Überwärmung (Hyperthermie) – Differentialdiagnosen
Fieber
Definition – Fieber ist eine regulierte Erhöhung der Körpertemperatur durch Sollwertverstellung im hypothalamischen Wärmeregulationszentrum (Temperatursteuerungszentrum im Gehirn), meistens pyrogen (fieberauslösend) vermittelt bei Infektion (Ansteckung), Entzündung, Autoimmunerkrankung (Erkrankung durch Fehlsteuerung des Immunsystems), Tumorerkrankung (Krebserkrankung) oder Arzneimittelreaktion (Medikamentenreaktion).
Atmungssystem (J00-J99)
- Akute Bronchitis (Entzündung der Bronchien)*
- Akute Pharyngitis (Rachenentzündung)*
- Akute Rhinosinusitis (Nasen- und Nasennebenhöhlenentzündung)
- Akute Tonsillitis (Mandelentzündung)*/Tonsillopharyngitis (Mandel-Rachen-Entzündung)*
- Pneumonie (Lungenentzündung)*
- Tracheitis (Luftröhrenentzündung)*
Blut, blutbildende Organe – Immunsystem (D50-D90)
- Hämophagozytische Lymphohistiozytose (HLH) (schwere Überaktivierung des Immunsystems) – potenziell lebensbedrohliches Hyperinflammationssyndrom (starkes Entzündungssyndrom) mit hohem Fieber, Zytopenien (verminderte Blutzellen), Hepatosplenomegalie (Vergrößerung von Leber und Milz) und typischerweise stark erhöhtem Ferritin (Eisenspeicherprotein)
- Immundefizienz/Immundefekt (Abwehrschwäche) – rezidivierende (wiederkehrende) oder schwere Infektionen als Ursache von Fieber, insbesondere bei angeborenem oder erworbenem Immundefekt
- Neutropenes Fieber (Fieber bei Mangel an neutrophilen Abwehrzellen) – Notfallkonstellation bei Granulozytopenie (Mangel an Granulozyten), insbesondere nach Chemotherapie (medikamentöse Krebsbehandlung) oder bei hämatologischer Grunderkrankung (Erkrankung des Blutes oder Knochenmarks)
Endokrine, Ernährungs- und Stoffwechselkrankheiten (E00-E90)
- Addison-Krise (akute Nebennierenrindenkrise) – akute Nebennierenrindeninsuffizienz (Nebennierenrindenschwäche) mit Fieber, Hypotonie (niedrigem Blutdruck), Exsikkose (Austrocknung), Hyponatriämie (vermindertem Natriumwert) und Hyperkaliämie (erhöhtem Kaliumwert)
- Thyreotoxische Krise (schwere Schilddrüsenüberfunktionskrise) – schwere Entgleisung einer Hyperthyreose (Schilddrüsenüberfunktion), häufig bei Morbus Basedow (autoimmune Schilddrüsenüberfunktion); klinisch Fieber, Tachykardie (Herzrasen), Delir (akute Verwirrtheit), Erbrechen, Diarrhoe (Durchfall) und Multiorganbeteiligung (Beteiligung mehrerer Organe)
Haut und Unterhaut (L00-L99)
- Abszess (Eiteransammlung) der Haut/Weichteile – lokalisierte eitrige Infektion mit Fieber bei systemischer Mitreaktion
- Erysipel/Phlegmone (Wundrose/flächige Weichteilentzündung) – akute bakterielle Haut- und Weichteilinfektion mit Fieber, lokaler Rötung, Schmerz und Überwärmung
Herzkreislaufsystem (I00-I99)
- Infektiöse Endokarditis (entzündliche Herzinnenhautentzündung) – wichtige Ursache von anhaltendem Fieber, insbesondere bei Herzklappenvitien (Herzklappenfehlern), Prothesenklappen (künstlichen Herzklappen), intravasalen Kathetern (Gefäßkathetern), intravenösem Drogenkonsum (Drogenkonsum über die Vene) oder nach relevanter Bakteriämie (Bakterien im Blut)
