Mangelernährung im Alter – Medikamentöse Therapie

Therapieziel

Ziel ist die Verbesserung beziehungsweise Stabilisierung des Ernährungszustands unter Erhalt von Muskelkraft, körperlicher Funktion, Selbstständigkeit und Lebensqualität. Die Behandlung richtet sich nach Ursache, Schweregrad, Begleiterkrankungen, Prognose und individuellem Therapieziel. Bei fortgeschrittener unheilbarer Erkrankung können Symptomlinderung und eine möglichst unbelastete Nahrungsaufnahme im Vordergrund stehen [LL1, LL2].

Therapieempfehlungen

Für die Mangelernährung im Alter gibt es kein spezifisches Routinearzneimittel. Vorrang haben Ursachenbehandlung, Überprüfung der Medikation und individuell angepasste Ernährungstherapie. Appetitstimulanzien werden bei geriatrischer (altersmedizinischer) Mangelernährung nicht routinemäßig empfohlen; dies gilt auch bei Demenz (Erkrankung mit nachlassenden geistigen Fähigkeiten). Ein gesteigerter Appetit oder eine Gewichtszunahme belegt keinen Zugewinn an Muskelmasse oder Funktionsfähigkeit [LL1, LL2, LL3].

  • Ursachen behandeln: Unter anderem Schmerzen, Obstipation (Verstopfung), Übelkeit, Erkrankungen der Mundhöhle, Kau- oder Schluckstörungen, Depression (Erkrankung mit anhaltender Niedergeschlagenheit und Interessenverlust) sowie gastrointestinale (den Magen-Darm-Trakt betreffende) oder andere konsumierende (den Körper auszehrende) Erkrankungen abklären und gezielt behandeln. Arzneimittel werden entsprechend der gesicherten Grunderkrankung eingesetzt.
  • Medikation überprüfen: Insbesondere neu angesetzte Arzneimittel, Dosissteigerungen und Polypharmazie (gleichzeitige Einnahme vieler Arzneimittel) auf einen zeitlichen Zusammenhang mit Appetitverlust, Geschmacksstörungen, Mundtrockenheit, Übelkeit, Diarrhoe (Durchfall), Obstipation oder Sedierung (Dämpfung von Wachheit und Reaktionsfähigkeit) prüfen. Indikation, Dosis, Wechselwirkungen, Nierenfunktion und Einnahmebedingungen berücksichtigen; gegebenenfalls ärztlich begleitet reduzieren oder umstellen.
  • Ernährungstherapie einleiten: Ernährungsberatung, Unterstützung bei den Mahlzeiten, geeignete Konsistenz und Energie- beziehungsweise Proteinanreicherung; bei unzureichender Aufnahme orale Nahrungssupplemente. Eine enterale oder parenterale Ernährung erfordert eine eigenständige Indikationsstellung unter Berücksichtigung von Prognose und Patientenwillen [LL1, LL2].
  • Mobilität und Muskelaktivität fördern: Ernährungstherapie nach Möglichkeit mit angepasster Bewegung beziehungsweise Krafttraining verbinden.
  • Verlauf kontrollieren: Nahrungsaufnahme, Gewicht, Hydratation, Verträglichkeit, Funktion und Erreichen der vereinbarten Ziele dokumentieren. Ödeme (Wassereinlagerungen) können eine Gewichtszunahme vortäuschen; Serumalbumin allein ist kein geeigneter Erfolgsparameter der Ernährungstherapie [LL1, LL2].

Bei schwerer Mangelernährung oder längerfristig sehr geringer Nahrungsaufnahme besteht ein Risiko für ein Refeeding-Syndrom (Stoffwechselentgleisung beim Wiederbeginn der Ernährung). Der Ernährungsaufbau muss dann ärztlich überwacht erfolgen, einschließlich Kontrolle und bedarfsgerechter Korrektur von Phosphat, Kalium, Magnesium und Flüssigkeitshaushalt sowie einer situationsgerechten Thiamingabe [LL1, LL2].

