Überwärmung (Hyperthermie) – Folgeerkrankungen

Im Folgenden die wichtigsten Erkrankungen bzw. Komplikationen, die durch Fieber (erhöhte Körpertemperatur durch Sollwertverstellung) beziehungsweise Hyperthermie (Überwärmung ohne Sollwertverstellung) mitbedingt sein können:

Folgeerkrankungen beziehungsweise Komplikationen durch Fieber

Psyche – Nervensystem (F00-F99; G00-G99)

  • Fieberkrämpfe (Krampfanfälle bei Fieber) – Auftreten vor allem bei Säuglingen (Babys) und Kleinkindern im Alter von 6 Monaten bis 5 Jahren; typische Auslösung durch fieberhafte Infekte (Ansteckungskrankheiten), nicht durch Hyperthermie im engeren Sinne [1, LL1]
  • Komplexe Fieberkrämpfe (komplizierte Krampfanfälle bei Fieber) – Fokaler Beginn (Beginn an einer Körperstelle), Dauer ≥ 15 Minuten oder wiederholtes Auftreten innerhalb von 24 Stunden; dadurch höhere diagnostische Relevanz (Bedeutung für die Abklärung) als einfache Fieberkrämpfe [1, LL1]
  • Delir (akute Verwirrtheit) – Fieberassoziierte akute Verwirrtheit, insbesondere bei älteren Patienten, Demenz (krankhafte geistige Leistungsminderung), vorbestehender Hirnerkrankung, Dehydratation (Austrocknung), Polypharmazie (Einnahme vieler Medikamente) oder schwerer Infektion (Entzündung durch Krankheitserreger) [2]
  • Exazerbation (Verschlechterung) vorbestehender neurologischer Erkrankungen (Erkrankungen des Nervensystems) – Symptomverschlechterung bei vulnerablen Patienten (besonders anfälligen Patienten) durch Entzündungsreaktion, metabolischen Stress (Stoffwechselbelastung), Schlafmangel, Dehydratation oder Infektbelastung [2]

Atmungssystem (J00-J99)

  • Dekompensation (Entgleisung) vorbestehender pulmonaler Erkrankungen (Lungenerkrankungen) – Fieberbedingter Mehrbedarf und Tachypnoe (beschleunigte Atmung) können eine chronisch obstruktive Lungenerkrankung (dauerhaft verengende Lungenerkrankung), interstitielle Lungenerkrankung (Erkrankung des Lungengerüsts), pulmonale Hypertonie (Lungenhochdruck) oder respiratorische Insuffizienz (Atemschwäche) klinisch verschlechtern [2]
  • Hypoxämie (Sauerstoffmangel im Blut) bei fieberhafter Infektion – Insbesondere bei Pneumonie (Lungenentzündung), Sepsis (Blutvergiftung), vorbestehender Lungenerkrankung oder eingeschränkter Atemreserve; nicht als primäre Hyperthermiekomplikation zu werten [2]

Endokrine, Ernährungs- und Stoffwechselkrankheiten (E00-E90)

  • Dehydratation – Fieber erhöht den Flüssigkeitsbedarf und kann bei reduzierter Aufnahme, Erbrechen, Diarrhoe (Durchfall) oder Schwitzen zu Exsikkose (Austrocknung) und Kreislaufinstabilität beitragen [2]
  • Entgleisung eines Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) – Fieberhafte Infekte können durch Stresshormone, reduzierte Nahrungsaufnahme oder Dehydratation Hyperglykämie (erhöhter Blutzucker), Ketose (vermehrte Ketonkörperbildung) oder Hypoglykämie (Unterzuckerung) begünstigen [2]
  • Katabolismus (Abbaustoffwechsel) – Bei länger anhaltendem Fieber kann der gesteigerte Energieverbrauch insbesondere bei älteren, frailen (gebrechlichen) oder chronisch kranken Patienten zur Verschlechterung des Allgemeinzustands beitragen [2]

Herzkreislaufsystem (I00-I99)

