Interstitielle Zystitis – Medikamentöse Therapie

Therapieziele

  • Reduktion entzündlicher Prozesse (Entzündungsvorgänge), Modulation neuronaler Überaktivität (Überaktivität von Nerven), Behandlung myofaszialer Kofaktoren (muskel- und bindegewebsbezogene Mitfaktoren) sowie Verbesserung von Schmerz, Harndrang, Miktionsfrequenz (Häufigkeit des Wasserlassens), Schlafqualität, Alltagsfunktion und Lebensqualität [LL1-LL3].
  • Stabilisierung beziehungsweise Restauration der geschädigten Glykosaminoglykan-Schicht (Schutzschicht aus Zuckereiweißstoffen) der Urothelbarriere (Schutzbarriere der Blasenschleimhaut) bei phänotypisch (nach dem Erscheinungsbild) passender Symptomkonstellation (Beschwerdebild) [1-3, 7, LL1-LL4].
  • Reduktion mastzellvermittelter (durch Mastzellen ausgelöster) und histaminerger (histaminbedingter) Symptomanteile (Beschwerdeanteile) bei klinischem Hinweis auf allergische, histaminerge oder mastzellassoziierte Trigger (Auslöser) [LL1-LL3, LL5-LL6].
  • Behandlung der Schmerzchronifizierung (Dauerhaftwerden von Schmerzen) nach den Prinzipien der multimodalen chronischen Schmerztherapie (Behandlung chronischer Schmerzen mit mehreren Verfahren); eine einheitliche Standardanalgesie (einheitliche Schmerzbehandlung) für alle Patienten mit interstitieller Zystitis/Blasenschmerzsyndrom (chronischer Blasenentzündung/Blasenschmerzkrankheit) (IC/BPS) existiert nicht [4, LL1-LL3].
  • Verbesserung der funktionellen Blasenkapazität (nutzbares Fassungsvermögen der Harnblase) und Verlängerung der Miktionsintervalle (Abstände zwischen dem Wasserlassen) durch individualisierte Kombination aus allgemeinen, medikamentösen, intravesikalen (in die Harnblase eingebrachten), interventionellen (eingreifenden) und nicht-medikamentösen Maßnahmen [5, LL1-LL3].
  • Vermeidung unnötiger Antibiotikatherapien bei fehlendem Nachweis einer bakteriellen Harnwegsinfektion (Infektion der ableitenden Harnwege) [LL1-LL3].

