Präeklampsie/Eklampsie – Prävention

Präeklampsie (Schwangerschaftsvergiftung mit Bluthochdruck) ist eine schwangerschaftsspezifische Multisystemerkrankung (Erkrankung mehrerer Organsysteme), die typischerweise nach der 20. Schwangerschaftswoche auftritt und durch neu auftretende arterielle Hypertonie (Bluthochdruck) mit Proteinurie (Eiweißausscheidung im Urin), maternaler Organmanifestation (mütterlicher Organbeteiligung) und/oder uteroplazentarer Dysfunktion (Funktionsstörung von Gebärmutter und Mutterkuchen) gekennzeichnet ist. Eklampsie (Krampfanfallserkrankung bei Präeklampsie) bezeichnet das Auftreten generalisierter tonisch-klonischer Krampfanfälle (Krampfanfälle des ganzen Körpers mit Anspannung und Zuckungen) bei Präeklampsie, die nicht durch eine andere neurologische Ursache (Ursache im Nervensystem) erklärt werden können [LL1-LL3].

Zur Prävention der Präeklampsie/Eklampsie muss auf eine frühzeitige Risikostratifizierung (Einschätzung des Erkrankungsrisikos), die Reduktion modifizierbarer Risikofaktoren (beeinflussbarer Krankheitsrisiken), eine leitliniengerechte Schwangerschaftsvorsorge sowie bei erhöhtem Risiko auf eine gezielte medikamentöse Prophylaxe (vorbeugende Behandlung mit Medikamenten) geachtet werden [1-3, LL1-LL3]. Eine vollständige Verhinderung der Präeklampsie ist derzeit nicht sicher möglich; präventive Maßnahmen können jedoch insbesondere das Risiko früher bzw. schwerer Verlaufsformen senken [2, 3, LL1-LL3].

Verhaltensbedingte Risikofaktoren

Bei der Präeklampsie/Eklampsie sind verhaltensbedingte Risikofaktoren vor allem über kardiometabolische Belastung (Belastung von Herz-Kreislauf-System und Stoffwechsel), chronische Hypertonie (dauerhafter Bluthochdruck), Insulinresistenz (verminderte Wirkung des Blutzuckerhormons Insulin), endotheliale Dysfunktion (gestörte Funktion der Gefäßinnenwand) und Versorgungsbarrieren präventionsmedizinisch relevant.

