Hantavirus-Erkrankung – Medizingerätediagnostik
Die Diagnose der Hantavirus-Erkrankung wird nicht durch eine einzelne apparative Untersuchung gestellt, sondern durch die Kombination aus Expositionsanamnese (Erfassung möglicher Ansteckungsquellen), klinischem Bild, Labordiagnostik und serologischer (Antikörpernachweis im Blut) beziehungsweise molekularbiologischer Diagnostik (Erregernachweis über Erbmaterial).
Die Medizingerätediagnostik (Diagnostik mit medizinischen Geräten) dient bei der Hantavirus-Erkrankung vor allem der Beurteilung von Organbeteiligung (Mitbeteiligung von Organen), Schweregrad, Komplikationen (Folgeprobleme) und relevanten Differentialdiagnosen (mögliche andere Ursachen). Im europäischen Raum stehen beim hämorrhagischen Fieber mit renalem Syndrom (Fiebererkrankung mit Blutungsneigung und Nierenbeteiligung) und bei der Nephropathia epidemica (epidemische Nierenerkrankung) insbesondere akute Nierenschädigung (plötzliche Verschlechterung der Nierenfunktion), Proteinurie (Eiweiß im Urin), Mikrohämaturie (nicht sichtbares Blut im Urin), Flankenschmerz (seitlicher Rückenschmerz), Thrombozytopenie (verminderte Blutplättchenzahl), Kreislaufinstabilität (instabiler Blutkreislauf) und selten pulmonale (die Lunge betreffende) oder kardiale Manifestationen (das Herz betreffende Krankheitszeichen) im Vordergrund. Das Hantavirus-kardiopulmonale Syndrom (Herz-Lungen-Syndrom durch Hantaviren) ist vor allem bei amerikanischen Hantaviren relevant [1-4].
Obligate Medizingerätediagnostik
- Keine obligate apparative Basisdiagnostik (grundlegende Gerätediagnostik) bei jeder Hantavirus-Erkrankung
- Die Diagnosesicherung (Bestätigung der Diagnose) erfolgt nicht apparativ, sondern laborchemisch (durch Laborwerte), serologisch beziehungsweise molekularbiologisch [1-4].
- Apparative Verfahren (gerätegestützte Untersuchungen) sind befund-, symptom- und risikoadaptiert einzusetzen.
Fakultative Medizingerätediagnostik – in Abhängigkeit von den Ergebnissen der Anamnese (Krankengeschichte), der körperlichen Untersuchung, Labordiagnostik und der obligaten Medizingerätediagnostik – zur differentialdiagnostischen Abklärung
- Abdomensonographie (Ultraschall der Bauchorgane)
- Indikationen (Anwendungsgebiete)
- Akute Nierenschädigung, Oligurie (verminderte Urinausscheidung), Anurie (fehlende Urinausscheidung), Flankenschmerz, Makrohämaturie (sichtbares Blut im Urin), unklarer abdominaler Schmerz (Bauchschmerz) oder Verdacht auf postrenale (nach der Niere gelegene) beziehungsweise urologische Differentialdiagnosen (mögliche andere Ursachen aus dem Bereich der Harnorgane)
- Ausschluss von Harnabflussstörung (gestörter Urinabfluss), Hydronephrose (Harnstauungsniere), Urolithiasis (Harnsteinleiden), komplizierter Pyelonephritis (Nierenbeckenentzündung), renaler Raumforderung (unklare Veränderung der Niere) oder anderen abdominellen Ursachen (Ursachen im Bauchraum) der Symptomatik (Beschwerden)
- Hinweis
- Die Abdomensonographie ist bei Hantavirus-Erkrankung nicht diagnostisch beweisend, kann aber bei renaler Beteiligung (Nierenbeteiligung) und unklarem Abdomen (Bauchraum) klinisch relevant sein [2-4].