Therapieempfehlungen

  • Die Therapie der interstitiellen Zystitis/Blasenschmerzsyndrom (IC/BPS) soll individualisiert, multimodal und interdisziplinär erfolgen, da Schmerz, Harndrang, Miktionsfrequenz, Beckenbodendysfunktion (Funktionsstörung des Beckenbodens), myofasziale Schmerzen, psychosoziale Belastung (seelisch-soziale Belastung) und Komorbiditäten (Begleiterkrankungen) individuell unterschiedlich ausgeprägt sind [LL1-LL3].
  • Allgemeine Maßnahmen, Patientenedukation (Patientenschulung), Triggeridentifikation (Erkennen von Auslösern), Ernährungsberatung, Beckenbodenphysiotherapie (krankengymnastische Beckenbodenbehandlung), Schmerzmedizin (spezialisierte Schmerzbehandlung) und psychosomatische (körperlich-seelische) beziehungsweise psychotherapeutische (gesprächstherapeutische) Mitbehandlung sind integrale Bestandteile des Therapiekonzeptes [LL1-LL3].
  • Pentosanpolysulfat ist in Europa zur Behandlung des Blasenschmerzsyndroms (Blasenschmerzerkrankung) bei Erwachsenen mit mittelstarken bis starken Schmerzen, Harndrang und Miktionshäufigkeit zugelassen, wenn Glomerulationen (punktförmige Schleimhautblutungen) oder Hunner-Läsionen (entzündliche Blasenschleimhautveränderungen) vorliegen [1, 2, 7, LL4].
  • Die praktische Verfügbarkeit von Pentosanpolysulfat in Deutschland ist vor Verordnung zu prüfen; bei fehlendem regulärem Vertrieb kann ein Einzelimport (Einfuhr im Einzelfall) aus einem EU-Land in Betracht kommen [LL4].
  • Die intravesikale Glykosaminoglykan-Schichtsubstitution mit Hyaluronsäure (körpereigener Feuchtigkeits- und Schleimhautbaustein), Chondroitinsulfat (Knorpel- und Schleimhautbaustein) oder Heparin kann bei ausgewählten Patienten mit persistierender Schmerz-, Harndrang- und Frequenzsymptomatik als Therapiebaustein zur Stabilisierung der urothelialen Barriere (Schutzschicht der Blasenschleimhaut) eingesetzt werden; die Evidenz ist heterogen [1, 3, 7, LL1-LL3].
  • Die Instillationstherapie (Einbringen von Arzneistoffen in die Harnblase) ersetzt eine indizierte orale Pentosanpolysulfat-Therapie nicht regelhaft, sondern wird phänotyp- und symptomorientiert ergänzt [1, LL1-LL3].
  • Bei Hunner-Läsionen sollen endoskopische Verfahren (Spiegelungsverfahren) wie Fulguration (elektrische Verödung), Koagulation (Gewebeverödung), Laserablation (Abtragung mit Laser) oder Resektion (operative Entfernung) zur Schmerzreduktion und lokalen Läsionskontrolle (Kontrolle der Schleimhautveränderungen) berücksichtigt werden [LL1-LL3, LL5-LL6].
  • Botulinumtoxin-A-Injektionen (Einspritzungen eines nervenhemmenden Wirkstoffs) können bei therapierefraktärer Symptomatik (nicht ausreichend behandelbaren Beschwerden) erwogen werden; über das Risiko von Restharnbildung (Zurückbleiben von Urin in der Harnblase), Harnverhalt (Unfähigkeit, die Harnblase zu entleeren) und intermittierender Selbstkatheterisierung (zeitweises Selbstableiten von Urin mit einem Katheter) muss vorab aufgeklärt werden [LL1-LL3].
  • Antihistaminerge Therapieversuche (Behandlungsversuche gegen Histaminwirkung) können bei Verdacht auf mastzellvermittelte beziehungsweise histaminerge Symptomanteile erwogen werden; ein generelles „Soll“ für H2-Rezeptorantagonisten ist aufgrund der begrenzten Evidenz nicht gerechtfertigt [LL1-LL3, LL5-LL6].
  • Phosphodiesterase-5-Hemmer (gefäßerweiternde Enzymhemmer) und Alpha-1-Blocker (Mittel zur Entspannung glatter Muskulatur) können bei ausgewählten Patienten zur Verlängerung des Miktionsintervalls beziehungsweise bei funktionell-obstruktiven (durch eine Funktionsverengung bedingten) oder myofaszialen Kofaktoren erwogen werden; es handelt sich in der Regel um Off-Label-Use (Anwendung außerhalb der Zulassung) [5, LL1-LL3].
  • Koanalgetika (schmerzunterstützende Begleitmedikamente) wie Amitriptylin oder Pregabalin können bei chronischem Schmerz, neuropathischer Schmerzkomponente (nervenbedingtem Schmerzanteil), Schlafstörung und zentraler Sensitivierung (Überempfindlichkeit des Nervensystems) eingesetzt werden; Mirtazapin kann bei Unverträglichkeit trizyklischer Antidepressiva (älterer Antidepressiva-Gruppe) als Off-Label-Use erwogen werden [4, LL1-LL3].
  • Nichtsteroidale Antirheumatika (entzündungshemmende Schmerzmittel ohne Cortison) und Opioide (starke Schmerzmittel) sind nicht als spezifische IC/BPS-Standardtherapie anzusehen; sie sind wegen gastrointestinaler (Magen-Darm-bedingter), renaler (nierenbezogener), kardiovaskulärer (Herz-Kreislauf-bezogener), sedierender (dämpfender), abhängigkeitsbezogener und hyperalgesiebezogener (schmerzüberempfindlichkeitsbezogener) Risiken nur streng indikationsbezogen und zeitlich kontrolliert einzusetzen [LL1-LL3].
  • Phytotherapeutische (pflanzenheilkundliche) und ergänzende Ansätze mit postulierten antiinflammatorischen (entzündungshemmenden), mastzellmodulierenden oder antihistaminergen (gegen Histaminwirkung gerichteten) Effekten können allenfalls ergänzend diskutiert werden; die klinische Evidenz ist begrenzt und rechtfertigt keine Gleichstellung mit leitlinienbasierten Verfahren [LL1-LL3].
  • Cyclosporin A kann bei schwerer, therapierefraktärer IC/BPS (nicht ausreichend behandelbarer IC/BPS), insbesondere bei Hunner-Typ (Form mit Hunner-Läsionen), nur nach strenger Nutzen-Risiko-Abwägung (Abwägung von Vorteil und Risiko), ausführlicher Aufklärung und engmaschigem Monitoring (Überwachung) erwogen werden [6, LL1-LL3, LL5-LL6].

Orale Restauration beziehungsweise Stabilisierung der Glykosaminoglykan-Schicht

Wirkstoffgruppe Wirkstoff Besonderheiten
Heparinoid (heparinähnlicher Wirkstoff) Natrium-Pentosanpolysulfat (PPS) Einziges in Europa zugelassenes orales Arzneimittel für Blasenschmerzsyndrom mit Glomerulationen oder Hunner-Läsionen bei Erwachsenen mit mittelstarken bis starken Schmerzen, Harndrang und Miktionshäufigkeit; Wirkungseintritt meist erst nach 3-6 Monaten; ophthalmologische Basis- und Verlaufskontrollen wegen Risiko einer pigmentären Makulopathie erforderlich [1, 2, 7, LL4]

Wirkweise

  • Pentosanpolysulfat wirkt als Heparinoid über eine Stabilisierung der geschädigten Glykosaminoglykan-Schicht, eine Reduktion urothelialer Permeabilität, mastzellhemmende Effekte und eine Reduktion proangiogener Faktoren [1-3, 7, LL1, LL4].
  • Zusätzlich bestehen antikoagulative und fibrinolytische Eigenschaften, die bei Blutungsrisiko klinisch berücksichtigt werden müssen [LL4].

Indikationen

  • Blasenschmerzsyndrom/interstitielle Zystitis bei Erwachsenen mit mittelstarken bis starken Schmerzen, Harndrang und Miktionshäufigkeit bei Nachweis von Glomerulationen oder Hunner-Läsionen [LL4].
  • Besonders geeignet bei phänotypisch barrierebezogener Symptomatik und gesicherter Diagnose nach Ausschluss relevanter Differenzialdiagnosen [LL1-LL3].

Kontraindikationen (Gegenanzeigen)

  • Überempfindlichkeit gegen Pentosanpolysulfat oder einen sonstigen Bestandteil des Arzneimittels [LL4].
  • Klinisch relevante aktive Blutungen beziehungsweise hohes Blutungsrisiko nur nach strenger Nutzen-Risiko-Abwägung.
  • Vorbestehende makuläre Netzhauterkrankungen oder unklare Visusbeschwerden erfordern vor Therapiebeginn eine ophthalmologische Abklärung.

