Nävus – Körperliche Untersuchung
Eine umfassende klinische Untersuchung ist die Grundlage für die Auswahl der weiteren diagnostischen Schritte bei Nävi (Muttermalen):
- Allgemeine körperliche Untersuchung (allgemeine Untersuchung des Körpers) – inklusive Blutdruck, Puls, Körpergewicht, Körpergröße; des Weiteren:
- Beurteilung des Allgemein- und Ernährungszustandes
- Beurteilung von Hauttyp, Haarfarbe, Augenfarbe, Sommersprossen, aktinischer Hautschädigung (durch Sonnenlicht bedingte Hautschädigung) und sichtbarer UV-Schädigung (Schädigung durch ultraviolette Strahlung) [helle Haut, zahlreiche Sommersprossen, ausgeprägte Lentigines solares (Sonnenflecken), aktinische Elastose (sonnenbedingte Bindegewebsschädigung der Haut), multiple UV-Schäden]
- Beurteilung der Gesamtzahl der Nävi, der Verteilung und des individuellen Nävusmusters [sehr zahlreiche Nävi, ungleichmäßiges Nävusmuster, multiple klinisch atypische Nävi (ungewöhnlich aussehende Muttermale)]
- Beurteilung, ob einzelne Läsionen (Hautveränderungen) deutlich vom übrigen Nävusmuster abweichen [Ugly-Duckling-Läsion (auffällig anders aussehende Hautveränderung), solitär auffällige Pigmentläsion (einzeln auffällige pigmentierte Hautveränderung), neu aufgetretene morphologische Abweichung (neu aufgetretene Formabweichung)]
- Bei klinisch suspekter (auffälliger), ulzerierter (geschwürig offener), nodulärer (knotiger), rasch wachsender oder blutender Läsion zusätzlich Palpation (Abtasten) der regionalen Lymphknotenstationen (Lymphknotenbereiche in der Umgebung) [vergrößerte, derbe, schlecht verschiebliche oder druckdolente Lymphknoten (schmerzhafte Lymphknoten)]
- Inspektion (Betrachtung) – systematische Ganzkörperinspektion (Betrachtung des gesamten Körpers) bei guter Beleuchtung, möglichst vollständig entkleidet und unter Wahrung der Intimsphäre:
- Inspektion von Kopfhaut und behaarter Haut – Scheiteln der Haare in mehreren Bahnen [pigmentierte Makulae (Flecken), Papeln (Knötchen), Plaques (flächige Erhebungen), knotige Anteile, Farbwechsel, unregelmäßige Begrenzung, Krustenbildung, Blutung]
- Inspektion von Gesicht, Stirn, Schläfen, Nase, Wangen, Lippenrot, Kinn und Ohren – inklusive Retroaurikulärregion (Bereich hinter dem Ohr), Helix (Ohrmuschelrand), Anthelix (innere Ohrmuschelfalte) und Gehörgangseingang [asymmetrische Pigmentläsion, unregelmäßige Pigmentierung, neue Papel, Ulzeration (Geschwürbildung), Blutung]
- Inspektion der Augenlider und periokulären Haut (Haut um das Auge) – Beurteilung kleiner pigmentierter Läsionen an Lidrand, Lidhaut und medialem/lateralem Lidwinkel [irreguläre Pigmentierung (unregelmäßige Farbstoffverteilung), Randunregelmäßigkeit, Wimpernverlust im Bereich einer Läsion, Ulzeration]
- Inspektion von Mundschleimhaut (Schleimhaut im Mund) und Lippen – soweit klinisch zugänglich [neu aufgetretene Pigmentmakula (pigmentierter Fleck), unregelmäßige Begrenzung, Mehrfarbigkeit, Blutung, Erosion (oberflächlicher Haut-/Schleimhautdefekt), Ulzeration]
- Inspektion von Hals, Nacken, Dekolleté und Thorax (Brustkorb) [multiple Nävi (mehrere Muttermale), atypische Pigmentläsion, asymmetrische Läsion, neu entstandener Knoten, Krustenbildung]
- Inspektion von Rücken, Flanken, Abdomen (Bauch) und Lumbalregion (Lendenregion) – besonders sorgfältig, da diese Areale vom Patienten selbst schlecht kontrollierbar sind [Ugly-Duckling-Läsion, asymmetrischer Nävus, unregelmäßige Begrenzung, Mehrfarbigkeit, neu aufgetretene Erhabenheit]
