Genitalprolaps – Differentialdiagnosen
Erkrankungen, die differentialdiagnostisch bei einem Genitalprolaps (Vorfall der Beckenorgane) abzugrenzen sind:
Mund, Ösophagus (Speiseröhre), Magen und Darm (K00-K93)
- Hämorrhoidalleiden – perianale Vorwölbung, Blutung, Juckreiz oder Druckgefühl; Abgrenzung durch Inspektion, digital-rektale Untersuchung und ggf. Proktoskopie
- Rektumprolaps (Mastdarmvorfall) – zirkulärer Vorfall der Rektumwand (Mastdarmwand) durch den Analkanal; Abgrenzung zur Rektozele (Aussackung des Mastdarms in die Scheide) durch Inspektion beim Pressen, digital-rektale Untersuchung und ggf. Proktoskopie (Enddarmspiegelung)
Neubildungen – Tumorerkrankungen (C00-D48)
- Benigne Tumoren der Vulva oder Vagina, nicht näher bezeichnet – z. B. Fibrom (Bindegewebsgeschwulst), Lipom (Fettgewebsgeschwulst), Leiomyom (gutartige Muskelgeschwulst); meist lokalisierte Raumforderung ohne typische belastungsabhängige Prolapsdynamik
- Maligne Tumoren der Vulva oder Vagina, nicht näher bezeichnet – insbesondere bei neu aufgetretener Raumforderung, Blutung, Ulzeration (Geschwür), Schmerz oder postmenopausaler Symptomatik (Beschwerden nach den Wechseljahren)
- Prolabierender Zervixpolyp (Gebärmutterhalspolyp) oder Endometriumpolyp (Gebärmutterschleimhautpolyp) – sichtbare polypöse Raumforderung im Bereich der Cervix uteri (Gebärmutterhals) oder Vagina; Abgrenzung durch Spekulumeinstellung (Scheidenspiegeluntersuchung), Sonographie (Ultraschalluntersuchung) und histologische Sicherung (feingewebliche Sicherung) bei suspektem Befund
- Uterusmyom (Gebärmuttermyom), submukös/prolabierend – Raumforderung im Bereich der Cervix uteri oder Vagina; Abgrenzung durch gynäkologische Untersuchung und Sonographie
Urogenitalsystem (Nieren, Harnwege – Geschlechtsorgane) (N00-N99)
- Bartholin-Zyste (Zyste der Bartholin-Drüse)/Bartholin-Abszess (Eiteransammlung der Bartholin-Drüse) – laterale Vorwölbung im hinteren Vestibulum (Scheidenvorhof); typischerweise lokalisierte, nicht kompartimentbezogene Raumforderung
- Elongatio cervicis (Verlängerung des Gebärmutterhalses) – Verlängerung der Cervix uteri mit scheinbarem Uterusprolaps (Gebärmuttervorfall); Abgrenzung durch gynäkologische Untersuchung und Beurteilung der apikalen Stützstruktur
- Gartner-Gang-Zyste (Zyste eines embryonalen Ganges) – zystische Raumforderung der anterolateralen Vaginalwand (vorderen seitlichen Scheidenwand); Abgrenzung zur vorderen Vaginalwandprolaps-Komponente durch Lokalisation, Konsistenz und fehlende belastungsabhängige Reponibilität
- Harnröhrenkarunkel (Schleimhautknötchen der Harnröhre) – meist postmenopausale, kleine, rötliche Läsion (Gewebeveränderung) am Meatus urethrae externus (äußere Harnröhrenöffnung); Abgrenzung durch Inspektion
- Harnröhrenprolaps (Harnröhrenvorfall) – zirkuläre Schleimhautvorwölbung am Meatus urethrae externus; Abgrenzung zur Urethrozele (Harnröhrenvorwölbung) durch Inspektion
- Skene-Drüsen-Zyste (Zyste der Skene-Drüse)/Skene-Drüsen-Abszess (Eiteransammlung der Skene-Drüse) – paraurethrale Raumforderung (Raumforderung neben der Harnröhre); Abgrenzung zu Urethraldivertikel (Aussackung der Harnröhre) und anteriorer Vaginalwandprolaps-Komponente durch Lokalisation, Schmerzhaftigkeit und ggf. Sekretion
- Urethraldivertikel – paraurethrale Raumforderung, ggf. mit Dysurie (Schmerzen beim Wasserlassen), postmiktionellem Nachträufeln (Nachträufeln nach dem Wasserlassen), Dyspareunie (Schmerzen beim Geschlechtsverkehr) oder rezidivierenden Harnwegsinfekten (wiederkehrenden Harnwegsinfektionen); Abgrenzung durch klinische Untersuchung und bei Bedarf Magnetresonanztomographie (MRT)
- Vaginalwandzyste (Scheidenwandzyste), nicht näher bezeichnet – lokalisierte, zystische Vaginalwandveränderung ohne typische belastungsabhängige Prolapsdynamik
Verletzungen, Vergiftungen und andere Folgen äußerer Ursachen (S00-T98)
- Fremdkörper in der Vagina – tastbare oder sichtbare Raumforderung, ggf. Fluor (Ausfluss), Blutung oder Geruch; Abgrenzung durch Spekulumeinstellung
- Postoperative Narben- oder Granulationsgewebsveränderung (Wundheilungsgewebeveränderung) der Vagina – insbesondere nach vorausgegangener Beckenbodenoperation, Hysterektomie (Gebärmutterentfernung) oder Mesh-/Bandoperation (Netz-/Bandoperation)