  • Dekompensation einer vorbestehenden Herzinsuffizienz (Herzschwäche) – Fieberbedingter Anstieg von Herzfrequenz (Herzschlagzahl), Sauerstoffverbrauch und metabolischem Bedarf kann bei eingeschränkter kardialer Reserve (Herzleistungsreserve) zur klinischen Verschlechterung beitragen [2]
  • Myokardiale Belastung (Belastung des Herzmuskels) beziehungsweise Ischämietriggerung (Auslösung einer Minderdurchblutung) – Besonders relevant bei koronarer Herzkrankheit (Verengung der Herzkranzgefäße), schwerer Anämie (Blutarmut), Hypoxämie, Tachykardie (Herzrasen) oder Sepsis [2]
  • Kreislaufinstabilität – Möglich bei fieberhafter Infektion mit Flüssigkeitsverlust, verminderter Trinkmenge, Vasodilatation (Gefäßerweiterung) oder begleitender Sepsis; dies ist von hitzebedingter Hitzeerschöpfung abzugrenzen [2]

Leber, Gallenblase und Gallenwege – Pankreas (K70-K77; K80-K87)

  • Fiebergetriggertes rezidivierendes akutes Leberversagen (wiederkehrendes plötzliches Leberversagen) bei NBAS-Defizienz (Mangel durch Veränderung im NBAS-Gen) – Seltene genetisch determinierte Erkrankung (erblich bedingte Erkrankung) mit fieberassoziierten Episoden eines akuten Leberversagens, typischerweise im Kindesalter; keine typische Folge einer Umwelt- oder Belastungshyperthermie [3, 4]
  • Verschlechterung vorbestehender Lebererkrankungen – Möglich bei fieberhafter Infektion, Sepsis, Dehydratation oder medikamentöser Belastung; ätiologische Abklärung (Ursachenabklärung) der fieberauslösenden Grundkrankheit erforderlich [2]

Symptome und abnorme klinische und Laborbefunde, die anderenorts nicht klassifiziert sind (R00-R99)

  • Exsikkose – Fieberbedingter Flüssigkeitsverlust mit Durst, Tachykardie, Hypotonie (niedriger Blutdruck), Konzentrationsstörung und reduzierter Diurese (verminderter Harnausscheidung), insbesondere bei Säuglingen, älteren Patienten und Pflegebedürftigen [2]
  • Synkope (kurzzeitige Bewusstlosigkeit) beziehungsweise Präsynkope (Beinahe-Bewusstlosigkeit) – Möglich bei fieberhafter Infektion mit Hypovolämie (vermindertem Blutvolumen), Vasodilatation, Orthostase (Kreislaufabfall beim Aufstehen) oder Kreislaufregulationsstörung; abzugrenzen von Hitzesynkope [2]
  • Verschlechterung des Allgemeinzustands – Besonders bei älteren, multimorbiden (mehrfach erkrankten) oder immunsupprimierten Patienten (Patienten mit geschwächtem Immunsystem); prognostisch ist primär die fieberauslösende Grunderkrankung entscheidend [2]

Urogenitalsystem (Nieren, Harnwege – Geschlechtsorgane) (N00-N99)

  • Prärenale Nierenfunktionsstörung (Nierenfunktionsstörung durch Minderdurchblutung) – Fieberbedingter Flüssigkeitsverlust, reduzierte Flüssigkeitsaufnahme, Erbrechen oder Diarrhoe können bei vulnerablen Patienten eine prärenale akute Nierenschädigung (plötzliche Nierenschädigung durch Minderdurchblutung) begünstigen [2]
  • Dekompensation vorbestehender chronischer Niereninsuffizienz (dauerhafte Nierenschwäche) – Besonders bei Dehydratation, fieberhafter Infektion, Sepsis oder nephrotoxischer Begleitmedikation (nierenschädigender Begleitmedikation) [2]

Folgeerkrankungen beziehungsweise Komplikationen durch Hyperthermie

Atmungssystem (J00-J99)

