Präeklampsie/Eklampsie – Medizingerätediagnostik
Die Medizingerätediagnostik bei Präeklampsie (Schwangerschaftserkrankung mit Bluthochdruck und möglicher Organbeteiligung) und Eklampsie (Krampfanfall im Rahmen einer Präeklampsie) dient der standardisierten Blutdruckerfassung, der mütterlichen Schweregradbeurteilung, der fetoplazentaren Risikoeinschätzung (Einschätzung von Kind und Mutterkuchen), der differentialdiagnostischen Abklärung (Abklärung anderer möglicher Ursachen) schwerer Symptome (Krankheitszeichen) sowie der Planung von Überwachungsintensität, stationärer Aufnahme und Entbindung. Die Diagnose der Präeklampsie wird nicht allein durch Medizingerätediagnostik gestellt, sondern ergibt sich aus Blutdruckmessung, klinischer Symptomatik, Labordiagnostik (Blut- und Urinuntersuchungen) und fetomaternaler Beurteilung (Beurteilung von Mutter und Kind). Die Eklampsie ist primär eine klinische Diagnose; bildgebende Verfahren dienen vor allem dem Ausschluss intrakranieller Differentialdiagnosen (anderer Ursachen innerhalb des Schädels) und Komplikationen (Folgeprobleme) [LL1-4].
Beurteilbare Strukturen/Funktionsbereiche
- Mütterliches Blutdruckprofil (Verlauf der Blutdruckwerte): Praxisblutdruck, 24-Stunden-Blutdruckprofil (Blutdruckverlauf über einen Tag), Heimblutdruckmessung (Blutdruckmessung zu Hause), zirkadianer Blutdruckrhythmus (Tag-Nacht-Rhythmus des Blutdrucks).
- Mütterliche Vitalparameter (wichtige Körperfunktionen): Sauerstoffsättigung (Sauerstoffgehalt im Blut), Atemfrequenz (Atemzüge pro Minute), Puls (Herzschlag), Diurese (Urinmenge) und neurologischer Überwachungsstatus (Kontrolle von Nerven- und Gehirnfunktionen).
- Kardiopulmonale Situation (Herz-Lungen-Situation): Hinweise auf Lungenödem (Flüssigkeit in der Lunge), Pleuraerguss (Flüssigkeit zwischen Lunge und Brustwand), kardiale Dekompensation (Herzschwäche mit unzureichender Ausgleichsfunktion) oder Peripartum-Kardiomyopathie (Herzmuskelerkrankung um die Geburt herum).
- Zentralnervensystem (Gehirn und Rückenmark): Ausschluss von intrakranieller Blutung (Blutung im Schädel), posterior-reversiblen Enzephalopathie-Syndrom (meist rückbildungsfähige Hirnfunktionsstörung im hinteren Gehirnbereich), ischämischem Insult (Schlaganfall durch Minderdurchblutung), Sinusvenenthrombose (Blutgerinnsel in Hirnvenen) oder anderen nicht-eklamptischen Ursachen eines Krampfanfalls.
- Uteroplazentare und fetoplazentare Einheit (Gebärmutter-Mutterkuchen- und Kind-Mutterkuchen-Einheit): fetale Biometrie (Größenmessung des ungeborenen Kindes), Fruchtwassermenge, Plazentabeurteilung (Beurteilung des Mutterkuchens), maternaler (die Mutter betreffender) und fetoplazentarer Doppler (Ultraschallmessung der Blutströmung).
- Fetaler Zustand (Zustand des ungeborenen Kindes): Kardiotokographie (Herzton-Wehen-Schreibung), gegebenenfalls computerisierte Kardiotokographie, sonographischer Wachstumsverlauf (Wachstumsverlauf im Ultraschall) und dopplersonographische Zeichen (im Blutflussultraschall erkennbare Zeichen) der Plazentainsuffizienz (unzureichende Funktion des Mutterkuchens).
