Harnsteine (Urolithiasis) – Körperliche Untersuchung
Eine umfassende klinische Untersuchung (ärztliche Untersuchung) ist die Grundlage für die Auswahl der weiteren diagnostischen Schritte:
- Allgemeine körperliche Untersuchung – inklusive Blutdruck, Puls, Körpertemperatur, Atemfrequenz, Sauerstoffsättigung (Sauerstoffgehalt des Blutes), Körpergewicht, Körpergröße; des Weiteren:
- Beurteilung von Allgemeinzustand, Bewusstseinslage (Wachheitszustand) und Hydratationszustand (Flüssigkeitszustand des Körpers)
- Inspektion (Betrachtung)
- Körperhaltung und Bewegungsverhalten [koliktypische (für krampfartige starke Schmerzen typische) motorische Unruhe mit häufigem Lagewechsel]
- Haut und Schleimhäute – Beurteilung auf Blässe, Schweißneigung und Exsikkosezeichen (Zeichen der Austrocknung)
- Auskultation (Abhören) von Herz und Lunge
- Untersuchung des Abdomens (Bauches)
- Inspektion, Auskultation, Palpation (Abtasten) und Perkussion (Abklopfen) – Beurteilung auf Druckschmerz, Abwehrspannung (unwillkürliche Anspannung der Bauchmuskulatur), tastbare Resistenzen (tastbare Verhärtungen), Bruchpforten (Stellen möglicher Bauchwandbrüche) und Blasenfüllung
- Palpation und Perkussion der Nierenlager (Körperregionen über den Nieren) [ipsilateraler Nierenlagerklopfschmerz (Klopfschmerz im Nierenbereich auf der betroffenen Seite) bei symptomatischer Urolithiasis (Harnsteinleiden)]
- Erfassung von Fieber, Schüttelfrost, Tachykardie (beschleunigter Herzschlag), Hypotonie (niedriger Blutdruck), Tachypnoe (beschleunigte Atmung) und Bewusstseinsstörung als mögliche Hinweise auf eine systemische Infektion (den gesamten Körper betreffende Infektion) bzw. Sepsis (Blutvergiftung); bei gleichzeitigem Verdacht auf eine Harnwegsobstruktion (Blockierung des Harnabflusses) besteht der Verdacht auf eine infizierte Obstruktion und damit auf einen urologischen Notfall
- Ggf. urologische Untersuchung (Untersuchung der Harn- und männlichen Geschlechtsorgane) – bei Unterbauch-, Leisten-, Skrotal- (Hodensack-) bzw. perinealen Beschwerden (Beschwerden im Dammbereich) oder Hinweisen auf eine infravesikale Obstruktion (Abflussbehinderung unterhalb der Harnblase):
- Inspektion und Palpation der äußeren Genitalorgane (Geschlechtsorgane) – insbesondere zum Ausschluss akuter skrotaler Differentialdiagnosen (anderer möglicher Ursachen akuter Hodensackbeschwerden)
- Digital-rektale Untersuchung (DRU) (Austastung des Enddarms mit dem Finger) – bei Miktionsbeschwerden (Beschwerden beim Wasserlassen), perinealen Beschwerden oder Fieber zur Beurteilung von Prostata (Vorsteherdrüse) und Rektum (Enddarm); keine routinemäßige Untersuchung bei unkomplizierter Nieren- bzw. Ureterkolik (Harnleiterkolik)
- Ggf. gynäkologische Untersuchung (frauenärztliche Untersuchung) – bei Patientinnen mit unklaren Unterbauch- bzw. Flankenschmerzen und klinischem Verdacht auf eine gynäkologische Differentialdiagnose (andere mögliche frauenärztliche Ursache), insbesondere Extrauteringravidität (Schwangerschaft außerhalb der Gebärmutter), Adnextorsion (Verdrehung von Eierstock bzw. Eileiter) oder entzündliche Erkrankungen des kleinen Beckens
- Ggf. weiterführende gezielte körperliche Untersuchung – bei atypischer Symptomatik (untypischen Beschwerden) zur differentialdiagnostischen Abklärung insbesondere gastrointestinaler (Magen und Darm betreffender), vaskulärer (die Blutgefäße betreffender), muskuloskelettaler (Muskeln und Skelett betreffender) bzw. neurologischer Ursachen (das Nervensystem betreffender Ursachen) der Flanken- oder Abdominalschmerzen (Bauchschmerzen)
In eckigen Klammern [ ] wird auf mögliche pathologische (krankhafte) körperliche Befunde hingewiesen.