Präeklampsie/Eklampsie – Körperliche Untersuchung

Eine umfassende klinische Untersuchung ist die Grundlage für die Auswahl der weiteren diagnostischen Schritte:

  • Allgemeine körperliche Untersuchung – inklusive Blutdruck, Puls, Körpertemperatur, Atemfrequenz, Sauerstoffsättigung, Körpergewicht, Körpergröße; des Weiteren:
    • Inspektion (Betrachtung)
      • Allgemeinzustand, Bewusstseinslage und Orientierung [reduzierter Allgemeinzustand, Unruhe, Somnolenz (krankhafte Schläfrigkeit), Bewusstseinsstörung, Bewusstlosigkeit, postiktale Verwirrtheit (Verwirrtheit nach einem Krampfanfall)]
      • Haut und Schleimhäute [Blässe, Zyanose (Blaufärbung durch Sauerstoffmangel), Ikterus (Gelbsucht), Petechien (punktförmige Hauteinblutungen), Hämatome (Blutergüsse), Ekchymosen (flächenhafte Hauteinblutungen), Schleimhautblutungen]
      • Gesicht und periorbitale Region (Augenumgebung) [Gesichtsödem (Schwellung im Gesicht), periorbitales Ödem (Schwellung um die Augen)]
      • Extremitäten (Gliedmaßen) [Handödem, Unterschenkelödem, generalisierte Ödeme (Schwellungen am ganzen Körper)]
      • Atemmuster und Atemarbeit [Dyspnoe (Atemnot), Tachypnoe (beschleunigte Atmung), Orthopnoe (Atemnot im Liegen), Zyanose, Zeichen respiratorischer Erschöpfung (Zeichen einer Erschöpfung der Atmung)]
      • Hinweise auf Verletzungsfolgen nach eklamptischem Krampfanfall (Krampfanfall bei Eklampsie) [Zungenbiss, Lippenverletzung, Sturzverletzung]
    • Palpation (Abtasten)
      • Periphere Ödeme (Schwellungen außerhalb des Körperstamms), insbesondere an Händen, Gesicht, Unterschenkeln und prätibialer Region (Bereich vor dem Schienbein) [eindrückbare Ödeme, rasch progrediente Ödeme (rasch zunehmende Schwellungen), generalisierte Ödeme]
      • Abdomen (Bauch) mit besonderer Beachtung von Epigastrium (Oberbauchmitte) und rechtem Oberbauch [epigastrischer Druckschmerz (Druckschmerz in der Oberbauchmitte), rechtsseitiger Oberbauchdruckschmerz, Abwehrspannung (unwillkürliche Bauchdeckenspannung)]
      • Uterus (Gebärmutter) und uteriner Tonus (Spannungszustand der Gebärmutter) [druckschmerzhafter Uterus, uteriner Dauertonus (dauerhaft erhöhte Gebärmutterspannung), pathologisch gesteigerter Uterustonus (krankhaft erhöhter Spannungszustand der Gebärmutter)]
      • Klinische Beurteilung der Urinausscheidung im Verlauf [Oligurie (verminderte Urinausscheidung), Anurie (fehlende Urinausscheidung)]
    • Auskultation (Abhören)
      • Herz [Tachykardie (beschleunigter Herzschlag), Zeichen kardialer Dekompensation (Zeichen einer Herzleistungsschwäche)]
      • Lunge [basale Rasselgeräusche (Rasselgeräusche in den unteren Lungenabschnitten), feinblasige Rasselgeräusche, abgeschwächtes Atemgeräusch, Zeichen eines Lungenödems (Flüssigkeitsansammlung in der Lunge)]
  • Geburtshilfliche Untersuchung
    • Äußere geburtshilfliche Untersuchung mit Beurteilung von Fundusstand (Höhe des oberen Gebärmutterrandes), Uterusgröße (Größe der Gebärmutter), Kindslage, Stellung, Höhenstand des vorangehenden Teils, Uterustonus und Wehentätigkeit [Fundusstand kleiner als erwartungsgemäß, druckschmerzhafter Uterus, uteriner Dauertonus, pathologisch gesteigerter Uterustonus, vorzeitige Wehentätigkeit]
