Restless-Legs-Syndrom – Differentialdiagnosen

Blut, blutbildende Organe – Immunsystem (D50-D90)

  • Eisenmangel ohne Anämie (Blutarmut) – häufige und obligat zu prüfende sekundäre Ursache beziehungsweise Verstärkungsursache von RLS-Beschwerden (Restless-Legs-Syndrom-Beschwerden)
  • Eisenmangelanämie – relevante sekundäre Ursache beziehungsweise Verstärkungsursache eines RLS; Abgrenzung gegen andere Ursachen von Missempfindungen und Bewegungsdrang der Beine

Endokrine, Ernährungs- und Stoffwechselkrankheiten (E00-E90)

  • Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) mit diabetischer Polyneuropathie (Nervenschädigung durch Zuckerkrankheit) – brennende, schmerzhafte oder sensible Beschwerden der Beine, die ein RLS imitieren oder mit diesem koexistieren können
  • Folsäuremangel – differentialdiagnostisch relevant bei sensiblen Beschwerden, insbesondere im Kontext einer Polyneuropathie (Nervenschädigung) oder Anämie
  • Hypothyreose (Schilddrüsenunterfunktion) – kann mit Müdigkeit, Myalgien (Muskelschmerzen), Parästhesien (Missempfindungen) und polyneuropathieassoziierten Beschwerden ein RLS imitieren oder verstärken
  • Vitamin-B12-Mangel – differentialdiagnostisch relevant bei sensiblen Beschwerden und Polyneuropathie; Abgrenzung gegen primäres RLS erforderlich

Herzkreislaufsystem (I00-I99)

  • Chronisch venöse Insuffizienz (dauerhafte Venenschwäche) – Beinbeschwerden, Schweregefühl, Spannungsgefühl und nächtliche Beschwerden; Abgrenzung gegen bewegungsabhängig gebessertes RLS
  • Periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK) (Durchblutungsstörung der Beine) – belastungsabhängige Beinschmerzen, Ruheschmerz bei fortgeschrittener Ischämie (Minderdurchblutung); keine typische zirkadiane RLS-Symptomatik (tageszeitabhängige RLS-Beschwerden)

Mund, Ösophagus (Speiseröhre), Magen und Darm (K00-K67; K90-K93)

  • Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (dauerhaft entzündliche Darmerkrankungen) – mögliche sekundäre Verstärkungsursache über Eisenmangel, Entzündung, Malabsorption (gestörte Nährstoffaufnahme) oder Anämie
  • Zöliakie (Glutenunverträglichkeit) – mögliche sekundäre Ursache über Eisenmangel, Vitaminmangel, Malabsorption oder Polyneuropathie

Muskel-Skelett-System und Bindegewebe (M00-M99)

  • Arthrose (Gelenkverschleiß) – belastungs- oder lageabhängige Gelenkschmerzen der unteren Extremität (Beine); Abgrenzung gegen imperativen Bewegungsdrang mit Besserung durch Bewegung
  • Fibromyalgiesyndrom (Faser-Muskel-Schmerz-Syndrom) – generalisierte Schmerzen, Schlafstörung und Missempfindungen; kann RLS imitieren oder mit RLS koexistieren
  • Lumbosakrale Radikulopathie (Nervenwurzelreizung im unteren Rücken) – dermatombezogene Schmerzen, Parästhesien oder neurologische Ausfälle; Abgrenzung gegen bilaterale (beidseitige), ruheabhängige und abendlich/nächtlich betonte RLS-Symptomatik
  • Myalgie – muskuläre Schmerzen ohne typischen Bewegungsdrang und ohne obligate Besserung durch Bewegung
  • Rheumatoide Arthritis (entzündliches Gelenkrheuma) – entzündliche Gelenkbeschwerden und Schmerzen; differentialdiagnostisch bei nächtlicher Unruhe oder Beinbeschwerden zu berücksichtigen, jedoch kein typisches RLS-Mimic (RLS-Nachahmer)

Psyche – Nervensystem (F00-F99; G00-G99)

