Mykoplasmen – Prävention
Zur Prävention der Mykoplasmen-Infektion muss auf eine Reduktion individueller und übertragungsbezogener Risikofaktoren (Einflussfaktoren, die ein Erkrankungsrisiko erhöhen) geachtet werden. Dabei sind respiratorische Infektionen (die Atemwege betreffende Infektionen) durch Mycoplasma pneumoniae (Bakterium, das Atemwegsinfektionen verursachen kann), sexuell übertragene Infektionen durch Mycoplasma genitalium (sexuell übertragbares Bakterium) sowie Kolonisationsbefunde (Nachweise einer Besiedlung ohne gesicherte Erkrankung) durch Mycoplasma hominis (häufig besiedelndes Bakterium im Urogenitalbereich), Ureaplasma urealyticum (möglicherweise krankheitsauslösendes Bakterium im Urogenitalbereich), Ureaplasma parvum (häufig besiedelndes Bakterium im Urogenitalbereich) und oropharyngeale Mykoplasmen (Mykoplasmen im Mund-Rachenraum) getrennt zu bewerten.
Verhaltensbedingte Risikofaktoren
- Kontakt zu Personen mit respiratorischer Infektion – Für Mycoplasma pneumoniae ist enger und längerer Kontakt zu symptomatischen Personen mit Husten präventionsrelevant, insbesondere in Schulen, Kindertagesstätten, Wohneinrichtungen, Pflegeeinrichtungen und anderen Gemeinschaftssettings. Die Übertragung erfolgt vor allem über respiratorische Tröpfchen (Atemtröpfchen) beim Husten oder Niesen; eine klassische Schmierinfektion (Kontaktübertragung über verunreinigte Hände oder Oberflächen) ist nicht der zentrale Präventionsansatz [4, LL2].
- Unzureichende Händehygiene und fehlende Hustenetikette – Regelmäßiges Händewaschen, Husten oder Niesen in die Ellenbeuge und Vermeidung enger Kontakte bei akuter Atemwegssymptomatik (Atemwegsbeschwerden) reduzieren die Weitergabe respiratorischer Erreger (die Atemwege betreffender Krankheitserreger) einschließlich Mycoplasma pneumoniae [4].
- Sexualkontakt ohne Barriereschutz – Für Mycoplasma genitalium ist direkter Schleimhautkontakt (Kontakt mit feuchter Körperinnenhaut) der wesentliche Übertragungsweg. Ungeschützter Vaginal-, Anal- und gegebenenfalls orogenitaler Kontakt, häufig wechselnde Sexualpartner und fehlende Partnerdiagnostik (Untersuchung der Sexualpartner) erhöhen das Risiko für Transmission (Weitergabe eines Erregers) und Reinfektion (erneute Ansteckung) [LL1, LL3, LL4].
- Unbehandelte oder nicht diagnostizierte Sexualpartner – Bei Urethritis (Harnröhrenentzündung) und Nachweis relevanter STI-Erreger (Erreger sexuell übertragbarer Infektionen) kann fehlende Partnerinformation zu Reinfektionen und fortgesetzter Transmission führen; Sexualpartner sollen über Diagnose (festgestellte Erkrankung) und Notwendigkeit einer Diagnostik (Untersuchungen zur Feststellung einer Erkrankung) und gegebenenfalls Therapie (Behandlung) informiert werden [LL1].
- Fehlende sexuelle Karenz während und unmittelbar nach Therapie – Bei akuter Urethritis soll sexuelle Karenz (Verzicht auf sexuelle Kontakte) mindestens bis eine Woche nach Abschluss der antibiotischen Therapie (Behandlung mit Antibiotika) eingehalten werden; bei persistierenden Symptomen (anhaltenden Beschwerden) entsprechend länger [LL1].
- Überdiagnostik durch Multiplex-PCR bei Kolonisationsbefunden – Der Nachweis von Mycoplasma hominis, Ureaplasma parvum oder Ureaplasma urealyticum in urogenitalen Proben (Proben aus Harn- und Geschlechtsorganen) ist häufig Ausdruck einer Kolonisation (Besiedlung). Routine-Testung und Routine-Therapie asymptomatischer Personen (Personen ohne Beschwerden) werden nicht empfohlen [1].