    • Beurteilung der Kindsbewegungen [verminderte Kindsbewegungen, fehlende Kindsbewegungen]
    • Beurteilung der fetalen Herzaktion (Herzaktivität des ungeborenen Kindes), je nach Schwangerschaftswoche und klinischer Situation mittels Auskultation oder CTG (Kardiotokographie; Herzton-Wehen-Schreibung) [fetale Bradykardie (zu langsamer Herzschlag des ungeborenen Kindes), fetale Tachykardie (zu schneller Herzschlag des ungeborenen Kindes), auffällige fetale Herzfrequenz (auffällige Herzschlagfrequenz des ungeborenen Kindes), pathologisches CTG (krankhaft auffällige Herzton-Wehen-Schreibung)]
    • Inspektion von Vulva (äußeres weibliches Genitale), Vagina (Scheide) und Portio (Muttermundanteil des Gebärmutterhalses) mittels Spekulumeinstellung (Untersuchung mit einem Scheidenspiegel) bei geburtshilflicher Indikation (geburtshilflichem Anlass) [vaginale Blutung (Blutung aus der Scheide), blutiger Fluor (blutiger Ausfluss), Fruchtwasserabgang]
    • Vaginale Tastuntersuchung (Tastuntersuchung über die Scheide) nur bei klarer geburtshilflicher Indikation und nach geburtshilflicher Risikoabwägung; bei Blutung vor digitaler Untersuchung (Tastuntersuchung mit dem Finger) sonographische Plazentalokalisation (Ultraschallbestimmung der Lage des Mutterkuchens) sicherstellen [Muttermundseröffnung, Zervixverkürzung (Verkürzung des Gebärmutterhalses), vorangehender Teil tastbar]
  • Neurologische Untersuchung (Untersuchung des Nervensystems)
    • Bewusstseinslage, Orientierung, Sprache und Verhalten [Somnolenz, Agitiertheit (krankhafte Unruhe), Bewusstseinsstörung, postiktale Verwirrtheit, Aphasie (Sprachstörung)]
    • Pupillenstatus (Beurteilung der Pupillen) und Pupillenreaktion [Anisokorie (ungleich große Pupillen), verzögerte Pupillenreaktion]
    • Hirnnervenstatus (Untersuchung der Hirnnerven) bei neurologischer Symptomatik (Beschwerden des Nervensystems) [faziale Asymmetrie (Ungleichheit der Gesichtshälften), Blickparese (Blicklähmung), Dysarthrie (Sprechstörung)]
    • Motorik (Bewegungsfunktion), Sensibilität (Gefühlswahrnehmung) und Koordination [Paresen (Lähmungen), Sensibilitätsstörungen (Gefühlsstörungen), Ataxie (Störung der Bewegungskoordination), fokal-neurologische Defizite (örtlich begrenzte Ausfälle des Nervensystems)]
    • Muskeleigenreflexe (Eigenreflexe der Muskeln), Reflexzonen und Klonusprüfung (Prüfung auf rhythmische Muskelzuckungen) [Hyperreflexie (gesteigerte Reflexe), verbreiterte Reflexzonen, Kloni (rhythmische Muskelzuckungen)]
    • Beurteilung eines Krampfereignisses bei Eklampsie (Krampfanfall im Rahmen einer Präeklampsie) [generalisierter tonisch-klonischer Krampfanfall (Krampfanfall mit Versteifung und Zuckungen des ganzen Körpers), Bewusstlosigkeit, postiktale Somnolenz]
