Nävus – Prävention

Zur Prävention (Vorbeugung) der Nävi (Muttermale) muss auf eine Reduktion individueller Risikofaktoren geachtet werden.

Eine sichere Primärprävention (erste Vorbeugung) aller Nävustypen (Muttermalformen) ist nicht möglich, da viele Nävi genetisch (erblich), entwicklungsbiologisch (durch die Entwicklung bedingt) oder konstitutionell (anlagebedingt) geprägt sind; beeinflussbar ist vor allem die Ultraviolett-Strahlung (UV-Strahlung, unsichtbare ultraviolette Sonnenstrahlung)-assoziierte Entwicklung erworbener melanozytärer (pigmentzellbezogener) Nävi sowie das Melanomrisiko (Risiko für schwarzen Hautkrebs).

Verhaltensbedingte Risikofaktoren

  • Ernährung
    • Für die Entstehung gewöhnlicher, dysplastischer (zellulär atypischer) oder kongenitaler (angeborener) Nävi besteht keine gesicherte präventive Wirkung durch eine spezifische Ernährungsform.
    • Eine ausgewogene, pflanzenbetonte Ernährung kann als Bestandteil allgemeiner Tumor- (Geschwulst-) und Hautgesundheit empfohlen werden; eine Nävus-spezifische Risikoreduktion ist dadurch nicht belegt.
  • Ungesunde Ernährung
    • Für eine ungesunde Ernährung als direkten Risikofaktor der Nävusentstehung besteht keine belastbare Evidenz (wissenschaftliche Beweislage).
    • Übergewichtige oder metabolisch (stoffwechselbedingt) belastete Patienten können jedoch Schwierigkeiten bei der Selbstinspektion (Selbstbetrachtung) schwer einsehbarer Hautareale haben.
  • Mikronährstoffmangel (Mangel an lebenswichtigen Nährstoffen in kleiner Menge)
    • Ein Mikronährstoffmangel ist kein gesicherter direkter Risikofaktor für die Entstehung von Nävi.
    • Nahrungsergänzung mit Selen, Vitamin A oder Beta-Karotin soll nicht als Maßnahme zur Hautkrebsprävention (Vorbeugung von Hautkrebs) empfohlen werden [LL1].
    • Vitamin-D-Mangel soll nicht durch ungeschützte UV-Exposition (Belastung durch ultraviolette Strahlung) ausgeglichen werden; bei nachgewiesenem Mangel sind Ernährung und gegebenenfalls Supplementierung (gezielte Einnahme von Ergänzungspräparaten) der UV-Exposition vorzuziehen [LL1].
  • Genussmittelkonsum
    • Rauchen und Alkoholkonsum sind keine gesicherten direkten Ursachen gewöhnlicher Nävi.
    • Sie können jedoch mit ungünstigem Gesundheitsverhalten, reduzierter Präventionsadhärenz (Einhalten vorbeugender Maßnahmen) und vermehrtem UV-Risikoverhalten assoziiert (verbunden) sein.
  • Rauchen
    • Rauchen ist kein etablierter direkter Risikofaktor der Nävusentstehung.
    • Rauchverzicht ist dennoch Bestandteil allgemeiner Tumorprävention (Krebsvorbeugung) und verbessert die Haut- und Wundheilungssituation.
  • Alkoholkonsum
    • Alkoholkonsum ist kein gesicherter direkter Risikofaktor der Nävusentstehung.