- Fehlinterpretation von Ureaplasma urealyticum-Nachweisen – Ureaplasma urealyticum ist nicht pauschal irrelevant, sondern ein fakultatives Pathogen (möglicher Krankheitserreger). Eine klinische Relevanz (Bedeutung für die Erkrankung) ist vor allem bei symptomatischer Urethritis, Ausschluss anderer Erreger und gegebenenfalls hoher Bakterienlast (hoher Erregermenge) zu prüfen [LL1].
- Fehlinterpretation oropharyngealer Mykoplasmen-Kolonisation – Oropharyngeale Mykoplasmen können Kolonisationsbefunde darstellen. Für asymptomatische pharyngeale (den Rachen betreffende) Mycoplasma genitalium-Nachweise besteht keine Evidenz (wissenschaftlicher Beleg) für eine eigenständige oropharyngeale Erkrankung; eine routinemäßige extragenitale Testung (Untersuchung außerhalb der Geschlechtsorgane) auf Mycoplasma genitalium wird nicht empfohlen [LL3].
- Rauchen und Passivrauchen – Rauchen ist kein spezifischer Risikofaktor nur für Mykoplasmen, erhöht aber allgemein die Vulnerabilität (Anfälligkeit) für respiratorische Infektionen und kann bei Mycoplasma pneumoniae-assoziierten Atemwegserkrankungen ungünstig wirken.
- Alkoholkonsum – Schädlicher Alkoholkonsum ist kein mykoplasmenspezifischer Risikofaktor. Präventionsrelevant ist er vor allem indirekt, wenn dadurch Adhärenz (Einhaltung medizinischer Empfehlungen), Risikowahrnehmung oder Schutzverhalten bei sexuell übertragbaren Infektionen beeinträchtigt werden.
- Drogenkonsum – Substanzkonsum ist vor allem im Kontext sexuell übertragbarer Infektionen relevant, wenn Barriereschutz seltener angewendet, Diagnostik verzögert oder Partnerinformation erschwert wird.
- Körperliche Inaktivität, Übergewicht, Schlafmangel und chronischer Stress – Diese Faktoren sind nicht mykoplasmenspezifisch belegt. Sie können allenfalls über allgemeine immunologische (das Abwehrsystem betreffende), kardiopulmonale (Herz und Lunge betreffende) oder verhaltensbezogene Mechanismen (Wirkzusammenhänge) die Krankheitslast und Versorgungsadhärenz beeinflussen.
Präventionsfaktoren (Schutzfaktoren)
Zur Prävention der Mykoplasmen-Infektion muss auf eine erreger- und syndromspezifische Reduktion individueller Risikofaktoren geachtet werden.
- Respiratorische Hygiene bei Mycoplasma pneumoniae – Regelmäßiges Händewaschen, Husten- und Niesetikette, Abstand zu symptomatischen Personen und Reduktion enger Kontakte bei akuter Atemwegsinfektion sind zentrale Maßnahmen. Eine zugelassene Impfung gegen Mycoplasma pneumoniae steht nicht zur Verfügung; eine routinemäßige antibiotische Postexpositionsprophylaxe (vorbeugende Antibiotikagabe nach Kontakt mit einem Erreger) wird nicht empfohlen [4].
- Infektionsschutz in Gemeinschaftseinrichtungen – Bei gehäuften respiratorischen Erkrankungen sind konsequente Basishygiene (grundlegende Hygienemaßnahmen), Lüften, Vermeidung enger Kontakte bei Symptomen und frühzeitige klinische Abklärung (medizinische Beurteilung) schwerer oder prolongierter Verläufe (verlängerter Krankheitsverläufe) sinnvoll [2, 3].
- STI-Prävention bei Mycoplasma genitalium – Kondome reduzieren das Risiko sexuell übertragbarer Infektionen, wenngleich der Schutz je nach Exposition (Art des Kontakts) und Lokalisation (Körperstelle) unvollständig sein kann. Entscheidend sind risikoadaptierte Sexualanamnese (Erhebung der Sexualgeschichte unter Berücksichtigung des Risikos), STI-Beratung (Beratung zu sexuell übertragbaren Infektionen), Barriereschutz, Partnerinformation und Vermeidung sexueller Kontakte bis zum empfohlenen Zeitpunkt nach Therapieabschluss [LL1, LL3, LL4].
