Aspartat-Aminotransferase (AST, GOT)

Aspartat-Aminotransferase (AST, ASAT; Glutamat-Oxalacetat-Transaminase, GOT) ist ein intrazelluläres Enzym (Eiweißstoff) des Aminosäurestoffwechsels. Es kommt vor allem in Leber, Skelettmuskulatur, Myokard (Herzmuskel), Niere, Gehirn und Erythrozyten (rote Blutkörperchen) vor und liegt sowohl zytosolisch als auch mitochondrial vor.

In der klinischen Labordiagnostik dient die Bestimmung der AST vorrangig der Einordnung hepatozellulärer Schädigungsmuster (Schädigungsmuster der Leberzellen), muss aber wegen der fehlenden Leberspezifität stets zusammen mit Alanin-Aminotransferase (ALT), Gamma-Glutamyl-Transferase (Gamma-GT), alkalischer Phosphatase (AP), Bilirubin sowie bei Bedarf muskel- und herzspezifischen Parametern interpretiert werden [1-5].

Die AST ist weniger leberspezifisch als die ALT. Erhöhungen sprechen daher nicht per se für eine Lebererkrankung, sondern kommen auch bei Skelettmuskelschädigung, kardialer Schädigung (Schädigung des Herzens), Hämolyse (Auflösung roter Blutkörperchen) und selten bei Makro-AST vor [1-6].

Synonyme

  • Aspartat-Aminotransferase
  • AST
  • ASAT
  • Glutamat-Oxalacetat-Transaminase
  • GOT
  • Serum-AST

Das Verfahren

  • Benötigtes Material
    • Serum
    • Heparinplasma ist methodenabhängig ebenfalls geeignet; maßgeblich sind die Vorgaben des jeweiligen Labors
  • Vorbereitung des Patienten
    • Keine spezielle Vorbereitung erforderlich
    • Intensive körperliche Belastung möglichst 3-7 Tage vor der Blutentnahme vermeiden, wenn eine unklare AST-Erhöhung abgeklärt werden soll
    • Bei kombinierter Leberdiagnostik kann eine morgendliche Standardisierung sinnvoll sein
  • Störfaktoren
    • Hämolyse – ausgeprägte falsch hohe Werte möglich, da Erythrozyten AST enthalten
    • Starke körperliche Belastung, intramuskuläre Injektionen (Spritzen in den Muskel), Muskeltrauma (Muskelverletzung), Myopathien (Muskelerkrankungen)
    • Alkohol, hepatotoxische Arzneimittel (leberschädigende Medikamente) und bestimmte Nahrungsergänzungsmittel bzw. pflanzliche Präparate
    • Präanalytische und methodische Unterschiede, insbesondere in Abhängigkeit von Pyridoxal-5'-Phosphat-(PLP-)Zusatz, Analysensystem und lokaler Referenzwertdefinition
    • Persistierende isolierte AST-Erhöhung bei Makro-AST als seltene, meist benigne (gutartige) Ursache
  • Methode
    • Photometrischer kinetischer Enzymtest nach IFCC bei 37 °C, in der Regel mit gekoppelter NADH-Verbrauchsmessung
    • Die IFCC-Referenzprozedur bildet die Grundlage der Standardisierung; im Routinelabor sind geräte- und reagenzienspezifische Abweichungen möglich

Normbereiche (je nach Labor)

Subgruppe/Geschlecht/Alter Referenzbereich
Erwachsene, IFCC-standardisierte Systeme ca. 11-34 U/l
Erwachsene, Frauen labor- und populationsabhängig; häufig ca. bis 33-35 U/l
Erwachsene, Männer labor- und populationsabhängig; häufig ca. bis 40-50 U/l
Kinder und Jugendliche deutlich altersabhängig; Referenzbereiche des jeweiligen Labors verwenden

Normbereiche sind methoden-, populations- und laborabhängig. Für die Befundinterpretation ist stets der auf dem Laborbefund angegebene Referenzbereich maßgeblich. In einer IFCC-multizentrischen Standardisierungsstudie ergab sich für Erwachsene ein gemeinsamer Referenzbereich von 11-34 U/l; eine neuere outcomes-basierte populationsgesunde Kohorte fand 97,5-Perzentilen von 33 U/l für Frauen und 49 U/l für Männer [4, 5].