Wirkstoffe (Hauptindikationen)

Bei geriatrischer Mangelernährung ohne zusätzliche spezifische Arzneimittelindikation werden keine Appetitstimulanzien als Standardtherapie eingesetzt. Prednisolon, Hydrocortison oder Dydrogesteron dürfen nicht pauschal zur Appetitanregung verordnet werden. Eine notwendige Glucocorticoidsubstitution bei gesicherter Nebennierenrindeninsuffizienz (unzureichender Hormonproduktion der Nebennierenrinde) ist davon zu unterscheiden.

Mirtazapin kann bei einer behandlungsbedürftigen depressiven Erkrankung nach individueller Nutzen-Risiko-Abwägung eingesetzt werden. Appetitsteigerung und Gewichtszunahme als mögliche Begleitwirkungen begründen keine Routineverordnung bei Mangelernährung ohne Depression. Sedierung, orthostatische Beschwerden (Beschwerden beim Aufstehen durch Blutdruckabfall), Hyponatriämie (zu niedrige Natriumkonzentration im Blut) und Sturzrisiko sind insbesondere bei gebrechlichen Menschen zu berücksichtigen. Cannabinoide werden zur routinemäßigen Appetitanregung bei geriatrischer Mangelernährung ebenfalls nicht empfohlen [LL1, LL2, LL3, FI4].

Wirkstoffe (Nebenindikationen) – palliative Onkologie

Die folgenden Optionen betreffen eine tumorassoziierte Anorexie (Appetitlosigkeit im Zusammenhang mit einer Krebserkrankung) beziehungsweise Kachexie (krankheitsbedingte Auszehrung mit Gewichts- und Muskelverlust) bei fortgeschrittener Krebserkrankung. Sie sind kein allgemeiner Behandlungsstandard für Mangelernährung im Alter. Die Entscheidung erfolgt onkologisch beziehungsweise palliativmedizinisch unter Berücksichtigung von Symptomlast, Therapieziel, Prognose und Risiken. Voraussetzung sind die Behandlung beeinflussbarer Beschwerden und eine angemessene ernährungsmedizinische Begleitung [LL4, LL5, LL6].

Die Evidenz für eine medikamentöse Appetitanregung ist begrenzt: In einer randomisierten Studie waren Megestrolacetat und Dexamethason hinsichtlich der Appetitverbesserung Placebo nicht eindeutig überlegen; unter Dexamethason trat häufiger eine Hyperglykämie (Überzuckerung) auf [2]. Die S3-Leitlinie zur klinischen Ernährung in der Onkologie lässt einen kurzzeitigen Glucocorticoideinsatz beziehungsweise den Einsatz von Gestagenen im begründeten Einzelfall zu. Bei laufender Immuncheckpoint-Inhibitor-Therapie dürfen systemische Glucocorticoide zur Appetitanregung nur nach Rücksprache mit dem behandelnden onkologischen Team eingesetzt werden [LL6].

Bei einer Anwendung außerhalb der zugelassenen Indikation sind Off-Label-Use, erwarteter Nutzen, Risiken und Behandlungsalternativen zu erläutern und zu dokumentieren. Die angegebenen Dosierungen sind indikationsbezogene Orientierungswerte für Erwachsene; insbesondere bei Gebrechlichkeit, Organfunktionsstörungen und relevanter Begleitmedikation ist eine individuelle Festlegung erforderlich.