- Myokarditis (Herzmuskelentzündung) – entzündliche Herzerkrankung, häufig viral (durch Viren) getriggert; Fieber mit Thoraxschmerz (Brustkorbschmerz), Dyspnoe (Atemnot), Palpitationen (Herzklopfen) oder Troponinerhöhung (Erhöhung eines Herzmuskelmarkers) möglich
- Perikarditis (Herzbeutelentzündung) – Fieber mit atemabhängigem Thoraxschmerz, Perikardreiben (Herzbeutelreiben) und gegebenenfalls Perikarderguss (Flüssigkeit im Herzbeutel)
- Postinfarkt-Fieber/Dressler-Syndrom (Fieber nach Herzinfarkt/Entzündung nach Herzinfarkt) – Fieber nach Myokardinfarkt (Herzinfarkt) oder kardialem Eingriff (Herzeingriff); frühes resorptives Fieber (Fieber durch Gewebeabbau) versus spätere immunvermittelte Perikarditis/Pleuritis (Rippenfellentzündung) differenzieren
Infektiöse und parasitäre Krankheiten (A00-B99)
- Bakterielle Infektionen
- Abszessfieber (Fieber durch Eiteransammlung) – anhaltendes oder intermittierendes Fieber (wechselnd auftretendes Fieber) bei intraabdominellem (im Bauchraum gelegenem), pulmonalem (lungenbezogenem), zerebralem (hirnbezogenem), dentalem (zahnbezogenem), kutanem (hautbezogenem) oder postoperativem (nach einer Operation auftretendem) Abszess
- Borreliose (Lyme-Krankheit) – Fieber insbesondere in der Frühphase oder bei disseminierter Erkrankung (im Körper ausgebreiteter Erkrankung)
- Brucellose (Maltafieber) [Mittelmeerraum, Naher Osten] – undulierendes Fieber (wellenförmig verlaufendes Fieber) nach Kontakt zu Nutztieren oder nicht pasteurisierten Milchprodukten
- Leptospirose (Morbus Weil) – Fieber nach Süßwasser-, Tier- oder Urinexposition; schwere Form als Morbus Weil
- Listeriose (Infektion mit Listerien) – Fieber insbesondere bei Schwangerschaft, Alter, Immunsuppression (Unterdrückung des Immunsystems) oder schwerer systemischer Infektion
- Meningokokken-Infektion (Infektion mit Meningokokken)* – Fieber mit Petechien (punktförmigen Hautblutungen), Meningitiszeichen (Hirnhautentzündungszeichen) oder Sepsiszeichen (Blutvergiftungszeichen) als Notfall
- Q-Fieber – Zoonose (vom Tier auf den Menschen übertragene Infektion) mit Fieber, Pneumonie, Hepatitis (Leberentzündung) oder chronischem Verlauf mit Endokarditis
- Typhus abdominalis/Paratyphus (schwere bakterielle Darminfektionen) [Süd-/Südostasien, Afrika] – Reiseassoziiertes prolongiertes Fieber (verlängert anhaltendes Fieber) mit gastrointestinaler Symptomatik (Magen-Darm-Beschwerden)
- Tuberkulose (Schwindsucht) – wichtige Ursache von anhaltendem Fieber, Nachtschweiß und Gewichtsverlust
- Virale Infektionen
- Chikungunya-Fieber [Tropen/Subtropen] – Fieber mit ausgeprägten Arthralgien (Gelenkschmerzen)
- Cytomegalievirus-Infektion (Infektion mit dem Cytomegalievirus) – Fieber insbesondere bei Immunsuppression oder mononukleoseähnlichem Syndrom (pfeifferdrüsenfieberähnlichem Krankheitsbild)
- Dengue-Fieber [Tropen/Subtropen] – akutes hohes Fieber, Myalgien (Muskelschmerzen), Exanthem (Hautausschlag), Thrombozytopenie (Mangel an Blutplättchen); hämorrhagische Warnzeichen (Blutungswarnzeichen) beachten
- Epstein-Barr-Virus-Infektion/infektiöse Mononukleose (Pfeiffer-Drüsenfieber)* – Fieber, Tonsillopharyngitis, Lymphadenopathie (Lymphknotenschwellung) und Splenomegalie (Milzvergrößerung)
