Interstitielle Zystitis – Differentialdiagnosen

Angeborene Fehlbildungen, Deformitäten und Chromosomenanomalien (Q00-Q99)

  • Fehlbildungen (angeborene Entwicklungsstörungen) des inneren Genitale (innere Geschlechtsorgane) – z. B. Uterus duplex (doppelte Gebärmutter), akzessorische Ovarien (zusätzliche Eierstöcke) oder andere Müller-Gang-Fehlbildungen; differenzialdiagnostisch relevant bei chronischem Beckenschmerz, zyklusabhängigen Beschwerden oder Hämatometra (Blutansammlung in der Gebärmutter)

Blut, blutbildende Organe – Immunsystem (D50-D90)

  • Zytokinpolymorphismus (genetische Variante von Entzündungsbotenstoffen) – genetisch mitbedingte individuelle Entzündungsneigung, z. B. Interleukin-1-alpha, Interleukin-1-beta, Tumornekrosefaktor-alpha oder Interleukin-1-Rezeptorantagonist; keine eigenständige Differenzialdiagnose, aber potenzieller Modifikator chronischer Schmerz- und Entzündungsphänotypen

Haut und Unterhaut (L00-L99)

  • Narbenschmerzen (Schmerzen im Narbenbereich) – chronische lokale Schmerzen im Bereich postoperativer oder traumatischer Narben; differenzialdiagnostisch relevant bei lokaler Schmerzprojektion in Bauchwand, Leiste, Vulva (äußere weibliche Geschlechtsorgane), Perineum (Damm) oder suprapubischem Bereich
  • Vulvodynie/Vestibulodynie (chronische Schmerzen im Bereich der Vulva/des Scheideneingangs) – chronische vulväre beziehungsweise vestibuläre Schmerzen ohne eindeutig identifizierbare Ursache; häufige Differenzialdiagnose bei vulvovaginalen Schmerzen, Dyspareunie (Schmerzen beim Geschlechtsverkehr) und überlappenden Beckenschmerzsyndromen

Herzkreislaufsystem (I00-I99)

  • Chronische Gefäßkrankheiten des Darmes (langandauernde Erkrankungen der Darmgefäße) – z. B. chronische Mesenterialischämie (Durchblutungsstörung des Darms); differenzialdiagnostisch relevant bei postprandialen Bauchschmerzen, Gewichtsverlust und vaskulärem Risikoprofil
  • Venöse Stauung im kleinen Becken (Blutstau in Beckenvenen) – pelvine Varikose beziehungsweise Pelvic-congestion-Syndrom; mögliche Ursache chronischer, lageabhängiger oder belastungsabhängiger Unterbauch- und Beckenschmerzen

Infektiöse und parasitäre Krankheiten (A00-B99)

  • Chlamydieninfektion (Infektion mit Chlamydien) – sexuell übertragbare Infektion mit möglicher Urethritis (Harnröhrenentzündung), Zervizitis (Gebärmutterhalsentzündung), Endometritis (Gebärmutterschleimhautentzündung) oder entzündlicher Beckenerkrankung
  • Herpes genitalis (Herpes im Genitalbereich) – rezidivierende Herpes-simplex-Virus-Infektion mit Schmerzen, Dysästhesien (Missempfindungen) und genitalen Läsionen (Gewebeschäden); auch neuropathische Folgeschmerzen möglich
  • Humanes Papillomavirus (HPV)-Infektion – differenzialdiagnostisch relevant bei anogenitalen Läsionen, Dysplasien (Gewebeveränderungen) oder tumorverdächtigen Befunden
  • Mykoplasmeninfektion (Infektion mit Mykoplasmen) – insbesondere Mycoplasma genitalium als Ursache von Urethritis, Zervizitis oder entzündlicher Beckenerkrankung
  • Sexuell übertragbare Erkrankungen – infektiöse Ursachen von Urethritis, Kolpitis (Scheidenentzündung), Zervizitis, Proktitis (Enddarmentzündung) oder entzündlicher Beckenerkrankung; differenzialdiagnostisch obligat bei Dysurie (Schmerzen beim Wasserlassen), Ausfluss, Dyspareunie oder Risikokonstellation
  • Varicella-zoster-Virus-Infektion (Infektion mit Windpocken-Gürtelrose-Virus) – Herpes zoster (Gürtelrose) mit radikulären Schmerzen, Dysästhesien und ggf. postzosterischer Neuralgie (Nervenschmerz nach Gürtelrose) im Sakral-, Leisten- oder Perinealbereich