  • Hitzschlag (lebensbedrohliche Überwärmung) – Akutes Lungenversagen beziehungsweise akutes Atemnotsyndrom (schweres Lungenversagen) bei schwerer systemischer Inflammation (den ganzen Körper betreffende Entzündungsreaktion), Endothelschädigung (Schädigung der Gefäßinnenwand), Schock (Kreislaufversagen) und Multiorgandysfunktion (Funktionsstörung mehrerer Organe) [5, 6, LL2, LL3]
  • Respiratorische Insuffizienz – Möglich bei schwerer Hyperthermie mit Enzephalopathie (Hirnfunktionsstörung), Aspiration (Einatmen von Fremdmaterial), Schock, metabolischer Azidose (stoffwechselbedingter Übersäuerung) oder Multiorganversagen (Versagen mehrerer Organe) [5, 6, LL3]
  • Exazerbation vorbestehender pulmonaler Erkrankungen – Hitzeexposition (Hitzebelastung) kann chronische Atemwegserkrankungen oder kardiorespiratorische Insuffizienz (Herz-Lungen-Schwäche) verschlechtern, insbesondere bei älteren Patienten und Dehydratation [LL2]

Blut, blutbildende Organe – Immunsystem (D50-D90)

  • Hitzschlag – Disseminierte intravasale Koagulopathie (Verbrauchsgerinnungsstörung) bei schwerer Endothelschädigung, systemischer Inflammation, Leberschädigung, Schock und Multiorgandysfunktion [5, 6, LL2, LL3]
  • Maligne Hyperthermie (erblich bedingte Narkose-Überwärmungskrise) – Disseminierte intravasale Koagulopathie als schwere Spätkomplikation bei nicht oder verzögert behandelter Krise [9, LL4]
  • Thrombozytopenie (Mangel an Blutplättchen) beziehungsweise Verbrauchskoagulopathie (Verbrauchsgerinnungsstörung) – Prognostisch relevante Labor- und Organmanifestation bei schwerem Hitzschlag [5, 6, LL3]

Endokrine, Ernährungs- und Stoffwechselkrankheiten (E00-E90)

  • Hitzschlag – Metabolische Azidose beziehungsweise Laktatazidose (Übersäuerung durch Milchsäure) bei Gewebehypoxie (Sauerstoffmangel im Gewebe), Schock, Rhabdomyolyse (Muskelzerfall) und Multiorganversagen [5, 6, LL3]
  • Rhabdomyolyseassoziierte Hyperkaliämie (erhöhter Kaliumspiegel durch Muskelzerfall) – Lebensbedrohliche Elektrolytstörung (Störung der Blutsalze) mit Risiko für ventrikuläre Rhythmusstörungen (Herzrhythmusstörungen aus den Herzkammern) und Herzstillstand [5, 6, 9, LL3, LL4]
  • Hyponatriämie (verminderter Natriumspiegel) oder Hypernatriämie (erhöhter Natriumspiegel) – Möglich bei Hitzeerschöpfung, inadäquater Flüssigkeitszufuhr, salzarmem Schwitzen, übermäßiger Wasseraufnahme oder Dehydratation [LL2]
  • Hypoglykämie beziehungsweise Hyperglykämie – Möglich im Rahmen schwerer Belastungshyperthermie (Überwärmung durch körperliche Belastung), Leberbeteiligung, Stressreaktion oder relevanter Grunderkrankungen [5, 6]

Herzkreislaufsystem (I00-I99)