- Indikationen (Anwendungsgebiete)
- Röntgenaufnahme des Thorax (Röntgen-Thorax) in zwei Ebenen
- Indikationen
- Dyspnoe (Atemnot), Tachypnoe (beschleunigte Atmung), Hypoxämie (Sauerstoffmangel im Blut), Husten, thorakaler Schmerz (Brustkorbschmerz), pathologischer Auskultationsbefund (krankhafter Abhörbefund) oder Verdacht auf pulmonale Beteiligung (Lungenbeteiligung)
- Abgrenzung gegenüber Pneumonie (Lungenentzündung), Lungenödem (Wasseransammlung in der Lunge), Pleuraerguss (Flüssigkeit zwischen Lunge und Brustwand), akutem Lungenversagen oder Hantavirus-kardiopulmonalem Syndrom
- Hinweis
- Eine routinemäßige Röntgenaufnahme des Thorax ohne respiratorische Symptomatik (Atemwegsbeschwerden) oder pathologischen Befund (krankhafter Befund) ist nicht erforderlich [1-4].
- Indikationen
- Elektrokardiogramm (EKG)
- Indikationen
- Thorakaler Schmerz, Palpitationen (Herzklopfen), Synkope (kurzzeitige Bewusstlosigkeit), Kreislaufinstabilität, Elektrolytstörungen (Störungen der Blutsalze), Schockzeichen (Hinweise auf Kreislaufversagen) oder Verdacht auf kardiale Mitbeteiligung (Herzmitbeteiligung)
- Differentialdiagnostische Abklärung gegenüber Myokarditis (Herzmuskelentzündung), akutem Koronarsyndrom (akute Durchblutungsstörung des Herzens), Rhythmusstörung (Herzrhythmusstörung) oder kardiogener Ursache (vom Herzen ausgehende Ursache) der Dyspnoe
- Hinweis
- Das Elektrokardiogramm ist nicht spezifisch für die Hantavirus-Erkrankung, aber bei kardialen Symptomen (Herzbeschwerden) oder hämodynamischer Instabilität (instabiler Blutkreislaufsituation) klinisch indiziert [2-4].
- Indikationen
- Echokardiographie (Herzultraschall)
- Indikationen
- Verdacht auf Myokarditis, Perikarderguss (Flüssigkeit im Herzbeutel), strukturelle Herzerkrankung, kardiale Ursache einer Dyspnoe, Schock, relevante Kreislaufinstabilität oder Zeichen einer Rechtsherzbelastung (Belastung der rechten Herzhälfte)
- Abgrenzung eines kardiogenen Lungenödems von nichtkardiogenem Lungenödem beziehungsweise akutem Lungenversagen
- Hinweis
- Die Echokardiographie ist nicht Bestandteil einer regelhaften Hantavirus-Basisdiagnostik, sondern eine gezielte Untersuchung bei kardiorespiratorischer (Herz und Atmung betreffender) oder hämodynamischer Fragestellung (Fragestellung zur Kreislaufsituation) [2-4].
- Indikationen
- Computertomographie (CT) des Abdomens (Abdomen-CT)
- Indikationen
- Unklarer akuter Bauch, ausgeprägter oder atypischer Flankenschmerz, Verdacht auf komplizierte abdominelle Differentialdiagnose (mögliche andere Ursache im Bauchraum) oder unzureichend erklärbarer sonographischer Befund (Ultraschallbefund)
- Abklärung von Urolithiasis, komplizierter Pyelonephritis, intraabdomineller Blutung (Blutung im Bauchraum), abdomineller Sepsis (Blutvergiftung mit Ausgangspunkt im Bauchraum), vaskulärer Ursache (gefäßbedingte Ursache) oder anderer akuter abdominaler Erkrankung (Erkrankung im Bauchraum)
- Hinweis
- Die Computertomographie des Abdomens ist nicht zur routinemäßigen Bestätigung der Hantavirus-Erkrankung geeignet, sondern bleibt differentialdiagnostischen Fragestellungen vorbehalten.
