Vulvakarzinom – Anamnese

Die Anamnese stellt einen zentralen Baustein in der Diagnostik des Vulvakarzinoms dar.

Da frühe Symptome häufig unspezifisch sind und benignen dermatologischen Erkrankungen ähneln, kommt der strukturierten und gezielten Anamnese eine entscheidende Rolle bei der frühzeitigen Erkennung zu. Persistierender Pruritus, chronische Hautveränderungen, nicht abheilende Ulzerationen oder Blutungen gelten als typische Warnsymptome und bedürfen einer zeitnahen gynäkologischen Abklärung [1, 2].

Die systematische Erhebung von Risikofaktoren wie HPV-assoziierten Präkanzerosen, chronischen entzündlichen Vulvaerkrankungen (z. B. Lichen sclerosus), Immunsuppression sowie Nikotinabusus ist Bestandteil der leitliniengerechten Basisdiagnostik [1, 2].

Familienanamnese

  • Sind in Ihrer Familie Krebserkrankungen bekannt, insbesondere Vulva-, Zervix-, Vaginal- oder Analkarzinome?
  • Gibt es gehäuft HPV-assoziierte Erkrankungen oder bekannte Präkanzerosen (z. B. CIN, VIN)?

Sozialanamnese

  • Beruf:
    • Welchen Beruf üben Sie aus?
    • Besteht eine Exposition gegenüber potenziell karzinogenen Substanzen?
  • Bestehen psychosoziale Belastungen?
  • Aktuelle Arbeitsfähigkeit?
  • Partnerschaftliche oder sexuelle Belastungssituation?

Aktuelle Anamnese/Systemanamnese

  • Chronischer Juckreiz (Pruritus vulvae)?*
  • Sichtbare Hautveränderungen, Knoten oder Ulzerationen?*
  • Spontane oder kontaktinduzierte vulväre Blutung?*
  • Schmerzen oder Brennen im Bereich der äußeren Genitalien?*
  • Dyspareunie?*
  • Dysurie oder Hämaturie?*
  • Schmerzen beim Stuhlgang oder rektale Blutung?*
  • Seit wann bestehen die Beschwerden und wie haben sie sich entwickelt?

Vegetative Anamnese

  • HPV-Infektion oder andere sexuell übertragbare Erkrankungen in der Vorgeschichte?
  • Menopausestatus, postmenopausale Blutung?
  • Ungewollter Gewichtsverlust oder Leistungsminderung?
  • Raucherstatus?
  • Alkoholkonsum?

Eigenanamnese inkl. Medikamentenanamnese

  • VIN, CIN oder Zervixkarzinom in der Vorgeschichte?
  • Lichen sclerosus oder andere chronische Vulvadermatosen?
  • Immunsuppression (HIV, immunsuppressive Therapie)?
  • Voroperationen oder Strahlentherapie im Beckenbereich?
  • HPV-Impfstatus?
  • Regelmäßige Medikamenteneinnahme oder Hormontherapie?
* Bei positiver Beantwortung ist eine zeitnahe gynäkologische Abklärung erforderlich.

Literatur

  1. Oonk MHM, Planchamp F, Baldwin P et al.: European guidelines for the management of vulvar cancer. Int J Gynecol Cancer. 2017;27(4):832–837. doi:10.1097/igc.0000000000000975
  2. Rogers LJ, Cuello MA: Cancer of the vulva. Int J Gynaecol Obstet. 2018;143 Suppl 2:4-13. doi:10.1002/ijgo.12609