  • Hitzesynkope (kurzzeitige Bewusstlosigkeit durch Hitze) – Kreislaufkollaps durch periphere Vasodilatation (Gefäßerweiterung in Armen und Beinen), venöses Pooling (Versacken von Blut in den Venen) und relativen Volumenmangel; ohne zentrale neurologische Dysfunktion (Funktionsstörung des zentralen Nervensystems) kein Hitzschlag [LL2]
  • Hitzeerschöpfung (Erschöpfung durch Hitze) – Kreislaufinstabilität mit Schwäche, Tachykardie, Hypotonie, Schwindel und Dehydratation; kann bei fortbestehender Wärmebelastung in einen Hitzschlag übergehen [LL2]
  • Hitzschlag – Schock beziehungsweise Herz-Kreislauf-Versagen bei schwerer Hyperthermie, Vasoplegie (Gefäßlähmung), Hypovolämie, systemischer Inflammation und Multiorgandysfunktion [5, 6, LL2, LL3]
  • Herzrhythmusstörungen – Begünstigt durch Hyperkaliämie, Azidose (Übersäuerung), Hypoxie (Sauerstoffmangel), Myokardschädigung (Herzmuskelschädigung), Katecholaminexzess (überschießende Stresshormonwirkung) oder maligne Hyperthermie [5, 8, 9, LL3, LL4]
  • Myokardschädigung beziehungsweise Myokardischämie (Minderdurchblutung des Herzmuskels) – Möglich bei schwerem Hitzschlag durch Tachykardie, Hypotonie, Hypoxie, Dehydratation und erhöhten Sauerstoffbedarf [8]
  • Herzstillstand – Möglich bei schwerer Hyperthermie, insbesondere bei maligner Hyperthermie, Hyperkaliämie, schwerer Azidose, Schock oder disseminierter intravasaler Koagulopathie [6, 9, LL3, LL4]

Leber, Gallenblase und Gallenwege – Pankreas (K70-K77; K80-K87)

  • Hitzschlag – Akute Leberschädigung (plötzliche Leberschädigung) bis zum akuten Leberversagen, insbesondere bei exertionellem Hitzschlag (belastungsbedingtem Hitzschlag); möglich als Teil eines Multiorgandysfunktionssyndroms [5-7, LL2, LL3]
  • Schwere exertionelle Hyperthermie – Leberversagen mit Gerinnungsstörung, Enzephalopathie und möglicher Transplantationsindikation (Notwendigkeit einer Organübertragung) in seltenen schweren Verläufen [7]

Mund, Ösophagus (Speiseröhre), Magen und Darm (K00-K67; K90-K93)

  • Hitzschlag – Gastrointestinale Barrierestörung (Störung der Darmbarriere) mit Endotoxintranslokation (Übertritt bakterieller Giftstoffe aus dem Darm), systemischer Inflammation und Verstärkung der Multiorgandysfunktion [5, 6]
  • Hitzeerschöpfung – Übelkeit, Erbrechen und Diarrhoe mit Verstärkung von Dehydratation, Elektrolytstörungen und Kreislaufinstabilität [LL2]

Muskel-Skelett-System und Bindegewebe (M00-M99)

  • Exertionelle Hyperthermie/Hitzschlag – Rhabdomyolyse durch thermische und belastungsinduzierte Muskelschädigung; Folgekomplikationen sind Hyperkaliämie, akutes Nierenversagen, metabolische Azidose und disseminierte intravasale Koagulopathie [5, 6, LL2, LL3]
  • Maligne Hyperthermie – Fulminante Rhabdomyolyse (schwerer rasch verlaufender Muskelzerfall) durch hypermetabole Skelettmuskelreaktion (überschießende Stoffwechselreaktion der Skelettmuskulatur) nach Triggerexposition (Auslöserkontakt), insbesondere volatile Inhalationsanästhetika (narkoseauslösende Atemgase) oder Succinylcholin (muskelerschlaffendes Narkosemittel) [9, LL4]
  • Hitzekrämpfe (Muskelkrämpfe durch Hitze) – Belastungsassoziierte Muskelkrämpfe bei Hitzeexposition, Flüssigkeits-/Elektrolytverlust und körperlicher Anstrengung; meist frühe Manifestation (Erscheinungsform) im Spektrum der Hitzekrankheiten [LL2]

Psyche – Nervensystem (F00-F99; G00-G99)