- Gezielte Diagnostik statt Screening – Eine generelle Testung asymptomatischer Personen auf Mycoplasma genitalium wird nicht empfohlen. Die Testung ist vor allem bei persistierender oder rezidivierender (wiederkehrender) nicht-gonorrhoischer Urethritis (nicht durch Gonokokken verursachter Harnröhrenentzündung), rezidivierender Zervizitis (Gebärmutterhalsentzündung) und ausgewählten Fällen einer entzündlichen Beckenerkrankung (Entzündung innerer weiblicher Geschlechtsorgane im kleinen Becken) zu erwägen [LL1, LL3, LL4].
- Resistenzgeleitete Therapie bei Mycoplasma genitalium – Wenn eine Nukleinsäureamplifikationstestung (Erbgut-Nachweisverfahren) auf Mycoplasma genitalium durchgeführt wird, sollte nach Möglichkeit eine molekulardiagnostische Resistenztestung (Erbgutuntersuchung auf Antibiotika-Unempfindlichkeit) auf Makrolid- und Fluorchinolonresistenzmarker (Hinweise auf Unempfindlichkeit gegen bestimmte Antibiotikagruppen) erfolgen, um Resistenzselektion (Auswahl unempfindlicher Erreger) und Therapieversagen zu reduzieren [LL1, LL3, LL4].
- Keine Eradikation von Kolonisationsbefunden – Mycoplasma hominis und Ureaplasma parvum sollen nicht allein aufgrund eines Nachweises behandelt werden. Bei Ureaplasma urealyticum ist die klinische Relevanz im Einzelfall zu prüfen; bei alleinigem Nachweis als Auslöser einer symptomatischen Urethritis ist eine Therapie leitliniengerecht möglich [1, LL1].
- Oropharyngeale Kolonisation – Eine routinemäßige Diagnostik oder antibiotische Sanierung (Beseitigung von Erregern durch Behandlung) asymptomatischer oropharyngealer Mykoplasmen-Nachweise ist nicht angezeigt. Bei immunsupprimierten Patienten (Patienten mit geschwächter Immunabwehr) und invasiven Infektionsbildern (schweren Infektionen mit Eindringen in normalerweise keimfreie Körperbereiche) muss die Bewertung individuell mikrobiologisch (die Erreger betreffend) und klinisch erfolgen [LL3].
Sekundärprävention
Die Sekundärprävention richtet sich an Patienten mit ersten Symptomen der Mykoplasmen-Infektion, um eine Verschlechterung zu verhindern, Transmission zu reduzieren und eine nicht indizierte Antibiotikatherapie (medizinisch nicht notwendige Behandlung mit Antibiotika) zu vermeiden.
- Früherkennung bei respiratorischer Infektion durch Mycoplasma pneumoniae – Klinisch relevant sind prolongierter Husten, Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen, Zeichen einer ambulant erworbenen Pneumonie (außerhalb des Krankenhauses erworbene Lungenentzündung) sowie Häufungen in Gemeinschaftseinrichtungen. Bei Kindern und Jugendlichen soll eine Mycoplasma pneumoniae-PCR nur bei klinisch-epidemiologischem Verdacht (Verdacht aufgrund von Beschwerden und Häufung in der Umgebung) sowie bei schwerer, therapierefraktärer (auf Behandlung nicht ansprechender) oder komplizierter ambulant erworbener Pneumonie erfolgen [LL2].
- Labordiagnostik bei Mycoplasma pneumoniae – Geeignet ist vor allem der Erregergenomnachweis (Nachweis von Erbmaterial des Erregers) mittels Nukleinsäureamplifikationstestung, meist als Polymerasekettenreaktion (PCR; Laborverfahren zur Vervielfältigung und zum Nachweis von Erbmaterial), aus respiratorischem Material. Serologische Befunde (Antikörperbefunde im Blut) sind wegen verzögerter Antikörperbildung (Bildung von Abwehrstoffen) und eingeschränkter Akutdiagnostik (Diagnostik in der frühen Krankheitsphase) nur selektiv zu interpretieren.