Nebenwirkungen

  • Gastrointestinale Beschwerden (Magen-Darm-Beschwerden), Kopfschmerzen, Schwindel, Hautreaktionen und Alopezie (Haarausfall).
  • Blutungsneigung und selten Thrombozytopenie (Mangel an Blutplättchen).
  • Pigmentäre Makulopathie (pigmentbedingte Netzhauterkrankung der Stelle des schärfsten Sehens), insbesondere bei Langzeitexposition (langdauernde Einwirkung); Patienten sollen vor Beginn und im Verlauf ophthalmologisch kontrolliert und über Sehstörungen, Leseschwierigkeiten, verzögerte Dunkeladaptation und Metamorphopsien (verzerrtes Sehen) aufgeklärt werden [LL4].

Antihistaminerge und mastzellmodulierende Therapie

Wirkstoffgruppe Wirkstoff Besonderheiten
H1-Rezeptorantagonist (Blocker eines Histamin-Rezeptors) Hydroxyzin Off-Label-Use; kann bei allergischer Diathese (allergischer Veranlagung), Juckreiz, Schlafstörung oder Hinweis auf mastzellvermittelte Symptomanteile erwogen werden; sedierende Wirkung beachten [LL1-LL3, LL5-LL6]
H2-Rezeptorantagonist Cimetidin oder Famotidin Kann bei histaminerger Symptomkomponente erwogen werden; begrenzte Evidenz; bei Kindern zurückhaltend beziehungsweise nur spezialärztlich [LL1-LL3, LL5-LL6]
Leukotrien-Rezeptorantagonist Montelukast Off-Label-Use; nur bei ausgewählten Patienten mit allergischer beziehungsweise mastzellassoziierter Symptomkonstellation; neuropsychiatrische Risiken beachten [LL1-LL3]

Wirkweise

  • H1- und H2-Rezeptorantagonisten blockieren histaminerge Signalwege, die bei mastzellassoziierter Entzündung, Schmerzverstärkung und Drangsymptomatik beteiligt sein können [LL1-LL3, LL5-LL6].
  • Montelukast hemmt leukotrienvermittelte Entzündungsprozesse und kann dadurch bei ausgewähltem inflammatorisch-allergischem Phänotyp (entzündlich-allergischem Erscheinungsbild) ergänzend wirksam sein [LL1-LL3].

Indikationen

  • Verdacht auf mastzellvermittelte oder histaminerge Symptomverstärkung [LL1-LL3, LL5-LL6].
  • Begleitende Allergien, Juckreiz, Flush, Nahrungsmitteltrigger oder Schlafstörung als klinische Zusatzargumente.

Kontraindikationen

  • Überempfindlichkeit gegen den jeweiligen Wirkstoff.
  • Hydroxyzin: QT-Verlängerung (Verlängerung einer Herzstromkurven-Zeit), relevante kardiale Arrhythmien (Herzrhythmusstörungen), gleichzeitige QT-verlängernde Medikation und schwere Leberfunktionsstörung (Störung der Leberfunktion) nur nach strenger Prüfung.
  • Montelukast: besondere Vorsicht bei depressiver Symptomatik, Angststörung, Schlafstörung oder anderen neuropsychiatrischen Symptomen (nerven- und seelischen Beschwerden).

Nebenwirkungen

  • Hydroxyzin: Sedierung, Mundtrockenheit, Schwindel, anticholinerge Effekte (hemmende Wirkungen auf den Botenstoff Acetylcholin) und QT-Verlängerung.
  • H2-Rezeptorantagonisten: Kopfschmerzen, gastrointestinale Beschwerden, Schwindel; Cimetidin mit relevantem Interaktionspotenzial (Wechselwirkungspotenzial).
  • Montelukast: Kopfschmerzen, gastrointestinale Beschwerden, Schlafstörungen, depressive Verstimmung, Angst und selten suizidale Gedanken.

Koanalgetika und zentral wirksame Schmerzmodulation

Wirkstoffgruppe Wirkstoff Besonderheiten
Trizyklisches Antidepressivum (älteres stimmungsaufhellendes Medikament) Amitriptylin Off-Label-Use bei IC/BPS; Nutzen vor allem bei chronischem Schmerz, Schlafstörung, Harndrang und zentraler Sensitivierung; anticholinerge Nebenwirkungen limitieren häufig die Dosis [4, LL1-LL3]
Gabapentinoid (nervenschmerzmodulierender Wirkstoff) Pregabalin Off-Label-Use; Option bei neuropathischer Schmerzkomponente, zentraler Sensitivierung oder komorbider Fibromyalgie; Sedierungs-, Sturz- und Missbrauchsrisiko beachten [LL1-LL3]
Noradrenerges und spezifisch serotonerges Antidepressivum (Antidepressivum mit Noradrenalin- und Serotoninwirkung) Mirtazapin Off-Label-Use; mögliche Alternative bei Unverträglichkeit trizyklischer Antidepressiva, Schlafstörung und Schmerzchronifizierung [LL1-LL3]

Wirkweise

  • Amitriptylin hemmt die Wiederaufnahme von Serotonin und Noradrenalin, moduliert zentrale Schmerzverarbeitung (Schmerzverarbeitung im Gehirn und Rückenmark), reduziert Harndrang und besitzt antihistaminerge sowie sedierende Effekte [4].
  • Pregabalin bindet an die Alpha-2-Delta-Untereinheit spannungsabhängiger Calciumkanäle und reduziert neuronale Übererregbarkeit bei neuropathischer Schmerzkomponente [LL1-LL3].
  • Mirtazapin antagonisiert zentrale präsynaptische Alpha-2-Adrenozeptoren sowie 5-HT2-, 5-HT3- und Histamin-H1-Rezeptoren.

