Reisekrankheit (Kinetose) – Körperliche Untersuchung

Eine umfassende klinische Untersuchung ist die Grundlage für die Auswahl der weiteren diagnostischen Schritte:

  • Allgemeine körperliche Untersuchung inklusive Blutdruck, Puls, Atemfrequenz, pulsoxymetrischer Sauerstoffsättigung (Sauerstoffgehalt des Blutes) (SpO2), Körpertemperatur, Körpergewicht, Körpergröße; des Weiteren:
    • Allgemeinzustand und Bewusstseinslage [während einer akuten Kinetose (Reisekrankheit) Gähnen, Müdigkeit bzw. Schläfrigkeit]
    • Inspektion von Haut und Gesicht [Gesichtsblässe; kalter Schweiß bzw. feucht-kühle Haut]
    • Inspektion der Mundhöhle [vermehrte Speichelsekretion (Speichelbildung)]
    • Beobachtung des Gastrointestinaltrakts (Magen-Darm-Trakts) [Würgen bzw. Erbrechen]
    • Beurteilung des Hydratationszustands (Flüssigkeitshaushalts), insbesondere bei wiederholtem Erbrechen
  • Herz-Kreislauf-System Auskultation (Abhören) des Herzens, Beurteilung von Herzfrequenz und -rhythmus sowie peripherer Perfusion (Durchblutung); bei unkomplizierter Kinetose regelhaft ohne richtungsweisenden pathologischen (krankhaften) Befund
  • Abdomen (Bauch) Inspektion, Auskultation, Perkussion (Abklopfen) und Palpation (Abtasten); insbesondere Ausschluss abdomineller Druckschmerzen, Abwehrspannung oder anderer Hinweise auf eine gastrointestinale Ursache von Übelkeit und Erbrechen
  • HNO-ärztliche orientierende Untersuchung Otoskopie (Ohrspiegelung) sowie orientierende Prüfung des Hörvermögens; pathologische otologische (das Ohr betreffende) Befunde sprechen für eine zusätzliche bzw. alternative Erkrankung
  • Neurologische und vestibuläre (das Gleichgewichtssystem betreffende) Untersuchung
    • Bewusstseinslage und Orientierung
    • Hirnnervenstatus (Untersuchung der Hirnnerven) einschließlich Pupillenreaktion und Okulomotorik (Augenbeweglichkeit)
    • Prüfung auf Spontan- und Blickrichtungsnystagmus (Augenzittern)
    • Koordinationsprüfung einschließlich Finger-Nase- und Knie-Hacke-Versuch
    • Stand- und Gangprüfung einschließlich Romberg-Versuch (Stehversuch mit geschlossenen Augen)
    • Orientierende Prüfung von Motorik (Bewegungsfunktion), Sensibilität (Empfindungsvermögen) und Muskeleigenreflexen (Muskelreflexen)
    • Bei unkomplizierter Kinetose ist die neurologisch-vestibuläre Untersuchung außerhalb der Bewegungsexposition in der Regel unauffällig; persistierende vestibuläre oder fokal-neurologische (auf einen umschriebenen Bereich des Nervensystems bezogene) Befunde erfordern eine differentialdiagnostische (zur Abgrenzung anderer Erkrankungen dienende) Abklärung.
  • Klinische Beurteilung während einer auslösenden Bewegungsexposition, sofern möglich charakteristisch ist die im Verlauf der Exposition zunehmende vegetative (das unwillkürliche Nervensystem betreffende) Reaktion [Gesichtsblässe, kalter Schweiß, vermehrte Speichelsekretion, Würgen bzw. Erbrechen] mit Rückbildung nach Beendigung des Bewegungsreizes.

In eckigen Klammern [ ] wird auf mögliche pathologische (krankhafte) körperliche Befunde hingewiesen.