Mund, Ösophagus (Speiseröhre), Magen und Darm (K00-K67; K90-K93)

  • Benigne und maligne Obstruktionen und Stenosen des Gastrointestinaltrakts (gutartige und bösartige Verschlüsse und Verengungen des Magen-Darm-Trakts) – differenzialdiagnostisch relevant bei kolikartigen Schmerzen, Stuhlverhalt, Erbrechen, Gewichtsverlust oder Blut im Stuhl
  • Briden (Verwachsungsstränge) – postoperative oder entzündlich bedingte Adhäsionsstränge (Verwachsungsstränge) mit intermittierenden Schmerzen oder Subileus-/Ileus-Symptomatik (Darmverschluss-Beschwerden)
  • Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (langandauernde entzündliche Darmerkrankungen) – Morbus Crohn und Colitis ulcerosa; können Unterbauchschmerzen, Diarrhoe (Durchfall), Tenesmen (schmerzhafter Stuhldrang), Fisteln (krankhafte Verbindungsgänge) und extraintestinale Symptome verursachen
  • Chronische intestinale Pseudoobstruktion (langandauernde scheinbare Darmverengung) – funktionelle schwere Motilitätsstörung (Bewegungsstörung) mit Ileus-ähnlicher Symptomatik ohne mechanisches Passagehindernis
  • Chronische Obstipation (langandauernde Verstopfung) – häufige Ursache von Unterbauchbeschwerden, Druckgefühl, Tenesmen und sekundärer Harnblasensymptomatik
  • Chronische Rektum- und Analerkrankungen (langandauernde Enddarm- und Aftererkrankungen) – z. B. Proktitis, Analfissuren (Afterrisse) oder Fisteln; relevant bei rektalen Schmerzen, Blutabgang, Tenesmen oder Defäkationsschmerz (Schmerz beim Stuhlgang)
  • Divertikulose (Darmausstülpungen) oder chronische Divertikulitis (langandauernde Entzündung von Darmausstülpungen) – insbesondere linksseitige Unterbauchschmerzen, Stuhlveränderungen und entzündliche Schübe
  • Dünn- oder Dickdarmstenosen (Verengungen des Dünn- oder Dickdarms) – mechanische Engstellen bei entzündlichen, postoperativen, ischämischen oder neoplastischen Ursachen
  • Hernien (Brüche) – insbesondere Inguinal-, Femoral-, Narben- oder Bauchwandhernien; differenzialdiagnostisch relevant bei belastungsabhängigen Leisten-, Bauchwand- oder Beckenschmerzen
  • Maligne intestinale Erkrankungen (bösartige Darmerkrankungen) – kolorektales Karzinom (Darmkrebs), Dünndarmtumoren oder andere gastrointestinale Tumoren; Red Flags sind Gewichtsverlust, Anämie (Blutarmut), Blut im Stuhl und neu aufgetretene Stuhlveränderungen
  • Reizdarmsyndrom (Reizdarm) – funktionelle Darmstörung mit chronischen abdominellen Schmerzen (Bauchschmerzen) und veränderter Stuhlfrequenz oder Stuhlkonsistenz; häufige Komorbidität bei chronischen Beckenschmerzsyndromen
  • Sonstige nichtinfektiöse Gastroenteritis und Kolitis (nichtinfektiöse Magen-Darm- und Dickdarmentzündung) – z. B. mikroskopische, kollagene, lymphozytäre, allergische, alimentäre, toxische oder aktinische Kolitis

Muskel-Skelett-System und Bindegewebe (M00-M99)