Indikationen

  • Chronisches Schmerzsyndrom bei IC/BPS mit Schlafstörung, neuropathischer Schmerzkomponente, zentraler Sensitivierung oder affektiver Komorbidität [4, LL1-LL3].
  • Amitriptylin insbesondere bei kombinierter Schmerz-, Harndrang- und Schlafsymptomatik [4].
  • Pregabalin insbesondere bei neuropathischen Schmerzen, Allodynie (Schmerz durch normalerweise nicht schmerzhafte Reize), Hyperalgesie (verstärkte Schmerzempfindlichkeit) oder überlappenden Schmerzsyndromen [LL1-LL3].

Kontraindikationen

  • Amitriptylin: frischer Myokardinfarkt (Herzinfarkt), höhergradige Reizleitungsstörungen (Störungen der elektrischen Erregungsleitung am Herzen), unbehandeltes Engwinkelglaukom (bestimmte Form des grünen Stars), akuter Harnverhalt, schwere Leberinsuffizienz (Leberschwäche) und relevante anticholinerge Risikokonstellationen.
  • Pregabalin: Überempfindlichkeit; Dosisanpassung bei Niereninsuffizienz (Nierenschwäche) erforderlich.
  • Mirtazapin: Überempfindlichkeit; Vorsicht bei schwerer Leber- oder Niereninsuffizienz, Epilepsie (Anfallsleiden) und relevanter Sedierungsgefährdung.

Nebenwirkungen

  • Amitriptylin: Mundtrockenheit, Obstipation (Verstopfung), Sedierung, Gewichtszunahme, orthostatische Hypotonie (Blutdruckabfall beim Aufstehen), Tachykardie (Herzrasen), QT-Verlängerung, Harnverhalt und kognitive Einschränkungen.
  • Pregabalin: Schwindel, Müdigkeit, periphere Ödeme (Wassereinlagerungen an Armen oder Beinen), Gewichtszunahme, Sehstörungen, Konzentrationsstörung und Abhängigkeitspotenzial.
  • Mirtazapin: Sedierung, gesteigerter Appetit, Gewichtszunahme, Mundtrockenheit, Schwindel und Fatigue.

Analgetika (Schmerzmittel)

Wirkstoffgruppe Wirkstoffe Besonderheiten
Nicht-Opioidanalgetika (Schmerzmittel ohne Opioidwirkung) Paracetamol, Metamizol, nichtsteroidale Antirheumatika Keine spezifische Standardanalgesie für IC/BPS; Einsatz nach Prinzipien der chronischen Schmerztherapie; nichtsteroidale Antirheumatika nur zeitlich begrenzt und risikoadaptiert [LL1-LL3]
Opioidanalgetika Tramadol, Tilidin/Naloxon, Morphin, Oxycodon Bei chronischem IC/BPS-Schmerz möglichst restriktiv; Abhängigkeits-, Obstipations-, Sedierungs- und Hyperalgesierisiko beachten [LL1-LL3]

Wirkweise

  • Nicht-Opioidanalgetika reduzieren Schmerz über zentrale und/oder periphere Mechanismen; nichtsteroidale Antirheumatika hemmen Cyclooxygenasen (entzündungsfördernde Enzyme) und Prostaglandinsynthese (Bildung von Schmerz- und Entzündungsbotenstoffen).
  • Opioide wirken über Opioidrezeptoren im zentralen und peripheren Nervensystem, sind aber bei chronischen nichtmalignen Schmerzsyndromen nur streng selektiv einzusetzen [LL1-LL3].

Indikationen

  • Akute Schmerzexazerbation im Rahmen eines multimodalen Therapiekonzeptes [LL1-LL3].
  • Chronischer Schmerz nur nach strukturierter schmerzmedizinischer Beurteilung und regelmäßiger Therapiezielkontrolle [LL1-LL3].

Kontraindikationen

  • Nichtsteroidale Antirheumatika: aktive Ulkuserkrankung (Geschwürerkrankung), relevante Niereninsuffizienz, dekompensierte Herzinsuffizienz (Herzschwäche), hohes Blutungsrisiko und fortgeschrittene Schwangerschaft.
  • Opioide: nicht kontrollierte Ateminsuffizienz (Atemschwäche), akute Intoxikation (Vergiftung) mit sedierenden Substanzen, Ileus (Darmverschluss) und hohes Risiko für Fehlgebrauch ohne engmaschiges Monitoring.

Nebenwirkungen

  • Nichtsteroidale Antirheumatika: Dyspepsie (Verdauungsstörung), Ulkusblutung, Nierenfunktionsverschlechterung, Blutdruckanstieg, kardiovaskuläre Ereignisse und mögliche pseudoallergische Reaktionen (allergieähnliche Reaktionen).
  • Opioide: Obstipation, Übelkeit, Sedierung, Atemdepression (verminderter Atemantrieb), endokrine Störungen, Abhängigkeit, Toleranzentwicklung und opioidinduzierte Hyperalgesie (durch Opioide ausgelöste Schmerzüberempfindlichkeit).