- Hepatitis B/Hepatitis C – Fieber im Prodromalstadium (Vorstadium) möglich
- HIV-Primärinfektion (erste Krankheitsphase nach HIV-Ansteckung) – Fieber mit Exanthem, Lymphadenopathie, Pharyngitis oder Ulzera (Geschwüren)
- Influenza (Grippe)* – akutes Fieber mit Myalgien, trockenem Husten und ausgeprägtem Krankheitsgefühl
- Masern* – Fieber mit Exanthem, Konjunktivitis (Bindehautentzündung), Husten und Koplik-Flecken (typischen Schleimhautflecken)
- SARS-CoV-2-Infektion (COVID-19) – Fieber mit respiratorischer (atemwegsbezogener), gastrointestinaler oder systemischer Symptomatik
- Virales hämorrhagisches Fieber (Virusinfektion mit Blutungsneigung) [Endemie-/Ausbruchsgebiete] – Fieber mit Blutungszeichen, Schock (Kreislaufversagen) oder Organbeteiligung
- Varizellen (Windpocken)* – Fieber mit generalisiertem vesikulärem Exanthem (blasenbildendem Hautausschlag)
- Mykosen
- Aspergillose (Schimmelpilzinfektion) – Fieber bei invasiver Erkrankung (eindringender Erkrankung), insbesondere bei Neutropenie (Mangel an neutrophilen Abwehrzellen), Transplantation oder Immunsuppression
- Candidämie/invasive Candidiasis (Candida-Pilzinfektion im Blut/eindringende Candida-Infektion) – Fieber bei Intensivpatienten, zentralvenösen Kathetern (zentralen Venenkathetern), parenteraler Ernährung (Ernährung über die Vene) oder Antibiotikavortherapie
- Pneumocystis-jirovecii-Pneumonie (Lungenentzündung durch Pneumocystis jirovecii) – Fieber, trockener Husten und Belastungsdyspnoe (Atemnot bei Belastung) bei Immunsuppression
- Parasitische Infektionen
- Amöbenleberabszess (Eiteransammlung in der Leber durch Amöben) [Tropen/Subtropen] – Fieber mit rechtsseitigen Oberbauchschmerzen nach Reise- oder Migrationsanamnese (Vorgeschichte zu Reise oder Zuwanderung)
- Katayama-Fieber/akute Schistosomiasis (akute Bilharziose) [Süßwasserexposition in Endemiegebieten] – Fieber mit Eosinophilie (Erhöhung bestimmter weißer Blutkörperchen), Husten, Diarrhoe oder Hepatosplenomegalie
- Leishmaniose, viszeral (innere Leishmaniose) [Mittelmeerraum, Tropen/Subtropen] – anhaltendes Fieber, Splenomegalie, Panzytopenie (Mangel aller Blutzellreihen) und Gewichtsverlust
- Malaria (Wechselfieber) [Afrika, Süd-/Südostasien, Südamerika] – wichtigste potenziell lebensbedrohliche Differenzialdiagnose (mögliche andere Ursache) bei Fieber nach Tropenaufenthalt
- Rickettsiosen (Infektionen durch Rickettsien) [Afrika, Mittelmeerraum, Asien] – Fieber nach Zecken-, Milben-, Läuse- oder Flohexposition, häufig mit Exanthem oder Eschar (Schorf an der Eintrittsstelle)
- Strongyloidiasis (Infektion mit Zwergfadenwürmern) – Fieber bei Hyperinfektionssyndrom (massiver Ausbreitung der Infektion), insbesondere unter Corticosteroiden (Kortisonpräparaten) oder Immunsuppression
- Sepsis (Blutvergiftung) – lebensbedrohliche Organdysfunktion (Organfunktionsstörung) durch dysregulierte Wirtsantwort (fehlgesteuerte Körperantwort) auf eine Infektion; typische Herde sind Lunge, Urogenitaltrakt (Harn- und Geschlechtsorgane), Abdomen (Bauchraum), Haut/Weichteile, Katheter und Zentrales Nervensystem (Gehirn und Rückenmark)
