Hantavirus-Erkrankung – Weitere Therapie
Die weitere Therapie der Hantavirus-Erkrankung erfolgt supportiv (unterstützend) und richtet sich nach klinischem Verlauf, Schweregrad, Organbeteiligung (Befall von Organen) und Komplikationen (Folgeproblemen).
Eine kausale Standardtherapie (Behandlung der Ursache) steht nicht zur Verfügung. Im Vordergrund stehen körperliche Schonung, engmaschige ärztliche Verlaufskontrollen, ausreichende, aber nicht forcierte Flüssigkeitszufuhr, Überwachung der Nierenfunktion sowie bei schwerem Verlauf die rechtzeitige stationäre beziehungsweise intensivmedizinische Behandlung [1-6].
Allgemeine Maßnahmen
- Beachtung der allgemeinen Hygienemaßnahmen
- Schonung während der akuten Krankheitsphase
- Bettruhe beziehungsweise körperliche Schonung bei Fieber, ausgeprägter Abgeschlagenheit, Kreislaufbeschwerden oder deutlichem Krankheitsgefühl
- Vermeidung körperlicher Belastung bis zur klinischen Stabilisierung
- Nach Abklingen des Fiebers mindestens einen fieberfreien Tag körperliche Schonung, bei protrahiertem (verlängertem) Verlauf entsprechend länger
- Beim Auftreten von Fieber
- Ausreichende Ruhe und körperliche Schonung
- Fieber unter 38,5 °C muss nicht zwingend gesenkt werden, sofern keine Risikokonstellation (besondere Gefährdungssituation) besteht
- Bei hohem Fieber können physikalische Maßnahmen wie lauwarme Wadenwickel zur Besserung des Befindens beitragen, sofern keine Kreislaufinstabilität (Kreislaufschwäche) oder Schüttelfrost besteht
- Frühzeitige ärztliche Vorstellung bei Warnzeichen
- Verminderte Urinmenge
- Flankenschmerz
- Kreislaufbeschwerden
- Dyspnoe (Atemnot)
- Blutungszeichen
- Verwirrtheit oder ausgeprägte Schwäche
- Anhaltendes Erbrechen
- Vermeidung weiterer Exposition (Aussetzung) gegenüber Nagetieren, deren Ausscheidungen und kontaminiertem (verunreinigtem) Staub
- Keine staubaufwirbelnden Reinigungsarbeiten in potenziell kontaminierten Räumen während der akuten Erkrankung
- Nikotinrestriktion (Verzicht auf Nikotin)
- Alkoholrestriktion (Verzicht auf Alkohol)
Stationäre und intensivmedizinische Behandlung
- Stationäre Behandlung bei schwerem oder kompliziertem Verlauf
- Akute Nierenschädigung
- Oligurie (verminderte Urinausscheidung) oder Anurie (fehlende Urinausscheidung)
- Rasch progrediente (rasch fortschreitende) Retentionswerte
- Ausgeprägte Thrombozytopenie (Verminderung der Blutplättchen)
- Kreislaufinstabilität
- Dyspnoe oder Hypoxämie (Sauerstoffmangel im Blut)
- Blutungszeichen
- Schwere Allgemeinsymptomatik (allgemeine Krankheitszeichen)
- Intensivmedizinische Behandlung bei Organversagen, respiratorischer Insuffizienz (Atemschwäche), Schock, schwerer Volumenentgleisung oder rascher klinischer Verschlechterung
- Nierenersatzverfahren bei entsprechender klinischer Indikation (Behandlungsgrund)
- Schwere akute Nierenschädigung
- Anhaltende Oligurie oder Anurie
- Volumenüberladung
- Schwere Elektrolytstörung
- Urämische Komplikationen
- Bei schwerer pulmonaler (die Lunge betreffender) oder kardiopulmonaler (Herz und Lunge betreffender) Beteiligung Behandlung in einem entsprechend ausgestatteten Zentrum
Regelmäßige Kontrolluntersuchungen
- Regelmäßige ärztliche Kontrolluntersuchungen bis zur klinischen Stabilisierung
- Kontrolle von Allgemeinzustand, Kreislaufsituation, Körpertemperatur, Atemsituation, Flüssigkeitshaushalt und Urinmenge
- Kontrolle der Nierenfunktion und des Urinbefundes bis zur deutlichen Besserung beziehungsweise Normalisierung
- Nach schwerem Verlauf oder stationärer Behandlung Verlaufskontrolle von Blutdruck, Nierenfunktion, Urinstatus und Proteinurie
- Nephrologische Nachsorge (Nachbetreuung durch einen Nierenarzt) bei persistierender (anhaltender) Proteinurie (Eiweiß im Urin), Hämaturie (Blut im Urin), Hypertonie (Bluthochdruck) oder eingeschränkter Nierenfunktion
- Pneumologische (lungenärztliche) beziehungsweise kardiologische (herzärztliche) Verlaufskontrolle bei anhaltender Dyspnoe, Belastungsintoleranz (verminderter Belastbarkeit) oder pulmonaler beziehungsweise kardialer (das Herz betreffender) Beteiligung
- Bei prolongierter Rekonvaleszenz (verlängerter Erholungsphase) Kontrolle auf persistierende Fatigue (Erschöpfung), Leistungsminderung und relevante Organfolgen
Ernährungsmedizin
- Beachtung folgender spezieller Ernährungsempfehlungen während der Erkrankung
- Ausreichende, aber nicht forcierte Flüssigkeitsaufnahme
- Orientierung der Flüssigkeitszufuhr an Durst, Fieber, Erbrechen, Durchfall, Kreislaufsituation, Urinmenge und Nierenfunktion
- Bei verminderter Urinmenge, akuter Nierenschädigung, Atemnot, Herzschwäche oder stationärer Behandlung Flüssigkeitsmenge nur nach ärztlicher Vorgabe
- Bei Übelkeit oder Erbrechen
- Kleine Flüssigkeitsmengen in kurzen Abständen
- Leicht verdauliche Kost nach Verträglichkeit
- Bei anhaltendem Erbrechen ärztliche Kontrolle wegen der Gefahr von Flüssigkeits- und Elektrolytverlusten
- Leichte Vollkost nach Abklingen akuter gastrointestinaler (den Magen-Darm-Trakt betreffender) Beschwerden
- Vermeidung großer, fettreicher Mahlzeiten
- Vermeidung stark blähender Speisen bei gastrointestinaler Unverträglichkeit
- Vermeidung sehr stark gewürzter, sehr süßer, sehr heißer oder sehr kalter Speisen bei entsprechender Unverträglichkeit
- Bei akuter Nierenbeteiligung
- Ernährung und Trinkmenge an Nierenfunktion, Elektrolytstatus (Mineralstoffhaushalt) und klinischen Verlauf anpassen
- Keine eigenständige hochdosierte Supplementierung (Nahrungsergänzung) bei eingeschränkter Nierenfunktion
- Nach der Genesung gegebenenfalls Ernährungsberatung auf der Grundlage einer Ernährungsanalyse
- Auswahl geeigneter Lebensmittel auf Grundlage der Ernährungsanalyse
- Ggf. Einnahme eines geeigneten Nahrungsergänzungsmittels
- Für Fragen zum Thema Nahrungsergänzungsmittel stehen wir Ihnen gerne kostenfrei zur Verfügung.