Indikationen (Anwendungsgebiete)
- Verdacht auf Präeklampsie, schwere Gestationshypertonie (schwangerschaftsbedingter Bluthochdruck), chronische Hypertonie (dauerhafter Bluthochdruck) mit Verdacht auf Superimposed-Präeklampsie (auf eine bestehende Hypertonie aufgepfropfte Präeklampsie) oder Eklampsie [LL1-4]
- Schwere Hypertonie mit systolischem Blutdruck (oberer Blutdruckwert) ≥ 160 mmHg und/oder diastolischem Blutdruck (unterer Blutdruckwert) ≥ 110 mmHg [LL1-4]
- Kopfschmerzen, Visusstörungen (Sehstörungen), neurologische Symptome, Krampfanfall, Bewusstseinsstörung oder atypischer Verlauf [LL1-4]
- Dyspnoe (Atemnot), Hypoxämie (verminderter Sauerstoffgehalt im Blut), Thoraxschmerz (Brustschmerz), Verdacht auf Lungenödem oder kardiale Dekompensation [LL1-4]
- Persistierender rechtsseitiger Oberbauchschmerz, epigastrischer Schmerz (Schmerz im Oberbauch unter dem Brustbein) oder Verdacht auf HELLP-assoziierte Leberkomplikation (Leberbeteiligung bei schwerer Schwangerschaftserkrankung) [LL1-4]
- Verdacht auf fetale Wachstumsrestriktion (Wachstumsverzögerung des ungeborenen Kindes), Plazentainsuffizienz, Oligohydramnion (zu wenig Fruchtwasser), fetale Gefährdung oder reduzierte Kindsbewegungen [LL1, LL2, LL5, LL6]
- Planung von stationärer Aufnahme, intensivierter Überwachung, antenataler Kortikosteroidgabe (Gabe von Kortison vor der Geburt zur Lungenreifung), Magnesiumsulfatgabe, Verlegung in ein Perinatalzentrum (spezialisiertes Zentrum für Mutter und Kind vor, während und nach der Geburt) oder Entbindung [LL1-6]
Kontraindikationen (Gegenanzeigen)
- Für standardisierte nicht-invasive Blutdruckmessung (Blutdruckmessung ohne Eingriff in den Körper), Pulsoxymetrie (Messung der Sauerstoffsättigung am Finger), Kardiotokographie und geburtshilfliche Sonographie (Ultraschalluntersuchung in der Schwangerschaft) bestehen keine krankheitsspezifischen Kontraindikationen.
- Magnetresonanztomographie (MRT; Schnittbilduntersuchung mit Magnetfeldern) ist bei vitaler oder dringlicher mütterlicher Indikation grundsätzlich möglich; gadoliniumhaltige Kontrastmittel (spezielle MRT-Kontrastmittel) sollen in der Schwangerschaft nur bei zwingender Indikation eingesetzt werden.
- Computertomographie (CT; Röntgen-Schichtuntersuchung) und andere röntgenbasierte Verfahren sind nicht routinemäßig indiziert, dürfen bei relevanter mütterlicher Gefährdung jedoch nicht verzögert werden.
- Invasive arterielle Blutdruckmessung (Blutdruckmessung über einen Katheter in einer Arterie) und erweitertes hämodynamisches Monitoring (erweiterte Kreislaufüberwachung) sind nicht für die Routineversorgung indiziert und bleiben intensivmedizinischen oder perioperativen Hochrisikosituationen (Hochrisikosituationen während einer Operation) vorbehalten.
Obligate Medizingerätediagnostik
- Standardisierte Praxisblutdruckmessung mit manuellem oder schwangerschaftsvalidiertem automatisiertem nicht-invasivem Blutdruckmessgerät – Messung am Oberarm mit passender Manschette, nach mindestens fünf Minuten Ruhe; initial sollte möglichst an beiden Armen gemessen werden. Bei relevanter Seitendifferenz sollte anschließend am Arm mit dem höheren Blutdruck weitergemessen werden [LL1-4].
- Wiederholte Blutdruckmessung zur Befundsicherung – pathologische Blutdruckwerte (krankhaft veränderte Blutdruckwerte) müssen zeitnah kontrolliert werden; bei schwerer Hypertonie ist eine unmittelbare klinische Neubewertung erforderlich [LL1-4].
- Blutdruck- und Vitalparameterüberwachung bei stationärer Präeklampsie, schwerer Gestationshypertonie oder Eklampsie – einschließlich Puls, Atemfrequenz, Sauerstoffsättigung, Bewusstseinslage und Diurese; die Überwachungsfrequenz richtet sich nach Schweregrad, Dynamik und Therapiebedarf [LL1, LL2].
- Kardiotokographie – bei Diagnosestellung einer Präeklampsie oder schweren Gestationshypertonie zur fetalen Ersteinschätzung [LL2].
- Geburtshilfliche Sonographie bei Präeklampsie oder schwerer Gestationshypertonie mit konservativem Vorgehen (abwartende Behandlung ohne sofortige Entbindung) – Beurteilung von fetalem Wachstum, Fruchtwassermenge und Plazenta [LL1, LL2, LL5].