Leber, Gallenblase und Gallenwege – Pankreas (Bauchspeicheldrüse) (K70-K77; K80-K87)
- Akute Cholangitis (Gallengangentzündung) – Fieber mit Cholestase (Gallenstau), Ikterus (Gelbsucht) und Oberbauchschmerz; bei Sepsiszeichen Notfall
- Akute Cholezystitis (Gallenblasenentzündung) – Fieber mit rechtsseitigem Oberbauchschmerz und Entzündungszeichen
- Akute Pankreatitis (Bauchspeicheldrüsenentzündung) – Fieber bei inflammatorischer Systemreaktion (entzündlicher Ganzkörperreaktion), Nekrose (Gewebeuntergang) oder infektiöser Komplikation
- Leberabszess (Eiteransammlung in der Leber) – Fieber mit Oberbauchschmerz, erhöhten Entzündungsparametern und gegebenenfalls Cholestasezeichen (Zeichen eines Gallenstaus)
Mund, Ösophagus (Speiseröhre), Magen und Darm (K00-K67; K90-K93)
- Akute Appendicitis (Blinddarmentzündung)*
- Akute Gastroenteritis (Magen-Darm-Entzündung)*
- Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen – Fieber bei aktivem Morbus Crohn (chronisch-entzündliche Darmerkrankung) oder Colitis ulcerosa (chronisch-entzündliche Dickdarmerkrankung), insbesondere bei schwerem Schub oder Komplikation
- Divertikulitis (Entzündung von Darmausstülpungen) – Fieber mit linksseitigem Unterbauchschmerz und Entzündungszeichen
- Intraabdomineller Abszess (Eiteransammlung im Bauchraum) – anhaltendes Fieber nach Appendicitis, Divertikulitis, Perforation (Durchbruch), Operation oder interventionellem Eingriff (Eingriff über Katheter oder Punktion)
Muskel-Skelett-System und Bindegewebe (M00-M99)
- Adult-onset Still-Syndrom (Still-Syndrom des Erwachsenen) – autoinflammatorische Erkrankung (Erkrankung durch angeborene Entzündungsfehlsteuerung) mit hohem, oft quotidianem Fieber (täglich auftretendem Fieber), Exanthem, Arthralgien und Hyperferritinämie (stark erhöhtem Ferritinwert)
- Arteriitis temporalis/Polymyalgia rheumatica (Schläfenarterienentzündung/rheumatische Muskelschmerzerkrankung) – Fieber bei älteren Patienten, häufig mit Kopfschmerz, Kauschmerz, Schulter-/Beckengürtelschmerzen oder BSG-/CRP-Erhöhung (Erhöhung von Entzündungswerten)
- Kollagenosen (Bindegewebserkrankungen) – insbesondere systemischer Lupus erythematodes (entzündliche Autoimmunerkrankung), Dermatomyositis/Polymyositis (entzündliche Muskel- und Haut-/Muskelerkrankung) und Mischkollagenose (gemischte Bindegewebserkrankung) als nichtinfektiöse Fieberursachen
- Nekrotisierende Fasziitis (schwere Weichteilinfektion mit Gewebeuntergang) – foudroyante bakterielle Weichteilinfektion mit starken Schmerzen, systemischer Toxizität (schwerer Allgemeinvergiftung) und rascher Progression (Fortschreiten) [Creatinkinase ↑]
- Osteomyelitis (Knochenentzündung) – Fieber mit lokalem Knochenschmerz, Belastungsschmerz oder Risikokonstellation wie Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit), Ulkus (Geschwür), Trauma (Verletzung) oder Operation
- Septische Arthritis (eitrige Gelenkentzündung) – Fieber mit akut schmerzhaftem, überwärmtem Gelenk; Notfall wegen rascher Gelenkdestruktion (Gelenkzerstörung)
- Vaskulitiden (Gefäßentzündungen) – systemische Gefäßentzündungen mit Fieber, Allgemeinsymptomen und organbezogenen Manifestationen (Krankheitszeichen)
