Nävus – Symptome – Beschwerden

Folgende Symptome und Beschwerden können auf Nävi (Muttermale) hinweisen:

Leitsymptom
Diese Leitsymptome lenken den Verdacht auf Nävi und werden häufig zuerst bemerkt:

  • Umschriebene Haut- oder Schleimhautveränderung (Veränderung der feuchten Innenhaut) – pigmentiert (gefärbt), hypopigmentiert (vermindert gefärbt), depigmentiert (entfärbt), rötlich, livide (bläulich-rötlich), bläulich, gelblich oder hautfarben.
  • Flache, erhabene, papulöse (knötchenförmige), plaqueartige (flächenhaft erhabene), knotige, verruköse (warzenartige) oder behaarte Läsion (Gewebeveränderung).
  • Angeborener oder erworbener Befund – meist asymptomatisch (ohne Beschwerden), stabil oder langsam proportional zum Körperwachstum zunehmend.
  • Regelmäßige Begrenzung, symmetrischer Aufbau und homogenes Erscheinungsbild sprechen eher für einen klinisch unauffälligen Nävus; diagnostische Sicherheit ergibt sich aus Gesamtkontext, Verlauf, Dermatoskopie (Hautmikroskopie) und ggf. Histologie (feingewebliche Untersuchung) [1, 3, LL1].

Hauptsymptome (primäre Symptome)
Diese Hauptsymptome prägen das klinische Bild von Nävi:

  • Farbveränderung der Haut oder Schleimhaut – braun, schwarzbraun, blau, grau-blau, rot, livide, gelblich, weißlich oder hautfarben.
  • Veränderung der Hautstruktur – glatte, raue, papillomatöse (warzenartig-zottige), verruköse, hyperkeratotische (verhornt verdickte) oder komedonenartige (mit Mitessern ähnliche) Oberfläche.
  • Form- und Größenvariabilität – von punktförmigen Makulae (Flecken) bis zu großflächigen Plaques (flächenhaften Erhebungen) oder kongenitalen (angeborenen) großflächigen Nävi.
  • Lokalisationsmuster – solitär (einzeln), multipel (mehrfach), segmental (abschnittsweise), linear (linienförmig), blaschkoid (entlang embryonaler Hautentwicklungslinien), akral (an Händen/Füßen), genital (im Genitalbereich), mukosal (an Schleimhäuten), konjunktival (an der Bindehaut) oder nagelbezogen.
  • Begleitende Hypertrichose (vermehrte Behaarung), Hyperkeratose (verstärkte Verhornung), Komedonen (Mitesser), lokale Hyperhidrose (vermehrtes Schwitzen) oder Gefäßzeichnung in Abhängigkeit vom Nävustyp.

Begleitsymptome (sekundäre Symptome)
Diese Begleitsymptome sind weniger charakteristisch und können durch Lokalisation (Lage), mechanische Reizung oder nävustypische Oberflächenstruktur mitbedingt sein:

  • Juckreiz – vor allem bei mechanischer Irritation (Reizung), entzündlicher Begleitreaktion oder traumatisierter (verletzter) Oberfläche; persistierender (anhaltender) Juckreiz ohne erkennbare Reizursache ist abklärungsbedürftig [1, 2].
  • Druck- oder Scheuerbeschwerden – insbesondere bei erhabenen, papillomatösen, intertriginösen (in Hautfalten gelegenen), akralen oder genital lokalisierten Nävi.
  • Oberflächliche Krustenbildung – meist nach Kratzen, Reibung oder Bagatelltrauma (kleiner Verletzung); spontane Krustenbildung ist abklärungsbedürftig [2].
  • Blutung nach Trauma (Verletzung) – bei verletzter Oberfläche möglich; spontane, rezidivierende (wiederkehrende) oder unklare Blutung gilt als Warnzeichen [1, 2].
  • Kosmetische Beeinträchtigung – besonders bei sichtbarer Lokalisation, großflächigen kongenitalen Nävi, Naevus flammeus (Feuermal), Naevus sebaceus (Talgdrüsennävus) oder ausgedehnter Hypertrichose.
  • Funktionelle Beeinträchtigung – bei periokulärer (um das Auge gelegener), genitaler, akraler, nagelbezogener, mukosaler oder großflächiger Lokalisation möglich.