Glucocorticoide

Wirkstoff Besonderheiten
Dexamethason Nur zur vorübergehenden Symptomlinderung bei ausgewählten Patienten mit fortgeschrittener Tumorerkrankung. Appetitsteigernde Behandlung auf höchstens 2-3 Wochen begrenzen; bei fehlendem Nutzen früher beenden. Beendigung beziehungsweise Ausschleichen abhängig von Dauer, Dosis und Vorbehandlung festlegen. Zulassungsstatus präparate- und indikationsbezogen prüfen [LL4, LL6, FI1].
  • Wirkweise: Glucocorticoidrezeptor-Agonist mit antiinflammatorischer (entzündungshemmender) Wirkung; kann Appetit und subjektives Wohlbefinden vorübergehend verbessern. Eine anhaltende Verbesserung von Muskelmasse oder Überleben ist nicht belegt [LL4].
  • Indikationen: Zeitlich begrenzte Linderung belastender tumorassoziierter Appetitlosigkeit in einer palliativen Behandlungssituation. Keine Dauertherapie der geriatrischen Mangelernährung.
  • Kontraindikationen (Gegenanzeigen): Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff beziehungsweise Präparatebestandteile. Bei aktiven Infektionen, insbesondere systemischen Mykosen (den Körper betreffenden Pilzinfektionen), Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit), psychiatrischen Erkrankungen, Ulkusanamnese (Vorgeschichte mit Geschwüren im Magen-Darm-Trakt) und erhöhtem Blutungsrisiko besonders strenge Indikationsstellung und gegebenenfalls begleitende Behandlung; präparatespezifische Fachinformation beachten [FI1].
  • Nebenwirkungen: Hyperglykämie, Schlafstörungen, Unruhe, Delir (akuter Verwirrtheitszustand) oder andere psychische Veränderungen, Infektionen und Muskelschwäche. Bei längerer Anwendung unter anderem Steroidmyopathie (durch Steroide verursachte Muskelerkrankung), Osteoporose (Knochenschwund) und Suppression der Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse (Unterdrückung des hormonellen Regelkreises zwischen Gehirn und Nebennierenrinde). Der Muskelkatabolismus (Abbau von Muskelgewebe) kann eine bestehende Sarkopenie (Verlust von Muskelmasse und Muskelkraft) verschlechtern [LL4, FI1].

Ein Nutzen sollte bereits nach wenigen Tagen anhand der subjektiven Beschwerden und der Nahrungsaufnahme überprüft werden. Eine automatische Fortführung wegen einer anfänglichen Appetitverbesserung ist zu vermeiden. Bei gleichzeitig eingesetzten nichtsteroidalen Antirheumatika, Antikoagulanzien oder weiteren immunsuppressiven (das Immunsystem unterdrückenden) Arzneimitteln sind zusätzliche Risiken zu berücksichtigen.

Gestagene

Wirkstoff Besonderheiten
Megestrolacetat Nur sehr selektiv bei fortgeschrittener Tumorerkrankung und belastender Anorexie erwägen. Anwendung zur Appetitanregung mit dem deutschen Präparat MEGESTAT 160 mg außerhalb der zugelassenen Indikationen: Off-Label-Use. Thromboembolien (Gefäßverschlüsse durch Blutgerinnsel), Flüssigkeitsretention (Zurückhalten von Flüssigkeit im Körper) und Nebennierenrindensuppression (Unterdrückung der Hormonproduktion der Nebennierenrinde) besonders beachten [LL4, LL6, FI2].
  • Wirkweise: Synthetisches Gestagen mit appetitsteigernder Wirkung. Eine Gewichtszunahme kann auftreten, bedeutet aber keinen nachgewiesenen Aufbau funktioneller Muskelmasse. Ein verlässlicher Nutzen für körperliche Funktion oder Lebensqualität ist nicht gesichert [LL4].
  • Indikationen: Im Einzelfall tumorassoziierte Anorexie beziehungsweise Kachexie nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung. Die in Deutschland zugelassenen onkologischen Indikationen betreffen bestimmte fortgeschrittene Mammakarzinome (Brustkrebserkrankungen) beziehungsweise rezidivierende Endometriumkarzinome (wiederkehrende Gebärmutterschleimhautkarzinome); daraus ergibt sich keine Zulassung zur allgemeinen Behandlung von Mangelernährung [FI2].
  • Kontraindikationen: Überempfindlichkeit und weitere präparatespezifische Gegenanzeigen beachten. Bei vorausgegangener oder aktueller thromboembolischer Erkrankung, ausgeprägter Immobilität (Bewegungsunfähigkeit), Ödemen, Herzinsuffizienz (Herzschwäche) oder Diabetes mellitus besonders zurückhaltend einsetzen; diese Faktoren können gegen einen Therapieversuch sprechen [LL4, FI2].
  • Nebenwirkungen: Venöse Thromboembolien einschließlich Lungenembolie (Verschluss einer Lungenarterie durch ein Blutgerinnsel), Ödeme und Flüssigkeitsretention, Hyperglykämie sowie glucocorticoide Effekte. Eine Nebennierenrindensuppression beziehungsweise Nebennierenrindeninsuffizienz kann während der Behandlung und nach dem Absetzen auftreten [LL4, FI2].