- Dopplersonographie der Arteria umbilicalis (Blutflussmessung der Nabelschnurarterie) – bei Präeklampsie oder schwerer Gestationshypertonie mit konservativem Vorgehen sowie bei Verdacht auf fetale Wachstumsrestriktion oder Plazentainsuffizienz [LL1, LL2, LL5, LL6, 1].
Fakultative Medizingerätediagnostik – in Abhängigkeit von den Ergebnissen der Anamnese (Krankengeschichte), der körperlichen Untersuchung, der Labordiagnostik und der obligaten Medizingerätediagnostik – zur differentialdiagnostischen Abklärung und Schweregradbeurteilung
- 24-Stunden-Blutdruckmessung – zur Abklärung einer White-Coat-Hypertonie (erhöhter Blutdruck nur in der Praxis), einer maskierten Hypertonie (normaler Blutdruck in der Praxis, erhöhter Blutdruck im Alltag), eines gestörten zirkadianen Blutdruckrhythmus oder zur Therapiekontrolle, insbesondere wenn Praxisblutdruck und klinischer Eindruck nicht übereinstimmen [LL1, LL4].
- Heimblutdruckmessung – zur ambulanten Verlaufskontrolle (Kontrolle außerhalb des Krankenhauses) bei stabiler Situation mit validiertem Oberarmmessgerät und dokumentiertem Messprotokoll; sie ersetzt nicht die stationäre Überwachung bei schwerer Präeklampsie, Eklampsie oder klinischer Verschlechterung [LL1, LL4].
- Erweiterte fetomaternale Dopplersonographie – bei Verdacht auf fetale Wachstumsrestriktion, Plazentainsuffizienz, frühe Präeklampsie, pathologischem Umbilikalarteriendoppler (auffälliger Blutflussmessung der Nabelschnurarterie) oder Diskordanz zwischen mütterlicher und fetaler Situation; beurteilt werden können Arteria umbilicalis, Arteria cerebri media (mittlere Hirnarterie), Ductus venosus (venöses Gefäß des ungeborenen Kindes) und maternale Uterinarterien (Gebärmutterarterien der Mutter) [LL1, LL5, LL6, 1, 5].
- Computerisierte Kardiotokographie – bei Frühgeburtlichkeit, eingeschränkter visueller Beurteilbarkeit oder zur objektiveren Verlaufsbeurteilung, insbesondere im Zusammenhang mit fetaler Wachstumsrestriktion; ein routinemäßiger ungezielter Einsatz bei unauffälligem Befund ist nicht belegt [2, 3].
- Kraniale Magnetresonanztomographie oder Computertomographie – nach eklamptischem Anfall, bei fehlender rascher Erholung, fokal-neurologischen Defiziten (umschriebenen Ausfällen von Gehirn- oder Nervenfunktionen), schweren persistierenden Kopfschmerzen, Visusstörungen, Bewusstseinsstörung oder atypischem Verlauf; Ziel ist der Ausschluss von Blutung, posterior reversiblem Enzephalopathie-Syndrom, ischämischem Insult, Sinusvenenthrombose oder anderer intrakranieller Pathologie (krankhafter Veränderung im Schädelinneren) [LL1-4].
- Transthorakale Echokardiographie (Herzultraschall von außen über den Brustkorb) – bei Dyspnoe, Sauerstoffsättigung < 90 %, Verdacht auf Lungenödem, kardiale Dekompensation, Thoraxschmerz, Kreislaufinstabilität oder Verdacht auf Peripartum-Kardiomyopathie [LL1, LL2].
- Thoraxbildgebung (Bildgebung des Brustkorbs) – bei klinischem Verdacht auf Lungenödem, Pleuraerguss, Pneumonie (Lungenentzündung), Lungenembolie (Verschluss eines Lungengefäßes durch ein Blutgerinnsel) oder kardiale Dekompensation; die Indikation ist symptombezogen und darf bei mütterlicher Gefährdung nicht verzögert werden [LL1-4].
- Abdomensonographie (Ultraschalluntersuchung des Bauches), gegebenenfalls abdominelle Schnittbildgebung (Schichtbilduntersuchung des Bauches) – bei persistierendem rechtsseitigem Oberbauchschmerz, epigastrischem Schmerz, Verdacht auf HELLP-assoziierte Leberkomplikation, subkapsulärem Leberhämatom (Bluterguss unter der Leberkapsel), Leberruptur (Leberriss) oder relevanter abdomineller Differentialdiagnose [LL1-4].
