RSV (Respiratorisches Synzytial-Virus) – Medikamentöse Therapie

Therapieziele

  • Symptomlinderung (Reduktion der Atemarbeit, Verbesserung der Oxygenierung (Sauerstoffversorgung des Blutes), Erleichterung der Sekretmobilisation)
  • Vermeidung von Komplikationen (insbesondere Hypoxämie (niedriger Sauerstoffgehalt im Blut), Apnoen (Atemaussetzer), bakterielle Ko- oder Sekundärinfektionen (zusätzliche bakterielle Infektionen))
  • Überbrückung bis zur Spontanheilung (keine kausale antivirale Therapie (ursächliche virushemmende Behandlung) verfügbar)

Therapieempfehlungen

  • Grundsatz: Eine wirksame kausale Behandlung der RSV-Infektion (Infektion mit dem Respiratorischen Synzytial-Virus) existiert nicht; die Therapie erfolgt symptomatisch (beschwerdelindernd).
  • Allgemeine Maßnahmen:
    • Ausreichende Flüssigkeitszufuhr zur Sekretverflüssigung und -mobilisation.
    • Freihalten des Nasopharynx (Nasen-Rachen-Raum) mittels isotoner Natriumchlorid (NaCl)-Nasenspülungen oder -tropfen.
  • Atemunterstützende Maßnahmen (je nach Schweregrad):
    • Sauerstoffgabe bei Hypoxämie (niedrigem Sauerstoffgehalt im Blut); Zielwerte orientieren sich an Alter und klinischer Situation.
    • Nichtinvasive Atemunterstützung mit CPAP-Maske (continuous positive airway pressure; kontinuierlicher Überdruck zur Atemunterstützung) bei relevanter Atemarbeit und/oder persistierender Hypoxämie trotz Sauerstoffgabe.
    • Intubation (Einlage eines Beatmungsschlauchs) und invasive Beatmung (künstliche Beatmung) bei respiratorischer Insuffizienz (Atemversagen) bzw. Erschöpfung.
  • Inhalative Therapie (selektiv):
    • In einigen Fällen kann die Inhalation mit Bronchodilatatoren (bronchienerweiternde Medikamente), insbesondere Adrenalin, die Atemnot lindern; sie beeinflusst den Verlauf einer Bronchiolitis (Entzündung der kleinen Atemwege) jedoch nicht.
    • Zu Beginn der Inhalationsbehandlung engmaschige Überwachung der Sauerstoffsättigung (SpO2) (Sauerstoffgehalt des Blutes), da eine Hypoxämie verstärkt werden kann.
  • Apnoen:
    • Für RSV-assoziierte Apnoen (atempausenbedingte Komplikationen im Rahmen einer RSV-Infektion) existiert keine medikamentöse Behandlung; eine stationäre Überwachung (Überwachung im Krankenhaus) ist wichtig.
  • Antibiotikatherapie:
    • Antibiotikagaben beeinflussen weder den klinischen Verlauf einer RSV-Infektion noch die Dauer der Ansteckungsfähigkeit.
    • Eine antibakterielle Therapie ist nur indiziert, wenn eine bakterielle Ko- oder Sekundärinfektion (zusätzliche bakterielle Infektion) vorliegt.
    • Erforderlich ist ein sorgfältiges Monitoring (engmaschige Überwachung) auf Anzeichen einer bakteriellen Infektion, z. B. eine sekundäre klinische Verschlechterung.

Wirkstoffe (symptomorientiert)

Wirkstoff Applikation Dosierung Besonderheiten
Natriumchlorid (NaCl) nasal (Spülung/Tropfen) mehrmals täglich Sekretmobilisation, Verbesserung der Nasenatmung
Sauerstoff inhalativ Titration nach SpO2 Indikation bei Hypoxämie (niedrigem Sauerstoffgehalt im Blut); Zielwerte alters- und situationsabhängig
Adrenalin inhalativ nach klinischem Protokoll Kurzfristige Symptomlinderung möglich; kein gesicherter Einfluss auf Krankheitsverlauf; SpO2-Monitoring (Überwachung der Sauerstoffsättigung) zu Beginn
Antibiotika systemisch nach Erreger, Schweregrad und Leitlinie Nur bei bakterieller Ko- oder Sekundärinfektion (zusätzlicher bakterieller Infektion) indiziert

Leitlinien

  1. S2k-Leitlinie: Management der ambulant erworbenen Pneumonie bei Kindern und Jugendlichen (pCAP) (Behandlung der außerhalb des Krankenhauses erworbenen Lungenentzündung) (AWMF-Registernummer 048-013) Januar 2024 Langfassung Kurzfassung
  2. S3-Leitlinie: Invasive Beatmung und Einsatz extrakorporaler Verfahren bei akuter respiratorischer Insuffizienz (schweres akutes Atemversagen) (AWMF-Registernummer 001-021) August 2025 Langfassung Kurzfassung
  3. RKI-Ratgeber: RSV-Infektionen (Epidemiologie, Prävention und Managementhinweise im öffentlichen Gesundheitsdienst) (Informationen des Robert Koch-Instituts zu RSV). RKI Online-Version