RSV (Respiratorisches Synzytial-Virus) – Weitere Therapie

Allgemeine Maßnahmen

  • Symptomorientierte Behandlung; eine kausale antivirale Standardtherapie der akuten RSV-Infektion (Infektion mit dem Respiratorischen Synzytial-Virus) steht in der Regel nicht zur Verfügung.
  • Beachtung der allgemeinen Hygienemaßnahmen (Händehygiene, Hustenetikette, Kontaktreduktion zu vulnerablen Personen), um Transmissionen (Übertragungen) im Haushalt und in Gemeinschaftseinrichtungen zu reduzieren.
  • Beim Auftreten von Fieber:
    • Bettruhe und körperliche Schonung bis zur klinischen Besserung.
    • Fieber unter 38.5 °C muss nicht unbedingt behandelt werden; Behandlung bei relevantem Krankheitsgefühl, Säuglingen (Neugeborenen und Kleinkindern), vorbestehender Herz-/Lungenerkrankung oder erhöhtem Risiko für Dehydratation (Flüssigkeitsmangel).
    • Bei Fieber ab 39 °C können physikalische Maßnahmen (z. B. Wadenwickel) zur Linderung beitragen; antipyretische Medikation (fiebersenkende Medikamente) nach individueller Indikation.
    • Nach dem Fieber noch mindestens einen fieberfreien Tag Schonung; bei persistierender Dyspnoe (Atemnot), Thoraxschmerz (Brustschmerz) oder deutlicher Leistungsminderung länger.
  • Nikotinrestriktion (Verzicht auf Tabakkonsum), da Tabakrauch die Schleimhautabwehr beeinträchtigt und Atemwegsverläufe ungünstig beeinflussen kann.
  • Begrenzter Alkoholkonsum (Männer: max. 25 g Alkohol pro Tag; Frauen: max. 12 g Alkohol pro Tag), da Alkohol Dehydratation (Flüssigkeitsmangel) fördern und die Immunabwehr beeinträchtigen kann.
  • Begrenzter Koffeinkonsum (max. 240 mg Koffein pro Tag; das entspricht 2 bis 3 Tassen Kaffee bzw. 4 bis 6 Tassen grünen/schwarzen Tee), insbesondere bei Palpitationen (Herzstolpern), Schlafstörung oder Dehydratationsrisiko (Risiko für Flüssigkeitsmangel).
  • Normalgewicht anstreben!
    Bestimmung des BMI (Body-Mass-Index, Körpermasse-Index) bzw. der Körperzusammensetzung und ggf. Teilnahme an einem ärztlich betreuten Programm (insbesondere bei Risikogruppen wie Säuglingen, alten Menschen, Patienten mit chronischen Erkrankungen).
    • BMI ≥ 25 → ärztlich begleitetes Gewichtsreduktionsprogramm
    • Unterschreitung der BMI-Untergrenze → ärztlich begleitetes Programm für Untergewichtige
  • Überprüfung der Dauermedikation hinsichtlich respiratorischer Nebenwirkungen (Nebenwirkungen auf die Atmung), Sedierung (Dämpfung), Dehydratationsrisiko (Risiko für Flüssigkeitsmangel) sowie Interaktionen (Wechselwirkungen) mit symptomatischer Therapie.
  • Vermeidung psychosozialer Belastungen:
    • Mobbing
    • Seelische Konflikte
    • Soziale Isolation
    • Stress
  • Vermeidung von Umweltbelastungen:
    • Passivrauch, Feinstaub und Reizstoffe (z. B. aggressive Reinigungsmittel-Aerosole)
    • Schimmelbelastung in Innenräumen

Konventionelle nicht-operative Therapieverfahren

  • Ausreichende Flüssigkeitszufuhr; bei Säuglingen/Kindern frühzeitige Beurteilung von Trinkverhalten, Diurese (Harnmenge) und Dehydratationszeichen (Zeichen von Flüssigkeitsmangel).
  • Antipyretische/analgetische Behandlung (fieber- und schmerzlindernde Behandlung) nach klinischer Indikation (z. B. bei hohem Leidensdruck, relevantem Fieber, Schmerzen).
  • Nasale Maßnahmen bei Säuglingen: Kochsalz-Nasentropfen/-spray und schonende Sekretentfernung zur Erleichterung der Atmung und Nahrungsaufnahme.
  • Sauerstoffgabe bei Hypoxämie (Sauerstoffmangel im Blut); Ziel ist die Stabilisierung der Oxygenierung (Sauerstoffversorgung) und Reduktion der Atemarbeit.
  • Atemunterstützung bei schwerem Verlauf (z. B. High-Flow-Nasenkanüle, nichtinvasive Ventilation) nach klinischer Situation und Monitorparametern (Überwachungswerten).
  • Inhalative Bronchodilatatoren (bronchienerweiternde Medikamente) und systemische/inhalative Glukokortikoide (kortisonhaltige Medikamente) sind bei akuter Bronchiolitis (Entzündung der kleinen Atemwege) im Rahmen von RSV in der Regel nicht routinemäßig empfohlen; individuelle Ausnahmeentscheidungen nur bei plausibler Alternativdiagnose/Komorbidität (Begleiterkrankung) (z. B. Asthma).
  • Antibiotika (Medikamente gegen Bakterien) nur bei gesichertem oder hochgradigem Verdacht auf bakterielle Koinfektion/Sekundärinfektion (zusätzliche bakterielle Infektion), nicht routinemäßig bei RSV.