- Ophthalmologische Gerätediagnostik (augenärztliche Geräteuntersuchung), zum Beispiel Funduskopie (Augenhintergrundspiegelung) oder optische Kohärenztomographie (Schichtaufnahme der Netzhaut mit Licht) – bei persistierenden oder atypischen Visusstörungen, Verdacht auf Netzhautablösung, retinale Gefäßbeteiligung (Beteiligung der Netzhautgefäße) oder unklarer ophthalmologischer Differentialdiagnose.
- Invasive arterielle Blutdruckmessung oder erweitertes hämodynamisches Monitoring – nur bei intensivmedizinischer Überwachung, schwerer Kreislaufinstabilität, therapieresistenter schwerer Hypertonie, operativer Notfallsituation oder komplexer kardiopulmonaler Komplikation.
Fetale Überwachung bei hypertensiver Schwangerschaftserkrankung
- Chronische Hypertonie – sonographische Wachstumskontrolle, Fruchtwassermengenbestimmung und Dopplersonographie der Arteria umbilicalis risikoadaptiert im Schwangerschaftsverlauf; Kardiotokographie nur bei klinischer Indikation [LL2].
- Gestationshypertonie – Ultraschall zur Wachstumskontrolle, Fruchtwassermengenbestimmung und Dopplersonographie der Arteria umbilicalis bei Diagnosestellung; bei unauffälligem Befund Wiederholung je nach klinischer Indikation alle 2-4 Wochen; Kardiotokographie nur bei klinischer Indikation [LL2].
- Präeklampsie oder schwere Gestationshypertonie – Kardiotokographie bei Diagnosestellung; bei konservativem Vorgehen zusätzlich Ultraschall zur Wachstumskontrolle und Fruchtwassermengenbestimmung sowie Dopplersonographie der Arteria umbilicalis [LL1, LL2].
- Präeklampsie mit Verdacht auf fetale Wachstumsrestriktion – risikoadaptierte sonographische und dopplersonographische Verlaufskontrolle nach Schweregrad der fetalen Wachstumsrestriktion; dopplersonographische Befunde sollen im Zusammenhang mit Gestationsalter (Schwangerschaftsalter), Wachstum, Fruchtwassermenge und Kardiotokographie bewertet werden [LL1, LL5, LL6].
- Pathologische fetale Befunde – nicht beruhigende Kardiotokographie, progrediente Wachstumsrestriktion (fortschreitende Wachstumsverzögerung), Oligohydramnion, fehlender oder reverser enddiastolischer Fluss (fehlender oder umgekehrter Blutfluss am Ende der Herzentspannung) in der Arteria umbilicalis oder weitere Zeichen der fetoplazentaren Dekompensation (unzureichende Versorgung des ungeborenen Kindes über den Mutterkuchen) erfordern eine interdisziplinäre Neubewertung (fachübergreifende erneute Beurteilung) von Überwachungsintensität, Kortikosteroidgabe, Magnesiumsulfatgabe, Versorgungsstufe und Entbindungszeitpunkt [LL1, LL2, LL6].
Medizingerätediagnostische Befunde mit Relevanz für stationäre Aufnahme und Entbindungsplanung
- Schwere hypertensive Entgleisung (stark entgleister Bluthochdruck) – wiederholt systolisch ≥ 160 mmHg und/oder diastolisch ≥ 110 mmHg, insbesondere bei Therapieresistenz (unzureichendem Ansprechen auf Behandlung) oder klinischer Symptomatik, erfordert stationäre Überwachung beziehungsweise Akutversorgung [LL1-4].
- Kardiopulmonale Warnbefunde – Sauerstoffsättigung < 90 %, Zeichen eines Lungenödems, kardiale Dekompensation oder relevante Dyspnoe sind mütterliche Hochrisikokonstellationen (Situationen mit hohem Risiko) und können eine intensivierte Überwachung, Echokardiographie, Thoraxdiagnostik und Entbindungsplanung notwendig machen [LL1, LL2].
- Neurologische Warnbefunde – eklamptischer Anfall, Bewusstseinsstörung, persistierende schwere Kopfschmerzen, wiederholte Visusstörungen oder fokal-neurologische Symptome rechtfertigen neurologische Mitbeurteilung, großzügige kraniale Bildgebung und eine geburtshilflich-anästhesiologische Eskalationsplanung (geburtshilfliche und narkoseärztliche Planung für eine Verschlechterung) [LL1-4].
