RSV (Respiratorisches Synzytial-Virus) – Prävention
Zur Prävention des RSV (Respiratorisches Synzytial-Virus; Atemwegsvirus) muss auf eine Reduktion individueller Risikofaktoren geachtet werden.
Verhaltensbedingte Risikofaktoren
Das Respiratorische Synzytial-Virus (RSV; Atemwegsvirus) ist kein primär verhaltensbedingtes Krankheitsbild. Dennoch beeinflussen bestimmte individuelle und umweltbezogene Faktoren das Risiko einer Infektion sowie den Schweregrad insbesondere bei Säuglingen (Babys), älteren Menschen und Patienten mit Grunderkrankungen.
- Ernährung
- Ungenügende Ernährungssituation mit daraus resultierender Immunschwäche, insbesondere bei Säuglingen und älteren Menschen.
- Mangelernährung (Unterversorgung) bei chronisch Kranken als Risikofaktor für schwere RSV-Verläufe.
- Ungesunde Ernährung
- Hoher Anteil stark verarbeiteter Lebensmittel mit potenziell negativer Wirkung auf die Immunfunktion.
- Mikronährstoffmangel
- Vitamin-D-Mangel (Vitamin-D-Unterversorgung) assoziiert mit erhöhter Anfälligkeit für Atemwegsinfektionen, einschließlich RSV.
- Zinkmangel (Zink-Unterversorgung) als möglicher Risikofaktor für verlängerte Infektionsverläufe.
- Genussmittelkonsum
- Passivrauchexposition (Mitrauchen) bei Säuglingen (Babys) und Kindern mit erhöhter Inzidenz (Häufigkeit von Neuerkrankungen) und Schwere von RSV-Infektionen.
- Rauchen
- Aktives Rauchen bei Erwachsenen mit erhöhter Anfälligkeit für Infektionen der unteren Atemwege (tieferen Atemwege).
- Alkoholkonsum
- Chronischer Alkoholkonsum mit Immunsuppression (Unterdrückung der Abwehr) und erhöhtem Risiko für komplizierte Infektionsverläufe.
- Körperliche Aktivität
- Sehr geringe körperliche Aktivität als indirekter Risikofaktor durch negative Effekte auf das Immunsystem.
- Körperliche Inaktivität
- Immobilität (Bewegungsunfähigkeit) bei älteren oder chronisch kranken Patienten mit erhöhter Infektanfälligkeit.
- Psychosoziale Situation
- Niedriger sozioökonomischer Status und beengte Wohnverhältnisse mit erhöhter Exposition (Kontakt) und Transmission (Übertragung).
- Chronischer Stress
- Stressbedingte Immundysregulation (Fehlsteuerung der Abwehr) mit erhöhter Infektanfälligkeit.
- Übergewicht (BMI ≥ 25)
- Adipositas (starkes Übergewicht) als Risikofaktor für schwerere Verläufe viraler Atemwegsinfektionen.
- Schlafqualität
- Chronischer Schlafmangel mit Beeinträchtigung der Immunantwort.
Präventionsfaktoren (Schutzfaktoren)
Zur Prävention der RSV-Infektion (RSV-Erkrankung) muss auf eine Reduktion individueller Risikofaktoren und eine gezielte Stärkung der Immunabwehr sowie auf infektionspräventive Maßnahmen (Maßnahmen zur Vorbeugung von Infektionen) geachtet werden.
- Ernährung
- Ausgewogene, bedarfsdeckende Ernährung zur Unterstützung der Immunfunktion.
- Sicherstellung einer ausreichenden Zufuhr von Vitamin D, Zink und Omega-3-Fettsäuren (Docosahexaensäure, Eicosapentaensäure) bei Risikogruppen (besonders gefährdeten Gruppen).
- Genussmittelkonsum
- Konsequenter Verzicht auf aktives Rauchen.
- Vermeidung von Passivrauchexposition (Mitrauchen), insbesondere bei Säuglingen und Kleinkindern.
- Einschränkung von Alkohol bei Erwachsenen.
- Körperliche Aktivität
- Regelmäßige, alters- und gesundheitsangepasste körperliche Aktivität zur Förderung der Immunabwehr.
- Hygienemaßnahmen
- Konsequente Händehygiene (Händewaschen) mit Wasser und Seife oder alkoholischen Händedesinfektionsmitteln (Händedesinfektion).
- Vermeidung von engem Kontakt zu symptomatischen Personen (erkrankten Personen).
- Reinigung häufig berührter Oberflächen.
