Überwärmung (Hyperthermie) – Medikamentöse Therapie
Therapieziel
- Senkung der Körperkerntemperatur (Temperatur im Körperinneren)
- Verkürzung der Dauer der thermischen Belastung zur Vermeidung von Organschäden (Schädigung von Organen), Rhabdomyolyse (Zerfall von Muskelgewebe), Gerinnungsstörung (Störung der Blutgerinnung), akutem Nierenversagen (plötzliches Versagen der Nierenfunktion), Leberversagen (Versagen der Leberfunktion) und neurologischen Folgeschäden (bleibende Schäden des Nervensystems)
- Stabilisierung der Vitalfunktionen (lebenswichtige Körperfunktionen) durch Volumensubstitution (Ausgleich von Flüssigkeitsmangel), Sauerstoffgabe bei Hypoxämie (Sauerstoffmangel im Blut) bzw. kritischem Zustand, antikonvulsive Therapie (Behandlung gegen Krampfanfälle) bei Krampfanfällen und Behandlung metabolischer Komplikationen (stoffwechselbedingte Komplikationen)
- Bei maligner Hyperthermie (lebensbedrohliche Überhitzungsreaktion durch bestimmte Narkosemittel): sofortige Unterbrechung der Triggerexposition (Kontakt mit auslösenden Stoffen) und kausale Therapie (Behandlung der Ursache) mit Dantrolen-Natrium i. v. (über die Vene)
Therapieempfehlungen
- Abgrenzung zum klassischen Fieber (erhöhte Körpertemperatur durch Sollwertverstellung) – klassisches Fieber: s. u. Fieber/Pharmakotherapie (medikamentöse Behandlung). Bei Hyperthermie (krankhafte Überwärmung des Körpers) ist der hypothalamische Sollwert (Temperaturvorgabe im Gehirn) nicht primär erhöht; Antipyretika sind deshalb zur Temperatursenkung bei Hitzschlag nicht wirksam und nicht empfohlen [LL1, LL2].
- Sonnenstich (Reizung der Hirnhäute durch Sonneneinstrahlung) – kühler Ort, Oberkörperhochlagerung, Kühlung von Kopf und Nacken, orale Flüssigkeitszufuhr nur bei wachem, schluckfähigem Patienten. Eine spezifische Pharmakotherapie ist in der Regel nicht erforderlich. Bei Bewusstseinsstörung (gestörte Wachheit), Meningismus (schmerzhafte Nackensteifigkeit), Erbrechen, Krampfanfall oder Verdacht auf Hitzschlag ist eine notfallmedizinische Abklärung erforderlich.
- Hitzeerschöpfung (Kreislaufbelastung durch Hitze und Flüssigkeitsmangel) bzw. Hitzekollaps (Kreislaufzusammenbruch durch Hitze) – Beendigung der Hitzeexposition (Einwirkung von Hitze), Ruhe in kühler Umgebung, Entkleidung bzw. Lockerung der Kleidung, aktive milde Kühlung und Rehydratation (Flüssigkeitszufuhr). Bei wachem Patienten ohne Erbrechen orale isotone Flüssigkeit; bei Kreislaufinstabilität (instabiler Blutkreislauf), relevanter Dehydratation (Austrocknung), Erbrechen oder Bewusstseinsstörung isotone kristalloide Infusionslösung i. v. [LL1].
- Hitzekrämpfe (Muskelkrämpfe durch Hitze- und Salzverlust) – Belastung beenden, passive Dehnung, orale Salz- bzw. Elektrolytlösung. Diuretika sind nicht indiziert, da sie eine Volumendepletion (Verminderung der Flüssigkeitsmenge im Kreislauf) verstärken können [LL1].
- Hitzschlag (lebensbedrohliche Überwärmung des Körpers) – medizinischer Notfall. Bei Verdacht auf Hitzschlag soll die aktive Kühlung sofort beginnen und nicht durch Diagnostik (Untersuchungen zur Feststellung einer Erkrankung) oder Transport verzögert werden. Bevorzugt ist Ganzkörper-Kaltwasser- bzw. Eiswasserimmersion (Eintauchen des Körpers in kaltes Wasser bzw. Eiswasser); falls nicht verfügbar, Verdunstungskühlung mit großflächiger Befeuchtung und Luftstrom bzw. Ganzkörperkühlung mit Eis/Wasser [LL1, LL2].