Phosphodiesterase-5-Hemmer und Alpha-1-Blocker

Wirkstoffgruppe Wirkstoff Besonderheiten
Phosphodiesterase-5-Hemmer Sildenafil Kann bei ausgewählten Patienten zur Verlängerung des Miktionsintervalls erwogen werden; Off-Label-Use; Evidenz begrenzt [5, LL1-LL3]
Alpha-1-Blocker Tamsulosin Off-Label-Use bei funktionell-obstruktiver Komponente, Blasenhals-/Urethra-Spasmus oder relevantem myofaszialem Kofaktor; Nutzen bei klassischer IC/BPS nicht gesichert [LL1-LL3]

Wirkweise

  • Sildenafil hemmt die Phosphodiesterase 5, erhöht zyklisches Guanosinmonophosphat und kann über Relaxation glatter Muskulatur (Entspannung unwillkürlicher Muskulatur) und Perfusionsmodulation (Beeinflussung der Durchblutung) Miktionsintervalle verlängern [5].
  • Tamsulosin blockiert Alpha-1A-Rezeptoren und führt zur Relaxation glatter Muskulatur im Bereich von Blasenhals (Übergang der Harnblase zur Harnröhre), Prostata und Urethra (Harnröhre).

Indikationen

  • Sildenafil: ausgewählte Patienten mit ausgeprägter Frequenzsymptomatik (häufiges Wasserlassen) und fehlender Kontraindikation [5].
  • Tamsulosin: relevante funktionelle Auslasswiderstandsproblematik (erschwerte Blasenentleerung durch erhöhten Widerstand), spastischer Beckenboden oder überlappende urologische Indikation [LL1-LL3].

Kontraindikationen

  • Sildenafil: gleichzeitige Einnahme von Nitraten oder Stickstoffmonoxid-Donatoren (NO-abgebende Substanzen), schwere Hypotonie (niedriger Blutdruck), kürzlich erlittener Myokardinfarkt oder Apoplex (Schlaganfall), instabile Angina pectoris (Brustenge), schwere Herzinsuffizienz, schwere Leberinsuffizienz und nicht-arteriitische anteriore ischämische Optikusneuropathie (Durchblutungsstörung des Sehnervenkopfes ohne Gefäßentzündung).
  • Tamsulosin: Überempfindlichkeit, orthostatische Hypotonie in der Anamnese und schwere Leberinsuffizienz.

Nebenwirkungen

  • Sildenafil: Kopfschmerzen, Flush, Dyspepsie, Rhinitis (Schnupfen), Schwindel, Sehstörungen und Blutdruckabfall.
  • Tamsulosin: orthostatische Hypotonie, Schwindel, Kopfschmerzen, Müdigkeit, Palpitationen und Ejakulationsstörungen.

Muskelrelaxantien und myofasziale Kofaktoren

Wirkstoffgruppe Wirkstoff Besonderheiten
Zentral wirksames Muskelrelaxans Tizanidin Off-Label-Use bei relevanter myofaszialer Schmerzkomponente (muskel- und bindegewebsbezogener Schmerzanteil) oder spastischem Beckenboden; Sedierung und Blutdruckabfall limitierend [LL1-LL3]

Wirkweise

  • Tizanidin wirkt als zentraler Alpha-2-Adrenozeptoragonist (Wirkstoff, der bestimmte Adrenalinrezeptoren aktiviert) antispastisch und reduziert die Freisetzung exzitatorischer Neurotransmitter (Nervenbotenstoffe) auf Rückenmarksebene.

Indikationen

  • Schmerzhafte myofasziale Beckenbodenverspannung, spastischer Beckenboden oder überlappende muskuloskelettale Schmerzkomponente (Schmerzanteil von Muskeln und Skelettsystem) [LL1-LL3].
  • Nur als Ergänzung zu Beckenbodenphysiotherapie und multimodaler Schmerztherapie [LL1-LL3].

Kontraindikationen

  • Schwere Leberfunktionsstörung.
  • Gleichzeitige Gabe starker CYP1A2-Inhibitoren, insbesondere Fluvoxamin oder Ciprofloxacin.
  • Vorsicht bei Hypotonie, Bradykardie (verlangsamter Herzschlag), Niereninsuffizienz und erhöhter Sturzgefährdung.

Nebenwirkungen

  • Müdigkeit, Schläfrigkeit, Schwindel, Mundtrockenheit, Muskelschwäche, Hypotonie, Bradykardie, Transaminasenerhöhung (Erhöhung bestimmter Leberwerte) und Rebound-Hypertonie (überschießender Blutdruckanstieg nach Absetzen) bei abruptem Absetzen.

Immunsuppressiva (das Immunsystem hemmende Medikamente)

Wirkstoffgruppe Wirkstoff Besonderheiten
Calcineurin-Inhibitor (Hemmstoff eines Immunenzyms) Cyclosporin A Off-Label-Use; nur bei schwerer, therapierefraktärer IC/BPS, insbesondere Hunner-Typ, nach strenger Nutzen-Risiko-Abwägung; engmaschige Kontrolle von Blutdruck, Kreatinin, Leberparametern, Elektrolyten und Cyclosporin-Spiegeln erforderlich [6, LL1-LL3, LL5-LL6]

Wirkweise

  • Cyclosporin A hemmt Calcineurin, reduziert die Interleukin-2-vermittelte T-Zell-Aktivierung (Aktivierung bestimmter Abwehrzellen) und wirkt dadurch immunsuppressiv (abwehrunterdrückend) und antiinflammatorisch [6].

