Mehrbedarf an sämtlichen Vitaminen, Spurenelementen oder antioxidativen Nahrungsergänzungsmitteln ist nicht belegt. Gezielte Supplementierungen sind bei nachgewiesenem Mangel, klarer Risikokonstellation oder nicht ausreichender Bedarfsdeckung sinnvoll und können zur Wiederherstellung bzw. Sicherung von Gesundheit und Leistungsfähigkeit beitragen.

Literatur

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  7. Gardiner C, Weakley J, Burke LM et al.: The effect of caffeine on subsequent sleep: A systematic review and meta-analysis. Sleep Med Rev. 2023;69:101764. doi:10.1016/j.smrv.2023.101764
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Leitlinien

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  4. Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin: Empfehlung des Ausschusses für Arbeitsstätten (ASTA) – Beurteilung der Gefährdungen durch Hitze und Maßnahmen an Arbeitsplätzen in nicht allseits umschlossenen Arbeitsstätten und an Arbeitsplätzen im Freien. August 2025. PDF
  5. Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin: Empfehlung des Ausschusses für Arbeitsstätten (ASTA) – Beurteilung der Gefährdungen durch Kälte und Maßnahmen an Arbeitsplätzen in nicht allseits umschlossenen Arbeitsstätten und an Arbeitsplätzen im Freien. August 2025. PDF
  6. World Health Organization, World Meteorological Organization: Climate change and workplace heat stress: technical report and guidance. Geneva 2025. Website