Coaching

Coaching ist eine Form der professionellen Beratung bzw. Begleitung von Menschen, die ihre Leistungsfähigkeit im beruflichen oder privaten Umfeld steigern möchten.  Es handelt sich dabei um eine Förderung der individuellen Problembewältigung sowie der Selbstreflexion und -wahrnehmung mit dem Ziel das Selbstbewusstsein und Verantwortungsgefühl zu stärken und somit schließlich Hilfe zur Selbsthilfe zu gewährleisten.

Ursprünglich leitet sich der Begriff „Coaching“ vom englischen Wort „coach“ ab, das „Kutsche“ bedeutet.  Die Funktion einer Kutsche ist es, Menschen zu einem bestimmten Ziel zu befördern. Dieses spiegelt auch das Prinzip des Coachings wider: ein Mensch  wird unterstützt, schnell und sicher an ein individuell ausgewähltes Ziel zu gelangen. Seit Ende des 19. Jahrhunderts wird der Begriff im angloamerikanischen Raum vorwiegend im Bereich des Hochleistungssports verwendet. Spitzensportler werden von einem Coach umfassend betreut, wobei das reine Training von einer persönlichen Betreuung und psychischen Motivierung, z. B. während eines Wettkampfs ergänzt wird. In den 1970er- bis 1980er-Jahren tauchte der Begriff auch im Kontext des Managements auf. Er erlangte einen immer höheren Stellenwert als eine Personalentwicklungsmaßnahme, bei der  ein Coach als ein Berater tätig ist und besonders Personen in Führungspositionen bei ihren Aufgaben unterstützt. Bis heute haben sich viele unterschiedliche Coaching-Ansätze ausdifferenziert, die sich beispielsweise in ihren Zielgruppen unterscheiden (Team-Coaching vs. Einzel-Coaching).

Indikationen (Anwendungsgebiete)

Aus persönlicher Sicht ist Coaching eine sehr individuelle Beratungsform, die auf konkrete Bedürfnisse des Coachees (die zu beratende Person) zugeschnitten ist. Daher hängt die Indikation zum Coaching stark von persönlichen Faktoren ab. Es gibt jedoch auch klassische Situationen, in denen eine Person sich im Verhalten oder in persönlichen Einstellungen verändern und dabei auf eine unterstützende Begleitung aktiv zurückgreifen möchte:  

  • Am häufigsten geschieht dies zu Zeiten einer aktuellen „Krise“. Dabei handelt es sich um eine problematische Situation, die häufig mit einschneidenden Veränderungen und schwerwiegenden Entscheidungen verbunden ist. Dieses kann sich auf persönlicher Ebene abspielen und wird zum Beispiel ausgelöst durch schwere Krankheiten, eine Scheidung, Verluste, Umweltkatastrophen etc. Auf betrieblicher Ebene können es grundlegende Umstrukturierungen, Fusionen von Systemen oder finanzielle Belastungen sein. In jedem Fall wirkt sich eine Krise auf eine Menschengruppe oder einen einzelnen Menschen aus und kann sowohl bedrohen und belasten als auch herausfordern und eine Chance zur Veränderung sein. Da eine Krise einen Zeitpunkt darstellt, bei dem alte Verhaltensmuster abgelegt und neue Entwicklungen angestrebt werden, eignet sie sich hervorragend, um durch ein professionelles Coaching unterstützt zu werden.
  • Weniger schwerwiegende, akute Herausforderungen aus dem beruflichen oder privaten Umfeld können ebenfalls ein Anlass für Coaching sein. Dabei verspürt der Coachee den Wunsch, sein Verhalten zu verändern, um bestimmte Situationen und Belastungen besser zu bewältigen. Es können wichtige Projekte, entscheidende Karriereschritte oder die Anpassung an bestimmte familiäre Rollen den Anlass dazu geben, sich von einem Coach beraten und unterstützen zu lassen.
  • Außerdem sind auch seit Langem etablierte Prinzipien und Umgangsformen, bei denen ein Verbesserungsbedarf realisiert wird, dazu geeignet, durch Coaching abgeschafft bzw. verändert zu werden. Es kann sich dabei um den Ausbau von Führungskompetenzen oder die Anpassung der Kommunikation handeln.

Aus ökonomischer Sicht ist Coaching eine Investition in das Humankapital (Mitarbeiter) eines Unternehmens und führt durch  innovative Personalentwicklung zu einer höheren Leistungsfähigkeit des gesamten Unternehmens. Auch ohne konkrete Anlässe sehen viele Führungskräfte die Notwendigkeit, ihre eigenen Kompetenzen und die Fähigkeiten ihrer Mitarbeiter zu fördern. Zur Verbesserung der Flexibilität, Teamfähigkeit oder Kreativität wird dabei häufig auf ein professionelles Coaching zurückgegriffen. Durch einwandfreie Kooperation, gute soziale Kompetenzen und erhöhte Lernfähigkeit des Personals erhofft man sich letztlich einen Wettbewerbsvorteil des gesamten Unternehmens.

Das Verfahren

Die Coaching-Gespräche finden in mehreren Sitzungen und in einem zeitlich begrenzten Rahmen statt. Der Coach arbeitet ein festes Coaching-Konzept aus, das sein Vorgehen, seine Interventionen und Methoden erklärt. Damit Manipulationen ausgeschlossen werden, muss dieses Konzept dem Coachee zugänglich gemacht werden. Ein Verständnis des Gesamtkonzepts ist außerdem eine Grundvoraussetzung für die bestmögliche Förderung des Coachees.