- Belastungsinduzierter Hitzschlag (Hitzschlag durch körperliche Belastung) – bei verfügbarer Kühlinfrastruktur gilt: zuerst kühlen, dann transportieren. Die Kühlmethode soll so gewählt werden, dass die Zieltemperatur innerhalb von 30 min nach Erkennen des Hitzschlags erreicht wird; Kaltwasser- bzw. Eiswasserimmersion ist bei Verfügbarkeit zu priorisieren [LL1, LL2].
- Zieltemperatur beim Hitzschlag – Kühlung bis zur klinisch sicheren Absenkung der Körperkerntemperatur; bei belastungsinduziertem Hitzschlag wird häufig eine Zieltemperatur von etwa 38,3-38,8 °C verwendet. Eine fortgesetzte Kühlung nach Erreichen der Zieltemperatur ist zu vermeiden, um Hypothermie (Unterkühlung) zu verhindern [LL1, LL2].
- Volumensubstitution beim Hitzschlag – bei Hitzschlag i. v. Rehydratation mit isotonen kristalloiden Infusionslösungen; bei Erwachsenen initial meist 1-2 l, bei Kindern 20 ml/kg KG (Körpergewicht), jeweils angepasst an Kreislauf, Elektrolyte, Diurese (Harnausscheidung), Komorbiditäten (Begleiterkrankungen) und klinische Situation [LL1].
- Krampfanfälle, Agitation (starke Unruhe) oder ausgeprägtes Kältezittern – Benzodiazepine nach Notfallstandard; Atemwegssicherung (Sicherung der Atmung), Kreislaufüberwachung und Monitoring (Überwachung) sind obligat. Benzodiazepine senken die Temperatur nicht kausal, können aber Krampfaktivität, Agitation und kühlungsbehindernde Muskelaktivität kontrollieren [LL1, LL2].
- Nicht empfohlen beim Hitzschlag – keine Antipyretika wie Paracetamol, Ibuprofen oder Acetylsalicylsäure zur Temperatursenkung; kein Dantrolen bei nicht-malignem Hitzschlag; kein routinemäßiger Einsatz von Mannitol. Bei Hitzschlag ist die sofortige aktive Kühlung die entscheidende Therapie [LL1, LL2].
- Maligne Hyperthermie – sofortiges Absetzen aller Triggersubstanzen, Alarmierung eines erfahrenen Anästhesie-/Intensivteams, Beatmung mit 100 % Sauerstoff bei hohem Frischgasfluss (Zufuhr frischen Atemgases) und 2-3-fachem Minutenvolumen (Atemgasmenge pro Minute), Umstellung auf triggerfreie Anästhesie (Narkose ohne auslösende Stoffe), ggf. Aktivkohlefilter im inspiratorischen und exspiratorischen Schenkel (Einatem- und Ausatemteil) des Beatmungssystems, Dantrolen-Natrium i. v. 2-2,5 mg/kg KG sofort, Wiederholung alle 10 min bzw. so häufig wie logistisch möglich bis zur klinischen Kontrolle [LL3].
- Begleittherapie bei maligner Hyperthermie – aktive Oberflächenkühlung, 2.000-3.000 ml gekühlte kristalloide Infusionslösung i. v. bei Erwachsenen unter Berücksichtigung der kardiorenalen Situation (Herz und Nieren betreffenden Situation), Behandlung von Hyperkaliämie (erhöhter Kaliumwert im Blut), Azidose (Übersäuerung des Blutes), Arrhythmien (Herzrhythmusstörungen) und Rhabdomyolyse, engmaschige Kontrolle von Blutgasen, Kalium, Kreatinkinase, Myoglobin, Glukose, Nierenfunktion, Leberfunktion und Gerinnung [LL3].
- Nachbeobachtung bei maligner Hyperthermie – mindestens 24 h Überwachung auf Intensivstation oder in einer entsprechend ausgestatteten Überwachungseinheit; bei Rezidivzeichen (Zeichen eines erneuten Auftretens) erneute Dantrolen-Gabe 2-2,5 mg/kg KG alle 10 min bis zur Regression (Rückbildung) der Symptome [LL3].