    • Ein risikoarmer Alkoholkonsum ist dennoch aus onkologisch-präventiver (krebsbezogen vorbeugender) Sicht zu empfehlen.
  • Körperliche Aktivität
    • Körperliche Aktivität ist kein direkter Schutzfaktor gegen Nävi.
    • Bei Sport im Freien kann jedoch eine relevante UV-Exposition entstehen, insbesondere bei Wassersport, Bergsport, Golf, Tennis, Radsport und Ausdauersport.
    • Körperliche Aktivität im Freien soll daher mit konsequentem UV-Schutz kombiniert werden.
  • Körperliche Inaktivität
    • Körperliche Inaktivität ist kein gesicherter direkter Risikofaktor der Nävusentstehung.
    • Sie kann indirekt mit Übergewicht und erschwerter Hautselbstkontrolle verbunden sein.
  • Psychosoziale Situation
    • Bräunungswunsch, Körperbild, Gruppendruck, Freizeitverhalten und ein niedriges Risikobewusstsein können die UV-Exposition erhöhen.
    • Soziale und berufliche Rahmenbedingungen können die konsequente Umsetzung von Sonnenschutzmaßnahmen erschweren.
  • Chronischer Stress
    • Chronischer Stress ist kein gesicherter direkter Risikofaktor der Nävusentstehung.
    • Stress kann jedoch die Präventionsadhärenz verschlechtern, insbesondere bei Hautselbstuntersuchung, Sonnenschutz und Wahrnehmung dermatologischer (hautärztlicher) Kontrolltermine.
  • Übergewicht (Body-Mass-Index (BMI, Körpermassenindex) ≥ 25)
    • Übergewicht ist kein gesicherter direkter Risikofaktor für Nävi.
    • Adipositas (Fettleibigkeit) kann die Inspektion von Rücken, Hautfalten, Leistenregion und intertriginösen Arealen (Hautfaltenbereichen) erschweren.
  • Schlafqualität
    • Eine gestörte Schlafqualität ist kein gesicherter direkter Risikofaktor der Nävusentstehung.
    • Relevanz besteht allenfalls indirekt über allgemeines Gesundheitsverhalten und Präventionsadhärenz.
  • UV-Strahlung (Sonnenexposition)
    • Intermittierende (unterbrochene) intensive UV-Exposition und Sonnenbrände, insbesondere in Kindheit und Jugend, fördern die Entstehung erworbener melanozytärer Nävi und erhöhen das Melanomrisiko [1-3, LL1].
    • Die Anzahl erworbener melanozytärer Nävi ist ein wichtiger Risikomarker für das Melanomrisiko [2, 3, LL1, LL2].
    • Solarien und andere künstliche UV-Quellen erhöhen das Hautkrebsrisiko und sollen gemieden werden [4, LL1].
  • Mechanische Reizung und Manipulation
    • Reibung, Rasurtrauma (Verletzung durch Rasur) oder Kratzen sind keine gesicherten Ursachen einer malignen Entartung (bösartigen Veränderung) von Nävi.
    • Wiederholte Irritation (Reizung) kann jedoch Blutung, Entzündung, Krustenbildung oder diagnostische Unsicherheit verursachen und sollte dann dermatologisch abgeklärt werden.