Bei fehlender klinisch relevanter Besserung ist die Behandlung zu beenden. Eine Gewichtszunahme muss auf Ödeme überprüft werden. Akute Belastungssituationen und die Beendigung einer längerfristigen Behandlung erfordern besondere Aufmerksamkeit hinsichtlich einer Nebennierenrindeninsuffizienz. Dydrogesteron ist keine gleichwertige Alternative und wird nicht zur routinemäßigen Appetitanregung empfohlen.

Atypische Antipsychotika

Wirkstoff Besonderheiten
Olanzapin Niedrig dosierte Behandlung bei ausgewählten Patienten mit fortgeschrittener Krebserkrankung und Appetitverlust erwägen. Appetitanregung ist Off-Label-Use. Die Studiendaten begründen keinen geriatrischen Routineeinsatz und keine allgemeine Behandlungsdauer von 12 Wochen [1, LL5, FI3].
  • Wirkweise: Antagonistische Wirkung unter anderem an dopaminergen, serotonergen und histaminergen Rezeptoren; antipsychotische und antiemetische (gegen Übelkeit und Erbrechen gerichtete) Effekte sowie mögliche Appetitsteigerung.
  • Indikationen: Ausgewählte Patienten mit fortgeschrittener Tumorerkrankung und belastender Anorexie; die maßgebliche randomisierte Studie untersuchte Patienten mit fortgeschrittenen Magen-, hepatopankreatobiliären (Leber, Bauchspeicheldrüse und Gallenwege betreffenden) oder Lungentumoren während einer Chemotherapie. Das mediane Alter betrug 55 Jahre; eine Übertragung auf hochaltrige, gebrechliche oder demenzkranke Patienten ist nicht ausreichend abgesichert [1, LL5].
  • Kontraindikationen: Überempfindlichkeit und bekanntes Risiko eines Engwinkelglaukoms (bestimmte Form des grünen Stars). Bei Demenz keine Anwendung allein zur Appetitanregung: Die Fachinformation warnt vor erhöhter Mortalität (Sterblichkeit) und zerebrovaskulären Ereignissen (Gefäßereignissen im Gehirn) bei älteren Patienten mit demenzassoziierter Psychose (schwerer psychischer Störung mit verändertem Wirklichkeitserleben) beziehungsweise Verhaltensstörungen. Besondere Vorsicht unter anderem bei Parkinson-Syndrom, orthostatischer Hypotonie (Blutdruckabfall beim Aufstehen), Obstipation, Diabetes mellitus und zentral dämpfender Begleitmedikation [FI3].
  • Nebenwirkungen: Somnolenz (starke Schläfrigkeit), Schwindel, orthostatische Hypotonie, Stürze, Obstipation und anticholinerge Beschwerden (Beschwerden durch Hemmung des Botenstoffs Acetylcholin); außerdem Gewichtszunahme, Hyperglykämie und Dyslipidämie (Störung der Blutfettwerte). Selten schwerwiegende Reaktionen wie ein malignes neuroleptisches Syndrom (lebensbedrohliche Arzneimittelreaktion mit Fieber, Muskelstarre und Bewusstseinsstörungen) [FI3].

Vor Beginn und im Verlauf sind insbesondere Vigilanz (Wachheit), Mobilität, Blutdruck, Sturzereignisse, Darmfunktion und Glucosestoffwechsel zu beurteilen. Eine sedierungsbedingte Einschränkung von Essen, Trinken oder Mobilität kann den beabsichtigten Nutzen aufheben. Eine Doppelverordnung mit bereits im Antiemeseschema enthaltenem Olanzapin ist zu vermeiden.

