Kreatinin
Kreatinin (Creatinin) ist ein endogenes Stoffwechselprodukt (körpereigenes Abbauprodukt) des Muskelstoffwechsels, das überwiegend renal (über die Nieren) eliminiert wird (harnpflichtig).
Der Laborparameter gehört zu den Nierenretentionsparametern. Er wird zur Abschätzung der glomerulären Filtrationsleistung (Filterleistung der Nierenkörperchen) der Niere herangezogen. Eine Erhöhung spricht für eine reduzierte renale Elimination und kann auf eine eingeschränkte Nierenfunktion hinweisen.
Kreatinin entsteht im Muskelgewebe aus Creatin. Kreatinin wird glomerulär (in den Nierenkörperchen) filtriert und zusätzlich in gewissem Ausmaß tubulär (in den Nierenkanälchen) sezerniert (kreatininblinder Bereich). Diese tubuläre Sekretion führt insbesondere bei eingeschränkter Nierenfunktion zu einer Überschätzung der tatsächlichen glomerulären Filtrationsrate (GFR) (Filterleistung der Nieren) durch kreatininbasierte Verfahren.
Zur klinischen Einordnung ist die Bestimmung des Serumkreatinins (Kreatinin im Blut) allein häufig nicht ausreichend. Leitliniengerecht sollte die Nierenfunktion primär über die geschätzte glomeruläre Filtrationsrate (eGFR) (geschätzte Filterleistung der Nieren) (z. B. CKD-EPI) und die Albuminurie (Albumin im Urin) (Albumin-Kreatinin-Quotient, ACR) beurteilt werden. Die Kombination aus eGFR und Albuminurie verbessert die Risikoabschätzung für Progression (Fortschreiten) und kardiovaskuläre Endpunkte (Herz-Kreislauf-Ereignisse) [3].
Synonyme
- Creatinin
- Serumkreatinin (Kreatinin im Blut)
- Urinkreatinin (Kreatinin im Urin)
Das Verfahren
Benötigtes Material
- Blutserum (Blutflüssigkeit)
- 24h-Urin (24-Stunden-Urin) (zur Kreatinin-Clearance (Kreatinin-Ausscheidungsleistung))
Vorbereitung des Patienten
- Keine spezielle Vorbereitung erforderlich
- Wenn möglich: keine fleischreiche Mahlzeit und keine außergewöhnlich intensive körperliche Belastung unmittelbar vor der Blutentnahme (Randverschiebungen/Interferenzen (Messverfälschungen) möglich)
Störfaktoren
Falsch hohe Kreatinin-Konzentrationen können methodenabhängig (v. a. bei Jaffé-Reaktion) sowie durch reduzierte tubuläre Sekretion oder extrarenale Einflüsse (Einflüsse außerhalb der Niere) bedingt sein:
- Medikamente/Wirkstoffe
- Analgetika (Schmerzmittel) wie Acetylsalicylsäure (ASS), Fenoprofen, Indometacin oder Naproxen
- Ascorbinsäure (Vitamin C)
- Bilirubin (Gallenfarbstoff) (Interferenz je nach Methode/Analysator)
- Cephalosporine (v. a. Cefazolin, Cefoxitin und Cephalotin; Interferenz v. a. Jaffé)
- Ciclosporin (Cyclosporin A)
- Cimetidin (Anstieg durch Hemmung der tubulären Kreatininsekretion (Ausscheidung in den Nierenkanälchen))
- Cisplatin
- Cobicistat (Anstieg durch Hemmung der tubulären Kreatininsekretion)
- Cotrimoxazol
- Eltrombopag
- Fenofibrat
- Flucytocin
- Ketonkörper (v. a. Acetoacetat; Interferenz v. a. Jaffé)
- Spironolacton
- Triamteren, Amilorid
- Trimethoprim (Anstieg durch Hemmung der tubulären Kreatininsekretion)
- Weitere Ursachen