Biographische und konstitutionelle Risikofaktoren

  • Genetische Prädisposition (erbliche Veranlagung)
    • Familiäre Häufung von malignem Melanom, atypischen (ungewöhnlichen) Nävi oder dysplastischem Nävussyndrom (Syndrom mit vielen auffälligen Muttermalen) erhöht das individuelle Risiko.
    • Bei familiärer Belastung ist eine risikoadaptierte dermatologische Kontrolle erforderlich.
  • Hauttyp
    • Heller Hauttyp nach Fitzpatrick I-II, Sommersprossen, rote oder blonde Haare, helle Augen und geringe Bräunungsfähigkeit sind mit erhöhter UV-Empfindlichkeit verbunden.
  • Anzahl melanozytärer Nävi
    • Multiple (zahlreiche) erworbene melanozytäre Nävi sind ein wichtiger Risikomarker für das Melanomrisiko.
    • Besonders relevant sind zahlreiche Nävi, klinisch (ärztlich erkennbar) atypische Nävi und das Auftreten neuer oder sich verändernder Läsionen (Hautveränderungen) im Erwachsenenalter.
  • Atypische/dysplastische Nävi
    • Atypische/dysplastische Nävi sind Marker eines erhöhten Melanomrisikos, insbesondere bei multiplen atypischen Nävi oder positiver Familienanamnese (Krankheitsvorgeschichte in der Familie).
    • Eine prophylaktische (vorbeugende) Entfernung aller atypischen Nävi ist nicht sinnvoll; entscheidend sind Risikostratifizierung (Risikoeinteilung), Verlaufskontrolle und Exzision (operative Entfernung) suspekter (verdächtiger) Läsionen.
  • Kongenitale melanozytäre Nävi
    • Kongenitale melanozytäre Nävi sind nicht verhaltensbedingt vermeidbar.
    • Das Melanomrisiko steigt vor allem mit Größe, Lokalisation (Lage), Zahl der Satellitenläsionen (kleine Begleit-Hautveränderungen) und neurokutaner Beteiligung (Beteiligung von Nerven und Haut); mittelgroße, große und riesige kongenitale melanozytäre Nävi benötigen eine risikoadaptierte Langzeitbetreuung [5].
  • Alter
    • Erworbene melanozytäre Nävi entstehen vor allem in Kindheit, Jugend und frühem Erwachsenenalter.
    • Neu auftretende, wachsende oder morphologisch (der Form nach) auffällige pigmentierte (gefärbte) Läsionen im höheren Erwachsenenalter sind abklärungsbedürftig.
  • Berufe und Freizeitaktivitäten mit hoher UV-Exposition
    • Outdoor-Berufe und Freizeitaktivitäten mit hoher UV-Belastung erhöhen die kumulative (sich aufsummierende) UV-Dosis.
    • Relevant sind insbesondere Landwirtschaft, Baugewerbe, Gartenbau, Fischerei, Seefahrt, Bademeister, Sport im Freien und Aufenthalt in Höhenlagen oder an reflektierenden Flächen wie Wasser, Sand oder Schnee [LL1].

Krankheitsbedingte und iatrogene Risikofaktoren

  • Immunsuppression (Unterdrückung des Immunsystems)
    • Organtransplantation (Übertragung eines Organs), immunsuppressive Therapie (Behandlung zur Unterdrückung des Immunsystems), hämatologische Neoplasien (Blutkrebserkrankungen) und schwere angeborene oder erworbene Immundefekte (Abwehrschwächen) erhöhen das Hautkrebsrisiko.
    • Bei immunsupprimierten Patienten ist eine niedrigere Schwelle für dermatologische Kontrolle und histologische Abklärung (feingewebliche Untersuchung) auffälliger Läsionen sinnvoll.
  • Vorangegangenes malignes Melanom oder anderer Hautkrebs
    • Patienten nach malignem Melanom oder anderem Hautkrebs haben ein erhöhtes Risiko für weitere Hauttumoren (Hautgeschwülste) und benötigen strukturierte Nachsorge [LL2].
  • Genodermatosen und DNA-Reparaturdefekte
    • Erkrankungen mit gestörter DNA-Reparatur (Reparatur der Erbsubstanz), insbesondere Xeroderma pigmentosum (Mondscheinkrankheit), führen zu massiv erhöhter UV-Empfindlichkeit und sehr hohem Hautkrebsrisiko.
  • Photosensibilisierende Medikamente und Therapien
    • Photosensibilisierende Medikamente (lichtempfindlich machende Arzneimittel) und phototherapeutische Verfahren (Lichtbehandlungen) können die UV-Empfindlichkeit erhöhen.
    • Bei entsprechender Exposition sind konsequenter UV-Schutz und dermatologische Verlaufskontrolle erforderlich.

Präventionsfaktoren (Schutzfaktoren)

Zur Prävention UV-induzierter (durch UV-Strahlung ausgelöster) erworbener Nävi und zur Senkung des Melanomrisikos muss auf eine Reduktion individueller Risikofaktoren geachtet werden.