Neubildungen – Tumorerkrankungen (C00-D48)
- Akute Leukämien (akute Blutkrebserkrankungen) – Fieber durch Tumoraktivität, Infektion oder Neutropenie; häufig mit Anämie (Blutarmut), Thrombozytopenie oder Blasten (unreifen Blutzellen)
- Hepatozelluläres Karzinom/Lebermetastasen (Leberzellkrebs/Tochtergeschwülste in der Leber) – Tumorfieber oder Fieber bei Nekrose, Cholangitis oder Abszedierung (Abszessbildung)
- Lymphome (Lymphdrüsenkrebs) – klassische Ursache von anhaltendem Fieber, häufig mit Nachtschweiß, Gewichtsverlust und Lymphadenopathie
- Nierenzellkarzinom (Nierenkrebs) – paraneoplastisches Fieber (durch eine Krebserkrankung indirekt ausgelöstes Fieber) als mögliche Manifestation
- Solide Tumoren (feste Tumoren) mit Nekrose, Obstruktion (Verlegung) oder sekundärer Infektion (Folgeinfektion) – insbesondere Bronchialkarzinom (Lungenkrebs), Kolonkarzinom (Dickdarmkrebs), Mammakarzinom (Brustkrebs) und Ovarialkarzinom (Eierstockkrebs)
Ohren – Warzenfortsatz (H60-H95)
- Akute Otitis media (Mittelohrentzündung)*
- Mastoiditis (Entzündung des Warzenfortsatzes)* – Fieber mit retroaurikulärem Schmerz (Schmerz hinter dem Ohr), abstehender Ohrmuschel oder Otitis-media-Komplikation
Psyche – Nervensystem (F00-F99; G00-G99)
- Enzephalitis (Gehirnentzündung) – Fieber mit Bewusstseinsstörung, fokal-neurologischen Defiziten (örtlich begrenzten Nervenausfällen) oder Krampfanfällen
- Meningitis (Hirnhautentzündung)* – Fieber mit Kopfschmerz, Nackensteifigkeit, Bewusstseinsstörung, Petechien oder fokal-neurologischen Zeichen
- Hirnabszess (Eiteransammlung im Gehirn) – Fieber mit Kopfschmerz, fokal-neurologischen Defiziten oder epileptischen Anfällen (Krampfanfällen)
Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett (O00-O99)
- Chorioamnionitis (Eihaut- und Fruchtwasserentzündung) – Fieber unter der Geburt oder bei vorzeitigem Blasensprung mit maternaler/fetaler Tachykardie (Herzrasen der Mutter/des Kindes), Uterusdruckschmerz (Druckschmerz der Gebärmutter) oder übelriechendem Fruchtwasser
- Puerperalfieber (Wochenbettfieber) – Fieber im Wochenbett, insbesondere bei Endometritis (Gebärmutterschleimhautentzündung), Wundinfektion, Mastitis (Brustdrüsenentzündung), Harnwegsinfekt oder septischer Beckenvenenthrombose (infiziertem Blutgerinnsel in einer Beckenvene)
Symptome und abnorme klinische und Laborbefunde, die anderenorts nicht klassifiziert sind (R00-R99)
- Fieber unklarer Genese (Fieber unbekannter Ursache) – wiederholt dokumentierte Körpertemperatur ≥ 38,3 °C über mehr als 3 Wochen ohne Diagnose nach angemessener Abklärung
- Fieber bei Reiserückkehrern – bis zum Beweis des Gegenteils Malaria, Dengue-Fieber, Typhus/Paratyphus, Rickettsiose, Leptospirose, virale hämorrhagische Fieber und akute HIV-Infektion berücksichtigen
- Systemisches inflammatorisches Response-Syndrom (SIRS) (systemische Entzündungsreaktion) – systemische Entzündungsreaktion infektiöser oder nichtinfektiöser Genese (Ursache)
Urogenitalsystem (Nieren, Harnwege – Geschlechtsorgane) (N00-N99)
- Akute Pyelonephritis (Nierenbeckenentzündung)* – Fieber mit Flankenschmerz, Dysurie (Schmerzen beim Wasserlassen) oder Klopfschmerz des Nierenlagers