Unspezifische Symptome
Diese unspezifischen Symptome treten bei vielen Hauterkrankungen auf und tragen allein wenig zur Diagnose bei:

  • Lokale Rötung – z. B. nach Reibung, Kratzen, Entzündung oder Irritation.
  • Lokales Spannungsgefühl – insbesondere bei erhabenen, großflächigen oder mechanisch belasteten Läsionen.
  • Feine Schuppung – eher unspezifisch; differentialdiagnostisch (zur Abgrenzung anderer Erkrankungen) sind unter anderem seborrhoische Keratose (Alterswarze), Ekzem (entzündliche Hautveränderung), Psoriasis (Schuppenflechte), Tinea (Pilzinfektion der Haut) oder aktinische Keratose (lichtbedingte Verhornungsstörung) zu berücksichtigen.
  • Vorübergehende Größenzunahme durch Hautdehnung – z. B. an Abdomen (Bauch) oder Mammae (Brüste); echte dynamische Veränderung bleibt abklärungsbedürftig.

Beachte: Valide Häufigkeitsangaben sind für „Nävus“ als Sammelbegriff nicht sinnvoll, da melanozytäre (pigmentzellbezogene), vaskuläre (gefäßbezogene), epidermale (oberhautbezogene), adnexale (hautanhangsgebildebezogene), bindegewebige, akrale, nagelbezogene, mukosale und konjunktivale Läsionen klinisch und epidemiologisch (krankheitshäufigkeitsbezogen) heterogen (uneinheitlich) sind.

Red Flags (Warnzeichen) bei Nävus

  • Asymmetrie – eine Hälfte der Läsion unterscheidet sich deutlich von der anderen.
  • Begrenzungsunregelmäßigkeit – unscharfe, gezackte, ausgefranste oder randständig ungleichmäßige Begrenzung.
  • Farbvarianz – mehrere Farbtöne innerhalb einer Läsion, insbesondere braun, schwarz, grau, blau, weiß, rot oder rosafarben.
  • Durchmesser und Dynamik – Durchmesser über 5-6 mm kann verdächtig sein; kleinere Läsionen sind dadurch jedoch nicht sicher unauffällig. Entscheidend ist insbesondere die Evolution (Entwicklung) mit Größen-, Form-, Farb- oder Oberflächenveränderung [1, LL1].
  • Ugly-duckling-Zeichen (Zeichen des anders aussehenden Muttermals) – eine Läsion unterscheidet sich deutlich vom individuellen Nävusmuster des Patienten [2].
  • Neu auftretende pigmentierte Läsion im Erwachsenenalter – besonders bei dynamischer Entwicklung oder fehlender Ähnlichkeit mit den übrigen Nävi.
  • Rasche Größenzunahme – insbesondere bei knotiger, asymmetrischer oder farblich heterogener Läsion.
  • Neu auftretender Knoten innerhalb eines bestehenden Nävus – besonders relevant bei kongenitalen melanozytären Nävi und Naevus spilus (Sprenkelnävus).
  • Spontane Blutung, Ulzeration (Geschwürbildung), Nässen oder persistierende Krustenbildung – immer abklärungsbedürftig [1, 2].
  • Persistierender Juckreiz oder Schmerz ohne mechanische Erklärung – insbesondere in Kombination mit morphologischer (die Form betreffender) Dynamik.
  • Regression (Rückbildung), weißliche Areale oder entzündlich wirkender Hof – bei asymmetrischer Restpigmentierung oder Dynamik Abklärung auf regressives Melanom (schwarzer Hautkrebs).
  • Akrale Pigmentläsion mit unregelmäßiger Pigmentierung – insbesondere an Palma (Handfläche), Planta (Fußsohle) oder akralen Übergangsarealen.
  • Longitudinale Melanonychie (längs verlaufende Nagelpigmentierung) mit Breitenzunahme, Farbvarianz, Nageldystrophie (Nagelwachstumsstörung) oder Hutchinson-Zeichen (Pigmentausbreitung auf die Nagelumgebung) – Verdacht auf Nagelorganmelanom (schwarzer Hautkrebs des Nagelorgans).
  • Schleimhaut-/Genitalnävus mit Dynamik, Knotenbildung, Ulzeration oder Blutung – Abklärung eines mukosalen Melanoms (schwarzer Hautkrebs der Schleimhaut) oder einer pigmentierten intraepithelialen Neoplasie (Vorstufe einer Gewebeneubildung in der Deckzellschicht).
  • Konjunktivaler Nävus mit Wachstum, Nodularität (Knotenbildung), Gefäßinjektion (verstärkte Gefäßzeichnung) oder neuem Auftreten im Erwachsenenalter – ophthalmologische (augenärztliche) Abklärung.

