RSV (Respiratorisches Synzytial-Virus) – Labordiagnostik

Laborparameter 1. Ordnung – obligate Laboruntersuchungen

Die Laborparameter der 1. Ordnung dienen nicht dem direkten Erregernachweis, sondern der Schweregradeinschätzung, der Verlaufskontrolle sowie der Identifikation von Komplikationen und bakteriellen Superinfektionen.

  • Kleines Blutbild
    • Basisbeurteilung; Anämie (Blutarmut), Leukozytenzahl und Thrombozyten als Verlaufs- und Belastungsmarker
  • Differentialblutbild
    • Einordnung viral (virusbedingt) vs. bakteriell (bakterienbedingt)
    • Lymphozytose (vermehrte Lymphozyten) virusassoziiert möglich
    • Neutrophilie (vermehrte neutrophile Granulozyten)/Linksverschiebung als Hinweis auf bakterielle Superinfektion (zusätzliche bakterielle Infektion)
  • Entzündungsparameter – CRP (C-reaktives Protein) bzw. BSG (Blutsenkungsgeschwindigkeit)
    • Bei klinischer Relevanz obligat
    • Typischerweise niedrig bis moderat erhöht
    • Deutlich erhöhte Werte sprechen für eine bakterielle Superinfektion (zusätzliche bakterielle Infektion)
  • Blutgasanalyse (Untersuchung der Blutgase)
    • Obligatorisch bei Dyspnoe (Atemnot), Tachypnoe (beschleunigte Atmung), Zyanose (Blaufärbung der Haut) oder Sauerstoffbedarf
    • Erfassung von Hypoxämie (Sauerstoffmangel im Blut), Hyperkapnie (erhöhter Kohlendioxidgehalt im Blut) und respiratorischer Azidose (Übersäuerung durch Atemstörung)
  • Elektrolyte – Natrium, Kalium, Chlorid
    • Sinnvoll insbesondere bei stationären Verläufen oder unter Flüssigkeitstherapie (Infusionsbehandlung)
    • Hyponatriämie (Natriummangel) möglich, unter anderem im Rahmen eines SIADH (Störung der Wasserregulation) oder iatrogen (durch medizinische Maßnahmen verursacht)
  • Nierenparameter – Harnstoff, Kreatinin
    • Beurteilung von Hydratation (Flüssigkeitshaushalt), prärenaler Komponente (vor der Niere liegende Ursache) und Organfunktion
    • Besonders relevant bei Säuglingen, älteren Patienten und schwerem Verlauf
  • Leberparameter – Alanin-Aminotransferase (ALT, GPT), Aspartat-Aminotransferase (AST, GOT)
    • Bei systemischer Erkrankung (den ganzen Körper betreffend) oder komplexem Verlauf sinnvoll
    • Leichte Transaminasenerhöhungen (Erhöhung von Leberenzymen) möglich

Laborparameter 2. Ordnung – in Abhängigkeit von den Ergebnissen der Anamnese (Krankengeschichte), der körperlichen Untersuchung und den obligaten Laborparametern – zur differentialdiagnostischen Abklärung

  • RSV-Direktnachweis
    • RT-PCR aus Nasopharynxabstrich/Nasen-Rachen-Abstrich (molekularbiologischer Virusnachweis)
      • Diagnostischer Goldstandard
      • Sehr hohe Sensitivität und Spezifität auch bei geringer Viruslast
      • Schnelle Ergebnisverfügbarkeit
      • Teilweise zusätzliche Differenzierung der RSV-Gruppen A und B möglich
    • Antigen-Schnelltest aus Nasopharynxabstrich
      • Sensitivität im Mittel etwa 74 %, Spezifität etwa 98 %
      • Deutliche Leistungsunterschiede zwischen verschiedenen Testsystemen
      • Positiver Vorhersagewert stark alters- und saisonsabhängig
      • Hohe Aussagekraft bei Säuglingen und Kleinkindern während der RSV-Saison
      • Eingeschränkte Aussagekraft bei älteren Kindern, Erwachsenen und immungeschwächten Patienten (Menschen mit geschwächtem Abwehrsystem) sowie außerhalb der Saison
  • Multiplex-PCR Atemwegsviren
    • Paralleler Nachweis von RSV und weiteren respiratorischen Erregern (Erregern der Atemwege)
    • Sinnvoll bei schwerem Verlauf, nosokomialer Infektion (im Krankenhaus erworben), Risikopatienten (besonders gefährdete Patienten) oder unklarer Ätiologie (unklarer Ursache)
    • Abgrenzung u. a. gegenüber Influenza (echte Grippe), SARS-CoV-2 (Coronavirus), humanem Metapneumovirus und Parainfluenza
  • Procalcitonin (PCT)
    • Gezielt zur Abgrenzung bakterieller Koinfektion (gleichzeitige bakterielle Infektion) oder Superinfektion (zusätzliche bakterielle Infektion)
    • Nicht obligat
  • Blutkulturen
    • Nur bei schwerem Verlauf, Sepsisverdacht (Verdacht auf Blutvergiftung), persistierend hohem Fieber oder Immunsuppression (geschwächtes Immunsystem)
  • Serologische Diagnostik
    • Kein Stellenwert in der Akutdiagnostik (Diagnostik in der akuten Krankheitsphase)
    • Antikörperbildung bei RSV gering ausgeprägt
    • Erforderlich sind gepaarte Seren im Abstand von 2-4 Wochen
    • Einsatz primär retrospektiv oder zu Forschungszwecken
  • Viren­kultur
    • Für die Routinediagnostik ohne Relevanz
    • Durchführung ausschließlich in Speziallaboratorien oder im Rahmen wissenschaftlicher Studien

Fachliche Gesamteinordnung:

  • Der virologische Nachweis mittels PCR stellt den diagnostischen Goldstandard dar.
  • Antigen-Schnelltests sind situationsabhängig sinnvoll, jedoch deutlich limitiert.
  • Serologie und Viruskultur spielen in der Akutdiagnostik praktisch keine Rolle.
  • Die Laborparameter der 1. Ordnung dienen primär der klinischen Steuerung und Risikostratifikation, nicht dem Erregernachweis.