  • Ernährung
    • Ungünstige Ernährungsmuster sind kein spezifischer Einzel-Auslöser der Präeklampsie, können jedoch indirekt über Übergewicht, Adipositas (Fettleibigkeit), Insulinresistenz, Hypertonie und metabolische Dysfunktion (Stoffwechselstörung) das Risiko hypertensiver Schwangerschaftserkrankungen (Schwangerschaftserkrankungen mit Bluthochdruck) erhöhen [1, LL1-LL3].
    • Eine unausgewogene, energiedichte Ernährung mit exzessiver Gewichtszunahme ist insbesondere bei vorbestehendem Übergewicht, Adipositas, Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit), chronischer Hypertonie oder ungünstiger kardiometabolischer Ausgangslage präventionsrelevant [1, LL1-LL3].
  • Ungesunde Ernährung
    • Stark verarbeitete, salzreiche, zuckerreiche oder energiedichte Lebensmittel sind nicht als eigenständige spezifische Präeklampsieursachen belegt, können jedoch indirekt über Gewichtszunahme, Blutdruckbelastung und metabolische Dysfunktion zur Risikokonstellation (Risikozusammensetzung) beitragen [1, LL1-LL3].
    • Eine spezifische Präeklampsieprävention allein durch ein einzelnes Ernährungsmuster ist nicht gesichert; empfohlen wird eine schwangerschaftsadaptierte, kardiometabolisch günstige Ernährung im Rahmen der allgemeinen Risikoreduktion [LL1-LL3].
  • Mikronährstoffmangel (Mangel an wichtigen Nährstoffen)
    • Niedrige Calciumzufuhr (geringe Aufnahme von Calcium über die Nahrung) ist präventionsmedizinisch differenziert zu bewerten. Calcium-Supplementation (ergänzende Calcium-Einnahme) kann bei niedriger diätetischer Calciumaufnahme relevant sein; die aktuelle Evidenz (wissenschaftliche Beweislage) ist jedoch heterogen, und der Nutzen hängt wahrscheinlich von Ausgangs-Calciumzufuhr, Dosis, Zielpopulation und Studiendesign ab [4, LL1-LL3].
    • Calcium-Supplementation sollte daher nicht als universelle Standardprophylaxe für alle Schwangeren dargestellt werden. Eine risikoadaptierte Bewertung kann bei niedriger Calciumzufuhr, besonderem Risikoprofil und unter Berücksichtigung von Nierensteinanamnese (Vorgeschichte mit Nierensteinen), Calciumstoffwechsel und Begleitmedikation erfolgen [4, LL1-LL3].
    • Für Vitamin C, Vitamin E, Fischöl/Omega-3-Fettsäuren, Knoblauch, Salzrestriktion (Salzbeschränkung) oder Folsäure über die übliche Schwangerschaftsversorgung hinaus besteht keine gesicherte spezifische Standardempfehlung zur Präeklampsieprävention [LL1-LL3].
  • Genussmittelkonsum
    • Genussmittelkonsum ist nicht als klassische spezifische Präeklampsieursache einzuordnen, kann jedoch über Blutdruckbelastung, fetomaternale Risiken (Risiken für Mutter und Kind), Plazentafunktion (Funktion des Mutterkuchens) und kardiometabolische Vulnerabilität (erhöhte Anfälligkeit von Herz-Kreislauf-System und Stoffwechsel) klinisch relevant sein [LL1-LL3].
  • Rauchen
    • Rauchen darf trotz teils inkonsistenter epidemiologischer Assoziationen (uneinheitlicher bevölkerungsbezogener Zusammenhänge) niemals als protektiver Faktor interpretiert werden. Wegen erheblicher fetomaternaler Risiken ist Nikotinverzicht in der Schwangerschaft obligat [LL1-LL3].
    • Nikotinexposition (Kontakt mit Nikotin) erhöht unter anderem das Risiko für fetale Wachstumsrestriktion (Wachstumsverzögerung des ungeborenen Kindes), Plazentakomplikationen (Komplikationen des Mutterkuchens), Frühgeburtlichkeit und langfristige kardiovaskuläre Risiken (Herz-Kreislauf-Risiken); postpartal (nach der Geburt) ist Nikotinverzicht Bestandteil der kardiovaskulären Langzeitprävention [5, LL1-LL3].
  • Alkoholkonsum
    • Alkohol ist keine spezifische klassische Präeklampsieursache, gehört aber wegen fetaler, maternaler und psychosozialer Risiken zu den konsequent zu vermeidenden Expositionen (Einwirkungen) in der Schwangerschaft [LL1-LL3].
    • Alkoholverzicht ist Bestandteil der allgemeinen Schwangerschaftsprävention und sollte insbesondere bei zusätzlicher Hypertonie, psychischer Belastung, unzureichender Versorgungskontinuität oder Substanzkonsum aktiv thematisiert werden [LL1-LL3].
  • Körperliche Aktivität
