Mykoplasmen – Labordiagnostik

Laborparameter 1. Ordnung – obligate Laboruntersuchungen

  • Kleines Blutbild – bei systemischer Symptomatik (Beschwerden, die den ganzen Körper betreffen), Pneumonie (Lungenentzündung), extrapulmonalen Manifestationen (Krankheitszeichen außerhalb der Lunge), kompliziertem genitalem Verlauf (Verlauf an den Geschlechtsorganen), Schwangerschaft, Neugeborenen oder immunsupprimierten Patienten (Patienten mit geschwächtem Abwehrsystem)
  • Entzündungsparameter (Entzündungswerte) – CRP (C-reaktives Protein; Entzündungswert) [↑], BSG (Blutsenkungsgeschwindigkeit; Entzündungswert) [↑], ggf. Prokalzitonin (PCT; Laborwert zur Abschätzung bakterieller Entzündungen) bei schwerem systemischem Verlauf oder zur differentialdiagnostischen Abgrenzung (Abklärung anderer möglicher Ursachen) bakterieller Koinfektionen (zusätzliche Infektionen durch Bakterien); bei unkomplizierter Urethritis (Harnröhrenentzündung) oder Cervicitis (Gebärmutterhalsentzündung) nicht obligat
  • Erregernachweis (Nachweis des krankheitsauslösenden Keims) mittels NAAT (Nukleinsäureamplifikationstest; Erbgutnachweis des Erregers)/PCR (Polymerase-Kettenreaktion; Methode zum Nachweis von Erbgut) – bevorzugtes Verfahren bei klinisch relevanter respiratorischer Mykoplasmen-Infektion (die Atemwege betreffende Mykoplasmen-Infektion) und diagnostischer Standard (Standardverfahren zur Diagnose) bei Mycoplasma genitalium (Bakterienart, die sexuell übertragbare Entzündungen verursachen kann); Befundinterpretation (Bewertung des Untersuchungsergebnisses) immer in Zusammenschau mit Symptomatik, Anamnese (Krankengeschichte), Manifestationsort (Ort der Krankheitszeichen) und Probenqualität (Güte der entnommenen Probe)
  • Respiratorische Mykoplasmen-Infektion – Mycoplasma pneumoniae (Bakterienart, die atypische Atemwegsinfektionen verursachen kann)
    • NAAT/PCR aus Oropharynxabstrich (Abstrich aus dem Mund-Rachen-Raum), Nasopharynxabstrich (Abstrich aus dem Nasen-Rachen-Raum), kombiniertem Nasopharynx-/Oropharynxabstrich, Sputum (Auswurf), Trachealsekret (Sekret aus der Luftröhre) oder Bronchoalveolar-Lavage (BAL, Spülung der tiefen Atemwege) – indiziert (angezeigt) bei klinisch-epidemiologischem Verdacht (Verdacht aufgrund von Beschwerden und Erkrankungshäufung), schwerer, therapierefraktärer (nicht auf Behandlung ansprechender) oder komplizierter Pneumonie sowie bei Ausbruchssituationen
    • Serologie (Blutuntersuchung auf Antikörper) – Antikörper (Abwehrstoffe) gegen Mycoplasma pneumoniae (IgM, IgG, IgA; Immunglobulin M, Immunglobulin G, Immunglobulin A als Antikörperklassen); nicht als alleiniger Akuttest, sondern ergänzend bei später Vorstellung, unklarem Verlauf oder als Paarserologie (Vergleich zweier Blutproben im Zeitverlauf) mit Titeranstieg (Anstieg der Antikörpermenge)
  • Genitale Mykoplasmen-Infektion – Mycoplasma genitalium
    • NAAT/PCR aus Erststrahlurin (erste Urinportion), meatalem/urethralem Abstrich (Abstrich von der Harnröhrenmündung bzw. aus der Harnröhre), vaginalem Abstrich (Abstrich aus der Scheide) oder Cervixabstrich (Gebärmutterhalsabstrich) – indiziert bei Urethritis, persistierender (anhaltender) oder rezidivierender (wiederkehrender) Urethritis, persistierender oder rezidivierender Cervicitis sowie bei PID-ähnlicher Konstellation (PID, pelvic inflammatory disease; entzündliche Erkrankung des inneren weiblichen Genitaltrakts) nach Ausschluss häufiger Erreger