- Exsikkose (Austrocknung)
- Muskulöser Knochenbau (erhöhte Muskelmasse)
- Proteinreiche Diät/Fleischkonsum (fleischreiche Mahlzeit)
- Schwere körperliche Arbeit, intensive körperliche Belastung
- Kreatin-Supplementierung (abhängig von Dosis/Timing/Methode)
- Hämolyse (Auflösung roter Blutkörperchen), Lipämie (Fett im Blut), Ikterus (Gelbsucht) (analytische Interferenzen möglich, methoden-/geräteabhängig)
Falsch niedrige Kreatinin-Konzentrationen können das Ausmaß einer Nierenfunktionsstörung unterschätzen:
- Medikamente
- N-Acetylcystein
- Metamizol
- Paracetamol (Acetaminophen)
- Weitere Ursachen
- Geringe körperliche Aktivität
- Verringerte Muskelmasse bzw. Kachexie (Auszehrung)
- Malnutrition (Mangelernährung)
- Diabetes mellitus (durch Hyperfiltration (Mehrfiltration))
- Leberzirrhose (Leberschrumpfung)
- Schwangerschaft
Methode
- Photometrische Bestimmung (Lichtmessung) des Kreatinins im Serum (Blut) oder Urin
- In der Routinediagnostik überwiegend Jaffé-Methode (alkalische Pikrinsäure-Reaktion)
- Alternativ enzymatische Methoden (Enzymverfahren) mit höherer Spezifität und geringerer Interferenzanfälligkeit
- Die Messergebnisse sind methodenabhängig; Referenzbereiche und Verlaufskontrollen müssen methodenkonsistent interpretiert werden
Normwerte bei Kindern – Blutserum
| Alter | Normwerte in mg/dl | Normwerte in µmol/l |
| Neugeborene | 0,66-1,09 | 58,34-93,70 |
| 1. Lebensmonat (LM) | 0,5-1,2 | 44,2-106,08 |
| 1.-3. Lebensjahr (LJ) | 0,4-0,7 | 35,36-61,88 |
| 4.-6. LJ | 0,5-0,8 | 44,2-70,72 |
| 7.-9. LJ | 0,6-0,9 | 53,04-79,56 |
| 10.-12. LJ | 0,6-1,0 | 53,04-88,40 |
| 13.-15. LJ | 0,6-1,2 | 53,04-106,08 |
| 16.-18. LJ | 0,8-1,4 | 70,72-123,76 |
Normwerte bei Erwachsenen – Blutserum
| Geschlecht | Normwerte in mg/dl | Normwerte in µmol/l |
| Weiblich | 0,6-1,0 | 53-88 |
| Männlich | 0,7-1,2 | 62-106 |
Normwerte – Urin
| Geschlecht | Normwerte in g/24 h |
| Weiblich | 1,0-1,3 |
| Männlich | 1,5-2,5 |
Normbereiche sind methoden- und laborabhängig.
Indikationen
- Verdacht auf Nephropathien (Nierenerkrankungen) jeglicher Art
- Verdacht auf Stoffwechselerkrankungen (Stoffwechselkrankheiten) wie Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit), Hyperurikämie (erhöhte Harnsäure)
- Verdacht auf Kollagenosen (Bindegewebserkrankungen): systemischer Lupus erythematodes (SLE), Polymyositis (PM) bzw. Dermatomyositis (DM), Sjögren-Syndrom (Sj), Sklerodermie (SSc) und Sharp-Syndrom (mixed connective tissue disease, MCTD)
- Verdacht auf Hypertonie (Bluthochdruck)
- Verdacht auf eine Schocksymptomatik (Schock)
- Verdacht auf toxische Nierenschädigung (Vergiftungsschaden der Niere) durch Medikamente, exogene Noxen (schädliche Stoffe von außen) oder andere Stoffe
- Hämolyse (Auflösung roter Blutkörperchen)
- Myolyse (Muskelzerfall)
- Überwachung der Nierenfunktion bei der Gabe nephrotoxischer Medikamente (nierenschädigende Medikamente)
Sowie zur Therapiekontrolle (Behandlungskontrolle) der oben genannten Erkrankungen.