    • Regelmäßige schwangerschaftsadaptierte körperliche Aktivität ist bei fehlenden Kontraindikationen (Gegenanzeigen) empfehlenswert und kann kardiometabolische Risikofaktoren günstig beeinflussen [LL1-LL4].
    • Art, Intensität und Umfang der Bewegung müssen an Gestationsalter (Schwangerschaftsalter), Trainingszustand, Blutdruck, geburtshilfliche Situation und Komorbiditäten (Begleiterkrankungen) angepasst werden [LL1-LL4].
  • Körperliche Inaktivität
    • Fehlende regelmäßige körperliche Aktivität kann das Risiko hypertensiver Schwangerschaftserkrankungen indirekt über Gewichtszunahme, Insulinresistenz, Blutdruckbelastung und metabolische Dysfunktion erhöhen [1, LL1-LL4].
    • Bettruhe ist keine präventive Standardmaßnahme gegen Präeklampsie und kann Thromboserisiko (Risiko für Blutgerinnsel), Dekonditionierung (Verlust körperlicher Leistungsfähigkeit) und psychosoziale Belastung erhöhen; Einschränkungen körperlicher Aktivität müssen geburtshilflich begründet sein [LL1-LL4].
  • Psychosoziale Situation
    • Chronische psychosoziale Belastung, geringe soziale Unterstützung, belastende Lebensumstände und eingeschränkter Zugang zu kontinuierlicher Schwangerschaftsvorsorge können risikomodifizierend wirken und ungünstige maternale sowie perinatale Verläufe (Verläufe um die Geburt herum) begünstigen [5, LL1-LL3].
    • Versorgungsbarrieren sind präventionsmedizinisch relevant, weil sie Blutdruckkontrollen, Laborüberwachung, Medikamentenadhärenz (regelmäßige Einnahme der verordneten Medikamente), Warnsymptom-Erkennung und postpartale Nachsorge erschweren können [5, LL1-LL3].
  • Chronischer Stress
    • Chronischer Stress ist kein isolierter spezifischer Auslöser der Präeklampsie, kann aber insbesondere bei Schlafstörung, ungünstiger kardiometabolischer Ausgangslage, geringer sozialer Unterstützung oder eingeschränkter Versorgungskontinuität risikomodifizierend wirken [5, LL1-LL3].
    • Stressreduktion, psychosoziale Unterstützung und strukturierte Versorgung sind daher als unterstützende präventive Maßnahmen einzuordnen, nicht als Ersatz für Risikostratifizierung, Blutdruckkontrolle oder ASS-Prophylaxe bei entsprechender Indikation (medizinischer Begründung) [5, LL1-LL3].
  • Übergewicht (BMI ≥ 25)
    • Übergewicht und insbesondere Adipositas mit BMI (Körpermasseindex) ≥ 30 kg/m² gehören zu den am besten belegten klinischen Risikofaktoren für Präeklampsie [1, LL1-LL3].
    • Pathophysiologisch (die Krankheitsentstehung betreffend) relevant sind Insulinresistenz, chronische niedriggradige Inflammation (dauerhafte leichte Entzündung), endotheliale Dysfunktion, Blutdruckbelastung und kardiometabolische Vulnerabilität [1, LL1-LL3].
    • Eine präkonzeptionelle Gewichtsoptimierung (Gewichtsverbesserung vor der Schwangerschaft) sowie eine strukturierte Beratung zu Ernährung, Bewegung und angemessener Gewichtszunahme in der Schwangerschaft sind zentrale präventionsmedizinische Maßnahmen [1, LL1-LL4].
  • Schlafqualität
    • Schlafmangel und Schichtarbeit sind keine isolierten kausalen Präeklampsiefaktoren, können jedoch bei gleichzeitiger Adipositas, chronischer Hypertonie, metabolischer Belastung oder psychosozialem Stress klinisch relevant sein [LL1-LL3].
    • Bei Adipositas, schwer einstellbarer Hypertonie, Tagesmüdigkeit, Schnarchen oder nächtlichen Atempausen sollte an eine obstruktive Schlafapnoe (nächtliche Atemaussetzer durch verengte Atemwege) gedacht werden, da diese mit kardiometabolischer und hypertensiver Belastung assoziiert ist [LL1-LL3].
  • Drogenkonsum
    • Kokain, Amphetamine und andere sympathomimetisch wirksame Substanzen (Substanzen mit aktivierender Wirkung auf das Stressnervensystem) sind keine klassischen spezifischen Präeklampsieursachen, aber klinisch relevant durch Blutdruckanstieg, Vasokonstriktion (Gefäßverengung), Plazentalösung (vorzeitige Ablösung des Mutterkuchens), Krampfanfälle und präeklampsieähnliche Notfallkonstellationen [LL1-LL3].
    • Drogenverzicht, Suchthilfe, psychosoziale Stabilisierung und interdisziplinäre Betreuung (Betreuung durch mehrere Fachrichtungen) sind in der Schwangerschaft erforderlich, wenn substanzassoziierte hypertensive oder neurologische Risiken bestehen [LL1-LL3].