- Inspektion von Axillen (Achselhöhlen), Oberarmen, Ellenbeugen, Unterarmen, Handrücken, Handflächen und Interdigitalräumen (Zwischenräume zwischen Fingern oder Zehen) [akrale Pigmentläsion (Pigmentveränderung an Handflächen oder Fußsohlen), unregelmäßige Pigmentverteilung, neu entstandene Makula oder Papel, erosive Oberfläche]
- Inspektion der Nägel – Beurteilung von Längsmelanonychie (längs verlaufende dunkle Nagelverfärbung), Pigmentbreite (Breite der Farbstoffzone), Pigmentverteilung (Verteilung des Farbstoffs), Pigmentübertritt auf Nagelfalz (Ausbreitung des Farbstoffs auf die Haut am Nagelrand), Nageldystrophie (Nagelwachstumsstörung) und neu aufgetretenen pigmentierten Nagelveränderungen [irreguläre longitudinale Melanonychie (unregelmäßige längs verlaufende dunkle Nagelverfärbung), Zunahme der Bandbreite, Mehrfarbigkeit, unscharfe Bandränder, Hutchinson-Zeichen (Pigmentausbreitung auf die Haut am Nagelrand), Nagelplattenverformung]
- Inspektion von Gesäß, Glutealfalte (Gesäßfalte), Leisten, Genitalregion (Geschlechtsregion) und Perianalregion (Region um den After) – bei Einwilligung und klinischer Relevanz [neu aufgetretene Pigmentläsion, unregelmäßige Begrenzung, Blutung, Erosion, Ulzeration]
- Inspektion von Oberschenkeln, Kniekehlen, Unterschenkeln, Fußrücken, Fußsohlen, Fersen, Zehenzwischenräumen und subungualen Arealen (Bereichen unter den Nägeln) [akrale Pigmentläsion, asymmetrische Makula, irreguläre Pigmentierung, subunguale Pigmentierung (Pigmentierung unter dem Nagel), Ulzeration]
- Beschreibung jedes klinisch relevanten Nävus – standardisiert, messbar und reproduzierbar:
- Lokalisation (Körperstelle) – anatomisch (körperbezogen) exakt, möglichst mit Seitenangabe und Abstand zu Landmarken (Orientierungspunkten am Körper) [schwer einsehbare Lokalisation, Schleimhaut-/Nagel-/akrale Lokalisation]
- Größe – Messung in Millimetern in mindestens zwei Achsen; bei großen kongenitalen Nävi (angeborenen Muttermalen) zusätzlich Ausdehnung in Zentimetern [Größenzunahme, Durchmesser über 5-6 mm, rasches Wachstum]
- Form – rund, oval, polyzyklisch (mehrbogig), landkartenartig, papillomatös (warzenartig), verrukös (warzig), gestielt, kuppelförmig oder plaqueartig [irreguläre Form, neu entstandene Knotenbildung, fokale Erhabenheit (umschriebene Erhebung)]
- Symmetrie (Gleichmäßigkeit) – Beurteilung von Form-, Farb- und Strukturachse (Aufbauachse) [Asymmetrie (Ungleichmäßigkeit) von Form, Farbe oder Struktur]
- Begrenzung – scharf, unscharf, regelmäßig, gezackt, auslaufend oder unterbrochen [unscharfe, gezackte, auslaufende oder unterbrochene Begrenzung]
- Farbe – hellbraun, dunkelbraun, schwarz, blau, grau, rötlich, hautfarben, weißlich oder mehrfarbig [Mehrfarbigkeit, exzentrische Hyperpigmentierung (außermittige verstärkte Pigmentierung), neu aufgetretene schwarze, graue, blaue, rote oder weißliche Areale]
- Oberfläche – glatt, papillomatös, verrukös, mamilliert (brustwarzenartig), schuppend, krustig, erosiv (oberflächlich wund) oder ulzeriert [Krustenbildung, Erosion, Ulzeration, spontane Blutung]
- Erhabenheit – makulös (fleckförmig), papulös (knötchenförmig), plaqueartig, nodulär oder polypoid (polypenartig) [neu entstandene Erhabenheit, neu entstandener Knoten, derbe fokale Verdickung]