    • Molekulardiagnostische Resistenztestung (Erbguttest auf Antibiotika-Unempfindlichkeit) – bei positivem Nachweis von Mycoplasma genitalium auf Makrolidresistenzmarker (genetische Hinweise auf Unempfindlichkeit gegen Makrolid-Antibiotika) und, wenn verfügbar, Fluorchinolonresistenzmarker (genetische Hinweise auf Unempfindlichkeit gegen Fluorchinolon-Antibiotika)
    • Begleitdiagnostik (ergänzende Untersuchungen) – NAAT/PCR auf Neisseria gonorrhoeae (Gonokokken; Bakterienart, die Gonorrhoe verursachen kann) und Chlamydia trachomatis (Bakterienart, die Chlamydieninfektionen verursachen kann), ggf. Trichomonas vaginalis (einzelliger Erreger der Trichomoniasis); zusätzliche Serologie auf HIV (humanes Immundefizienz-Virus; Virus, das eine Abwehrschwäche verursachen kann) und Syphilis (Lues; Geschlechtskrankheit) nach Risikoprofil (individuellem Ansteckungsrisiko) und klinischer Konstellation
  • Weitere genitale Mykoplasmen und Ureaplasmen – Mycoplasma hominis (Bakterienart, die den Urogenitaltrakt besiedeln kann), Ureaplasma urealyticum (Bakterienart aus der Gruppe der Ureaplasmen), Ureaplasma parvum (Bakterienart aus der Gruppe der Ureaplasmen)
    • Keine Routinediagnostik (regelmäßige Standarduntersuchung) bei asymptomatischen Personen (Personen ohne Beschwerden); ein Nachweis entspricht häufig einer Kolonisation (Besiedlung ohne unmittelbaren Krankheitswert) ohne klinische Relevanz
    • Gezielte NAAT/PCR und, wenn möglich, Kultur (Anzüchtung von Erregern) mit Resistenztestung – nur bei persistierender oder rezidivierender Urethritis nach Ausschluss von Neisseria gonorrhoeae, Chlamydia trachomatis und Mycoplasma genitalium, bei hoher Bakterienlast (großer Menge an Bakterien), Schwangerschafts- oder Wochenbettkomplikationen, neonataler Infektion (Infektion beim Neugeborenen), invasiver Infektion (in tiefere Körperbereiche oder die Blutbahn eindringender Infektion) oder Immunsuppression (Unterdrückung des Abwehrsystems)
    • Material – Erststrahlurin, meataler/urethraler Abstrich, vaginaler Abstrich, Cervixabstrich, Endometrium- oder Adnexmaterial (Material aus der Gebärmutterschleimhaut bzw. den Eileitern oder Eierstöcken) bei invasiver gynäkologischer Infektion (tiefreichender Infektion im Bereich der weiblichen Geschlechtsorgane), Ejakulat (Samenflüssigkeit), Prostataexprimat (Sekret der Vorsteherdrüse), Blutkultur (mikrobiologische Blutuntersuchung) oder steriles Punktat (Flüssigkeit aus normalerweise keimfreien Körperräumen)
  • Oropharyngeale Mykoplasmenkolonisation – Mycoplasma salivarium (Bakterienart der Mund-Rachen-Flora), Mycoplasma orale (Bakterienart der Mund-Rachen-Flora), ggf. Mycoplasma faucium (Bakterienart der Mund-Rachen-Flora)
    • Keine Routinediagnostik bei asymptomatischer Kolonisation