  • Hitzschlag – Akute Enzephalopathie mit Verwirrtheit, Delir, Agitation (krankhafte Unruhe), Ataxie (Störung der Bewegungskoordination), Krampfanfall, Bewusstseinsstörung oder Koma (tiefe Bewusstlosigkeit); neurologische Dysfunktion ist diagnostisches Kernmerkmal des Hitzschlags [5, 6, LL2, LL3]
  • Hirnödem (Hirnschwellung) – Mögliche schwere Komplikation bei prolongierter Hyperthermie (lang anhaltender Überwärmung), systemischer Inflammation, Elektrolytstörung oder Multiorganversagen [5, 6]
  • Persistierende neurologische Defizite (bleibende Ausfälle des Nervensystems) – Möglich nach schwerem Hitzschlag, insbesondere bei verzögerter Kühlung, Koma, Krampfanfällen oder prolongierter Hyperthermie [5, 6, LL3]
  • Exazerbation vorbestehender neurologischer oder psychiatrischer Erkrankungen (seelischer Erkrankungen) – Möglich durch Hitzeexposition, Dehydratation, Medikamenteneffekte, eingeschränkte Thermoregulation (Wärmeregulation) oder reduzierte Hitzewahrnehmung [LL2]

Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett (O00-O99)

  • Maternale hitzebedingte Dekompensation (hitzebedingte Entgleisung bei der Mutter) – Erhöhtes Risiko bei schwerer Hitzeexposition, Dehydratation, Kreislaufbelastung, Komorbidität (Begleiterkrankung) oder eingeschränkter Flüssigkeitsaufnahme [LL2]
  • Schwangerschaftskomplikationen bei extremer Hitzeexposition – Epidemiologisch beschrieben; im individuellen Artikel nur bei gesicherter Hyperthermie-/Hitzeexposition und passender klinischer Konstellation (Krankheitssituation) als Folge zu führen [LL2]

Symptome und abnorme klinische und Laborbefunde, die anderenorts nicht klassifiziert sind (R00-R99)

  • Hitzschlag – Multiorgandysfunktionssyndrom beziehungsweise Multiorganversagen mit Enzephalopathie, Schock, Rhabdomyolyse, akutem Nierenversagen, akuter Leberschädigung, disseminierter intravasaler Koagulopathie und akutem Lungenversagen [5-7, LL2, LL3]
  • Erhöhte Körperkerntemperatur (Temperatur im Körperinneren) mit neurologischer Dysfunktion – Typisch für Hitzschlag; ein einzelner Temperaturgrenzwert darf die klinische Diagnose nicht ersetzen [5, LL2, LL3]
  • Dehydratation – Hitzeassoziierter Flüssigkeitsverlust mit Hypovolämie, Tachykardie, Hypotonie, reduzierter Diurese und prärenaler Nierenfunktionsstörung [LL2]
  • Schock – Folge schwerer Hyperthermie bei Vasoplegie, Hypovolämie, Endothelschädigung, Myokardbelastung und Multiorgandysfunktion [5, 6, LL3]

Urogenitalsystem (Nieren, Harnwege – Geschlechtsorgane) (N00-N99)

  • Akutes Nierenversagen – Häufige schwere Komplikation bei Hitzschlag durch Hypovolämie, Schock, Rhabdomyolyse, Myoglobinurie (Muskelfarbstoff im Urin), disseminierte intravasale Koagulopathie und Multiorgandysfunktion [5, 6, LL3]
  • Myoglobinurie – Folge der Rhabdomyolyse mit Risiko einer tubulären Nierenschädigung (Schädigung der Nierenkanälchen) und Elektrolytstörung [5, 6, 9]
  • Dekompensation vorbestehender chronischer Niereninsuffizienz – Besonders bei älteren Patienten, Dehydratation, Hitzeexposition, Diuretika (Entwässerungsmedikamenten), Renin-Angiotensin-Aldosteron-System-Hemmern (blutdruck- und nierwirksamen Medikamenten) oder nichtsteroidalen Antirheumatika (entzündungshemmenden Schmerzmitteln) [LL2]

Verletzungen, Vergiftungen und andere Folgen äußerer Ursachen (S00-T98)