Indikationen

  • Schwere therapierefraktäre IC/BPS nach Versagen konservativer, oraler, intravesikaler und interventioneller Therapien [6, LL1-LL3, LL5-LL6].
  • Bevorzugt bei ausgeprägter entzündlicher Komponente und Hunner-Läsionen [LL1-LL3].

Kontraindikationen

  • Unkontrollierte Hypertonie, relevante Niereninsuffizienz, aktive schwere Infektion, Malignomrisiko (Risiko für bösartige Tumoren) ohne strenge Indikationsprüfung und relevante Interaktionen.
  • Schwangerschaft und Stillzeit nur nach spezialisierter Nutzen-Risiko-Abwägung.

Nebenwirkungen

  • Nephrotoxizität (nierenschädigende Wirkung), Hypertonie, Tremor, Infektanfälligkeit, Hepatotoxizität (leberschädigende Wirkung), Hyperkaliämie (erhöhter Kaliumwert im Blut), Hyperurikämie (erhöhter Harnsäurewert im Blut), Gingivahyperplasie (Zahnfleischwucherung), Hypertrichose (vermehrte Behaarung) und erhöhtes Malignomrisiko unter Langzeitimmunsuppression.

Intravesikale Glykosaminoglykan-Schichtsubstitution und Instillationstherapie

Wirkstoffgruppe Wirkstoff Besonderheiten
Glykosaminoglykan Hyaluronsäure/Hyaluronan Off-Label-Use je nach Präparat und Land; Ziel ist die Stabilisierung der urothelialen Barriere [3, 7, LL1-LL3]
Glykosaminoglykan Chondroitinsulfat Kann allein oder kombiniert mit Hyaluronsäure eingesetzt werden; Kombination aus Hyaluronsäure und Chondroitinsulfat kann klinisch vorteilhaft sein, Evidenzqualität heterogen [3, 7, LL1-LL3]
Heparinoid Heparin Off-Label-Use; kann als Blaseninstillation bei Schmerzexazerbation und Barrieredefekt erwogen werden [1, LL1-LL3]
Lokalanästhetikum (örtliches Betäubungsmittel) Lidocain, Bupivacain Symptomatische Kurzzeittherapie bei Schmerzexazerbation; Kombination mit Natriumhydrogenkarbonat kann die urotheliale Penetration verbessern [LL1-LL3]
Elektromotive Wirkstoffapplikation (elektrisch unterstützte Wirkstoffeinbringung) EMDA mit Lokalanästhetikum oder Kombinationsinstillation Kann zur Verbesserung der Wirkstoffpenetration erwogen werden; Evidenz begrenzt [LL1-LL3]

Wirkweise

  • Hyaluronsäure, Chondroitinsulfat und Heparin dienen der funktionellen Substitution beziehungsweise Stabilisierung der urothelialen Glykosaminoglykan-Schicht mit konsekutiver Reduktion der Permeabilität (Durchlässigkeit), Inflammation (Entzündung) und nozizeptiven Aktivierung (Aktivierung schmerzleitender Nerven) [3, 7].
  • Lokalanästhetika reduzieren afferente Schmerzsignale (zum Nervensystem geleitete Schmerzsignale) kurzfristig und können bei alkalischer Einstellung besser in das Urothel eindringen [LL1-LL3].
  • EMDA nutzt elektrischen Strom zur Verbesserung der transurothelialen Wirkstoffpenetration (Durchdringen des Wirkstoffs durch die Blasenschleimhaut) [LL1-LL3].

Indikationen

  • Persistierende Schmerzen, Harndrang und Frequenzsymptomatik trotz Allgemeinmaßnahmen und oraler Therapie [LL1-LL3].
  • Verdacht auf Barrieredefekt (Schutzschichtschaden) der Blasenschleimhaut (innere Schleimhaut der Harnblase) oder relevante Schmerzexazerbationen [3, 7, LL1-LL3].
  • Ergänzende Therapie bei IC/BPS, nicht regelhafter Ersatz für eine indizierte orale Pentosanpolysulfat-Therapie [1, 7, LL1-LL4].

Kontraindikationen

  • Akute bakterielle Harnwegsinfektion, Makrohämaturie (sichtbares Blut im Urin) unklarer Ursache, relevante Urethralverletzung (Verletzung der Harnröhre) oder fehlende Katheterisierbarkeit (Möglichkeit, einen Blasenkatheter einzulegen).
  • Überempfindlichkeit gegen den jeweiligen Wirkstoff.
  • Heparininstillation: relevante Blutungsneigung oder heparininduzierte Thrombozytopenie (durch Heparin ausgelöster Blutplättchenmangel) in der Anamnese.

Nebenwirkungen

  • Vorübergehende Dysurie (schmerzhaftes Wasserlassen), Brennen, Harnröhrenreizung, suprapubischer Schmerz, Hämaturie (Blut im Urin) und selten Harnwegsinfektion.
  • Lokalanästhetika: bei systemischer Resorption (Aufnahme in den ganzen Körperkreislauf) Schwindel, periorale Taubheit, metallischer Geschmack, Herzrhythmusstörungen (unregelmäßiger Herzschlag) oder Krampfanfälle.

Beachte

  • Das intravesikale Instillat sollte möglichst mindestens 30 Minuten in der Harnblase verbleiben.

