Immunologischer Stuhltest
Der immunologische Stuhltest, international meist als fecal immunochemical test (FIT) oder immunologischer fäkaler Okkultbluttest (iFOBT) bezeichnet, ist ein quantitatives Stuhltestverfahren zum Nachweis von humanem Hämoglobin im Stuhl. Er dient primär der Früherkennung kolorektaler Neoplasien (Gewebeneubildungen im Dick- und Enddarm) und ist im deutschen Darmkrebs-Früherkennungsprogramm das etablierte stuhlbasierte Standardverfahren. Seit dem 1. April 2025 können Frauen und Männer ab dem 50. Lebensjahr im gesetzlichen Früherkennungsprogramm alternativ zur Koloskopie (Darmspiegelung) alle 2 Jahre einen iFOBT durchführen lassen [16, 17].
Synonyme
- Immunologischer Stuhltest
- Fecal immunochemical test (FIT)
- Immunologischer fäkaler Okkultbluttest (iFOBT)
- Fecal occult blood test (FOBT) – Oberbegriff
- Guajak-basierter FOBT (gFOBT) – historisches Vergleichsverfahren, nicht synonym mit FIT
Das Verfahren
- Benötigtes Material
- Frische Stuhlprobe
- Standardisiertes herstellerspezifisches FIT-Entnahmesystem mit Probenstab und Pufferlösung
- Vorbereitung des Patienten
- Keine Diätvorgaben erforderlich
- Keine routinemäßige Medikamentenpause erforderlich
- Der Test ist für die Früherkennung bei asymptomatischen (ohne Beschwerden) Personen sowie in definierten diagnostischen Kontexten geeignet; bei Alarmsymptomen (Warnzeichen) ersetzt er keine endoskopische Abklärung (Abklärung durch Spiegelung) [8, 16]
- Störfaktoren
- Verzögerter Transport, hohe Lagertemperaturen und Hämoglobinabbau können zu falsch niedrigen Werten führen
- Intermittierende Blutung fortgeschrittener Adenome (Drüsenpolypen) oder Karzinome (Krebserkrankungen) kann zu falsch negativen Ergebnissen führen [6, 9]
- Benigne (gutartige) Blutungsquellen des unteren Gastrointestinaltrakts (Magen-Darm-Trakts), z. B. Hämorrhoiden, entzündliche Schleimhautläsionen (Schleimhautveränderungen) oder Divertikelblutungen (Blutungen aus Ausstülpungen der Darmwand), können positive Ergebnisse ohne Neoplasie verursachen [1, 8]
- Protonenpumpenhemmer (Magensäureblocker) können die diagnostische Genauigkeit reduzieren; in einer symptomatischen Kohorte war die Sensitivität unter Protonenpumpenhemmer-Therapie niedriger und die Rate falsch positiver Befunde höher [5]
- Orale Antikoagulantien (Blutverdünner), Acetylsalicylsäure (ASS) und nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) verschlechtern die Testgüte nach aktueller Evidenz nicht relevant; ein routinemäßiges Absetzen vor FIT ist nicht angezeigt [4]
- FIT ist nicht für den Nachweis oberer gastrointestinaler Blutungen optimiert, da Globin im oberen Gastrointestinaltrakt proteolytisch abgebaut wird [8, 16]
- Methode
- Immunologischer Nachweis von humanem Hämoglobin mittels spezifischer Antikörper
- Moderne Screeningprogramme verwenden überwiegend quantitative FIT-Systeme
- Die diagnostische Leistungsfähigkeit ist cutoff-abhängig: Niedrigere Schwellenwerte erhöhen die Sensitivität, senken jedoch die Spezifität [2, 6]
- Im Vergleich zum Guajak-Test ist FIT spezifischer für menschliches Hämoglobin und benötigt keine Nahrungskarenz; zudem ist die diagnostische Genauigkeit für kolorektale Neoplasien höher [2]
- Transport innerhalb von 24 h ist anzustreben; die Stabilität ist testabhängig. Bei speziellen Abnahmesystemen kann das Material nach Probenentnahme bei Raumtemperatur mehrere Tage stabil sein, maßgeblich sind die Herstellerangaben des jeweils verwendeten Systems [16]
Normbereiche (je nach Labor)
| Subgruppe/Geschlecht/Alter | Referenzbereich |
|---|---|
| Erwachsene | Kein biologischer Normbereich |
| Quantitativer FIT | Negativ bei Unterschreiten des test- und programmspezifischen Cut-offs |
| Quantitativer FIT | Positiv bei Erreichen/Überschreiten des test- und programmspezifischen Cut-offs |
| Organisiertes Screening in Deutschland | Bewertung anhand des validierten, systemspezifischen Schwellenwertes; kein allgemeingültiger physiologischer Referenzbereich [16, 17] |
Normbereiche sind methoden- und laborabhängig.