- Fetale Warnbefunde – nicht beruhigende Kardiotokographie, intrauteriner Fruchttod (Tod des ungeborenen Kindes in der Gebärmutter), vorzeitige Plazentalösung (vorzeitige Ablösung des Mutterkuchens) oder reverser enddiastolischer Fluss in der Dopplersonographie der Arteria umbilicalis sind relevante Schwellenbefunde (entscheidende Grenzbefunde) für geplante frühzeitige Entbindung vor 37+0 Schwangerschaftswochen [LL1, LL2, LL6].
- Präeklampsie ab 37+0 Schwangerschaftswochen – eine Prolongation (Verlängerung der Schwangerschaft) ist in der Regel nicht sinnvoll; die Entbindung beziehungsweise Geburtseinleitung soll zeitnah geplant werden [LL1, LL2, 4].
- Hypertensive Schwangerschaftserkrankung ab 34+0 Schwangerschaftswochen – metaanalytische Daten (zusammenfassend ausgewertete Studiendaten) zeigen durch geplante frühe Geburt eine Reduktion (Verringerung) mütterlicher Komplikationen gegenüber abwartendem Vorgehen; neonatale Frühgeburtsrisiken (Risiken für das Neugeborene durch Frühgeburtlichkeit) sind individuell gegen den maternalen Nutzen abzuwägen [4].
Nicht routinemäßig indizierte Medizingerätediagnostik
- Serielle Kardiotokographie bei unauffälligem fetalem Monitoring – nicht routinemäßig; Wiederholung nur bei klinischer Indikation, zum Beispiel reduzierten Kindsbewegungen, vaginaler Blutung, Abdominalschmerz oder mütterlicher Verschlechterung [LL2].
- Kraniale Magnetresonanztomographie oder Computertomographie ohne neurologische Warnsymptome – nicht routinemäßig; bei Eklampsie, fehlender rascher Erholung oder schwerer neurologischer Symptomatik dagegen großzügig indiziert [LL1-4].
- Transthorakale Echokardiographie bei klinisch stabiler Präeklampsie ohne Dyspnoe, Thoraxschmerz, Hypoxämie oder Kreislaufinstabilität – nicht routinemäßig.
- Thoraxbildgebung ohne respiratorische oder kardiopulmonale Symptomatik – nicht routinemäßig.
- Abdominelle Schnittbildgebung bei unkomplizierter Präeklampsie ohne persistierende Oberbauchschmerzen, HELLP-Verdacht oder klinische Zeichen einer Leberkomplikation – nicht routinemäßig.
- Ophthalmologische Gerätediagnostik ohne persistierende Visusstörung oder ophthalmologische Differentialdiagnose – nicht routinemäßig.
- Invasives hämodynamisches Monitoring, Pulskonturanalyse (Kreislaufanalyse über die Pulskurve), Impedanzkardiographie (nicht-invasive Messung der Herzleistung über elektrischen Widerstand) oder spezialisiertes maternales hämodynamisches Assessment (spezialisierte Kreislaufbeurteilung der Mutter) – nicht Teil der Routineversorgung; Einsatz nur bei schwerer Komplikation, intensivmedizinischer Überwachung, perioperativer Hochrisikosituation, Studienkontext oder spezialisierten Zentren.
- Uterinarterien-Doppler als isolierte Akutdiagnostik der Präeklampsie – nicht ausreichend; pathologische Uterinarterienbefunde können das Plazentainsuffizienzrisiko stützen, ersetzen aber weder klinische Schweregradbeurteilung noch Labordiagnostik noch fetale Überwachung [5, LL5].
Mögliche Befunde
- Blutdruckbefunde – wiederholt erhöhte Praxisblutdruckwerte, schwere Hypertonie, fehlender nächtlicher Blutdruckabfall, White-Coat-Hypertonie oder maskierte Hypertonie.
- Fetale Sonographiebefunde – fetale Wachstumsrestriktion, abnehmende Wachstumsgeschwindigkeit, Oligohydramnion, Plazentaveränderungen oder Zeichen einer vorzeitigen Plazentalösung.
- Dopplersonographische Befunde – erhöhter Widerstand (erhöhter Strömungswiderstand) in der Arteria umbilicalis, fehlender oder reverser enddiastolischer Fluss, pathologische Uterinarterien mit erhöhtem Pulsatilitätsindex (Messwert für den Blutflusswiderstand) oder Notching (Einkerbung im Blutflussprofil), bei fetaler Wachstumsrestriktion gegebenenfalls zerebrale Umverteilung (veränderte Blutverteilung zum Gehirn) und pathologische venöse Dopplerbefunde.