    • Neurologisches Konsil (Mitbeurteilung durch die Neurologie) bei Eklampsie, fokal-neurologischen Defiziten, anhaltender Bewusstseinsstörung, therapierefraktären Kopfschmerzen (auf Behandlung nicht ansprechenden Kopfschmerzen), ausgeprägten Sehstörungen oder Verdacht auf zerebrale Beteiligung (Beteiligung des Gehirns) [fokal-neurologische Defizite, Bewusstseinsstörung, persistierende Krampfbereitschaft (anhaltende Neigung zu Krampfanfällen), postiktale Verwirrtheit]
  • Augenärztlich orientierte Untersuchung
    • Orientierende Visusprüfung (Prüfung der Sehschärfe) [Visusminderung (verminderte Sehschärfe), Verschwommensehen]
    • Orientierende Gesichtsfeldprüfung (Prüfung des sichtbaren Bereichs) [Gesichtsfeldausfall, Flimmerskotom (flimmernder Gesichtsfeldausfall)]
    • Inspektion der Pupillen und orientierende Prüfung der Lichtreaktion [Anisokorie, verzögerte Pupillenreaktion]
    • Augenärztliches Konsil (Mitbeurteilung durch die Augenheilkunde) bei Sehstörungen, schweren Kopfschmerzen, neurologischer Symptomatik oder schwerer Präeklampsie/Eklampsie; Funduskopie (Augenhintergrundspiegelung) nach augenärztlicher Indikation [retinale Gefäßverengung (Gefäßverengung der Netzhaut), retinale Blutungen (Netzhautblutungen), retinale Exsudate (Ablagerungen in der Netzhaut), Papillenödem (Schwellung des Sehnervenkopfes), seröse Netzhautablösung (Flüssigkeitsansammlung mit Ablösung der Netzhaut)]
  • Kardiopulmonal orientierte Untersuchung (auf Herz und Lunge bezogene Untersuchung)
    • Beurteilung von Atemfrequenz, Sauerstoffsättigung, Atemarbeit und lagerungsabhängiger Dyspnoe [Tachypnoe, Hypoxämie (verminderter Sauerstoffgehalt im Blut), Orthopnoe, Zyanose]
    • Auskultation der Lunge mit besonderer Beachtung basaler und beidseitiger Befunde [feinblasige Rasselgeräusche, basale Rasselgeräusche, Zeichen eines Lungenödems]
    • Auskultation des Herzens und Beurteilung der peripheren Kreislaufsituation (Kreislaufsituation außerhalb des Körperzentrums) [Tachykardie, Halsvenenstauung (gestaute Halsvenen), periphere Ödeme, Zeichen kardialer Dekompensation]
    • Kardiologisches bzw. internistisches Konsil (Mitbeurteilung durch Herzmedizin bzw. Innere Medizin) bei Thoraxschmerz (Brustkorbschmerz), Dyspnoe, Hypoxämie, schwerer Hypertonie (stark erhöhtem Blutdruck) oder klinischem Verdacht auf kardiale Dekompensation [Thoraxschmerz, Hypoxämie, Rasselgeräusche, Tachykardie, Halsvenenstauung]
  • Nephrologisch orientierte Untersuchung (auf die Nieren bezogene Untersuchung)
    • Beurteilung der Volumensituation (Flüssigkeitssituation des Körpers) [generalisierte Ödeme, rasch progrediente Ödeme, Zeichen der Überwässerung]
    • Erfassung und klinische Verlaufskontrolle der Urinausscheidung [Oligurie, Anurie]
    • Nephrologisches Konsil (Mitbeurteilung durch die Nierenheilkunde) bei Oligurie, Anurie, ausgeprägter Volumenproblematik, vorbestehender Nierenerkrankung oder schwerer Präeklampsie mit klinischem Hinweis auf Nierenbeteiligung [Oligurie, Anurie, generalisierte Ödeme]
  • Hämostaseologisch und hepatologisch orientierte Untersuchung (auf Blutgerinnung und Leber bezogene Untersuchung)
    • Inspektion von Haut und Schleimhäuten auf Blutungszeichen [Petechien, Hämatome, Ekchymosen, Schleimhautblutungen]