Interpretation
Interpretation erhöhter Werte
Akutes Nierenversagen (ANV)
Prärenal
- Schock jeglicher Art
- Exsikkose (Austrocknung)
Renal
- Akutes Nierenversagen durch verschiedenste Auslöser wie Medikamente oder Sepsis (Blutvergiftung)
- Chronische Niereninsuffizienz (chronische Nierenschwäche)
- EPH-Gestose
- Hämolyse (Auflösung roter Blutkörperchen)
- Myolyse (Muskelzerfall)
- Plasmozytom
- Rapid progressive Glomerulonephritis (rasch fortschreitende Nierenkörperchenentzündung)
- Schwermetallintoxikation (Schwermetallvergiftung)
- Sepsis (Blutvergiftung)
Postrenal
- Nach einem Marathonlauf: Anstieg des Serum-Kreatinin-Spiegels um das 1,5- bis 2-fache oder um 0,3 mg/dl; auch Anzeichen einer tubulären Schädigung konnten nachgewiesen werden; alle Patienten erholten sich recht schnell von den Schäden [5]
- Verlegung der Harnwege durch Steine, Tumoren o. Ä.
- Opiate
- Parasympatholytika
Chronische Niereninsuffizienz
- Diabetische Nephropathie (Kimmelstiel-Wilson-Syndrom)
- Glomerulonephritiden (Nierenkörperchenentzündungen)
- Hypertonie (Bluthochdruck)
- Interstitielle Nephritiden (Zwischengewebsentzündungen der Niere)
- Kollagenosen (Bindegewebserkrankungen)
- Plasmozytomniere (Ig-Leichtketten-Proteinurie)
- Renovaskuläre Nierenerkrankungen (Durchblutungsstörungen der Niere)
- Zystennieren
Weitere Ursachen
- Muskelmasse erhöht
- Akromegalie
- Intensive muskuläre Beanspruchung
- Siehe oben Störfaktoren
Interpretation erniedrigter Werte
- Gravidität (Schwangerschaft)
- Muskelatrophie (Muskelabbau) bzw. verminderte Muskelmasse: Kinder, kachektische Patienten (äußerst ausgezehrte Patienten), ältere Patienten (wg. Sarkopenie (Muskelabbau im Alter))
- Untergewicht
Charakteristische Laborbefunde
- Isoliert erhöhtes Serumkreatinin (Kreatinin im Blut)
- Mögliche prärenale Ursachen (Exsikkose (Austrocknung), körperliche Belastung, hohe Muskelmasse)
- Abklärung im Kontext von eGFR (geschätzte Filterleistung der Nieren) und Urinbefunden erforderlich
- Erhöhtes Kreatinin mit erniedrigter eGFR (geschätzte Filterleistung der Nieren)
- Hinweis auf relevante Einschränkung der glomerulären Filtrationsleistung (Filterleistung der Nierenkörperchen)
- Stadieneinteilung der chronischen Nierenerkrankung nur in Kombination mit Albuminurie (Albumin im Urin) sinnvoll
- Normales Kreatinin bei erniedrigter eGFR (geschätzte Filterleistung der Nieren)
- Typisch bei älteren Patienten und bei verminderter Muskelmasse
- Risiko der Unterschätzung einer relevanten Nierenfunktionseinschränkung
- Erhöhtes Kreatinin ohne Albuminurie (Albumin im Urin)
- Häufig prärenal oder funktionell
- Bei älteren Menschen nicht zwangsläufig mit erhöhtem Risiko für Tod und Nierenversagen assoziiert [6, 8]
- Erhöhtes Kreatinin mit signifikanter Albuminurie (Albumin im Urin) (ACR erhöht)
- Hohes Progressions- und kardiovaskuläres Risiko (Herz-Kreislauf-Risiko)
- Nephrologische Mitbetreuung (Mitbehandlung durch Nierenspezialist) erwägen
- Divergenz Kreatinin vs. Cystatin C