  • Akathisie (Sitzunruhe) – medikamentös oder neurologisch bedingte motorische Sitz- und Bewegungsunruhe; meist generalisierter, nicht auf die Beine begrenzter Bewegungsdrang und weniger typische Abend-/Nachtbetonung
  • Angststörungen mit psychomotorischer Unruhe (seelisch-körperliche Unruhe) – innere Unruhe ohne typische sensible Beinmissempfindungen und ohne obligate Besserung durch Bewegung
  • Einschlafmyoklonien (Muskelzuckungen beim Einschlafen) – kurze physiologische oder schlafbezogene Muskelzuckungen beim Einschlafen ohne anhaltenden Bewegungsdrang
  • Lumbale Spinalkanalstenose (Einengung des Wirbelkanals im unteren Rücken) – belastungsabhängige neurogene Claudicatio (nervenbedingtes Hinken) mit Besserung im Sitzen oder bei Rumpfbeugung; Abgrenzung gegen Ruhe- und Nachtbetonung des RLS
  • Multiple Sklerose (MS) (entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems) – sensible Beschwerden, Spastik (Muskelverkrampfung) oder schmerzhafte Dysästhesien (schmerzhafte Missempfindungen) der Beine; RLS kann komorbid auftreten, muss aber von neurologischen Ausfallsymptomen abgegrenzt werden
  • Myelopathien (Rückenmarkserkrankungen) – Rückenmarkserkrankungen mit sensiblen Störungen, Spastik, Gangstörung oder Blasenfunktionsstörung; Abgrenzung gegen primäres RLS erforderlich
  • Parkinson-Syndrom (Schüttellähmung) – kann mit Beinunruhe, Akathisie, Schmerzen oder RLS-assoziierten Beschwerden einhergehen; Abgrenzung gegen Tremor (Zittern), Rigor (Muskelsteifigkeit), Bradykinese (Bewegungsverlangsamung) und Off-Phänomene erforderlich
  • Periodic Limb Movement Disorder (PLMD) (periodische Beinbewegungsstörung im Schlaf) – periodische Beinbewegungen im Schlaf mit Schlafstörung oder Tagesschläfrigkeit, jedoch ohne typischen wachen Bewegungsdrang und ohne typische sensible RLS-Beschwerden
  • Polyneuropathie – brennende, kribbelnde oder schmerzhafte sensible Beschwerden, meist distal-symmetrisch (körperfern und beidseitig); Beschwerden werden nicht obligat durch Bewegung gebessert
  • Schlafapnoe-Syndrom (Atemaussetzer im Schlaf) – schlafbezogene Atmungsstörung mit Insomnie (Schlaflosigkeit), Tagesschläfrigkeit und fragmentiertem Schlaf; kann RLS- beziehungsweise Periodic-Limb-Movement-Beschwerden verstärken oder imitieren
  • Spinozerebelläre Ataxie, insbesondere Typ 3 (erbliche Bewegungskoordinationsstörung) – neurodegenerative Erkrankung mit Ataxie (Koordinationsstörung) und möglicher RLS-Assoziation; neurologische Zusatzsymptome wegweisend

Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett (O00-O99)

  • Schwangerschaftsassoziiertes RLS (schwangerschaftsbedingtes RLS) – sekundäres beziehungsweise vorübergehendes RLS, besonders im zweiten und dritten Trimenon (Schwangerschaftsdrittel); Eisenstatus, Nierenfunktion und neurologische Begleitsymptome prüfen

Symptome und abnorme klinische und Laborbefunde, die anderenorts nicht klassifiziert sind (R00-R99)

  • Lagebedingte Beschwerden der Beine – positionsabhängige Missempfindungen ohne typische zirkadiane Rhythmik und ohne obligaten Bewegungsdrang
  • Schlaflosigkeit anderer Ursache – Ein- oder Durchschlafstörung ohne typische RLS-Kernkriterien
  • Wadenkrämpfe – schmerzhafte, tastbare Muskelkontraktionen, meist abrupt auftretend und durch Dehnung besserbar; kein typischer Bewegungsdrang wie bei RLS

Urogenitalsystem (Nieren, Harnwege – Geschlechtsorgane) (N00-N99)

  • Chronische Niereninsuffizienz (dauerhafte Nierenschwäche) – relevante sekundäre Ursache eines RLS, insbesondere bei fortgeschrittener Nierenfunktionseinschränkung oder Dialysepflichtigkeit (Notwendigkeit der Blutwäsche)
  • Urämische Polyneuropathie (Nervenschädigung bei fortgeschrittener Nierenschwäche) – sensible Beschwerden bei fortgeschrittener Niereninsuffizienz; Abgrenzung gegen sekundäres RLS und gegen primäre Polyneuropathien erforderlich

Medikamente

  • Antidepressiva (Medikamente gegen Depressionen), insbesondere selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) (bestimmte Medikamente gegen Depressionen), Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SNRI) (bestimmte Medikamente gegen Depressionen) und trizyklische Antidepressiva (bestimmte ältere Medikamente gegen Depressionen) – können RLS-Beschwerden auslösen oder verstärken
  • Dopaminantagonisten (Medikamente, die die Dopaminwirkung hemmen), insbesondere Antipsychotika (Medikamente gegen Psychosen) und Metoclopramid (Medikament gegen Übelkeit) – können Akathisie auslösen und RLS-ähnliche Beschwerden verursachen
  • Lithium (Medikament zur Stimmungsstabilisierung) – kann Bewegungsunruhe, Tremor oder RLS-ähnliche Beschwerden begünstigen
  • Opioidentzug (Entzug von starken Schmerzmitteln) oder sedativaassoziierter Entzug (Entzug von Beruhigungsmitteln) – motorische Unruhe und Schlafstörung; Abgrenzung gegen primäres RLS erforderlich
  • Sedierende Antihistaminika (müde machende Allergiemedikamente) – können RLS-Beschwerden verstärken oder schlafbezogene Unruhe begünstigen

Umweltbelastungen – Intoxikationen (Vergiftungen)

  • Alkoholkonsum – kein eigenständiges Differenzialdiagnosebild, aber möglicher Verstärkungsfaktor für Schlafstörung, Polyneuropathie und RLS-ähnliche Beschwerden
  • Koffeinkonsum – kein eigenständiges Differenzialdiagnosebild, aber möglicher Verstärkungsfaktor für Schlafstörung und subjektive motorische Unruhe
  • Nikotinkonsum – kein eigenständiges Differenzialdiagnosebild, aber möglicher Verstärkungsfaktor für Schlafstörung und Unruhesymptomatik