γ-GT (Gamma(γ)-Glutamyl-Transferase)

γ-GT (Gamma-Glutamyl-Transferase) ist ein membrangebundenes Enzym des Glutathionstoffwechsels mit hoher Aktivität vor allem im hepatobiliären System (Leber-Galle-System).

In der klinischen Labordiagnostik dient die Bestimmung der γ-GT vor allem der Einordnung cholestatischer und toxisch/metabolischer Leberwerterhöhungen sowie der Klärung, ob eine erhöhte alkalische Phosphatase (AP) wahrscheinlich hepatischer Genese (von der Leber ausgehend) ist.

Die γ-GT ist sensitiv, aber unspezifisch; sie ist daher stets im klinischen Kontext und zusammen mit weiteren Leberparametern zu interpretieren [1, 5].

Synonyme

  • γ-GT
  • Gamma-GT
  • Gamma-Glutamyl-Transferase
  • GGT
  • γ-Glutamyltransferase
  • γ-Glutamyltranspeptidase
  • γ-GTP

Das Verfahren

  • Benötigtes Material
    • Serum
    • Heparinplasma; EDTA-Plasma ist methodenabhängig ebenfalls geeignet
  • Vorbereitung des Patienten
    • Keine spezielle Vorbereitung erforderlich
    • Bei kombinierter Leberdiagnostik möglichst standardisierte Bedingungen
    • Alkoholanamnese und Medikamentenanamnese sind obligat
  • Störfaktoren
    • Hämolyse (Auflösung roter Blutkörperchen) vermeiden; Einfluss auf die Aktivität möglich
    • Enzyminduktion durch Alkohol, Rauchen und Medikamente
    • Präanalytische Einflüsse (z. B. Lagerung, Matrixeffekte)
  • Methode
    • Enzymatische Aktivitätsbestimmung (kinetischer Test, IFCC-standardisiert) [1]

Normbereiche (je nach Labor)

Subgruppe/Geschlecht/Alter Referenzbereich
Erwachsene, Frauen 6-40 U/l
Erwachsene, Männer 12-68 U/l
Kinder/Jugendliche altersabhängig

Normbereiche sind methoden- und laborabhängig [2].

Indikationen (Anwendungsgebiete)

  • Abklärung erhöhter Leberwerte
  • Differenzierung cholestatischer versus hepatozellulärer Muster
  • Abklärung erhöhter alkalischer Phosphatase (hepatische Genese)
  • Verlaufskontrolle bei Leber- und Gallenwegserkrankungen
  • Mitbeurteilung bei alkoholassoziierter oder medikamentös-toxischer Leberschädigung [5]

Interpretation

  • Erhöhte Werte
    • Cholestase (Gallestau) (intra- oder extrahepatisch)
    • Alkoholassoziierte Leberschädigung
    • Metabolisch bedingte Lebererkrankungen
    • Medikamentös-toxische Leberschädigung
    • Hepatitiden (Leberentzündungen) und Leberzirrhose (Lebervernarbung)
  • Erniedrigte Werte
    • In der Regel ohne klinische Relevanz
  • Spezifische Konstellationen
    • AP ↑ + γ-GT ↑ → cholestatische/hepatobiliäre Genese
    • AP ↑ + γ-GT normal → eher nicht hepatisch
    • Isolierte γ-GT-Erhöhung → unspezifisch (z. B. Alkohol, Medikamente, metabolische Faktoren) [1, 3]

Leberwerterhöhungen und ihre Differentialdiagnosen [mod. n. 4]

GPT/ALT GOT/AST γ-GT AP Differentialdiagnosen
↑↑ ↑↑ (↑) Hepatisches Bild
  • Virushepatitis
  • Autoimmunhepatitis
  • hepatische Beteiligung bei Systemerkrankungen (z. B. Lupus erythematodes)
  • metabolische oder vaskuläre Störungen
↑↑ ↑↑ Cholestatisches Bild [ALT(GPT)/γ-GT < 1]
  • intra- oder extrahepatische Cholestase
↑↑ Nutritiv-toxisch
  • Alkohol
(↑) Toxisch
  • medikamentös-toxische Schäden

Legende

  • GPT (Glutamat-Pyruvat-Transaminase)/ALT (Alanin-Aminotransferase)
  • GOT (Glutamat-Oxalacetat-Transaminase)/AST (Aspartat-Aminotransferase)
  • γ-GT (γ-Glutamyltransferase)
  • AP (alkalische Phosphatase)

Die dargestellte Konstellationsdiagnostik entspricht der klinischen Einordnung erhöhter Leberwerte nach Holstege [4].

Weiterführende Diagnostik

  • Leberparameter – Alanin-Aminotransferase (ALT, GPT), Aspartat-Aminotransferase (AST, GOT), alkalische Phosphatase (AP), Bilirubin, ggf. Glutamat-Dehydrogenase (GLDH)
  • Abdomensonographie (Ultraschall der Bauchorgane)
  • Bei cholestatischem Muster differenzierte Abklärung intra-/extrahepatischer Ursachen
  • Bei Alkoholverdacht zusätzlich MCV und CDT

Klinische Hinweise

  • Die γ-GT ist ein sensitiver, aber unspezifischer Marker der hepatobiliären Schädigung [1].
  • Isolierte Erhöhungen sind häufig und nicht beweisend für eine spezifische Erkrankung.
  • Wichtige Rolle bei der Differenzierung erhöhter AP-Werte.
  • Enzyminduktion durch Alkohol und Medikamente ist häufige Ursache.
  • Assoziation mit kardiometabolischem Risiko (Risiko für Herz-Kreislauf- und Stoffwechselerkrankungen), jedoch keine primäre Indikation für kardiovaskuläres Screening [3].

Literatur

  1. Brennan PN, Dillon JF, Tapper EB. Gamma-Glutamyl Transferase (γ-GT) – an old dog with new tricks? Liver Int. 2022;42(1):9-15. https://doi.org/10.1111/liv.15099
  2. Panteghini M. γ-Glutamyltransferase reference intervals in detail. Liver Int. 2022;42(3):718. https://doi.org/10.1111/liv.15164
  3. Lonardo A, Ndrepepa G. Concise review: gamma-glutamyl transferase - evolution from an indiscriminate liver test to a biomarker of cardiometabolic risk. Metab Target Organ Damage. 2022;2:17. https://doi.org/10.20517/mtod.2022.20
  4. Holstege A. Erhöhte Leberwerte. Dtsch Med Wochenschr. 2016;141(22):1640-1646. https://doi.org/10.1055/s-0042-100041
  5. Newsome PN, Cramb R, Davison SM, Dillon JF, Foulerton M, Godfrey EM, et al. Guidelines on the management of abnormal liver blood tests. Gut. 2018;67(1):6-19. https://doi.org/10.1136/gutjnl-2017-314924