- Hinweis auf Einfluss der Muskelmasse oder extrarenale Faktoren (Einflüsse außerhalb der Niere)
- eGFR basierend auf Kreatinin und Cystatin C (eGFR-KC) ist häufig genauer als rein kreatininbasierte eGFR [2, 7, 8]
Weiterführende Diagnostik
- eGFR-Berechnung (CKD-EPI) zur stadiengerechten Einordnung; CKD-EPI kann die Prävalenz höhergradiger chronischer Niereninsuffizienz gegenüber MDRD niedriger ausweisen [1]
- Albumin-Kreatinin-Quotient (ACR) im Urin zur Risikostratifizierung; eGFR und Albuminurie (Albumin im Urin) gemeinsam sind prognostisch aussagekräftig [3]
- Urinstatus, mikroskopisches Urinsediment (z. B. Erythrozytenzylinder, Akanthozyten)
- Cystatin C zur verbesserten Risiko- und Prognoseabschätzung, insbesondere bei älteren Menschen und bei atypischer Muskelmasse [2, 8]
- Kreatinin-Clearance (Kreatinin-Ausscheidungsleistung) aus 24h-Sammelurin (24-Stunden-Sammelurin) bei atypischer Körperkonstitution oder unklaren Konstellationen
- Kidney Failure Risk Equation (KFRE) zur Abschätzung des Risikos einer Dialysepflichtigkeit (Dialysebedarf) [s. u. "Praktische online-Rechner"]
Weitere Hinweise
- Die altersabhängige Einordnung der chronischen Nierenerkrankung sollte bei älteren Menschen konsequent Albuminurie (Albumin im Urin) und klinischen Kontext berücksichtigen; eGFR-Werte von 45-60 ml/min/1,73 m² in Abwesenheit einer Albuminurie sind bei älteren Menschen nicht zwingend mit erhöhtem Risiko für Tod und Nierenversagen assoziiert [6, 8].
- Das Serumkreatinin (Kreatinin im Blut) kann bei eingeschränkter Filtrationsleistung trotz „Normalwert“ unauffällig bleiben, insbesondere bei niedriger Muskelmasse.
- Die diagnostische Sensitivität des isolierten Serumkreatinins (Kreatinin im Blut) zur Erkennung einer chronischen Nierenerkrankung ist begrenzt; eGFR (geschätzte Filterleistung der Nieren) und ACR sollten gemeinsam bewertet werden [3].
- Geschätzte (eGFR) (geschätzte Filterleistung der Nieren) und gemessene glomeruläre Filtrationsrate (mGFR) (gemessene Filterleistung der Nieren) können individuell erheblich abweichen; die Individualungenauigkeit ist klinisch relevant [7].
- Cystatin C ist in vielen Settings zur Risikoklassifikation und Prognose gegenüber Kreatinin überlegen, insbesondere bei älteren Patienten und bei atypischer Körperzusammensetzung [2, 8].
- Bei Patienten mit Apoplex (Schlaganfall) kann eine unerkannte Nierenfunktionsstörung prognostisch relevant sein; die Beurteilung sollte über eGFR (geschätzte Filterleistung der Nieren) und nicht über isoliertes Serumkreatinin (Kreatinin im Blut) erfolgen [4].
Diagnostisches Vorgehen bei grenzwertig erhöhtem Serumkreatinin
Ein Serumkreatinin (Kreatinin im Blut) von 1,4 mg/dl kann auf eine harmlose Ursache wie vermehrte Muskelmasse oder Dehydratation (Flüssigkeitsmangel) hinweisen, jedoch auch ein Hinweis auf eine relevante Nierenerkrankung sein. Die isolierte Betrachtung des Kreatininwertes greift zu kurz. Eine strukturierte labordiagnostische und klinische Einordnung ist essenziell.