- Prophylaxe bei maligner Hyperthermie-Disposition (Veranlagung für maligne Hyperthermie) – keine prophylaktische Dantrolen-Gabe, wenn eine triggerfreie Anästhesie sicher gewährleistet ist; entscheidend sind Vermeidung volatiler Inhalationsanästhetika und Succinylcholin, geeignete Vorbereitung des Anästhesiearbeitsplatzes und Verfügbarkeit von Dantrolen [LL4, LL5].
Beachte
- Die Prognose (voraussichtlicher Krankheitsverlauf) bei Hitzschlag wird wesentlich durch Ausmaß und Dauer der Hyperthermie bestimmt; deshalb hat die sofortige Kühlung Vorrang vor einer rein medikamentösen Behandlung [LL1, LL2].
- Die rektale Temperaturmessung (Temperaturmessung im Enddarm) ist bei Verdacht auf Hitzschlag die bevorzugte Methode zur Erfassung der Körperkerntemperatur; eine normale oder nicht verfügbare Temperaturmessung darf die aktive Kühlung bei typischer Klinik (typischem Beschwerdebild) nicht verzögern [LL1].
- Eispackungen nur an Hals, Axillen und Leisten sind als alleinige Primärtherapie (erste Behandlung) des Hitzschlags unzureichend; wenn Eis eingesetzt wird, soll möglichst eine Ganzkörperkühlung erfolgen [LL1, LL2].
- Kalte Infusionen sind bei Hitzschlag und maligner Hyperthermie nur eine Begleitmaßnahme; sie ersetzen die aktive Oberflächen- bzw. Ganzkörperkühlung nicht [LL1-LL3].
- Eiswasserklistiere sind keine Standardmaßnahme der Primärtherapie; evidenzbasiert bevorzugt werden Ganzkörper-Kaltwasser-/Eiswasserimmersion oder andere großflächige Kühlverfahren [LL1, LL2].
- Sauerstoff ist ein Arzneimittel und soll bei Hyperthermie nicht schematisch, sondern nach klinischer Situation, Oxygenierung (Sauerstoffversorgung des Blutes) und Beatmungsbedarf eingesetzt werden; bei maligner Hyperthermie-Krise ist 100 % Sauerstoff mit hohem Frischgasfluss Bestandteil der Soforttherapie [LL3].
- Kalziumantagonisten sollen bei Dantrolen-Gabe vermieden werden, da schwere Hyperkaliämie und kardiovaskuläre Komplikationen (Komplikationen von Herz und Kreislauf) beschrieben sind [1, LL3].
- Nach einer malignen Hyperthermie-Krise soll eine Abklärung in einem spezialisierten Zentrum bzw. Labor für maligne Hyperthermie erfolgen [LL3, LL4].
Wirkstoffe (Hauptindikation)
| Wirkstoff/Wirkstoffgruppe | Wirkweise | Hauptindikation | Besonderheiten |
|---|---|---|---|
| Orale Elektrolyt-/Rehydratationslösung | Ausgleich von Wasser-, Natrium- und Elektrolytverlusten | Leichte Hitzeerschöpfung, Hitzekrämpfe, Hitzesynkope (kurze Ohnmacht durch Hitze) nach Wiedererlangen normaler Vigilanz (Wachheit) | Nur bei wachem, kooperativem Patienten ohne Aspirationsrisiko (Gefahr des Einatmens von Flüssigkeit oder Erbrochenem); bei Erbrechen, Bewusstseinsstörung oder Kreislaufinstabilität i. v. Rehydratation [LL1] |
| Isotone kristalloide Infusionslösungen, z. B. Natriumchlorid 0,9 %, Ringerlactat, Ringeracetat | Volumensubstitution, Verbesserung von Vorlast (Füllung des Herzens vor dem Pumpen) und Gewebeperfusion (Durchblutung des Gewebes); gekühlt zusätzlicher konduktiver Kühleffekt (Kühlung durch direkten Wärmeübergang) | Hitzschlag, schwere Hitzeerschöpfung, Hitzekollaps mit Hypovolämie (verminderter Blut- bzw. Flüssigkeitsmenge im Kreislauf), maligne Hyperthermie als Begleitmaßnahme | Engmaschige Kontrolle von Blutdruck, Herzfrequenz, Diurese, Natrium, Kalium, Kreatinin und Lactat; Zurückhaltung bei Herzinsuffizienz (Herzschwäche) und fortgeschrittener Niereninsuffizienz (Nierenschwäche) [LL1, LL3] |