Indikationen (Anwendungsgebiete)

  • Abklärung erhöhter Leberwerte und Differenzierung hepatozellulärer gegenüber cholestatischen Mustern (Störungsmustern des Galleabflusses)
  • Verlaufskontrolle bei akuter und chronischer Hepatitis (Leberentzündung), toxisch-medikamentöser Leberschädigung, steatotischer Lebererkrankung (Fettlebererkrankung) und alkoholassoziierter Lebererkrankung
  • Mitbeurteilung des Schweregrades bei akuter Leberzellschädigung
  • Abklärung extrahepatischer Ursachen (Ursachen außerhalb der Leber) erhöhter Transaminasen, insbesondere muskulärer Genese
  • Berechnung des De-Ritis-Quotienten (AST/ALT) als Zusatzinformation im klinischen Kontext
  • Abklärung einer persistierenden isolierten AST-Erhöhung unter Einschluss von Makro-AST

Interpretation

  • Erhöhte Werte
    • Hepatozelluläre Schädigung – z. B. virale Hepatitis, medikamentös-toxische Leberschädigung, ischämische Hepatitis (durch Durchblutungsstörung bedingte Leberentzündung), autoimmune Hepatitis (durch das Immunsystem verursachte Leberentzündung)
    • Steatotische Lebererkrankung/metabolisch assoziierte steatotische Lebererkrankung – meist milde bis mäßige Erhöhung; in frühen Stadien häufiger ALT > AST
    • Alkoholassoziierte Lebererkrankung – häufig AST/ALT-Quotient > 2, jedoch nicht beweisend
    • Fortgeschrittene Fibrose (Bindegewebsvermehrung)/Leberzirrhose (Lebervernarbung) – AST relativ häufig höher als ALT
    • Skelettmuskelschädigung – z. B. intensive Belastung, Rhabdomyolyse (Muskelzerfall), Myositis (Muskelentzündung), Muskeldystrophien (erblich bedingte Muskelerkrankungen); parallel häufig Creatinkinase (CK) erhöht
    • Kardiale Schädigung – heute für die Akutdiagnostik nicht mehr leitend, aber prinzipiell bei Myokardschädigung (Schädigung des Herzmuskels) erhöhbar
    • Hämolyse – präanalytisch oder in vivo
    • Makro-AST – seltene Ursache einer persistierenden isolierten AST-Erhöhung bei sonst unauffälliger Diagnostik
  • Erniedrigte Werte
    • In der Regel ohne klinisch relevante Aussage
  • Spezifische Konstellationen
    • AST/ALT-Quotient < 1 – häufiger bei akuter viraler, metabolischer oder anderer überwiegend hepatozellulärer Schädigung
    • AST/ALT-Quotient > 1 – häufiger bei fortgeschrittener Fibrose/Zirrhose und extrahepatischen Ursachen
    • AST/ALT-Quotient > 2 – spricht im passenden klinischen Kontext für eine alkoholassoziierte Lebererkrankung, ist aber nicht spezifisch
    • Massive Transaminasenerhöhung – differenzialdiagnostisch vor allem ischämische Hepatitis, akute Virushepatitis und schwere medikamentös-toxische Leberschädigung erwägen

Weiterführende Diagnostik

  • Leberparameter – Alanin-Aminotransferase (ALT), Gamma-Glutamyl-Transferase (Gamma-GT), alkalische Phosphatase (AP), Bilirubin, Glutamat-Dehydrogenase (GLDH), Albumin, Cholinesterase, Gerinnungsparameter
  • Nierenparameter – Kreatinin, Harnstoff
  • Gerinnungsparameter – INR/Quick, PTT bei relevanter Lebererkrankung
  • Muskelparameter – Creatinkinase (CK), Lactatdehydrogenase (LDH), ggf. Aldolase
  • Kardiale Marker – hochsensitives Troponin bei klinischem Verdacht auf Myokardschädigung
  • Virusserologie – insbesondere Hepatitis B und C, bei klinischer Konstellation weitere virale Diagnostik
  • Autoimmunserologie – ANA, SMA, LKM-Antikörper, IgG je nach Verdachtsdiagnose
  • Stoffwechseldiagnostik – Ferritin/Transferrinsättigung, Coeruloplasmin, Alpha-1-Antitrypsin, ggf. Zöliakie-Serologie
  • Abdomensonographie (Ultraschall der Bauchorgane) als Basisdiagnostik bei persistierenden oder unklaren Leberwerterhöhungen
  • Bei persistierender isolierter AST-Erhöhung – Ausschluss einer Makro-AST, z. B. mittels Polyethylenglykol-(PEG-)Präzipitation oder methodenspezifischer Zusatzdiagnostik