Botulinumtoxin A (nervenhemmender Wirkstoff)

Wirkstoffgruppe Wirkstoff Besonderheiten
Neurotoxin (Nervengift) Onabotulinumtoxin A Off-Label-Use bei IC/BPS; Option bei therapierefraktärer Symptomatik; Wirkung meist zeitlich begrenzt, erneute Injektion häufig nach 6-12 Monaten erforderlich [LL1-LL3]

Wirkweise

  • Botulinumtoxin A spaltet SNARE-Proteine (Eiweiße für die Botenstofffreisetzung an Nervenenden) und hemmt die Freisetzung von Acetylcholin (Nervenbotenstoff) sowie nozizeptiver und inflammatorischer Mediatoren (Botenstoffe); dadurch werden muskarinerge (über Muskarinrezeptoren vermittelte), purinerge (über Purinrezeptoren vermittelte) und sensorische Signalwege (Empfindungsnervenbahnen) moduliert [LL1-LL3].
  • Wirkverlust entsteht durch Regeneration des SNARE-Fusionskomplexes; neutralisierende Antikörper (blockierende Abwehrstoffe) sind möglich, aber klinisch selten.

Indikationen

  • Therapierefraktäre IC/BPS mit persistierender Schmerz-, Harndrang- und Frequenzsymptomatik trotz konservativer und intravesikaler Therapie [LL1-LL3].
  • Ausgeprägte neuronale Überaktivität oder überaktive Blasenkomponente (Anteil einer überaktiven Harnblase) nach Ausschluss relevanter Differenzialdiagnosen [LL1-LL3].

Kontraindikationen

  • Akute Harnwegsinfektion, relevante neuromuskuläre Erkrankung (Erkrankung von Nerven und Muskeln), Schwangerschaft, Stillzeit und Unfähigkeit oder Ablehnung zur intermittierenden Selbstkatheterisierung bei möglichem Harnverhalt.
  • Überempfindlichkeit gegen Botulinumtoxin oder Bestandteile des Präparates.

Nebenwirkungen

  • Restharnbildung, Harnverhalt, Harnwegsinfektion, Dysurie, Hämaturie und vorübergehende Verstärkung von Blasenbeschwerden.
  • Selten generalisierte Muskelschwäche (verminderte Muskelkraft) oder systemische Botulinumtoxin-Wirkung.

Hydrodistension (Dehnung der Harnblase mit Flüssigkeit) und Therapie von Hunner-Läsionen

Verfahren Therapeutisches Ziel Durchführung Besonderheiten
Hydrodistension der Harnblase Schmerzreduktion und Erhöhung der funktionellen Blasenkapazität Zystoskopisch (durch Harnblasenspiegelung) in Narkose oder Analgosedierung (Schmerz- und Beruhigungsmedikation) nach standardisiertem Druck- und Zeitprotokoll Diagnostischer und therapeutischer Nutzen möglich; Effekt häufig zeitlich begrenzt; Überdistension vermeiden [LL1-LL3]
Fulguration, Koagulation, Laserablation oder Resektion von Hunner-Läsionen Lokale Läsionskontrolle und Schmerzreduktion Endoskopisch unter Sicht Hunner-Läsionen sollen gezielt behandelt werden; Rezidive sind möglich [LL1-LL3, LL5-LL6]

Wirkweise

  • Hydrodistension kann afferente Schmerzsignale modulieren, die funktionelle Blasenkapazität vorübergehend erhöhen und diagnostisch typische Schleimhautveränderungen (Veränderungen der inneren Haut) sichtbar machen [LL1-LL3].
  • Fulguration, Koagulation oder Laserablation zerstören pathologisch verändertes Urothel und beteiligte afferente sensorische Nervenfasern im Bereich der Hunner-Läsionen [LL1-LL3, LL5-LL6].

Indikationen

  • Hydrodistension: diagnostisch-therapeutische Zystoskopie bei gesicherter oder hochgradig vermuteter IC/BPS und persistierender Symptomatik [LL1-LL3].
  • Hunner-Läsionen: sichtbare Läsionen mit lokaler Blutungsneigung, Entzündung und typischer Schmerzsymptomatik [LL1-LL3, LL5-LL6].

Kontraindikationen

  • Akute Harnwegsinfektion, unklare Makrohämaturie ohne vorherige Abklärung, relevante Gerinnungsstörung und fehlende Narkosefähigkeit.
  • Bei sehr kleiner, fibrotischer Blase besonders strenge Nutzen-Risiko-Abwägung.

Nebenwirkungen

  • Postinterventionelle Schmerzexazerbation, Hämaturie, Harnwegsinfektion, Dysurie und selten Blasenperforation (Durchbruch der Harnblasenwand).
  • Nach Läsionstherapie Narbenbildung und Rezidiv von Hunner-Läsionen möglich.

Phytotherapeutische und ergänzende Ansätze

Substanzgruppe Beispiele Besonderheiten
Flavonoide (pflanzliche Inhaltsstoffe) Quercetin-haltige Präparate Nur ergänzend; kleine offene Studien und begrenzte Evidenz, keine Standardtherapie [LL1-LL3]
Pflanzliche Kombinationspräparate Präparate mit postulierten antiinflammatorischen und mastzellmodulierenden Bestandteilen Evidenz heterogen; Nutzen-Risiko, Interaktionen und Produktqualität prüfen [LL1-LL3]
Harnwegsbezogene Phytotherapeutika Goldrutenkraut, Kapuzinerkresse, Meerrettichwurzel, Cranberry/Preiselbeere Keine spezifische IC/BPS-Standardtherapie; allenfalls bei rezidivierender infektiöser Begleitproblematik getrennt zu bewerten

Wirkweise

  • Für einzelne Phytochemikalien (pflanzliche chemische Stoffe) werden antiinflammatorische, antioxidative, mastzellmodulierende oder antihistaminerge Effekte postuliert.
  • Die Übertragbarkeit präklinischer Daten (Daten aus Labor- oder Tierversuchen) auf klinische IC/BPS-Endpunkte ist begrenzt [LL1-LL3].