  • Ernährung
    • Eine spezifische Diät zur Verhinderung von Nävi ist nicht belegt.
    • Eine ausgewogene Ernährung mit ausreichender Versorgung an Vitaminen, Spurenelementen und essenziellen Fettsäuren kann zur allgemeinen Hautgesundheit beitragen, ersetzt aber keinen UV-Schutz.
    • Omega-3-Fettsäuren (Docosahexaensäure, Eicosapentaensäure) haben keine gesicherte Indikation (Anwendungsgrund) zur Prävention von Nävi.
    • Selen, Vitamin A und Beta-Carotin sollen nicht als Nahrungsergänzung zur Hautkrebsprävention empfohlen werden [LL1].
  • Genussmittelkonsum
    • Rauchverzicht und Begrenzung des Alkoholkonsums sind Bestandteil allgemeiner Tumorprävention.
    • Eine direkte Nävus-präventive Wirkung ist nicht belegt.
  • Körperliche Aktivität
    • Regelmäßige körperliche Aktivität ist allgemein präventiv sinnvoll.
    • Bei Aktivität im Freien sind Schatten, geeignete Kleidung, Kopfbedeckung, Sonnenbrille und Sonnenschutzmittel konsequent anzuwenden.
  • UV-Schutz
    • Die wichtigste Schutzmaßnahme ist die Vermeidung starker Sonnenexposition (Sonnenbelastung), insbesondere um den Sonnenhöchststand [LL1].
    • Schutzmaßnahmen sollen in folgender Priorität erfolgen: Vermeidung starker Sonnenstrahlung, Tragen geeigneter Kleidung, Anwendung von Sonnenschutzmitteln [LL1].
    • Sonnenschutzmittel sollen breit wirksam gegen Ultraviolett-A- und Ultraviolett-B-Strahlung sein und ausreichend dick sowie wiederholt aufgetragen werden.
    • Bei hohem UV-Index, hellem Hauttyp, Kindern, Immunsuppression oder längerer Exposition ist ein hoher Lichtschutzfaktor (LSF), in der Regel LSF 50/50+, sinnvoll.
    • Sonnenbrände sind konsequent zu vermeiden, insbesondere bei Kindern und Jugendlichen.
  • UV-Schutz durch Kleidung
    • Textiler Sonnenschutz ist zuverlässiger als alleinige Anwendung von Sonnenschutzmitteln.
    • Empfohlen werden dicht gewebte Kleidung, lange Ärmel, lange Hosen, breitkrempige Hüte oder Nackenschutz sowie Sonnenbrillen mit UV-Schutz.
    • Bei Kindern kann regelmäßig getragene Kleidung mit UV-Schutzfaktor (Ultraviolet Protection Factor, UPF, UV-Schutzwert von Textilien) 30-50+ die Entwicklung neuer melanozytärer Nävi reduzieren [6].
  • Sonnenstudios meiden
    • Solarien und künstliche UV-Quellen sollen gemieden werden.
    • Eine sogenannte Vorbräunung schützt nicht zuverlässig vor Sonnenbrand und erhöht die kumulative UV-Belastung.
  • Berufsbezogener UV-Schutz
    • Bei Außenarbeit sind technische, organisatorische und personenbezogene Schutzmaßnahmen erforderlich.
    • Dazu gehören Schattenplätze, Arbeitszeitverlagerung außerhalb maximaler UV-Belastung, UV-Schutzkleidung, Kopfbedeckung, Sonnenbrille und geeignete Sonnenschutzmittel [LL1].
  • Hautselbstuntersuchung
    • Risikopersonen sollen zur regelmäßigen Hautselbstuntersuchung angeleitet werden [LL1].
    • Hilfreich sind ABCDE-Regel und Ugly-Duckling-Zeichen: Asymmetrie (Ungleichmäßigkeit), Begrenzungsunregelmäßigkeit, Colorit/Mehrfarbigkeit, Durchmesser/Dynamik (Größe/Veränderung) und Entwicklung.
    • Bei knotigen, rasch wachsenden Läsionen ist zusätzlich an Erhabenheit, feste Konsistenz (Festigkeit) und Wachstum zu denken.
  • Dermatologische Kontrolle
    • Bei multiplen Nävi, atypischen Nävi, familiärem Melanomrisiko, Immunsuppression, kongenitalen großen Nävi oder vorangegangenem Melanom ist eine risikoadaptierte dermatologische Kontrolle angezeigt [LL1, LL2].
    • Das Kontrollintervall wird anhand des individuellen Risikoprofils festgelegt.
  • Hautpflege und mechanische Reize
    • Nävi sollen nicht manipuliert, aufgekratzt oder wiederholt traumatisiert (verletzt) werden.
    • Eine prophylaktische Entfernung klinisch unauffälliger Nävi allein wegen Reibung ist meistens nicht erforderlich.
    • Persistierende (anhaltende) Blutung, Krustenbildung, Schmerzen, Juckreiz, rasches Wachstum oder morphologische Veränderung erfordern dermatologische Abklärung.