- Randzone – gleichmäßige Pigmentausläufer (Farbstoffausläufer), unregelmäßige Pigmentausläufer, Satellitenläsionen (kleine Nebenveränderungen) oder Depigmentierungshof (heller Hof durch Pigmentverlust) [unregelmäßige Pigmentausläufer, Satellitennävi (Nebenmuttermale), depigmentierter Hof]
- Haarbesatz – fehlend, fein, terminal (kräftig ausgebildet), hypertrichotisch (vermehrt behaart); besonders bei kongenitalen melanozytären Nävi (angeborenen pigmentzellhaltigen Muttermalen) dokumentieren [neu veränderter Haarbesatz, fokaler Haarverlust, ausgeprägte Hypertrichose (vermehrte Behaarung)]
- Entzündungszeichen (Zeichen einer Entzündung) – Rötung, Schwellung, Krustenbildung oder sekundäre Reizung nach mechanischer Irritation (Reibung oder Verletzung) [persistierende Rötung, Schwellung, Krustenbildung, Druckdolenz]
- Blutung, Erosion oder Ulzeration – immer als abklärungsbedürftig dokumentieren, sofern nicht eindeutig traumatisch (verletzungsbedingt) erklärbar [spontane Blutung, persistierende Erosion, Ulzeration]
- ABCDE-Beurteilung (Beurteilung nach Asymmetrie, Begrenzung, Colorit, Durchmesser und Evolution) – klinische Basisregel zur Erkennung abklärungsbedürftiger pigmentierter Läsionen:
- A – Asymmetrie von Form, Farbe oder Struktur [asymmetrischer Nävus]
- B – Begrenzung unregelmäßig, unscharf, gezackt oder auslaufend [unregelmäßige, unscharfe, gezackte oder auslaufende Begrenzung]
- C – Colorit (Farbgebung) mit mehreren Farben, ungleichmäßiger Pigmentierung oder neu aufgetretenen roten, weißen, grauen, blauen oder schwarzen Anteilen [Mehrfarbigkeit, ungleichmäßige Pigmentierung, exzentrische Hyperpigmentierung]
- D – Durchmesser über 5-6 mm oder Größenzunahme; kleine Melanome (schwarzer Hautkrebs) sind dadurch nicht ausgeschlossen [Durchmesserzunahme, rasches Wachstum]
- E – Evolution (Veränderung im Verlauf) mit Veränderung von Größe, Form, Farbe, Erhabenheit, Oberfläche, Blutung, Krustenbildung oder subjektiver Auffälligkeit [Größenänderung, Formänderung, Farbänderung, neue Erhabenheit, Blutung, Krustenbildung]
- Ugly-Duckling-Prinzip (Prinzip des auffällig anders aussehenden Muttermals) – Vergleich eines einzelnen Nävus mit dem individuellen Nävusmuster:
- Suche nach Läsionen, die deutlich dunkler, heller, röter, grauer, blauer, größer, unregelmäßiger oder anders strukturiert sind als die übrigen Nävi [morphologisch abweichende Einzelläsion]
- Besondere Beachtung solitärer Läsionen (einzeln stehender Hautveränderungen) bei Patienten mit sonst wenigen Nävi [einzelne neu entstandene oder auffällige Pigmentläsion]
- Besondere Beachtung einer einzelnen morphologisch abweichenden Läsion bei Patienten mit zahlreichen gleichartig wirkenden Nävi [Ugly-Duckling-Läsion]
- Palpation – gezielte Untersuchung klinisch auffälliger oder symptomatischer Nävi:
- Palpation der Läsion – Beurteilung von Konsistenz (Beschaffenheit), Erhabenheit, Verschieblichkeit, Abgrenzbarkeit und Infiltration (Einwachsen in das Gewebe) [derbe Konsistenz, Fixierung, schlecht abgrenzbare Infiltration, neu entstandene Erhabenheit]
- Palpation der Oberfläche – glatt, rau, warzig, schuppend, krustig oder erosiv [raue Oberfläche, Kruste, Erosion, Ulzeration]
- Palpation bei knotigen Nävi – Beurteilung von derb, weich, prallelastisch, druckdolent (druckschmerzhaft) oder fixiert (nicht verschieblich) [neu entstandener Knoten, derber Knoten, Druckdolenz, Fixierung]
- Palpation kongenitaler melanozytärer Nävi – Suche nach neu entstandenen Knoten, derben Arealen, fokaler Verdickung oder Ulzeration [neuer Knoten, fokale derbe Verdickung, Ulzeration]