- Kardiotokographische Befunde – nicht reaktives Muster (fehlende normale Herzfrequenzreaktion), reduzierte Variabilität (verminderte Schwankungsbreite der kindlichen Herzfrequenz), pathologische Dezelerationen (krankhafte Herzfrequenzabfälle) oder andere nicht beruhigende fetale Herzfrequenzmuster.
- Kardiopulmonale Befunde – Hypoxämie, Lungenödem, Pleuraerguss, linksventrikuläre systolische oder diastolische Funktionsstörung (Störung der Pump- oder Füllungsfunktion der linken Herzkammer), Zeichen einer Peripartum-Kardiomyopathie.
- Neurologische Bildgebungsbefunde – posterior reversibles Enzephalopathie-Syndrom, intrakranielle Blutung, Ischämie (Minderdurchblutung), Sinusvenenthrombose oder andere strukturelle Ursachen eines Krampfanfalls.
Fazit
Die Medizingerätediagnostik bei Präeklampsie/Eklampsie ist risikoadaptiert. Obligat sind die standardisierte Blutdruckmessung und bei schwerer beziehungsweise stationär geführter Erkrankung eine kombinierte mütterliche und fetale Überwachung. Sonographie, Doppler und Kardiotokographie steuern die fetale Risikoabschätzung; Pulsoxymetrie, Echokardiographie und Schnittbildgebung sind bei klinischen Warnzeichen entscheidend. Nicht routinemäßige Verfahren sollen symptom- und befundgetriggert eingesetzt werden, um Überdiagnostik (unnötige Untersuchungen) zu vermeiden und Hochrisikokonstellationen rechtzeitig zu erkennen.
Literatur
- Alfirevic Z, Stampalija T, Dowswell T: Fetal and umbilical Doppler ultrasound in high-risk pregnancies. Cochrane Database Syst Rev. 2017;6(6):CD007529. doi: 10.1002/14651858.cd007529.pub4
- Grivell RM, Alfirevic Z, Gyte GML, Devane D: Antenatal cardiotocography for fetal assessment. Cochrane Database Syst Rev. 2015;2015(9):CD007863. doi: 10.1002/14651858.cd007863.pub4
- Baker H, Pilarski N, Hodgetts-Morton VA, Morris RK: Comparison of visual and computerised antenatal cardiotocography in the prevention of perinatal morbidity and mortality. A systematic review and meta-analysis. Eur J Obstet Gynecol Reprod Biol. 2021;263:33-43. doi: 10.1016/j.ejogrb.2021.05.048
- Beardmore-Gray A, Ashurst HM, Seed PT et al.: Planned early birth versus expectant management for hypertensive disorders from 34 weeks' gestation to term. Cochrane Database Syst Rev. 2026;5:CD009273. doi: 10.1002/14651858.cd009273.pub3
- Cnossen JS, Morris RK, ter Riet G et al.: Use of uterine artery Doppler ultrasonography to predict pre-eclampsia and intrauterine growth restriction: a systematic review and bivariable meta-analysis. CMAJ. 2008;178(6):701-711. doi: 10.1503/cmaj.070430
Leitlinien
- S2k-Leitlinie: Hypertensive Erkrankungen in der Schwangerschaft (HES): Diagnostik und Therapie (AWMF-Register-Nr. 015-018) Juli 2024 Langfassung
- NICE guideline NG133: Hypertension in pregnancy: diagnosis and management. Published 25 June 2019, last updated 17 April 2023. https://www.nice.org.uk/guidance/ng133
- ACOG Practice Bulletin No. 222: Gestational Hypertension and Preeclampsia. Obstet Gynecol. 2020;135(6):e237-e260. doi: 10.1097/aog.0000000000003891
- Magee LA, Brown MA, Hall DR et al.: The 2021 International Society for the Study of Hypertension in Pregnancy classification, diagnosis & management recommendations for international practice. Pregnancy Hypertens. 2022;27:148-169. doi: 10.1016/j.preghy.2021.09.008
- Sotiriadis A, Hernandez-Andrade E, da Silva Costa F et al.: ISUOG Practice Guidelines: role of ultrasound in screening for and follow-up of pre-eclampsia. Ultrasound Obstet Gynecol. 2019;53(1):7-22. doi: 10.1002/uog.20105
- S2k-Leitlinie: Fetale Wachstumsrestriktion (AWMF-Register-Nr. 015-080) Oktober 2024 Langfassung