Einflussfaktoren auf das Serumkreatinin
- Muskelmasse: Gesteigerte endogene Kreatininproduktion bei muskulösen Patienten.
- Körperliche Aktivität und Kreatinsupplementierung: Vor allem bei Sportlern können erhöhte Werte ohne pathologischen Befund auftreten.
- Dehydratation: Prärenale Ursache eines erhöhten Kreatininwertes.
Urindiagnostik als Schlüsselbefund
- Obligate Untersuchungen
- Quantitative Urinproteinanalyse
- Bestimmung des Albumin-Kreatinin-Quotienten (ACR)
- Mikroskopisches Urinsediment zur Differenzierung glomerulärer Ursachen
- Typische pathologische Befunde
- Akanthozyten oder Erythrozytenzylinder: Hinweis auf Glomerulonephritis (Nierenkörperchenentzündung)
- Makroalbuminurie: hohes Risiko für Progression (Fortschreiten)
Schätzung der glomerulären Filtrationsrate (eGFR)
- Limitierte Aussagekraft des Serumkreatinins
- Häufig erst bei größerem Funktionsverlust deutlich ansteigend
- Eingeschränkte Aussagekraft bei Alter, Muskelmasse, Über-/Untergewicht
- Validierungsbereich und Individualgenauigkeit: Die Genauigkeit der eGFR (geschätzte Filterleistung der Nieren) ist interindividuell variabel; klinisch relevante Abweichungen sind möglich [7].
- Alternative Marker
- Cystatin C: Unabhängig von Muskelmasse; prognostisch relevant und häufig sensitiver zur Risikoabschätzung als Kreatinin [2, 8].
Goldstandard: Kreatinin-Clearance
- Messung aus 24h-Urin
- Aussagekräftiger als eGFR (geschätzte Filterleistung der Nieren) bei atypischer Körperkonstitution
- Erfordert korrekte Sammlung
Verlaufskontrolle und Differenzierung
- Wiederholung der Messung
- Innerhalb von 1-2 Wochen bei Verdacht auf akute Nierenschädigung (akuter Nierenschaden)
- Chronifizierung bei persistierender GFR-Minderung und/oder Albuminurie (Albumin im Urin) über >3 Monate
- Diagnosesicherung bei chronischer Nierenerkrankung
- eGFR (geschätzte Filterleistung der Nieren) und Albuminurie (Albumin im Urin) sind für die Definition erforderlich
- Ätiologische Abklärung (Ursachenabklärung) erforderlich, ggf. nephrologische Mitbeurteilung (Mitbeurteilung durch Nierenspezialist)
Zeitpunkt der Überweisung zum Nephrologen
- Frühe Überweisung: bei auffälliger Albuminurie (Albumin im Urin), pathologischem Urinsediment (krankhaftem Urinsediment), rascher Progression (schnellem Fortschreiten) oder klinisch relevant reduzierter eGFR (geschätzte Filterleistung der Nieren)
- Ziel: frühzeitige nephrologische Intervention (frühe Behandlung durch Nierenspezialist) vor irreversibler Nierenschädigung
Aktueller diagnostischer Stellenwert von Kreatinin
Nierenfunktion: Bedeutung von Cystatin C im Vergleich zu Kreatinin
Kreatinin ist seit Langem ein Standardparameter zur Einschätzung der Nierenfunktion, seine Aussagekraft wird jedoch durch Muskelmasse, Alter und Geschlecht wesentlich beeinflusst. Eine muskulöse, junge Person kann erhöhte Kreatininwerte aufweisen, ohne dass eine Nierenerkrankung vorliegt, während bei älteren oder kachektischen Patienten trotz eingeschränkter Filtrationsleistung scheinbar normale Werte gemessen werden können.