- Palpation bei blauem Nävus (blau-grauem Muttermal) – Beurteilung einer derben, gut abgrenzbaren, bläulich-grauen Papel oder eines Knotens [Größenzunahme, Irregularität, Druckdolenz, Ulzeration]
- Palpation regionaler Lymphknoten – zervikal (am Hals), supraklavikulär (oberhalb des Schlüsselbeins), axillär (in der Achselhöhle), inguinal (in der Leiste) oder popliteal (in der Kniekehle) je nach Lokalisation der suspekten Läsion [vergrößerte, derbe, schlecht verschiebliche oder druckdolente Lymphknoten]
- Dermatoskopie (Auflichtmikroskopie der Haut) – nur durch geschulte Untersucher bzw. bei ausreichender praktischer Kompetenz; sie ergänzt, ersetzt aber nicht die klinische Beurteilung:
- Technik – Beurteilung mit polarisiertem (spiegelungsarmem) oder nicht polarisiertem Dermatoskop (Auflichtmikroskop); bei Kontaktdermatoskopie (Auflichtmikroskopie mit Hautkontakt) Verwendung geeigneter Kontaktflüssigkeit [klinisch schlecht beurteilbare Pigmentläsion, unklare Randzone, unklare Farbverteilung]
- Dokumentation – dermatoskopisches Bild (auflichtmikroskopisches Bild) mit klinischer Lokalisation, Datum, Größe und Orientierung speichern, wenn Verlaufsbeurteilung vorgesehen ist [unklare, kontrollbedürftige oder atypische Läsion]
- Benigne symmetrische Muster (gutartige gleichmäßige Muster) – regelmäßiges Pigmentnetz (Farbstoffnetz), regelmäßige Globuli (Kügelchen), homogenes Muster (gleichförmiges Muster), symmetrisches retikuläres Muster (gleichmäßiges netzartiges Muster) oder altersentsprechend periphere Globuli (randständige Kügelchen) bei wachsenden Nävi [symmetrisches, regelmäßiges Muster]
- Abklärungsbedürftige dermatoskopische Muster – asymmetrisches Muster, atypisches Pigmentnetz (ungewöhnliches Farbstoffnetz), unregelmäßige Streifen, unregelmäßige Pseudopodien (scheinbare Ausläufer), unregelmäßige Punkte/Globuli, blau-weißer Schleier, Regressionstrukturen (Rückbildungszeichen), atypische Gefäßmuster (ungewöhnliche Blutgefäßmuster), exzentrische Hyperpigmentierung oder multikomponentes Muster (Muster aus mehreren auffälligen Bestandteilen) [asymmetrisches Muster, atypisches Pigmentnetz, unregelmäßige Globuli, blau-weißer Schleier, Regression, atypische Gefäße]
- Dermatoskopie von Gesichtsarealen – Beurteilung von follikulärer Pigmentierung (Pigmentierung um Haarfollikel), asymmetrischen follikulären Öffnungen (ungleichmäßigen Haarfollikelöffnungen), grauen Punkten, rhomboidalen Strukturen (rautenförmigen Strukturen) und Arealen mit Strukturverlust [asymmetrische follikuläre Pigmentierung, graue Punkte, rhomboidale Strukturen, Strukturverlust]
- Dermatoskopie akraler Läsionen – Beurteilung von Pigmentverlauf in Leisten oder Furchen; unregelmäßige Pigmentierung und verdächtige Muster dermatologisch (hautärztlich) abklären [irreguläre akrale Pigmentierung, asymmetrisches Muster, Strukturverlust]
- Dermatoskopie der Nagelmatrixregion (Wachstumszone des Nagels) – Beurteilung von Bandbreite, Parallelität, Farbvariation, unscharfen Rändern, periungualer Pigmentierung (Pigmentierung um den Nagel) und Nagelplattenveränderung [unregelmäßige Bandbreite, Mehrfarbigkeit, unscharfer Rand, Hutchinson-Zeichen, Nageldystrophie]
- Grenze der Dermatoskopie – bei klinischem Malignitätsverdacht (Verdacht auf Bösartigkeit) darf ein unauffälliger dermatoskopischer Einzelbefund die weitere Abklärung nicht verhindern [klinisch hochsuspekte Läsion trotz unklarem dermatoskopischem Befund]
