Nahrungscholesterin, Eierkonsum und LDL-Cholesterin – Was sagen aktuelle Studien?

Der Einfluss von Nahrungscholesterin auf das Serum-LDL-Cholesterin (LDL-C; schlechtes Cholesterin im Blut) und das kardiovaskuläre Risiko (Risiko für Herz- und Gefäßerkrankungen) gehört seit Jahrzehnten zu den kontrovers diskutierten Themen der Ernährungsmedizin. Eier stehen dabei exemplarisch im Fokus, da sie einerseits nährstoffreich sind, andererseits relevante Mengen an Cholesterin enthalten. Während frühere Empfehlungen eine strikte Begrenzung des Eierkonsums propagierten, differenzieren aktuelle Leitlinien stärker nach Gesamternährung, Risikoprofil und individuellen metabolischen Reaktionen. Neue randomisierte Interventionsstudien (kontrollierte Ernährungsstudien) und aktualisierte Metaanalysen der letzten Jahre erlauben eine präzisere Einordnung dieser Fragestellung [1-4].

Biologische Grundlagen

Der menschliche Organismus synthetisiert den Großteil seines Cholesterins endogen (selbst), während die intestinale Aufnahme (Aufnahme im Darm) aus der Nahrung interindividuell (zwischen einzelnen Personen) stark variiert. Entscheidend für die Serumlipidantwort (Veränderung der Blutfettwerte) ist nicht allein die absolute Cholesterinzufuhr, sondern das Zusammenspiel aus Cholesterinresorption (Aufnahme), hepatischer Synthese (Bildung in der Leber), LDL-Rezeptoraktivität (Aufnahme von LDL in Zellen) und Begleitnährstoffen.

Aktuelle Daten unterstreichen, dass insbesondere gesättigte Fettsäuren einen stärkeren und konsistenteren Effekt auf das LDL-C ausüben als das Nahrungscholesterin selbst. Ballaststoffe sowie mehrfach ungesättigte Fettsäuren modulieren diese Effekte zusätzlich und stellen zentrale Confounder (Störfaktoren) in Ernährungsstudien dar [2, 4].

Evidenz aus Interventionsstudien

Randomisierte kontrollierte Interventionsstudien (gezielt gesteuerte Ernährungsstudien) der letzten Jahre zeigen überwiegend, dass eine erhöhte Cholesterinzufuhr über Eier bei gleichzeitiger Reduktion gesättigter Fettsäuren nur geringe oder keine klinisch relevanten LDL-C-Erhöhungen verursacht.

In einer aktuellen Crossover-Studie (Studie mit wechselnden Ernährungsphasen) führte eine eireiche, aber fettmodifizierte Diät (angepasste Ernährung) zu keiner signifikanten LDL-C-Steigerung im Vergleich zu einer cholesterinärmeren, jedoch gesättigt-fettreicheren Kost. Die LDL-C-Veränderungen korrelierten primär mit der Aufnahme gesättigter Fettsäuren und nicht mit dem Cholesterin aus Eiern [2].

Limitationen dieser Studien liegen insbesondere in der begrenzten Studiendauer, der Adhärenzproblematik (Einhaltung der Diät) und der fehlenden Erfassung harter kardiovaskulärer Endpunkte (klinischer Ereignisse wie Myokardinfarkt (Herzinfarkt) oder Apoplex (Schlaganfall)).

Beobachtungsstudien und Metaanalysen 2021-2025

Große prospektive Kohortenstudien und aktuelle Dosis-Wirkungs-Metaanalysen berichten ein heterogenes Bild. Mehrere Arbeiten zeigen eine dosisabhängige Assoziation zwischen hohem Eierkonsum beziehungsweise hoher Cholesterinzufuhr und Gesamt- sowie kardiovaskulärer Mortalität (Sterblichkeit), insbesondere bei sehr hohem Konsum [5, 6].

