Funktionen von Kochsalz im menschlichen Körper
Kochsalz liegt im Organismus in gelöster Form als positiv geladene Natriumionen (Na⁺) und negativ geladene Chloridionen (Cl⁻) vor. Beide Mineralstoffe erfüllen lebenswichtige Funktionen im menschlichen Organismus. So sind sie vor allem von Bedeutung für:
- den Wasserhaushalt (Regulation der Körperflüssigkeiten),
- das Nervensystem (Weiterleitung von Nervenimpulsen),
- den Knochenaufbau (Stabilität des Skeletts) und
- die Verdauung (Zerlegung und Aufnahme von Nahrung).
Kochsalz ist als Mineralstoffträger die Hauptquelle für die Natriumzufuhr.
Trotz der in westlichen Industrienationen häufig hohen Kochsalzzufuhr ist Natriumchlorid ein essentieller (lebensnotwendiger) Mineralstoff, dessen adäquate Verfügbarkeit Voraussetzung für das Überleben ist. Sowohl Defizite als auch Überschüsse können mit klinisch relevanten Funktionsstörungen einhergehen.
Ferner ist Natriumchlorid essentiell für die Aufrechterhaltung des Säure-Basen-Gleichgewichts, für den transmembranären Stofftransport (Stoffaustausch über Zellmembranen hinweg) sowie für zahlreiche enzymatische und hormonelle Regulationsmechanismen [2, 4, 5].
Im Folgenden sind Funktionen bzw. Wirkungen von Natrium und Chlorid für den Menschen aufgeführt.
Natrium
- Reguliert den osmotischen Druck (Konzentrationsdruck gelöster Teilchen) der Zellen und des Extrazellulärraumes (Raum außerhalb der Zellen) und hat so maßgeblichen Einfluss auf das intravasale Volumen (Blutmenge in den Gefäßen) und den Blutdruck [1, 2].
- Spielt eine zentrale Rolle bei der Aufrechterhaltung des Membranpotentials (elektrische Spannung an der Zellmembran), was eine Grundvoraussetzung für die Erregbarkeit von Nervenzellen und Muskelzellen (einschließlich Herzmuskelzellen) ist [2, 4].
- Ist entscheidend an der Entstehung und Weiterleitung von Aktionspotenzialen (elektrische Nervenimpulse) beteiligt und damit unverzichtbar für neuromuskuläre Funktionen (Zusammenspiel von Nerven und Muskeln), Reflexe und die kardiale Erregungsleitung (elektrische Steuerung des Herzschlags) [4, 5].
- Wird für die Resorption (Aufnahme) von Monosacchariden (Einfachzucker wie Glucose, Galactose, Fructose) sowie von Aminosäuren (Eiweißbausteine) im Dünndarm benötigt, da zahlreiche Transportmechanismen natriumabhängig sind [3, 6].
- Ist Bestandteil der Natrium-Kalium-ATPase (zentrales Transportenzym der Zellmembran) und somit wesentlich für die zelluläre Homöostase (stabiles inneres Gleichgewicht der Zelle), das Zellvolumen (Zellgröße) sowie den aktiven Ionentransport (energieabhängiger Transport geladener Teilchen) über biologische Membranen [4, 5].
- Trägt zur Regulation des Säure-Basen-Haushalts bei, unter anderem über den Natrium-Bicarbonat-Transport in Niere und Darm [4, 7].
- Ist für die renale Konzentrations- und Verdünnungsfähigkeit des Urins (Anpassung der Urinstärke an die Trinkmenge) von Bedeutung und damit essentiell für die Anpassung an unterschiedliche Flüssigkeitszufuhren [5, 7].
Chlorid
- Reguliert gemeinsam mit Natrium den osmotischen Druck der Zellen und des Extrazellulärraumes und trägt wesentlich zur Aufrechterhaltung des Flüssigkeitsgleichgewichts bei [3, 4].
- Wird für die Produktion von Magensalzsäure (HCl) in den Belegzellen (säurebildende Zellen des Magens) benötigt und ist damit unverzichtbar für die Proteindenaturierung (Aufspaltung der Eiweißstruktur), die Aktivierung von Pepsinogen (Vorstufe eines Verdauungsenzyms) sowie für eine normale Verdauungsfunktion [3, 6].
- Ist an der Aufrechterhaltung des Säure-Basen-Gleichgewichts beteiligt, insbesondere durch den Chlorid-Bicarbonat-Austausch in Erythrozyten (rote Blutkörperchen) [4, 7].
- Trägt zur elektrischen Neutralität (Ausgleich elektrischer Ladungen) im Organismus bei und spielt eine Rolle bei inhibitorischen Signalprozessen (hemmende Signalübertragung) im zentralen Nervensystem [4, 5].
- Ist für die normale Funktion bestimmter Transportproteine und Ionenkanäle (Durchtrittsstellen für geladene Teilchen) erforderlich, insbesondere in Epithelzellen von Niere, Darm und Lunge [5, 7].
In der klinischen Praxis kommt der Beurteilung des Natrium- und Chloridstatus insbesondere bei Störungen des Wasserhaushalts, bei Nieren- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie bei gastrointestinalen Resorptionsstörungen (Störungen bei der Aufnahme von Nährstoffen im Magen-Darm-Trakt) und endokrinologischen Regulationsstörungen (hormonelle Steuerungsstörungen im Körper) besondere Bedeutung zu.
Literatur
- Deutsche Gesellschaft für Ernährung, Österreichische Gesellschaft für Ernährung, Schweizerische Gesellschaft für Ernährungsforschung, Schweizerische Vereinigung für Ernährung: Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr. 5. Auflage. In: DGE/ÖGE/SGE/SVE. Umschau Braus Verlag, Frankfurt/Main (2013).
- Hahn A, Ströhle A, Wolters M: Ernährung – Physiologische Grundlagen, Prävention, Therapie. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH Stuttgart 2006.
- Schlieper CA: Grundfragen der Ernährung. 23. Auflage, Verlag Dr. Felix Büchner, 2019.
- Guyton AC, Hall JE: Textbook of Medical Physiology. 14th Edition. Elsevier, Philadelphia, 2021.
- Boron WF, Boulpaep EL: Medical Physiology. 3rd ed. Elsevier, 2017.
- Ross AC et al.: Modern Nutrition in Health and Disease. 11th Edition. Wolters Kluwer, Philadelphia, 2014.
- Koeppen BM, Stanton BA: Renal Physiology. 6th Edition. Elsevier, Philadelphia, 2018.