Indikationen (Anwendungsgebiete)
- Früherkennung kolorektaler Neoplasien bei asymptomatischen Personen mit durchschnittlichem Risiko im Rahmen des organisierten Darmkrebs-Screenings [2, 16, 17]
- Nichtinvasive Alternative zur Vorsorgekoloskopie im gesetzlichen Früherkennungsprogramm ab dem 50. Lebensjahr [16, 17]
- Risikostratifizierung bei Patienten mit unklaren unteren gastrointestinalen Beschwerden im Rahmen symptomorientierter diagnostischer Pfade [1, 8]
- Ergänzende Diagnostik bei Verdacht auf kolorektale Pathologie im Rahmen der Primärversorgung oder im Zuweiserpfad [1, 8]
- Kein gleichwertiger Ersatz für risikoadaptierte endoskopische Überwachungsprogramme bei hereditären Hochrisikosyndromen (erblichen Hochrisikoerkrankungen); dort bleibt die Koloskopie das zentrale Verfahren [18]
Interpretation
- Erhöhte Werte
- Hinweis auf okkulte (verborgene) Blutung im unteren Gastrointestinaltrakt
- Erhöhte Wahrscheinlichkeit für fortgeschrittene Adenome, fortgeschrittene Neoplasien oder kolorektales Karzinom (Dick- und Enddarmkrebs) [1-3, 6]
- Ein positiver FIT ist kein Karzinomnachweis, sondern eine Abklärungsindikation zur Koloskopie [3, 16, 18]
- Erniedrigte Werte
- Geringere Wahrscheinlichkeit für kolorektales Karzinom oder fortgeschrittene Neoplasie
- Ein negativer FIT schließt eine relevante kolorektale Neoplasie nicht sicher aus; falsch negative Ergebnisse kommen vor, insbesondere bei intermittierender Blutung, proximal gelegenen Läsionen (Veränderungen) und präanalytischen Problemen [1, 6, 8, 9]
- Spezifische Konstellationen
- In populationsbasierten Programmen ist die Detektionsrate proximaler fortgeschrittener Neoplasien geringer als die distaler Läsionen [6]
- Bei Patienten mit erhöhtem familiärem Risiko ist die diagnostische Genauigkeit für kolorektale Karzinome hoch, für fortgeschrittene Neoplasien jedoch nur moderat [3]
- Eine einmalige ASS-Gabe von 300 mg vor FIT erhöhte in einer randomisierten Studie die Sensitivität numerisch, aber nicht signifikant [7]
- Höhere fäkale Hämoglobinkonzentrationen sind in Beobachtungsstudien auch mit erhöhter Gesamtmortalität (Gesamtsterblichkeit) assoziiert; dies ist derzeit jedoch kein eigenständiger klinischer Routineeinsatzbereich des FIT [9, 15]
- Ein positiver FIT bei negativer Koloskopie ist nur mit einem niedrigen 3-Jahres-Risiko proximal des Kolons (Dickdarms) gelegener Malignome (bösartiger Tumoren) assoziiert; die kumulative Inzidenz liegt unter 1 % [11]
Weiterführende Diagnostik
- Koloskopie nach positivem FIT – obligate Abklärungsdiagnostik [2, 10, 18]
- Die Abklärung sollte zeitnah erfolgen; systematische Übersichten zeigen bei längeren Verzögerungen, insbesondere jenseits von 9 Monaten, ungünstigere onkologische Outcomes (Krebsergebnisse) [10, 14]
- Bei positivem FIT und negativer Koloskopie ist eine routinemäßige generelle Ösophagogastroduodenoskopie (Speiseröhren-Magen-Zwölffingerdarm-Spiegelung) bei asymptomatischen Personen nicht indiziert; die 3-Jahres-Inzidenz proximal des Kolons gelegener Malignome bleibt niedrig [11]
- Bei klinischem Verdacht trotz negativem FIT richtet sich die weitere Diagnostik nach Symptomatik, Risikoprofil und Leitlinie; FIT darf die indizierte Endoskopie bei Warnsymptomen nicht verzögern [8, 18]
- Multitarget-Ansätze können die Sensitivität für fortgeschrittene Neoplasien steigern; sie sind derzeit jedoch nicht der etablierte Standard des deutschen Vorsorgeprogramms [12, 13, 16, 17]
Literatur
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- Guittet L, Bouvier V, Mariotte N, Vallée JP, Arsène D, Boutreux S et al.: Comparison of a guaiac based and an immunochemical faecal occult blood test in screening for colorectal cancer in a general average risk population. Gut. 2007;56(2):210-214. https://doi.org/10.1136/gut.2006.101428
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- Zorzi M, Hassan C, Capodaglio G, Narne E, Turrin A, Baracco M et al.: Divergent Long-Term Detection Rates of Proximal and Distal Advanced Neoplasia in Fecal Immunochemical Test Screening Programs: A Retrospective Cohort Study. Ann Intern Med. 2018;169(9):602-609. https://doi.org/10.7326/M18-0855
- Brenner H, Tao S, Haug U. Effect of a Single Aspirin Dose Prior to Fecal Immunochemical Testing on Test Sensitivity for Detecting Advanced Colorectal Neoplasms: A Randomized Clinical Trial. JAMA. 2019;321(17):1686-1692. https://doi.org/10.1001/jama.2019.4755
- D'Souza N, Georgiou Delisle T, Chen M, Benton SC, Abulafi M. Faecal immunochemical test is superior to symptoms in predicting pathology in patients with suspected colorectal cancer symptoms referred on a 2WW pathway: a diagnostic accuracy study. Gut. 2021;70(6):1130-1138. https://doi.org/10.1136/gutjnl-2020-321956
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- Kassenärztliche Bundesvereinigung. Darmkrebsfrüherkennung: Anspruch auf iFOBT oder Koloskopie ab dem 50. Lebensjahr. Berlin; Stand 2025.
- S3-Leitlinie: Kolorektales Karzinom. (AWMF-Registernummer: 021 - 007OL), September 2025 Langfassung