- Untersuchung nach Nävusformen – klinische Einordnung der häufigen und relevanten Varianten:
- Kongenitaler melanozytärer Nävus – Beurteilung von Größe, Lokalisation, Farbe, Oberfläche, Haarbesatz, Satellitennävi, nodulären Anteilen, Ulzeration und Wachstum [großflächige Pigmentierung, Hypertrichose, Satellitennävi, neue Knoten, fokale Verdickung, Ulzeration]
- Erworbener melanozytärer Nävus (erworbenes pigmentzellhaltiges Muttermal) – meist symmetrisch, scharf begrenzt, homogen pigmentiert, makulös bis papulös; Abweichungen vom Gesamtmuster dokumentieren [Asymmetrie, Mehrfarbigkeit, unregelmäßige Begrenzung, Wachstum]
- Junktionaler Nävus (Muttermal an der Grenze zwischen Oberhaut und Lederhaut) – meist flache, braune bis dunkelbraune, scharf begrenzte Makula; auf Symmetrie und gleichmäßige Pigmentierung achten [asymmetrische Makula, ungleichmäßige Pigmentierung, unscharfe Begrenzung]
- Compound-Nävus (kombiniertes Muttermal aus Grenz- und Lederhautanteilen) – leicht erhabene, braune Papel oder Plaque; Beurteilung von regelmäßiger Kontur, homogener Farbe und glatter Oberfläche [neue Erhabenheit, unregelmäßige Kontur, Mehrfarbigkeit, Kruste]
- Intradermaler Nävus (Muttermal in der Lederhaut) – hautfarbene bis hellbraune, kuppelförmige oder papillomatöse Papel; bei plötzlicher Ulzeration, Blutung oder raschem Wachstum Abklärung [Ulzeration, spontane Blutung, rasches Wachstum, neue Druckdolenz]
- Atypischer/dysplastischer Nävus (ungewöhnlich geformtes Muttermal) – meist größer als gewöhnliche erworbene Nävi, unregelmäßige Begrenzung, variable Pigmentierung, makulopapulöse Struktur; konsequent mit ABCDE und Dermatoskopie beurteilen [Größe über 5-6 mm, asymmetrische Form, variable Pigmentierung, unregelmäßige Begrenzung]
- Spitz-Nävus (spindelzell-/epitheloidzellhaltiges Muttermal) – häufig rötliche, rosafarbene, braune oder schwarze, rasch entstandene, kuppelförmige Papel; bei Erwachsenen, Atypie, Asymmetrie oder Ulzeration dermatologische Abklärung [rasch entstandene Papel, rötliche oder stark pigmentierte Papel, Asymmetrie, Ulzeration]
- Reed-Nävus (stark pigmentiertes spindelzellhaltiges Muttermal) – meist dunkelbraune bis schwarze, symmetrische Papel oder Makula; dermatoskopisch häufig starburst-artiges Muster (sternförmiges Muster), bei Asymmetrie oder Wachstum abklärungsbedürftig [dunkelbraune bis schwarze Läsion, Asymmetrie, Wachstum]
- Blauer Nävus – blau-graue bis blau-schwarze, meist gut begrenzte Papel oder Knoten; neu aufgetretenes Wachstum, Irregularität (Unregelmäßigkeit) oder Ulzeration abklärungsbedürftig [blau-graue Papel, blau-schwarzer Knoten, Wachstum, Ulzeration]
- Halo-Nävus (Muttermal mit hellem Hof) – melanozytärer Nävus mit depigmentiertem Hof; gesamte Haut auf weitere depigmentierte Areale und morphologisch abweichende pigmentierte Läsionen inspizieren [depigmentierter Hof, morphologisch auffälliger zentraler Nävus, multiple Halo-Nävi]
- Nävus spilus (Sprenkelnaevus) – hellbraune Grundmakula mit multiplen dunkleren Makulae oder Papeln; neu entstandene asymmetrische, knotige oder farblich abweichende Areale gezielt beurteilen [dunklere Einzelläsion innerhalb der Grundmakula, neuer Knoten, Asymmetrie, Mehrfarbigkeit]
- Becker-Nävus (Becker-Muttermal) – meist einseitige, unregelmäßig begrenzte, braune Hyperpigmentierung (verstärkte Pigmentierung), häufig mit Hypertrichose; Beurteilung von Ausdehnung, Haarbesatz und begleitenden Hautveränderungen [braune Hyperpigmentierung, Hypertrichose, unregelmäßige Begrenzung]