  • Beckenbodendysfunktion (Fehlfunktion des Beckenbodens) – hypertone, schmerzhafte oder koordinativ gestörte Beckenbodenmuskulatur; zentrale Differenzialdiagnose und häufige Komorbidität bei IC/BPS
  • Chronische Rückenschmerzen – lumbale, sakrale oder radikuläre Schmerzen mit möglicher Projektion in Becken, Leiste, Genitale oder Blasenregion
  • Fibromyalgie (Faser-Muskel-Schmerz) – chronisches generalisiertes Schmerzsyndrom mit Fatigue (Erschöpfung), Schlafstörungen und somatischen Begleitsymptomen; relevante Komorbidität bei IC/BPS
  • Kokzygodynie (Steißbeinschmerz) – chronischer Steißbeinschmerz, häufig verstärkt beim Sitzen; differenzialdiagnostisch relevant bei sakrokokzygealer Schmerzlokalisation
  • Maligne Erkrankungen des Muskel-/Skelettsystems und des Bindegewebes (bösartige Erkrankungen des Bewegungsapparates und Bindegewebes) – z. B. Knochentumoren, Weichteilsarkome oder Metastasen (Tochtergeschwülste); abzuklären bei persistierenden, progredienten oder nächtlichen Schmerzen
  • Myofasziale Schmerzen, Triggerpunkte (Muskel-Bindegewebs-Schmerzen, Schmerzpunkte) – lokalisierte oder übertragene Schmerzen durch myofasziale Triggerpunkte, insbesondere in Bauchwand, Adduktoren, Gluteal-, Iliopsoas- oder Beckenbodenmuskulatur
  • Nervenkompressionssyndrome (Nerveneinklemmungssyndrome) – muskuloskelettal oder faszial bedingte Kompression peripherer Nerven mit neuropathischer Schmerzkomponente

Neubildungen – Tumorerkrankungen (C00-D48)

  • Cervixkarzinom (Gebärmutterhalskrebs) – maligne gynäkologische Erkrankung mit Kontaktblutungen, Fluor (Ausfluss), Beckenschmerz oder fortgeschrittener lokaler Infiltration
  • Endometriumkarzinom (Gebärmutterschleimhautkrebs) – differenzialdiagnostisch relevant bei postmenopausaler Blutung, irregulären Blutungen oder uterinen Schmerzen
  • Harnblasenkarzinom (Harnblasenkrebs) – insbesondere bei Makrohämaturie (sichtbares Blut im Urin), Mikrohämaturie (nicht sichtbares Blut im Urin), irritativen Miktionsbeschwerden oder Risikofaktoren wie Nikotinexposition
  • Maligne intestinale Erkrankungen – kolorektale, rektale oder andere gastrointestinale Tumoren als Ursache chronischer Unterbauch-, Rektal- oder Beckenschmerzen
  • Maligne urologische Erkrankungen (bösartige Erkrankungen der Harnorgane) – Harnblasen-, Urethra-, Ureter-, Nierenbecken-, Nieren- oder Prostatakarzinom; abzuklären bei Hämaturie (Blut im Urin), Tumorrisiko, Gewichtsverlust oder therapierefraktären Beschwerden
  • Ovarialkarzinom (Eierstockkrebs) und andere Adnextumoren (Tumoren der Gebärmutteranhangsgebilde) – relevante Differenzialdiagnosen bei Beckenschmerz, Druckgefühl, Aszites (Bauchwasser), unklarer Raumforderung oder B-Symptomatik (Allgemeinsymptome bei schweren Erkrankungen)
  • Prostatakarzinom (Prostatakrebs) – beim Mann differenzialdiagnostisch relevant bei Beckenschmerz, Miktionsbeschwerden, Hämaturie oder pathologischer Prostatadiagnostik

Psyche – Nervensystem (F00-F99; G00-G99)