Beachte

  • Keine Verordnungskaskade: Arzneimittelbedingte Appetitlosigkeit zunächst durch Überprüfung der auslösenden Medikation angehen.
  • Keine rein gewichtsbezogene Erfolgskontrolle: Nahrungsaufnahme, Beschwerden, Muskelkraft, Funktion und Lebensqualität gemeinsam beurteilen. Flüssigkeitseinlagerungen sind kein ernährungsmedizinischer Therapieerfolg.
  • Klare Abbruchkriterien: Für jeden palliativen Therapieversuch ein konkretes Ziel und einen zeitnahen Kontrolltermin festlegen. Bei ausbleibendem Nutzen oder relevanten Nebenwirkungen Behandlung überprüfen beziehungsweise beenden.
  • Keine automatische Dauertherapie: Ein anfänglicher Appetiteffekt rechtfertigt insbesondere bei Glucocorticoiden keine unbefristete Weiterbehandlung.
  • Demenz: Mahlzeitenunterstützung, geeignete Umgebung, Behandlung belastender Beschwerden und individuell angepasste Ernährung haben Vorrang vor pharmakologischer Appetitanregung [LL3].

Supplemente (Nahrungsergänzungsmittel; Vitalstoffe)

Geeignete diätetische Lebensmittel zur Versorgung mit Energie sollten die folgenden Vitalstoffe enthalten:

  • Vitamine (A, C, E, D3, K, B1, B2, Niacin (Vitamin B3), Pantothensäure (Vitamin B5), B6, B12, Folsäure, Biotin)
  • Mineralstoffe (Calcium, Chlorid, Kalium, Magnesium, Natrium, Phosphor)
  • Spurenelemente (Chrom, Eisen, Fluorid, Jod, Kupfer, Mangan, Molybdän, Selen, Zink)
  • Fettsäuren (Omega-3-Fettsäuren: Alpha-Linolensäure (ALA), Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA); Omega-6-Fettsäuren: Linolsäure)
  • Weitere Vitalstoffe (Fruchtsäuren – Citrat (gebunden in Magnesium-, Kalium- und Calciumcitrat), probiotische Kulturen: Laktobazillen, Bifidobakterien)

Beachte: Die aufgeführten Vitalstoffe sind kein Ersatz für eine medikamentöse Therapie. Nahrungsergänzungsmittel sind dazu bestimmt, die allgemeine Ernährung in der jeweiligen Lebenssituation zu ergänzen.

Für Fragen zum Thema Nahrungsergänzungsmittel stehen wir Ihnen gerne kostenfrei zur Verfügung.

Nehmen Sie bei Fragen dazu bitte per E-Mail – info@docmedicus.de – Kontakt mit uns auf, und teilen Sie uns dabei Ihre Telefonnummer mit und wann wir Sie am besten erreichen können.

Red Flags (Warnzeichen) bei Mangelernährung im Alter

Eine rasche ärztliche Abklärung beziehungsweise je nach Schweregrad eine notfallmäßige Versorgung ist erforderlich bei:

  • neu aufgetretener oder fortschreitender Dysphagie (Schluckstörung), Verschlucken oder Aspirationszeichen (Hinweise auf das Eindringen von Nahrung oder Flüssigkeit in die Atemwege);
  • ausgeprägter Dehydratation (Flüssigkeitsmangel), Kreislaufinstabilität, Oligurie (verminderter Urinausscheidung), akuter Verwirrtheit oder Bewusstseinsstörung;
  • anhaltendem Erbrechen, gastrointestinaler Blutung, starken Bauchschmerzen oder Verdacht auf eine Passagebehinderung (Behinderung des Weitertransports im Verdauungstrakt);
  • raschem unbeabsichtigtem Gewichtsverlust oder anhaltender nahezu fehlender Nahrungsaufnahme;
  • Ödemen, Muskelschwäche, Herzrhythmusstörungen oder neurologischen Symptomen nach Beginn des Ernährungsaufbaus als möglichen Zeichen eines Refeeding-Syndroms;
  • akuter Dyspnoe (Atemnot), Thoraxschmerz (Brustschmerz) oder einseitiger Beinschwellung unter Megestrolacetat beziehungsweise ausgeprägter Schwäche und Hypotonie (niedrigem Blutdruck) als möglichen Zeichen einer Nebennierenrindeninsuffizienz.