    • Gezielte PCR, 16S-rRNA-Sequenzierung (Analyse eines bakteriellen Erbgutmarkers; rRNA = ribosomale Ribonukleinsäure) oder Spezialkultur (Anzüchtung unter besonderen Laborbedingungen) – nur bei klinischem Verdacht auf opportunistische Infektion (Infektion bei geschwächter Abwehr), insbesondere bei Immunsuppression, schwerer Mukositis (Schleimhautentzündung), odontogener (von den Zähnen ausgehender) oder periodontaler Infektionsquelle (vom Zahnhalteapparat ausgehender Infektionsquelle), Abszess (Eiteransammlung), septischer Arthritis (Gelenkentzündung im Rahmen einer schweren Erregerstreuung), Aspirations- oder Beatmungskontext (Zusammenhang mit Einatmen von Fremdmaterial oder künstlicher Beatmung) oder Nachweis aus primär sterilem Material (normalerweise keimfreiem Material)
    • Material – tiefer Läsionsabstrich (Abstrich aus einer tiefen Gewebeveränderung), Biopsie (Gewebeprobe), Abszesspunktat (Flüssigkeitsprobe aus einer Eiteransammlung), Gelenkpunktat (Gelenkflüssigkeit), Blutkultur oder anderes steriles Punktat; reine Rachenabstriche (Abstriche aus dem Rachen) belegen meist nur Kolonisation

Laborparameter 2. Ordnung – in Abhängigkeit von den Ergebnissen der Anamnese, der körperlichen Untersuchung und den obligaten Laborparametern – zur differentialdiagnostischen Abklärung

  • Mycoplasma pneumoniae
    • Multiplex-PCR (gleichzeitiger Erbgutnachweis mehrerer Erreger) – bei schwerer, therapierefraktärer oder komplizierter Pneumonie zur gleichzeitigen Abklärung von Mycoplasma pneumoniae, Chlamydia pneumoniae (Bakterienart, die atypische Atemwegsinfektionen verursachen kann), Bordetella pertussis (Bakterienart, die Keuchhusten verursachen kann), Legionella pneumophila (Bakterienart, die Legionärskrankheit verursachen kann) und respiratorischen Viren (Viren der Atemwege)
    • Serologische Verlaufskontrolle (Verlaufskontrolle der Antikörper im Blut) – IgM/IgG-Titerverlauf bei unklarer Akutdiagnostik (Diagnostik in der akuten Krankheitsphase); Einzelbefunde, insbesondere isolierte IgM-Befunde, kritisch interpretieren
    • Kultur – nur in Speziallaboratorien oder Referenzsituationen; für die Routinediagnostik wegen langsamen Wachstums und fehlender zeitnaher Therapielenkung (Steuerung der Behandlung) nicht geeignet
    • Molekulare Resistenzdiagnostik (Erbgutuntersuchung auf Antibiotika-Unempfindlichkeit) – bei Therapieversagen, Ausbruchsgeschehen oder regional erhöhter Makrolidresistenz (Unempfindlichkeit gegen Makrolid-Antibiotika), sofern verfügbar
    • Differentialdiagnostik atypischer Pneumonie – Legionellen-Antigen (Bestandteil von Legionellen als Erregernachweis) im Urin, pneumologische Standarddiagnostik (lungenfachärztliche Standarduntersuchungen) nach Schweregrad, ggf. Blutkulturen bei stationärer oder schwerer Pneumonie
  • Mycoplasma genitalium
    • Test-of-Cure (Kontrolltest nach Therapie) – frühestens 3 Wochen nach Therapieende bei persistierenden Beschwerden, Resistenzlage (Vorliegen oder Verdacht auf Antibiotika-Unempfindlichkeit), nicht resistenzgesteuerter Therapie, Schwangerschaft oder kompliziertem Verlauf
    • Erweiterte STI-Diagnostik (Diagnostik sexuell übertragbarer Infektionen; STI = sexually transmitted infections) – HIV, Syphilis, Hepatitis B (Leberentzündung durch Hepatitis-B-Virus), Hepatitis C (Leberentzündung durch Hepatitis-C-Virus) sowie weitere sexuell übertragbare Infektionen entsprechend Expositionsrisiko (Ansteckungsrisiko durch Kontakt)