Andere Studien finden hingegen keine signifikanten Zusammenhänge, insbesondere bei moderatem Eierverzehr im Rahmen einer insgesamt hochwertigen Ernährung. Die Heterogenität (Uneinheitlichkeit) der Ergebnisse wird maßgeblich durch Unterschiede im Ernährungsstil, in der Zubereitung von Eiern, im Begleitkonsum gesättigter Fettsäuren sowie durch residuale Confounder (verbleibende Störfaktoren) erklärt [3, 5, 6].

Spezielle Populationen

Für bestimmte Risikogruppen scheint der Kontext des Eierkonsums besonders relevant. In der Sekundärprävention (Vorbeugung nach bereits eingetretenem Ereignis), etwa nach Apoplex (Schlaganfall), wurde ein linearer Zusammenhang zwischen höherer Cholesterinzufuhr und erhöhter Gesamt- sowie kardiovaskulärer Mortalität beschrieben. Ein moderater Eierkonsum (bis zu 1 Ei/Tag) erwies sich dabei als vergleichsweise unbedenklich, während ein hoher Konsum mit einem erhöhten Mortalitätsrisiko assoziiert war [3].

Leitlinien und konsensbasierte Empfehlungen

Die aktuellen ESC/EAS-Leitlinien (europäische Leitlinien zur Fettstoffwechselstörung) zur Dyslipidämietherapie (Behandlung von Fettstoffwechselstörungen) empfehlen weiterhin eine Begrenzung des Nahrungscholesterins, insbesondere bei Personen mit erhöhtem oder sehr hohem kardiovaskulärem Risiko. Gleichzeitig wird betont, dass die Reduktion gesättigter Fettsäuren und die Verbesserung der gesamten Ernährungsqualität einen höheren Stellenwert besitzen als die isolierte Betrachtung einzelner Lebensmittel [1, 7].

Praktische Ernährungsempfehlungen bei Hypercholesterinämie (erhöhter Cholesterinspiegel)

  • Reduktion gesättigter Fettsäuren zugunsten ungesättigter Fettsäuren
  • Ausreichende Ballaststoffzufuhr
  • Moderater Eierkonsum (zum Beispiel bis zu 1 Ei/Tag)
  • Vermeidung ungünstiger Verzehrkontexte
  • Individuelle risikoadaptierte Ernährungsberatung

Fazit und Forschungslücken

Eier sind weder ein kardiovaskuläres Risikolebensmittel noch ein funktionelles Superfood. Der gesundheitliche Effekt hängt maßgeblich vom Gesamternährungsmuster und vom individuellen kardiovaskulären Risiko ab.

Literatur

  1. Mach F, et al. 2025 Focused Update of the 2019 ESC/EAS Guidelines for the management of dyslipidaemias. Eur Heart J. 2025. https://doi.org/10.1093/eurheartj/ehaf190
  2. Carter S, Hill AM, Yandell C, et al. Impact of dietary cholesterol from eggs and saturated fat on LDL cholesterol levels: a randomized cross-over study. Am J Clin Nutr. 2025;122:83-91. https://doi.org/10.1016/j.ajcnut.2025.05.001
  3. Xia L, Xu T, Zhan Z. Dietary cholesterol intake and egg consumption in relation to all-cause and cardiovascular mortality after stroke. Sci Rep. 2025;15:35163. https://doi.org/10.1038/s41598-025-19028-0
  4. Formisano E, Caffa I, et al. Effect of egg consumption on health outcomes: an updated umbrella review. Nutr Metab Cardiovasc Dis. 2025. https://doi.org/10.1016/j.numecd.2025.103849
  5. Ruggiero E, Di Castelnuovo A, Costanzo S, et al. Egg consumption and risk of all-cause and cause-specific mortality in an Italian adult population. Eur J Nutr. 2021;60:3691-3702. https://doi.org/10.1007/s00394-021-02536-w
  6. Mousavi SM, Zargarzadeh N, et al. Egg consumption and risk of all-cause and cause-specific mortality: a systematic review and dose-response meta-analysis. Adv Nutr. 2022;13:1762-1773. https://doi.org/10.1093/advances/nmac040
  7. Kronenberg F, et al. Advancing evidence-based lipid management: implications of the ESC/EAS dyslipidaemia update. Atherosclerosis. 2025. https://doi.org/10.1016/j.atherosclerosis.2025.120487