Präventionsfaktoren (Schutzfaktoren)

Zur Prävention der Präeklampsie/Eklampsie muss auf eine Reduktion individueller Risikofaktoren, eine frühzeitige Erkennung von Hochrisikokonstellationen und eine risikoadaptierte Schwangerschaftsvorsorge geachtet werden.

  • Ernährung – Eine schwangerschaftsadaptierte, kardiometabolisch günstige Ernährung mit Vermeidung exzessiver Gewichtszunahme ist insbesondere bei Übergewicht, Adipositas, chronischer Hypertonie, Diabetes mellitus oder ungünstiger kardiometabolischer Ausgangslage relevant [1, LL1-LL3].
  • Mikronährstoffe – Calcium ist nur differenziert zu bewerten; bei niedriger diätetischer Calciumzufuhr kann eine risikoadaptierte Beratung erfolgen, eine universelle Calcium-Supplementation zur Präeklampsieprävention ist nach aktueller Evidenz nicht als pauschale Standardmaßnahme zu formulieren [4, LL1-LL3].
  • Genussmittelkonsum – Nikotinverzicht, Alkoholverzicht und Verzicht auf sympathomimetisch wirksame Drogen sind wegen fetomaternaler Risiken obligat [LL1-LL3].
  • Körperliche Aktivität – Regelmäßige moderate, schwangerschaftsadaptierte Bewegung ist bei fehlenden Kontraindikationen empfehlenswert und unterstützt Gewichtskontrolle, Blutdruckregulation und metabolische Stabilität [LL1-LL4].
  • Präkonzeptionelle Optimierung – Vor einer Schwangerschaft sollten chronische Hypertonie, Diabetes mellitus, chronische Nierenkrankheit, Autoimmunerkrankungen (Erkrankungen mit Fehlsteuerung des Immunsystems), Antiphospholipid-Syndrom (Autoimmunerkrankung mit erhöhter Gerinnungsneigung) und Adipositas möglichst stabil eingestellt bzw. interdisziplinär betreut werden [1, LL1-LL3].
  • Risikostratifizierung im 1. Trimenon (erstes Schwangerschaftsdrittel) – Anamnese (Krankengeschichte), Blutdruckmessung, klinische Risikofaktoren und bei Verfügbarkeit multimodales Präeklampsie-Screening (kombinierte Früherkennungsuntersuchung auf Präeklampsie) können zur Identifikation von Patientinnen mit erhöhtem Risiko beitragen [1-3, LL1-LL3].
  • Acetylsalicylsäure (ASS) (niedrig dosiertes Aspirin) – Bei erhöhtem Präeklampsierisiko ist eine niedrig dosierte ASS-Prophylaxe leitliniengerecht zu prüfen; der präventive Nutzen betrifft insbesondere frühe bzw. präterm auftretende Präeklampsie (vor der 37. Schwangerschaftswoche auftretende Präeklampsie) [2, 3, LL1-LL3].
  • Kontinuierliche Schwangerschaftsvorsorge – Regelmäßige Blutdruckmessung, Urinstatus bzw. Proteinurie-Diagnostik (Untersuchung auf Eiweiß im Urin) bei Indikation, laborchemische Kontrolle (Kontrolle von Blutwerten) bei Verdacht auf Organbeteiligung und fetale Überwachung (Überwachung des ungeborenen Kindes) sind zentrale Schutzfaktoren gegen verspätete Diagnosestellung und schwere Verläufe [LL1-LL3].

Primärprävention

Die Primärprävention (Vorbeugung vor Erkrankungsbeginn) der Präeklampsie/Eklampsie richtet sich an Patientinnen vor Auftreten einer hypertensiven Schwangerschaftserkrankung und soll das Erkrankungsrisiko bzw. das Risiko früher und schwerer Verlaufsformen senken.