Cystatin C bietet hier einen diagnostischen Vorteil. Cystatin C-basierte Formeln zur Berechnung der eGFR (geschätzte Filterleistung der Nieren) reagieren sensibler auf frühe Funktionsverluste der Niere und korrelieren besser mit dem Risiko für kardiovaskuläre Komplikationen (Herz-Kreislauf-Komplikationen) und Gesamtmortalität (Sterblichkeit) als rein kreatininbasierte Schätzungen [2]. Bei älteren Menschen verbessert die Einbeziehung von Cystatin C die Prognoseabschätzung und reduziert Fehlklassifikationen (Fehleinstufungen) [8].
Fazit: Kreatinin allein liefert häufig kein vollständiges Bild der Nierenfunktion. Die ergänzende Bestimmung von Cystatin C verbessert die diagnostische Genauigkeit; insbesondere die kombinierte eGFR aus Kreatinin und Cystatin C (eGFR-KC) ist für die Risiko- und Prognoseabschätzung häufig besser geeignet [2, 7, 8].
Praktische Online-Rechner
- GFR nach MDRD-Formel lang
- CKD-EPI-Formel (unter Berücksichtigung von Alter, Geschlecht und Hautfarbe)
- eGFR – mit Cystatin C (nach CAPA-Formel)
- eGFR – mit Cystatin C (nach Larsson)
- Kombination von Cystatin C und Kreatinin errechnete GFR
- Kidney Failure Risk Equation (KFRE): zur Bestimmung des Risikos einer Dialysepflichtigkeit innerhalb von 2 bzw. 5 Jahren: Online-Kalkulator
- www.risiko-nierenversagen.de: Einschätzung des individuellen Krankheitsverlaufs (vier Parameter – Alter, Geschlecht, eGFR (glomeruläre Filtrationsrate) und UACR (Albumin-Kreatinin-Ratio im Urin))
Literatur
- Matsusihita K et al.: Comparison of risk prediction using CKD-EPI equation and the MDRD Study equation for estimated glomerular filtration rate. JAMA 2012; 307:1941-51
- Shlipak MG, Matsushita K, Ärnlöv J, Inker LA, Katz R, Polkinghorne KR, Rothenbacher D, Sarnak MJ, Astor BC, Coresh J, Levey AS, Gansevoort RT: Cystatin C versus Creatinine in Determining Risk Based on Kidney Function. N Engl J Med 2013; 369:932-943September 5, 2013. doi: 10.1056/NEJMoa1214234
- Matsushita K et al.: Estimated glomerular filtration rate and albuminuria for prediction of cardiovascular outcomes: a collaborative meta-analysis of individual participant data. doi: http://dx.doi.org/10.1016/S2213-8587(15)00040-6
- Pereg D et al.: Prevalence and significance of unrecognized renal dysfunction in patients with stroke. American Journal of Medicine 2016, online 20. Mai. doi: 10.1016/j.amjmed.2016.05.003
- Mansour SG et al.: Kidney Injury and Repair Biomarkers in Marathon Runners. Am J Kidney Dis. 2017 Aug;70(2):252-261. doi: 10.1053/j.ajkd.2017.01.045.
- Liu P et al.: Accounting for Age in the Definition of Chronic Kidney Disease JAMA Intern Med. 2021;181(10):1359-1366. doi:10.1001/jamainternmed.2021.4813
- Shafi T et al.: Quantifying Individual-Level Inaccuracy in Glomerular Filtration Rate Estimation. Ann Intern Med 2022; https://doi.org/10.7326/M22-0610
- Fu EL et al.: Association of Low Glomerular Filtration Rate With Adverse Outcomes at Older Age in a Large Population With Routinely Measured Cystatin C Annals of Internal Medicine 2024;177(3) https://doi.org/10.7326/M23-1138
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Literatur
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