Impfungen

Die nachfolgenden Impfungen/Immunisierungen (Schutzimpfungen) sind angeraten, da Atemwegsinfektionen häufig zu Komplikationen und Exazerbationen (Verschlechterungen) von Grunderkrankungen führen können:

  • RSV-Impfung für Erwachsene als Standardimpfung ab 75 Jahren sowie als Indikationsimpfung ab 60 Jahren bei schweren Grunderkrankungen oder Pflegeheimbewohnern (einmalige Impfung; idealerweise vor der RSV-Saison).
  • RSV-Prophylaxe für Neugeborene und Säuglinge in der ersten RSV-Saison mit Nirsevimab (Einmaldosis; Zeitpunkt abhängig vom Geburtsmonat).
  • Influenza-Impfung (Grippeschutzimpfung) gemäß STIKO (Ständige Impfkommission) (insbesondere bei Risikogruppen).
  • Pneumokokken-Impfung (Impfung gegen Pneumokokken) gemäß STIKO (insbesondere bei Risikogruppen).

Regelmäßige Kontrolluntersuchungen

  • Regelmäßige ärztliche Kontrolluntersuchungen bei anhaltenden Symptomen, Risikokonstellation oder Komorbiditäten (Begleiterkrankungen).
  • Bei Säuglingen/Kindern: Verlaufskontrolle bei Trinkschwäche, zunehmender Atemarbeit, Apnoen (Atemaussetzern), persistierender Hypoxie (anhaltendem Sauerstoffmangel) oder rezidivierender Symptomverschlechterung.
  • Bei Erwachsenen mit Risikofaktoren: Verlaufskontrolle bei Dyspnoe (Atemnot), Thoraxschmerz (Brustschmerz), Verschlechterung einer chronischen Herz-/Lungenerkrankung (Erkrankung von Herz oder Lunge) oder Zeichen der Pneumonie (Lungenentzündung).

Ernährungsmedizin

  • Ernährungsberatung auf der Grundlage einer Ernährungsanalyse.
  • Ernährungsempfehlungen gemäß einem gesunden Mischköstler unter Berücksichtigung des Geschlechts und des Alters.
  • Bei RSV-Infektion (Infektion mit dem Respiratorischen Synzytial-Virus): Sicherstellung ausreichender Kalorien- und Flüssigkeitszufuhr; bei Säuglingen/Kindern engmaschige Kontrolle des Trinkverhaltens.
  • Beachtung folgender spezieller Ernährungsempfehlungen:
    • Bei reduzierter Nahrungsaufnahme: häufige kleine Mahlzeiten, ggf. orale Rehydratationslösung (Flüssigkeitsersatzlösung) nach Indikation.
    • Bei Risiko für Mangelernährung (Unterversorgung): frühzeitige ernährungsmedizinische Mitbetreuung.

Sportmedizin

  • Während der akuten RSV-Erkrankung (akuten Virusinfektion): Sportpause; Belastungsaufbau erst nach klinischer Stabilisierung.
  • Nach Rekonvaleszenz (Erholungsphase): stufenweiser Trainingsaufbau; bei persistierender Dyspnoe (Atemnot) oder Leistungsknick ärztliche Abklärung.

Physikalische Therapie (inkl. Physiotherapie)

  • Keine routinemäßige Atemphysiotherapie (Atemkrankengymnastik) bei unkomplizierter RSV-Bronchiolitis (Entzündung der kleinen Atemwege); individualisierte Maßnahmen bei relevanter Sekretretention (Schleimverhalt), neuromuskulärer Grunderkrankung (Erkrankung von Nerven und Muskeln) oder komplexem Verlauf.

Organisationen und Selbsthilfegruppen

  • Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) – Informationsangebote zu Atemwegsinfektionen und Prävention (Vorbeugung).
  • Deutsche Lungenstiftung e. V. – Informationsangebote für Patienten mit chronischen Atemwegserkrankungen (relevant bei RSV-Risikokonstellationen).