Ablauf des Verfahrens

Der Prozess des Coachings kann schematisch in Abschnitte unterteilt werden:

  1. Wahrnehmung des Coaching-Bedarfs: Für den Erfolg des Coachings ist es entscheidend, dass der Wunsch bzw. Bedarf danach vom Coachee selbst geäußert wird und auf einer freiwilligen Basis beruht. Ohne diese Grundvoraussetzung wäre jede Beratung sinnlos.
  2. Erstes Kennenlernen: Beim ersten Kontakt zwischen Coach und Coachee muss zunächst ein vertrauensvolles Verhältnis für eine positive Arbeitsbeziehung geschaffen werden. Dafür werden vorab einige Informationen über dieses Arbeitsbündnis erhoben:
    • Beratungsgrund: Wozu wurde der Coach konsultiert? Warum gerade dieser Coach? Was erwartet der Klient? Wurde das Coaching angeordnet?
    • Verflechtung zwischen Coach und Coachee: Kennen sich die beiden bereits? Welches Image vermittelt der Coach? Bestehen Verbindungen zu Vorgesetzten?
    • Vorausgehende Beratungserfahrung: Handelt es sich um das erste Coaching? Welche Themen sollten als "Fettnäpfchen" vermieden werden? Welche Themen sind unverzichtbar?
    • Wertschätzung: Für den Coachee ist es wichtig, dass die Schwierigkeit seiner Ausgangssituation erkannt wird. Seine Entscheidung und sein Mut eine Beratung zu suchen, muss vom Coach gewürdigt werden.
  3. Vertragsschluss: Zwischen Coach und Coachee wird auf der Basis des ersten Kennenlernens ein Vertrag abgeschlossen, der eine Art Einwilligung beider Seiten zur Durchführung des Coachings darstellt.
  4. Zielbestimmung: Gemeinsam werden Ziele und ihre Prioritäten festgesetzt. Was soll erreicht/verhindert/erhalten werden? Welche Ziele sind die wichtigsten? Sich widersprechende Ziele sollten erkannt werden, sodass auf eines der beiden zunächst verzichtet werden kann. Des Weiteren sollte vorher festgelegt werden, woran später erkannt wird, dass ein bestimmtes Ziel erreicht wurde. Wird sich ein bestimmtes Verhalten ändern? Wird die Leistung gesteigert?
  5. Interventionen/Methoden: Die Methoden und Interventionstechniken des Coachings sind sehr vielfältig und können beliebig je nach Bedarf eingesetzt werden. Im Folgenden eine Auflistung einiger Methodenbespiele:
    • Aktives Zuhören: Einerseits wird dem Coachee genügend Zeit zum Erzählen gewährt, andererseits gibt der Coach Rückmeldungen zum Gespräch, die das Gesagte zusammenfassen und an den Coachee zurückspiegeln. Auch können bestimmte emotionale Inhalte aktiv vom Coach hervorgehoben werden, um dem Klienten ihre Wichtigkeit bewusst zu machen.
    • Fragen: Gezielte Fragen sind eines der wichtigsten Instrumente des Coachings. Sie dienen zum einen der Informationsgewinnung für den Coach, zum anderen zur Informationserzeugung, wenn der Coachee nach der passenden Antwort suchen muss.
    • Geschichten: Der Coach erzählt dabei Geschichten oder Anekdoten, die dem Coachee als Spiegel für Selbsterkennung oder als Modelle für z. B. Problemlösungsversuche dienen.
    • "Innere Konferenz": Diese Methode hat ihren Vorteil bei schwierigen Entscheidungsfindungen, bei denen sich der Klient in einem inneren Zwiespalt befindet. Es wird eine Art "Konferenz" zwischen den einzelnen Stimmen/Meinungen des Coachees nachgespielt, sodass nach einer ausführlichen Diskussion schließlich ein Kompromiss gefunden wird.
    • Kommunikationsanalyse: Kommunikationssequenzen, die vom Coachee als "schwierig" in Erinnerung geblieben sind, werden nachgespielt und analysiert.
    • Konfliktanalyse: Konfrontationen werden analysiert und Lösungsmuster für die Zukunft nahegelegt.
    • Medienwechsel: Zeichenutensilien, Ton, Bausteine, Puppen etc. werden dazu verwendet, um die Gedanken des Coachees auszudrücken. Der Coach fungiert dabei eher als Koordinator. Die deutende Funktion wird vielmehr vom Klienten selbst übernommen.
    • Rollenwechsel/Rollenspiel: Bestimmte Situationen werden nachgespielt, wobei diese besser wahrgenommen und analysiert werden können. Zukünftige Konfrontationen können vorbereitet und eingeübt werden.
  6. Evaluation: Der Coachee reflektiert den Erfolg bzw. Misserfolg seiner bisherigen Sitzungen. Besonders die vorausgegangene  Zielbestimmung wird an dieser Stelle wieder aufgegriffen und analysiert. 
  7. Abschluss: Durch Selbstreflexion kann der Coachee mit bestimmten Situationen besser zurechtkommen und fühlt sich in der Lage ähnliche Probleme zukünftig eigenständig zu lösen. Durch das Coaching wurde eine "Hilfe zur Selbsthilfe" gewährleistet.

Literatur

  1. Pohl M, Fallner H: Coaching mit System – Die Kunst nachhaltiger Beratung. VS Verlag 2010
  2. Niermeyer R: Coaching – Ziele setzen, Selbstvertrauen stärken, Erfolge kontrollieren. Rudolf Haufe Verlag 2007
  3. Lippmann E: Coaching Angewandte Psychologie für die Beratungspraxis. Springer Verlag 2006
  4. Schreyögg A: Coaching Eine Einführung für Praxis und Einführung. Campus Verlag 2003
  5. Backhausen W, Thommen JP: Coaching Durch systemisches Denken zu innovativer Personalentwicklung. Gabler Verlag 2006
  6. Rauen C: Handbuch Coaching. Hogrefe Verlag 2005

     
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