Reisekrankheit (Kinetose) – Anamnese
Die Anamnese (Krankengeschichte) stellt einen wichtigen Baustein in der Diagnostik der Kinetose (Reisekrankheit) dar.
Familienanamnese
- Gibt es in Ihrer Familie Fälle von Kinetose oder einer erhöhten Neigung zu Übelkeit bei Bewegung (z. B. beim Autofahren, auf See, in der Luft)?
- Sind bei nahen Angehörigen neurologische Erkrankungen bekannt (z. B. Migräne, vestibuläre Funktionsstörungen (Störungen des Gleichgewichtssinns)), die in Zusammenhang mit Kinetose stehen könnten?
Sozialanamnese
- Beruf:
- Welchen Beruf üben Sie aus?
- Müssen Sie beruflich häufig reisen (z. B. mit dem Auto, Flugzeug, Schiff)?
- Sind Sie in öffentlichen Verkehrsmitteln regelmäßig Stress, Enge oder Bewegungsreizen ausgesetzt?
Reiseanamnese
- In welchen Fortbewegungsmitteln (Auto, Bus, Zug, Schiff, Flugzeug, Fahrgeschäft etc.) tritt die Symptomatik bevorzugt auf?
- Besteht ein Unterschied zwischen aktiver und passiver Fortbewegung (z. B. beim selbst Fahren vs. Mitfahren)?
- Vermeiden Sie bestimmte Verkehrsmittel oder Reisen aus Angst vor den Beschwerden?
Aktuelle Anamnese/Systemanamnese (somatische und psychische Beschwerden)
- Wann treten die Beschwerden auf: Nur während einer Reise oder auch schon vor Reisebeginn?
- Wie lange bestehen die Symptome typischerweise?
- Welche Beschwerden treten auf (z. B. Übelkeit, Schwindel, Erbrechen, Blässe, Kopfschmerzen, kalter Schweiß, Benommenheit)?
- Kommt es auch zu psychischer Anspannung, Angst oder Panik vor bzw. während der Reise?
- Haben Sie zusätzlich Ohrensausen, Gleichgewichtsstörungen oder visuelle Überempfindlichkeit bemerkt?
- Tritt die Symptomatik bei ruhigem oder bei bewegtem Blick auf? Verschlechtern Bildschirm- oder Leseaktivitäten die Beschwerden?
- Bestehen während der Reisen Kopfschmerzen oder Druckgefühle im Kopf? Wenn ja, wie lange und in welcher Intensität?
- Sind die Beschwerden konstant oder in bestimmten Momenten (z. B. bei Kurvenfahrt, Seegang, Start oder Landung) besonders ausgeprägt?
- Hängen die Beschwerden mit äußeren Reizen zusammen (z. B. Gerüche, visuelle Eindrücke, Schaukelbewegungen)?
- Verbessern sich die Symptome bei Fixieren eines festen Punktes (z. B. Horizont)?
- Verstärken sich die Beschwerden bei Lesen, Bildschirmarbeit oder Rückwärtssitzen?
Vegetative Anamnese inkl. Ernährungsanamnese
- Haben Sie vor Reisen regelmäßig Appetitlosigkeit oder Magenbeschwerden?
- Gibt es Unverträglichkeiten bestimmter Nahrungsmittel vor oder während der Reise?
- Trinken Sie ausreichend Flüssigkeit? Wie viel haben Sie heute bereits getrunken?
- Haben Sie vor oder während der Reise Heißhungerattacken, Übelkeit oder Erbrechen?
- Trinken Sie gerne Kaffee, schwarzen oder grünen Tee? Wenn ja, wie viele Tassen pro Tag
- Trinken Sie andere bzw. weitere koffeinhaltige Getränke? Wenn ja, wie viel jeweils davon?
- Trinken Sie Alkohol? Wenn ja, welches Getränk bzw. welche Getränke und wie viele Gläser pro Tag?
Eigenanamnese
- Vorerkrankungen:
- Haben Sie früher bereits unter Reisekrankheit gelitten?
- Haben Sie Migräne?
- Bestehen weitere chronische Erkrankungen (z. B. Hypertonie (Bluthochdruck), Diabetes mellitus, Depressionen)?
- Haben Sie Erkrankungen des Innenohrs, Gleichgewichtsstörungen oder Menière-Krankheit oder Sehstörungen?
- Haben Sie psychische Vorerkrankungen, insbesondere Angststörungen oder Phobien im Zusammenhang mit Reisen?
- Gab es in der Vergangenheit traumatische Reiseerlebnisse (z. B. Unfall, extreme Übelkeit, Flugangst)?
- Gab es frühere Therapieversuche (z. B. mit Antihistaminika oder Scopolamin-Pflaster)?
Medikamentenanamnese
- Nehmen Sie regelmäßig Medikamente ein? Wenn ja, welche und in welcher Dosierung?
- Haben Sie vor Reisen Medikamente zur Vorbeugung eingenommen? Wenn ja, welche und mit welchem Effekt?
- Vertragen Sie Medikamente zur Behandlung der Kinetose (z. B. Dimenhydrinat, Scopolamin)?
- Nehmen Sie regelmäßig pflanzliche Mittel ein (z. B. Ingwerpräparate)? Welche Erfahrungen haben Sie damit gemacht?
Unsere Empfehlung: Drucken Sie die Anamnese aus, markieren Sie alle mit „Ja“ beantworteten Fragen und nehmen Sie das Dokument mit zu Ihrem behandelnden Arzt.