  • Hitzekrankheit durch äußere Hitzeexposition – Spektrum von Hitzesynkope, Hitzekrämpfen und Hitzeerschöpfung bis Hitzschlag; Progression (Fortschreiten) möglich bei fortbestehender Wärmebelastung, fehlender Kühlung oder Dehydratation [5, LL2, LL3]
  • Kompartmentsyndrom (Druckerhöhung in einer Muskelloge) – Seltene, aber relevante Folge schwerer Rhabdomyolyse, insbesondere bei exertionellem Hitzschlag oder ausgedehnter Muskelnekrose (Absterben von Muskelgewebe) [6]
  • Maligne Hyperthermie nach Triggerexposition – Lebensbedrohliche pharmakogenetische Hypermetabolismuskrise (erblich mitbedingte überschießende Stoffwechselkrise nach Medikamentenkontakt) nach Anästhesietriggern (Narkoseauslösern) mit Risiko für Rhabdomyolyse, Hyperkaliämie, Azidose, Arrhythmien (Herzrhythmusstörungen), disseminierte intravasale Koagulopathie und Tod [9, LL4]

Prognosefaktoren

  • Fieber: Prognose (Krankheitsverlauf) abhängig von Alter, Grunderkrankung, Infektfokus (Ort der Infektion), Sepsisrisiko, Dehydratation, kardiorespiratorischer Reserve (Herz-Lungen-Reserve), neurologischer Vulnerabilität (Anfälligkeit des Nervensystems) und immunologischer Ausgangslage (Zustand des Immunsystems) [2]
  • Fieberkrämpfe: Einfache Fieberkrämpfe sind in der Regel selbstlimitierend (von selbst endend); ungünstiger sind komplexe Fieberkrämpfe, fokale Anfälle (Anfälle mit Beginn an einer Körperstelle), prolongierte Anfallsdauer (verlängerte Anfallsdauer), neurologische Vorerkrankung oder unklare Ursache des Fiebers [1, LL1]
  • Hitzschlag: Ungünstige Prognose bei verzögerter Kühlung, langer Hyperthermiedauer, Koma, Krampfanfällen, Schock, akuter Nierenschädigung, akuter Leberschädigung, disseminierter intravasaler Koagulopathie, schwerer Rhabdomyolyse, metabolischer Azidose und Multiorgandysfunktion [5-7, LL2, LL3]
  • Hitzschlag: Günstigere Prognose bei früher Erkennung, sofortiger aktiver Kühlung, rascher Senkung der Körperkerntemperatur, Therapie von Schock, Elektrolytstörungen, Rhabdomyolyse und Organversagen sowie Vermeidung antipyretischer Fehltherapie (falscher fiebersenkender Behandlung) [5, LL2, LL3]
  • Maligne Hyperthermie: Prognose abhängig von sofortiger Triggerelimination (Entfernung des Auslösers), frühzeitiger Dantrolen-Gabe (Gabe des Gegenmittels Dantrolen), Kontrolle von Hyperkaliämie und Azidose sowie intensivmedizinischem Monitoring (Überwachung auf der Intensivstation) auf Rhabdomyolyse, Nierenversagen und disseminierte intravasale Koagulopathie [9, LL4]

Literatur

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  2. Walter EJ, Hanna-Jumma S, Carraretto M, Forni L: The pathophysiological basis and consequences of fever. Critical Care. 2016;20:200. https://doi.org/10.1186/s13054-016-1375-5
  3. Haack TB, Staufner C, Köpke MG et al.: Biallelic Mutations in NBAS Cause Recurrent Acute Liver Failure with Onset in Infancy. American Journal of Human Genetics. 2015;97(1):163-169. https://doi.org/10.1016/j.ajhg.2015.05.009
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  8. Marchand M, Gin K, O’Connor FG: The Cardiovascular System in Heat Stroke. CJC Open. 2022;4(2):158-163. https://doi.org/10.1016/j.cjco.2021.10.002
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  3. Barletta JF, Palmieri TL, Toomey SA et al.: Society of Critical Care Medicine Guidelines for the Treatment of Heat Stroke. Critical Care Medicine. 2025;53(2):e490-e500. https://doi.org/10.1097/CCM.0000000000006551
  4. Glahn KPE, Girard T, Hellblom A et al.: Recognition and management of a malignant hyperthermia crisis: updated 2024 guideline from the European Malignant Hyperthermia Group. British Journal of Anaesthesia. 2025;134(1):221-223. https://doi.org/10.1016/j.bja.2024.09.022