| Sauerstoff | Erhöhung der inspiratorischen Sauerstofffraktion (Sauerstoffanteil der Einatemluft) und des arteriellen Sauerstoffangebots (Sauerstoffangebot im Schlagaderblut) | Hypoxämie, Ateminsuffizienz (unzureichende Atmung), Schock (lebensbedrohliches Kreislaufversagen), Krampfanfall, Bewusstseinsstörung, maligne Hyperthermie-Krise | Bei nicht beatmeten Erwachsenen ohne Hyperkapnierisiko (Risiko eines erhöhten Kohlendioxidgehalts im Blut) Ziel-SpO2 meist 92-96 %, bei Hyperkapnierisiko meist 88-92 %; klinische Reevaluation (erneute Beurteilung) und Blutgasanalyse (Untersuchung von Sauerstoff, Kohlendioxid und Säuregrad im Blut) je nach Situation |
| Benzodiazepine, z. B. Midazolam, Lorazepam, Diazepam | GABAA-Rezeptor-vermittelte (über eine Bindungsstelle für einen hemmenden Botenstoff im Nervensystem vermittelte) antikonvulsive, anxiolytische (angstlösende) und sedierende (beruhigende) Wirkung; Reduktion von Muskelaktivität bei Krampfanfällen, Agitation oder starkem Kältezittern | Krampfanfälle, schwere Agitation, kühlungsbehinderndes Kältezittern bei Hitzschlag oder maligner Hyperthermie | Keine kausale Temperatursenkung; Cave Atemdepression (verminderte Atmung), Hypotonie (niedriger Blutdruck), Bewusstseinsdämpfung, Aspirationsrisiko [LL1, LL2] |
| Dantrolen-Natrium i. v. | Direkte Hemmung der pathologisch gesteigerten Kalziumfreisetzung aus dem sarkoplasmatischen Retikulum (Kalziumspeicher der Muskelzelle) der Skelettmuskulatur (willkürlich bewegten Muskulatur) über den Ryanodinrezeptor (Kalziumkanal der Muskelzelle) | Maligne Hyperthermie-Krise | Einzige spezifische Pharmakotherapie der malignen Hyperthermie; Dantrolen muss überall verfügbar sein, wo volatile Anästhetika oder Succinylcholin verwendet werden [LL3, LL5] |
| Natriumhydrogencarbonat | Pufferung schwerer metabolischer Azidose | Schwere Azidose bei maligner Hyperthermie | Keine Routinetherapie der Hyperthermie; Kontrolle von pH, pCO2, Natrium, Kalium und Volumenstatus [LL3] |
| Insulin/Glukose, Kalziumchlorid bzw. Kalziumgluconat, beta-2-adrenerge Agonisten | Membranstabilisierung (Stabilisierung der Zellhülle) bzw. intrazelluläre Kaliumverschiebung (Verschiebung von Kalium in die Zelle) | Hyperkaliämie bei maligner Hyperthermie oder Rhabdomyolyse | Engmaschige Kontrolle von Kalium, Glukose, Elektrokardiogramm (Herzstromkurve) und Säure-Basen-Status (Gleichgewicht zwischen Säuren und Basen im Blut); Dialyse (Blutwäsche) bei therapierefraktärer Hyperkaliämie erwägen [LL3] |
| Amiodaron, Magnesium, ggf. Betablocker | Antiarrhythmische Therapie (Behandlung gegen Herzrhythmusstörungen) nach Rhythmusstörung und hämodynamischer Situation (den Blutfluss betreffenden Situation) | Arrhythmien bei maligner Hyperthermie nach Korrektur von Hypoxie, Azidose und Hyperkaliämie | Kalziumantagonisten bei gleichzeitiger Dantrolen-Therapie vermeiden [1, LL3] |
Nicht empfohlene Wirkstoffe bzw. Verfahren
| Wirkstoff/Verfahren | Bewertung | Begründung |
|---|---|---|