Symptome und Beschwerden in Abhängigkeit vom klinischen Erscheinungsbild

Pigmentierte/melanozytäre Nävi

  • Typische Befunde – braune bis schwarzbraune Makulae, Papeln oder Plaques, meist symmetrisch, homogen und stabil.
  • Hierzu zählen klinisch vor allem erworbene melanozytäre Nävi, Junktionsnävi (Grenzzonennävi), Compound-Nävi (gemischte Nävi), dermale/intradermale Nävi (in der Lederhaut gelegene Nävi), dysplastische Nävi (atypische Muttermale), Naevus spilus, Café-au-lait-Makulae (milchkaffeefarbene Flecken) und Lentigines (Linsenflecken).
  • Atypische Befunde – Asymmetrie, unregelmäßige Begrenzung, Farbvarianz, Dynamik, Blutung, Ulzeration oder neues knotiges Wachstum [1, 2, LL1].

Kongenitale und großflächige melanozytäre Nävi

  • Typische Befunde – bereits bei Geburt vorhandene oder früh manifeste (sichtbar werdende) pigmentierte Plaques, häufig mit Hypertrichose, verruköser Oberfläche, Satellitennävi (kleine Begleitnävi) oder großflächiger Ausdehnung.
  • Klinisch relevante Beschwerden – kosmetische Beeinträchtigung, mechanische Irritation, psychosoziale Belastung oder funktionelle Einschränkung je nach Lokalisation und Ausdehnung.
  • Warnzeichen – neuer Knoten, Ulzeration, spontane Blutung, rasche Größenzunahme, Farbvarianz oder neurologische (das Nervensystem betreffende) Symptome bei großen/multiplen kongenitalen melanozytären Nävi.

Bläulich-graue dermale Melanozytosen und blaue Nävi

  • Typische Befunde – grau-blaue, schiefergraue, blauschwarze oder bläulich durchscheinende Makulae, Papeln, Plaques oder Knoten.
  • Hierzu zählen kongenitale dermale Melanozytose (angeborene Pigmentzellvermehrung in der Lederhaut), blauer Nävus, Naevus Ota (Pigmentmal im Gesichts-/Augenbereich) und Naevus Ito (Pigmentmal im Schulterbereich).
  • Besondere Lokalisation – beim Naevus Ota ist eine okuläre (das Auge betreffende) Mitbeteiligung möglich; Veränderungen im Auge oder an der Konjunktiva (Bindehaut) erfordern ophthalmologische Beurteilung.
  • Warnzeichen – fokale (umschriebene) Dynamik, Knotenbildung, Ulzeration, Blutung oder deutliche Farbvarianz.

Epidermale, organoide und adnexale Nävi

  • Typische Befunde – lineare oder blaschkoide verruköse Plaques, gelblich-papillomatöse Areale (gelblich-warzenartig-zottige Hautbereiche), gruppierte Komedonen, follikuläre Papeln (haarbalgbezogene Knötchen), lokale Hyperhidrose oder papillomatöse Oberflächenstruktur.
  • Hierzu zählen epidermaler Nävus (Oberhautnävus), entzündlicher linearer verruköser epidermaler Nävus, Naevus sebaceus, Komedonennävus (Mitessernävus), Haarfollikelnävus (Haarbalgnävus) sowie apokrine/ekkrine Schweißdrüsennävi (Schweißdrüsennävi).
  • Begleitsymptome – Juckreiz, Irritation, Kratzen, Sekundärentzündung (zusätzliche Entzündung) oder kosmetische Beeinträchtigung.
  • Warnzeichen – neu auftretender Knoten, Ulzeration, Blutung, rasches Wachstum oder deutliche Oberflächenveränderung, insbesondere im Naevus sebaceus.