  • Affektive Störungen (Stimmungsstörungen) – depressive oder bipolare Störungen als relevante Komorbiditäten und Verstärker chronischer Schmerzverarbeitung
  • Andauernde Persönlichkeitsänderung bei chronischem Schmerzsyndrom (dauerhafte Persönlichkeitsveränderung bei chronischem Schmerz) – mögliche Folge langjähriger schwerer chronischer Schmerzbelastung
  • Anhaltende somatoforme Schmerzstörung (anhaltende körperlich erlebte Schmerzstörung) – chronische Schmerzen mit erheblicher psychosozialer Mitbeteiligung ohne hinreichende organische Erklärung
  • Anpassungsstörungen (Belastungsreaktionen) – psychische Reaktion auf chronische Erkrankung, Schmerzen oder Belastungssituationen
  • Chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (chronische Schmerzstörung mit körperlichen und seelischen Faktoren) – chronischer Schmerz mit organischen und psychischen Verstärkungsmechanismen
  • Chronisches oder intermittierendes Analschmerzsyndrom (langandauerndes oder wiederkehrendes Afterschmerzsyndrom) – funktionelles anorektales Schmerzsyndrom, z. B. Levator-ani-Syndrom oder Proctalgia fugax
  • Essstörungen – z. B. Anorexie (Magersucht) oder Bulimie (Ess-Brech-Sucht); differenzialdiagnostisch beziehungsweise komorbid relevant bei chronischen Schmerz-, Darm- und urogenitalen Beschwerden
  • Nervenkompressionssyndrom – z. B. Pudendusneuralgie, Ilioinguinalis-, Iliohypogastricus-, Genitofemoralis- oder Obturatorius-Kompression mit neuropathischem Beckenschmerz
  • Neuralgien/neuropathisches Schmerzsyndrom (Nervenschmerzen/nervenbedingtes Schmerzsyndrom) – brennende, einschießende, elektrisierende oder dysästhetische Schmerzen im Becken-, Genital-, Perineal- oder Leistenbereich
  • Posttraumatische Belastungsstörung (seelische Folgestörung nach Trauma) – relevante Komorbidität bei chronischen Beckenschmerzsyndromen, insbesondere bei Traumaanamnese
  • Psychische Faktoren und Verhaltensfaktoren bei andernorts klassifizierten Krankheiten (seelische und verhaltensbezogene Einflussfaktoren) – Verstärkung, Chronifizierung oder Aufrechterhaltung somatischer Beschwerden durch psychische und verhaltensbezogene Faktoren
  • Schizophrene, schizotype und wahnhafte Störungen (Störungen mit Realitätsverkennung) – differenzialdiagnostisch relevant bei ungewöhnlicher Beschwerdeinterpretation, Körperwahn oder komplexer psychosomatischer Überlagerung
  • Schmerzen im Rahmen von dissoziativen Sensibilitäts- und Empfindungsstörungen (Schmerzen bei abgespaltenen Wahrnehmungsstörungen) – neurologisch nicht ausreichend erklärbare Sensibilitäts- oder Schmerzphänomene
  • Somatoforme autonome Funktionsstörung des unteren Gastrointestinaltraktes beziehungsweise des urogenitalen Systems (körperlich erlebte Funktionsstörung des Darms beziehungsweise der Harn- und Geschlechtsorgane) – funktionelle Beschwerden mit autonomer Symptomatik im Darm- oder Urogenitalbereich
  • Undifferenzierte Somatisierungsstörung (unklare körperlich erlebte Beschwerdestörung) – multiple wechselnde somatische Beschwerden ohne ausreichende organische Erklärung
  • Vaginismus (Scheidenkrampf) – unwillkürliche Beckenboden- und Vaginalmuskelanspannung mit Penetrationsschmerz oder Unmöglichkeit der Penetration; funktionell-neuromuskuläre Differenzialdiagnose

Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett (O00-O99)

  • Adhäsionen nach gynäkologisch-geburtshilflichen Eingriffen (Verwachsungen nach frauenheilkundlich-geburtshilflichen Eingriffen) – postoperative Verwachsungen nach Sectio caesarea (Kaiserschnitt) oder anderen Eingriffen mit möglichen chronischen Unterbauch- oder Beckenschmerzen

Symptome und abnorme klinische und Laborbefunde, die anderenorts nicht klassifiziert sind (R00-R99)

  • Dysmenorrhö (Regelschmerzen) – schmerzhafte Menstruation; differenzialdiagnostisch relevant bei zyklusabhängigen Unterbauch- oder Beckenschmerzen
  • Hormonmangel – z. B. urogenitales Menopausensyndrom (Beschwerden der Harn- und Geschlechtsorgane in den Wechseljahren) mit Schleimhautatrophie, Dysurie, Dyspareunie und rezidivierender Reizsymptomatik
  • Restharnbildung (verbleibender Urin in der Blase) – Hinweis auf Blasenentleerungsstörung, subvesikale Obstruktion, neurogene Blasenfunktionsstörung oder Beckenbodendysfunktion

Urogenitalsystem (Nieren, Harnwege – Geschlechtsorgane) (N00-N99)