    • Bei PID-ähnlicher Konstellation – ergänzende Entzündungsparameter, Schwangerschaftstest, mikrobiologische Diagnostik (Erregerdiagnostik) auf Neisseria gonorrhoeae, Chlamydia trachomatis, anaerobe Mischflora (Bakteriengemisch ohne Sauerstoffbedarf) und bakterielle Vaginose (Störung der Scheidenflora) je nach klinischer Situation
  • Mycoplasma hominis, Ureaplasma urealyticum, Ureaplasma parvum
    • Quantitative oder semiquantitative Befundung (Angabe der Erregermenge oder ungefähren Erregermenge) – besonders bei Ureaplasma urealyticum, da eine hohe Erregerlast (große Erregermenge) die klinische Relevanz wahrscheinlicher macht
    • Kultur mit Resistenztestung – bei persistierenden Beschwerden, invasiver Infektion, neonataler Infektion oder Immunsuppression
    • Abgrenzung von Kolonisation und Infektion – Nachweis nur dann als krankheitsrelevant werten, wenn Symptomatik, Entzündungszeichen (Hinweise auf eine Entzündung), Ausschluss anderer Erreger und geeignetes Untersuchungsmaterial zusammenpassen
  • Oropharyngeale Mykoplasmenkolonisation
    • 16S-rRNA-Sequenzierung oder metagenomische Sequenzierung (umfassende Erbgutanalyse aller in einer Probe enthaltenen Erreger) – bei kulturnegativer invasiver Infektion, sterilem Punktat oder ungewöhnlicher opportunistischer Infektion
    • Mikrobiologische Zusatzdiagnostik (ergänzende Erregerdiagnostik) – aerobe und anaerobe Kultur (Anzüchtung von Erregern mit und ohne Sauerstoffbedarf), Pilzdiagnostik (Untersuchung auf Pilze), Herpes-simplex-Virus-PCR (Erbgutnachweis von Herpes-simplex-Viren) und weitere Erregerdiagnostik je nach Läsion (Gewebeschädigung), Immunsuppression und Material
    • Blutkulturen – bei Fieber, Sepsisverdacht (Verdacht auf Blutvergiftung), Endokarditisverdacht (Verdacht auf Herzinnenhautentzündung) oder invasiver Infektion

Red Flags (Warnzeichen) bei Mykoplasmen-Infektionen

  • Schwere oder atypische Pneumonie mit respiratorischer Insuffizienz (Atemschwäche)
  • Therapierefraktäre Pneumonie oder klinische Verschlechterung trotz leitliniengerechter antibiotischer Behandlung
  • Extrapulmonale Manifestationen – Enzephalitis (Gehirnentzündung), Myokarditis (Herzmuskelentzündung), Perikarditis (Herzbeutelentzündung), hämolytische Anämie (Blutarmut durch vermehrten Abbau roter Blutkörperchen), Stevens-Johnson-Syndrom (schwere Haut- und Schleimhautreaktion) oder schwere mukokutane Reaktion (schwere Reaktion von Haut und Schleimhäuten)
  • Nachweis von Mycoplasma genitalium bei PID-ähnlicher Symptomatik, Epididymitis (Nebenhodenentzündung), persistierender Urethritis oder persistierender Cervicitis
  • Genitourinärer (Geschlechts- und Harnorgane betreffender) Mykoplasmen- oder Ureaplasmen-Nachweis bei Neugeborenen, Schwangeren, postpartalem Fieber (Fieber nach der Geburt), septischem Verlauf (Verlauf mit Blutvergiftung) oder Immunsuppression
  • Nachweis von Mycoplasma hominis, Ureaplasma urealyticum oder Ureaplasma parvum aus primär sterilem Material
  • Oropharyngealer (den Mund-Rachen-Raum betreffender) Mykoplasmen-Nachweis aus sterilem Punktat, Abszessmaterial, Gelenkpunktat oder Blutkultur, insbesondere bei Immunsuppression