- Akute Prostatitis (Prostataentzündung) – Fieber mit Dysurie, perinealem Schmerz (Schmerz im Dammbereich), Harnverhalt (Unfähigkeit, Wasser zu lassen) oder druckschmerzhafter Prostata
- Adnexitis/Pelvic inflammatory disease (Eileiter- und Eierstockentzündung/entzündliche Beckenerkrankung) – Fieber mit Unterbauchschmerz, Fluor (Ausfluss), Portioschiebeschmerz (Schmerz beim Bewegen des Gebärmutterhalses) oder Adnexdruckschmerz (Druckschmerz im Bereich von Eileiter und Eierstock)
- Harnwegsinfekt (HWI) (Infektion der Harnwege)* – Fieber insbesondere bei oberem Harnwegsinfekt, kompliziertem Verlauf oder Urosepsis (Blutvergiftung ausgehend von den Harnwegen)
Ursachen (äußere) von Morbidität und Mortalität (V01-Y84)
- Postoperatives Fieber (Fieber nach Operation) – in den ersten Tagen häufig resorptiv oder inflammatorisch (entzündlich); bei persistierendem (anhaltendem), spätem oder klinisch auffälligem Verlauf an Pneumonie, Harnwegsinfekt, Wundinfektion, Katheterinfektion, intraabdominellen Abszess, Thromboembolie (Gefäßverschluss durch Blutgerinnsel) oder Clostridioides-difficile-Infektion (Darminfektion durch Clostridioides difficile) denken
- Postvakzinales Fieber (Fieber nach Impfung)* – zeitlich plausibles, meistens selbstlimitierendes Fieber (von selbst abklingendes Fieber) nach Impfung; schwere Impfreaktion oder interkurrente Infektion (gleichzeitig auftretende Infektion) differenzieren
- Transfusionsreaktion (Reaktion auf Blutübertragung) – Fieber während oder nach Blutproduktgabe; hämolytische (blutzellauflösende), febrile nicht-hämolytische (fieberhafte nicht-blutzellauflösende), septische und allergische Reaktionen differenzieren
Verletzungen, Vergiftungen und andere Folgen äußerer Ursachen (S00-T98)
- Resorptionsfieber nach großem Hämatom (Bluterguss), Trauma oder Verbrennung – nichtinfektiöses Fieber durch Gewebeabbau; Infektion ausschließen bei prolongiertem oder septischem Verlauf
Medikamente
- Arzneimittelfieber (Medikamentenfieber) – Fieber ohne andere gesicherte Ursache, typischerweise unter anderem bei Antibiotika, Antikonvulsiva (Medikamente gegen Krampfanfälle), Allopurinol (Harnsäuresenker), Heparinen (blutgerinnungshemmenden Medikamenten), Biologika (biotechnologisch hergestellten Medikamenten), Antihypertensiva (Blutdrucksenkern), Antipsychotika (Medikamenten gegen Psychosen) und nichtsteroidalen Antirheumatika (entzündungshemmenden Schmerzmitteln); häufig Besserung nach Absetzen
- DRESS/DiHS (Arzneimittelreaktion mit Eosinophilie und systemischen Symptomen/Arzneimittel-induziertes Hypersensitivitätssyndrom) – Fieber mit Exanthem, Eosinophilie, Lymphadenopathie und Organbeteiligung
Hyperthermie
Definition – Hyperthermie ist eine erhöhte Körperkerntemperatur ohne Sollwertverstellung im hypothalamischen Wärmeregulationszentrum; die Wärmeproduktion oder Wärmezufuhr übersteigt die Wärmeabgabe. Antipyretika (fiebersenkende Medikamente) sind pathophysiologisch (krankheitsmechanistisch) nicht kausal wirksam, entscheidend sind Expositionsstopp (Beendigung der Einwirkung), Kühlung und Behandlung der Ursache.