  • Adenomyosis (Gebärmuttermuskulatur-Endometriose) – Endometriumgewebe (Gebärmutterschleimhautgewebe) innerhalb des Myometriums (Gebärmuttermuskulatur) mit Dysmenorrhö, Hypermenorrhoe (verstärkte Regelblutung) und chronischen Beckenschmerzen
  • Akute oder chronische Pyelonephritis (Nierenbeckenentzündung) – bakterielle Nierenbeckenentzündung mit Flankenschmerz, Fieber, Dysurie und pathologischem Urinbefund
  • Benigne Prostatahyperplasie (gutartige Prostatavergrößerung) – subvesikale Obstruktion (Abflussbehinderung unterhalb der Harnblase) mit Restharn, Nykturie (nächtliches Wasserlassen), abgeschwächtem Harnstrahl und irritativer Blasensymptomatik
  • Blasendivertikel (Ausstülpung der Harnblase) – Ausstülpung der Harnblasenwand mit Restharn, rezidivierenden Infekten oder Steinbildung
  • Blasenfunktionsstörungen (Störungen der Harnblasenfunktion) – Speicher- oder Entleerungsstörungen der Harnblase mit Pollakisurie (häufiges Wasserlassen), Harndrang, Restharn oder Inkontinenz (ungewollter Urinverlust)
  • Blasenhalsstarre (Verengung am Blasenausgang) – funktionelle oder anatomische Obstruktion am Blasenhals mit erschwerter Miktion (Wasserlassen) und Restharn
  • Blasenstein (Harnblasenstein) – intravesikaler Stein mit Dysurie, Hämaturie, Unterbauchschmerz oder rezidivierenden Infekten
  • Chemozystitis (chemotherapiebedingte Blasenentzündung) – medikamentös induzierte Zystitis, z. B. nach Cyclophosphamid; differenzialdiagnostisch relevant bei Hämaturie, Schmerzen und irritativer Symptomatik
  • Chronische Harnwegsentzündungen (langandauernde Entzündungen der Harnwege) – bakterielle, parasitäre oder selten nichtbakterielle chronische Entzündungen mit Dysurie, Pollakisurie, Harndrang oder Beckenschmerz
  • Chronische Prostatitis/chronisches Beckenschmerzsyndrom des Mannes (langandauernde Prostataentzündung/langandauerndes Beckenschmerzsyndrom des Mannes) – chronischer Schmerz im Prostata-, Perineal-, Genital- oder Beckenbereich mit Miktions- oder Sexualfunktionsstörungen
  • Descensus genitalis (Senkung der Geschlechtsorgane) – Senkung von Uterus, Vagina (Scheide) oder Vaginalstumpf mit Druckgefühl, Fremdkörpergefühl, Miktions- oder Defäkationsbeschwerden
  • Endometriose (Gebärmutterschleimhaut außerhalb der Gebärmutter) – ektopes endometriumähnliches Gewebe mit zyklusabhängigen oder chronischen Beckenschmerzen, Dysmenorrhö, Dyspareunie, Dysurie oder Dyschezie (schmerzhafter Stuhlgang)
  • Genitalprolaps/urogenitaler Prolaps (Senkung der Geschlechts- und Harnorgane) – Senkung urogenitaler Organe mit Druckgefühl, Restharn, rezidivierenden Infekten oder irritativer Blasensymptomatik
  • Harnröhrendivertikel (Ausstülpung der Harnröhre) – periurethrale Aussackung mit Dysurie, Dyspareunie, postmiktionellem Nachträufeln, rezidivierenden Infekten oder Urethralschmerz
  • Harnwegsinfektion (Infektion der Harnwege) – häufige Ausschlussdiagnose bei IC/BPS; auch begleitend möglich, daher Urinstatus und ggf. Urinkultur differenzialdiagnostisch relevant
  • Kolpitis – unspezifisch, bakteriell, sexuell übertragen, mykotisch, aktinomykotisch, atrophisch, allergisch, desquamativ, inflammatorisch oder fremdkörperbedingt
  • Leiomyome (gutartige Muskelgeschwülste) – uterine Myome (Gebärmuttermyome) mit Blutungsstörungen, Druckgefühl, Dysmenorrhö oder chronischen Unterbauchbeschwerden
  • Neurogene oder hypersensitive Blase (nervenbedingte oder überempfindliche Blase) – gestörte Blasenspeicherung oder Blasenentleerung bei neurologischer oder sensorischer Fehlregulation
  • Ovarian retention syndrome/ovarian remnant syndrome (zurückgebliebenes Eierstockgewebe-Syndrom) – persistierendes oder verbliebenes Ovarialgewebe nach Operation mit chronischen Beckenschmerzen oder zyklusabhängigen Beschwerden
  • Ovulationsschmerz (Mittelschmerz) – periovulatorischer, meist einseitiger Unterbauchschmerz als zyklusabhängige Differenzialdiagnose
  • Pelvic inflammatory disease und deren Folgen (entzündliche Beckenerkrankung und deren Folgen) – aufsteigende Infektion des oberen Genitaltraktes mit möglichen chronischen Beckenschmerzen, Adhäsionen, Tubenschäden oder Infertilität (Unfruchtbarkeit)
  • Radiozystitis (strahlenbedingte Blasenentzündung) – strahleninduzierte chronische Blasenentzündung nach Beckenbestrahlung mit Hämaturie, Dysurie, Pollakisurie und Schmerzsymptomatik
  • Radiogene Veränderungen des Genitale oder kleinen Beckens (strahlenbedingte Veränderungen der Geschlechtsorgane oder des kleinen Beckens) – postradiogene Fibrose (Gewebeverhärtung nach Bestrahlung), Stenosen, Schleimhautschäden oder chronische Schmerzen nach Beckenbestrahlung
  • Schmerzsyndrom nach Netzimplantation (Schmerzsyndrom nach Einlage eines Kunststoffnetzes) – chronischer Schmerz nach urogynäkologischer Netz- oder Schlingenimplantation, ggf. durch Erosion (Gewebeschädigung), Fibrose, Nervenreizung oder Fremdkörperreaktion
  • Subvesikale Obstruktion – Abflussbehinderung unterhalb der Harnblase, z. B. durch benigne Prostatahyperplasie, Blasenhalsenge oder Urethrastriktur (Harnröhrenverengung)
  • Überaktive Harnblase (Reizblase) – Harndrang, Pollakisurie und Nykturie, ggf. Dranginkontinenz (ungewollter Urinverlust bei Harndrang); Abgrenzung zu IC/BPS vor allem über Schmerzbezug zur Blasenfüllung und Ausschluss anderer Ursachen
  • Ureterstein, distal (Stein im unteren Harnleiter) – kolikartige Schmerzen mit Ausstrahlung in Leiste oder Genitale, Hämaturie und ggf. irritativer Blasensymptomatik
  • Urethralsyndrom (Harnröhrensyndrom) – chronische urethrale Beschwerden ohne eindeutige bakterielle Infektion oder strukturelle Ursache; überlappend mit funktionellen Blasen- und Beckenschmerzsyndromen
  • Urethritis – infektiöse oder nichtinfektiöse Harnröhrenentzündung mit Dysurie, Ausfluss, Urethralschmerz oder irritativer Symptomatik
  • Urolithiasis (Harnsteinleiden) – Steinleiden der ableitenden Harnwege mit Koliken, Hämaturie, Dysurie oder rezidivierenden Infekten
  • Zervikale Stenose mit Hämatometra (Verengung des Gebärmutterhalses mit Blutansammlung in der Gebärmutter) – Abflussbehinderung des Menstrualblutes mit zyklischen Schmerzen und intrauteriner Blutretention
  • Zystitis, bakteriell bedingt (bakterielle Blasenentzündung) – akute oder rezidivierende bakterielle Blasenentzündung; wichtigste infektiöse Ausschlussdiagnose bei Verdacht auf IC/BPS