  • Präkonzeptionelle Beratung
    • Erfassung früherer Präeklampsie, Eklampsie, HELLP-Syndrom (schwere Schwangerschaftskomplikation mit Blutzerfall, erhöhten Leberwerten und niedrigen Blutplättchen), fetaler Wachstumsrestriktion, Plazentalösung, intrauterinem Fruchttod (Tod des ungeborenen Kindes im Mutterleib), Frühgeburtlichkeit und relevanter Familienanamnese [1, LL1-LL3].
    • Optimierung von Blutdruck, Körpergewicht, Glukosestoffwechsel (Blutzuckerstoffwechsel), Nierenfunktion und Autoimmunerkrankungen vor Konzeption (Empfängnis) [1, LL1-LL3].
    • Überprüfung potenziell kontraindizierter oder ungünstiger Medikamente vor Schwangerschaftseintritt, insbesondere bei chronischer Hypertonie, Nierenerkrankung oder Autoimmunerkrankung [LL1-LL3].
  • Risikostratifizierung im frühen Schwangerschaftsverlauf
    • Erfassung von Hochrisikofaktoren wie frühere Präeklampsie, chronische Hypertonie, chronische Nierenkrankheit, Diabetes mellitus Typ 1 oder Typ 2, systemischer Lupus erythematodes (entzündliche Autoimmunerkrankung), Antiphospholipid-Syndrom und Mehrlingsschwangerschaft [1, LL1-LL3].
    • Erfassung moderater Risikofaktoren wie Erstschwangerschaft, maternales Alter ≥ 35-40 Jahre, BMI ≥ 30 kg/m², familiäre Präeklampsiebelastung, assistierte Reproduktion (künstliche Befruchtung) und ungünstige kardiometabolische Ausgangslage [1, LL1-LL3].
    • Bei Verfügbarkeit kann ein kombiniertes First-Trimester-Screening (Früherkennungsuntersuchung im ersten Schwangerschaftsdrittel) mit maternalen Faktoren, mittlerem arteriellem Blutdruck, angiogenen Markern (Blutwerten zur Gefäß- und Plazentafunktion) und Dopplersonographie (Ultraschalluntersuchung der Blutflüsse) zur Identifikation eines erhöhten Risikos für frühe Präeklampsie eingesetzt werden [2, LL1-LL3].
  • ASS-Prophylaxe bei erhöhtem Risiko
    • Bei entsprechender Risikokonstellation soll niedrig dosierte Acetylsalicylsäure möglichst im späten 1. Trimenon bzw. vor 16 Schwangerschaftswochen begonnen werden [2, 3, LL1-LL3].
    • Die Dosierung richtet sich nach nationaler Leitlinie, individueller Risikokonstellation, Blutungsrisiko und Verfügbarkeit; international werden häufig 150 mg/Tag verwendet, während in Deutschland je nach Leitlinienkontext und Präparateverfügbarkeit auch 100 mg/Tag eingesetzt werden [2, 3, LL1-LL3].
    • ASS ist eine Prophylaxe bei erhöhtem Risiko und keine Therapie einer manifesten Präeklampsie (bereits bestehenden Präeklampsie) [LL1-LL3].
    • Kontraindikationen, Blutungsrisiko, gastrointestinale Unverträglichkeit (Unverträglichkeit im Magen-Darm-Bereich), geplante geburtshilfliche Interventionen (Eingriffe) und individuelle Risikofaktoren sind zu berücksichtigen [LL1-LL3].
  • Calcium bei niedriger Zufuhr
    • Calcium-Supplementation ist nicht als universelle Standardprophylaxe für alle Schwangeren darzustellen [4].
    • Bei niedriger diätetischer Calciumzufuhr kann eine individuelle Ernährungsberatung und gegebenenfalls risikoadaptierte Supplementationsentscheidung erfolgen; die aktuelle Evidenz ist jedoch heterogen, und der Nutzen hängt wahrscheinlich von Ausgangs-Calciumzufuhr, Dosis, Zielpopulation und Studiendesign ab [4, LL1-LL3].
  • Lebensstilmaßnahmen
    • Empfohlen sind Gewichtsoptimierung vor Schwangerschaft, Vermeidung exzessiver Gewichtszunahme, regelmäßige schwangerschaftsadaptierte Bewegung, Nikotinverzicht, Alkoholverzicht und Drogenverzicht [1, 5, LL1-LL4].
    • Lebensstilmaßnahmen ersetzen bei Hochrisikokonstellation keine ASS-Prophylaxe und keine leitliniengerechte Schwangerschaftsüberwachung [LL1-LL3].

Sekundärprävention

Die Sekundärprävention (Früherkennung und Behandlung früher Krankheitszeichen) richtet sich an Patientinnen mit ersten Symptomen (Krankheitszeichen) oder frühen Hinweisen auf Präeklampsie/Eklampsie, um eine Verschlechterung zu verhindern und gezielt zu behandeln.