- Bildgebung bei respiratorischer Komplikation – Bei unkomplizierter nicht-schwerer ambulant erworbener Pneumonie ist eine routinemäßige Thorax-Röntgenuntersuchung (Röntgenaufnahme des Brustkorbs) bei Kindern und Jugendlichen nicht empfohlen. Bei schwerem oder kompliziertem Verlauf, Verdacht auf parapneumonischen Erguss (Flüssigkeit im Brustkorb neben einer Lungenentzündung), Pleuraempyem (Eiteransammlung im Spalt zwischen Lunge und Brustwand), nekrotisierende Pneumonie (Lungenentzündung mit Gewebezerfall) oder Lungenabszess (Eiterhöhle in der Lunge) erfolgt die Bildgebung (Untersuchung mit bildgebenden Verfahren) nach klinischer Indikation (medizinischem Anlass), einschließlich Thoraxsonographie (Ultraschalluntersuchung des Brustkorbs), Röntgen-Thorax oder Computertomographie (CT; Schnittbilduntersuchung mit Röntgenstrahlen) [LL2].
- Gezielte Antibiotikatherapie bei respiratorischer Erkrankung – Eine antibiotische Therapie soll sich an klinischem Schweregrad, Alter, lokaler Resistenzlage (regionaler Situation zur Antibiotika-Unempfindlichkeit), Differenzialdiagnosen (möglichen anderen Ursachen) und Leitlinien zur ambulant erworbenen Pneumonie orientieren. Ungezielte Antibiotikagabe bei milden oberen Atemwegsinfekten ohne klinische Pneumonie verhindert keine Transmission zuverlässig und fördert Resistenzdruck (Zunahme antibiotikaunempfindlicher Erreger) [2, LL2].
- Früherkennung bei Mycoplasma genitalium – Bei persistierender oder rezidivierender Urethritis, rezidivierender Zervizitis und ausgewählten Fällen einer entzündlichen Beckenerkrankung ist eine gezielte Nukleinsäureamplifikationstestung auf Mycoplasma genitalium angezeigt oder zu erwägen; bei Testung sollte eine Resistenztestung angeschlossen werden [LL1, LL3, LL4].
- Labordiagnostik bei genitaler Infektion – Bei Männern können Erststrahlurin (erste Urinportion beim Wasserlassen), meataler oder urethraler Abstrich (Abstrich an der Harnröhrenöffnung oder aus der Harnröhre) zur Nukleinsäureamplifikationstestung verwendet werden. Bei Frauen sind je nach Fragestellung vaginale (die Scheide betreffende), endozervikale (den Gebärmutterhalskanal betreffende) oder andere geeignete Abstrichmaterialien zu verwenden. Die Diagnostik muss Koinfektionen (gleichzeitige Infektionen) mit Neisseria gonorrhoeae (Gonokokken), Chlamydia trachomatis (Chlamydien) und weiteren STI-Erregern berücksichtigen [LL1, LL3].
- Therapie und Resistenzprävention bei Mycoplasma genitalium – Bei Nachweis von Mycoplasma genitalium ohne Makrolidresistenz-assoziierte Mutationen (Erbgutveränderungen, die auf Unempfindlichkeit gegen Makrolid-Antibiotika hinweisen) sollte Azithromycin (Antibiotikum aus der Gruppe der Makrolide) im 4-Tage-Therapieschema erfolgen. Bei Makrolidresistenz-assoziierten Mutationen, Kontraindikationen (Gegenanzeigen) gegen Azithromycin, hohem Resistenzrisiko oder fehlendem Ansprechen auf Azithromycin sollte Moxifloxacin (Antibiotikum aus der Gruppe der Fluorchinolone) eingesetzt werden. Bei Therapieversagen oder Kontraindikationen soll STI-spezialisierte Expertise (fachliche Beratung durch Spezialisten für sexuell übertragbare Infektionen) eingeholt werden [LL1].
