Einleitung
Magenschleimhautentzündung (Gastritis)

Als Gastritis (Synonyme: Akute Gastritis; akute Gastroduodenitis; akute erosive Gastritis; akute hämorrhagische Gastritis; Alkoholgastritis; Alkoholtoxische Gastritis; allergische Gastritis; atrophische Gastritis; atrophische Gastroduodenitis; bakterielle Gastritis; chronische Antrumgastritis; chronische Fundusgastritis; chronische Gastritis; chronische erosive Gastritis; Einfache Gastritis; erosive Gastritis; Gastritis erosiva; Gastritis phlegmonosa; Gastroduodenitis; Gastroösophagitis; granulomatöse Gastritis; Hypersekretive Gastritis; Hypertrophische Gastritis; hämorrhagische Gastritis; Korpusgastritis; Magenschleimhauthypertrophie; Oberflächengastritis; Refluxgastritis; Reizgastritis; rezidivierende Gastritis; spastische Gastritis; Stumpfgastritis; Plural: Gastritiden; griech. γαστήρ (gaster) Magen, mit dem eine Entzündung ausdrückenden Suffix -itis; ICD-10 K29.-: Gastritis und Duodenitis) wird eine Entzündung der Magenschleimhaut bezeichnet.

Die Gastritis kann sowohl akut als auch chronisch auftreten.

Man unterscheidet folgende Formen der chronischen Gastritis nach dem ABC-Schema:

  Typ A (autoimmune Gastritis)
Typ B (bakterielle Gastritis) Typ C (chemische Gastritis)
Ursache Autoimmunerkrankung bzw. Autoimmungastritis mit Antikörpern gegen Parietalzellen (APCA bzw. Anti-Parietalzell-Autoantikörper; 90 % der Fälle) und Intrinsic-Factor (AIF; 70 % der Fälle) Infektion durch Helicobacter pylori (fördert die Säuresekretion; setzt schleimhauttoxische Proteasen und Toxine frei);
sehr selten Cytomegalie-Virus oder enteroinvasive Bakterien
Medikamentenicht steroidale Antirheumatika (NSAR) wie z. B. Acetylsalicylsäure (ASS), Diclofenac; Glucocorticoide, Zytostatika

Gallerückfluss nach subtotaler Magenentfernung (etwa 4/5 des Magens wird entfernt)
Lokalisation
Korpusgastritis, deszendierende (Belegzellen v.a. in Fundus und Korpus)
Antrumgastritis (40 % der Fälle), im weiteren Verlauf Ausbreitung in Richtung Korpus (Antrum + Korpus: 50 %; nur Korpus: 10 %) Antrumgastritis (aber auch im Fundus und Korpus)
Häufigkeit 5 % 80 % 15 %
Verlauf/ Komplikationen
Es findet sich eine komplette Schleimhautatrophie des Magens (= atrophische Gastritis).
Da der Intrinsic-Factor essentiell für die Vitamin-B12-Aufnahme ist, kann sich eine perniziöse Anämie (
Anämie (Blutarmut), die durch einen Mangel an Vitamin B12 (Cobalamin) ausgelöst wird) entwickeln.

Langzeitkomplikation: Magenkarzinom

Weiteres siehe unter "Folgeerkrankungen“.
Es können sich gastroduodenale Ulzera (Ulcus ventriculi /Magengeschwüre bzw. Ulcus duodeni /Zwölffingerdarmgeschwüre) entwickeln. Das Risiko an einem MALT-Lymphom zu erkranken ist erhöht.

Weiteres siehe unter "Folgeerkrankungen“.
Es entstehen gastroduodenale Ulzera mit hohem Blutungsrisiko. Diese Ulzera sind akut einsetzend und heilen nach Elimination der auslösenden Ursache.

Weiteres siehe unter "Folgeerkrankungen“.

Neben diesen drei Hauptformen gibt es verschiedene Sonderformen der Gastritis:

  • Phlegmonöse oder abszedierende Gastritis – z. B. nach Streptokokkeninfekt
  • Hämorrhagisch-erosive Gastritis
  • Riesenfaltengastritis
  • Virale Gastritis – z. B. durch Cytomegalie-Viren, Varizellen
  • Allergische Gastritis – enthält eosinophile Granulozyteninfiltrate, z. B. aufgrund einer Nahrungsmittelallergie
  • Spezifische Gastritis – im Rahmen von Tuberkulose, Syphilis, Morbus Crohn, Sarkoidose, Granulomatose mit Polyangiitis (GPA; ehemals Wegenersche Granulomatose), Gluten-sensitiver Enteropathie, chemischen Reizungen, Strahlenschäden

Häufigkeitsgipfel: Die chronische Gastritis tritt zunehmend im höheren Lebensalter auf.

Die Prävalenz (Krankheitshäufigkeit) für eine chronische Gastritis liegt bei ca. 50 % in der Gruppe der über 50-Jährigen (in den westlichen Ländern). Angaben zur Prävalenz der jeweiligen Formen der chronischen Gastritis siehe in der Tabelle.

Verlauf und Prognose: Die akute Gastritis tritt plötzlich auf und kann ggf. auch mit Blutungen der Schleimhaut einhergehen. Während es bei einer akuten Gastritis häufig zu einer Steigerung der Magensaftsekretion kommt, ist diese bei der chronischen Gastritis vermindert.
Die akute Gastritis heilt meist spontan ab, bei der chronischen Gastritis kann sich jedoch eine sogenannte Schleimhautatrophie (Abnahme der Magenschleimhaut) mit verminderter Säureproduktion des Magens ergeben. Im langjährigen Verlauf kann es sogar zur Entwicklung eines Magenkarzinoms (Magenkrebs) kommen. Weitere Informationen zum Verlauf der chronischen Gastritis siehe in der Tabelle.

Leitlinien

  1. S2k-Leitlinie: Helicobacter pylori und gastroduodenale Ulkuskrankheit. Z Gastroenterol 2016; 54: 327–363

     
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