  • Früherkennung und Diagnostik (Untersuchungen zur Feststellung einer Erkrankung)
    • Abklärung neu auftretender Hypertonie ab 20 Schwangerschaftswochen, Proteinurie, Kopfschmerzen, Sehstörungen, rechtsbetonten Oberbauchschmerzen, Übelkeit/Erbrechen, Dyspnoe (Atemnot), Oligurie/Anurie (stark verminderte oder fehlende Urinausscheidung), plötzlichen Ödemen (Wassereinlagerungen), neurologischen Symptomen oder verminderter Kindsbewegung [LL1–
    • Postpartal müssen neu auftretende Kopfschmerzen, Sehstörungen, Dyspnoe, Oberbauchschmerzen, neurologische Symptome oder Blutdruckanstieg ebenfalls als mögliche Hinweise auf postpartale Präeklampsie/Eklampsie abgeklärt werden [5, LL1-LL3].
  • Laborparameter (Blut- und Urinwerte)
    • Blutbild mit Thrombozytenzahl (Zahl der Blutplättchen) zur Erfassung von Thrombozytopenie (Mangel an Blutplättchen) bzw. HELLP-Syndrom [LL1-LL3].
    • Transaminasen (Leberwerte), Lactatdehydrogenase (Enzymwert bei Zellschädigung), Bilirubin (Gallenfarbstoff) und Hämolyseparameter (Werte für Blutzerfall) bei Verdacht auf hepatische Beteiligung (Leberbeteiligung) oder HELLP-Syndrom [LL1-LL3].
    • Kreatinin (Nierenwert), geschätzte glomeruläre Filtrationsrate (geschätzte Filterleistung der Niere), Harnstoff, Elektrolyte (Blutsalze) und Urinstatus zur Beurteilung renaler Beteiligung (Nierenbeteiligung) [LL1-LL3].
    • Proteinurie-Diagnostik mittels Protein/Kreatinin-Quotient (Verhältnis von Eiweiß zu Kreatinin im Urin), Albumin/Kreatinin-Quotient (Verhältnis von Albumin zu Kreatinin im Urin) oder 24-Stunden-Sammelurin entsprechend lokalem Standard und klinischer Situation [LL1-LL3].
    • Angiogene Marker, insbesondere sFlt-1/PlGF-Quotient (Verhältnis zweier Plazenta- und Gefäßmarker) oder PlGF (Plazenta-Wachstumsfaktor), können bei Verdacht auf Präeklampsie zur diagnostischen Einordnung und kurzfristigen Risikostratifizierung beitragen, abhängig von Gestationsalter, Verfügbarkeit und Leitlinienkontext [LL1-LL3].
    • Gerinnungsdiagnostik (Untersuchung der Blutgerinnung) bei schwerem Verlauf, Blutungszeichen, Plazentalösung, disseminierter intravasaler Gerinnung (schwere Gerinnungsstörung mit Blutgerinnseln in kleinen Gefäßen) oder geplanter Intervention [LL1-LL3].
  • Bildgebung
    • Sonographische Kontrolle (Ultraschallkontrolle) des fetalen Wachstums, der Fruchtwassermenge und der Plazentasituation bei Verdacht auf uteroplazentare Dysfunktion [LL1-LL3].
    • Dopplersonographie der uterinen, umbilikalen und fetalen Gefäße (Gefäße der Gebärmutter, Nabelschnur und des ungeborenen Kindes) bei Verdacht auf Plazentainsuffizienz (unzureichende Funktion des Mutterkuchens), fetale Wachstumsrestriktion oder schweren Verlauf [LL1-LL3].
    • Magnetresonanztomographie (MRT; Schnittbilduntersuchung mit Magnetfeld) oder Computertomographie (CT; Röntgen-Schnittbilduntersuchung) sind keine Routineverfahren der Präeklampsiediagnostik, können aber bei neurologischen Symptomen, Verdacht auf intrakranielle Blutung (Blutung im Schädelinneren), zerebrale Venenthrombose (Blutgerinnsel in Hirnvenen), posterior reversibles Enzephalopathiesyndrom (vorübergehende Gehirnfunktionsstörung, häufig im Hinterkopfbereich) oder andere Differentialdiagnosen (mögliche andere Ursachen) indiziert sein [LL1-LL3].