    • Inspektion von Haut und Skleren (Lederhäute der Augen) [Ikterus]
    • Palpation des rechten Oberbauches und Epigastriums [rechtsseitiger Oberbauchdruckschmerz, epigastrischer Druckschmerz, Abwehrspannung]
    • Internistisches, hepatologisches oder hämostaseologisches Konsil (Mitbeurteilung durch Innere Medizin, Leberheilkunde oder Gerinnungsmedizin) bei ausgeprägten Blutungszeichen, Ikterus, starkem Oberbauchschmerz oder klinischem Verdacht auf schwere maternale Organmanifestation (schwere Organbeteiligung der Mutter) [Petechien, Hämatome, Ekchymosen, Ikterus, rechtsseitiger Oberbauchdruckschmerz, epigastrischer Druckschmerz]
  • Intensivmedizinisch-anästhesiologische Beurteilung (Beurteilung durch Intensivmedizin und Narkosemedizin)
    • Beurteilung von Atemweg, Atmung und Kreislauf bei Eklampsie, schwerer Präeklampsie oder akuter maternaler Dekompensation (akuter Verschlechterung des mütterlichen Zustands) [Atemwegsverlegung, Zyanose, Hypoxämie, Kreislaufinstabilität]
    • Beurteilung nach Krampfanfall auf Aspirationszeichen (Zeichen des Einatmens von Mageninhalt oder Flüssigkeit) und Verletzungsfolgen [Husten, Rasselgeräusche, Zungenbiss, Lippenverletzung, Sturzverletzung]
    • Beurteilung der Vigilanz (Wachheit) und Schutzreflexe [Bewusstseinsstörung, fehlende Schutzreflexe, postiktale Somnolenz]
    • Intensivmedizinisches bzw. anästhesiologisches Konsil (Mitbeurteilung durch Intensivmedizin bzw. Narkosemedizin) bei Eklampsie, Ateminsuffizienz (unzureichender Atmung), persistierender Hypoxämie (anhaltend vermindertem Sauerstoffgehalt im Blut), Lungenödem, Bewusstseinsstörung oder Kreislaufinstabilität [Hypoxämie, Rasselgeräusche, Bewusstseinsstörung, Kreislaufinstabilität]
  • Gesundheitscheck
    • Wiederholte Blutdruckmessung nach leitliniengerechter Ruhephase; bei Erstbeurteilung beidseitige Messung und Dokumentation systolischer (oberer Blutdruckwert) sowie diastolischer Werte (unterer Blutdruckwert) [Blutdruck ≥ 140/90 mmHg, schwere Hypertonie ≥ 160/110 mmHg]
    • Kontrolle von Puls, Atemfrequenz, Sauerstoffsättigung, Körpertemperatur, Körpergewicht und Diurese (Urinausscheidung) [Tachykardie, Tachypnoe, Hypoxämie, rasche Gewichtszunahme, Oligurie, Anurie]
    • Erfassung maternaler Warnzeichen (mütterlicher Warnzeichen) im klinischen Status (Untersuchungsbefund) [Bewusstseinsstörung, Krampfanfall, Hyperreflexie, Kloni, Sehstörung, Oberbauchdruckschmerz, Dyspnoe, Blutungszeichen]
    • Erfassung fetaler Warnzeichen (Warnzeichen des ungeborenen Kindes) im klinischen bzw. geburtshilflichen Status [verminderte Kindsbewegungen, auffällige fetale Herzfrequenz, pathologisches CTG]
    • Entscheidung über ambulante Kontrolle, stationäre Überwachung, Akutvorstellung, interdisziplinäre Mitbeurteilung (fachübergreifende Mitbeurteilung) oder intensivmedizinische Versorgung anhand des klinischen Befundes [schwere Hypertonie, Krampfanfall, Bewusstseinsstörung, Hypoxämie, Oligurie, Anurie, Blutungszeichen, auffälliger fetaler Befund]

In eckigen Klammern [ ] wird auf mögliche pathologische (krankhafte) körperliche Befunde hingewiesen.