Endokrine, Ernährungs- und Stoffwechselkrankheiten (E00-E90)
- Thyreotoxische Krise – hypermetabole Entgleisung (Stoffwechselüberaktivierung) mit Fieber/Hyperthermie, Tachykardie, zentralnervösen Symptomen (Beschwerden des Gehirns und Rückenmarks) und gastrointestinaler Symptomatik
Psyche – Nervensystem (F00-F99; G00-G99)
- Zentrale Hyperthermie (Überwärmung durch Störung im Gehirn) nach Schädigung des zentralen Nervensystems – bei Schädel-Hirn-Trauma (Kopf-Hirn-Verletzung), Subarachnoidalblutung (Blutung zwischen Hirnhäuten), intrazerebraler Blutung (Blutung im Gehirn), ischämischem Schlaganfall (Schlaganfall durch Durchblutungsstörung) oder hypothalamischer Läsion (Schädigung des Temperatursteuerungszentrums)
- Serotonin-Syndrom (Serotonin-Überaktivierungssyndrom) – Hyperthermie mit Agitation (Unruhe), Tremor (Zittern), Hyperreflexie (gesteigerten Reflexen), Klonus (rhythmischen Muskelzuckungen) und autonomer Instabilität (Störung unwillkürlicher Körperfunktionen) nach serotonergen Substanzen (den Serotoninstoffwechsel beeinflussenden Substanzen)
Symptome und abnorme klinische und Laborbefunde, die anderenorts nicht klassifiziert sind (R00-R99)
- Exsikkose-/Dehydratationsassoziierte Hyperthermie (Überwärmung bei Austrocknung/Flüssigkeitsmangel) – verminderte Wärmeabgabe durch Flüssigkeitsdefizit, eingeschränktes Schwitzen und Kreislaufbelastung, besonders bei älteren Patienten, Kindern und Pflegebedürftigkeit
Verletzungen, Vergiftungen und andere Folgen äußerer Ursachen (S00-T98)
- Belastungsinduzierte Hyperthermie/exertional heat illness (Überwärmung durch körperliche Belastung/hitzebedingte Belastungserkrankung) – Hyperthermie bei intensiver körperlicher Belastung, hoher Umgebungstemperatur, hoher Luftfeuchtigkeit oder unzureichender Akklimatisation (Anpassung an Hitze)
- Hitzschlag – lebensbedrohliche Hyperthermie mit zentralnervöser Dysfunktion (Funktionsstörung des Gehirns und Rückenmarks); klassisch bei Hitzeexposition (Hitzeeinwirkung), Belastung oder Risikokonstellation mit gestörter Wärmeabgabe
- Sonnenstich – meningeale Reizung (Reizung der Hirnhäute) und Kopfschmerz nach direkter Sonneneinstrahlung auf Kopf/Nacken; Körperkerntemperatur kann normal oder erhöht sein
Medikamente
- Anticholinerges Syndrom (Vergiftungsbild durch Hemmung des Botenstoffs Acetylcholin) – Hyperthermie mit trockener heißer Haut, Mydriasis (Pupillenerweiterung), Tachykardie, Harnverhalt und Delir; Auslöser unter anderem Antihistaminika (Medikamente gegen Allergien), trizyklische Antidepressiva (ältere Medikamente gegen Depressionen), Antipsychotika und Spasmolytika (krampflösende Medikamente)
- Neuroleptisches malignes Syndrom (schwere Reaktion auf Neuroleptika) – Hyperthermie mit Rigor (Muskelstarre), Bewusstseinsstörung, autonomer Instabilität und Creatinkinase-Erhöhung (Erhöhung eines Muskelwertes) nach Dopaminantagonisten (Dopaminblockern) oder dopaminerger Therapieunterbrechung (Unterbrechung einer Dopamintherapie)
- Sympathomimetika-assoziierte Hyperthermie (Überwärmung durch anregende Substanzen) – insbesondere Amphetamine, Kokain, 3,4-Methylendioxymethamphetamin (MDMA) und andere Stimulanzien (anregende Substanzen); häufig mit Agitation, Tachykardie, Hypertonie (Bluthochdruck) und Rhabdomyolyse (Zerfall von Muskelgewebe)