Klinische Hinweise

  • AST ist kein leberspezifischer Marker; eine isolierte Erhöhung ohne passende Konstellation sollte immer auch an Muskel-, Herz- und Hämolyseursachen denken lassen [1-3].
  • Die Interpretation einzelner AST-Werte ist begrenzt; Muster mit ALT, AP, Gamma-GT, Bilirubin und klinischem Kontext sind diagnostisch deutlich aussagekräftiger [1-3].
  • Bei asymptomatischen Patienten mit milder Erhöhung sind Anamnese (Krankengeschichte), körperliche Untersuchung, Medikamenten- und Supplementanamnese sowie Abdomensonographie zentrale erste Schritte [1-3].
  • Eine persistierende isolierte AST-Erhöhung bei sonst unauffälliger Diagnostik sollte an Makro-AST denken lassen, um unnötige invasive Diagnostik zu vermeiden [3, 6].
  • Der lokal angegebene Laborreferenzbereich ist für die Befundbewertung verbindlich; Referenzintervalle unterscheiden sich je nach Methode, Reagenzsystem, Population und PLP-Zusatz [4, 5].

Literatur

  1. Reincke M, Thimme R. Erhöhte Leberwerte: eine differenzialdiagnostische Herausforderung. Dtsch Med Wochenschr. 2023;148(13):809-817. https://doi.org/10.1055/a-1871-6459
  2. Gabeta S, Dalekos GN, Gatselis NK. Management of asymptomatic patients with abnormal liver function tests. Eur J Intern Med. 2025;141:106429. https://doi.org/10.1016/j.ejim.2025.07.025
  3. Pei X, Zhao Y, Jiang W, et al. Persistently high serum aspartate aminotransferase level in an asymptomatic young patient. Clin Case Rep. 2023;11(9):e7912. https://doi.org/10.1002/ccr3.7912
  4. Ceriotti F, Henny J, Queraltó J, Ziyu S, Özarda Y, Chen B, Boyd JC, Panteghini M. Common reference intervals for aspartate aminotransferase (AST), alanine aminotransferase (ALT) and γ-glutamyl transferase (GGT) in serum: results from an IFCC multicenter study. Clin Chem Lab Med. 2010;48(11):1593-1601. https://doi.org/10.1515/CCLM.2010.315
  5. Åberg F, Jula A, Salomaa V, Männistö V. Updated Reference Limits for Liver Blood Tests With Validation Against Long-Term Liver-Related Outcomes. Liver Int. 2025. https://doi.org/10.1111/liv.70440
  6. Schumann G, Bonora R, Ceriotti F, Férard G, Ferrero CA, Franck PFH, Gella FJ, Hoelzel W, Jørgensen PJ, Kanno T, Kessner A, Klauke R, Kristiansen N, Lessinger JM, Linsinger TPJ, Misaki H, Panteghini M, Pauwels J, Schiele F, Schimmel HG. IFCC Primary Reference Procedures for the Measurement of Catalytic Activity Concentrations of Enzymes at 37°C. Part 5. Reference Procedure for the Measurement of Catalytic Concentration of Aspartate Aminotransferase. Clin Chem Lab Med. 2002;40(7):725-733.
    https://doi.org/10.1515/CCLM.2002.125
  7. Hoofnagle JH, Björnsson ES. Drug-Induced Liver Injury - Types and Phenotypes. N Engl J Med. 2019;381(3):264-273. https://doi.org/10.1056/NEJMra1816149