- Nävus sebaceus (Talgdrüsennävus) – gelblich-orange, haarlose, plaqueartige Läsion, meist am Capillitium (behaarte Kopfhaut) oder Gesicht; im Verlauf auf papillomatöse Verdickung, neue Knoten, Erosion oder Blutung achten [gelblich-orange Plaque, Alopezie (Haarlosigkeit) im Areal, papillomatöse Verdickung, neuer Knoten, Erosion, Blutung]
- Epidermaler Nävus (Oberhautnävus) – lineare oder blaschkoide (entlang embryonaler Entwicklungslinien verlaufende), hautfarbene bis bräunliche, verruköse Plaques; Ausdehnung, Entzündung, Juckreiz, Fissuren (Einrisse) und sekundäre Reizung dokumentieren [lineare verruköse Plaques, Fissuren, Rötung, Krustenbildung]
- Naevus flammeus (Feuermal) – scharf oder unscharf begrenzte rötlich-livide (rötlich-bläuliche) vaskuläre Makula oder Plaque; Lokalisation, Ausdehnung, Gewebehypertrophie (Gewebevergrößerung) und okuläre/periorbitale Beteiligung (Beteiligung des Auges/der Augenregion) beurteilen [rötlich-livide Makula oder Plaque, Gewebehypertrophie, periorbitale Beteiligung]
- Untersuchung besonderer Lokalisationen – da hier klinische Fehleinschätzungen häufiger sind:
- Akral (an Handflächen und Fußsohlen gelegen) – Handflächen, Fußsohlen, Zehen- und Fingerzwischenräume vollständig inspizieren; pigmentierte Läsionen messen und dermatoskopisch beurteilen [akrale Pigmentmakula, unregelmäßige Pigmentierung, asymmetrische Begrenzung, Wachstum]
- Subungual (unter dem Nagel gelegen) – Längsmelanonychie nach Breite, Farbe, Rand, Parallelität, Nageldystrophie und periungualer Pigmentierung beurteilen [breiter werdendes Pigmentband, Mehrfarbigkeit, unscharfer Rand, Hutchinson-Zeichen, Nageldystrophie]
- Gesicht – lentiginöse (linsenfleckartige), melanozytäre (von Pigmentzellen ausgehende) und nichtmelanozytäre (nicht von Pigmentzellen ausgehende) Pigmentläsionen sorgfältig unterscheiden; unklare Läsionen dermatoskopisch und ggf. fachspezifisch beurteilen [graue Pigmentanteile, asymmetrische Pigmentierung, Strukturverlust, Ulzeration]
- Schleimhaut – Mund, Genitalregion und Perianalregion nur bei Einwilligung und klinischer Fragestellung; bei unklarer pigmentierter Schleimhautläsion keine rein visuelle Bagatellisierung [neu aufgetretene Pigmentmakula, Mehrfarbigkeit, Blutung, Erosion, Ulzeration]
- Behaarte Kopfhaut – wegen schlechter Einsehbarkeit immer aktiv untersuchen, insbesondere bei älteren Patienten, hoher UV-Exposition (starker Belastung durch ultraviolette Strahlung) oder unklaren Blutungs-/Krustenbefunden [pigmentierte Papel, Kruste, Blutung, Ulzeration, schwer abgrenzbare Pigmentläsion]
- Fotodokumentation (fotografische Dokumentation) und Verlaufskontrolle (Kontrolle im zeitlichen Verlauf) – Bestandteil einer reproduzierbaren Untersuchung:
- Klinische Übersichtsaufnahme – bei multiplen Nävi, atypischem Nävusmuster oder schwer kontrollierbaren Arealen [zahlreiche Nävi, atypisches Nävusmuster, schwer einsehbare Läsionen]
- Einzelläsionsfoto – mit Maßstab, Datum, Lokalisation und eindeutiger Zuordnung [kontrollbedürftige Läsion, Größenverlauf, Farbverlauf]
- Dermatoskopische Verlaufsaufnahme (auflichtmikroskopische Verlaufsaufnahme) – bei klinisch atypischer, aber initial nicht eindeutig exzisionspflichtiger Läsion (nicht eindeutig operativ zu entfernender Hautveränderung) durch geschulte Untersucher [atypische, initial nicht eindeutig maligne Läsion (bösartige Hautveränderung)]