Medikamente

  • Chemotherapeutika (Krebsmedikamente) – insbesondere Cyclophosphamid und Ifosfamid können eine hämorrhagische oder chronische Chemozystitis verursachen
  • Ketamin – Ketamin-assoziierte Zystopathie (ketaminbedingte Blasenerkrankung) mit schwerer irritativer Blasensymptomatik, Schmerzen, Schrumpfblase und Hämaturie möglich
  • Tiaprofensäure – nichtsteroidales Antirheumatikum (entzündungshemmendes Schmerzmittel) mit selten beschriebener schwerer medikamenteninduzierter Zystitis

Ursachen (äußere) von Morbidität und Mortalität (V01-Y84)

  • Strahlentherapie des Beckens (Bestrahlung des Beckens) – äußere Ursache radiogener Blasen-, Darm-, Vaginal- oder Weichteilveränderungen mit chronischen Schmerzen und irritativer Symptomatik

Verletzungen, Vergiftungen und andere Folgen äußerer Ursachen (S00-T98)

  • Adhäsionen nach Operationen oder entzündlichen Prozessen (Verwachsungen nach Operationen oder Entzündungen) – Verwachsungen im kleinen Becken oder Abdomen (Bauchraum) mit chronischen, bewegungs- oder zyklusabhängigen Schmerzen
  • Nervenläsionen nach Operationen, Geburtstrauma oder Trauma (Nervenschäden nach Operationen, Geburtsverletzung oder Verletzung) – mögliche Ursache neuropathischer Leisten-, Vulva-, Perineal- oder Beckenschmerzen
  • Postoperative Narben- und Netzkomplikationen (Narben- und Netzprobleme nach Operationen) – differenzialdiagnostisch relevant bei lokalisiertem Schmerz nach Hernien-, Beckenboden-, Inkontinenz- oder gynäkologischer Operation