Sekundärprävention

Die Sekundärprävention (Früherkennung und frühe Behandlung) richtet sich an Patienten mit auffälligen, neu aufgetretenen oder sich verändernden Nävi, um eine maligne Transformation (bösartige Umwandlung) bzw. ein malignes Melanom frühzeitig zu erkennen und gezielt zu behandeln.

  • Früherkennung und Diagnostik (Untersuchungen zur Erkennung)
    • Ganzkörperinspektion (Betrachtung des ganzen Körpers) der Haut bei ausreichender Beleuchtung und vollständiger Entkleidung ist Grundlage des Hautkrebsscreenings (Hautkrebs-Früherkennungsuntersuchung) [LL1].
    • Die Untersuchung umfasst auch Kopfhaut, Nägel, Akren (körperferne Bereiche), Schleimhäute nach klinischem Befund, intertriginöse Areale, Genitalregion nach Indikation sowie schwer einsehbare Körperregionen.
    • Risikopersonen sollen über ihr individuelles Risiko informiert und in individuell festgelegter Frequenz (Häufigkeit) ärztlich kontrolliert werden [LL1].
  • Dermatoskopie (Auflichtmikroskopie)
    • Die Dermatoskopie erhöht die diagnostische Treffsicherheit bei pigmentierten Läsionen und soll durch entsprechend ausgebildete Untersucher erfolgen [LL1, LL2].
    • Pathologische (krankhafte) dermatoskopische Befunde sind insbesondere Asymmetrie von Farben und Strukturen, atypisches Pigmentnetz (auffälliges Farbstoffnetz), unregelmäßige Punkte/Globuli (Kügelchen), atypische Streifen/Pseudopodien (scheinfüßchenartige Ausläufer), blau-weißer Schleier, Regression (Rückbildung), irreguläre Gefäße (unregelmäßige Blutgefäße) und chaotisches Muster.
  • Digitale Verlaufskontrolle und Photodokumentation
    • Bei Hochrisikopatienten (Patienten mit hohem Risiko) können Ganzkörperphotographie (Fotodokumentation des ganzen Körpers), digitale Dermatoskopie und sequenzielle Verlaufskontrolle (wiederholte Kontrolluntersuchung) die Früherkennung früher Melanome verbessern [LL2, LL3].
    • Geeignet sind vor allem Patienten mit zahlreichen Nävi, atypischem Nävussyndrom oder erschwerter klinischer Verlaufseinschätzung.
    • Klar melanomverdächtige Läsionen sollen nicht verlaufsbeobachtet, sondern histologisch abgeklärt werden.
  • Laborparameter (Laborwerte)
    • Für die Abklärung eines klinisch auffälligen Nävus gibt es keine Routinelabordiagnostik (routinemäßige Laboruntersuchung).
    • Laborparameter sind erst bei gesichertem Melanom stadien- und leitlinienabhängig relevant, nicht zur Primärdiagnose (Erstdiagnose) eines Nävus.
  • Bildgebung
