Lungenödem – Körperliche Untersuchung
Eine umfassende klinische Untersuchung ist die Grundlage für die Auswahl der weiteren diagnostischen Schritte:
- Allgemeine körperliche Untersuchung – inklusive Blutdruck, Puls, Atemfrequenz, Körpertemperatur, Sauerstoffsättigung (SpO2), Körpergewicht, Körpergröße; des Weiteren:
- Beurteilung von Allgemeinzustand und Bewusstseinslage [ausgeprägte Unruhe und Angst; Verwirrtheit; Somnolenz (Benommenheit) bei schwerer Hypoxämie (Sauerstoffmangel im Blut) bzw. Hypoperfusion (Minderdurchblutung)]
- Inspektion von Haut, Schleimhäuten und Akren (Körperenden) [Blässe; kaltschweißige Haut; zentrale bzw. periphere Zyanose (Blauverfärbung von Haut oder Schleimhäuten)]
- Beurteilung der Atmung [Orthopnoe (schwere Atemnot im Liegen); Tachypnoe (beschleunigte Atmung) (> 25 Atemzüge/min); erhöhte Atemarbeit mit Einsatz der Atemhilfsmuskulatur; Sprechdyspnoe (Atemnot beim Sprechen); ggf. schaumig-rosiges Sputum (Auswurf)]
- Beurteilung der Kreislaufsituation [Tachykardie (beschleunigter Herzschlag); Bradykardie (verlangsamter Herzschlag) oder Arrhythmie (Herzrhythmusstörung); arterielle Hypertonie (Bluthochdruck) insbesondere beim hypertensiven Lungenödem (Wasseransammlung in der Lunge); Hypotonie (niedriger Blutdruck), verminderte Pulsamplitude und kalte Extremitäten bei ausgeprägter Hypoperfusion bzw. kardiogenem Schock (durch Herzversagen verursachtes Kreislaufversagen)]
- Inspektion der Halsvenen [Halsvenenstauung bzw. erhöhter Jugularvenendruck (Druck in der Halsvene) als Zeichen einer systemischen venösen Stauung; kann beim akut einsetzenden Lungenödem fehlen]
- Hepatojugulärer Reflux (Anstieg des Halsvenendrucks bei Druck auf die Leber) [positiver hepatojugulärer Reflux als Hinweis auf erhöhte rechtskardiale Füllungsdrücke (Druckbelastung der rechten Herzhälfte)]
- Auskultation (Abhören) des Herzens [3. Herzton bzw. Galopprhythmus (zusätzlicher auffälliger Herzton); Herzgeräusch als Hinweis auf eine relevante Klappenerkrankung (Erkrankung einer Herzklappe), insbesondere bei neu aufgetretenem systolischem Herzgeräusch (Herzgeräusch während der Auswurfphase des Herzens)]
- Untersuchung der Lunge:
- Auskultation [beidseitige inspiratorische (beim Einatmen auftretende) fein- bis mittelblasige Rasselgeräusche, initial häufig basal (in den unteren Lungenabschnitten) und bei zunehmendem alveolärem Lungenödem (Flüssigkeitsansammlung in den Lungenbläschen) bis in die oberen Lungenfelder reichend; ggf. grobblasige Rasselgeräusche; exspiratorisches (beim Ausatmen auftretendes) Giemen bei sogenanntem Asthma cardiale; abgeschwächtes Atemgeräusch bei begleitendem Pleuraerguss (Flüssigkeitsansammlung zwischen Lunge und Brustwand)]
- Perkussion (Abklopfen) [meist sonorer (normal klingender) bzw. unauffälliger Klopfschall; basale Klopfschalldämpfung (gedämpfter Klopfschall in den unteren Lungenabschnitten) bei begleitendem Pleuraerguss]
- Untersuchung auf periphere Stauungszeichen [bilaterale (beidseitige) Knöchel- bzw. Unterschenkelödeme (Flüssigkeitseinlagerungen); bei immobilen Patienten ggf. Sakralödeme (Flüssigkeitseinlagerungen im Kreuzbeinbereich); Hepatomegalie (Lebervergrößerung); Aszites (Bauchwassersucht)]; periphere Stauungszeichen können insbesondere beim akut durch Flüssigkeitsumverteilung entstandenen Lungenödem fehlen
- Beurteilung der peripheren Perfusion (Durchblutung) [kalte Extremitäten; verlängerte Rekapillarisierungszeit (verzögerte Wiederfüllung kleiner Blutgefäße); schwacher peripherer Puls als Hinweis auf eine relevante Hypoperfusion]
Das Fehlen pulmonaler (die Lunge betreffender) Rasselgeräusche oder peripherer Stauungszeichen schließt ein Lungenödem nicht aus. Die klinischen Befunde sind stets im Zusammenhang mit Atemfrequenz, Sauerstoffsättigung, Hämodynamik (Kreislaufverhältnissen) und der weiterführenden Medizingerätediagnostik (Untersuchung mit medizinischen Geräten) zu beurteilen.
In eckigen Klammern [ ] wird auf mögliche pathologische (krankhafte) körperliche Befunde hingewiesen.