  • Funktionstests
    • Standardisierte Blutdruckmessung mit geeigneter Manschettengröße, wiederholten Messungen und ggf. häuslicher Blutdruckselbstmessung bzw. ambulanter Blutdruckmessung bei diagnostischer Unsicherheit [LL1-LL3].
    • Kardiotokographie (CTG; Aufzeichnung von kindlicher Herzfrequenz und Wehentätigkeit) und fetale Überwachung entsprechend Gestationsalter, maternaler Situation und fetalem Risiko [LL1-LL3].
    • Klinische neurologische Untersuchung bei Kopfschmerzen, Sehstörungen, Hyperreflexie (gesteigerten Reflexen), Krampfereignis oder Bewusstseinsstörung [LL1-LL3].
  • Lebensstiländerungen
    • Ruhige Umgebung, Reduktion akuter Belastung, Vermeidung körperlicher Überforderung und engmaschige Kontrolle ersetzen keine medizinische Therapie, können aber unterstützend zur Stabilisierung beitragen [LL1-LL3].
    • Ernährung, Bewegung und Reduktion von Genussmitteln bleiben relevant, stehen bei manifester Präeklampsie jedoch hinter Blutdruckkontrolle, maternaler und fetaler Überwachung sowie geburtshilflicher Entscheidungsfindung zurück [LL1-LL3].
  • Therapieansätze
    • Antihypertensive Therapie (blutdrucksenkende Behandlung) bei schwerer Hypertonie bzw. entsprechend Leitlinie zur Vermeidung maternaler Komplikationen wie Schlaganfall, Lungenödem (Wasseransammlung in der Lunge), Nierenversagen und Plazentalösung [LL1-LL3].
    • Magnesiumsulfat (krampfvorbeugendes Medikament) bei Eklampsie und bei Präeklampsie mit hohem Krampfrisiko bzw. schwerem Verlauf zur Krampfprophylaxe bzw. Krampftherapie [LL1-LL3].
    • Antenatale Kortikosteroide (Kortisonpräparate vor der Geburt) zur fetalen Lungenreifung bei drohender Frühgeburt entsprechend Gestationsalter und geburtshilflicher Situation [LL1-LL3].
    • Rechtzeitige Entbindung ist die definitive kausale Therapie (ursächliche Behandlung) der Präeklampsie; Zeitpunkt und Modus richten sich nach Gestationsalter, maternaler Stabilität, fetalem Zustand und Schweregrad [LL1-LL3].
    • Bewegungstherapie, Physio- oder Ergotherapie (Behandlungsformen zur Wiederherstellung von Bewegung und Alltagsfunktionen) sind in der akuten Phase nicht primäre Präeklampsietherapien, können jedoch postpartal im Rahmen der Rekonvaleszenz (Erholungsphase) und Langzeitprävention sinnvoll sein [5, LL4].
  • Psychosoziale Unterstützung
    • Psychosoziale Unterstützung ist besonders wichtig bei stationärer Aufnahme, drohender Frühgeburt, schwerer Präeklampsie, Eklampsie, HELLP-Syndrom, fetaler Wachstumsrestriktion oder perinatalem Verlust (Verlust des Kindes um die Geburt herum) [5, LL1-LL3].
    • Erforderlich sind Aufklärung über Warnsymptome, Unterstützung bei Adhärenz, Blutdruckselbstmessung, Medikamenteneinnahme, Stillfragen, Familienorganisation und Übergang in die postpartale Nachsorge [5, LL1-LL3].