- Sexuelle Karenz und Partnerinformation – Bei akuter Urethritis sollen Patienten über sexuelle Karenz bis mindestens eine Woche nach Abschluss der antibiotischen Therapie und über die Information relevanter Sexualpartner aufgeklärt werden, um Infektionsketten (Abfolge von Ansteckungen) und Reinfektionen zu verhindern [LL1].
- Kontrolluntersuchung – Bei initialem Nachweis von Neisseria gonorrhoeae, Chlamydia trachomatis oder Mycoplasma genitalium sollte eine Kontrolluntersuchung zum Test of Cure (Kontrolltest zur Sicherung des Behandlungserfolgs) sechs bis zwölf Wochen nach Abschluss der antibiotischen Therapie geplant werden [LL1].
- Umgang mit Mycoplasma hominis, Ureaplasma urealyticum und Ureaplasma parvum – Ein positiver Nachweis allein ist keine Behandlungsindikation (Grund für eine Behandlung). Bei urethralem Nachweis von Ureaplasma urealyticum handelt es sich oft um Kolonisation; bei Nachweis als einzig identifiziertem Auslöser einer symptomatischen Urethritis soll Doxycyclin (Antibiotikum aus der Gruppe der Tetrazykline) 100 mg p.o. (zum Einnehmen) zweimal täglich für sieben Tage erfolgen. Mycoplasma hominis und Ureaplasma parvum haben bei Urethritis in der Regel keine klinische Relevanz [1, LL1].
- Oropharyngeale Mykoplasmen-Kolonisation – Bei asymptomatischen oropharyngealen Nachweisen ist keine routinemäßige Therapie indiziert. Bei schweren, invasiven oder ungewöhnlichen Infektionsverläufen, insbesondere bei Immunsuppression (geschwächter Immunabwehr), ist eine interdisziplinäre infektiologische und mikrobiologische Bewertung (Beurteilung durch mehrere Fachrichtungen, insbesondere Infektionsmedizin und Mikrobiologie) erforderlich [LL3].
Tertiärprävention
Die Tertiärprävention zielt darauf ab, wiederkehrende Beschwerden, Reinfektionen, Therapieversagen und mögliche Komplikationen der Mykoplasmen-Infektion langfristig zu minimieren.
- Nachsorge nach schwerer respiratorischer Infektion – Nach schwerer oder komplizierter ambulant erworbener Pneumonie soll eine dem Verlauf angepasste klinische Nachbetreuung (medizinische Kontrolle nach der Erkrankung) erfolgen; je nach Befund sind wiederholte Bildgebung und Kontrolle von Entzündungsparametern (Laborwerte für Entzündungen) indiziert [LL2].
- Management pulmonaler Komplikationen – Bei parapneumonischem Erguss, Pleuraempyem, nekrotisierender Pneumonie, Lungenabszess, Atelektasen (nicht belüftete Lungenabschnitte) oder prolongierter Belastungsdyspnoe (anhaltender Atemnot bei Belastung) richtet sich die Nachsorge nach klinischem Verlauf, Bildgebung, Sauerstoffsättigung (Sauerstoffgehalt des Blutes) und funktioneller Einschränkung. Atemphysiotherapeutische Maßnahmen (atemtherapeutische Übungen) können bei Atelektasen im Rahmen einer ambulant erworbenen Pneumonie erwogen werden [LL2].
- Langzeitkontrolle bei vorbestehender Atemwegserkrankung – Bei Asthma bronchiale (anfallsartige Verengung der Atemwege), chronisch obstruktiver Lungenerkrankung (COPD; dauerhaft verengende Lungenerkrankung) oder Bronchiektasen (dauerhafte Erweiterungen der Bronchien) ist nach Mycoplasma pneumoniae-Infektion auf Exazerbationen (akute Verschlechterungen), persistierenden Husten, Belastungsintoleranz (verminderte Belastbarkeit) und Lungenfunktionsverschlechterung (Verschlechterung der Atemleistung) zu achten.
- Vermeidung rezidivierender Mycoplasma genitalium-Infektionen – Entscheidend sind abgeschlossene leitliniengerechte Therapie, Partnerdiagnostik, sexuelle Karenz im empfohlenen Zeitraum, Test of Cure bei initialem Nachweis und erneute Diagnostik bei persistierenden oder wiederkehrenden Symptomen [LL1, LL3, LL4].