Abkürzungen

  • ALA: Alpha-Linolensäure
  • ASCO: American Society of Clinical Oncology (Amerikanische Gesellschaft für Klinische Onkologie)
  • AWMF: Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften
  • DHA: Docosahexaensäure
  • doi: Digital Object Identifier (dauerhafte digitale Dokumentenkennung)
  • EPA: Eicosapentaensäure
  • ESMO: European Society for Medical Oncology (Europäische Gesellschaft für Medizinische Onkologie)
  • ESPEN: European Society for Clinical Nutrition and Metabolism (Europäische Gesellschaft für Klinische Ernährung und Stoffwechsel)
  • FI: Fachinformation
  • LL: Leitlinie
  • OL: Onkologie im Leitlinienprogramm Onkologie
  • S3: Leitlinienklasse mit systematischer Evidenzbewertung und strukturierter Konsensfindung

Literatur

  1. Sandhya L, Sreenivasan ND, Goenka L et al.: Randomized Double-Blind Placebo-Controlled Study of Olanzapine for Chemotherapy-Related Anorexia in Patients With Locally Advanced or Metastatic Gastric, Hepatopancreaticobiliary, and Lung Cancer. J Clin Oncol. 2023;41:2617-2627. doi:10.1200/JCO.22.01997.
  2. Currow DC, Glare P, Louw S et al.: A randomised, double blind, placebo-controlled trial of megestrol acetate or dexamethasone in treating symptomatic anorexia in people with advanced cancer. Sci Rep. 2021;11:2421. doi:10.1038/s41598-021-82120-8.

Leitlinien

  1. Deutsche Gesellschaft für Ernährungsmedizin et al.: S3-Leitlinie: Klinische Ernährung und Hydrierung im Alter. (AWMF-Registernummer: 073-019), Version 2.1, Stand 03.02.2025, redaktionell überarbeitet September 2025 Langfassung [LL1]
  2. Volkert D, Beck AM, Cederholm T et al.: ESPEN practical guideline: Clinical nutrition and hydration in geriatrics. Clin Nutr. 2022;41:958-989. doi:10.1016/j.clnu.2022.01.024 [LL2]
  3. Volkert D et al.: ESPEN guideline on nutrition and hydration in dementia – Update 2024. Langfassung [LL3]
  4. Arends J, Strasser F, Gonella S et al.: Cancer cachexia in adult patients: ESMO Clinical Practice Guidelines. ESMO Open. 2021;6:100092. doi:10.1016/j.esmoop.2021.100092 [LL4]
  5. Roeland EJ et al.: Cancer Cachexia: ASCO Guideline Rapid Recommendation Update. J Clin Oncol. 2023;41:4178-4179. doi:10.1200/JCO.23.01280 [LL5]
  6. Leitlinienprogramm Onkologie: S3-Leitlinie: Klinische Ernährung in der Onkologie. (AWMF-Registernummer: 073-006OL), Langversion 1.0, Januar 2026. Langfassung [LL6]

Fachinformationen

  1. Dexamethason acis Tabletten. Fachinformation, Stand April 2026. Fachinformation [FI1]
  2. MEGESTAT 160 mg Tabletten. Fachinformation [FI2]
  3. European Medicines Agency: Zyprexa. Produktinformation, Stand 27.02.2026. EMA-Produktinformation [FI3]
  4. Mirtazapin-ratiopharm Filmtabletten. Fachinformation, Stand September 2024. Fachinformation [FI4]