Vulvakarzinom – Symptome – Beschwerden

Das Vulvakarzinom ist eine seltene, jedoch klinisch relevante maligne Erkrankung der äußeren weiblichen Genitale. Die Symptomatik ist häufig unspezifisch und kann über Monate bis Jahre bestehen, was nicht selten zu einer verzögerten Diagnosestellung führt. Internationale Leitlinien und systematische Übersichtsarbeiten betonen, dass frühe Symptome oft fehlinterpretiert oder als benigne dermatologische Erkrankungen behandelt werden [1, 4, 7]. Eine frühzeitige gynäkologische Untersuchung mit Inspektion der Vulva und histologischer Abklärung suspekter Läsionen ist prognostisch entscheidend [1-3].

Folgende Symptome und Beschwerden können auf ein Vulvakarzinom hinweisen:

Leitsymptome
Diese Leitsymptome sind für das Vulvakarzinom besonders typisch und stehen häufig bereits zu Beginn der Erkrankung im Vordergrund:

  • Chronischer Juckreiz (Pruritus vulvae): Anhaltender oder zunehmender Juckreiz im Bereich der äußeren Genitale. In Leitlinien und systematischen Übersichten wird Pruritus als häufigstes Frühsymptom beschrieben und bei etwa 50-70 % der Patientinnen angegeben; insbesondere bei postmenopausalen Frauen gilt persistierender Pruritus als zwingender Abklärungsgrund [1, 3, 4, 7].
  • Sichtbare oder tastbare Läsion an der Vulva: Knoten, Ulzerationen, Verhärtungen sowie weißliche (leukoplakische), rötliche oder pigmentierte Areale. Diese Befunde werden in Leitlinien bei etwa 60–80 % der Patientinnen beschrieben und stellen häufig den Anlass zur Biopsie dar [1, 2, 3].
  • Schmerzen oder Brennen im Vulvabereich: Oft lokal begrenzt und im Verlauf zunehmend persistent; in Übersichtsarbeiten und Leitlinien bei etwa 30-50 % der Patientinnen berichtet [1, 3, 7].

Hauptsymptome (primäre Symptome)
Diese Symptome prägen das klinische Bild des Vulvakarzinoms im weiteren Verlauf:

  • Vulväre Blutungen oder Schmierblutungen: Spontan oder nach mechanischer Reizung (z. B. beim Geschlechtsverkehr oder bei Intimhygiene); in Leitlinien mit einer Häufigkeit von etwa 20-40 % beschrieben [1, 2, 4].
  • Dyspareunie: Schmerzen beim Geschlechtsverkehr, insbesondere bei Tumorlokalisation im Introitusbereich; bei etwa 20–30 % der Betroffenen angegeben [1, 3].

Begleitsymptome (sekundäre Symptome)
Diese Symptome sind weniger spezifisch, können jedoch auf lokale Tumorausbreitung oder Komplikationen hinweisen:

  • Nässende oder übel riechende Sekretion: Vor allem bei ulzerierenden oder infizierten Tumoren; bei etwa 10-20 % der Patientinnen beschrieben [1, 4].
  • Dysurie: Brennen oder Schmerzen beim Wasserlassen bei Nähe zur Urethra; in Leitlinien und Übersichten mit etwa 10-15 % angegeben [1, 3].
  • Schmerzen beim Sitzen oder Gehen: Ausdruck lokaler Infiltration, Ulzeration oder entzündlicher Begleitreaktionen; vor allem in fortgeschrittenen Stadien relevant [3, 7].
  • Vergrößerte inguinale Lymphknoten: Tastbar oder schmerzhaft bei lymphogener Metastasierung; in allen aktuellen Leitlinien als klinisch relevantes Zeichen mit unmittelbarem Einfluss auf das Staging hervorgehoben [1, 2, 4].

Unspezifische Symptome
Diese unspezifischen Beschwerden treten überwiegend in fortgeschrittenen Krankheitsstadien auf:

  • Allgemeine Schwäche oder Leistungsminderung
  • Ungewollter Gewichtsverlust
  • Fatigue

Beachte

  • Das Vulvakarzinom kann sich langsam entwickeln und über längere Zeit nur diskrete oder unspezifische Symptome verursachen.
  • Persistierender Pruritus vulvae, neu aufgetretene Läsionen oder therapieresistente Beschwerden sollten – insbesondere bei postmenopausalen Patientinnen – konsequent weiter abgeklärt werden [1, 3].
  • Leitlinien und Metaanalysen betonen, dass eine verzögerte Diagnosestellung mit fortgeschrittenen Stadien und schlechterer Prognose assoziiert ist [4, 7].

Literatur

  1. Oonk MHM, Planchamp F, Baldwin P et al.: European Society of Gynaecological Oncology Guidelines for the Management of Patients with Vulvar Cancer – Update 2023. https://doi.org/10.1136/ijgc-2023-004486
  2. Abu-Rustum NR, Yashar CM, Arend R et al.: Vulvar Cancer, Version 3.2024. NCCN Clinical Practice Guidelines in Oncology. https://doi.org/10.6004/jnccn.2024.0013
  3. Olawaiye AB, Cuello MA, Beriwal S et al.: FIGO staging for carcinoma of the vulva: 2021 revision. https://doi.org/10.1002/ijgo.13880
  4. Morrison J, et al.: British Gynaecological Cancer Society (BGCS) vulval cancer guidelines: update on recommendations for practice 2023.
    https://doi.org/10.1016/j.ejogrb.2023.11.013
  5. Maluf FC et al.: Recommendations for the treatment of vulvar cancer in settings with limited resources: Report from the International Gynecological Cancer Society consensus meeting. https://doi.org/10.3389/fonc.2022.928568
  6. Nikolić O, Alves e Sousa F, Cunha TM et al.: Vulvar cancer staging: guidelines of the European Society of Urogenital Radiology (ESUR).
    https://doi.org/10.1186/s13244-021-01075-6
  7. Restaino S et al.: Management of Patients with Vulvar Cancers: A Systematic Comparison of International Guidelines. https://doi.org/10.3390/cancers17020186