- Therapieversagen und Resistenzmanagement – Bei persistierendem Nachweis oder klinischem Therapieversagen nach Azithromycin oder Moxifloxacin soll eine infektiologische (infektionsmedizinische) oder STI-spezialisierte Beratung erfolgen. Wiederholte empirische Antibiotikagaben (Antibiotikagaben ohne gesicherten Erreger- oder Resistenznachweis) ohne Resistenz- und Erregerdiagnostik sollen vermieden werden [LL1, LL3, LL4].
- Gynäkologische Folgeabklärung – Bei Symptomen einer Zervizitis, Endometritis (Entzündung der Gebärmutterschleimhaut) oder entzündlichen Beckenerkrankung ist eine gynäkologische Abklärung einschließlich Differenzialdiagnostik weiterer STI-Erreger erforderlich. Die Prävention von Infertilitätsrisiken (Risiken für Unfruchtbarkeit) beruht auf frühzeitiger Diagnostik, adäquater Therapie (geeigneter Behandlung), Partnerdiagnostik und Vermeidung von Reinfektionen [LL3, LL4].
- Kolonisationsbefunde nicht chronifizieren – Wiederholte Nachweise von Mycoplasma hominis, Ureaplasma parvum oder Ureaplasma urealyticum ohne passendes klinisches Syndrom (typische Krankheitszeichen-Konstellation) sollen nicht zu repetitiven Antibiotikatherapien (wiederholten Antibiotikabehandlungen) führen. Tertiärpräventiv ist hier vor allem die Vermeidung von Übertherapie (unnötiger Behandlung), Resistenzdruck, mikrobieller Dysbiose (Störung der natürlichen Keimflora) und unnötiger Krankheitsfixierung [1, LL1].
- Oropharyngeale Kolonisation bei Risikopatienten – Bei Immunsuppression, rezidivierenden invasiven Infektionen oder ungewöhnlichen mikrobiologischen Befunden (auffälligen Erregerbefunden) ist die Kolonisation im Kontext von Klinik, Bildgebung, sterilen Probenmaterialien (Proben aus normalerweise keimfreien Körperbereichen) und alternativen Erregern zu bewerten. Eine routinemäßige Sanierung asymptomatischer oropharyngealer Mykoplasmen-Nachweise ist nicht begründet [LL3].
Literatur
- Horner P, Donders G, Cusini M, Gomberg M, Jensen JS, Unemo M. Should we be testing for urogenital Mycoplasma hominis, Ureaplasma parvum and Ureaplasma urealyticum in men and women? – a position statement from the European STI Guidelines Editorial Board. J Eur Acad Dermatol Venereol. 2018;32(11):1845-1851. doi: 10.1111/jdv.15146.
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- Diaz MH, Hersh AL, Olson J, Shah SS, Hall M, Edens C. Mycoplasma pneumoniae Infections in Hospitalized Children — United States, 2018–2024. MMWR Morb Mortal Wkly Rep. 2025;74(23):394-400. doi: 10.15585/mmwr.mm7423a1.
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Leitlinien
- S3-Leitlinie Urethritis „Management der Urethritis bei männlichen Jugendlichen und Erwachsenen“. AWMF-Registernummer 013-099, Version 1.0, Stand 01.10.2024, gültig bis 30.09.2029. Langfassung.
- S2k-Leitlinie Management der ambulant erworbenen Pneumonie bei Kindern und Jugendlichen. AWMF-Registernummer 048-013, Version 2.0, Stand 31.01.2024, gültig bis 30.01.2029. Langfassung.
- Centers for Disease Control and Prevention. Sexually Transmitted Infections Treatment Guidelines, 2021 – Mycoplasma genitalium. Last reviewed 22.07.2021. Leitlinientext.
- Jensen JS, Cusini M, Gomberg M, Moi H, Wilson J, Unemo M. 2021 European guideline on the management of Mycoplasma genitalium infections. J Eur Acad Dermatol Venereol. 2022;36(5):641-650. doi: 10.1111/jdv.17972.