Vaskuläre Nävi und vaskuläre Anomalien

  • Typische Befunde – rötliche, livide, bläuliche oder hellrote Makulae, Papeln, Plaques oder Gefäßzeichnungen.
  • Hierzu zählen Naevus simplex (Storchenbiss), Naevus flammeus/kapilläre Malformation (Feuermal/Fehlbildung kleinster Blutgefäße), Naevus araneus (Spinnennävus) und Hämangiome (Blutschwämmchen); terminologisch sind vaskuläre Tumoren (gefäßbezogene Geschwülste) wie Hämangiome von vaskulären Malformationen (Gefäßfehlbildungen) wie kapillären Malformationen zu trennen [LL2].
  • Begleitsymptome – kosmetische Beeinträchtigung, Blutungsneigung bei traumatisierten vaskulären Papeln, funktionelle Einschränkung bei periokulärer, fazialer (das Gesicht betreffender) oder großflächiger Lokalisation.
  • Warnzeichen – rasche Größenzunahme im Erwachsenenalter, Ulzeration, spontane Blutung, Schmerzen, Infiltration (Einwachsen in umliegendes Gewebe), livide progrediente Plaques (fortschreitende bläulich-rötliche flächenhafte Erhebungen) oder systemische Begleitzeichen (den ganzen Körper betreffende Begleitzeichen).

Hypopigmentierte, depigmentierte und vasomotorische Nävi

  • Typische Befunde – stabile hellere, weiße, depigmentierte oder blasse Areale (Hautbereiche), meist ohne entzündliche Aktivität.
  • Hierzu zählen Naevus depigmentosus (heller Pigmentnävus), Naevus anemicus (blasser Gefäßnävus) und Halo-Nävus (Nävus mit weißem Hof).
  • Begleitsymptome – meist keine; kosmetische Beeinträchtigung möglich.
  • Warnzeichen – asymmetrische Restpigmentierung, rasche Veränderung, entzündlich-regressive Dynamik oder Verdacht auf regressives Melanom beim Halo-Phänomen (weißem Hof-Phänomen).

Besondere Lokalisationen

  • Akraler Nävus (Nävus an Händen/Füßen) – pigmentierte Makula oder Papel an Palma, Planta oder akralen Übergangsarealen; Dynamik, asymmetrische Pigmentierung oder irreguläres Muster sind abklärungsbedürftig.
  • Nagelmatrixnävus (Nävus der Nagelbildungszone)/longitudinale Melanonychie – longitudinaler (längs verlaufender) Pigmentstreifen der Nagelplatte; Breitenzunahme, Farbvarianz, Nageldystrophie oder Hutchinson-Zeichen sind Warnzeichen.
  • Schleimhaut-/Genitalnävus – pigmentierte Läsion an Schleimhaut oder Genitalschleimhaut; Knotenbildung, Ulzeration, Blutung oder Dynamik erfordern Abklärung.
  • Konjunktivaler Nävus – pigmentierte Bindehautläsion; Wachstum, neue Gefäßzeichnung, Nodularität oder neues Auftreten im Erwachsenenalter sind abklärungsbedürftig.

Literatur

  1. Abbasi NR, Shaw HM, Rigel DS et al.: Early diagnosis of cutaneous melanoma: revisiting the ABCD criteria. JAMA. 2004;292(22):2771-2776. https://doi.org/10.1001/jama.292.22.2771
  2. Grob JJ, Bonerandi JJ: The 'ugly duckling' sign: identification of the common characteristics of nevi in an individual as a basis for melanoma screening. Arch Dermatol. 1998;134(1):103-104. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/9449921/
  3. Vestergaard ME, Macaskill P, Holt PE, Menzies SW: Dermoscopy compared with naked eye examination for the diagnosis of primary melanoma: a meta-analysis of studies performed in a clinical setting. Br J Dermatol. 2008;159(3):669-676. https://doi.org/10.1111/j.1365-2133.2008.08713.x

Leitlinien

  1. Leitlinienprogramm Onkologie, Deutsche Krebsgesellschaft, Deutsche Krebshilfe, AWMF: Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Melanoms. S3-Leitlinie, Langversion 3.3, AWMF-Registernummer 032/024OL. 2020. https://www.leitlinienprogramm-onkologie.de/leitlinien/melanom
  2. International Society for the Study of Vascular Anomalies: ISSVA Classification of Vascular Anomalies. Konsensusklassifikation. 2025. https://www.issva.org/classification