    • Bei klinisch benignem (gutartigem) oder nur lokal suspektem Nävus ist keine Routinemedizingerätediagnostik (routinemäßige apparative Diagnostik) zur Ausbreitungssuche angezeigt.
    • Bildgebung wird erst bei histologisch gesichertem Melanom und entsprechendem Tumorstadium (Krankheitsstadium bei Tumoren) leitliniengerecht eingesetzt [LL2].
  • Histologische Sicherung
    • Bei Verdacht auf ein malignes Melanom ist die komplette Exzision als Exzisionsbiopsie (vollständige Gewebeentnahme) mit kleinem Sicherheitsabstand die bevorzugte diagnostische Maßnahme [LL1, LL2].
    • Destruktive Verfahren (gewebezerstörende Verfahren) wie Laser, Elektrokoagulation (elektrische Verödung) oder Kryotherapie (Kältetherapie) sind bei diagnostisch unklaren pigmentierten Läsionen kontraindiziert (nicht angezeigt), da keine vollständige histologische Beurteilung möglich ist.
    • Bei großen, flächigen, melanomverdächtigen Tumoren im Gesicht oder an akraler Haut (Haut an Händen und Füßen) kann eine Probebiopsie (Probeentnahme) bzw. Teilexzision (teilweise operative Entfernung) erforderlich sein [LL1].
  • Lebensstiländerungen
    • Nach Feststellung eines erhöhten Risikoprofils sollen UV-Schutz, Solarienverzicht, Hautselbstuntersuchung und dermatologische Kontrollintervalle verbindlich besprochen werden.
    • Bei Kindern und Jugendlichen ist die Vermeidung von Sonnenbränden besonders wichtig.
  • Therapieansätze
    • Klinisch und dermatoskopisch unauffällige Nävi benötigen keine Therapie (Behandlung).
    • Verdächtige oder diagnostisch unklare Nävi werden vollständig exzidiert (operativ entfernt) und histologisch untersucht.
    • Eine Entfernung aller Nävi zur Melanomprävention ist nicht evidenzbasiert und kann Übertherapie (unnötige Behandlung), Narbenbildung und diagnostische Unsicherheit durch Teilentfernungen begünstigen.
  • Psychosoziale Unterstützung
    • Patienten mit zahlreichen oder atypischen Nävi benötigen verständliche Risikokommunikation (Erklärung des persönlichen Risikos), um sowohl Bagatellisierung als auch unnötige Angst und Überdiagnostik (zu viele Untersuchungen) zu vermeiden.
    • Bei kosmetisch belastenden, großen oder sichtbaren kongenitalen Nävi können psychosoziale Beratung und gegebenenfalls plastisch-dermatologische Mitbeurteilung sinnvoll sein.

Tertiärprävention

Die Tertiärprävention (Vorbeugung von Folgeschäden) zielt darauf ab, wiederkehrende Beschwerden, unnötige Eingriffe, Narbenfolgen sowie mögliche Komplikationen nach auffälligen Nävi, dysplastischen Nävi oder malignem Melanom langfristig zu minimieren.