- Indikationen
- Computertomographie (CT) des Thorax
- Indikationen
- Schwere oder progrediente Dyspnoe (zunehmende Atemnot), relevante Hypoxämie, unklarer Röntgen-Thorax, Verdacht auf akutes Lungenversagen, Lungenembolie (Verschluss einer Lungenarterie), atypische Pneumonie oder Hantavirus-kardiopulmonales Syndrom
- Intensivmedizinische Verlaufskonstellation (Verlaufssituation auf der Intensivstation) mit unklarer pulmonaler Verschlechterung (Verschlechterung der Lungenfunktion)
- Hinweis
- Die Computertomographie des Thorax ist bei europäischer Hantavirus-Erkrankung nicht regelhaft erforderlich, kann aber bei schwerer pulmonaler Symptomatik oder unklarer Differentialdiagnose gerechtfertigt sein [2-4].
- Indikationen
Nicht regelhaft indizierte Medizingerätediagnostik
- Ungezielte Computertomographie des Thorax oder Abdomens ohne klinische, laborchemische oder sonographische Fragestellung
- Routinemäßige Echokardiographie ohne kardiale, pulmonale oder hämodynamische Hinweise
- Routinemäßige Röntgenaufnahme des Thorax ohne respiratorische Symptomatik oder pathologischen Untersuchungsbefund
- Ungezielte Tumorsuche (Suche nach Krebserkrankungen) als Bestandteil der Hantavirus-Diagnostik
Klinische Hinweise
- Bei Hantavirus-Erkrankung ist die apparative Diagnostik nicht beweisend, sondern dient der Erfassung von Komplikationen und Differentialdiagnosen.
- Bei akuter Nierenschädigung ist die Abdomensonographie insbesondere zum Ausschluss postrenaler Ursachen und relevanter urologischer Differentialdiagnosen sinnvoll.
- Bei Dyspnoe, Hypoxämie oder pulmonalen Infiltraten (Verdichtungen in der Lunge) sind Röntgen-Thorax, gegebenenfalls Computertomographie des Thorax und Echokardiographie differenzialdiagnostisch einzusetzen.
- Bei Kreislaufinstabilität, thorakalem Schmerz oder Rhythmusverdacht (Verdacht auf Herzrhythmusstörung) sind Elektrokardiogramm und gegebenenfalls Echokardiographie indiziert.
- Die Indikation zur Computertomographie sollte streng klinisch gestellt werden, da sie weder die serologische Diagnosesicherung ersetzt noch eine routinemäßige Basisuntersuchung darstellt.
Literatur
- Vial PA, Ferrés M, Vial C, Klingström J, Ahlm C, López R et al.: Hantavirus in humans: a review of clinical aspects and management. Lancet Infect Dis. 2023;23(9):e371-e382. https://doi.org/10.1016/S1473-3099(23)00128-7
- Koehler FC, Di Cristanziano V, Späth MR, Hoyer-Allo KJR, Wanken M, Müller RU et al.: The kidney in hantavirus infection—epidemiology, virology, pathophysiology, clinical presentation, diagnosis and management. Clin Kidney J. 2022;15(7):1231-1252. https://doi.org/10.1093/ckj/sfac008
- Tkachenko E, Dzagurova T, Galieva G, Ivanis V, Kurashova S, Tkachenko P et al.: Clinical Manifestations of Hemorrhagic Fever with Renal Syndrome, Various Nosologic Forms and Issues of Hantavirus Infections Terminology. Viruses. 2025;17(4):578. https://doi.org/10.3390/v17040578
Leitlinien und Quellen
- Robert Koch-Institut. RKI-Ratgeber: Hantavirus-Erkrankung. Stand: 13.11.2020. Verfügbar unter: https://www.rki.de/DE/Aktuelles/Publikationen/RKI-Ratgeber/Ratgeber/Ratgeber_Hantaviren.html
- European Centre for Disease Prevention and Control. Disease information about hantavirus. Verfügbar unter: https://www.ecdc.europa.eu/en/hantavirus-infection/facts