Lungenödem – Differentialdiagnosen
Atmungssystem (J00-J99)
- Akute Exazerbation einer chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (akute Verschlechterung einer chronisch verengenden Lungenerkrankung) (COPD) – akute Dyspnoe (Atemnot), Hypoxämie (Sauerstoffmangel im Blut) und Giemen (pfeifendes Atemgeräusch) können ein Lungenödem (Flüssigkeitsansammlung in der Lunge) klinisch imitieren; radiologisch fehlen bei isolierter Exazerbation typische pulmonalvenöse Stauungszeichen (Zeichen eines Blutrückstaus in den Lungenvenen)
- Akutes Atemnotsyndrom (schwere akute Schädigung der Lunge mit Atemversagen) (Acute Respiratory Distress Syndrome; ARDS) – akute hypoxämische respiratorische Insuffizienz (akutes Atemversagen mit Sauerstoffmangel) mit bilateralen pulmonalen Verschattungen (beidseitigen Lungenverschattungen); differentialdiagnostisch insbesondere gegenüber dem kardialen Lungenödem abzugrenzen
- Aspirationspneumonitis (Lungenentzündung durch eingeatmeten Mageninhalt) bzw. Aspirationspneumonie (Lungenentzündung nach Verschlucken und Einatmen von Fremdmaterial) – akute Hypoxämie und alveoläre Verschattungen (Verschattungen der Lungenbläschen) nach Aspiration (Einatmen von Fremdmaterial); Verteilung der Infiltrate (entzündlichen Verdichtungen) und Aspirationsanamnese sind wegweisend
- Asthma bronchiale (Asthma) – akute Dyspnoe und Giemen können insbesondere bei sogenanntem kardialem Asthma (Herzasthma) differentialdiagnostisch schwierig abzugrenzen sein
- Pneumonie (Lungenentzündung) – bakterielle oder virale Pneumonien können bei multifokalen bzw. diffusen Infiltraten ein Lungenödem imitieren; Fieber, Entzündungszeichen und fokale bzw. asymmetrische Konsolidierungen (Verdichtungen des Lungengewebes) sprechen eher für eine infektiöse Genese
Herzkreislaufsystem (I00-I99)
- Lungenembolie (Verschluss einer Lungenarterie durch ein Blutgerinnsel) – wichtige Differentialdiagnose bei akut einsetzender Dyspnoe und Hypoxämie; pulmonalvenöse Stauungszeichen sind typischerweise nicht vorhanden
Neubildungen – Tumorerkrankungen (C00-D48)
- Pulmonale Lymphangiosis carcinomatosa (Ausbreitung von Tumorzellen in den Lymphbahnen der Lunge) – kann durch interlobuläre Septenverdickungen (Verdickungen der Trennwände zwischen den Lungenläppchen), Dyspnoe und Pleuraergüsse (Flüssigkeitsansammlungen zwischen Lunge und Brustwand) insbesondere ein interstitielles Lungenödem (Flüssigkeitsansammlung im Lungenzwischengewebe) imitieren; meist subakuter Verlauf und häufig noduläre bzw. asymmetrische Septenverdickungen
Symptome und abnorme klinische und Laborbefunde, die anderenorts nicht klassifiziert sind (R00-R99)
- Lungenblutung (Blutung in der Lunge) bzw. diffuse alveoläre Hämorrhagie (flächenhafte Blutung in die Lungenbläschen) – bilaterale alveoläre Verschattungen und Hypoxämie können einem Lungenödem entsprechen; Hämoglobinabfall und Hämoptysen (Bluthusten) sind wegweisend, wobei Hämoptysen fehlen können
Verletzungen, Vergiftungen und andere Folgen äußerer Ursachen (S00-T98)
- Lungenkontusion (Lungenprellung) – posttraumatische alveoläre Einblutungen und Ödeme (Flüssigkeitseinlagerungen) mit fleckigen pulmonalen Verschattungen; relevant bei entsprechender Thoraxtrauma-Anamnese (Vorgeschichte einer Brustkorbverletzung)
Medikamente
- Medikamenteninduzierte Pneumonitis (durch Medikamente ausgelöste Lungenentzündung), z. B. durch Amiodaron, Methotrexat oder Immuncheckpoint-Inhibitoren – kann bei diffuser Milchglastrübung (milchglasartiger Verschattung der Lunge), Dyspnoe und Hypoxämie ein Lungenödem imitieren; zeitlicher Zusammenhang mit der Arzneimittelexposition ist wesentlich