  • Langzeittherapie und Nachsorge
    • Nach Exzision eines benignen Nävus ist in der Regel keine spezielle Langzeittherapie erforderlich.
    • Nach dysplastischem Nävus wird die weitere Kontrolle anhand Histologie (Gewebeuntersuchung), Exzisionsstatus (Status der operativen Entfernung), Zahl atypischer Nävi und individuellem Melanomrisiko festgelegt.
    • Nach malignem Melanom erfolgt die Nachsorge stadienabhängig gemäß Melanomleitlinie [LL2].
  • Rehabilitation und Nachsorge
    • Nach größeren Exzisionen, Rekonstruktionen (Wiederherstellungen) oder Narbenproblemen können Narbenpflege, funktionelle Nachsorge und gegebenenfalls plastisch-chirurgische Verlaufskontrolle erforderlich sein.
    • Bei großen oder riesigen kongenitalen melanozytären Nävi ist eine interdisziplinäre Langzeitbetreuung sinnvoll, insbesondere bei funktioneller, kosmetischer oder psychosozialer Belastung.
  • Psychosoziale Unterstützung
    • Patienten mit sichtbaren, multiplen oder kongenitalen Nävi können unter Stigmatisierung, Körperbildbelastung und erhöhter Krebsangst leiden.
    • Bei relevanter Belastung sind psychosoziale Beratung, Psychoonkologie (psychologische Betreuung bei Krebserkrankung) nach Melanomdiagnose oder psychotherapeutische Unterstützung indiziert (angezeigt).
  • Lebensstilinterventionen (Maßnahmen zur Änderung des Lebensstils)
    • Konsequenter UV-Schutz, Solarienverzicht und regelmäßige Hautselbstuntersuchung bleiben auch nach Exzision auffälliger Nävi oder nach Melanomdiagnose erforderlich.
    • Patienten sollen wissen, dass ein Großteil der Melanome neu entstehen kann und nicht zwingend aus einem vorbestehenden Nävus hervorgeht.
  • Vermeidung von Übertherapie
    • Die Tertiärprävention umfasst auch die Vermeidung unnötiger Exzisionen klinisch unauffälliger Nävi.
    • Entscheidend sind strukturierte Risikostratifizierung, qualifizierte Dermatoskopie, Verlaufskontrolle bei geeigneten Läsionen und histologische Sicherung bei begründetem Verdacht.

Literatur

  1. Green AC, Williams GM, Logan V, Strutton GM: Reduced Melanoma After Regular Sunscreen Use: Randomized Trial Follow-Up. Journal of Clinical Oncology. 2011;29(3):257-263. https://doi.org/10.1200/JCO.2010.28.7078
  2. Gallagher RP, Rivers JK, Lee TK, Bajdik CD, McLean DI, Coldman AJ: Broad-Spectrum Sunscreen Use and the Development of New Nevi in White Children: A Randomized Controlled Trial. JAMA. 2000;283(22):2955-2960. https://doi.org/10.1001/jama.283.22.2955
  3. Frischhut N, Zelger B, Andre F, Zelger B: The spectrum of melanocytic nevi and their clinical implications. Journal der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft. 2022;20(4):483-504. https://doi.org/10.1111/ddg.14776
  4. An S, Kim K, Moon S, Ko KP, Kim I et al.: Indoor Tanning and the Risk of Overall and Early-Onset Melanoma and Non-Melanoma Skin Cancer: Systematic Review and Meta-Analysis. Cancers. 2021;13(23):5940. https://doi.org/10.3390/cancers13235940
  5. Scard C et al.: Risk of melanoma in congenital melanocytic nevi of all sizes: A systematic review. Journal of the European Academy of Dermatology and Venereology. 2023;37:32-39. https://doi.org/10.1111/jdv.18581
  6. Harrison SL, Buettner PG, Nowak MJ: Sun-Protective Clothing Worn Regularly during Early Childhood Reduces the Number of New Melanocytic Nevi: The North Queensland Sun-Safe Clothing Cluster Randomized Controlled Trial. Cancers. 2023;15(6):1762. https://doi.org/10.3390/cancers15061762
  7. Ja. Die AWMF-Registernummer muss ebenfalls verlinkt sein.

Leitlinien

  1. S3-Leitlinie: Prävention von Hautkrebs (AWMF-Register-Nr. 032-052OL) September 2021 Langfassung Kurzfassung
  2. S3-Leitlinie: Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Melanoms (AWMF-Register-Nr. 032-024OL) Juli 2020 Langfassung Kurzfassung
  3. European consensus-based interdisciplinary guideline for melanoma. Part 1: Diagnostics: Update 2024. https://melanoma.org.au/paper/european-consensus-based-interdisciplinary-guideline-for-melanoma-part-1-diagnostics-update-2024-2/