| Paracetamol, Ibuprofen, Acetylsalicylsäure und andere Antipyretika | Beim Hitzschlag nicht empfohlen | Hyperthermie ist nicht mit klassischem Fieber gleichzusetzen; zusätzlich Risiko einer Verschlechterung von Leber-, Nieren- bzw. Gerinnungsstörungen [LL1, LL2] |
| Dantrolen bei nicht-malignem Hitzschlag | Nicht empfohlen | Keine zugelassene bzw. evidenzbasierte Standardtherapie des Hitzschlags; bei Hitzschlag steht die sofortige Kühlung im Vordergrund [LL1, LL2] |
| Mannitol beim Hitzschlag | Keine Routinetherapie | Keine Standardempfehlung zur Behandlung des Hitzschlags; Einsatz nur bei gesonderter Indikation außerhalb der primären Hyperthermiebehandlung |
| Diuretika bei Hitzeödem | Nicht empfohlen | Diuretika sind bei Hitzeödem unwirksam und können eine Volumendepletion verstärken [LL1] |
| Eispackungen nur an Hals, Axillen und Leisten als alleinige Maßnahme | Unzureichend als Primärtherapie des Hitzschlags | Strategische Eispackung an großen Gefäßregionen kühlt deutlich schlechter als Ganzkörperkühlung; bevorzugt sind Eiswasserimmersion oder großflächige Kühlverfahren [LL1, LL2] |
| Eiswasserklistiere | Keine Standard-Primärtherapie | Invasive interne Kühlverfahren ersetzen die rasche Ganzkörperkühlung nicht und sind allenfalls additive intensivmedizinische Maßnahmen bei spezieller Indikation [LL1, LL2] |
| Prophylaktische Antikonvulsiva | Nicht routinemäßig empfohlen | Beim Hitzschlag nur im Kontext von Studien bzw. bei gesonderter klinischer Indikation; Krampfanfälle selbst werden akut nach Notfallstandard behandelt [LL2] |
Wirkungen, Indikationen, Kontraindikationen und Nebenwirkungen
- Dantrolen-Natrium
- Wirkung: direkte Skelettmuskelrelaxation (Entspannung der willkürlich bewegten Muskulatur) durch Hemmung der pathologisch gesteigerten Kalziumfreisetzung aus dem sarkoplasmatischen Retikulum.
- Indikation (Anwendungsgebiet): akute maligne Hyperthermie-Krise; nicht zur Behandlung des umgebungs- oder belastungsbedingten Hitzschlags.
- Kontraindikationen (Gegenanzeigen): In der lebensbedrohlichen malignen Hyperthermie-Krise keine absolute Kontraindikation; Nutzen-Risiko-Abwägung bei schwerer vorbestehender Muskelschwäche und schwerer Lebererkrankung. Kalziumantagonisten vermeiden.
- Nebenwirkungen: Muskelschwäche, Phlebitis (Venenentzündung), gastrointestinale Beschwerden (Magen-Darm-Beschwerden), Somnolenz (Benommenheit), Schwindel, respiratorische Insuffizienz, selten Überempfindlichkeitsreaktionen (allergische Reaktionen); bei längerer oraler Therapie Hepatotoxizität (Leberschädigung) [1, 2].
- Isotone kristalloide Infusionslösungen
- Wirkung: intravasale Volumenstabilisierung (Stabilisierung der Flüssigkeitsmenge innerhalb der Blutgefäße), Verbesserung der Perfusion, Unterstützung der Diurese; gekühlt zusätzlicher Kühleffekt.
- Indikation: Hypovolämie, Kreislaufinstabilität, Hitzschlag, schwere Hitzeerschöpfung, maligne Hyperthermie als Begleitmaßnahme.
- Kontraindikationen: keine absolute Kontraindikation bei vitaler Bedrohung; relative Kontraindikationen bzw. Vorsicht bei dekompensierter Herzinsuffizienz (entgleister Herzschwäche), fortgeschrittener Niereninsuffizienz, schwerer Hyponatriämie (erniedrigtem Natriumwert im Blut) bzw. Hypernatriämie (erhöhtem Natriumwert im Blut) je nach Lösung.