- Verlaufsvergleich – Beurteilung von Größenzunahme, Formänderung, Farbänderung, neuer Asymmetrie, neuem Knoten, Regression (Rückbildung), Krustenbildung oder Blutung [Wachstum, neue Asymmetrie, Farbänderung, neuer Knoten, Regression, Kruste, Blutung]
- Keine undifferenzierte prophylaktische Entfernung (vorsorgliche Entfernung) aller Nävi – Indikation (Behandlungsgrund) ergibt sich aus klinischer, dermatoskopischer und ggf. histologischer Verdachtslage (feingeweblicher Verdachtslage) [klinisch suspekter Nävus, dermatoskopisch auffällige Läsion, morphologische Dynamik (Veränderung der Form im Verlauf)]
- Hautkrebsvorsorge/Gesundheitscheck (Früherkennungsuntersuchung der Haut/allgemeine Vorsorgeuntersuchung) – strukturierte Untersuchung im Rahmen der Früherkennung:
- Vollständige Inspektion der gesamten Haut und einsehbaren Schleimhäute [neu aufgetretene Pigmentläsion, asymmetrische Läsion, Blutung, Ulzeration]
- Erfassung von Gesamtzahl, Muster und Verteilung der Nävi [zahlreiche Nävi, atypisches Nävusmuster, ungleichmäßige Verteilung]
- Identifikation (Erkennung) von ABCDE-positiven Läsionen [Asymmetrie, unregelmäßige Begrenzung, Mehrfarbigkeit, Durchmesserzunahme, Evolution]
- Identifikation von Ugly-Duckling-Läsionen [deutlich abweichende Einzelläsion]
- Gezielte dermatoskopische Beurteilung auffälliger Läsionen, sofern der Untersucher darin geschult ist [atypisches Pigmentnetz, asymmetrisches Muster, unregelmäßige Globuli, Regression, atypische Gefäße]
- Bei unzureichender Beurteilbarkeit, klinischer Unsicherheit oder suspektem Befund zeitnahe dermatologische Vorstellung (Vorstellung beim Hautarzt) [nicht sicher einzuordnende Pigmentläsion, klinischer Malignitätsverdacht, rasch veränderte Läsion]
- Red Flags bei Nävus (Warnzeichen bei Muttermal) – Befunde, die eine zeitnahe dermatologische Abklärung erfordern:
- Neue pigmentierte Läsion im Erwachsenenalter mit Wachstumstendenz [neu aufgetretene und wachsende Pigmentläsion]
- Asymmetrie von Form, Farbe oder Struktur [asymmetrischer Nävus]
- Unregelmäßige, unscharfe, gezackte oder auslaufende Begrenzung [irregulärer Rand]
- Mehrfarbigkeit mit braunen, schwarzen, grauen, blauen, roten oder weißlichen Arealen [polychrome Pigmentierung (mehrfarbige Pigmentierung)]
- Rasche Größenzunahme oder neu entstandene Erhabenheit [rasches Wachstum, neue Papel, neuer Knoten]
- Neu entstandener Knoten innerhalb eines bestehenden Nävus [noduläre Transformation (knotige Umwandlung)]
- Ulzeration (Geschwürbildung), spontane Blutung, Krustenbildung oder persistierende Erosion [Ulzeration, Blutung, Kruste, Erosion]
- Neu auftretender Schmerz, Juckreiz oder Druckdolenz in Verbindung mit morphologischer Veränderung [Schmerz, Pruritus (Juckreiz), Druckdolenz, Form-/Farbveränderung]
- Einzelne Läsion, die deutlich vom übrigen Nävusmuster abweicht [Ugly-Duckling-Läsion]
- Irreguläre longitudinale Melanonychie, periunguale Pigmentierung oder Nageldystrophie [unregelmäßiges Pigmentband, Hutchinson-Zeichen, Nageldystrophie]
- Veränderung innerhalb eines großen kongenitalen melanozytären Nävus, insbesondere neue Knoten, Ulzeration oder fokale derbe Verdickung [neuer Knoten, Ulzeration, fokale derbe Verdickung]
In eckigen Klammern [ ] wird auf mögliche pathologische körperliche Befunde (krankhafte Untersuchungsbefunde) hingewiesen.