Tertiärprävention

Die Tertiärprävention (Vorbeugung von Folgeschäden und Rückfällen) zielt darauf ab, wiederkehrende Beschwerden und mögliche Komplikationen der Präeklampsie/Eklampsie langfristig zu minimieren.

  • Langzeittherapie
    • Postpartale Blutdruckkontrollen sind insbesondere nach schwerer Präeklampsie, Eklampsie, HELLP-Syndrom, antihypertensiver Therapie, Frühgeburtlichkeit, fetaler Wachstumsrestriktion oder persistierenden Symptomen (anhaltenden Beschwerden) erforderlich [5, LL1-LL3].
    • Antihypertensive Therapie ist postpartal entsprechend Blutdruckverlauf, Stillzeit, Komorbiditäten, Arzneimittelsicherheit und Nebenwirkungsprofil fortzuführen oder anzupassen [LL1-LL3].
    • Persistierende Hypertonie, Proteinurie, Hämaturie (Blut im Urin) oder Nierenfunktionsstörung sollte internistisch bzw. nephrologisch (nierenfachärztlich) abgeklärt werden [LL1-LL3].
  • Kardiovaskuläre und renale Langzeitprävention
    • Eine durchgemachte Präeklampsie/Eklampsie ist ein Marker für ein erhöhtes späteres Risiko für chronische Hypertonie, kardiovaskuläre Erkrankungen (Herz-Kreislauf-Erkrankungen) und renale Folgeerkrankungen (Nierenfolgeerkrankungen) [5, LL1-LL3].
    • Empfohlen sind Erfassung von Blutdruck, Körpergewicht, Lipidstatus (Blutfettwerte), Glukosestoffwechsel, Nierenfunktion, Proteinurie/Albuminurie (Eiweiß-/Albuminausscheidung im Urin) und weiteren kardiometabolischen Risikofaktoren nach individueller Risikokonstellation [5, LL1-LL3].
    • Das vierte Trimester, also die ersten 12 Wochen postpartal, ist ein wichtiges Zeitfenster für Blutdruckmanagement, Lebensstilberatung, Still- und Kontrazeptionsberatung (Beratung zur Empfängnisverhütung) sowie strukturierte Übergabe in die hausärztlich-internistische bzw. kardiologische Langzeitversorgung (herzfachärztliche Langzeitversorgung) [5].
  • Rehabilitation und Nachsorge
    • Nach schwerem Verlauf können stufenweise körperliche Rekonvaleszenz, Blutdruckselbstmessung, medikamentöse Stabilisierung, Beratung zu Warnsymptomen und strukturierte Nachsorgetermine erforderlich sein [5, LL1-LL3].
    • Bei neurologischen Komplikationen, intensivmedizinischem Verlauf oder ausgeprägter körperlicher Dekonditionierung sollte eine gezielte rehabilitative Mitbetreuung (unterstützende Behandlung zur Wiederherstellung der Leistungsfähigkeit) geprüft werden [LL1-LL3].
    • Vor Folgeschwangerschaften sollte eine präkonzeptionelle Beratung erfolgen, insbesondere nach früher, schwerer oder rezidivierender Präeklampsie (wiederkehrender Präeklampsie), Eklampsie, HELLP-Syndrom, fetaler Wachstumsrestriktion oder Frühgeburtlichkeit [1, LL1-LL3].
  • Psychosoziale Unterstützung
    • Psychosoziale Unterstützung ist insbesondere nach Eklampsie, intensivmedizinischer Behandlung, Frühgeburtlichkeit, fetaler Wachstumsrestriktion, traumatischer Geburtserfahrung oder perinatalem Verlust erforderlich [5].
    • Psychotherapie, Stressbewältigung, soziale Unterstützung, Stillberatung und Hilfe bei Versorgungskoordination können Adhärenz, Blutdruckkontrolle und langfristige Gesundheitsvorsorge verbessern [5].
  • Lebensstilinterventionen
    • Zentrale Elemente sind herzgesunde Ernährung, stufenweise Wiederaufnahme regelmäßiger körperlicher Aktivität, Gewichtsmanagement, Nikotinverzicht, Alkoholverzicht, Schlaf- und Stressmanagement sowie langfristige hausärztlich-internistische Kontrolle [5, LL4].
    • Lebensstilinterventionen müssen realistisch, alltagsnah und an Stillzeit, Schlafmangel, psychosoziale Situation, körperliche Rekonvaleszenz und Betreuungssituation angepasst werden [5].

Literatur

  1. Bartsch E, Medcalf KE, Park AL et al.: Clinical risk factors for pre-eclampsia determined in early pregnancy: systematic review and meta-analysis of large cohort studies. BMJ. 2016;353:i1753. doi: 10.1136/bmj.i1753
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  3. Ghesquiere L, Guerby P, Marchant I et al.: Comparing aspirin 75 to 81 mg vs 150 to 162 mg for prevention of preterm preeclampsia: systematic review and meta-analysis. Am J Obstet Gynecol MFM. 2023;5(6):101000. doi: 10.1016/j.ajogmf.2023.101000
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  5. Lewey J, Beckie TM, Brown HL et al.: Opportunities in the Postpartum Period to Reduce Cardiovascular Disease Risk After Adverse Pregnancy Outcomes: A Scientific Statement From the American Heart Association. Circulation. 2024;149(7):e330-e346. doi: 10.1161/cir.0000000000001212

Leitlinien

  1. S2k-Leitlinie: Hypertensive Erkrankungen in der Schwangerschaft (HES): Diagnostik und Therapie (AWMF-Register-Nr. 015-018) Juli 2024 Langfassung
  2. Magee LA, Brown MA, Hall DR et al.: The 2021 International Society for the Study of Hypertension in Pregnancy classification, diagnosis & management recommendations for international practice. Pregnancy Hypertens. 2022;27:148-169. doi: 10.1016/j.preghy.2021.09.008
  3. Thomopoulos C, Hitij JB, De Backer T et al.: Management of hypertensive disorders in pregnancy: a Position Statement of the European Society of Hypertension Working Group 'Hypertension in Women'. J Hypertens. 2024;42(7):1109-1132. doi: 10.1097/hjh.0000000000003739
  4. American College of Obstetricians and Gynecologists: Physical Activity and Exercise During Pregnancy and the Postpartum Period: ACOG Committee Opinion, Number 804. Obstet Gynecol. 2020;135(4):e178-e188. doi: 10.1097/aog.0000000000003772