- Nebenwirkungen: Volumenüberladung (zu viel Flüssigkeit im Kreislauf), Lungenödem (Flüssigkeitsansammlung in der Lunge), Elektrolytverschiebungen (Verschiebungen der Blutsalze), Verdünnungskoagulopathie (Gerinnungsstörung durch Verdünnung des Blutes) bei massiver Gabe.
- Sauerstoff
- Wirkung: Erhöhung des Sauerstoffangebots und der Gewebeoxygenierung (Sauerstoffversorgung des Gewebes).
- Indikation: Hypoxämie, Ateminsuffizienz, Schock, schwere Bewusstseinsstörung, Krampfanfall, Reanimation (Wiederbelebung), maligne Hyperthermie-Krise.
- Kontraindikationen: keine absolute Kontraindikation bei vitaler Bedrohung; bei Hyperkapnierisiko titrierte Sauerstoffgabe mit Zielbereich und Blutgaskontrolle.
- Nebenwirkungen: Hyperoxämie (zu hoher Sauerstoffgehalt im Blut), CO2-Retention (Rückhaltung von Kohlendioxid im Blut) bei entsprechender Disposition, Schleimhauttrockenheit, Druckstellen durch Applikationssysteme (Anwendungssysteme).
- Benzodiazepine
- Wirkung: antikonvulsiv, sedierend, anxiolytisch, muskeltonussenkend (muskelentspannend).
- Indikation: Krampfanfall, schwere Agitation, kühlungsbehinderndes Kältezittern bei Hitzschlag oder maligner Hyperthermie.
- Kontraindikationen: bei vitaler Indikation keine absolute Kontraindikation; relative Kontraindikationen sind schwere respiratorische Insuffizienz ohne gesicherte Atemwegskontrolle, schwere Hypotonie und hohes Aspirationsrisiko.
- Nebenwirkungen: Atemdepression, Hypotonie, Sedierung (Beruhigung), paradoxe Reaktionen (gegenteilige Reaktionen), Delirverschlechterung (Verschlechterung akuter Verwirrtheit), Aspirationsrisiko.
- Natriumhydrogencarbonat
- Wirkung: Pufferung einer schweren metabolischen Azidose.
- Indikation: schwere Azidose bei maligner Hyperthermie, insbesondere pH < 7,2 nach Blutgasanalyse.
- Kontraindikationen: relative Vorsicht bei Hypernatriämie, Volumenüberladung und unzureichender Ventilation (Belüftung der Lunge).
- Nebenwirkungen: Hypernatriämie, metabolische Alkalose (stoffwechselbedingte Verschiebung des Blutes in den basischen Bereich), Volumenbelastung, verstärkte CO2-Bildung bei unzureichender Ventilation.
Spezielle Pharmakotherapie bei
- Fieber: s. u. Fieber/Pharmakotherapie.
- Maligne Hyperthermie: s. o. und s. u. Maligne Hyperthermie/Pharmakotherapie.
- Serotoninsyndrom (Überreaktion durch zu viel Serotonin): s. u. Serotoninsyndrom/Pharmakotherapie.
- Malignes neuroleptisches Syndrom (lebensbedrohliche Reaktion auf bestimmte Psychopharmaka): s. u. Malignes neuroleptisches Syndrom/Pharmakotherapie.
- Thyreotoxische Krise (lebensbedrohliche Überfunktion der Schilddrüse): s. u. Thyreotoxische Krise/Pharmakotherapie.
- Rhabdomyolyse, akutes Nierenversagen, Leberversagen, Schock und akutes Atemnotsyndrom (schwere akute Lungenschädigung): s. u. jeweilige Erkrankung/Pharmakotherapie bzw. Intensivtherapie (Behandlung auf einer Intensivstation).
Literatur
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Leitlinien
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- Barletta JF, Palmieri TL, Toomey SA et al.: Society of Critical Care Medicine guideline for the treatment of heat stroke. Crit Care Med. 2025;53(2):e490-e500. doi: 10.1097/CCM.0000000000006551
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