Indikationen

  • Nur ergänzend bei Patientenwunsch und nach Prüfung von Interaktionen, Allergierisiken und Produktqualität.
  • Nicht als Ersatz für gesicherte leitlinienbasierte Therapiebausteine [LL1-LL3].

Kontraindikationen

  • Überempfindlichkeit gegen Bestandteile des Präparates.
  • Vorsicht bei Antikoagulation (Blutverdünnung), Leber- oder Nierenerkrankung, Schwangerschaft und Polypharmazie (Einnahme vieler Medikamente).

Nebenwirkungen

  • Gastrointestinale Beschwerden, allergische Reaktionen, Exanthem (Hautausschlag) und potenzielle Arzneimittelinteraktionen.
  • Bei Cranberry-haltigen Präparaten potenzielle Interaktion mit Vitamin-K-Antagonisten (bestimmte Blutverdünner) beachten.

Supplemente (Nahrungsergänzungsmittel; Vitalstoffe)

Geeignete Nahrungsergänzungsmittel für das Immunsystem sollten die folgenden Vitalstoffe enthalten:

  • Vitamine (A, C, E, D3, B1, B2, Niacin (Vitamin B3), Pantothensäure (Vitamin B5), B6, B12, Folsäure, Biotin)
  • Spurenelemente (Chrom, Eisen, Kupfer, Mangan, Molybdän, Selen, Zink)
  • Fettsäuren (Omega-3-Fettsäuren: Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA))
  • Sekundäre Pflanzenstoffe (Beta-Carotin, Flavonoide (Citrusfrüchte), Lycopin (Tomaten), Proanthocyanidine (Cranberrys), Polyphenole)
  • Weitere Vitalstoffe (Probiotische Kulturen: Laktobazillen, Bifidobakterien)

Beachte: Die aufgeführten Vitalstoffe sind kein Ersatz für eine medikamentöse Therapie. Nahrungsergänzungsmittel sind dazu bestimmt, die allgemeine Ernährung in der jeweiligen Lebenssituation zu ergänzen.

Für Fragen zum Thema Nahrungsergänzungsmittel stehen wir Ihnen gerne kostenfrei zur Verfügung.

Nehmen Sie bei Fragen dazu bitte per E-Mail – info@docmedicus.de – Kontakt mit uns auf, und teilen Sie uns dabei Ihre Telefonnummer mit und wann wir Sie am besten erreichen können.

Literatur

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  2. Nickel JC, Barkin J, Forrest J, Mosbaugh PG, Hernandez-Graulau J, Kaufman D, Lloyd K, Evans RJ, Parsons CL, Atkinson LE; Elmiron Study Group. Randomized, double-blind, dose-ranging study of pentosan polysulfate sodium for interstitial cystitis. Urology. 2005;65(4):654-658. https://doi.org/10.1016/j.urology.2004.10.071
  3. Cervigni M. Interstitial cystitis/bladder pain syndrome and glycosaminoglycans replacement therapy. Transl Androl Urol. 2015;4(6):638-642. https://doi.org/10.3978/j.issn.2223-4683.2015.11.04
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  5. Chen H, Wang F, Chen W, Ye XT, Zhou Q, Shao F, Dai S, Yu Z, Zhang Y, Li C, Chen B, Weng Z. Efficacy of daily low-dose sildenafil for treating interstitial cystitis: results of a randomized, double-blind, placebo-controlled trial--treatment of interstitial cystitis/painful bladder syndrome with low-dose sildenafil. Urology. 2014;84(1):51-56. https://doi.org/10.1016/j.urology.2014.02.050
  6. Sairanen J, Tammela TL, Leppilahti M, Multanen M, Paananen I, Lehtoranta K, Ruutu M. Cyclosporine A and pentosan polysulfate sodium for the treatment of interstitial cystitis: a randomized comparative study. J Urol. 2005;174(6):2235-2238. https://doi.org/10.1097/01.ju.0000181808.45786.84
  7. van Ophoven A, Vonde K, Koch W, Auerbach G, Maag KP. Efficacy of pentosan polysulfate for the treatment of interstitial cystitis/bladder pain syndrome: results of a systematic review of randomized controlled trials. Curr Med Res Opin. 2019;35(9):1495-1503. https://doi.org/10.1080/03007995.2019.1586401

Leitlinien

  1. S2k-Leitlinie: Diagnostik und Therapie der Interstitiellen Cystitis (IC/BPS). (AWMF-Registernummer: 043-050), September 2024 Kurzfassung Langfassung
  2. Clemens JQ, Erickson DR, Varela NP, Lai HH. Diagnosis and Treatment of Interstitial Cystitis/Bladder Pain Syndrome. J Urol. 2022;208(1):34-42. https://doi.org/10.1097/JU.0000000000002756
  3. European Association of Urology. EAU Guidelines on Chronic Pelvic Pain, 2025. https://uroweb.org/guidelines/chronic-pelvic-pain
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  5. Homma Y, Ueda T, Tomoe H, Lin AT, Kuo HC, Lee MH, Oh SJ, Kim JC, Lee KS. Clinical guidelines for interstitial cystitis and hypersensitive bladder updated in 2015. Int J Urol. 2016;23(7):542-549. https://doi.org/10.1111/iju.13118
  6. Homma Y, Akiyama Y, Tomoe H, et al. Clinical guidelines for interstitial cystitis/bladder pain syndrome. Int J Urol. 2020;27(7):578-589. https://doi.org/10.1111/iju.14234