Umweltbelastungen – Intoxikationen (Vergiftungen)
- Drogeninduzierte Hyperthermie (drogenbedingte Überwärmung) – insbesondere Stimulanzien, 3,4-Methylendioxymethamphetamin (MDMA), Kokain, Amphetamine, synthetische Cathinone (künstliche Aufputschmittel) und anticholinerg wirkende Substanzen
- Hitzebelastung durch Umgebung – hohe Umgebungstemperatur, hohe Luftfeuchtigkeit, fehlende Kühlung, ungeeignete Kleidung, Arbeitsschutzdefizite oder unzureichende Flüssigkeitszufuhr
Maligne Hyperthermie (MH)
Definition – die maligne Hyperthermie ist eine seltene, potenziell letale pharmakogenetische Hypermetabolismuskrise (erblich mitbedingte schwere Stoffwechselkrise) der Skelettmuskulatur (Muskulatur des Bewegungsapparats), meistens bei genetischer Suszeptibilität (erblicher Veranlagung) des Ryanodinrezeptor-/Calciumstoffwechsels (Calciumsteuerung in der Muskelzelle). Klinisch typisch sind rascher Anstieg des endtidalen Kohlendioxids (Kohlendioxid in der Ausatemluft), Tachykardie, Muskelrigidität (Muskelstarre), metabolische/respiratorische Acidose (stoffwechselbedingte/atmungsbedingte Übersäuerung), Hyperkaliämie, Rhabdomyolyse, Creatinkinase-Erhöhung, Myoglobinurie (Muskelfarbstoff im Urin) und Hyperthermie, wobei die Temperaturerhöhung ein spätes Zeichen sein kann.
Verletzungen, Vergiftungen und andere Folgen äußerer Ursachen (S00-T98)
- Maligne Hyperthermie durch Anästhesie (Narkose) – akuter anästhesiologischer Notfall (Notfall im Zusammenhang mit Narkose) bei entsprechender Suszeptibilität und Exposition gegenüber Triggersubstanzen (auslösenden Substanzen); sofortige Triggerunterbrechung (Beendigung des Auslösers), Dantrolen (Gegenmittel bei maligner Hyperthermie), aktive Kühlung und intensivmedizinische Stabilisierung erforderlich
Medikamente
- Depolarisierende Muskelrelaxanzien (muskelerschlaffende Medikamente) – Succinylcholin ist ein klassischer Trigger einer malignen Hyperthermie
- Potente volatile Inhalationsanästhetika (starke gasförmige Narkosemittel) – insbesondere Sevofluran, Isofluran, Desfluran und Methoxyfluran; Halothan historisch relevant
- Nicht als typische klinische Trigger gelten Lachgas, Opioide (starke Schmerzmittel), Benzodiazepine (Beruhigungsmittel), Propofol und nichtdepolarisierende Muskelrelaxanzien; Koffein und Ryanodin sind vor allem diagnostisch im In-vitro-Kontrakturtest (Labortest an entnommenem Muskelgewebe) relevant, nicht als übliche klinische Auslöser einer Narkosekrise
Weiteres
- Maligne-Hyperthermie-Suszeptibilität (Veranlagung für maligne Hyperthermie) – genetische Prädisposition (erbliche Veranlagung), häufig autosomal-dominant (mit 50-%-Vererbungsrisiko), insbesondere mit Varianten in RYR1, seltener CACNA1S oder STAC3; relevant für Anästhesieplanung, Familienanamnese (familiäre Krankheitsvorgeschichte) und Abklärung in spezialisierten Zentren
Legende
- Fettdruck – anhaltendes Fieber, das heißt Fieber über mehr als 3 Wochen; markiert sind besonders wichtige oder häufig bis gelegentlich relevante Ursachen
- * – Fieber bei Kindern; markiert sind häufig bis gelegentlich relevante pädiatrische Ursachen (Ursachen bei Kindern)
- [typische Reiseziele] – typische geographische Expositions- oder Reisebezüge; sie ersetzen keine individuelle Reise-, Expositions- und Inkubationsanamnese (Anamnese zur Ansteckungszeit)