Nehmen Sie bei Fragen dazu bitte per E-Mail – info@docmedicus.de – Kontakt mit uns auf, und teilen Sie uns dabei Ihre Telefonnummer mit und wann wir Sie am besten erreichen können. - Detaillierte Informationen zur Ernährungsmedizin erhalten Sie von uns.
Prävention weiterer Exposition
- Vermeidung von Kontakt zu Nagetieren und deren Ausscheidungen
- Nagetiersichere Lagerung von Lebensmitteln und Tierfutter
- Beseitigung möglicher Nistplätze in Haus, Keller, Garage, Schuppen und Garten
- Vor Reinigungsarbeiten in potenziell kontaminierten Bereichen gründliches Lüften
- Feuchtes Reinigen statt trockenem Kehren oder Staubsaugen, um Staubaufwirbelung zu vermeiden
- Tragen geeigneter Schutzhandschuhe bei Reinigungsarbeiten in potenziell kontaminierten Bereichen
- Bei staubbelasteten Arbeiten in potenziell kontaminierten Bereichen geeigneten Atemschutz verwenden
- Fachgerechte Schädlingsbekämpfung bei Nagetierbefall
Organisationen und Selbsthilfegruppen
- Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA)
Maarweg 149-161, 50825 Köln
Internet: https://www.bzga.de - Robert Koch-Institut (RKI)
Nordufer 20, 13353 Berlin
Internet: https://www.rki.de
Literatur
- Vial PA, Ferrés M, Vial C, Klingström J, Ahlm C, López R, et al. Hantavirus in humans: a review of clinical aspects and management. Lancet Infect Dis. 2023;23(9):e371-e382. https://doi.org/10.1016/S1473-3099(23)00128-7
- Dheerasekara K, Sumathipala S, Muthugala R. Hantavirus Infections—Treatment and Prevention. Curr Treat Options Infect Dis. 2020;12(4):410-421. https://doi.org/10.1007/s40506-020-00236-3
- Huggins JW, Hsiang CM, Cosgriff TM, Guang MY, Smith JI, Wu ZO, et al. Prospective, double-blind, concurrent, placebo-controlled clinical trial of intravenous ribavirin therapy of hemorrhagic fever with renal syndrome. J Infect Dis. 1991;164(6):1119-1127. https://doi.org/10.1093/infdis/164.6.1119
- Rusnak JM, Byrne WR, Chung KN, Gibbs PH, Kim TT, Boudreau EF, et al. Experience with intravenous ribavirin in the treatment of hemorrhagic fever with renal syndrome in Korea. Antiviral Res. 2009;81(1):68-76. https://doi.org/10.1016/j.antiviral.2008.09.007
- Mertz GJ, Miedzinski L, Goade D, Pavia AT, Hjelle B, Hansbarger CO, et al. Placebo-controlled, double-blind trial of intravenous ribavirin for the treatment of hantavirus cardiopulmonary syndrome in North America. Clin Infect Dis. 2004;39(9):1307-1313. https://doi.org/10.1086/425007
- Sehgal A, Mehta S, Sahay K, Martynova E, Rizvanov A, Baranwal M. Hemorrhagic Fever with Renal Syndrome in Asia: History, Pathogenesis, Diagnosis, Treatment, and Prevention. Viruses. 2023;15(2):561. https://doi.org/10.3390/v15020561
Leitlinien/maßgebliche Quellen
- Robert Koch-Institut. RKI-Ratgeber: Hantavirus-Erkrankung. https://www.rki.de/DE/Aktuelles/Publikationen/RKI-Ratgeber/Ratgeber/Ratgeber_Hantaviren.html
- Centers for Disease Control and Prevention. Clinician Brief: Hemorrhagic Fever with Renal Syndrome. https://www.cdc.gov/hantavirus/hcp/clinical-overview/hfrs.html
- Centers for Disease Control and Prevention. Clinician Brief: Hantavirus Pulmonary Syndrome. https://www.cdc.gov/hantavirus/hcp/clinical-overview/hps.html