- Zur Desinfektion Anwendung von Mitteln mit nachgewiesener Wirksamkeit gegen behüllte Viren (Wirkungsbereich „begrenzt viruzid“); Mittel mit erweitertem Wirkbereich („begrenzt viruzid PLUS“, „viruzid“) können ebenfalls verwendet werden.
- Geeignete Mittel sind z. B. in der Liste der vom RKI (Robert Koch-Institut) geprüften und anerkannten Desinfektionsmittel und -verfahren sowie in der Desinfektionsmittel-Liste des Verbundes für Angewandte Hygiene (VAH) enthalten; bei behördlich angeordneten Desinfektionsmaßnahmen ist die RKI-Liste heranzuziehen.
- Prävention nosokomialer RSV-Infektionen (im Krankenhaus erworbene RSV-Infektionen) als Priorität in Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen und ambulanten ärztlichen Praxen.
- Medizinisches Personal sollte beim Kontakt mit Erkrankten Schutzkittel, Einmalhandschuhe und geeigneten Atemschutz tragen (direkt anliegender, mehrlagiger Mund-Nasen-Schutz), um einer Virusinokulation (Viruseintritt) über die Schleimhäute und einer weiteren Virenübertragung vorzubeugen.
- Weiterführende Angaben u. a. in der Empfehlung der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO; Fachgremium für Krankenhaushygiene) „Infektionsprävention im Rahmen der Pflege und Behandlung von Patienten mit übertragbaren Krankheiten“ (2015) und der assoziierten aktualisierten Tabelle 1 dieser Empfehlung (2023) sowie der „Vollzugshilfe zur Entsorgung von Abfällen aus Einrichtungen des Gesundheitsdienstes“.
- Für Aspekte des Arbeitsschutzes sind einschlägige Technische Regeln für biologische Arbeitsstoffe (TRBA; Arbeitsschutzregeln für biologische Stoffe) zu beachten, z. B. TRBA 250, veröffentlicht durch die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA).
- Infektionsprophylaxe bei Säuglingen
- Stillen als Schutzfaktor durch maternale Antikörper (von der Mutter übertragene Abwehrstoffe).
- Reduktion von Menschenansammlungen während der RSV-Saison (RSV-Zeit) bei Hochrisikokindern (besonders gefährdeten Kindern).
- Immunprophylaxe
- Einsatz monoklonaler Antikörper (künstlich hergestellte Abwehrstoffe) zur passiven Immunisierung (Schutz durch Antikörpergabe) bei definierten Hochrisikogruppen gemäß aktuellen Empfehlungen.
- In der Europäischen Union (EU; Staatenverbund Europas) sind proteinbasierte RSV-Impfstoffe (Arexvy; GSK, Abrysvo; Pfizer) sowie ein mRNA-RSV-Impfstoff (mResvia; Moderna) zum Schutz vor RSV-bedingten tiefen Atemwegsinfektionen zugelassen.
- Abrysvo ist zudem zum Schutz von Säuglingen als maternale Impfung (Impfung der Mutter) von Schwangeren in der 24. bis 36. Schwangerschaftswoche zugelassen.
- Passive Immunisierung (Antikörperschutz): Palivizumab (Synagis) ist zur RSV-Prophylaxe (RSV-Vorbeugung) bei Kindern mit hohem Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf zugelassen; Gabe während der RSV-Saison (meist Oktober bis März) in monatlichen Intervallen (monatlich) intramuskulär (in den Muskel), erste Dosis vor Beginn der Saison.
- Passive Immunisierung (Antikörperschutz): Nirsevimab (Beyfortus) ist zur Prävention von RSV-Erkrankungen der unteren Atemwege bei Neugeborenen und Säuglingen unabhängig von Risikofaktoren in der ersten RSV-Saison zugelassen; Einmaldosis 50 mg bei Körpergewicht < 5 kg bzw. 100 mg bei Körpergewicht ≥ 5 kg intramuskulär; Wirkung unmittelbar, Schutz über die RSV-Saison.
- Nirsevimab und Palivizumab können bei Frühgeborenen und Kindern mit bronchopulmonaler Dysplasie (chronische Lungenerkrankung bei Frühgeborenen) auch in der zweiten RSV-Saison angewendet werden; empfohlene Nirsevimab-Dosis 200 mg (zwei gleichzeitige 100 mg-Injektionen), Palivizumab 15 mg/kg Körpergewicht.
- STIKO (Ständige Impfkommission): RSV-Prophylaxe (passive Immunisierung) für alle Neugeborenen und Säuglinge als Einmaldosis vor bzw. in der ersten RSV-Saison; Säuglinge mit Geburt April bis September möglichst im Herbst, Neugeborene während der RSV-Saison möglichst rasch nach Geburt, idealerweise bei Entlassung oder bei der U2-Untersuchung (3. - 10. Lebenstag).
- STIKO: RSV-Impfung für Erwachsene als einmalige Impfung vor der RSV-Saison für Personen ≥ 75 Jahre sowie als Indikationsimpfung (Impfung bei besonderem Risiko) für Personen 60-74 Jahre mit schweren Grunderkrankungen oder bei Leben in einer Pflegeeinrichtung; Impfung mit proteinbasierten oder mRNA-basierten RSV-Impfstoffen möglich.
- Für optimalen Schutz in der RSV-Saison sollte die Impfung im Spätsommer/Herbst erfolgen; proteinbasierte Impfstoffe können gleichzeitig mit der saisonalen Influenza-Impfung (Grippeimpfung) verabreicht werden, Abrysvo zudem gleichzeitig mit einem COVID-19-Impfstoff (Corona-Impfstoff).
- Auf Basis der aktuellen Datenlage kann noch keine Aussage zur Notwendigkeit von Wiederholungsimpfungen (Auffrischungsimpfungen) getroffen werden.
- Hinsichtlich der maternalen Impfung (Impfung in der Schwangerschaft) kam die STIKO nach Prüfung der Evidenz aus klinischen Studien zu dem Schluss, dass die Datenlage zum Zeitpunkt August 2024 nicht ausreicht, um über eine mögliche Empfehlung entscheiden zu können.
Sekundärprävention
Die Sekundärprävention (Vorbeugung bei ersten Krankheitszeichen) richtet sich an Patienten mit ersten Symptomen der RSV-Infektion, um eine Verschlechterung zu verhindern und gezielt zu behandeln.
- Früherkennung und Diagnostik
- Frühe klinische Einschätzung bei Säuglingen, älteren Menschen und Patienten mit kardio-pulmonalen Grunderkrankungen (Herz- oder Lungenerkrankungen).
- Niedrige Schwelle für weiterführende Diagnostik bei Dyspnoe (Atemnot), Trinkschwäche (schlechtes Trinken) oder Apnoen (Atemaussetzer).
- Laborparameter
- Virologischer Direktnachweis (direkter Virusnachweis) (z. B. Nukleinsäure-Amplifikationstest) zur Diagnosesicherung bei relevanter klinischer Fragestellung.
- Bildgebung
- Thoraxdiagnostik (Untersuchung des Brustkorbs) bei Verdacht auf Komplikationen (Folgeprobleme) wie Pneumonie (Lungenentzündung) oder Ateminsuffizienz (unzureichende Atmung).
- Lebensstiländerungen
- Frühzeitige Schonung und adäquate Flüssigkeitszufuhr (ausreichendes Trinken).
- Vermeidung zusätzlicher Belastungsfaktoren wie Rauch oder Alkohol.
- Therapieansätze
- Symptomorientierte Therapie mit engmaschiger klinischer Überwachung bei Risikopatienten.
- Psychosoziale Unterstützung
- Aufklärung von Angehörigen über Warnzeichen und frühzeitige Wiedervorstellung.
Tertiärprävention
Die Tertiärprävention (Vorbeugung von Spätfolgen) zielt darauf ab, wiederkehrende Beschwerden und mögliche Komplikationen der RSV-Infektion langfristig zu minimieren.
- Langzeittherapie
- Verlaufskontrollen bei Patienten mit schwerem oder kompliziertem RSV-Verlauf.
- Rehabilitation und Nachsorge
- Atemtherapie (Atemübungen) bei persistierenden respiratorischen Symptomen (anhaltenden Atembeschwerden).
- Nachsorge bei Säuglingen nach RSV-assoziierter Bronchiolitis (RSV-bedingte Entzündung der kleinen Atemwege) bei erhöhter späterer Atemwegssensitivität (erhöhte Empfindlichkeit der Atemwege).
- Psychosoziale Unterstützung
- Betreuung von Familien bei schwerem Verlauf im Säuglings- oder Kleinkindalter.
- Lebensstilinterventionen
- Langfristige Rauchvermeidung.
- Förderung eines infektpräventiven Lebensstils mit ausreichendem Schlaf, regelmäßiger Bewegung und ausgewogener Ernährung.
Literatur
- RKI-Ratgeber: RSV-Infektionen (Epidemiologie, Prävention und Managementhinweise im öffentlichen Gesundheitsdienst) (Informationen des Robert Koch-Instituts zu RSV). RKI Online-Version